Chlorchemie

Zweig der chemischen Industrie, der auf der Herstellung und Weiterverarbeitung des chemischen Grundstoffs Chlor beruht. Die Chlorchemie wird im Zuge der Chemie-Diskussion beispielhaft herangezogen, um die Gefährdung der Umwelt mit chlorierten Kohlenwasserstoffen, losgelöst von der Einzelstoffbetrachtung (z. B.: PCB, FCKW, Dioxine), zu dokumentieren. Die Ursache der Kritik an der Chlorchemie liegt in den gravierenden Umweltproblemen, die einige Chlorverbindungen verursachen bzw. verursacht haben. Viele dieser chlorierten Kohlenwasserstoffe zeichnen sich durch hohe Toxizität, schwere Abbaubarkeit (Persistenz) und Anreicherung im tierischen und menschlichen Gewebe, vor allem im Fettgewebe, aus.

Derzeit gibt es 3 großtechnische Verfahren zur Herstellung von Chlor und Natronlauge aus Steinsalz.

Beim Amalgam-Verfahren wird Quecksilber als Elektrode verwendet, was zu Quecksilberemissionen und zur Deponierung giftiger Quecksilber-Rückstände führt. Obwohl die Emissionen an Quecksilber von 1972 bis 1994 bei gleichzeitiger Produktionssteigerung (30%) um 90% reduziert werden konnten, ist die Verwendung von Quecksilber ein Risiko . Die Europäischen Chlorhersteller haben sich verpflichtet, keine neuen Anlagen mehr nach dem Amalgam-Verfahren zu errichten. Dennoch ist es das wichtigste Produktionsverfahren in Europa

Beim Diaphragma-Verfahren wird kein Quecksilber benötigt, die produzierte Natronlauge ist weniger rein als beim Amalgam-Verfahren. Spezielle Problematik ist die Entsorgung der Diaphragmen, die Asbest enthalten. Das Diaphragma-Verfahren stellt in den USA das wichtigste Produktionsverfahren dar. In der EU gilt eine Ausnahmeregelung zum Einsatz von Asbest im Diaphragma-Verfahren.

Das Membran-Verfahren gilt derzeit in der EU als beste verfügbare Technik für neue Produktionen, da es die Vorzüge beider vorgenannter Verfahren vereinigt, weniger Energie als diese benötigt und keine asbest- oder quecksilberhaltigen Abfälle verursacht. Produktionen nach dem Diaphragma-Verfahren wurden in Deutschland bereits auf das Membran-Verfahren umgestellt. In Japan wird praktisch nur nach dem Membranverfahren produziert.


siehe auch Kohlenwasserstoffe, Halogenierte Kohlenwasserstoffe, Pestizide, Chlorierte Kohlenwasserstoffe