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Begriffsdefinition

Lehmbaustoffe sind Baustoffe, deren alleiniges Bindemittel Lehm ist und die ihre Festigkeit nur durch Trocknung erhalten. Sie können geformt oder ungeformt sein, vorgefertigt oder örtlich hergestellt werden.

Zu den massiven Lehmbaustoffen zählen Lehmsteine und -platten, Stampflehm und Lehmausfachungen.

Zur Bekleidung von Innenwänden finden Lehmputzmörtel und Lehmbauplatten Verwendung. Lehmfarben und Lehmstreichputze werden als Anstrichstoffe eingesetzt. Lehmmörtel dienen als Hilfsstoffe im Lehmsteinbau. Mit Lehmstroh (Rohdichte 150 bis 300 kg/m³) können dämmende Ausfachungen hergestellt werden. Mit Lehmschüttungen können z.B. Hohlräume in Holzbalken­decken verfüllen werden. All diese Produktgruppen gehören nicht zu den massiven Baustoffen und werden hier nicht näher betrachtet. Die im Datenblatt dargestellten Prinzipien der Lehmbaustoffe gelten aber sinngemäß auch für diese Produktgruppen.

Stabilisierte Lehmbaustoffe, denen andere Bindemittel oder chemisch wirksame synthetische Stoffe zugesetzt werden, haben praktisch keine Bedeutung am Markt und werden hier nicht betrachtet.

Wesentliche Bestandteile

Lehmbaustoffe werden aus Baulehm hergestellt. Je nach Verarbeitungstechnik und Einsatzzweck werden unterschiedliche Anforderungen an Eigenschaften und Zusammensetzung des Lehmbau­stoffs gestellt. Dem Baulehm können dafür Zuschlagstoffe und / oder Zusätze zugemischt werden.

Die Zuschlagstoffe werden dem Lehm beigemengt, um ihn zu magern, zu stabilisieren oder die bauphysikalischen Eigenschaften wie die Wärmedämmung oder Druckfestigkeit zu optimieren. Art und Menge der Zuschläge und der Lehmanteil bestimmen außerdem die Rohdichte. Übliche mineralische Zuschlagstoffe sind Sand, Kies, Kalkmehl oder Perlite, häufig verwendete pflanzliche Materialien sind Stroh, Hanf-, Flachs- oder Holzfasern.

Zusätze werden allenfalls in geringen Mengen zugegeben und dienen der Verbesserung von Materialeigenschaften von Lehm. Als Zusätze kommen z.B. Zellulose, Gelatine, Stärke oder Molke zum Einsatz.

Die Zugabe von Verflüssigungsmittel (Natrium-Wasserglas (Na2 x 3-4 SiO2), Soda (Na2CO3), Humus- oder Gerbsäure (Tannin) kann den Lehm für die Verarbeitbarkeit dünnflüssiger machen, ohne die Wasserzugabe zu erhöhen. Das Trocknungsschwindverhalten wird damit verringert. Die Wirkungsweise der Verflüssigungsmittel ist abhängig von der Art und dem Maß an Tonbestandteilen im Lehm.

Für Strohlehm wird eine Mischung aus Häcksel oder Stroh der Lehmschlämme beigegeben.

Leichtlehm basiert auf einer Erhöhung des Anteils von Leichtzuschlägen wie Stroh oder (mineralischen) leichten Gesteinskörnungen.

Charakteristik

Lehmbaustoffe werden durch Austrocknen fest und jederzeit durch Feuchtigkeitsaufnahme wieder weich. Lehm ist gut formbar und gestalterisch vielseitig einsetzbar. Durch die Zugabe von Bei­mischungen mineralischer oder pflanzlicher Herkunft kann die Trockenschwindung und Rissbildung verringert, die Zug-, Druck- bzw. Abriebfestigkeit erhöht oder die Wasserempfindlichkeit herabge­setzt werden.

Lehm ist gut als Ausfachungsmaterial im Holz- und Fachwerkbau geeignet, da der Lehm durch seine geringe Eigenfeuchte (ca. 2 – 5 %) Feuchtigkeit aus benachbarten Bauteilen, speziell im Anschluss an Holz, aufnehmen und schnell nach außen abgeben kann (holzkonservierende Wirkung von Lehmausfachungen).

Besonders wichtige Eigenschaft hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Lehmbaustoffe besitzen eine sehr einfache, naturnahe Zusammensetzung. Ton und Lehm sind regional verfügbar. Lehmbaustoffe müssen nicht gebrannt werden, wodurch sich eine ausgezeichne­te Ökobilanz ergibt. Bei sachgemäßem Ausbau können Lehmbaustoffe wiederverwendet oder wiederverwertet werden. Organische Zusätze wie Gelatine oder Molke können verstärkt zur Schimmelpilzbildung führen.

Lieferzustand

Nach Materialzusammensetzung kann unterschieden werden in

  • Baustoffe aus Massivlehm (Rohdichte 1700 bis 2400 kg/m³
  • Baustoffe aus Faser- oder Strohlehm (Rohdichte 1200 bis 1700 kg/m³)
  • Baustoffe aus Leichtlehm (Rohdichte 300 bis 1200 kg/m³)

Nach Form in

  • Lehmsteine und -platten
  • Stampflehm und
  • Ausfachungsmaterial

Nach Vorfertigungsgrad kann unterschieden werden in

  • feucht eingebaute Baustoffe, die vor Ort zum Bauteil geformt werden (Stampflehm, Ausfachungsmaterial) und
  • Trockenbaustoffe (Lehmbausteine, vorgefertigte Stampflehmwände).

Anwendungsbereiche (Besonderheiten)

Massive Lehmbaustoffe finden Anwendung als Wand- und Deckenbaustoffe. Bei ausreichender Druckfestigkeit können Lehmsteine und Stampflehm lastabtragend in Wänden eingesetzt werden. Bei der Anwendung als Ausfachungsmaterial übernehmen andere Baustoffe (meist Holz) die tragende Funktion.

Lehmsteine und flächig verdichteter Stampflehm können als Deckenauflage verwendet werden.

Aus Lehmsteinen in Lehm- oder Kalkmörtel gemauert können Gewölbe hergestellt werden.

Für nichttragende Wände und Ausfachungen von Wänden und Decken gibt es unzählige Ausführungen in Lehmbauweise (Ausführungen dazu siehe z.B. Lehmbau Regeln, Dachverband Lehm e.V).

Dachverband Lehm e.V. (Hrsg): Lehmbauregeln; Begriffe - Baustoffe - Bauteile; Volhard, Franz; Röhlen, Ulrich; Vieweg+Teubner Wiesbaden. 3. überarb. Auflage 2009

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Risikobetrachtung Lebenszyklusphasen

 

 

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Umweltdeklarationen

 

 

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Referenz

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Technisches

 

 

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Technische Daten

Leitwert entspricht einem Massivlehm (Quelle: Passivhaus Bauteilkatalog. IBO (Hrsg), Springer 2008).

Erfahrungswerte für Druckfestigkeiten von Lehmbaustoffen sind in den Lehmbau Regeln des Dachverbands Lehm zu finden. Für Stampflehm werden Druckfestigkeiten von bis zu 5 N/mm2 angegeben.

Lehm und mineralische Zuschläge sind nicht brennbar. „Lehmbaustoffe sind im Einzelnen nicht klassifiziert“ (Lehmbau Regeln, 2009).

Baustoffklasse nach DIN 4102-1

A1, Massivlehm

Euroklasse nach DIN EN 13501-1

A1, Massivlehm

Technische Regeln (DIN, EN)

Lehm ist kein genormter Baustoff. Früher existierende Vorschriften für den Lehmbau - die sog. Lehmbauordnung von 1944, die als DIN 18951 im Jahre 1951 veröffentlicht wurde, und nachfolgende Bestimmungen, als Vornormen herausgegeben - wurden 1971 ohne Ersatz zurückgezogen. Für heutige Anwendungen wird trotzdem meist noch auf diese Normen zurückgegriffen.

Der Dachverband Lehm e.V. bringt regelmäßig die „Lehmbauregeln“ zum Stand der Technik der Herstellung und Anwendung von Lehmbaustoffen heraus:

Dachverband Lehm e.V. (Hrsg): Lehmbau Regeln. Begriffe – Baustoffe – Bauteile. Verfasser: Vollhard, Franz; Röhlen, Ulrich. Vieweg+Teuber. 3., überarbeitete Auflage 2009

Bauregelliste

Das Deutsche Institut für Bautechnik stellt in den Bauregellisten A, B und C die technischen Regeln für Bauprodukte und Bauarten sowie bauaufsichtlich geregelte und nicht geregelte Bauprodukte und Bauarten auf.
Nach Zustimmung der obersten Bauaufsichtsbehörden der Länder wird die Bauregelliste bekannt gegeben. Erwerb und weiterführende Informationen zu Bauregelliste und ihren Regelungsbereichen siehe unter → www.dibt.de
Eine Darstellung und Erläuterungen zur Klassifizierung von Bauprodukten siehe im Lexikon → Klassifizierung von Bauprodukten

Quellen

Dachverband Lehm e.V. (Hrsg): Lehmbauregeln; Begriffe - Baustoffe - Bauteile; Volhard, Franz; Röhlen, Ulrich; Vieweg+Teubner Wiesbaden. 3. überarb. Auflage 2009

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Literaturtipps

 

 

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Dachverband Lehm e.V. (Hrsg): Lehmbauregeln; Begriffe - Baustoffe - Bauteile; Volhard, Franz; Röhlen, Ulrich; Vieweg+Teubner Wiesbaden. 3. überarb. Auflage 2009

Minke, Gernot (2004): Das neue Lehmbau-Handbuch. Ökobuch Verlag

 
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Rohstoffe / Ausgangsstoffe

 

 

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Hauptbestandteile

Lehmbaustoffe 2.1.1

Beispielhafte Zusammensetzung eines Lehmbaustoffes (Strohlehm)

Der namengebende Bestandteil ist Baulehm. Je nach Anforderung werden magere bis fette Bau­lehme verwendet. Die Bindekraft kann durch Tonmehlzugabe erhöht werden, durch Sandbeigaben kann der Lehm gemagert werden.

Dem Lehmbaustoff können außerdem Zuschlagstoffe, Zusätze und Wasser zugegeben werden.

Übliche mineralische Zuschlagstoffe sind Sand, Kies, Kalkmehl, Perlite oder Blähton, häufig verwendete Zuschlagstoffe pflanzlichen Ursprungs sind Stroh, Hanf-, Flachs-, Holzfasern, Tierhaare.

Als Zusätze können Zellulose, Gelatine, Stärke, Molke, Natrium-Wasserglas, Soda, Humus- oder Gerbsäure (Tannin) zum Einsatz kommen.

Beispielrezeptur für Strohlehm

Bestandteil

Gewichtsprozent

Baulehm

97 %

Stroh

3 %

Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Lehmbaustoffe 2.1.1

Beispielhafte Zusammensetzung eines Lehmbaustoffes (Strohlehm) nach Rohstoffherkunft

Gewinnung der Primärrohstoffe

Die Gewinnung von Ton/Lehm/Mergel erfolgt industriell im Tagebau aus Tongruben.

Tone weisen in der Regel einen niedrigeren Quarzgehalt als z.B. Quarzsand auf. Die Quarzgehalte in den Tonen und damit die Quarz-A-Staubkonzentrationen an Arbeitsplätzen mit unmittelbarem Zugang zum Material schwanken aber je nach Lagerstätte (BGIA-Report 8/2006, Weiteres →  Verarbeitung / 2.3.2.2 AGW-Werte).

Die pflanzlichen oder tierischen Zuschläge werden in land- oder forstwirtschaftlichen Prozessen gewonnen. Häufig fallen sie dabei als Neben- bzw. Abfallprodukte an.

Die meisten mineralischen Zuschläge (z.B. Sand oder Kalkmehl) werden direkt aus den mineralischen Rohstoffen gewonnen, einige werden vorher gebläht oder gebrannt (z.B. Blähton oder Blähperlite). Am energieaufwendigsten ist gebrannter Blähton als leichte Gesteinskörnung.

Verfügbarkeit

Die Ausgangsstoffe Ton, Lehm und Sand sind regional in ausreichendem Maß verfügbar.

Bei den pflanzlichen und tierischen Zuschlägen handelt es sich um ausreichend verfügbare nachwachsende Rohstoffe. Zur Herstellung von Leichtlehm werden größere Mengen an mineralischen Gesteinskörnungen benötigt. Einheimischer Bims ist regional nur begrenzt verfügbar

Radioaktivität

Natürliche Radionuklide in Baustoffen können vorkommen in Abhängigkeit von Material und Zuschlagstoffen. Zum Schutz der Bevölkerung vor Strahlenbelas­tungen werden in Deutschland seit mehr als 20 Jahren Untersuchungen und Bewertungen der radioaktiven Stoffe in Baumaterialien durchge­führt. 
Bei den derzeit handelsüblichen Bauproduktgruppen sind aus der Sicht des Strahlenschutzes keine Einschränkungen erforderlich. Allerdings ist auch weiterhin die vorgegebene Beschränkung des Anteils industrieller Rückstände als Zuschlag zu beachten, siehe ausführliche BfS-Informationen zu Baustoffen unter http://www.bfs.de/de/ion/anthropg/baustoffe.html.

Mit der Verwendung von Lehm kann gegebenenfalls eine erhöhte baumaterialbedingte Radonexposition verbunden sein.

Eine Übersicht über mögliche Dosisbeiträge durch äußere Gammastrahlung aus Baumaterialien, sowie eine Übersicht über mögliche Dosisbeiträge durch Radonexhalation aus Baumaterialien (Messprogramm BfS-bbs 2007-09) erhalten Sie hier.

Landinanspruchnahme (Landuse)

Die Rohstoffe werden im Tagebau gewonnen. Der Abbau der Rohstoffe beeinträchtigt das Landschaftsbild und nimmt Flächen in Anspruch. Nach Beendigung des Abbaus sind Rekultivierungen bzw. Renaturierungen erforderlich.

Quellen

Gehrcke, K., Hoffmann, B., Schkade, U., Schmidt, V., Wichterey, K.: „Natürliche Radioaktivität in Baumaterialien und die daraus resultierende Strahlenexposition“, Bundesamt für Strahlenschutz

 
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Herstellung

 

 

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Herstellungsprozess

Die Aufbereitung des Lehms aus der Grube zu Baulehm ist der wichtigste Schritt beim Lehmbau (MINKE, 2004). Sie ist abhängig von der Art und Verwendung des Lehms.

Für die Herstellung der Lehmbaustoffe wird entweder direkt der erdfeucht aufbereitete Baulehm oder eine Lehmschlämme verwendet. Zur Herstellung der Lehmschlämme wird pulverförmig trockener oder erdfeucht krümeliger Lehm in Wasser aufgeschlämmt (beispielsweise in Zwangsmischern). Für die Herstellung von Leichtlehmsteinen werden der Lehmschlämme pflanzlichen oder mineralischen Leichtzuschläge beigemischt.

Die Lehmmischungen werden zu einer homogenen, gleichmäßig feuchten, verarbeitungsfähigen Masse aufbereitet und zu den Lehmbaustoffen weiterverarbeitet.

Lehmsteine

Man unterscheidet zwei Arten von Lehmsteinen: stranggepresste Steine, sog. Grünlinge (ungebrannte Ziegel) und formengepresste Lehmsteine, die aus erdfeucht oder nass in Formen gepressten Lehmmischungen hergestellt werden.

Stampflehm

Für Stampflehmwände wird die Lehmmischung in Schalung verdichtet.

Lehmausfachung

Siehe Verarbeitung

Ausführliche Beschreibungen zur Herstellung der unterschiedlichsten Lehmbaustoffe sind z.B. in MINKE (2004) zu finden.

Umweltindikatoren / Herstellung

Referenz

Energieaufwand

Bei der industriellen Produktion von Lehmbaustoffen wird Energie im Wesentlichen für mechanische Prozesse und Trocknung eingesetzt. Dabei kommt der größte Teil des Energieaufwandes aus dem Trocknungsprozess. Dementsprechend niedrig liegen die Werte für natürlich getrocknete Steine (lange Trocknungszeiten). Produkte aus industrieller Produktion sind in der Regel technisch getrocknet.

Charakteristische Emissionen

Die Herstellung von Lehmbaustoffe führt in der Regel - mit Ausnahme von allfälligen Staub- und Lärmemissionen - zu keinen Emissionen in die Umwelt.

Maßnahmen Gesundheitsschutz

Tone weisen in der Regel einen niedrigeren Quarzgehalt als z.B. Quarzsand auf. Die Quarzgehalte in den Tonen und damit die Quarz-A-Staubkonzentrationen an Arbeitsplätzen mit unmittelbarem Zugang zum Material schwanken aber je nach Lagerstätte (BGIA-Report 8/2006).

Maßnahmen Umweltschutz

Für die Herstellung von Lehmbaustoffen sind keine besonderen Maßnahmen zum Umweltschutz erforderlich.

Transport

Die Gewinnung des Lehms erfolgt meist in unmittelbarer Nähe der Verarbeitung. Die Transportwege für die Rohstoffanlieferung sind daher in aller Regel kurz.

Quellen

BGIA-Report 8 /2006: Quarzexpositionen am Arbeitsplatz. Hrsg: Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaft (HVBG). Online-Quelle [abgerufen im September 2013]

Minke, Gernot (2004): Das neue Lehmbau-Handbuch. Ökobuch Verlag

 
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Verarbeitung

 

 

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Technische Hinweise / Verarbeitungsempfehlungen

Stampflehm aus Massivlehm – Verarbeitung vor Ort

Erdfeucht aufbereiteter Massivlehm wird in dünnen Lagen in eine Kletterschalung gefüllt und festgestampft; für tragende Außenwände sind Wandstärken von 40-50 cm erforderlich.

Strohlehmausfachung

Die Strohlehmausfachung findet heute vorwiegend im denkmalpflegerischen Bereich und bei der Fachwerksanierung Anwendung. Lehm, Stroh und Wasser werden in Zwangsmischern vor Ort aufbereitet und auf Stakung und Geflecht aufgetragen. Die Wandstärken können maximal in Balkendicke ausgeführt werden.

Ausführliche Beschreibungen zur Herstellung der unterschiedlichen Lehmbaustoffe und zu den unterschiedlichen Lehmbautechniken sind z.B. in MINKE (2004) zu finden.

Arbeitshygienische Risiken

Allgemeines

Beim Verarbeiten von Lehm kann es zu Staubbelastungen kommen. Neben E-Staub (einatembare Fraktion) und A-Staub (alveolengängige Fraktion) entsteht auch alveolengängiger Quarzstaub, da die Tone für die Ziegelherstellung Quarze enthalten. Einatembarer Quarz kann Krebserkrankungen der Atemwege verursachen. Der Quarzgehalt in Lehmbaustoffen ist vergleichsweise gering (BGIA-Report 8/2006).

AGW-Werte

Staubgrenzwerte:

  • 10 mg/m3 mineralischer Staub, einatembare Fraktion (E-Staub)
  • 3 mg/m3 mineralischer Staub, alveolengängige Fraktion (A-Staub)

Da Quarzstaub mit Erscheinen der TRGS 906 als krebserzeugend K1 eingestuft wurde, ist der ursprüngliche Arbeitsplatzgrenzwert von 0,15 mg/m³ nicht mehr rechtsgültig.

REACH / CLP

Referenz

Einstufungen und Gesundheitsgefahren nach GISBAU

Das Gefahrstoff-Informationssystem der Berufsgenossenschaft BAU (GISBAU) enthält keine GISCODE-Einstufung für Lehmbaustoffe. Informationen zu „Tätigkeiten mit quarzhaltigen mineralischen Stäuben“ sind unter www.wingis-online.de, Bau-Bereich „Hochbau“ zu finden.

Emissionen

Aus Lehmbaustoffen emittieren - mit Ausnahme von Staub (siehe Rubrik „AGW“) - auch bei der Bearbeitung keine gesundheitsgefährdenden Substanzen.

Umweltrelevante Informationen

Umwelt- und gesundheitsrelevante Beeinträchtigungen sind nicht bekannt.

Der Energiebedarf für die Verarbeitung ist vernachlässigbar (ev. für Vermengen von Lehmmischungen, Lehmspritzen oder Anmischen von Mörtel).

Wassergefährdung

Von einer Wassergefährdung im Zusammenhang mit der Lehmbauverarbeitung ist nicht auszugehen.

Umweltrelevante Beeinträchtigungen durch die Verarbeitung von Lehmbaustoffen sind nicht bekannt.

Transport

Lehmbaustoffe sind üblicherweise lokal verwendete Baustoffe.

Quellen

  • Technische Regeln für Gefahrstoffe TRGS 559 „Mineralischer Staub“:
  • Technische Regeln für Gefahrstoffe TRGS 906 „Verzeichnis krebserzeugender Tätigkeiten oder Verfahren nach § 3 Abs. 2 Nr. 3 GefStoffV.
  • BGIA-Report 8 /2006: Quarzexpositionen am Arbeitsplatz. Hrsg: Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaft (HVBG). Online-Quelle [abgerufen im September 2013]
  • Minke, Gernot (2004): Das neue Lehmbau-Handbuch. Ökobuch Verlag
 
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Nutzung

 

 

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Umwelt- und Gesundheitsrisiken Neuzustand

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

Siehe Umwelt- und Gesundheitsrisiken bei bestimmungsgemäßer Nutzung

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Außenraum

Es ist mit keiner Schadstoffabgabe bzw. mit keinen Emissionen in den Außenraum zu rechnen.

Umwelt- und Gesundheitsrisiken bei bestimmungsgemäßer Nutzung

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

Aufgrund der Abwesenheit flüchtiger Stoffe verhalten sich Lehmbaustoffe sowohl im Neuzustand als auch während der Nutzungsphase unproblematisch hinsichtlich Emissionen von Schadstoffen in den Innenraum.

Bauteile aus Lehm selbst wirken sich wegen guter Sorptionsfähigkeit positiv auf das Raumklima aus.

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Außenraum

Es ist mit keiner Schadstoffabgabe bzw. mit keinen Emissionen in den Außenraum zu rechnen.

Umwelt- und Gesundheitsrisiken im Schadensfall

Brandfall

Im Brandfall entstehen keine toxischen Gase oder Dämpfe aus dem Lehmbaustoff.

Wassereinwirkung

Es werden keine Stoffe ausgewaschen, die wassergefährdend sein können.

Beständigkeit Nutzungszustand

Unter der Rubrik Baustoff- und Gebäudedaten / Nutzungsdauern von Bauteilen findet sich auf dem Informationsportal Nachhaltiges Bauen eine Datenbank mit Nutzungsdauerangaben von ausgewählten Bauteilen des Hochbaus für den Leitfaden „Nachhaltiges Bauen“.
Datenbank als PDF

In der Bauproduktgruppe Tragende Außenwände wird für Lehmbauwände (Code Nr. 331.511) eine Nutzungsdauer von mindestens 50 Jahren angeführt.

Instandhaltung

Reparaturen von Lehmwänden müssen baustoffgerecht ausgeführt werden. Beschädigte Teile müssen vollständig herausgeschnitten und durch einen dem Bestand gleichartigen Lehmbaustoff ersetzt werden.

Quellen

Dachverband Lehm e.V. (Hrsg): Lehmbauregeln; Begriffe - Baustoffe - Bauteile; Volhard, Franz; Röhlen, Ulrich; Vieweg+Teubner Wiesbaden. 3. überarb. Auflage 2009

 
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Nachnutzung

 

 

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Umwelt- und Gesundheitsrisiko Rückbau

Beim Rückbau kann die Staubentwicklung ein Risiko für Mensch und Umwelt darstellen.

Wiederverwendung

Eine Wiederverwendung von Lehmbaustoffen ist nach vorheriger Aufbereitung möglich.

Stoffliche Verwertung

Durch Wasserzugabe und mechanische Wiederaufbereitung kann Lehm wiederverwertet werden. Eine Entfernung von eingebrachten Leichtstoffen (Stroh, leichte Gesteinskörnungen) ist möglich.

Energetische Verwertung

Nicht relevant

Beseitigung / Verhalten auf der Deponie

Lehmbaustoffe aus Massivlehm, aus Lehm mit mineralischen Zuschlagstoffen oder aus Lehm mit < 3 M% pflanzlicher Bestandteile können auf Inertstoffdeponie abgelagert werden. Bei Lehmbaustoffe mit höherem Anteil an organischen Zuschlagstoffen muss vor der Deponierung eine Aufbereitung erfolgen.

EAK-Abfallschlüssel

Lehm oder Lehmbaustoffe sind Im EAK-Katalog nicht unmittelbar aufgeführt.

17 Bau- und Abbruchabfälle
17 07 01 gemischte Bau- und Abbruchabfälle