Polyurethanharzfarben

Produktgruppeninformation

Begriffsdefinition

Polyurethanharze (PUR) gehörten zu den Reaktionsharzen und sind als Farben unter dem Namen DD-Lacke bekannt geworden. Die PUR-Lacke beruhen auf der großen Reaktivität von sogenannten Isocyanatverbindungen, den Härtern, die mit einer Vielzahl von Harz-Komponenten Reaktionen eingehen. Im Normalfall werden Isocyanate mit alkoholähnlichen Verbindungen (Polyhydroxyle) kombiniert. Im Hochbau werden die reaktiven Isocyanathärter häufig auch mit Acrylharzen gepaart, wodurch äußerst wetterbeständige Lackfilme entstehen. Die Polyurethanharze gehören zu den neueren chemischen Entwicklungen und sind hochwertige Beschichtungsstoffe für Anwendungsbereiche mit hohen Anforderungen an die mechanische und chemische Beständigkeit.

Wesentliche Bestandteile

Die wesentlichen Bestandteile von Polyurethanharzfarben sind BindemittelLösemittel, Wasser, Füllstoffe, Pigmente und Hilfsstoffe.

Charakteristik

Ursprünglich waren Polyurethanharzfarben immer lösemittelhaltige Zweikomponentensysteme (2K). Durch zahlreiche Modifikationen sind inzwischen auch Einkomponentensysteme (1K) im Gebrauch. Bei beiden Systemen unterschiedet man schließlich zwischen lösemittelhaltigen, lösemittelfreien oder wässrigen (auch: wasserbasierten, wasserverdünnbaren) Systemen.

Im Hochbau sind vor allem die  2K-Systeme gebräuchlich. Die Zahl der chemischen Modifikationen von Harz- und Härterkomponenten sowie die Kombinationsmöglichkeiten von Harz- und Härtertypen sind außerordentlich groß und ermöglichen eine gezielte Beeinflussung der Verarbeitungs- und Gebrauchseigenschaften. Insbesondere die lösemittelhaltigen Polyurethansysteme lassen sich praktisch mit allen anderen Bindemittel aus der Lackindustrie kombinieren. Es ist deshalb auch außerordentlich schwierig ein konkretes Produkt zu identifizieren und die spezifischen Eigenschaften eines Produktes objektiv und unabhängig zu beurteilen.

In lösemittelhaltigen 1K-Systemen sind die reaktiven Gruppen von Harz und Härter chemisch blockiert. Durch die Luftfeuchtigkeit werden die reaktiven Teile deblockiert. In wasserverdünnbaren 1K-Systemen ist das Polymer so modifiziert, dass es in Wasser dispergierbar ist. Die Filmbildung erfolgt durch physikalische Trocknung, d.h. durch das Verdunsten des Wassers.
1K-Polyurethanharzdispersionen (z.T. auch nur als PU-verstärkt bezeichnet) sind vom Filmbildungsmechanismus und von der Anwendung her eher den Dispersionslackfarben zuzuordnen.

Besonders wichtige Eigenschaft hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

2K-Polyurethan-Systeme sind u.a. als sensibilsierend eingestuft und enthalten reaktive Isocyanatgruppen (MDI,PMDI, TDI), die im Verdacht stehen, Krebs auslösen zu können (H351). Die Verarbeitung von mehrkomponentigen Reaktionsharzen ist zudem anspruchsvoll. Bei unsachgemäßer Verarbeitung können durch ungenügende oder chemisch unvollständige Aushärtung längerfristige, geruchsintensive Emissionen entstehen.
Wasserbasierte 1K-Polyurethanharzdispersionen (auch: PU-verstärkter Acryllack) haben diese Eigenschaften nicht, es gibt aus diesem Bereich auch Produkte mit dem Blauen Engel DE-UZ 12a.
weitere Informationen:
→ Reiter Planungsgrundlagen / Alternativen hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz
Informationen zu weiteren 2K-Polyrethanharzsystemen im Baubereich, z.B. als Fußbodenbeschichtung oder Kunstharzestrich:
Kunstharzbodenbeläge auf Reaktionsharzbasis

Lieferzustand

Polyurethanharzfarben werden in Metallgebinden geliefert. Bei 2K-Systemen wird die Härterkomponente separat und teilweise auch in Plastikflaschen geliefert.

Anwendungsbereiche (Besonderheiten)

grundsätzliche Anwendungsbereiche von Polyurethanharzfarben im Vergleich zu anderen Farben, Lacken, Lasuren siehe Anwendungsbereiche Farben, Lacke, Lasuren

  Innen Außen
Beanspruchung gering 
 stark  
Putze und Gipsputze x x x
Gips x x  
Gipskarton, Papier, Tapeten x x  
Beton x x +
Faserzement x x x
Massivholz x + +
Holzwerkstoffe x + +
Stahl x1) +1) +1)
Stahl verzinkt x1) +1) +1)
Aluminium x1) +1) +1)
+
geeignet
x
möglich, aber nicht gebräuchlich
-
nicht geeignet
0
bedingt geeignet
1)
nur mit entsprechender Grundierung
 
 

Die Hauptanwendungsbereiche von Polyurethanharzfarben sind stark beanspruchte Innenbauteile aus Holz, Metall oder Beton. Wegen der geringen Wasserdampfdurchlässigkeit und der Feuchtigkeitsempfindlichkeit ist die Anwendung auf mineralischen Untergründen eingeschränkt. Im Hochbau werden Polyurethanharze vor allem als Holzlackfarben für Möbel und andere stark beanspruchte Holzbauteile, Beschichtungen für Industrie- und Sportböden, Parkettsiegel sowie als Metallbeschichtungen im Innen- und Außenraum angewendet. Bei der richtigen Wahl der Härter- und Harzkomponenten kreiden PUR-Lacke im Außenraum nicht aus. Eine etwas eingeschränkte Haftbarkeit der PUR-Lacke ist der Nachteil dieser Produktgruppe.

ausführliche Erläuterungen zu  Alternativen hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz
→ Reiter Planungsgrundlagen

Anstrichaufbau

Polyurethanlackgrundierung 130 g/m² Reduzierter Pigment / Füllstoffgehalt, erhöhter Lösemittel- oder Wassergehalt
Polyurethanlackzwischenanstrich 200 g/m² Standardrezeptur
Polyurethanlackdeckanstrich 180 g/m² Standardrezeptur

Beim angegebenen Anstrichaufbau handelt es sich um einen Standardaufbau eines deckenden Anstrichs auf Holz. Die produktbedingten Abweichungen könen erheblich sein. Für Klarlacke sind etwas geringere Schichtdicken erforderlich. Die Grundierung für unverzinkte, eisenhaltige Metalluntergründe enthält in der Regel Rostschutzpigmente auf der Basis von Zink.

Quellen

Eigene Datensammlung, Büro für Umweltchemie

Polyurethanharzfarben
Polyurethanharzfarben

Planungs- und Ausschreibungshilfen

WECOBIS informiert produktneutral. An verschiedenen Stellen bietet WECOBIS jedoch auch Unterstützung dazu, wie sich Produkte innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer ökologischen Eigenschaften unterscheiden lassen.

Informationen hier im Reiter Planungsgrundlagen:

  • Links zu materialökologischen Anforderungen und Textbausteinen für Planung und Ausschreibung im WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen,
  • Hinweise auf mögliche Quellen und Nachweisdokumente zu Planungs- und Ausschreibungskriterien,
  • ggf. Hinweise zu möglichen Alternativen bzw. zu Verwendungseinschränkungen hinsichtlich Gefahrstoffverordnung

Übersicht Planungsgrundlagen: Lacke und Lasuren

Stand 04/2020

    Polyurethanharzfarben

Dispersionslackfarben

Klarlacke

Alkydharzlackfarben

Ölfarben und Naturharzlacke

Holzlasuren

Epoxidharzfarben
           
  Material-
ökologische Anforderungen
Im neuen Modul "Planungs- & Ausschreibungshilfen" bietet WECOBIS materialökologische Anforderungen und Textbausteine für Planung und Ausschreibung. Inhalt aufklappen
   
Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS

Lacke, Lasuren, Beizen, inkl. Grundbeschichtung
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Beschichtungen von Holz-Bodenbelägen

Lacke, Lasuren, Beizen, inkl. Grundbeschichtung
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Beschichtungen von Holz-Bodenbelägen

Lacke, Lasuren, Beizen, inkl. Grundbeschichtung

Lacke, Lasuren, Beizen, inkl. Grundbeschichtung

  Quellen Woher kommen die Anforderungen? Die hier genannten Quellen, insbesondere BNB, bilden die Grundlage für Planungs- und Ausschreibungshilfen bzw. materialökologische Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS. Inhalt aufklappen
   
Bewertungssystem
Nachhaltiges Bauen

(BNB) des BMI /
Kriterium 1.1.6 (Risiken für die lokale Umwelt)

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMI steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen. Die o.g. Textbausteine und materialökologischen Anforderungen in WECOBIS basieren derzeit auf Kriteriensteckbrief 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt. Dieser steht in engem Zusammehang mit Kriteriensteckbrief 3.1.3 Innenraumhygiene.

Auch wenn ein Gebäude nicht zertifiziert werden soll, bilden die einzelnen Kriteriensteckbriefe eine gute Grundlage, Orientierung und Hilfestellung für die Umsetzung ökologischer Aspekte in der Gebäudeplanung.

Einordung der jeweiligen Lacke und Lasuren hinsichtlich verschiedener Kriteriensteckbriefe siehe Reiter BNB-Kriterien in WECOBIS

Umweltbundesamt
(UBA)
Auf den Internet-Seiten des Umweltbundesamtes (UBA) befindet sich der „Informationsdienst für umweltfreundliche Beschaffung“. Die Seiten werden gerade überarbeitet, sodass sich dort derzeit aus dem Baubereich nur Ausschreibungsempfehlungen zu Elastischen und Hölzernen Bodenbelägen, Tapeten und Raufaser finden.
baubook ökologisch ausschreiben Die Plattform baubook ökologisch ausschreiben bietet eine Sammlung von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Lacke und Lasuren finden sich Produktdeklarationen unter Beschichtungen und Imprägnierungen.
natureplus Ausschreibungstexte + + + +
  Nachweis-
dokumente
Mithilfe von Nachweisdokumenten müssen die gestellten materialökologischen Anforderungen geprüft und dokumentiert werden. Einige sind gesetzlich vorgeschrieben, einige nicht. Welche sind das? Inhalt aufklappen
   
gesetzlich vorgeschrieben:  
REACH / CLP:
Sicherheitsdatenblatt (SDB)
Lacke und Lasuren werden als Gemisch eingestuft. Für sie muss daher ein SDB gemäß den Anforderungen in Art.31 REACH-VO in Verbindung mit Anhang II erstellt werden. → z.B. Nachweis zu gefährlichen Stoffen / Gefahreneinstufungen, SVHC >= 0,1 Gew.-%, VOC-Gehalt, Emissionen während der Verarbeitung
Leistungserklärung gemäß BauPVO mit Angaben zu SVHC - -

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allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) aus Gesundheits-
schutzgründen

Beschichtungen für Parkette und Holzfußböden sowie für elastische Bodenbeläge benötigen bei der Verwendung in Aufenthaltsräumen einschließlich zugehöriger Nebenräume nach wie vor* eine abZ aus Gesundheitsschutzgründen. Sie umfasst eine Emissionsprüfung zur quantitativen Bestimmung und Bewertung von Formaldehyd, sowie flüchtiger (VOC) und schwer flüchtiger (SVOC) Verbindungen auf Basis des AgBB-Bewertungsschemas.

abZ der Gruppen
Z-157.10 (Beschichtungen f. Parkette & Holzfußböden)
Z-157.20 (Beschichtungen f. elastische Bodenbeläge)
Z-157.30 (Beschichtungen f. Korkbodenbeläge)
Eine Liste aller aktuell zugelassenen Oberflächenbeschichtungen für Parkette und Holzfußböden findet man beim DIBt (download Liste)

*Hinweis: Das EuGH-Urteil, das bestimmte abZ außer Kraft setzte, hat für Oberflächenbeschichtungen von Parkett keine Relevanz, da sie keiner hEN unterliegen (s. Lexikonbegriff abZ).

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sonstige Nachweise  
Produktinfos Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, sowie Herstellererklärungen oder ggf. ein Anhang mit Nachhaltigkeitsmerkmalen zur bauaufsichtlichen Zulassung (abZ+)
Emissionsprüfberichte Emissionsprüfberichte können hilfreich sein, sind aber oft nicht leicht zu interpretieren. Insbesondere ist auf die Rahmenbedingungen zu achten, die der Prüfung zugrunde lagen und ob diese mit denen der Anforderung übereinstimmen.
freiwillige Produktkenn-zeichnungen / -deklarationen Für einige Bauproduktgruppen existieren freiwillige Produktkennzeichnungen oder -deklarationen wie z.B. Umweltzeichen oder Umweltproduktdeklarationen, die als Nachweis für materialökologische Anforderungen dienen können. Eine Übersichtstabelle dazu mit detaillierten Informationen zu Lacken und Lasuren findet sich im Reiter Zeichen & Deklarationen.

Gefahrstoffverordnung

Gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der GefStoffV ist grundsätzlich das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen für die damit Beschäftigten zu verwenden. Werden für eine Produktgruppe GISBAU Produkt-Codes oder GISCODES vergeben, lassen sich dadurch Unterschiede innerhalb der Produktgruppe feststellen. Auch einen Hinweis zur Ersatztstoffsuche findet man dann ggf. in den jeweiligen GISBAU-Informationen unter "Ersatzstoffe - Ersatzprodukte - Ersatzverfahren".
Übersicht nach Produktgruppen → WECOBIS / Reiter Zeichen & Deklarationen / GISBAU-Klassifizierungssystem

GISCODES für Lacke und Lasuren

Für Lacke gibt es unterschiedliche GISCODE-Einstufungskataloge, die in Frage kommen können.
Übersicht mit Einordnung der verschiedenen Lacksysteme u.a. in die jeweiligen GISCODES:
→ Reiter Zeichen & Deklarationen / Übersichtstabelle - GISBAU Klassifizierungssystem

Aus arbeitshygienischer Sichtweise ist immer zu prüfen, ob wasserbasierte bzw. wasserverdünnbare (z.B. GISCODE BSW ...; < 140 g/l Lösemittel) statt lösemittelbasierter Produkte (z.B. GISCODE BSL ...) und ob 1-komponentige statt 2-komponentiger (= Harz + Härter) Produkte eingesetzt werden können, was in vielen Fällen möglich ist. Muss ein lösemittelbasierter Lack eingesetzt werden, sollten Produkte mit einem möglichst geringen Lösemittelgehalt (z.B. BSL10, BSL20; < 400g/l Lösemittel / entspricht abh. von der Dichte ca. 30%) bevorzugt werden. Wenn möglich sollten immer aromatenfreie (z.B. BSL20), bei den Naturharzlacken terpentinfreie und bei den Ölfarben oximfreie Produkte (z.B. Ö40+) verwendet werden.
Produkte mit  krebsverdächtigen Inhaltsstoffen > 0,1% (z.B. GISCODE BSL60 / 2-Butanonoxim als Hautverhinderungsmittel) sollten möglichst vermieden, Produkte mit Bioziden als Filmschutz (z.B. GISCODE BSW50) auf das technisch notwendige Maß beschränkt werden.

Wasserbasierte Lacke:
Dispersionslackfarben sind grundsätzlich wasserbasiert. Wasserbasierte Varianten findet man aber auch bei den Holzlasuren, Klarlacken und Polyurethanharzfarben (1K-Produkte bevorzugen). Auch Epoxidharzdispersionen sind wasserbasiert, aber immer 2-komponentig (2K).
Lösemittelbasierte Lacke:
Alkydharzlackfarben (25-30% Lösemittel) sind grundsätzlich, Ölfarben und Naturharzlacke (25-35% Lösemittel) meistens lösemittelbasiert. Lösemittelbasierte Varianten findet man bei den Holzlasuren (55-80% Lösemittel), Klarlacken (40-85% Lösemittel) und Polyurethanharzfarben (25-40% Lösemittel, 1K- + 2K). Epoxidharzfarben (25-35% Lösemittel) sind lösemittelbasiert und immer 2-komponentig (2K).

Alternativen hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Lacke und Lasuren

Lacke und Lasuren sollten nur auf nicht mineralischen Oberflächen (z.B. Holz, Metall) zum Einsatz kommen. Dabei sollten wasserbasierte, 1-komponentige Produkte ohne Biozide (außer zur Topfkonservierung) bevorzugt werden. Insbesondere in Innenräumen sollte zudem auf möglichst emissionsarme Produkte geachtet werden. Produkte mit Umweltzeichen, wie z.B. dem Blauen Engel DE-UZ 12a für schadstoffarme Lacke, erfüllen zahlreiche Anforderungen zu VOC und gefährlichen Stoffen, die auch über das AgBB-Bewertungsschema (s.u.) hinausgehen.

Bei den Lacken sind Dispersionslackfarben die am wenigsten umwelt- und gesundheitsbelastende Produktgruppe, ähnliches kann für wasserbasierte Produkte aus der Gruppe der Holzlasuren, Klarlacke und Polyurethanharzdispersionen (auch: PU-verstärkte Acrylfarben) gelten. Produkte aus diesen Produktgruppen können sich auch für den Blauen Engel qualifizieren.
→ Reiter Zeichen & Deklarationen

Auf gering beanspruchten Holzbauteilen im Innenraum sind wasserbasierte Naturharz (statt Kunstharz) -Lacke / -Lasuren oder auch eine Behandlung mit lösemittelfreien bzw. lösemittelarmen Ölen oder Wachsen wenig umweltbelastende Alternativen. Eine geölte Oberfläche lässt sich besser unterhalten als eine lackierte, deren Renovierung sehr aufwändig ist.
Wenn möglich sollte der Einsatz von lösemittelbasierten Lacken und Lasuren auf werkseitige bzw. Werkstatt-Beschichtungen beschränkt bleiben und auch hier Produkte mit möglichst geringem Lösemittelgehalt bevorzugt werden. Bei Lacken auf Alkydharzbasis oder Ölbasis sollte zudem darauf geachtet werden, dass kein 2-Butanonoxim oder Acetonoxim enthalten ist.
weitere Informationen zu Oximen:
WECOBIS Sonderthemen / Oxime in Bauprodukten

Epoxidharzfarben, auch Epoxidharzdispersionen, enthalten u.a. sensiblisierende, reizende und ätzende Einzelkomponenten, welche eine Gesundheitsgefährdung darstellen. Sie sollten nur dort zum Einsatz kommen, wo besonders hohe Anforderungen an die mechanische oder chemische Beständigkeit gestellt werden. Für Metalle sind hier aber auch werkseitige Beschichtungen auf der Basis von Pulverlacken oder wasserverdünnbaren Nasslacken mit anschließender Thermolackierung mögliche ökologische und arbeitshygienische Alternativen.
Die Verarbeitung von mehrkomponentigen Reaktionsharzen (Epoxidharzfarben, Polyurethanharzfarben) ist zudem anspruchsvoll. Bei unsachgemäßer Verarbeitung können durch ungenügende oder chemisch unvollständige Aushärtung längerfristige, geruchsintensive Emissionen entstehen.

Hinweis zu Oberflächenbeschichtungen für Parkette und Holzfußböden

Bei allen Lacken, die als Oberflächenbeschichtungen für Parkette und Holzfußböden eingesetzt werden sollen, ist darauf zu achten, dass eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ der Gruppen Z-157.10) mit Aussagen zum Gesundheitsschutz vorliegt (baurechtliche Anforderung!). Sie umfasst eine Emissionsprüfung zur quantitativen Bestimmung und Bewertung von Formaldehyd, sowie flüchtiger (VOC) und schwer flüchtiger (SVOC) Verbindungen auf Basis des o.g. AgBB-Bewertungsschemas.
Eine Liste aller aktuell zugelassenen Oberflächenbeschichtungen für Parkette und Holzfußböden, die demnach das AgBB-Schema einhalten, findet man beim DIBt (download Liste).

Weitere planungs- und ausschreibungsrelevante Informationen in WECOBIS

Allgemeine Unterstützung zum Umgang mit Nachhaltigkeitsaspekten in Planung und Ausschreibung sowie Hinweise auf Leitfäden, Arbeitshilfen und Veröffentlichungen zum Nachhaltigen Bauen bietet das neue WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen unter Allgemeine Infos.

Polyurethanharzfarben

Umweltdeklarationen

Die folgende Tabelle liefert eine Übersicht zu Zeichen & Deklarationen, die für die Produktgruppe relevant sind. Neben Herstellererklärungen, Informationen in Sicherheitsdatenblättern (SDB) oder allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen (abZ) können diese den Nachweis für umwelt- und gesundheitsrelevante Kriterien in Planung und Ausschreibung (s. Reiter Planungsgrundlagen) ermöglichen. Detaillierte Informationen finden sich außerdem in den einzelnen Produktgruppen.

Übersicht Umweltdeklarationen: Lacke und Lasuren

Stand 04/2020

   

lösemittelbaiserte Lacke und Lasuren:

Alkydharzlackfarben

Ölfarben und Naturharzlacke

Klarlacke (lösemittelbasiert)

Holzlasuren (lösemittelbasiert)

Polyurethanharzfarben (lösemttelbasiert)

Epoxidharzfarben (lösemittelbasiert)

wasserbasierte Kunstharzlacke und -lasuren:

Dispersionslackfarben

Klarlacke (wasserbasiert)

Holzlasuren (wasserbasiert)

Polyurethanharzfarben (wasserverbasiert)

Epoxidharzfarben (wasserbasiert)

 

wasserbasierte Naturharzlacke und -lasuren findet man bei den:

Holzlasuren (wasserbasiert)

Ölfarben und Naturharzlacke (selten)

         
  Umweltzeichen

Umweltzeichen gehören zu den freiwilligen Produktkennzeichnungen. Sie bieten die Möglichkeit, Unterschiede von Produkten innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer Umwelt- und Gesundheitsrelevanz festzustellen, auch wenn sie keine allgemeinverbindlichen Gebote oder Verbote aufstellen können. Inhalt aufklappen

   
Blauer Engel
weil emissionsarm /
DE-UZ 12a
Schadstoffarme Lacke (Ausgabe 2011 bis 12/2020)

x

(aufgrund der Inhaltsstoffe: Lösemittelgehalt >10%)

+

(derzeit keine Epoxidharzfarben zertifiziert)

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

Blauer Engel
weil emissionsarm /
DE-UZ 12a
Emissions- und schadstoffarme Lacke (Ausgabe 2019)

x

+

(derzeit noch kein Produkt zertifiziert, wg. Neuausgabe)

+

(derzeit noch kein Produkt zertifiziert, wg. Neuausgabe)

EU-Umweltzeichen (Blume) für Innenfarben und –lacke bzw. für Außenfarben und -lacke x +

+

(Produktverfügbarkeit nicht prüfbar)

Österreichisches Umweltzeichen /

Richtlinie UZ 01 für Lacke, Lasuren und Holzversiegelungslacke, ausgenommen sind Zweikomponentensysteme

x

+

(derzeit nur Parkettlacke zertifiziert)

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

natureplus-
Qualitätszeichen /
RL0700 Oberflächen-beschichtungen aus nachwachsenden Rohstoffen (Lacke, Lasuren, Öle, Wachse)

x

(nur für Produkte aus nachwachsenden bzw. mineralischen Rohstoffen)

x

(nur für Produkte aus nachwachsenden bzw. mineralischen Rohstoffen)

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

eco-INSTITUT-Label:
Bauprodukte / Lacke

+

(derzeit kein Produkt, wenige in Prüfung)

+

(derzeit kein Produkt, wenige in Prüfung)

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

  GISBAU Klassifizierungs-system

Das GISBAU Klassifizierungssystem ermöglicht es durch den GISCODE oder GISBAU Produktcode, Produkte von denen die gleichen Gesundheitsgefahren ausgehen, in einer Gruppe zusammenzufassen. Die Klassifizierung ist auf den Arbeitsschutz ausgerichtet. Gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) ist grundsätzlich das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen zu verwenden. (siehe unten: Ersatzproduktgruppe prüfen?) Inhalt aufklappen

   
 

Für Oberflächenbehandlungen gibt es für die Einordnung in GISCODES aufgrund ihrer hohen arbeitshygienischen Relevanz mehrere GISBAU-Einstufungskataloge. Für Lacke und Lasuren kommen hier neben dem Einstufungskatalog für Beschichtungsstoffe auch diejenigen für Epoxidharze, Oberflächenbehandlungsmittel für Parkett und andere Holzfußböden, sowie Polyurethanharzprodukte zur Verwendung. Aufgrund der Vielzahl der Produktcodes, wird in dieser Tabelle zunächst nur ein erster allgemeiner Überblick zur Systematik gegeben. Die für die jeweilige Produktgruppe im Einzelnen relevanten Links können auch dem rechten Navigationsbalken entnommen werden.
Bei Interesse können auch die jeweiligen Einstufungskataloge bei der GISBAU heruntergeladen werden → Download Einstufungskataloge

GISBAU Produkt-Code / GISCODE

Beschichtungsstoffe, lösemittelbasiert (neu):
BSL10 bis BSL 50
BSL60, falls krebsverdächtige Inhaltsstoffe, z.B. Butanonoxim, > 0,1% enthalten

Polyurethanharzprodukte:
Polyurethanharze lösemittelhaltig:
PU20, PU30, PU50 (PU-Systeme)

Epoxidharzprodukte (neu):
Epoxidharzfarben lösemittelhaltig (LM-Gehalt1 > 5%):
RE60, RE70, RE75 (RM-Verdacht)

Oberflächenbehandlungsmittel für Parkett und andere Holzfußböden / stark lösemittelhaltige Versiegelungen
LM-Gehalt1 > 15%:
G1-G3, KH1-KH2, DD1-DD2, SH1

Oberflächenbehandlungsmittel
für Parkett und andere Holzfußböden / Öle/Wachse:

LM-Gehalt1 5-15%:
Ö40-Ö70, Ö80-Ö100

Beschichtungsstoffe, wasserbasiert (neu):
BSW20 - BSW30
BSW50, falls Biozide (Filmschutz) enthalten

Polyurethanharzprodukte:
Polyurethanharze lösemittelfrei (LM-Gehalt1 max. 0,5%):
PU10, PU40 (PU-Systeme)

Epoxidharzprodukte (neu):
Epoxidharzfarben
lösemittelfrei (LM-Gehalt1 max. 0,5%):
RE05, RE20, RE30
lösemittelarm (LM-Gehalt1 < 5%):
RE40, RE50, RE55
RE80 (giftige Komp.), RE90 (RM-Eig.)

Oberflächenbehandlungsmittel
für Parkett und andere Holzfußböden / Wassersiegel:

lösemittelfrei (LM-Gehalt1 0%): W1, W1/DD
Lösemittelgehalt max. 5%:
W2, W2+, W2/DD+
Achtung! LM-Gehalt1 per Definition bis zu 15% erlaubt:
W3, W3+, W3/DD

Beschichtungsstoffe, wasserbasiert (neu):
BSW20 - BSW30
BSW50, falls Biozide (Filmschutz) enthalten

Oberflächenbehandlungsmittel
für Parkett und andere Holzfußböden / Öle/Wachse:

lösemittelfrei (LM-Gehalt1 0%):
Ö10, Ö10+, Ö10/DD+
LM-Gehalt1 max. 5%:
Ö20-Ö30, Ö20+, Ö80

wasserbasierte Naturharzlacke sind selten, aber i.d.R. lösemittelfrei, evtl. kommt deshalb noch der Produktcode für Wassersiegel zur Verwendung:
W1, W1/DD (Wassersiegel, lösemittelfrei)

GefStoffV: Prüfung von Alternativen erforderlich? (Minimierungsgebot)

immer erforderlich (Einsatz muss technisch begründet sein) immer erforderlich bei Epoxidharz- und Polyurethanharzprodukten (Einsatz must technisch begründet sein), nicht erforderlich bei anderen wasserverdünnbaren Lacken und Lasuren mit LM-Gehalt1 bis 5%. nicht erforderlich

geringstmögliche Belastung innerhalb der gleichen GISCODE-Produktgruppe (ggf. erst nach Prüfung von Alternativen)

Innerhalb der gleichen GISCODE-Gruppe i.d.R. die Produktgruppe mit der niedrigsten Ziffer. Jedoch sollte grundsätzlich der Einsatz wasserbasierter Produkte geprüft werden (s. rechts)

BSW20, W1 BSW20, W1, Ö10+
  Umweltprodukt-deklaration (EPD)

Die Umweltproduktdeklaration (EPD = Environmental Product Declaration) eines Produktes macht Aussagen zum Energie- und Ressourceneinsatz und in welchem Ausmaß ein Produkt zu Treibhauseffekt, Versauerung, Überdüngung, Zerstörung der Ozonschicht und Smogbildung beiträgt. Außerdem werden Angaben zu technischen Eigenschaften gemacht, die für die Einschätzung der Performance des Bauproduktes im Gebäude benötigt werden, wie Lebensdauer, Wärme- und Schallisolierung oder den Einfluss auf die Qualität der Innenraumluft.2 Inhalt aufklappen

   
EPD2
- - -
Branchen-EPD2 - - -
  Umweltindikatoren

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren wie z.B Primärenergieaufwand, Abfall, Abiotischer Ressourcenverbrauch, Ozonabbaupotential, Treibhauspotential usw. liefert die Datenbank ÖKOBAUDAT des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMI. Inhalt aufklappen

   
ÖKOBAUDAT-Datensätze

-> 5. Beschichtungen -> 5.6 Lacke und Lasuren

 

  • 5.6.01 Lacksysteme Holzfenster
  • 5.6.02 Lacksysteme Holzfassade
  • 5.6.03 Parkettlack
  • 5.6.04 Lacksysteme Metall
 
  Sonstiges

Die Plattform baubook beispielsweise bietet für Händler und Hersteller von Bauprodukten die Möglichkeit einer online-Deklaration anhand von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Ein Modul zur Deklaration von BNB_BN_1.1.6-Kriterien ist in Vorbereitung. Inhalt aufklappen

   
baubook-Deklaration siehe baubook / Beschichtungen und Imprägnierungen
+
Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe vorhanden
-
Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe nicht vorhanden
./.
Zeichen / Label für diese Produktgruppe nicht relevant
x
Produkte aus dieser Produktgruppe können die Kriterien des Zeichens/Labels definitionsgemäß nicht erfüllen

1 LM = Lösemittel (lt. GISBAU-Definition flüchtige organische Verbindung (VOC) sowie deren Mischungen mit einem Anfangssiedepunkt von höchstens 250 °C)

2 Die hier als vorhanden markierten EPDs und Branchen-EPDs sind als Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu verstehen und finden sich z.B. auf den Seiten des IBU Institut Bauen und Umwelt e.V..

Polyurethanharzfarben

Bewertungssystem

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)

   
  Wofür steht das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)? Inhalt aufklappen
 

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMI steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen.
Ausführliche Informationen zum BNB-System siehe www.nachhaltigesbauen.de

  Welche Informationen liefert WECOBIS für BNB im Reiter BNB-Kriterien? Inhalt aufklappen
 

WECOBIS führt in den Datenblättern der Bauproduktgruppen umfangreiche Informationen zur Beantwortung der verschiedenen Fragestellungen im Hinblick auf Umwelt- und Gesundheitsaspekte. Im Reiter BNB-Kriterien bietet WECOBIS gezielt Antworten auf Fragestellungen baustoffrelevanter Steckbriefe. Durch die Bündelung von Aspekten z.B. bzgl. der Risiken für die lokale Umwelt, Fragen zur Innenraumhygiene und der Thematik Rückbau, Trennung, Verwertung gibt WECOBIS gezielte Hilfestellung bei der Einordnung einzelner Baustoffe. Tiefergehende Informationen finden sich über die Verknüpfungen in den jeweiligen Datenblättern.
Hinweis: Eine abschließende Beurteilung im Rahmen des Bewertungssystems und der genannten Kriterien erfolgt jedoch grundsätzlich in Abhängigkeit weiterer baulicher Gegebenheiten (z.B. eingebaute Menge).

BNB-Kriterium BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau)

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_1.1.6 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

BNB-Kriterium BN_1.1.6 zielt auf die Reduzierung bzw. Vermeidung von Stoffen und Produkten beim Neubau, die aufgrund ihrer stofflichen Eigenschaften oder Rezepturbestandteile ein Risikopotenzial für Grundwasser, Oberflächenwasser, Boden und Luft (auch Innenraumluft) enthalten. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 5 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung der Substitution eines Stoffes.

Für den Umgang mit Materialien im Bestand und deren Einordnung ist Kriteriensteckbrief BK_1.1.6. heranzuziehen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau) und BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

Einordnung Lacke und Lasuren

Stand 12/2018

Übersicht Qualitätsniveau erreichbar?
Lacke, Lasuren, Beizen QN1 QN2 QN3 QN4 QN5
Dispersionslackfarben,
wasserbasierte: HolzlasurenKlarlacke, Polyurethanharzfarben
ja ja ja ja ja

Epoxidharzdispersionen
* Gleichwertigkeitsnachweis zum Blauen Engel wahrscheinlich nicht vollständig möglich

ja ja ja ja nein*

Alkydharzlackfarben (25-30% Lösemittel),
lösemittelbasierte: Epoxidharzfarben (25-35% Lösemittel), Ölfarben und Naturharzlacke  (25-35% Lösemittel), Polyurethanharzfarben (25-40% Lösemittel)

ja ja nein nein nein
lösemittelbasierte: Holzlasuren (55-80% Lösemittel), Klarlacke (40-85% Lösemittel) ja nein nein nein nein
Beschichtungen von Holz-Bodenbelägen QN1 QN2 QN3  QN4 QN5
Dispersionslackfarben,
wasserbasierte: HolzlasurenKlarlacke, Polyurethanharzfarben
 ja ja  ja ja ja
Epoxidharzdispersionen
* Gleichwertigkeitsnachweis zum Blauen Engel wahrscheinlich nicht vollständig möglich
ja ja ja ja nein*
Alkydharzlackfarben (25-30% Lösemittel),
lösemittelbasierte: Epoxidharzfarben (25-35% Lösemittel), Ölfarben und Naturharzlacke  (25-35% Lösemittel), Polyurethanharzfarben (25-40% Lösemittel), Holzlasuren (55-80% Lösemittel), Klarlacke (40-85% Lösemittel) 
 ja nein nein nein nein
Innenwand- / Deckenfarben (Ausnahmefall) QN1 QN2 QN3  QN4 QN5
alle Lacke und Lasuren (nie lösemittelfrei, höchstens wasserbasiert)  ja nein nein nein nein

 Tabelle 1.5.3-1: Übersicht der erreichbaren Qualitätsniveaus / Lacke und Lasuren

 

         
   

Ausführliche Erläuterungen

 

Kommentierung Lacke, Lasuren, Beizen

Erreichbare QNs und mögliche Einschränkungen bei der Produktauswahl / Inhalt aufklappen

 

Kommentierung zu Lacke, Lasuren, Beizen nach Pos. 3a / BNB_BN_1.1.6

Textbausteine für Planung & Ausschreibung → WECOBIS / Lacke, Lasuren, Beizen incl. Grundbeschichtungen

Wasserbasierte Farben:

Dispersionslackfarben (3-8% Lösemittel), Epoxidharzdispersionen (bis zu 5% Lösemittel),  wasserbasierte Holzlasuren (bis zu 8% Lösemittel), Klarlacke (2-8% Lösemittel) und Polyurethanharzfarben (4-8% Lösemittel) können alle Anforderungen bis QN4 erfüllen, sofern sie weder Schwermetalle noch reproduktionstoxische Phthalate enthalten.
Ölfarben können zwar Im Extremfall bei der Verwendung von sehr leichtflüssigen Ölen keine Lösemittel enthalten. Lösemittelfreie Produkte sind jedoch eher selten. Im Normalfall sind zwischen 25 - 35 % Lösemittel enthalten.
Ab QN5 müssen die Produkte weitere umfangreiche stoffliche Anforderungen gemäß Blauer Engel DE-UZ 12a erfüllen, was von Dispersionslackfarben und wasserbasierten Holzlasuren, Klarlacken und Polyurethanharzfarben leicht erfüllt werden kann. Aus der Gruppe der Dispersionslackfarben , wasserbasierten Holzlasuren, Klarlacke und Polyurethanharzfarben sind viele Produkte für den Blauen Engel zertifiziert.

Aus der Gruppe der Epoxidharzdispersionen ist derzeit kein Produkt für den Blauen Engel zertifiziert. Der Gleichwertigkeitsnachweis für alle Anforderungen dürfte allerdings auch schwierig werden, da Epoxidharzdispersionen aufgrund ihrer Inhaltsstoffe i.d.R. mindestens in H317 (kann allergische Hautreaktionen verursachen), häufig auch in H411 (giftig für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung) eingestuft sind, was beim Blauen Engel ausgeschlossen ist.
Hinweis:
Gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der GefStoffV ist grundsätzlich das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen zu verwenden.
Epoxidarzdispersionen enthalten reizende Einzelkomponenten, welche eine Gesundheitsgefährdung darstellen. Es ist deshalb zu prüfen, ob ihr Einsatz technisch begründet ist, oder ob weniger gefährliche Produkte verwendet werden können.

Lösemittelbasierte Farben:

Alkydharzlackfarben (25-30% Lösemittel) und lösemittelbasierte Epoxidharzfarben (25-35% Lösemittel), Ölfarben und Naturharzlacke  (25-35% Lösemittel), sowie Polyurethanharzfarben (25-40% Lösemittel) können höchstens noch die Anforderungen bis QN2 erfüllen, sofern sie keine Schwermetalle oder reproduktionstoxischen Phthalate2 enthalten und der VOC-Gehalt max. 300g/l beträgt. Die Anforderungen ab QN3 können von von ihnen bereits nicht mehr erfüllt werden, da wasserbasierte Farben verwendet werden müssen.
Lösemittelbasierte Holzlasuren (55-80% Lösemittel) und Klarlacke (40-85% Lösemittel) können höchstens die Anforderungen zur Dokumentation und Deklaration in QN1 erfüllen, wenn sie Vor-Ort verarbeitet werden. Der maximale VOC-Gehalt von 300g/l ab QN2 kann von ihnen bereits nicht mehr erfüllt werden.
Hinweis:
Gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der GefStoffV ist grundsätzlich das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen zu verwenden. Es ist deshalb zu prüfen, ob statt der stark lösemittelhaltigen Lackfarben nicht weniger belastende Produkte eingesetzt werden können (siehe Verarbeitung / Arbeitshygienische Risiken, Reiter Zeichen & Deklarationen). Praktisch in allen Anwendungsbereichen gibt es Dispersionslackfarben als gleichwertige Alternativen, die eine deutlich geringere Umweltbelastung und geringere arbeitshygienische Risiken aufweisen.

→ zu den Textbausteine

  Kommentierung Beschichtungen von Holz-Bodenbelägen
Erreichbare QNs und mögliche Einschränkungen bei der Produktauswahl / Inhalt aufklappen
 

Kommentierung zu Beschichtungen von Holz-Bodenbelägen nach Pos. 3b / BNB_BN_1.1.6

Hinweis:
Der Nachweis des AgBB-Schemas ist zwar gemäß Pos. 3b derzeit erst ab QN2 erforderlich, allerdings benötigen sowieso alle Beschichtungen für Parkette und Holzfußböden bei der Verwendung in Aufenthaltsräumen eine abZ aus Gesundheitsschutzgründen. Sie umfasst eine Emissionsprüfung auf Basis des AgBB-Bewertungsschemas. Eine Liste der zugelassenen Produkte findet man beim DIBt.

Textbausteine für Planung & Ausschreibung → WECOBIS / Beschichtungen von Holzbodenbelägen

Wasserbasierte Farben:

Dispersionslackfarben (3-8% Lösemittel), Epoxidharzdispersionen (bis zu 5% Lösemittel),  wasserbasierte Holzlasuren (bis zu 8% Lösemittel), Klarlacke (2-8% Lösemittel) und Polyurethanharzfarben (4-8% Lösemittel) mit abZ (s.o.) können alle Anforderungen bis QN4 erfüllen, sofern sie weder Schwermetalle noch reproduktionstoxische Phthalate enthalten.
Ölfarben können zwar Im Extremfall bei der Verwendung von sehr leichtflüssigen Ölen keine Lösemittel enthalten. Lösemittelfreie Produkte sind jedoch eher selten. Im Normalfall sind zwischen 25 - 35 % Lösemittel enthalten.
Ab QN5 müssen die Produkte weitere umfangreiche stoffliche Anforderungen gemäß Blauer Engel DE-UZ 12a erfüllen, was von Dispersionslackfarben und wasserbasierten Holzlasuren, Klarlacken und Polyurethanharzfarben leicht erfüllt werden kann. Aus der Gruppe der Dispersionslackfarben , wasserbasierten Holzlasuren, Klarlacke und Polyurethanharzfarben sind viele Produkte für den Blauen Engel zertifiziert.

Aus der Gruppe der Epoxidharzdispersionen ist derzeit kein Produkt für den Blauen Engel zertifiziert. Der Gleichwertigkeitsnachweis für alle Anforderungen dürfte allerdings auch schwierig werden, da Epoxidharzdispersionen aufgrund ihrer Inhaltsstoffe i.d.R. mindestens in H317 (kann allergische Hautreaktionen verursachen), häufig auch in H411 (giftig für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung) eingestuft sind, was beim Blauen Engel ausgeschlossen ist.
Hinweis:
Gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der GefStoffV ist grundsätzlich das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen zu verwenden.
Epoxidarzdispersionen enthalten reizende Einzelkomponenten, welche eine Gesundheitsgefährdung darstellen. Es ist deshalb zu prüfen, ob ihr Einsatz technisch begründet ist, oder ob weniger gefährliche Produkte verwendet werden können.

Lösemittelbasierte Farben:

Lösemittelbasierte Farben können höchstens die Anforderungen zur Dokumentation und Deklaration in QN1 erfüllen, wenn sie Vor-Ort verarbeitet werden. Für die Beschichtung von Holz-Bodenbelägen sind bereits ab QN2 wasserbasierte Farben erforderlich.
Hinweis:
Gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der GefStoffV ist grundsätzlich das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen zu verwenden. Es ist deshalb zu prüfen, ob statt der stark lösemittelhaltigen Lackfarben nicht weniger belastende Produkte eingesetzt werden können (siehe Verarbeitung / Arbeitshygienische Risiken, Reiter Zeichen & Deklarationen). Praktisch in allen Anwendungsbereichen gibt es Dispersionslackfarben als gleichwertige Alternativen, die eine deutlich geringere Umweltbelastung und geringere arbeitshygienische Risiken aufweisen.

→ zu den Textbausteine

  Kommentierung Innenwand- / Deckenfarben (Ausnahmefall)
Erreichbare QNs und mögliche Einschränkungen bei der Produktauswahl / Inhalt aufklappen
 

Kommentierung zu Innenwand- / Deckenfarben nach Pos. 5 / BNB_BN_1.1.6 (Ausnahmefall)

Hinweis: kein typischer Anwendungsbereich für Lacke, kein Anwendungsbereich für Holzlasuren, für Wandlasuren siehe Dispersionsfarben

Bei stark beanspruchten Flächen können Lacke auch zur Beschichtung auf mineralischen Oberflächen in Frage kommen. Allerdings können sie in diesem Anwendungsbereich bereits die Anforderungen für QN2 nicht mehr erfüllen, da u.a. lösemittelfreie Farben verwendet werden müssen. Bereits Dispersionslackfarben enthalten mind. 3% Lösemittel. Alle anderen Lackfarben enthalten noch mehr Lösemittel.

  Grundlagen
relevante Schadstoffgruppen und Einsatzbereiche / Inhalt aufklappen
 

Für die Bewertung nach Kriterium BNB_BN_1.1.6 werden sechs potenzielle Schadstoffgruppen betrachtet. Für die Einordnung der Lacke und Lasuren gemäß 1.1.6 sind die hervorgehobenen Schadstoffgruppen relevant:

1 Gefährliche und besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC)
2 Gefährliche Stoffe, die ausgelaugt werden können (für Anwendungen in Kontakt mit Boden oder Wasser)
3 Schwermetalle (evtl. Pigmente)
4 Flüchtige organische Verbindungen (VOC) einschließlich organische Lösemittel
5 Halogenierte Kälte- und Treibmittel
6 Biozide

Lacke und Lasuren werden in 1.1.6 über folgende Einsatzbereiche adressiert (s. BNB_BN_1.1.6 Anlage 1 / Allgemeine Anforderungsliste, Anlage 2 / Anforderungen an Einzelstoffe mit besonders besorgniserregenden Eigenschaften):

  • Pos. 3a Vor-Ort und werkseitig* verarbeitete Oberflächenbeschichtungen / Lacke, Lasuren, Beizen inkl. Grundbeschichtungen auf nicht mineralischen Oberflächen im Innen- und Außenraum
  • Pos. 3b Vor-Ort und werkseitig* verarbeitete Oberflächenbeschichtungen / Lacke, Lasuren, Beizen inkl. Grundbeschichtungen auf nicht mineralischen Bodenbelägen (Parkette und Holzfußböden, auch Treppen)

* für werkseitig verarbeitete Oberflächenbeschichtungen gelten dieselben Anforderungen wie für Vor-Ort-verarbeitete Oberflächenbeschichtungen, wenn Nachweise zur Einhaltung der 31.BIMSchV bzw. TA-Luft nicht in schriftl. Form vorgelegt werden können.

Bei stark beanspruchten Flächen können Lacke und Lasuren im Ausnahmefall auch zur Beschichtung auf mineralischen Oberflächen in Frage kommen. Allerdings können alle Lacke in diesem Anwendungsbereich höchstens die Anforderungen von QN1 (Dokumentation/Deklaration) erfüllen.

  • Pos. 5 Vor-Ort verarbeitete Oberflächenbeschichtungen / Innenwand-/ Deckenfarben / Beschichtungen auf überwiegend mineralischen Oberflächen im Innenraum
 
  BNB_BN_1.1.6
Einzelanforderungen nach Qualitätsniveaus gemäß Kriteriensteckbrief /  Inhalt aufklappen
    Anforderungen an Lacke, Lasuren, Beizen (gem. BNB_BN_1.1.6 / Pos. 3a) Anforderungen an Beschichtungen von Holz-Bodenbelägen (gem. BNB_BN_1.1.6 / Pos. 3b) Anforderungen an
Innenwand-/Deckenfarben
(gem. BNB_BN_1.1.6 / Pos. 5)
  Qualitätsniveau 1
(QN1)
= Mindestanforderung
Produktdokumentation1 incl. Deklaration von SVHC der Kandidatenliste > 0,1 Gew.-% 
  QN2
  (zusätzlich zu QN1)

Keine Pigmente und Sikkative auf Basis von Blei-, Cadmium- und Chrom-VI-Verbindungen

reproduktionstoxische Phthalate <0,1%2

Verwendung von wasserbasierenden Farben (Wb)
oder bei Verwendung lösemittelbasierter Farben Begrenzung des VOC-Gehalts auf 300 g/l

Einhaltung AgBB-Bewertungsschema

GISCODE W1, W1/DD, W2+W2/DD+, W3+, W3/DD+

Keine Pigmente und Sikkative
auf Basis von Blei-, Cadmium- und Chrom-VI-Verbindungen

reproduktionstoxische Phthalate <0,1%2

Die verwendeten Produkte müssen lösemittelfrei und weichmacherfrei sein gemäß Definition VdL-RL 01 Abschnitt 4.2.4

  QN3
  (zusätzlich zu QN1)

Keine Pigmente und Sikkative auf Basis von Blei-, Cadmium- und Chrom-VI-Verbindungen

reproduktionstoxische Phthalate <0,1%2

Verwendung von wasserbasierenden Farben (Wb) und
Begrenzung des VOC-Gehalts
auf 130 g/l

Die Anforderungen von DE-UZ 1023 (Emissionsarme
Wandfarben) müssen erfüllt werden. 

 

  QN4
  (zusätzlich zu QN1)

Keine Pigmente und Sikkative auf Basis von Blei-, Cadmium- und Chrom-VI-Verbindungen

reproduktionstoxische Phthalate <0,1%2

Verwendung von wasserbasierenden Farben (Wb) und
Begrenzung des VOC-Gehalts auf 100 g/l

Einhaltung AgBB-Bewertungsschema

GISCODE W1, W1/DD, W2+W2/DD+

Keine Pigmente und Sikkative
auf Basis von Blei-, Cadmium- und Chrom-VI-Verbindungen

reproduktionstoxische Phthalate <0,1%2

  QN5
  (zusätzlich zu QN1)
Die Anforderungen des Labels DE-UZ 12a (Blauer Engel) für Emissions- und schadstoffarme Lacke müssen erfüllt werden.3 
1 Die Produktdokumentation (z.B. über Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, Sicherheitsdatenblätter) ist die Mindestanforderung, die für alle durch BNB 1.1.6 betroffenen Produktgruppen erfüllt sein muss. Zusätzlich ist für alle diese Produktgruppen immer auch die Deklaration von SVHC der Kandidatenliste nach REACH (z.B. über Sicherheitsdatenblätter, Herstellererklärung) erforderlich.
2 Die niedermolekularen Phthalate DEHP, DBP und BBP sind als reproduktionstoxisch  einzustufen. DEHP wird gmäß EU Verordnung Nr. 143/2011 vom 17. Februar 2011 als reproduktionstoxisch klassifiziert und der 21. Januar 2015 wurde als Datum festgelegt, von dem ab das Inverkehrbringen und der Gebrauch der Substanz ohne Zulassung verboten ist. In den letzten Jahren hat ein schrittweiser Übergang von nieder- zu hochmolekularen Phthalaten (DINP, DIDP, DPHP) sowie – in einem geringeren Umfang -  zu Nicht-Phthalat-Weichmachern stattgefunden. DINP und DIDP sind nicht als krebserregend, erbgutverändernd oder reproduktionstoxisch eingestuft. Auf hochmolekulare Phthalate entfallen heute mehr als 70 % des Weichmachermarkts in Europa (VINYL 2010).
3 Sofern innerhalb der Qualitätsniveaus auf aggregierte Produktkennzeichnungen verwiesen wird (hier: Blauer Engell), ist es zulässig vergleichbare Nachweise (weitere Umweltzeichen, Angaben in Sicherheits- oder Produktdatenblätter etc.) heranzuziehen. Dabei bezieht sich die Vergleichbarkeit nur auf die Anforderungen hinsichtlich der jeweiligen zu betrachtenden Schadstoffgruppen (hier: gefährliche Stoffe, SVHC, Schwermetalle, VOC und Formaldehyd)

Tabelle 1.5.3-2: Anforderungen nach BNB_BN_1.1.6 an die Verwendung von Lacken und Lasuren mit ausführlicher Kommentierung

Planungs- und Ausschreibungshilfen mit Textbausteinen

Eine tabellarische Übersicht mit allen Einzelkriterien für Planung und Ausschreibung ist im Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen für Lacke, Lasuren, Beizen inkl. Grundbeschichtungen und für Beschichtungen von Holzbodenbelägen zu finden. Die Tabellen dort enthalten auch detaillierte Informationen zu den Nachweismöglichkeiten (z.B. über andere Produktkennzeichnungen) und damit zur Prüfung der angebotenen Produkte. Außerdem finden sich dort auch die für die verschiedenen Qualitätsniveaus zugehörigen Textbausteine (auch als PDF-Download).

BNB-Kriterium BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

 
   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BK_1.1.6 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

Im Falle einer Sanierungsmaßnahme wird BN_1.1.6 ergänzt durch das BNB-Kriterium BK_1.1.6. Dieses zielt auf die Adressierung und Ausschleusung von Materialien in der bestehenden Bausubstanz, die ein Risikopotenzial für Mensch und Umwelt darstellen. Die Bewertung erfolgt anhand einer Einstufung der Baumaterialien in ein vorgegebenes Schadstoffkataster mit 14 Schadstoffgruppen aufgrund ihres Schädigungspotentials und der jeweiligen Sanierungsmaßnahmen. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 4 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung er Substitution eines Stoffes.

Weitere Informationen zu den Einzelkriterien im Bestand siehe BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung). Für den Einbau von neuen Materialien gilt BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau).

Einordnung Lacke und Lasuren im Bestand

Die Einordnung von Materialien im Bestand erfolgt in WECOBIS jeweils gesammelt für die ganze Obergruppe. Für Lacke und Lasuren siehe dazu Oberflächenbehandlungen im Bestand.

Lacke oder Lasuren können schwermetallhaltige Pigmente enthalten, die bei einem späteren Rückbau entsorgungsrelevant sein können. Bei Produkten mit Umweltzeichen (z.B. Blauer Engel DE-UZ 12a) sind diese über den Anforderungskatalog ausgeschlossen. → Reiter Zeichen & Deklarationen 

BNB-Kriterium BN_3.1.3 - Innenraumhygiene

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_3.1.3 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

Ziel des BNB-Kriteriums 3.1.3 ist die Sicherstellung der Luftqualität im Innenraum unter hygienischen Gesichtspunkten, die zu keinen negativen Effekten hinsichtlich der Befindlichkeit der Raumnutzer führt, die hygienische Sicherheit garantiert und somit möglichst auch eine empfundene hohe olfaktorische Luftqualität gewährleistet.
Die Bewertung erfolgt anhand der Berechnung der personenbezogenen Luftwechselrate sowie anhand von Raumluftmessungen auf den Formaldehyd- und TVOC-Gehalt.
Erfahrungsgemäß lassen sich die Referenz- und Zielwerte dann erreichen, wenn die Auswahl und Verwendung der eingesetzten Materialien auf einem ganzheitlichen Konzept zur Vermeidung von Emissionen aus Bauprodukten basiert und der Einsatz emissionsarmer Materialien die Bauphase begleitend dokumentiert wird. BNB-Kriterium 3.1.3 steht deshalb in engem Zusammenhang mit der Erfüllung der Einzelkriterien für BNB-Kriterium 1.1.6.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_3.1.3 Innenraumhygiene (Neubau)

Einordnung Lacke und Lasuren

An dieser Stelle findet man eine grobe Übersicht zu den in BNB_BN_3.1.3 adressierten Emissionen.
Ausführliche Informationen zu möglichen Schadstoffen oder Emissionen bzw. zu Alternativen hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz 
→ Reiter Planungsgrundlagen

Lebenszyklusspezifische Informationen findet man auch in den jeweiligen Reitern der Lebenszyklusinformationen.
→ Reiter Verarbeitung, Nutzung, Nachnutzung

Praktisch in allen Anwendungsbereichen gibt es wasserbasierte (wb), 1-komponentige (1K-) Lacke oder Lasuren als gleichwertige Alternativen, die eine deutlich geringere Umwelt- und Gesundheitsbelastung und geringere arbeitshygienische Risiken aufweisen als lösemittelbasierte (lb) oder 2-komponentige (2K-) Produkte.
1 Im Bereich der Lacke und Lasuren gibt es emissions- und schadstoffgeprüfte Produkte mit Umweltzeichen (z.B. Blauer Engel DE-UZ 12a). Sie sind grundsätzlich wasserbasiert und 1-komponentig.  →  Reiter Zeichen & Deklarationen

Produktgruppe
wb = wasserbasiert
lb = lösemittelbasiert

Zu erwartende VOC-Emissionen Zu erwartende
Formaldehyd-­Emissionen
wasserbasierte 1K-Produkte1:
Dispersionslackfarben (3-8% Lösemittel), Holzlasuren (wb bis zu 8% Lösemittel), Klarlacke (wb 2-8% Lösemittel), Polyurethanharzfarben (wb 4-8% Lösemittel)
möglich1 keine
wasserbasierte 2K-Produkte:
Epoxidharzdispersionen (wb, 2-K), Polyurethanharzfarben (wb + 2K)
möglich keine
lösemittelbasierte Produkte:
Alkydharzlackfarben (25-30% Lösemittel), Epoxidharzfarben (2K, lb 25-35% Lösemittel), Holzlasuren (lb 55-80% Lösemittel), Klarlacke (lb 40-85% Lösemittel), Ölfarben und Naturharzlacke  (25-35% Lösemittel), Polyurethanharzfarben (2K, lb 25-40% Lösemittel)
hoch keine
keine
Die Produktgruppe enthält kein Formaldehyd oder keine VOC.
möglich
Die Produkte der Produktgruppe unterscheiden sich bezüglich der zu erwartenden VOC- oder Formaldehyd-Emissionen. Bei der Produktwahl ist auf geeignete Zeichen und Deklarationen zu achten. Siehe dazu die Informationen im Reiter "Zeichen & Deklarationen".
hoch
Die Produktgruppe verursacht grundsätzlich hohe VOC-Emissionen oder Formaldehyd-Emissionen. Alternativen sind vorzugsweise in der Wahl funktional gleichwertiger Baustoffe anderer Produktgruppen oder anderer Konstruktionen zu suchen.

BNB-Kriterium BN_4.1.4 - Rückbau, Trennung, Verwertung

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_4.1.4 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

Im BNB Kriteriensteckbrief 4.1.4 werden Konstruktionen nach ihrer Rückbaubarkeit, Trennbarkeit und Verwertbarkeit eingestuft.
WECOBIS kann eine aktuelle Information über mögliche Umwelt- und Gesundheitsgefährdungsaspekte im Zuge von Rückbau und Entsorgung auf Bauproduktgruppenebene geben. Eine Betrachtung von ganzen Konstruktionen kann derzeit in WECOBIS noch nicht erfolgen. Ein Bauteilmodul ist jedoch in planung. Ergänzend zu Leitfäden und Arbeitshilfen helfen die bauproduktgruppenspezifischen Aspekte dem Koordinator jedoch auch jetzt schon, die Komponenten Umwelt und Gesundheit für den Steckbrief 4.1.4 einzuordnen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_4.1.4 – Rückbau, Trennung, Vewertung

Einordnung Farben, Lacke, Lasuren

Rückbaubarkeit

Für die Bewertung wirkt sich der Einsatz abfallarmer Konstruktionen, die die Möglichkeit eines sortenreines Rückbaus erlauben, günstig aus. Die Rückbaubarkeit beschreibt den Aufwand, der für Demontage oder Abbruch eines Bauteils aus dem Gebäudeverband nötig ist.

Die Rückbaubarkeit von Oberflächenbehandlungen ist bedingt durch ihre Funktion prinzipiell nicht gegeben. Farben, Lacke und Lasuren haften funktionsbedingt auf dem unterliegenden Bauteil und können nicht getrennt rückgebaut werden.

Sortenreinheit

Beschreibt den Aufwand, der für die sortenreine Trennung mehrschichtiger und / oder inhomogener Bauteile anfällt.

Farben, Lacke und Lasuren können nicht sortenrein zurückgebaut werden. Sie treten im Rückbau als Anhaftungen an anderen Baustoffen in Erscheinung und können die Recyclingfähigkeit dieser Baustoffe vermindern.

Verwertbarkeit

Für die Bewertung der Verwertbarkeit der Baustofffraktionen gelten die zur Zeit der Bewertung am Markt aktuell verfügbaren technischen Verfahren. Alternativ können bei Bauteilen mit langer zu erwartender Nutzungsdauer Forschungsvorhaben, die praktikable Lösungsmöglichkeiten in absehbarer Zeit zur Verfügung stellen können, positiv bewertet werden. 

Da Farben, Lacke und Lasuren immer mit anderen Baustoffen verbunden sind und ihre Funktion die möglichst starke und andauernde Haftung auf dem Untergrund bedingt, können sie nur als Anhaftung an anderen Baustoffen entsorgt werden.

  • Eine stoffliche Verwertung ist nicht möglich. Mit Farben und Lacken behandelte Baustoffe können in ihrer Recyclierbarkeit beeinträchtigt werden oder führen zu Qualitätseinbußen von Sekundärbaustoffen. 
  • Die energetische Verwertung von Wandfarben, die nicht rein mineralisch sind (z.B. Kalkfarben), oder Lacken ist möglich und führt bei vorschriftsgemässer Rauchgasreinigung zu keinen relevanten Emissionen.

weitere Informationen zur Nachnutzung (z.B. Deponieverhalten, Abfallschlüssel) → Reiter Nachnutzung

Quellen

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Kriterium 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt, abrufbar unter BNB_BN_1.1.6 Version V 2015 (Online-Quelle)

Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 3.1.3 Innenraumhygiene, abrufbar unter BNB_BN2011-1_313 (Online-Quelle)

Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 4.1.4 Rückbau, Trennung und Verwertung, abrufbar unter BNB_BN2011-1_414 (Online-Quelle)

Polyurethanharzfarben

Technisches

Technische Daten

Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl µ: sehr geringe Dampfdurchlässigkeit, µ = 25.000 - 35.000

Technische Regeln (DIN, EN)

Der Begriff Polyurethan ist in DIN 7728 als Kunststoffgruppe definiert und im Rahmen der Beschichtungsnormen nicht näher spezifiziert.

Polyurethanharzfarben

Literaturtipps

Umweltbundesamt: Schadstoffarme Lacke - Geltungsbereich und Anforderungen, Umweltbundesamt, 1997, Berlin

ökoscience AG: Vergleichende ökologische Bewertung von Anstrichstoffen im Baubereich Band 1: Methode, Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, 1992, Bern

Büro für Umweltchemie (Hrsg.): Graue Energie von Baustoffen, Büro für Umweltchemie, 1995, Zürich

Polyurethanharzfarben

Rohstoffe / Ausgangsstoffe

Hauptbestandteile

Polyurethanharze-lösemittelhaltig 2.1.1 neu

Abb. 1 / Zusammensetzung nach Funktionen - Polyurethanharzfarben lösemittelhaltig

Abb. 2 / Zusammensetzung nach Funktionen - Polyurethanharzfarben wasserverdünnbar

Als Bindemittel werden im Hochbau vor allem Acrylharztypen mit vorpolymerisierten Isocyanaten chemisch zum PUR-Lack gebunden. Bei den Pigmenten und Füllstoffen handelt es sich um dieselben Stoffgruppen wie sie in allen Farbsystemen eingesetzt werden. Als Lösemittel kommen neben den bekannten aromatischen Lösemitteln wie Xylol ein Vielzahl spezieller Lösemittel (Ketone, höhere Alkohole, Ester) zum Einsatz. Bei wasserverdünnbaren Systemen werden als Lösemittel  u.a. Alkohole oder andere wasserlösliche Verbindungsgruppen eingesetzt (z. B. N-Methyl-2-pyrrolidon). Die lösemittelhaltigen Polyurethanharzfarben erfordern in der Regel verschiedenartige Hilfsstoffe, meistens auf der Basis von Polymeren.

Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Polyurethanharze-lösemittelhaltig 2.1.2 neu

Abb. 3 / Zusammensetzung nach Rohstoffherkunft - Polyurethanharzfarben lösemittelhaltig

Abb. 4 / Zusammensetzung nach Rohstoffherkunft - Polyurethanharzfarben wasserverdünnbar

Gewinnung der Primärrohstoffe

Die Vorläuferstoffe für die Herstellung von Polyurethanharzen, Härterkomponenten, Lösemitteln und Hilfsstoffen stammen alle aus Steinkohleteer- und Erdölfraktionen. Pigmente, v.a. die Weißpigmente, werden aus Metallerzen in verhältnismäßig energieintensiven Prozessen gewonnen. Als Füllstoffe werden Gesteinsmehle aus Kalk oder Feldspat eingesetzt.

Die Gewinnung der fossilen Rohstoffe aus Erdöl, Erdgas und Kohle wie auch der mineralischen Rohstoffe ist mit Umweltrisiken verbunden.

Verfügbarkeit

Mit der allmählichen Erschöpfung der Erdölvorräte vermindert sich auch das Potential zur Gewinnung von fossilen Rohstoffe in wenigen Jahrzehnten. Allerdings könnten die Rohstoffe auch aus Kohle hergestellt werden, was jedoch mit einem größeren Energieaufwand verbunden wäre.
Die mineralischen Rohstoffe sind auch langfristig nicht erschöpft, eine Knappheit ist nicht zu erwarten.

Verwendung von Recyclingmaterialien / Produktionsabfällen

Die Verwendung von Sekundärrohstoffen in der Produktion von Polyurethanharzfarben ist evtl. denkbar, wird jedoch in der Praxis gegenwärtig nicht umgesetzt. Produktionsabfälle werden in modernen Industriebetrieben wo möglich genutzt. Detaillierte Informationen für die Farbenproduktion liegen jedoch nicht vor.

Radioaktivität

Radioaktivität ist für Lacke nicht relevant.

Quellen

Eigene Datensammlung, Büro für Umweltchemie

Polyurethanharzfarben

Herstellung

Prozesskette

Prozess Lacke

Herstellungsprozess

Die Herstellung der Polyurethanharze erfolgt ausschließlich in großen Chemieindustriebetrieben. Die Prozessketten von Harzen und Härtern umfassen verhältnismäßig viele Stufen, an denen verschiedene Gefahrstoffe, z. T. mit erheblichem arbeits- und umwelthygienischem Risikopotential (z. B. Benzol, Phosgen, Isocyanate), beteiligt sind. Die Herstellung der Pigmente und Füllstoffe ist nicht produktgruppenspezifisch.
Die Verarbeitung zu Lacken beinhaltet das Einwägen und Mischen der Ausgangsstoffe gemäß Rezeptur. Anschließend werden die Komponenten in Gebinde eingefüllt und zur Auslieferung auf Paletten verpackt.

Umweltindikatoren / Herstellung

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren (z.B. Primärenergieaufwand, Treibhauspotential)  liefert die Datenbank ÖKOBAUDAT des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMI.
Die ÖKOBAUDAT stellt Umweltprofile für Bauprodukte bereit, die als erforderliche Datengrundlage für die Lebenszyklusanalyse eingesetzt werden. Für Bauprodukte gibt es Herstellungs- und End-of-Live-Datensätze. → Datenbank der ÖKOBAUDAT

Informationen zur ÖKOBAUDAT im Zusammenhang mit dieser Produktgruppe finden sich in WECOBIS unter Fachinformationen / Reiter Zeichen & Deklarationen → Übersicht Umweltdeklarationen / Umweltindikatoren

Da in der Herstellung von Bauprodukten ein großer Anteil der verursachten Umweltbelastungen auf den Verbrauch von nicht erneuerbaren Energieträgern zurückzuführen ist, stellt die Graue Energie (kumulierter Primärenergieaufwand nicht erneuerbar) dafür einen guten Indikator dar.
Im Kapitel Energieaufwand finden sich ggf. allgemeine Informationen zum Thema, die die Produktgruppe prägen.

Energieaufwand

Für das Standard-Bindemittel Polyurethan (Polyole und Isocyanate) sind relativ zuverlässige Daten zum Energieaufwand verfügbar. Sie stammen vom europäischen Verband der Kunststoffproduzenten und repräsentieren europäische Mittelwerte. Die Polyurethanharze gehören wahrscheinlich zusammen mit den Epoxidharzen und vermutlich den Siliconharzen zu den energieintensivsten Bindemitteln unter den Malerlacken.

Graue Energie

  Alkydharzlackfarben Polyurethanharze lösemittelhaltig Polyurethanharze wasserverdünnbar Dispersionslackfarben
[MJ/m²] 20 - 24 38 - 41 20 - 25 11 - 14

Die angegebene Zahlen zur Grauen Energie beziehen sich auf einen Standardaufbau für ein weiß deckendes Farbsystem. Lösemittelhaltige Polyurethanharze sind signifikant energieintensiver, als vergleichbare Systeme auf Alkydharzbasis (Alkydharzlackfarben). Der Unterschied zwischen wasserverdünnbaren Polyurethanharzfarben und lösemittelhaltigen Systemen sind etwa 30 - 35 % Lösemittel. In den Bindemitteln unterscheiden sie sich bezüglich Belastung während der Herstellung kaum. Die Unterschiede zu Dispersionslackfarben werden hauptsächlich durch die energieintensiven Bindemittel verursacht.

Charakteristische Emissionen

Emissionen in der Herstellung von Lacken sind von deren Zusammensetzung abhängig. Lösemittelhaltige Lacke führen in der Produktion typischerweise zu Lösemittelemissionen, die kontrolliert werden müssen, z. B. durch Absaugung aus geschlossenen Systemen. Mineralische Füllstoffe können zu Staubemissionen führen. Prozesswasser muss, soweit vorhanden, gemäß den Vorgaben der „Verordnung über Anforderungen an das Einleiten von Abwasser in Gewässer“ kontrolliert und behandelt werden.

Transport

Der Transport jener Ausgangsstoffe welche auf fossilen Rohstoffen basieren (Anteile der Bindemittel, Pigmente, Lösemittel, Hilfsstoffe) ist generell mit längeren Transportwegen und größeren Umweltrisiken behaftet als der Transport der Ausgangsstoffe welche auf nachwachsenden Rohstoffen (Anteile der Bindemittel) oder mineralischen Rohstoffen basieren (Füllstoffe, Pigmente). In der Produktionskette werden auch Güter mit Gefahrstoffkennzeichnung transportiert. Da jedoch Bindemittel, Lösemittel, Pigmente sowie Hilfsstoffe in einer Vielzahl von verschiedenen Produkten verwendet werden (nicht nur in Lacken) ist die Umweltrelevanz des Transports nicht spezifisch für die Herstellung von Lacken.

Quellen

Büro für Umweltchemie (Hrsg.): Graue Energie von Baustoffen, Büro für Umweltchemie, 1995, Zürich

Polyurethanharzfarben

Verarbeitung

Technische Hinweise / Verarbeitungsempfehlungen

Die Verarbeitung von Polyurethanharzfarben verlangt das genaue Beachten von Verarbeitungstemperaturen, Luftfeuchtigkeit und bei 2K-Systemen das genaue Einhalten des Mischverhältnisses von Harz- und Härterkomponente. Eine unsachgemäße Verarbeitung kann zu lang anhaltenden Emissionen führen.

Arbeitshygienische Risiken

Allgemeines

Polyurethanharzfarben können durch Einatmen der Dämpfe oder durch Kontakt mit Augen und Haut zu Gesundheitsschäden führen. Besonders die Nebel und Gase von feuchtigkeitshärtenden Isocyanathärtern (1K-Systeme) sind äußerst aggressiv.  Insbesondere Personen mit Isocyanat-Allergien sollten keinen weiteren Umgang mit diesen Stoffen haben, da sie bereits in sehr niedrigen Konzentrationen reagieren. Es gelten weitreichende Arbeitsschutzmaßnahmen.

AGW-Werte

Für reaktive Isocyanatgruppen sowie für Lösemittel existieren Arbeitsplatzgrenzwerte. Diese sind je nach Isocyanatgruppe oder Lösemittel verschieden hoch. Informationen zu den Grenzwerten finden sich in den GISBAU Produktdatenblättern (hier: PU10, PU20, PU30, PU40, PU50) jeweils unter "Grenzwerte und Einstufungen".

REACH / CLP - Informationspflicht zu SVHC

Die REACH-Verordnung regelt die Herstellung, das Inverkehrbringen und den Umgang mit Industriechemikalien. Zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen, dient die CLP-Verordnung (Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen), um ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu gewährleisten.
Wird ein Produkt als Stoff oder Gemisch eingestuft, ist für Informationen zu Gefahrstoffen und Einstufungen nach CLP ein Sicherheitsdatenblatt (SDB) erforderlich.

Flüssige, pastöse, pulvrige Bauprodukte (z.B. Dichtmassen, Klebstoffe, Beschichtungen, Farben, Mörtel) werden als Gemisch eingestuft.

Produkt bezogene Informationen gemäß CLP-Verordnung (z.B. Nachweis gefährliche Stoffe, Nachweis besonders besorgniserregender Stoffe SVHC >=  0,1 Gew.-%) müssen daher in den Sicherheitsdatenblättern (SDB) der jeweiligen Produkte ausgewiesen sein.

Einstufungen und Gesundheitsgefahren nach GISBAU

Polyurethanharzfarben können gemäß folgenden Einstufungskatalogen der GISBAU in GISCODES eingeordnet werden:

  • Polyurethanharz-Produkte
    Bei den Polyurethanharzfarben gibt es lösemittelhaltige und lösemittelfreie Systeme, was nicht unbedingt an der Höhe des Giscodes ablesbar ist. Als lösemittelfrei gelten sie hier nur, wenn der Lösemittelgehalt < 0,5% liegt. Polyurethanharzfarben sind meistens 2-komponentig, es gibt sie aber auch 1-komponentig.
    Einstufungskatalog Polyurethanharz-Produkte
    GISCODES PU10 - PU60 / PU-Systeme

Es gibt auch wasserbasierte 1-komponentige Systeme, die vom Filmbildungsmechanismus und von der Anwendung her eher den Dispersionslackfarben zuzuordnen sind und dann wohl eher auch ähnlich diesen eingeordnet werden können, das sie weniger arbeitshygienische Risiken aufweisen:

Gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der GefStoffV ist grundsätzlich das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen zu verwenden. Es ist deshalb zu prüfen, ob der Einsatz von Polyurethanharzprodukten technisch begründet ist, oder ob weniger gefährliche Produkte verwendet werden können (siehe Verarbeitung / Arbeitshygienische Risiken, Reiter Zeichen & Deklarationen, sowie GISBAU Produktdatenblätter / Ersatzstoffe.

Eine detaillierte Übersicht zur Einordnung von lösemittelbasierten wie wasserbasierten Lacken und Lasuren in die verschiedenen GISCODES findet man im Reiter Zeichen & Deklarationen / Übersichtstabelle / GISBAU Klassifizierungssystem.

Emissionen

  Alkydharzlackfarben Polyurethanharze lösemittelhaltig Polyurethanharze wasserverdünnbar Dispersionslackfarben
[g/m²] 120 - 150 180 - 200 35 - 40 13 - 23

Die Lösemittelemissionen der lösemittelhaltigen Polyurethanharzfarben sind verglichen mit möglichen Alternativen auf Wasserbasis (Polyurethanharze wasserverdünnbar oder Dispersionslackfarben) sehr hoch, gegenüber Systemen auf Lösemittelbasis (Alkydharzlackfarben) leicht erhöht. Die Lösemittelemissionen von wasserverdünnbaren Polyurethanharzfarben sind etwas höher als jene von Dispersionslackfarben.

Umweltrelevante Informationen

Wassergefährdung

Lösemittelhaltige Polyurethanharzfarben sind gemäß VwVwS (Einstufung aufgrund der Verwaltungsvorschrift wassergefährdender Stoffe) als “wassergefährdend“ eingestuft. Wasserverdünnbare Systeme hingegen müssen nach Gefahrstoffverordnung nicht mit wassergefährdenden Risikosätzen gekennzeichnet werden.

Transport

Lösemittelhaltige Polyurethanzfarben sind als Gefahrgut gekennzeichnet. Für den Transport bestehen daher spezifischen Auflagen. Wasserverdünnbare Polyurethanharzfarben müssen nach Gefahrstoffverordnung nicht mit wassergefährdenden Risikosätzen gekennzeichnet werden.

Quellen

Eigene Berechnungen und Daten, Büro für Umweltchemie

Datenbank für wassergefährdende Stoffe, Umweltbundesamt

Polyurethanharzfarben

Nutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiken Neuzustand

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

Der Ausschuss zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten (AgBB) hat ein Bewertungsschema (AgBB-Bewertungsschema) zur gesundheitlichen Bewertung der Emissionen von flüchtigen organischen Verbindungen (VOC und SVOC) aus Bauprodukten entwickelt. Darin sind auch Anforderungen für Farben formuliert.

Hinweis zu Oberflächenbeschichtungen für Parkette und Holzfußböden

Bei allen Lacken, die als Oberflächenbeschichtungen für Parkette und Holzfußböden eingesetzt werden sollen, ist darauf zu achten, dass eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ der Gruppen Z-157.10) mit Aussagen zum Gesundheitsschutz vorliegt (baurechtliche Anforderung!). Sie umfasst eine Emissionsprüfung zur quantitativen Bestimmung und Bewertung von Formaldehyd, sowie flüchtiger (VOC) und schwer flüchtiger (SVOC) Verbindungen auf Basis des o.g. AgBB-Bewertungsschemas.
Eine Liste aller aktuell zugelassenen Oberflächenbeschichtungen für Parkette und Holzfußböden, die demnach das AgBB-Schema einhalten, findet man beim DIBt (download Liste).

Umwelt- und Gesundheitsrisiken bei bestimmungsgemäßer Nutzung

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

TVOC: Aus punktuellen Messungen in der Prüfkammer muss man davon ausgehen, dass bei Polyurethanen das Risiko längerfristiger Schadstoffabgabe nicht ganz ausgeschlossen werden kann. Vor allem bei unsachgemäßer Verarbeitung von Zweikomponentensystemen können Probleme entstehen, insbesondere wenn die Mischungsverhältnisse, Verarbeitungstemperaturen oder Luftfeuchtigkeiten zu wenig genau beachtet werden. Die Verarbeitung dieser Systeme erfordert erhöhte Sachkenntnis.

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Außenraum

Umweltrelevante Bestandteile:

Umweltrelevante Bestandteile können durch Abwitterung, Versprödung, Diffusion oder bei der Renovierung (z.B. durch Schleifen) in die Umwelt gelangen. Zudem können alle buntpigmentierten Polyurethanharze, insbesondere die kräftig leuchtenden Pigmente, umweltrelevante Schwermetalle wie Chrom, KobaltNickel, Blei oder Cadmium enthalten.

Umwelt- und Gesundheitsrisiken im Schadensfall

Brandfall

Im Brandfall sind keine besonderen Risiken für Umwelt und Gesundheit zu erwarten.

Wassereinwirkung

Es sind keine besonderen Risiken für die Umwelt zu erwarten. Polyurethanharzlacke enthalten keine gemäß Gefahrstoffverordnung kennzeichnungspflichtigen Bestandteile, welche wasserlöslich sind.

Beständigkeit Nutzungszustand

Mechanische Beständigkeit
Abriebfestigkeit Abwaschbar- und Scheuerbeständigkeit Härte und Kratzfestigkeit
sehr gut sehr gut, teilweise auch chemikalienbeständig sehr gut
Alterungsverhalten
Vergilbungsneigung Witterungsbeständigkeit
bei nicht lichtstabilisierten Systemen möglich bei bestimmten Härtertkomponenten sehr gut, (Anwendungsempfehlungen beachten)

Die Polyurethansysteme lassen sich für alle Anwendungsbereiche so modifizieren, dass sie die Anforderungen an die Beständigkeit erfüllen. Dabei müssen allerdings die Empfehlungen der Hersteller genau beachtet werden. Auch bei den Polyurethanlacken gibt es kein Universalsystem, das alle Anforderungen erfüllt.
Die Nachteile der Polyurethanjarzlacke liegen bei der beschränkten Haftung auf allen Untergründen und der je nach System u.U. ausgeprägten Feuchtigkeitsempfindlichkeit bei der Verarbeitung.

Unter der Rubrik Baustoff- und Gebäudedaten / Nutzungsdauern von Bauteilen findet sich auf dem Informationsportal Nachhaltiges Bauen eine Datenbank mit Nutzungsdauerangaben von ausgewählten Bauteilen des Hochbaus für den Leitfaden „Nachhaltiges Bauen“.
Datenbank als PDF

Instandhaltung

Der Aufwand für die Totalentfernung von beschädigten Schichten ist groß. Die Haftbarkeit auf bereits gehärteten und gealterten 2K-Systemen ist eingeschränkt. Auch die Anwendung von Polyurethanharzen auf alten Kunstharzfarben kann zu Problemen führen.

Quellen

Daten und eigene Berechnungen, Büro für Umweltchemie. Zürich

Ausschuss zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten, AgBB-Bewertungsschema 2012, Online-Quelle abgerufen am 10. Juli 2012

DIBt (Deutsches Institut für Bautechnik) (2010), Grundsätze zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten in Innenräumen, Stand Oktober 2010, Online-Quelle abgerufen am 10. Juli 2012

Polyurethanharzfarben

Nachnutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiko Rückbau

Farben, Lacke und Lasuren haften funktionsbedingt auf dem damit beschichteten Bauteil und werden normalerweise im Verbund rückgebaut. Sie selbst verursachen dann i.d.R. keine besonderen Umwelt- und Gesundheitsrisiken beim Rückbau. Beim Abschleifen vorhandener Farbschichten sind die üblichen Staubschutzmaßnahmen erforderlich, auch aufgrund evtl. enthaltener schwermetallhaltiger Pigmente.
→ siehe dazu auch Oberflächenbehandlungen im Bestand

Wiederverwendung

Eine Wiederverwendung von Farben, Lacken und Lasuren ist nicht möglich. Oberflächenbehandlungen von Bauteilen können die Wiederverwendung erschweren.

Stoffliche Verwertung

Eine stoffliche Verwertung von Farben, Lacken und Lasuren kommt aufgrund ihrer Verarbeitungsform (Anhaftung an anderen Baustoffen) grundsätzlich nicht in Frage.

Mit Farben behandelte Baustoffe können in ihrer Recyclierbarkeit beeinträchtigt werden, was zu Qualitätseinbußen von Sekundärbaustoffen führen kann. Dies gilt insbesondere für mineralische Baustoffe. Beschichtete Vollgipsplatten können beispielsweise nicht verwertet werden. Auch alle anderen mineralischen Baustoffe (z.B. Mauerwerk, Beton) können nur beschränkt als Recyclingbaustoffe verwertet werden, wenn sie in großem Maße insbesondere mit bunten Farben beschichtet sind. Keine besonderen Verwertungsprobleme bestehen bei beschichteten Metallbaustoffe, deren Beschichtung beim Einschmelzen vernichtet bzw. eventuell vorhandene Metalle in die Metallmatrix eingebunden werden. Holzwerkstoffe werden i.d.R. energetisch verwertet, was durch die Beschichtung ebenfalls nicht beeinträchtigt wird.

Energetische Verwertung

Abgesehen von rein mineralischen Farben (z.B. Kalkfarben, 2K-Silikatfarben) können Farben, Lacke und Lasuren in Verbrennungsanlagen energetisch verwertet werden und führen bei vorschriftsmäßiger Rauchgasreinigung zu keinen relevanten Emissionen. Mit Farben und Lacken behandelte Baustoffe (z.B. Holzwerkstoffe) werden demnach auch nicht in ihrer energetischen Verwertbarkeit beeinträchtigt.

Beseitigung / Verhalten auf der Deponie

Reine Farben, Lacke und Lasuren (z.B. Farbreste) dürfen nicht deponiert werden. Da die Anstrichstoffe auf anderen Materialien anhaften, die je nach Material deponiert werden, können sie dennoch in Deponien gelangen. Abbauprodukte können eine Belastung für die Deponieabwässer darstellen. Die geringste Belastung wäre von rein mineralischen Farben (z.B. Kalkfarben, 2K-Silikatfarben) zu erwarten.

EAK-Abfallschlüssel

Unverarbeitete und unausgehärtete Farben, Lacke, Lasuren

08 01 Abfälle aus Herstellung, Zubereitung, Vertrieb und Anwendung und Entfernung von Farben und Lacken
08 01 11 Farb- und Lackabfälle, die organische Lösemittel oder andere gefährliche Stoffe enthalten
08 01 12 Farb- und Lackabfälle mit Ausnahme derjenigen, die unter 08 01 11 fallen (rein mineralische Farben, z.B. Kalkfarben, 2K-Silikatfarben)

(Gemäß KrWG, BestbüAbfV besonders überwachungsbedürftige Abfälle)

Abgesehen von rein mineralischen Farben können in allen Produkten gesundheits-, luft- oder wassergefährdende Stoffe enthalten sein. Sie müssen einer speziellen Behandlung unterzogen bzw. an den entsprechenden Sammelstellen abgegeben werden und dürfen nicht als Restmüll entsorgt werden.

Ausgehärtete Produktreste
Ausgehärtete Produktreste gelten nicht mehr als Problemmüll und können mit dem Restmüll entsorgt werden.

Quellen

Verordnung über das Europäische Abfallverzeichnis (Abfallverzeichnis-Verordnung – AVV, zuletzt geändert am 24. Februar 2012, Online-Quelle abgerufen am 11.7.2012