Produktgruppeninformation

Begriffsdefinition
Polyvinylchlorid wird durch Polymerisation von Vinylchlorid hergestellt, es besteht zu einem großen Anteil aus Chlor. Polyvinylchlorid (PVC) ist einer der wichtigsten thermoplastischen Massenkunststoffe. Vinylchlorid wurde im Jahr 1838 von Henry Victor Regnault entdeckt, die technische Herstellung begann 1926. Seit 1950 wird PVC industriell als Massenkunststoff produziert.
Wesentliche Bestandteile
PVC besteht aus Chlor, Kohlenstoff und Wasserstoff. Die Strukturformel zeigt das reine PVC-Monomer. Als Weichmacher kommen vorwiegend Phthalate (Phthalsäureester) zum Einsatz. Blei als Stabilisator ist seit 2023 auch in Importprodukten verboten. Alternativ werden heute Calcium-basierte, Zinn-organische oder flüssige Mixed Metal-Stabilisatoren verwendet.

Charakteristik
Reines PVC ist hart und relativ spröde und wird erst durch Zusatz von bis zu 50% Weichmacher-Additiven weich. Erst durch den Zusatz von Stabilisatoren wird PVC gegen Licht- und Witterungseinfluss beständig. Beim Abbau des Kunststoffs, der durch Verfärbung und Versprödung erkennbar wird, kann unter anderem Salzsäure entstehen.
Besonders wichtige Eigenschaft hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz
Die Herstellung von PVC ist nach wie vor ein sehr umwelt- und gesundheitsbelastender Prozess (siehe Herstellung) PVC enthält eine Vielzahl an Additiven wie Weichmacher, Pigmente und Stabilisatoren welche gesundheitsgefährdend sind. So zum z.B. enthalten Produkte aus weichem PVC häufig Phthalate als Weichmacher, die über längere Zeit an die Umwelt abgegeben werden können. Zahlreiche der eingesetzten Phthalate gelten als fruchtbarkeitsschädigend und wassergefährdend.
Anwendungsbereiche (Besonderheiten)
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PVC-Art |
Anwendungsbereiche |
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Hart-PVC |
Rohre für Trinkwasserversorgung, Abwasserableitung, Gas, Kabelschutz (DIN 16873) und Drainagen, Fensterprofile (DIN 16830), Folien, Platten, Rolläden, Dachrinnen, Regenfallrohre, Lüftungsschächte, Fassadenelemente, Lichtkuppeln. |
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Weich-PVC |
Bodenbeläge, Folien, Platten, Schläuche, Profile, Kabel- und Drahtummantelungen, Dichtungen, Dachbahnen, Tapeten. |
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PVC-C |
Rohrleitungen mit erhöhten Anforderungen in aggressiven/korrosiven Umgebungen |
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PVDC |
keine Bedeutung im Bausektor |
Produktionsmengen und Verbrauchszahlen
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Produktionsmengen 2023 [Mio t] |
Deutschland |
Europa |
Welt |
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Kunststoff insgesamt |
11,4 |
54 |
413,8 |
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PVC |
1,23 |
4,5 |
53 |
|
Verbrauchszahlen 2023 [Mio t] |
Deutschland |
Europa |
Welt |
|
Kunststoff insgesamt |
11,25 |
53,3 |
k.D.v |
|
Bausektor |
3,7 (2021) |
12,5 |
k.D.v |
|
PVC |
1,8 (2022) |
k.D.v |
k.D.v |
k.D.v.: keine Daten verfügbar
Einteilungssystematik
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PVC-Art |
Kurzbezeichung |
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Polyvinylchlorid hart |
PVC-U für „PVC unplastifiziert“ |
|
Polyvinylchlorid weich |
PVC-P für „PVC plastifiziert“ |
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Chloriertes Polyvinylchlorid |
PVC-C |
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Polyvinylidenchlorid (Copolymerisation mit Vinylidenchlorid) |
PVDC |
PVDC und PVC-C sind Modifikationen mit höherem Chloranteil als PVC.
Quellen
Europäische Kommission, REACH: Kommission verbietet Blei in PVC-Produkten, 3.05.2023 (Online-Quelle)
ÖkoKauf WIEN, Positionspapier: Vermeidung von PVC (Download)
Bertling, Jürgen; Bertling, Ralf; Hamann, Leandra: Kunststoffe in der Umwelt: Mikro- und Markroplastik, Frauenhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik Umsicht, 2018
PVC Europe, PVC history, 30.6.2012
Vinylplus, Online-Quelle abgerufen am 02/2025
European Chemicals Agency ECHA, Classification & Labelling Inventory database,
Beer G.; Kunststoffe 86 (10); 1996;
Berghaus U.; Kunststoffe 97 (5); 1997;
Brandrup J. (Hrsg.); Die Wiederverwertung von Kunststoffen; 1995; Hanser Verlag; München
Bremer Umwelt Institut e.V., Umweltstiftung WWF (Hrsg.); Kunststoffe. Umwelt- und Gesundheitsgefahren; 1995; Bremer Umweltinstitut e.V.; Bremen
Creemers 96; Thermoplastische Elastomere, eine Übersicht in Kunststoffe 86 (12); 1996
Forschungszentrum Karlsruhe GmbH (Hrsg.); Recycling von PVC. Grundlagen, Stand der Technik, Handlungsmöglichkeiten; 1995
Institut für das Bauen mit Kunststoffen e.V.; Ist PVC im Bauwesen sinnvoll zu ersetzen? Teil 2: Baustoffe aus PVC-weich. Technische, wirtschaftliche und ökologische Aspekte und Konsequenzen; 1996; Institut für das Bauen mit Kunststoffen e.V.; Darmstadt
Kindermann P.; Bauen mit Kunststoffen und neuen Baustoffen, Band 1; 1995;
PVC und Umwelt Kommunikations GmbH (Hrsg.); Schriftliche Mitteilung AGPU; 1996; Arbeitsgemeinschaft PVC und Umwelt e.V.; Bonn
Produktionszahlen und Verbrauchszahlen:
PlasticsEurope, Plastics – the fast Facts 2024, Brussels, 2024, plasticseurope
Consultic, Kunststoffe in Deutschland, Kurzfassung, PlasticsEurope, Brussels, 2016, plasticseurope
Stoffstrombild Kunststoffe in Deutschland 2023 -Zahlen und Fakten zum Lebensweg von Kunststoffen, Kurzfassung der Conversio Studie, 2024, BKV GmbH
Technisches
Technische Daten
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PVC (hart und weich) |
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Wasseraufnahme in 24 h [%] |
0,04 – 0,5 |
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Gebrauchstemperaturgrenzen Langzeit [°C] |
65 - 85 |
Bei den angegebenen Daten handelt es sich um typische Werte, bezogen auf die angegebenen Kunststoffe in Reinform. Die technischen Daten für spezielle Produkte befinden sich in den Informationen zu den entsprechenden Produktgruppen (siehe auch Abdichtungen und Bodenbeläge).
Technische Regeln (DIN, EN)
| DIN EN ISO 24024-1-2 |
Kunststoffe - Homo- und Copolymere des Vinylchlorids |
| DIN EN ISO 1269 | Kunststoffe - Vinylchlorid-Homo- und Copolymerisate - Bestimmung der flüchtigen Bestandteile (einschließlich Wasser) |
| DIN EN ISO 305 | Kunststoffe - Bestimmung der Thermostabilität von Polyvinylchlorid (PVC), verwandten chlorhaltigen Homopolymeren und Copolymeren und ihren Formmassen - Verfärbungsverfahren |
| DIN EN ISO 6401 | Kunststoffe - Polyvinylchlorid - Bestimmung des Restgehaltes an Vinylchlorid-Monomer - Gaschromatographisches Verfahren |
| DIN EN 15346 | Kunststoffe - Kunststoff-Rezyklate - Charakterisierung von Polyvinylchlorid (PVC)-Rezyklaten |
| DIN EN ISO 24023-1-2 | Kunststoffe - Weichmacherhaltige Polyvinylchlorid(PVC-P)-Werkstoffen |
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DIN EN ISO 21306-1-2 |
Kunststoffe - Weichmacherfreie Polyvinylchlorid (PVC-U)-Formmassen |
Rohstoffe / Ausgangsstoffe
Hauptbestandteile

Abb. 2.1.1 / Chemische Zusammensetzung von Polyvinylchlorid
Die Zahlenwerte beziehen sich auf die reinen Polymere, ohne Berücksichtigung von Additiven, Weichmachernund Füllstoffen.
Die Rohstoffquellen für PVC sind Erdöl und Erdgas sowie Steinsalz.
Für weitere Informationen zum Rohstoffbedarf von PVC, siehe auch Ökoprofile von PlasticsEurope.
Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Abb. 2.1.2 / Rohstoffherkunft PVC (Suspensions-PVC)
Gewinnung der Primärrohstoffe
Rohstoffquellen sind Erdöl, Erdgas und Steinsalz (Kochsalz). Im Herstellungsprozess des Vinylchlorids spielt aufgrund des hohen Chlor-Anteils der Verbindung, die Chlorchemie (Herstellung von Chlor aus Steinsalz) durch die Problematik der Freisetzung von Chlorgas aus ökologischer Sicht eine bedeutende Rolle. Die ökologischen Folgen der Gewinnung von fossilen Rohstoffen sind im zugehörigen Lexikonbegriff beschrieben.
Biokunststoffe:
Biobasiertes PVC wird heute z. B. in Bodenbelägen, Rohrleitungen und Fensterprofilen eingesetzt. Mehr Informationen dazu finden Sie im Infoblatt Biokunststoffe.
Verfügbarkeit
Mit der allmählichen Erschöpfung der Erdölvorräte vermindert sich auch das Potential zur Gewinnung von PVC und anderen Kunststoffen in wenigen Jahrzehnten. Allerdings könnten die Rohstoffe zur Herstellung von Polyvinylchlorid auch aus Kohle hergestellt werden, was jedoch mit einem größeren Energieaufwandverbunden wäre.
Kochsalz ist in großen Mengen auch lokal verfügbar.
Verwendung von Recyclingmaterialien / Produktionsabfällen
Im Rahmen einer freiwilligen Selbstverpflichtung bemüht sich die europäische PVC-Industrie, das Recycling von PVC zu fördern. Unter dem Programm Vinylplus 2030 will die Industrie bis 2025 ein Recyclingziel für PVC-Abfälle von 900’000t jährlich erreichen. 2023 wurden 737'645 Tonnen PVC im Rahmen von Vinylplus recyclet. Dies entspricht knapp 25% des gesamten PVC Aufkommens in Europa.
Radioaktivität
Polyvinylchlorid ist nicht radioaktiv.
Landinanspruchnahme (Landuse)
Die PVC-Produktion ist mit geringem Flächenverbrauch für die Erdölgewinnung und die Raffineriestandorte verbunden, allerdings können die Flächen zerstörter Naturräume durch Tankerunfälle beträchtlich sein.
Weichmacher
Bei der unsachgemässen Verarbeitung können Stäube entstehen, welche Weichmacher enthalten. DEHP, DBP, DiBP und BBP und weitere Phthalate wurden als fortpflanzungsgefährdend Kategorie 1B1 eingestuft und in der Folge in die Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe (SVHC) der EU aufgenommen, Einige der Stoffe wurden in der EU auch als Endokrine Disruptoren für menschliche Gesundheit identifiziert (DEHP, DBP, DiBP, BBP und DCHP). (Stand 2021)
Quellen
Plasticseurope (Online-Quelle)
Vinylplus (Online-Quelle)
Herstellung
Prozesskette

Herstellungsprozess
Die Herstellung der Vorprodukte Ethylen und Chlor sowie deren Umsetzung zu Vinylchlorid geschieht durch Betriebe der Großchemie. Teilweise wird Vinylchlorid zu anderen Produktionsorten transportiert, um dort zu PVC umgesetzt zu werden. Dieses enthält noch einen Anteil an Vinylchlorid, welches durch Entgasen entfernt wird. Aus inländischer Produktion stammendes PVC enthält normalerweise weniger als 1 ppm Vinylchlorid. Die Endverarbeitung von PVC-Granulat zu den entsprechenden Fertigprodukten erfolgt meist in kleineren Verarbeitungsbetrieben. Suspensions-PVC macht über 90% der PVC-Produktion aus und ist der Vorläufer für alle im Bauwesen verwendeten Produkte.
Bei der Herstellung der Vorprodukte sind als Gefahrstoffe Chlor und Ethylen mit erheblichem Risikopotential beteiligt. Das daraus hergestellte Vinylchlorid ist ein krebserzeugender Gefahrstoff (H350), zudem ist es extrem entzündbar (H220).
Umweltindikatoren / Herstellung
Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren (z.B. Primärenergieaufwand, Treibhauspotential) von Bauprodukten liefert die Online-Datenbank ÖKOBAUDAT des Informationsportals Nachhaltiges Bauen. Die Plattform ÖKOBAUDAT stellt Umweltprofile bereit, die als erforderliche Datengrundlage für die Ökobilanzierung (Lebenszyklusanalyse) von Gebäuden eingesetzt werden.
In der Herstellung von Bauprodukten ist ein großer Anteil der verursachten Umweltbelastungen auf den Verbrauch von nicht erneuerbaren Energieträgern zurückzuführen. Der in den Datensätzen geführte "kumulierte Primärenergieaufwand nicht erneuerbar" (Graue Energie, PENRT) ist daher ein wichtiger Umweltindikator für den Ressourcenverbrauch und i.d.R. gleichgerichtet mit dem Treibhauspotential (GWP), einem wichtigen Indikator der Umwelt(aus)wirkungen.
Für Bauprodukte gibt es Herstellungs- und End-of-Live-Datensätze in der ÖKOBAUDAT. Aus dem Bereich der Grundstoffe/Ausgangsstoffe findet man dort nur für direkt als Bauprodukte einsetzbare Materialien entsprechende Datensätze wie z.B. für Bindemittel (Gips, Zement, Kalk usw.) oder Zuschläge (Gesteinskörnungen). Datensätze zu Kunststoffen als Ausgangsstoffe findet man dort nicht.
→ Datenbank der ÖKOBAUDAT
Graue Energie
Daten zur Grauen Energie können in den Ökoprofilen von PlasticsEurope eingesehen werden (siehe Quellen).
Charakteristische Emissionen
Die Emissionen der Herstellung werden in den Ökoprofilen von PlasticsEurope ausgewiesen.
Aufgrund des hohen Chloranteils von PVC ist dessen Herstellung mit einer hohen Salzfracht für das Abwasser verbunden. Die Vinylchlorid-Monomer-Emissionen (VCM), die in der Vergangenheit eine wesentliche Luftemission der PVC-Produktion darstellten, sind heute stark zurück gegangen. In der Nutzungsphase. Hier wird Bezug genommen auf die Herstellung. Additive wie Weichmacher treten vor allem in der Nutzungsphase unter ungünstigen Bedingungen, zum Beispiel zusammen it Lösungsmittel aus dem PVC heraus.
Maßnahmen Gesundheitsschutz
Vinylchlorid ist als krebserzeugend (H350 / R45) und hochentzündlich eingestuft (H220 / R12). In den Herstellbetrieben sind umfangreiche Arbeitsschutz-Maßnahmen notwendig. Bei der Herstellung des Vinylchlorids in Großbetrieben wird in geschlossenen Produktionsanlagen gearbeitet, womit unter normalen Betriebsbedingungen keine Belastung der Beschäftigten eintreten kann. Jedoch können beim Störfall Vinylchlorid oder Vorprodukte austreten, die eine hohe Gefährdung darstellen. Dies gilt auch für Transportunfälle mit Vinylchlorid.
Maßnahmen Umweltschutz
Die PVC-verarbeitende Industrie verursacht Luftemissionen von Vinylchlorid. Vinylchlorid ist reaktiv und wird in der Luft innerhalb weniger Tage abgebaut; eine Anreicherung in der Umwelt findet also nicht statt.
Transport
Das Vorprodukt Vinylchlorid unterliegt Transporteinschränkungen gemäß ADR.
Quellen
Plasticseurope (Online-Quelle)
Verarbeitung
Arbeitshygienische Risiken
Allgemeines
Sie befinden sich in einer WECOBIS-Grundstoffgruppe. Bei den Grundstoffen in WECOBIS handelt es sich um Ausgangsstoffe für verschiedene Bauproduktgruppen.
PVC-Produkte können verklebt oder verschweißt werden. Beim Verschweißen darf keine Überhitzung des Kunststoffs stattfinden, da sonst stechende Dämpfe (Salzsäure) entstehen, die den Verarbeiter und die Umwelt belasten.
Weitergehende Informationen zu den Vorsichtsmaßnahmen und Gefährdungen sind ggf. in den zugeordneten Bauproduktgruppen enthalten.
REACH / CLP - Informationspflicht zu SVHC
Flüssige, pastöse, pulvrige Bauprodukte oder deren Ausgangsstoffe (z.B. Dichtmassen, Klebstoffe, Beschichtungen, Farben, Mörtel + Estriche, Schüttungen, Frischbeton, Betonzusatzmittel, Bindemittel, Kunststoffe usw.) werden als Gemisch eingestuft.
Bauprodukte wie z.B. Bauplatten, Bodenbeläge, Dämmstoffe, Mauersteine, Betonfertigteile oder Verglasungen werden als Erzeugnis eingestuft.
Die europäische Chemikalienverordnung REACH unterscheidet Produkte in Stoffe, Gemische und Erzeugnisse. Zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen, dient die CLP-Verordnung (Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen), um ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu gewährleisten.
Wird ein Produkt als Stoff oder Gemisch eingestuft, ist für Informationen zu Gefahrstoffen und Einstufungen nach CLP ein Sicherheitsdatenblatt (SDB) erforderlich. Produkt bezogene Informationen gemäß CLP-Verordnung (z.B. Nachweis gefährliche Stoffe, Nachweis besonders besorgniserregender Stoffe SVHC >= 0,1 Gew.-%) müssen hierfür in den Sicherheitsdatenblättern (SDB) der jeweiligen Produkte ausgewiesen sein.
Wird ein Produkt nicht als Stoff oder Gemisch, sondern als Erzeugnis eingestuft, ist kein Sicherheitsdatenblatt (SDB) erforderlich und Gefahrstoffbezeichnungen entfallen. Lediglich besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) > 0,1 Gew.-% müssen ausgewiesen werden. Für diese Informationen besteht eine Auskunftspflicht. Sie müssen für Erzeugnisse aber nicht in Form eines Sicherheitsdatenblattes gegeben werden. Für Verbraucher muss die Informationsweitergabe auch nur auf Anfrage beim Hersteller erfolgen. Informationen und Unterstützung zu den Auskunftsrechten findet man beim Umweltbundesamt / REACH / Auskunftspflichten.
Referenz
Quellen
Phthalate auf Kandidatenliste: ECHA
Bundesamt für Gesundheit BAG: Factsheet Phthalate (Mai 2021)
Domininghaus, Hans: Kunststoffe, Eigenschaften und Anwendungen, Springer Verlag, 2012
Nutzung
Umwelt- und Gesundheitsrisiken Neuzustand
Sie befinden sich in einer WECOBIS-Grundstoffgruppe. Hierbei handelt es sich um Ausgangsstoffe für verschiedene Bauproduktgruppen. Informationen zum Verhalten in der Nutzungs- oder Nachnutzungsphase findet man deshalb ggf. in zugeordneten Bauproduktgruppen.
→ siehe Auflistung rechter Navigationsbalken
Der Ausschuss zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten (AgBB) hat ein Bewertungsschema (AgBB-Bewertungsschema) zur gesundheitlichen Bewertung der Emissionen von flüchtigen organischen Verbindungen (VOC und SVOC) aus Bauprodukten entwickelt. Darin sind auch Anforderungen für Produkte formuliert, die Acrylatharze enthalten.
Umwelt- und Gesundheitsrisiken bei bestimmungsgemäßer Nutzung
Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum
Messungen an PVC-Bauprodukten weisen keine einheitlichen Resultate auf, da sich teilweise selbst Produkte des gleichen Herstellers in den Emissionen stark unterscheiden können. Weich-PVC-Produkte emittieren hauptsächlich Weichmacher (Phthalate) sowie verschiedene Kohlenwasserstoffe.
Phthalate sind in Kunststoffen nicht chemisch fest gebunden und können deshalb beim Kontakt mit Flüssigkeiten oder Fetten leicht herauswandern. Außerdem geben Gegenstände über lange Zeit geringe Mengen dieser Substanzen in die Umgebungsluft ab. Für den Menschen gibt es damit verschiedene mögliche Aufnahmequellen:
- Einnahme: Nahrung, Verpackungsmaterial, Trinkwasser
- Inhalation: Innenraumluft (Ausgasen aus Fussböden und kunststoffbeschichteten Einrichtungsgegenständen, Hausstaub)
- Hautkontakt: Gebrauchsgegenstände (z.B. PVC-Handschuhe, Kinderspielzeug)
Kurzfristig sind Phthalate nur in geringem Masse toxisch. Bei längerem oder wiederholtem Kontakt mit Phthalat enthaltenden Kunststoffen, zeigen sich jedoch gefährliche gesundheitliche Auswirkungen wie Beeinträchtigungen der Fortpflanzungsfähigkeit oder Verursachen von Entwicklungsstörungen bei Nachkommen. Dies ist zusammenfassend als sogenannte Reproduktionstoxizität bekannt.
Die chemische Industrie reduziert in den letzten Jahren immer mehr den Einsatz von gesundheitsgefährdenden Phthalaten. Die toxikologischen Auswirkungen und Risiken von neueren Stoffen sind aber noch nicht für alle Ersatzstoffe schon vollständig ermittelt worden.
Umwelt- und Gesundheitsrisiken im Schadensfall
Brandfall
Aufgrund seines hohen Chlorgehalts besitzt PVC bereits eine Brandschutzausrüstung (chlorierte und bromierte Kohlenwasserstoffe sind schwer entflammbar, ihre Abbauprodukte behindern den Fortgang eines Brandes), so dass Kunststoffen aus PVC normalerweise keine Brandschutz-Additive zugesetzt werden müssen (Ausnahme: Weich-PVC mit hohem Weichmacheranteil).
Als Brandgase entstehen neben hochkorrosiven Salzsäuredämpfen u.a. Dioxine. PVC-Brände verursachen große Schäden durch Korrosion und gefährden Personen durch starke Qualmentwicklung. Wird 1kg Hart-PVC vollständig verbrannt, entwickeln sich etwa 550g gasförmige Salzsäure. Da es sich bei PVC um einen thermoplastischen Kunststoff handelt, besteht die Gefahr der Brandausbreitung durch herabtropfendes PVC auf erhitzte Oberflächen.
PVC lässt sich zwar entzünden, brennt jedoch nach Entfernen der Zündquelle nicht weiter.
Wassereinwirkung
PVC ist wasserbeständig. Schäden durch Wassereinwirkung sind nicht zu erwarten.
Beständigkeit Nutzungszustand
Produkte aus Hart-PVC (PVC-U) gelten als sehr beständig, müssen jedoch mit Stabilisatoren gegen Langzeitabbau durch UV-Licht geschützt werden. PVC-U sind unempfindlich gegen Feuchtigkeit, gegen Salzlösungen und Laugen, wenig beständig gegenüber Oxidationsmitteln und Lösemitteln.
Weich-PVC-Produkte verspröden je nach Licht- und Wärmebelastung mit der Zeit durch Weichmacherabgabe. Produkte aus PVC sind nicht beständig gegen Lösemittel.
Unter der Rubrik Baustoff- und Gebäudedaten / Nutzungsdauern von Bauteilen findet sich auf dem Informationsportal Nachhaltiges Bauen eine Datenbank mit Nutzungsdauerangaben von ausgewählten Bauteilen des Hochbaus für den Leitfaden „Nachhaltiges Bauen“.
→ Datenbank als PDF
Instandhaltung
PVC kann auf der Baustelle verklebt werden, somit sind Risse oder Löcher in Membranen im Rahmen von Instandhaltungsarbeiten reparierbar.
Quellen
Oswald, G. Dahmen: Zuverlässigkeit von Flachdachabdichtungen aus Kunststoff- und Elastomerbahnen, Aachener Institut für Bauschadensforschung, Fraunhofer IRB Verlag, Stuttgart, 2007
Zellweger, M. Hill, R. Gehrig, P. Hofer, Schadstoffemissionsverhalten von Baustoffen, EMPA, Dübendorf, 1997
Bundesamt für Gesundheit BAG: Factsheet Phthalate, 2021
Umweltbundesamt: Phthalate: Die nützlichen Weichmacher mit den unerwünschten Eigenschaften 2007
Nachnutzung
Sie befinden sich in einer WECOBIS-Grundstoffgruppe. Hierbei handelt es sich um Ausgangsstoffe für verschiedene Bauproduktgruppen. Informationen zum Verhalten in der Nutzungs- oder Nachnutzungsphase findet man deshalb ggf. in zugeordneten Bauproduktgruppen.
→ siehe Auflistung rechter Navigationsbalken
Umwelt- und Gesundheitsrisiko Rückbau
Bei einem geordneten Rückbau kommt es zu keinen besonderen Umwelt- oder Gesundheitsrisiken.
Wiederverwendung
Eine Wiederverwendung von Bauteilen findet nicht statt.
Stoffliche Verwertung
PVC ist als Thermoplast für die stoffliche Verwertung grundsätzlich gut geeignet. Wie für alle Kunststoffe gilt jedoch, dass die Sammlung möglichst sortenrein erfolgen muss. Wird z. B. ein Recyclinggranulat aus PVC mit unterschiedlichen Weichmacheranteilen hergestellt, so entspricht der Weichmacheranteil im Endprodukt dem Durchschnitt aller Eingangsrohstoffe. Zwei wichtige Voraussetzungen für das stoffliche Recycling sind die Trennbarkeit auf der Baustelle in eine möglichst reine PVC-Fraktion mit geringem Anteil an Fremdmaterialien, sowie eine Sammel- und Rückführungslogistik der Fraktionen, die für die Bauherrschaft bzw. die Unternehmen möglichst kostengünstig sind. Insbesondere für Fenster, Bodenbeläge und Dachdichtungsbahnen gibt es heute verschiedene Rücknahme- und Verwertungssysteme. 2021 wurden in Deutschland ca. 23% der Post-Consumer PVC-Abfällen stofflich wiederverwertet. Der Anteil von PVC Recylclat an der Verarbeitungsmenge stieg auf fast 18%. Der grösste Anteil davon wird in Bauanwendungen wie Fensterprofilen eingesetzt.
Energetische Verwertung
Der Heizwert von PVC ist aufgrund seines hohen Chloranteils im Vergleich zu anderen Kunststoffen gering:
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Hart-PVC |
18 MJ/kg |
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Weich-PVC |
20-30 MJ/kg |
Bei der Verbrennung von PVC-Abfällen in modernen Müllverbrennungsanlagen entstehen große Mengen an Rückständen aus der Rauchgasreinigung (300-500g chlorhaltige Rückstände pro kg PVC), die je nach Technologie als Salz ins Abwasser gelangen. Die Bildung von Dioxinen (chlorierte Dibenzodioxine und -furane) bei der Müllverbrennung wurde intensiv diskutiert. Dioxine entstehen jedoch bei der Rekombination der Gasmoleküle in der Rauchgaswäsche und können durch richtige Prozessführung vermieden werden. Aufgrund des geringen Energiegewinns und der hohen Menge an Rückständen ist die Verbrennung von PVC problematisch.
Beseitigung / Verhalten auf der Deponie
Gemäß TA-Siedlungsabfall dürfen Abfälle aus PVC nicht abgelagert werden. Über das Langzeitverhalten von PVC in Deponien sind keine zuverlässigen Untersuchungen verfügbar. Allerdings kann davon ausgegangen werden, dass insbesondere die Weichmacher mit der Zeit aus dem Kunststoff herausgelöst werden und zu einer Belastung des Bodens bzw. der Deponie-Abwässer beitragen.
Produkte aus PVC sind derzeit keine besonders überwachungsbedürftigen Abfälle.
EAK-Abfallschlüssel
| 17 02 03 | Kunststoffe (Bau- und Abbruchabfälle) |
Weitere mögliche EAK-Abfallschlüssel aufgrund der verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten sind ggf. in den zugeordneten Bauproduktgruppen enthalten.
Quellen
Conversio (2022): Stoffstrombild PVC in Deutschland 2021, Zahlen und Fakten zum Lebensweg von PV; erstellt für PlasticsEurope und VinylPlus

