Kalkfarben

Produktgruppeninformation

Begriffsdefinition

Bei den Kalkfarben besteht das Bindemittel aus Kalkhydrat (Calciumhydroxid, mit Wasser gelöschter gebrannter Kalk). Dieses ist rein mineralisch und mit sehr geringen Umweltbelastungen verbunden. Zur Verbesserung der technischen Eigenschaften (z.B. Witterungsbeständigkeit) können geringe Mengen anderer Bindemittel wie Casein oder Kunstharzdispersionen beigemischt werden, welche jedoch die ökologischen Vorteile des Kalkhydrats als Bindemittel wieder etwas reduzieren. Der gelöschte Kalk ist Bindemittel und Pigment in einem. Er bildet durch Carbonatisierung (Aufnahme von CO2  aus der Luft) eine feste weiße Schicht aus Kalk.

Wesentliche Bestandteile

Kalkfarben bestehen aus Bindemittel, Wasser, Füllstoffen/Pigmenten, und Hilfsstoffen.

Charakteristik

Reine Kalkfarben lassen sich nur beschränkt pigmentieren, da Kalk nur eine geringe Menge Pigmente zu binden vermag. Zudem sind nur leichte Pastellfarbtöne möglich. Kalkfarben sind nicht Film bildend und können nur auf rein mineralischen Untergründen angewendet werden. Sie lassen sich auch auf noch nicht abgebundenem Putz applizieren (al Fresco) und wirken wegen ihrer stark basischen Eigenschaften pilztötend.

Besonders wichtige Eigenschaft hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Kalkfarben gehören zu den aus ökologischer Sicht vorteilhaftesten Produkten. Ihre pilzhemmenden Eigenschaften machen den Einsatz von Bioziden unnötig. Da die Farben keine oder nur sehr wenige organische Bestandteile enthalten, verursachen sie keine VOC-Emissionen. In der Herstellung verursachen sie den geringsten Energieaufwand aller Farbtypen. Auch verursacht ihre Produktion einen vergleichsweise geringen Rohstoffabbau. Lediglich Leimfarben können ebenbürtige ökologische Kennwerte aufweisen.

Lieferzustand

Kalk wird als Pulver wie auch als formuliertes Produkt angeboten.

Anwendungsbereiche (Besonderheiten)

grundsätzliche Anwendungsbereiche von Kalkfarben im Vergleich zu anderen Farben, Lacken, Lasuren siehe Anwendungsbereiche Farben, Lacke, Lasuren

  Innen Außen
Beanspruchung gering stark  
Putze + 1) - 0 1)
Gips - -  
Gipskarton, Papier, Tapeten - -  
Beton + - -
Faserzement + - -
Massivholz - - -
Holzwerkstoffe - - -
Stahl - - -
Stahl verzinkt - - -
Aluminium - - -
+
geeignet
x
möglich, aber nicht gebräuchlich
-
nicht geeignet
0
bedingt geeignet
1)
Kalksinterhäute sind vorgängig zu entfernen
 
 

Kalkfarben können nur auf rein mineralischen und kalkhaltigen Untergründen angewendet werden. Für Gipsputze sind sie nicht geeignet. Eventuell vorhandene poröse Kalkschichten (Kalksinterhäute) sind durch eine geeignete chemische Behandlung und nachträgliches Abwaschen zu entfernen. Glas, Naturstein, Klinker, Aluminiumteile etc. müssen abgedeckt und Spritzer sofort mit Wasser abgewaschen werden. Im Innenraum eignen sich Kalkfarben nur bei geringer Beanspruchung (z.B. Lagerräume, Decken). Die Verwendung als Fassadenfarbe ist an wettergeschützten Stellen möglich, für stärker exponierte Stellen sind Kalkfarben nicht geeignet.

Alternativen hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Kalkfarben gehören zu den aus ökologischer Sicht vorteilhaftesten Produkten. Weniger umweltbelastende Ersatzprodukte für Untergründe mit geringer Beanspruchung im Innenraum stehen keine zur Verfügung. Als Alternativen können Naturharzfarben lösemittelfrei verwendet werden. Für Fassaden sind 1K-Silikatfarben, Siliconharzfarben und Dispersionsfarben Alternativen mit besseren technischen Eigenschaften, allerdings mit einer deutlich höheren Umweltbelastung.

Anstrichaufbau

Kalkfarbe ca. 450 g/m² Drei Anstriche, erster Anstrich mit max. 80 %, zweiter Anstrich mit max. 20 %, dritter Anstrich mit max. 10 % Wasser verdünnt

Beim angegebenen Anstrichaufbau handelt es sich um einen Standardaufbau für einen Decken- oder Wandanstrich gebrauchsfertiger Produkte. Die Verdünnung der ersten beiden Anstriche ist stark von der Saugfähigkeit des Untergrundes abhängig. Die produktbedingten Abweichungen sind gering.

Quellen

Eigene Datensammlung, büro für umweltchemie

Kalkfarben
Kalkfarben

Planungs- und Ausschreibungshilfen

WECOBIS informiert produktneutral. An verschiedenen Stellen bietet WECOBIS jedoch auch Unterstützung dazu, wie sich Produkte innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer ökologischen Eigenschaften unterscheiden lassen.

Informationen hier im Reiter Planungsgrundlagen:

  • Links zu materialökologischen Anforderungen und Textbausteinen für Planung und Ausschreibung im WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen,
  • Hinweise auf mögliche Quellen und Nachweisdokumente zu Planungs- und Ausschreibungskriterien,
  • ggf. Hinweise zu möglichen Alternativen bzw. zu Verwendungseinschränkungen hinsichtlich Gefahrstoffverordnung

Übersicht Planungsgrundlagen: Wand- und Deckenfarben, innen und außen

Stand 04/2020

   

Dispersionsfarben

Naturharzfarben

Kalkfarben

Leimfarben

Polymerisatharz-
farben
Siliconharz-
farben

Silikatfarben

             
  Material-
ökologische Anforderungen
Im neuen Modul "Planungs- & Ausschreibungshilfen" bietet WECOBIS materialökologische Anforderungen und Textbausteine für Planung und Ausschreibung. Inhalt aufklappen
   
Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS Innenwand- / Deckenfarben
---
nur Dispersionsfarben:
Außenwandfarben

Innenwand- / Deckenfarben
---
nur Kalkfarben (nicht geeignet für stark exponierte Stellen):
Außenwandfarben

Außenwandfarben
---
(lösemittelbasiert; Anwendung im Innenraum nicht üblich)

Außenwandfarben
---
Innenwand- / Deckenfarben (kein Hauptanwendungs-
bereich; Erfüllbarkeit der höchsten Anforderung unsicher)

Innenwand- / Deckenfarben
---
Außenwandfarben
  Quellen Woher kommen die Anforderungen? Die hier genannten Quellen, insbesondere BNB, bilden die Grundlage für Planungs- und Ausschreibungshilfen bzw. materialökologische Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS. Inhalt aufklappen
   
Bewertungssystem
Nachhaltiges Bauen

(BNB) des BMI /
Kriterium 1.1.6 (Risiken für die lokale Umwelt)

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMI steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen. Die o.g. Textbausteine und materialökologischen Anforderungen in WECOBIS basieren derzeit auf Kriteriensteckbrief 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt. Dieser steht in engem Zusammehang mit Kriteriensteckbrief 3.1.3 Innenraumhygiene.

Auch wenn ein Gebäude nicht zertifiziert werden soll, bilden die einzelnen Kriteriensteckbriefe eine gute Grundlage, Orientierung und Hilfestellung für die Umsetzung ökologischer Aspekte in der Gebäudeplanung.

Einordung der jeweiligen Wand- und Deckenfarbe hinsichtlich verschiedener Kriteriensteckbriefe siehe Reiter BNB-Kriterien in WECOBIS

Umweltbundesamt
(UBA)
Auf den Internet-Seiten des Umweltbundesamtes (UBA) befindet sich der „Informationsdienst für umweltfreundliche Beschaffung“. Die Seiten werden gerade überarbeitet, sodass sich dort derzeit aus dem Baubereich nur Ausschreibungsempfehlungen zu Elastischen und Hölzernen Bodenbelägen, Tapeten und Raufaser finden.
baubook ökologisch ausschreiben Die Plattform baubook ökologisch ausschreiben bietet eine Sammlung von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Wand- und Deckenfarben finden sich dort Kriterien in der Gruppe der "Wandfarben".

natureplus Ausschreibungstexte / Innenwandfarben

+ + - - +
  Nachweis-
dokumente
Mithilfe von Nachweisdokumenten müssen die gestellten materialökologischen Anforderungen geprüft und dokumentiert werden. Einige sind gesetzlich vorgeschrieben, einige nicht. Welche sind das? Inhalt aufklappen
   
gesetzlich vorgeschrieben:  
REACH / CLP:
Sicherheitsdatenblatt (SDB)
Wand- und Deckenfarben werden als Gemisch eingestuft. Für sie muss daher ein Sicherheitsdatenblatt (SDB) gemäß den Anforderungen in Art.31 REACH-VO in Verbindung mit Anhang II erstellt werden. → z.B. Nachweis zu gefährlichen Stoffen / Gefahreneinstufungen, SVHC >= 0,1 Gew.-%, VOC-Gehalt, Emissionen während der Verarbeitung
Leistungserklärung gemäß BauPVO mit Angaben zu SVHC (kein harmonisiertes Format, erfordert ggf. Nachfrage) - - - - -
sonstige Nachweise:  
Produktinfos Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, sowie Herstellererklärungen oder ggf. ein Anhang mit Nachhaltigkeitsmerkmalen zur bauaufsichtlichen Zulassung (abZ+)
Emissionsprüfberichte Emissionsprüfberichte können hilfreich sein, sind aber oft nicht leicht zu interpretieren. Insbesondere ist auf die Rahmenbedingungen zu achten, die der Prüfung zugrunde lagen und ob diese mit denen der Anforderung übereinstimmen.
freiwillige Produktkenn-zeichnungen / -deklarationen Für einige Bauproduktgruppen existieren freiwillige Produktkennzeichnungen oder -deklarationen wie z.B. Umweltzeichen oder Umweltproduktdeklarationen, die als einfacher Nachweis für materialökologische Anforderungen dienen können. Eine Übersichtstabelle dazu mit detaillierten Informationen zu Wand- und Deckenfarben findet sich im Reiter Zeichen & Deklarationen.

Weitere planungs- und ausschreibungsrelevante Informationen in WECOBIS

Allgemeine Unterstützung zum Umgang mit Nachhaltigkeitsaspekten in Planung und Ausschreibung sowie Hinweise auf Leitfäden, Arbeitshilfen und Veröffentlichungen zum Nachhaltigen Bauen bietet das neue WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen unter Allgemeine Infos.

Kalkfarben

Umweltdeklarationen

Die folgende Tabelle liefert eine Übersicht zu Zeichen & Deklarationen, die für die Produktgruppe relevant sind. Neben Herstellererklärungen, Informationen in Sicherheitsdatenblättern (SDB) oder allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen (abZ) können diese den Nachweis für umwelt- und gesundheitsrelevante Kriterien in Planung und Ausschreibung (s. Reiter Planungsgrundlagen) ermöglichen. Detaillierte Informationen finden sich außerdem in den einzelnen Produktgruppen.

Übersicht Umweltdeklarationen: Wand- und Deckenfarben, innen und außen

Stand 04/2020

   

Dispersionsfarben

Silikatfarben

Kalkfarben

Naturharzfarben

Leimfarben

Lehmfarben (derzeit noch nicht in WECOBIS)

Polymerisatharzfarben

Siliconharzfarben

             
  Umweltzeichen

Umweltzeichen gehören zu den freiwilligen Produktkennzeichnungen. Sie bieten die Möglichkeit, Unterschiede von Produkten innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer Umwelt- und Gesundheitsrelevanz festzustellen, auch wenn sie keine allgemeinverbindlichen Gebote oder Verbote aufstellen können. Inhalt aufklappen

   
Blauer Engel
weil emissionsarm /
DE-UZ 102
Emissionsarme Wandfarben (Ausgabe 2015), keine neuen Zertifizierungen mehr, nur noch bis 12/2020 gültig

+

(nur von lösemittelfreien Farben erfüllbar)

+

x

(nicht im Geltungsbereich)

x

(aufgrund der Inhaltsstoffe / z.B. Lösemittelgehalt)

x

(kein Produkt zertifiziert, Erfüllbarkeit unsicher)

Blauer Engel
weil emissionsarm /
DE-UZ 102
Emissionsarme Wandfarben (Ausgabe 2019)

+

(nur von lösemittelfreien Farben erfüllbar)

+

(derzeit noch kein Produkt zertifiziert, wg. Neuausgabe)

x

(nicht im Geltungsbereich)

 

x

(aufgrund der Inhaltsstoffe / z.B. Lösemittelgehalt)

x

(Erfüllbarkeit unsicher)

EU-Umweltzeichen (Blume) für Innenfarben und –lacke bzw. für Außenfarben und -lacke

+

(Produktverfügbarkeit nicht prüfbar)

+

(Produktverfügbarkeit nicht prüfbar)

+

(Produktverfügbarkeit nicht prüfbar)

x

(aufgrund der Inhaltsstoffe / z.B. Lösemittelgehalt)

x

(Erfüllbarkeit unsicher, Produktverfügbarkeit nicht prüfbar)

Österreichisches Umweltzeichen /

Richtlinie UZ 17 für Wandfarben, innen

+ +

+

(derzeit kein Produkt)

x

(aufgrund der Inhaltsstoffe / z.B. Lösemittelgehalt)

x

(Erfüllbarkeit unsicher)
natureplus-
Qualitätszeichen /
RL0600ff Wandfarben (nur für Produkte aus nachwach. und/oder umweltverträglich gewonnenen mineral. Rohstoffen / mind. 85 Masse%)

x

(nicht im Geltungsbereich)

+

RL0603 Außenwandfarben auf mineralischer Basis

RL0602 Innenwandfarben auf mineralischer Basis

+

Kalk- + Leimfarben: RL0602 Innenwandfarben auf mineralischer Basis

Naturharzfarben (derzeit kein Produkt):
RL0601 Innenwandfarben auf pflanzlicher Basis

x

(aufgrund der Inhaltsstoffe / nicht aus nachwachsenden oder mineralischen Rohstoffen)

x

(aufgrund der Inhaltsstoffe / nicht aus nachwachsenden oder mineralischen Rohstoffen)

eco-INSTITUT-Label:
Bauprodukte / Farben

+

+

Kalkfarben: +

Naturharz- bzw. Leimfarben: -

Lehmfarben: +

(kein Produkt zertifiziert)

(kein Produkt zertifiziert)

  GISBAU Klassifizierungs-system

Das GISBAU Klassifizierungssystem ermöglicht es durch den GISCODE oder GISBAU Produktcode, Produkte von denen die gleichen Gesundheitsgefahren ausgehen, in einer Gruppe zusammenzufassen. Die Klassifizierung ist auf den Arbeitsschutz ausgerichtet. Gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) ist grundsätzlich das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen zu verwenden. (siehe unten: Ersatzproduktgruppe prüfen?) Inhalt aufklappen

   
GISBAU Produkt-Code / GISCODE

BSW10 Beschichtungsstoffe, wasserbasiert, konservierungs-
mittelarm

BSW20 Beschichtungsstoffe, wasserbasiert
---
mit Bioziden gegen Algen und Pilze:
BSW50 Beschichtungsstoffe, wasserbasiert, lösemittelhalltig, filmgeschützt

1K-Silikatfarben:
BSW40 Beschichtungsstoffe, wasserbasiert,
alkalisch

ggf. bei Innenwandfarben:
BSW10 Beschichtungsstoffe, wasserbasiert, konservierungs-
mittelarm

2K-Silikatfarben:
BSW60 Beschichtungsstoffe, wasserbasiert,
alkalisch, ätzend
---
mit Bioziden gegen Algen und Pilze:
BSW50 Beschichtungsstoffe, wasserbasiert, lösemittelhalltig, filmgeschützt

Kalkfarben:
BSW60 Beschichtungsstoffe, wasserbasiert,
alkalisch, ätzend

Naturharzfarben:
BSW10
Beschichtungsstoffe, wasserbasiert, konservierungs-
mittelarm

BSW20
Beschichtungsstoffe, wasserbasiert

Leimfarben:
BSW20
Beschichtungsstoffe, wasserbasiert
(Codierung noch nicht am Markt sichtbar, da Leimfarben im alten System noch keinem Code zugeordnet werden konnten)

BSL20
Beschichtungsstoffe, lösemittelbasiert, aromatenfrei, gekennzeichnet

BSL30
Beschichtungsstoffe, lösemittelbasiert, aromatenhaltig, gekennzeichnet

Hinweis:
Biozide können immer enthalten sein (nur über SDB, nicht über den GISCODE ablesbar)

BSW20
Beschichtungsstoffe, wasserbasiert

---
mit Bioziden gegen Algen und Pilze:
BSW50 Beschichtungsstoffe, wasserbasiert, lösemittelhalltig, filmgeschützt

GefStoffV: Prüfung von Alternativen erforderlich? (Minimierungsgebot)

Hinweis:
Aus rein arbeitshygienischer Sichtweise sollten wasserbasierte, nicht alkalische oder ätzende Materialien ohne Filmschutz bevorzugt werden. Die neue Codierung des GISCODES für Beschichtungsstoffe lässt eine Einordnung als "ökologischer je niedriger die Nummerierung" nicht automatisch zu, da rein nach im Arbeitsschutz vergleichbaren Gefährdungen, Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln eingeordnet wird und nicht mehr nach bestimmten Materialgruppen wie früher.
Kalkfarben sind beispielsweise die am wenigsten umwelt- und gesundheitsbelastenden Farben, wenn man den gesamten Lebenszyklus betrachtet. Sie enthalten weder Lösemittel noch Konservierungsmittel, tragen hier aber aufgrund ihrer Alkalität den höchsten Giscode BSW60. Eine Ersatzstoffsuche wird allerdings auch in den Gisbau-Datenblättern nicht als zwingend, sondern als "Kann-Regelung" bezeichnet.

Detaillierte Informationen s. Reiter Planungsgrundlagen / Gefahrstoffverordnung

geringstmögliche Belastung innerhalb der gleichen GISCODE-Produktgruppe (ggf. erst nach Prüfung von Alternativen)

BSW10 Beschichtungsstoffe, wasserbasiert, konservierungs-
mittelarm
BSW40 Beschichtungsstoffe, wasserbasiert,
alkalisch

ggf. bei Innenwandfarben:
BSW10 Beschichtungsstoffe, wasserbasiert, konservierungs-
mittelarm

Kalkfarben:
BSW60 Beschichtungsstoffe, wasserbasiert,
alkalisch, ätzend

Naturharzfarben:
BSW10
Beschichtungsstoffe, wasserbasiert, konservierungs-
mittelarm

Leimfarben:
BSW20
Beschichtungsstoffe, wasserbasiert

BSL10
Beschichtungsstoffe, lösemittelbasiert,
aromatenfrei

wenn möglich andere Produktgruppe wählen:
BSW10 oder BSW20

BSW10
Beschichtungsstoffe, wasserbasiert, konservierungs-
mittelarm
  Umweltprodukt-deklaration (EPD)

Die Umweltproduktdeklaration (EPD = Environmental Product Declaration) eines Produktes macht Aussagen zum Energie- und Ressourceneinsatz und in welchem Ausmaß ein Produkt zu Treibhauseffekt, Versauerung, Überdüngung, Zerstörung der Ozonschicht und Smogbildung beiträgt. Außerdem werden Angaben zu technischen Eigenschaften gemacht, die für die Einschätzung der Performance des Bauproduktes im Gebäude benötigt werden, wie Lebensdauer, Wärme- und Schallisolierung oder den Einfluss auf die Qualität der Innenraumluft.1 Inhalt aufklappen

   
EPD1
+

+

Kalk- / Leimfarben: -

Silikatfarben: +
+ +
Branchen-EPD1 - - - - -
  Umweltindikatoren

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren wie z.B Primärenergieaufwand, Abfall, Abiotischer Ressourcenverbrauch, Ozonabbaupotential, Treibhauspotential usw. liefert die Datenbank ÖKOBAUDAT des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMI. Inhalt aufklappen

   
ÖKOBAUDAT-Datensätze

-> 5. Beschichtungen -> 5.4 Fassadenfarben

 

  • 5.4.01 Dispersion

-> 5.5 Innen-beschichtungen

 

  • 5.5.02 Innenfarben (Dispersionsfarbe, scheuerfest)

 

-> 5. Beschichtungen -> 5.5 Innenbeschichtungen

 

  • 5.5.02 Innenfarben (Dispersionsfarbe, scheuerfest)
 

Kalk- / Leimfarben: -

Silikatfarben:

-> 5. Beschichtungen -> 5.4 Fassadenfarben

 

  • 5.4.02 Silikat-Dispersion
 
-

-> 5. Beschichtungen -> 5.4 Fassadenfarben

 

  • 5.4.03 Silikonharz
 
  Sonstiges

Die Plattform baubook beispielsweise bietet für Händler und Hersteller von Bauprodukten die Möglichkeit einer online-Deklaration anhand von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Ein Modul zur Deklaration von BNB_BN_1.1.6-Kriterien ist in Vorbereitung. Inhalt aufklappen

   
baubook-Deklaration siehe baubook / Wandfarben
+
Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe vorhanden
-
Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe nicht vorhanden
./.
Zeichen / Label für diese Produktgruppe nicht relevant
x
Produkte aus dieser Produktgruppe können die Kriterien des Zeichens/Labels definitionsgemäß nicht erfüllen

1 Die hier als vorhanden markierten EPDs und Branchen-EPDs sind als Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu verstehen und finden sich z.B. auf den Seiten des IBU Institut Bauen und Umwelt e.V..

Kalkfarben

Bewertungssystem

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)

   
  Wofür steht das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)? Inhalt aufklappen
 

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMI steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen.
Ausführliche Informationen zum BNB-System siehe www.nachhaltigesbauen.de

  Welche Informationen liefert WECOBIS für BNB im Reiter BNB-Kriterien? Inhalt aufklappen
 

WECOBIS führt in den Datenblättern der Bauproduktgruppen umfangreiche Informationen zur Beantwortung der verschiedenen Fragestellungen im Hinblick auf Umwelt- und Gesundheitsaspekte. Im Reiter BNB-Kriterien bietet WECOBIS gezielt Antworten auf Fragestellungen baustoffrelevanter Steckbriefe. Durch die Bündelung von Aspekten z.B. bzgl. der Risiken für die lokale Umwelt, Fragen zur Innenraumhygiene und der Thematik Rückbau, Trennung, Verwertung gibt WECOBIS gezielte Hilfestellung bei der Einordnung einzelner Baustoffe. Tiefergehende Informationen finden sich über die Verknüpfungen in den jeweiligen Datenblättern.
Hinweis: Eine abschließende Beurteilung im Rahmen des Bewertungssystems und der genannten Kriterien erfolgt jedoch grundsätzlich in Abhängigkeit weiterer baulicher Gegebenheiten (z.B. eingebaute Menge).

BNB-Kriterium BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau)

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_1.1.6 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

BNB-Kriterium BN_1.1.6 zielt auf die Reduzierung bzw. Vermeidung von Stoffen und Produkten beim Neubau, die aufgrund ihrer stofflichen Eigenschaften oder Rezepturbestandteile ein Risikopotenzial für Grundwasser, Oberflächenwasser, Boden und Luft (auch Innenraumluft) enthalten. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 5 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung der Substitution eines Stoffes.

Für den Umgang mit Materialien im Bestand und deren Einordnung ist Kriteriensteckbrief BK_1.1.6. heranzuziehen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau) und BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

Einordnung Wand- und Deckenfarben, innen + außen

Stand 12 / 2018

Übersicht Qualitätsniveau erreichbar?
Innenwand-/Deckenfarben QN1 QN2 QN3 QN4 QN5
Dispersionsfarben, Silikat-/Dispersionssilikatfarben (1K) ja ja ja ja ja
2K-Silikatfarben, Kalkfarben, Leimfarben
*mit Gleichwertigkeitsnachweis zum Blauen Engel
ja ja ja* ja* ja*
lösemittelfreie Siliconharzfarben (selten) ja ja nein nein nein
Siliconharzfarben, Polymerisatharzfarben ja nein nein nein nein
Außenwandfarben QN1 QN2 QN3  QN4 QN5
Dispersionsfarben, Silikat-/Dispersionssilikatfarben, Kalkfarben, Siliconharzfarben  ja ja  ja ja ja
Polymerisatharzfarben  ja nein nein nein nein

Tabelle 1.5.3-1: Übersicht der erreichbaren Qualitätsniveaus / Wand- + Deckenfarben

       
    Ausführliche Erläuterungen
  Innenwand- / Deckenfarben
Erreichbare QNs und mögliche Einschränkungen bei der Produktauswahl / Inhalt aufklappen
 

Kommentierung Innenwand- / Deckenfarben nach Pos. 5 / BNB_BN_1.1.6

Bereits ab QN2 müssen die Produkte lösemittel- und weichmacherfrei nach VdL-RL 01 sein. Damit verbunden sind auch diverse Stoffausschlüsse. Kalkfarben, Leimfarben und Silikat-/Dispersionssilikatfarben können diese Anforderungen leicht erfüllen. Auch bei den Dispersionsfarben sind die meisten Produkte lösemittelfrei. Die meisten Siliconharzfarben und viele Naturharzfarben enthalten hingegen Lösemittel, die Anzahl lösemittelfreier Produkte ist eher gering. Polymerisatzharzfarben enthalten Weichmacher (1-8%) und sind lösemittelbasiert. Sie können daher bereits die Anforderungen ab QN2 nicht mehr erfüllen. Ihr Einsatz im Innenraum ist allerdings auch eher unüblich.
Ab QN3 müssen die Anforderungen des Blauen Engels DE-UZ 1022 erfüllt werden. Aus der Gruppe der Dispersionsfarben und Dispersionssilikatfarben (=1K-Silikatfarben) findet man hier zahlreiche zertifizierte Produkte (BE-Version 2015 bis 12/2020). Reine Silikatfarben (2K-Silikatfarben) sind derzeit nicht für den Blauen Engel zertifiziert, könnten die Anforderungen aber ebenfalls erfüllen. Dasselbe gilt für Kalkfarben und Leimfarben, sie fallen aber nicht in den Geltungsbereich des BE. Für Kalk-, Leim- und 2K-Silikatfarben müsste also der Gleichwertigkeitsnachweis2 erbracht werden, was aber leicht möglich sein sollte. Auch Naturharzfarben fallen nicht in den Geltungsbereich des Blauen Engels DE-UZ 102. Es gibt aber auch nur wenige lösemittelfreie (<0,1% bzw. <1g/l Lösemittel) Produkte, die meisten Naturharzfarben enthalten 1-7% Lösemittel. Für lösemittelfreie Naturharzfarben sollte der Gleichwertigkeitsnachweis2 aber ebenfalls möglich sein. Ob dieser für die wenigen lösemittelfreien Siliconharzfarben erbracht werden kann, ist unsicher. 

→ zu den Textbausteinen

  Außenwandfarben
Erreichbare QNs und mögliche Einschränkungen bei der Produktauswahl / Inhalt aufklappen
 

Kommentierung Außenwandfarben nach Pos. 6a / BNB_BN_1.1.6

Hinweis: kein Anwendungsbereich für Naturharzfarben und Leimfarben

Mit steigendem QN wird der zulässige VOC-Gehalt von <40g/l ab QN2 stetig reduziert bis auf <20g/l in QN5. Die Farben müssen aber nicht lösemittelfrei (<0,1% bzw. <1g/l Lösemittel) sein. Ab QN2 sind außerdem schwermetallhaltige Pigmente und Sikkative ausgeschlossen und ab QN4 Biozide nur noch zur Topfkonservierung und nicht mehr zum Filmschutz gegen Algen und Pilze zulässig.
Polymerisatharzfarben können bereits aufgrund ihres hohen Lösemittelgehaltes (30-40%, VOC-Gehalt max. 430 g/l) die Anforderungen ab QN2 nicht erfüllen. Aus allen anderen Produktgruppen sollten sich Produkte finden lassen, die alle Anforderungen bis QN5 erfüllen können. Kalkfarben sind sowieso lösemittelfrei (keine VOC) und wirken bereits aufgrund ihrer Alkalität bakterizid. Sie benötigen daher grundsätzlich keine Biozide gegen Algen und Pilze. Alle anderen Produktgruppen können Biozide zum Schutz gegen Algen und Pilze enthalten. Eine ausreichende Zahl biozidfreier Produkte kann man jedoch bei den Silikat-, Dispersionssilikat- oder Dispersionsfarben finden. Bei den Siliconharzfarben enthalten wiederum die meisten Produkte Biozide. 
Biozidhaltige Fassadenfarben kann man z.B. an dem Zusatz „filmgeschützt", „enthält Filmschutzmittel", „Schutz gegen Algen und Pilze" erkennen. 

→ zu den Textbausteinen

  Grundlagen relevante Schadstoffgruppen und Einsatzbereiche / Inhalt aufklappen
 

Für die Bewertung nach Kriterium BNB_BN_1.1.6 werden sechs potenzielle Schadstoffgruppen betrachtet. Für die Einordnung der Wand- und Deckenfarben gemäß 1.1.6 sind die hervorgehobenen Schadstoffgruppen relevant: 
1  Gefährliche und besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC)
2  Gefährliche Stoffe, die ausgelaugt werden können
3  Schwermetalle (evtl. Pigmente)
4  Flüchtige organische Verbindungen (VOC) einschließlich organische Lösemittel
5  Halogenierte Kälte- und Treibmittel
6  Biozide

Wand- und Deckenfarben werden in 1.1.6 über folgende Einsatzbereiche adressiert (s. BNB_BN_1.1.6 Anlage 1 / Allgemeine Anforderungsliste, Anlage 2 / Einzelstoffe mit besonders besorgniserregenden Eigenschaften):

  • Pos. 5 Vor-Ort verarbeitete Oberflächenbeschichtungen / Innenwand-/ Deckenfarben / Beschichtungen auf überwiegend mineralischen Oberflächen im Innenraum
  • Pos. 6a Vor-Ort verarbeitete Oberflächenbeschichtungen / Außenwandfarben incl. Grundierungen / Beschichtungen auf überwiegend mineralischen Untergründen im Außenraum
 
  BNB_BN_1.1.6
Einzelanforderungen nach Qualitätsniveaus gemäß Kriteriensteckbrief / Inhalt aufklappen
    Anforderungen an
Innenwand-/Deckenfarben
(gem. BNB_BN_1.1.6 / Pos. 5)
Anforderungen an
Außenwandfarben
(gem. BNB_BN_1.1.6 / Pos. 6a)
  Qualitätsniveau 1
(QN1)
= Mindestanforderung
Produktdokumentation1
incl. Deklaration von SVHC der Kandidatenliste
> 0,1 Gew.-%
Produktdokumentation1
incl. Deklaration von SVHC der Kandidatenliste
> 0,1 Gew.-%
  QN2
  (zusätzlich zu QN1)

Die verwendeten Produkte müssen lösemittelfrei und weichmacherfrei sein gemäß Definition VdL-RL 01 Abschnitt 4.2.4

Hinweis:
von Polymerisatharzfarben bereits nicht erfüllbar, da lösemittelbasiert (Einsatzbereich allerdings nicht üblich) und nicht weichmacherfrei

Es dürfen nur Produkte mit einem VOC-Gehalt
< 40 g/l eingesetzt werden.

Kein Einsatz von Pigmenten und Sikkativen auf Basis von Blei-, Cadmium- und Chrom-VI-Verbindungen

Hinweis:
von Polymerisatharzfarben bereits nicht erfüllbar, da lösemittelbasiert

  QN3
  (zusätzlich zu QN1)
Die Anforderungen von DE-UZ 1022 (Emissionsarme
Wandfarben) müssen erfüllt werden. 

Es dürfen nur Produkte mit einem VOC-Gehalt
< 30 g/l eingesetzt werden.

Kein Einsatz von Pigmenten und Sikkativen auf Basis von Blei-, Cadmium- und Chrom-VI-Verbindungen

  QN4
  (zusätzlich zu QN1)

Es dürfen nur Produkte mit einem VOC-Gehalt
< 30 g/l eingesetzt werden.

Kein Einsatz von Pigmenten und Sikkativen auf Basis von Blei-, Cadmium- und Chrom-VI-Verbindungen

Kein Einsatz von bioziden Wirkstoffen außer
Topfkonservierern

  QN5
  (zusätzlich zu QN1)

Es dürfen nur Produkte mit einem VOC-Gehalt
< 20 g/l eingesetzt werden

Kein Einsatz von Pigmenten und Sikkativen auf Basis von Blei-, Cadmium- und Chrom-VI-Verbindungen

Kein Einsatz von bioziden Wirkstoffen außer
Topfkonservierern

1 Die Produktdokumentation (z. B. über Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, Sicherheitsdatenblätter) ist die Mindestanforderung, die mindestens für alle durch BNB 1.1.6 betroffenen Produktgruppen erfüllt sein muss. Zusätzlich ist für alle diese Produktgruppen immer auch die Deklaration von SVHC der Kandidatenliste nach REACH (z.B. über Sicherheitsdatenblätter, Herstellererklärung) erforderlich. Produktgruppenabhängig können auch noch andere Nachweise gefordert sein.
2 Sofern innerhalb der Qualitätsniveaus auf aggregierte Produktkennzeichnungen verwiesen wird (Emicode, Blauer Engel, etc.), ist es zulässig vergleichbare Nachweise (weitere Umweltzeichen, Angaben in Sicherheits- oder Produktdatenblätter etc.) heranzuziehen. Dabei bezieht sich die Vergleichbarkeit nur auf die Anforderungen hinsichtlich der jeweiligen zu betrachtenden Schadstoffgruppen.

Tabelle 1.5.3-2: Anforderungen nach BNB_BN_1.1.6 an die Verwendung von Wand- + Deckenfarben mit ausführlicher Kommentierung

Planungs- und Ausschreibungshilfen mit Textbausteinen

Tabellarische Übersichten mit allen Einzelkriterien für Planung und Ausschreibung sind im neuen Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen unter "Innenwand-/Deckenfarben" und "Außenwandfarben" zu finden. Die Tabellen dort enthalten auch detaillierte Informationen zu den Nachweismöglichkeiten (z.B. über andere Produktkennzeichnungen) und damit zur Prüfung der angebotenen Produkte. Außerdem finden sich dort auch die für die verschiedenen Qualitätsniveaus zugehörigen Textbausteine (auch als PDF-Download).

BNB-Kriterium BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

 
   
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Im Falle einer Sanierungsmaßnahme wird BN_1.1.6 ergänzt durch das BNB-Kriterium BK_1.1.6. Dieses zielt auf die Adressierung und Ausschleusung von Materialien in der bestehenden Bausubstanz, die ein Risikopotenzial für Mensch und Umwelt darstellen. Die Bewertung erfolgt anhand einer Einstufung der Baumaterialien in ein vorgegebenes Schadstoffkataster mit 14 Schadstoffgruppen aufgrund ihres Schädigungspotentials und der jeweiligen Sanierungsmaßnahmen. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 4 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung er Substitution eines Stoffes.

Weitere Informationen zu den Einzelkriterien im Bestand siehe BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung). Für den Einbau von neuen Materialien gilt BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau).

BNB-Kriterium BN_3.1.3 - Innenraumhygiene

   
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Ziel des BNB-Kriteriums 3.1.3 ist die Sicherstellung der Luftqualität im Innenraum unter hygienischen Gesichtspunkten, die zu keinen negativen Effekten hinsichtlich der Befindlichkeit der Raumnutzer führt, die hygienische Sicherheit garantiert und somit möglichst auch eine empfundene hohe olfaktorische Luftqualität gewährleistet.
Die Bewertung erfolgt anhand der Berechnung der personenbezogenen Luftwechselrate sowie anhand von Raumluftmessungen auf den Formaldehyd- und TVOC-Gehalt.
Erfahrungsgemäß lassen sich die Referenz- und Zielwerte dann erreichen, wenn die Auswahl und Verwendung der eingesetzten Materialien auf einem ganzheitlichen Konzept zur Vermeidung von Emissionen aus Bauprodukten basiert und der Einsatz emissionsarmer Materialien die Bauphase begleitend dokumentiert wird. BNB-Kriterium 3.1.3 steht deshalb in engem Zusammenhang mit der Erfüllung der Einzelkriterien für BNB-Kriterium 1.1.6.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_3.1.3 Innenraumhygiene (Neubau)

BNB-Kriterium BN_4.1.4 - Rückbau, Trennung, Verwertung

   
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Im BNB Kriteriensteckbrief 4.1.4 werden Konstruktionen nach ihrer Rückbaubarkeit, Trennbarkeit und Verwertbarkeit eingestuft.
WECOBIS kann eine aktuelle Information über mögliche Umwelt- und Gesundheitsgefährdungsaspekte im Zuge von Rückbau und Entsorgung auf Bauproduktgruppenebene geben. Eine Betrachtung von ganzen Konstruktionen kann derzeit in WECOBIS noch nicht erfolgen. Ein Bauteilmodul ist jedoch in planung. Ergänzend zu Leitfäden und Arbeitshilfen helfen die bauproduktgruppenspezifischen Aspekte dem Koordinator jedoch auch jetzt schon, die Komponenten Umwelt und Gesundheit für den Steckbrief 4.1.4 einzuordnen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_4.1.4 – Rückbau, Trennung, Vewertung

Quellen

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Kriterium 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt, abrufbar unter BNB_BN_1.1.6 Version V 2015 (Online-Quelle)

Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 3.1.3 Innenraumhygiene, abrufbar unter BNB_BN2011-1_313 (Online-Quelle)

Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 4.1.4 Rückbau, Trennung und Verwertung, abrufbar unter BNB_BN2011-1_414 (Online-Quelle)

Kalkfarben

Technisches

Technische Daten

Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl µ: hohe Dampfdurchlässigkeit < 100

Technische Regeln (DIN, EN)

Der Begriff Kalkfarbe ist in DIN 55945 (Beschichtungsstoffe) definiert.

Kalkfarben

Literaturtipps

Umweltbundesamt: Schadstoffarme Lacke - Geltungsbereich und Anforderungen, Umweltbundesamt, 1997, Berlin

ökoscience AG: Vergleichende ökologische Bewertung von Anstrichstoffen im Baubereich Band 1: Methode, Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, 1992, Bern

Büro für Umweltchemie (Hrsg.): Graue Energie von Baustoffen, Büro für Umweltchemie, 1995, Zürich

Kalkfarben

Rohstoffe / Ausgangsstoffe

Hauptbestandteile

Kalkfarben 2.1.1 neu

Abb. 1 / Zusammensetzung nach Funktionen

Als Bindemittel wird gelöschter Kalk, teilweise mit Zusätzen von Casein oder Kunststoffdispersionen bis maximal 6 % in der gebrauchsfertigen Farbe, verwendet. Der Gehalt an Pigmenten und Füllstoffen liegt zwischen 25 und 35 %. In weißen Kalkfarben sind nur geringe Mengen (ca. 2 %) Titandioxid als Weißpigment enthalten, weil das Bindemittel Kalk gleichzeitig auch Pigment ist. Der Wasseranteil beträgt 45 bis 55 %. Zur Verbesserung der Pigmentierbarkeit werden Kalkfarben geringe Mengen an Cellulose zugesetzt. Andere Hilfsstoffe sind in der Regel nicht enthalten.

Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Kalkfarben 2.1.2 neu

Abb. 2 / Zusammensetzung nach Rohstoffherkunft

Gewinnung der Primärrohstoffe

Kalkfarben bestehen je nach Bindemittelzusatz aus maximal 4 % fossilen bzw. 6 % nachwachsenden Rohstoffen. Der Rest des Bindemittels stammt aus Kalkstein, der gebrannt und gelöscht wird. Die Pigmente, v.a. die Weißpigmente, werden aus Metallerzen in verhältnismäßig energieintensiven Prozessen gewonnen. Als Füllstoffe werden Gesteinsmehle aus Kalk oder Feldspat eingesetzt.
Kalkstein wird hauptsächlich durch Sprengen im Tagebau abgebaut.

Die Gewinnung der fossilen Rohstoffe aus Erdöl, Erdgas und Kohle wie auch der mineralischen Rohstoffe ist mit Umweltrisiken verbunden.

Verfügbarkeit

Die Verfügbarkeit von Kalksteinen ist hoch, limitierend ist eher die für das Brennen erforderliche fossile Energie.
Mit der allmählichen Erschöpfung der Erdölvorräte vermindert sich auch das Potential zur Gewinnung von fossilen Rohstoffen in wenigen Jahrzehnten. Allerdings könnten die Rohstoffe auch aus Kohle hergestellt werden, was jedoch mit einem größeren Energieaufwand verbunden wäre. Die mineralischen Rohstoffe (Kalk, Gesteinsmehl) sind auch langfristig nicht erschöpft, eine Knappheit ist nicht zu erwarten.

Verwendung von Recyclingmaterialien / Produktionsabfällen

Die Verwendung von Sekundärrohstoffen in der Produktion von Kalkfarben ist evtl. denkbar, wird jedoch in der Praxis gegenwärtig nicht umgesetzt. Produktionsabfälle werden in modernen Industriebetrieben wo möglich genutzt. Detaillierte Informationen für die Farbenproduktion liegen jedoch nicht vor.

Radioaktivität

Radioaktivität ist für Farben und Lacke nicht relevant.

Quellen

Eigene Datensammlung, büro für umweltchemie

Kalkfarben

Herstellung

Prozesskette

Prozess Kalkfarben

Herstellungsprozess

Die Herstellung des Bindemittels Kalk für Kalkfarben ist ein einfacher Prozess und kann mit geringem technischen Aufwand durchgeführt werden. Dazu wird Kalkstein (CaCO3) abgebaut und bei rund 1000 °C in Öfen zu Branntkalk (Calciumoxid, CaO) gebrannt, wodurch Kohlendioxid (CO2) entweicht. Da Kalk in dieser Form zur Anwendung ungeeignet ist, wird er mit Wasser gelöscht, wobei Kalkhydrat (Calciumhydroxid, Ca(OH)2) entsteht. Nach der Applikation erhärtet Kalkhydrat unter Aufnahme von CO2 wieder zu Kalkstein. Die Herstellung von Kalkhydrat erfordert keine besonders umweltgefährdenden Hilfsstoffe. Die Herstellung der Pigmente und Füllstoffe ist nicht produktgruppenspezifisch.
Die Verarbeitung zu Farben beinhaltet das Einwägen und Mischen der Ausgangsstoffe gemäß Rezeptur. Anschließend werden die Farben in Gebinde eingefüllt und zur Auslieferung auf Paletten verpackt.

Umweltindikatoren / Herstellung

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren in WECOBIS soll zukünftig ausschließlich die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMVBS liefern.

Die Ökobau.dat stellt Umweltprofile für Bauprodukte bereit, die als erforderliche Datengrundlage für die Lebenszyklusanalyse eingesetzt werden. Für Bauprodukte gibt es Herstellungs- und End-of-Live- Datensätze.

Weiterführende Informationen zur Ökobau.dat im Zusammenhang mit dieser Produktgruppe finden sich in WECOBIS unter Fachinformationen / Reiter Umweltdeklarationen → Ökobau.dat / Umweltindikatoren

Da in der Herstellung von Bauprodukten ein großer Anteil der verursachten Umweltbelastungen auf den Verbrauch von nicht erneuerbaren Energieträgern zurückzuführen ist, stellt die Graue Energie (kumulierter Primärenergieaufwand nicht erneuerbar) dafür einen guten Indikator dar.

Im Kapitel Energieaufwand finden sich ggf. allgemeine Informationen zum Thema, die die Produktgruppe prägen.

Energieaufwand

Wichtigste Einflussgrößen für die Herstellungsenergie von Kalkfarben sind - neben dem Bindemittel Kalkhydrat - Kunststoffdispersionen als Bindemittelzusätze und die Weißpigmente. Beide sind energieintensiv in der Herstellung und erhöhen die Herstellungsenergie von Kalkfarben bereits in geringen Mengen zugesetzt beträchtlich.

Graue Energie

  1K-Silikatfarben Kalkfarben Naturharzfarben lösemittelfrei
[MJ/m²] 9 - 11 1 - 2 2.5 - 4.5

Die Berechnung der Grauen Energie beruht auf den Standardrezepturen und dem angegebenen Standardaufbau. Bei einer Kalkfarbe von 2 MJ/m² machen Kunstharzdispersionen (2.5 %) und Weißpigmente (2.2 %) 75 % der Grauen Energie aus. Die Füllstoffe und die Hilfsstoffe haben nur eine geringe Bedeutung.

Belastungszahl BZ gemäß BUWAL-Methode

Der BZ-Indikator ist das Ergebnis einer in der Schweiz entwickelten Bewertungsmethode der Umweltbelastung während der Herstellung und Verarbeitung von Anstrichstoffen und basiert auf der Stoff- und Energiebilanzierung.

  1K-Silikatfarben Kalkfarben Naturharzfarben lösemittelfrei
BZ [-/m²] 13 - 16 2.5 - 3 4.5 - 9.5

Für die Belastungszahl spielen dieselben Einflussgrößen wie beim Energieaufwand eine Rolle. Zusätzlich werden ca. 20 % der Belastungszahl durch die hautätzenden Eigenschaften von Kalkfarben während der Verarbeitung verursacht. Der Energieaufwand und die Belastungszahl von 1K-Silikatfarben und Naturharzfarben lösemittelfrei als Vergleichssysteme sind deutlich höher.

Kalkfarben gehören zu den wenig rohstoff- und herstellungsintensiven Anstrichstoffen.Kalkfarben gehören zu den wenig rohstoff- und herstellungsintensiven Anstrichstoffen.

Charakteristische Emissionen

Emissionen in der Herstellung von Farben sind von deren Zusammensetzung abhängig. Mineralische Füllstoffe können zu Staubemissionen führen. Prozesswasser muss, soweit vorhanden, gemäß den Vorgaben der „Verordnung über Anforderungen an das Einleiten von Abwasser in Gewässer“ kontrolliert und behandelt werden. Die Emissionen der Kalkherstellung (Bindemittel) sind in den Kalkapiteln eingehend beschrieben.

Transport

Der Transport jener Ausgangsstoffe welche auf fossilen Rohstoffen basieren (Bindemittel, Pigmente, Hilfsstoffe) ist generell mit längeren Transportwegen und größeren Umweltrisiken behaftet als der Transport der Ausgangsstoffe welche auf mineralischen Rohstoffen basieren (Füllstoffe, Pigmente). In der Produktionskette werden auch Güter mit Gefahrstoffkennzeichnung transportiert. Da jedoch Bindemittel, Pigmente sowie Hilfsstoffe in einer Vielzahl von verschiedenen Produkten verwendet werden (nicht nur in Farben) ist die Umweltrelevanz des Transports nicht spezifisch für die Herstellung von Farben.

Quellen

ökoscience AG: Vergleichende ökologische Bewertung von Anstrichstoffen im Baubereich Band 1: Methode, Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, 1992, Bern

Büro für Umweltchemie (Hrsg.): Graue Energie von Baustoffen, Büro für Umweltchemie, 1995, Zürich

Kalkfarben

Verarbeitung

Technische Hinweise / Verarbeitungsempfehlungen

Kalkfarben stellen keine besonderen Anforderungen an die Verarbeitung.

Arbeitshygienische Risiken

Allgemeines

Kalkfarben sind stark ätzend. Haut- und Augenkontakt sind zu vermeiden. Bei der Verwendung sind Schutzbrille und Handschuhe zu tragen.

AGW-Werte

Da Kalkfarben keine Emissionen verursachen, ist bei der Verarbeitung mit der Überschreitung von Arbeitsplatzgrenzwerten nicht zu rechnen.

REACH / CLP

Die REACH-Verordnung regelt die Herstellung, das Inverkehrbringen und den Umgang mit Industriechemikalien. Zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen, dient die CLP-Verordnung (Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen), um ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu gewährleisten.

Wird ein Produkt nicht als Stoff oder Gemisch, sondern als Erzeugnis eingestuft, ist kein Sicherheitsdatenblatt (SDB) erforderlich und Gefahrstoffbezeichnungen entfallen. Lediglich besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) müssen ausgewiesen werden.

Farben werden als Gemisch eingestuft.

Produkt bezogene Informationen gemäß CLP-Verordnung müssen daher in den Sicherheitsdatenblättern (SDB) der jeweiligen Produkte ausgewiesen sein.

Einstufungen und Gesundheitsgefahren nach GISBAU

keine

Emissionen

    

Kalkfarben

  
 
[g/m²]
 
4.5 - 12 0 0

Kalkfarben verursachen keine Lösemittelemissionen bei der Verarbeitung.

Umweltrelevante Informationen

Wassergefährdung

Kalkfarben enthalten Stoffe, die gemäß VwVwS (Einstufung aufgrund der Verwaltungsvorschrift wassergefährdender Stoffe) als “schwach wassergefährdend“ eingestuft werden können.

Entsorgung von Restmaterial

Reste müssen einer speziellen Behandlung unterzogen bzw. an den Sammelstellen abgegeben werden und dürfen nicht als Restmüll entsorgt werden.
Restentleerte Kunststoffgebinde können thermisch oder stofflich verwertet werden. Auf einer vorbildlichen Baustelle werden keine Gebinde in die Kanalisation ausgewaschen. Die umweltgerechten Entsorgungsleistungen beim Arbeiten mit Farben sind bereits in der Ausschreibung für alle Unternehmen festzulegen.

Transport

Kalkfarben sind nicht als Gefahrgut gekennzeichnet. Für den Transport bestehen daher keine spezifischen Auflagen.

Quellen

Eigene Berechnungen und Daten, büro für umweltchemie

Datenbank für wassergefährdende Stoffe, Umweltbundesamt

Kalkfarben

Nutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiken Neuzustand

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

Der Ausschuss zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten (AgBB) hat ein Bewertungsschema (AgBB-Bewertungsschema) zur gesundheitlichen Bewertung der Emissionen von flüchtigen organischen Verbindungen (VOC und SVOC) aus Bauprodukten entwickelt. Darin sind auch Anforderungen für Farben formuliert.
Da Kalkfarben keine Lösemittelemissionen verursachen, erfüllen sie die Anforderungen.

Umwelt- und Gesundheitsrisiken bei bestimmungsgemäßer Nutzung

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

TVOC: Geruchsintensive oder gesundheitsschädliche Abbau- oder Zersetzungsprodukte aus Kalkfarben wurden bisher nicht festgestellt.

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Außenraum

Umweltrelevante Bestandteile:

Kalkfarben enthalten in der Regel keine umweltrelevanten Bestandteile, die durch Abwitterung, Diffusion oder bei der Renovierung (z. B. durch Abbürsten) in die Umwelt gelangen können.

Umwelt- und Gesundheitsrisiken im Schadensfall

Brandfall

Im Brandfall sind keine besonderen Risiken für Umwelt und Gesundheit zu erwarten.

Wassereinwirkung

Es sind keine besonderen Risiken für die Umwelt zu erwarten. Kalkfarben enthalten keine gemäß Gefahrstoffverordnung kennzeichnungspflichtigen Bestandteile, welche wasserlöslich sind.

Beständigkeit Nutzungszustand

Mechanische Beständigkeit
Abriebfestigkeit Abwaschbar- und Scheuerbeständigkeit Härte und Kratzfestigkeit
nicht abriebfest nicht abwaschbar, nicht scheuerbeständig nicht filmbildend
Alterungsverhalten
Vergilbungsneigung Witterungsbeständigkeit
keine mäßig

Die Kalkbestandteile in Kalkfarben können sich unter dem Einfluss von saurer Atmosphäre zu wasserlöslichem Gips umwandeln. Durch Zugabe von geeigneten organischen Bindemittelzusätzen (Casein, Kunstharzdispersionen) kann die Witterungsbeständigkeit stark verbessert werden

Unter der Rubrik Baustoff- und Gebäudedaten / Nutzungsdauern von Bauteilen findet sich auf dem Informationsportal Nachhaltiges Bauen eine Datenbank mit Nutzungsdauerangaben von ausgewählten Bauteilen des Hochbaus für den Leitfaden „Nachhaltiges Bauen“.
Datenbank als PDF

Instandhaltung

Alte Anstriche können abgebürstet, nachgewaschen und überstrichen werden. Der Aufwand für eine vollständige Entfernung des Anstrichs ist gering. Die Zugabe von organischen Bindemittelzusätzen (Casein, Kunstharzdispersionen) erschwert die Entfernung alter Anstriche. Kalkfarben können nicht mit geschlossen filmbildenden Farben überstrichen werden.

Quellen

Daten und eigene Berechnungen, büro für umweltchemie. Zürich

Ausschuss zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten, AgBB-Bewertungsschema 2012, Online-Quelle abgerufen am 10. Juli 2012.

DIBt (Deutsches Institut für Bautechnik) (2010), Grundsätze zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten in Innenräumen, Stand Oktober 2010, Online-Quelle abgerufen am 10. Juli 2012.

Kalkfarben

Nachnutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiko Rückbau

Mit dem Rückbau sind keine besonderen Risiken für Umwelt und Gesundheit verbunden.

Wiederverwendung

Eine Wiederverwendung von Farben ist nicht möglich. Oberflächenbehandlungen von Bauteilen können die Wiederverwendung erschweren.

Stoffliche Verwertung

Eine stoffliche Verwertung von Farben kommt aufgrund ihrer Verarbeitungsform grundsätzlich nicht in Frage. Mit Farben behandelte Baustoffe werden in ihrer Recyclierbarkeit beeinträchtigt. Dies kann zu Qualitätseinbußen von Sekundärbaustoffen führen. Dies gilt insbesondere für Gipsbaustoffe, Mauerwerk und Beton.

Energetische Verwertung

Kalkfarben können nicht energetisch verwertet werden.

Beseitigung / Verhalten auf der Deponie

Reine Kalkfarben dürfen nicht deponiert werden. Da sie aber auf anderen Materialen anhaften, die je nach Material deponiert werden, können sie dennoch in Deponien gelangen. Aufgrund der Zusammensetzung der Farbe gibt es nur geringe Mengen an möglichen Abbauprodukten welche die Deponieabwässer belasten könnten.

EAK-Abfallschlüssel

vgl. auch Farben, Lacke, Lasuren

Unverarbeitete und unausgehärtete Kalkfarben

08 01 Abfälle aus Herstellung, Zubereitung, Vertrieb, Anwendung und Entfernung von Farben und Lacken
08 01 12 Farb- und Lackabfälle mit Ausnahme derjenigen, die unter 08 01 11 fallen

(Gemäß KrWG, BestbüAbfV besonders überwachungsbedürftige Abfälle)

Ausgehärtete Produktreste
Ausgehärtete Produktreste gelten nicht mehr als Problemmüll und können mit dem Restmüll entsorgt werden.

Quellen

Verordnung über das Europäische Abfallverzeichnis (Abfallverzeichnis-Verordnung – AVV, zuletzt geändert am 24. Februar 2012, Online-Quelle abgerufen am 11.7.2012.