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Begriffsdefinition

Bei den Polyurethanen handelt es sich nicht um einen einheitlichen Kunststoff. Durch die Verwendung unterschiedlicher Ausgangsverbindungen entsteht eine ganze Gruppe von Polymeren (Kunststoffen), die unterschiedlichste Eigenschaften aufweisen können. Allen Polyurethanen gemeinsam ist eine gut steuerbare Reaktion zwischen zwei chemischen Grundbausteinen, einem höherwertigen Alkohol (Polyol) und einem Isocyanat. Polyurethane (PUR) wurden erstmals im Jahr 1937 von Otto Bayer in Deutschland durch Reaktion eines Polyols (Polyalkohol) mit einem Diisocyanat hergestellt.

Wesentliche Bestandteile

Alle Polurethane enthalten Urethan-Gruppen, wie in der untenstehenden Strukturformel abgebildet. Der Buchstabe R in der Formel steht für eine unbestimmte Anzahl weiterer Atome des Moleküls.

Da es sich bei den Polyurethanen um eine Stoffgruppe handelt, sind verschiedene PUR-Strukturen möglich. Die unten abgebildete Strukturformel zeigt beispielhaft ein mögliches PUR-Hartschaum-Monomer. Die Urethangruppen schließen an die beiden Benzolringe auf der rechten Seite der Strukturformel an.

Charakteristik

Polyurethane können als dichtere oder weniger dichte Hartschäume ausgebildet sein. Ebenfalls möglich sind Weichschäume. PUR werden auch als Reaktionsharze eingesetzt, die direkt auf der Baustelle flüssig aufgebracht werden und aushärten.

Besonders wichtige Eigenschaft hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Bei der Anwendung nicht ausgehärteter Harze sind persönliche Schutzmaßnahmen unabdingbar. Die Harze dürfen nicht in die Kanalisation, Gewässer oder den Boden gelangen. Verarbeitungsfehler bei der Anwendung von Zwei-Komponenten-Systemen können zu Langzeitemissionen führen. Inhaltsstoffe wie Isocyanate könnten über längere Zeiträume emittiert werden. Andere Umwelt- und Gesundheitsrisiken sind Weichmacher, Biozide, Stabilisatoren und Flammschutzmittel, welche dem PUR beigemischt werden.

Lieferzustand

Polyurethane kommen als fertige Produkte oder als noch nicht ausgehärtete Harze, in der Regel 2K-Harze, zur Anwendung.

Anwendungsbereiche (Besonderheiten)

PUR-Art

Anwendungsbereiche im Bauwesen

PUR-Hartschäume

Dämmstoffe, Montageschäume, Rohrzubehör (Fittings, Schellen, Kappen).

PUR-Reaktionsharze

Klebstoffe, Lacke, Fugendichtungsmassen, Stelzlager, Sport- und Freiflächenbeläge.

PUR-Weichschäume

Polsterungen

Eine weitere wichtige Anwendung ist die Reifenherstellung (PUR-Kautschuke).

Produktionsmengen und Verbrauchszahlen

Produktionsmengen 2023 [Mio t]

Deutschland

Europa

Welt

Kunststoff insgesamt

11,3

54

413,8

PUR  k.D.v  3  22

 

Verbrauchszahlen 2010 [Mio t]

Deutschland

Europa

Welt

Kunststoff insgesamt

11,3

53,3

k.D.v

Bausektor

3,7 (2021)

12,5

k.D.v

PUR

0,86

4,1 (2021)

k.D.v

 k.D.v.: keine Daten verfügbar

Über PUR-Verbrauchszahlen im Bausektor liegen keine gesicherten Daten vor.

Einteilungssystematik

Polyurethane werden in Hartschäume und Weichschäume eingeteilt. Im Bausektor kommen vor allem Hartschäume zum Einsatz. Eine weitere Einteilung erfolgt über den Lieferzustand in fertige Schäume und flüssige Ein- oder Zwei-Komponenten-Systeme. Diese Systeme enthalten Polyole und Isocyanate, welche erst bei der Anwendung auf der Baustelle zu PUR reagieren.

G. Beer; Kunststoffe 86 (10); 1996;
U. Berghaus; Kunststoffe 97 (5); 1997;
J.Brandrup (Hrsg.); Die Wiederverwertung von Kunststoffen; 1995; Hanser Verlag; München
Bremer Umwelt Institut e.V., Umweltstiftung WWF (Hrsg.); Kunststoffe. Umwelt- und Gesundheitsgefahren; 1995; Bremer Umweltinstitut e.V.; Bremen
Creemers 96; Thermoplastische Elastomere, eine Übersicht in Kunststoffe 86 (12); 1996
P.Kindermann; Bauen mit Kunststoffen und neuen Baustoffen, Band 1; 1995;
Industrieverband Polyurethan Hartschaum e.V.; Thermal Conductivity of PUR Ridgid Foam Boards after Storage at 23 and 70 °C; 1997; IVPU; Stuttgart
Industrieverband Polyurethan-Hartschaum e.V.; Eigenschaften von PUR-Hartschaum Wärmedämmstoffen; 1998; IVPU; Stuttgart.
FfE Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V. München; Ganzheitliche Bilanzierung von Grundstoffen und Halbzeugen, Teil IV Kunststoffe, Juli 1999.

Produktionszahlen und Verbrauchszahlen:

Consultic, Kunststoffe in Deutschland, Kurzfassung, PlasticsEurope, Brussels, 2016, plasticseurope
Stoffstrombild Kunststoffe in Deutschland 2023 -Zahlen und Fakten zum Lebensweg von Kunststoffen, Kurzfassung der Conversio Studie, 2024, BKV GmbH

PlasticsEurope, Plastics – the fast Facts 2024, Brussels, 2024, plasticseurope

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Technisches

 

 

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Technische Daten

 

Polyurethan

Wasseraufnahme in 24 h [%]

0,7 - 0,9

Bei den angegebenen Daten handelt es sich um typische Werte, bezogen auf die angegebenen Kunststoffe in Reinform. Die technischen Daten für spezielle Produkte (z.B. Schaumstoffe, Dichtungsbahnen) befinden sich in den Informationen zu den entsprechenden Produktgruppen.

Referenz

Technische Regeln (DIN, EN)

DIN EN 923

Klebstoffe - Benennungen und Definitionen enthält Definition Polyurethane (= Reaktionsprodukte aus Polyisocyanaten und Polyolen, die wiederkehrende Urethan-Einheiten (-NH-CO-O-) besitzen)

DIN EN ISO 14896

Kunststoffe - Polyurethanrohstoffe - Bestimmung des Isocyanatanteils

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Literaturtipps

 

 

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Rohstoffe / Ausgangsstoffe

 

 

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Hauptbestandteile

Polyurethan 2.1.1 neu

Abb. 2.1.1 / Chemische Zusammensetzung von Polyurethan

Die wesentlichen Rohstoffquellen sind Erdöl, Erdgas, Steinsalz und Schwefel. Der hohe Bedarf an mineralischen Rohstoffen für die Produktion von PUR-Hartschaum ist auf den Abbau von Steinsalz für die Chlorproduktion und die Verwendung von Schwefel für die Schwefelsäureproduktion zurückzuführen.

Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Polyurethan 2.1.1 neu

Abb. 2.1.2 / Rohstoffherkunft PU-Hartschaum

Gewinnung der Primärrohstoffe

Die Isocyanate werden aus Grundchemikalien über mehrere Prozesse unter Einsatz von Phosgen und Formaldehyd hergestellt. Die Polyole werden aus den unterschiedlichsten Rohstoffen und Synthesewegen hergestellt.

Rohstoffquellen für Isocyanate und Polyole sind zum größten Teil Erdöl und Erdgas. Im Herstellungsprozess der Isocyanate spielen auch die Schwefelsäureproduktion mit dem Abbau von Schwefel, die Ammoniaksynthese und v.a. die Chlorchemie mit der Herstellung von Chlor aus Steinsalz eine bedeutende Rolle. Bei den Polyolen werden z. T. auch nachwachsende Rohstoffe eingesetzt. Im Vergleich zu anderen Kunststoffen ist der Verbrauch an mineralischen Rohstoffen für Polyurethane hoch.

Biokunststoffe:

Biobasiertes PUR (nicht biologisch abbaubar) wird heute z. B. in Bauschäumen, Bauklebern und Wärmedämmstoffen verwendet. Mehr Informationen dazu finden Sie im Infoblatt Biokunststoffe.

Verfügbarkeit

Mit der allmählichen Erschöpfung der Erdölvorräte vermindert sich auch das Potential zur Gewinnung von Polypropylen und anderen Kunststoffen in wenigen Jahrzehnten. Allerdings könnten die Rohstoffe zur Herstellung von Polyurethan auch aus Kohle hergestellt werden, was jedoch mit einem größeren Energieaufwand verbunden wäre. Die Rohstoffe für die Produktion der Polyalkohole können auch Glycerol und Sucrose sein, die aus nachwachsenden Quellen gewonnen werden können.

Verwendung von Recyclingmaterialien / Produktionsabfällen

Produktionsabfälle aus der Produktion von PUR-Hartschäumen können unter Zugabe von Bindemitteln zu Konstruktions-Bauplatten verpresst werden. Die Produktionsabfälle können jedoch nicht erneut in die Produktion von PUR-Hartschäumen gleicher Qualität einfließen. Ein oft diskutiertes Recyclingverfahren ist die Glykolyse von PUR/PIR-Abfällen, um wieder Rohstoffe für den Herstellungsprozess zu gewinnen. Diese Verfahren sind jedoch mit einem hohen Energieaufwand verbunden und damit mit einem zusätzlichen Verbrauch fossiler Brennstoffe.

Radioaktivität

Polyurethane sind nicht radioaktiv.

Landinanspruchnahme (Landuse)

Die Polyurethanproduktion ist mit geringem Flächenverbrauch für die Erdölgewinnung und die Raffineriestandorte verbunden, allerdings können die Flächen zerstörter Naturräume durch Tankerunfälle beträchtlich sein.

Für die Polyurethanherstellung werden auch mineralische Rohstoffe benötigt, die in Minen oder im Tagbau abgebaut werden können.

Die Ammoniaksynthese erfolgt aus Luftstickstoff und ist energieaufwändig. Sie ist ein Massenprozess der Großchemie. Ammoniak wird in großen Mengen für die Düngerherstellung benötigt.

Quellen

Eco-profiles of the European Plastics Industry, Polyurethane rigid foam, PlasticsEurope, Brussels, 2005

 
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Herstellung

 

 

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Prozesskette

Prozesskette Polyurethan

Herstellungsprozess

Die Herstellung der Ausgangsprodukte (Reaktionsprodukte, Polyole und Isocyanate) findet in Betrieben der Großchemie statt. Die Verarbeitung der Polyurethane zum ausgehärteten Produkt erfolgt je nach Anwendung (Dämmstoffe, Harze, Lacke, Klebstoffe, Ortschaum) in der Regel durch kleinere Unternehmen bzw. auf der Baustelle.

Um den Umgang speziell mit den toxischen Isocyanaten zu reduzieren und die damit verbundenen Risiken für die Beschäftigten der verarbeitenden Betriebe zu senken, werden heute bereits vorpolymerisierte Komponenten als Vorprodukte an die weiterverarbeitenden Betriebe geliefert (Prepolymer-Prozess).

Speziell bei der Herstellung der Polyurethan-Schaumprodukte wird normalerweise ein Verfahren angewendet, bei dem alle benötigten Materialien (Ausgangsstoffe, Hilfsstoffe, Additive) vermischt werden. Danach verläuft die Bildung der Polyurethane und das Aufschäumen gleichzeitig (one-shot-Prozess).

Umweltindikatoren / Herstellung

Referenz

Graue Energie

Der Energieverbrauch für die Herstellung von Polyurethan-Hartschaum ist mit dem Energieaufwand für ABS und EPS vergleichbar. Die Daten dazu finden Sie in den Ökoprofilen von PlasticsEurope (siehe Quellen).

Umwelt- und gesundheitsrelevante Additive

Additive

Typ und Funktion

Umweltrelevanz

Lichtstabilisatoren

Bis zu 1 % komplexe organische Verbindungen verhindern den Abbau von PUR.

Relativ stabile Verbindungen; u.U. toxisch.

Flammschutzmittel

Bromierte und chlorierte Verbindungen (teilweise Einsatz von bromierten und chlorierten Polyolen) verringern die Brennbarkeit des Kunststoffs.

Stabile Verbindungen, im Brandfall Entstehung toxischer Stoffe wie Halogensäuren und halogenierte Folgeprodukte.

Charakteristische Emissionen

Die Emissionen der Herstellung werden in den Ökoprofilen von PlasticsEurope ausgewiesen (siehe Quellen).

Maßnahmen Gesundheitsschutz

Bei der Herstellung der Vorprodukte sind Gefahrstoffe mit erheblichem Risikopotential beteiligt: Benzol, Phosgen, Ethylenoxid, Chlor. Vor allem bei den drei letztgenannten Stoffen besteht ein Störfallrisiko, da die Stoffe gasförmig vorliegen.

Benzol kann beim Verschlucken und Eindringen in die Atemwege tödlich sein (H304), kann Krebs erzeugen (H350), genetische Defekte verursachen (H340) und schädigt die Organe (H372).

Phosgen ist tödlich beim Einatmen (H330) und verursacht schwere Verätzungen der Haut und schwere Augenschäden (H314).

Ethylenoxid ist ein extrem entzündbares Gas (H220), verursacht Haut- und schwere Augenreizungen (H315 & H319), ist giftig beim Einatmen (H331), kann die Atemwege reizen (H335), genetische Defekte verursachen (H340) und Krebs erzeugen (H350).

Chlor verursacht Haut- und schwere Augenreizungen (H315 & H319), ist giftig beim Einatmen (H331), kann die Atemwege reizen (H335) und ist sehr giftig für Wasserorganismen (H400).

Die Zwischenprodukte Diisocyanate sind als gesundheitsschädlich bis giftig, reizend und sensibilisierend eingestuft (TDI, MDI). Beim Umgang mit Isocyanaten ist generell Vorsicht geboten. Somit sind umfangreiche Arbeitsschutzmaßnahmen notwendig. Neben Vorsichtsmaßnahmen gegen die akuten Gefährdungen von Isocyanaten sollten Allergiker und Asthmatiker sowie bereits gegen Isocyanate sensibilisierte Mitarbeiter nicht zu Arbeiten mit Isocyanaten oder deren Zubereitungen herangezogen werden. Erkrankungen durch Isocyanate sind meldepflichtige Berufskrankheiten. → siehe auch Stoff-/Produktgruppen GISBAU

MDI verursacht Haut- und schwere Augenreizungen (H315 & H319), kann allergische Hautreaktionen verursachen (H317), ist gesundheitsschädlich bei Einatmen (H332), kann bei Einatmen Allergie, asthmaartige Symptome oder Atembeschwerden verursachen (H334), die Atemwege reizen (H335), vermutlich Krebs erzeugen (H351) und die Organe schädigen bei längerer oder wiederholter Exposition (H373).

TDI verursacht Haut- und schwere Augenreizungen (H315 & H319), kann allergische Hautreaktionen verursachen (H317), ist tödlich beim Einatmen (H330), kann bei Einatmen Allergie, asthmaartige Symptome oder Atembeschwerden verursachen (H334), die Atemwege reizen (H335), vermutlich Krebs erzeugen (H351) und ist schädlich für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung (H412)

Für die Gefährdungsbeurteilung und daraus abzuleitende Schutzmaßnahmen für Arbeiten mit Isocyanaten liegt die TRGS 430 vor. Arbeitsplatzgrenzwerte liegen nur für monomere Isocyanate vor. Bei der Herstellung von PUR-Klebstoffen treten jedoch auch polymere Isocyanate auf. Die TRGS 430 beschreibt deshalb Verfahren zur Bewertung einer möglichen Gefährdung durch die gesamte Isocyanatexposition. Die Gefährdungsbeurteilung muss vom Arbeitgeber durchgeführt, schriftlich dokumentiert und bei maßgeblichen Veränderungen aktualisiert werden. Die TRGS 430 legt für die Herstellung von Isocyanaten technische Schutzmaßnahmen fest.

Transport

Das Vorprodukt Phosgen unterliegt Transportbeschränkungen gemäß ADR, wird allerdings kaum transportiert, sondern gleich vor Ort produziert und weiterverarbeitet.

Das Vorprodukt Ethylenoxid und das Zwischenprodukt Isocyanat unterliegen Transportbeschränkungen gemäß ADR

Quellen

Eco-profiles of the European Plastics Industry, Polyurethane rigid foam, PlasticsEurope, Brussels, 2005

H-Sätze:

European Chemicals Agency, C&L Inventory Database, ECHA

Transport:

Anlage zur Bekanntmachung der Neufassung der Anlagen A und B des Europäischen Übereinkommens vom 30. September 1957 über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße (ADR) (in der ab dem 1. Januar 2011 geltenden Fassung)

 
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Verarbeitung

 

 

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Arbeitshygienische Risiken

Allgemeines

Sie befinden sich in einer WECOBIS-Grundstoffgruppe. Bei den Grundstoffen in WECOBIS handelt es sich um Ausgangsstoffe für verschiedene Bauproduktgruppen.

Vor allem bei der Verarbeitung von 2-Komponenten-Reaktionsharzen (2K-Harze) können Gefährdungen auftreten. Beim Umgang mit Isocyanaten (auf der Baustelle applizierte 2K-PU-Harze) gelten umfangreiche Arbeitsschutzmaßnahmen, entsprechende Produkte sind nach GefStoffV gekennzeichnet. Den Umgang mit Isocyanaten regelt die TRGS Richtlinie 430. Aufgrund freier Isocyanatgruppen in Härterkomponenten besteht die Gefahr der Sensibilisierung. Neben Vorsichtsmaßnahmen gegen die akuten Gefährdungen von Isocyanaten sollten Allergiker und Asthmatiker sowie bereits gegen Isocyanate sensibilisierte Mitarbeiter nicht zu Arbeiten mit Isocyanaten oder deren Zubereitungen herangezogen werden. Erkrankungen durch Isocyanate sind meldepflichtige Berufskrankheiten. → siehe auch Stoff-/Produktgruppen GISBAU

Die Europäische Chemikalienagentur ECHA hat 2023 eine Beschränkung beschlossen: Es dürfen nur noch speziell dafür geschulte Personen mit Formulierungen arbeiten, die mehr als 0,1 Prozent Isocyanat enthalten. Neue Forschungsergebnisse zeigen zudem, dass Polyurethane auch ohne toxische Isocyanite hergestellt werden können und gleichzeitig Kohlenstoffdioxid als Ausgangsmaterial genutzt werden kann.

Weitergehende Informationen zu Vorsichtsmaßnahmen und Gefährdungen sind ggf. in den zugeordneten Bauproduktgruppen enthalten.

AGW-Werte

Stoff

ml/m3

mg/m3

Überschreitungsfaktor

Bemerkungen

pMDI (als MDI berechnet)

 

0.05 E

1;=2=(I)

DFG, H, Sah, Y, 12

Hexamethylen-1,6-diisocyanat

0.005

0.035

1;=2=(I)

DFG, 12, Sa

3-Isocyanatmethyl-3,5,5-trimethylcyclohexylisocyanat

0.005

0.046

1;=2=(I)

DFG, 12, Sa

2,2'-Methylendiphenyldiisocyanat

 

0.05

1;=2=(I)

AGS, 11, 12

4,4'-Methylendiphenyldiisocyanat

 

0.05

1;=2=(I)

DFG, 11, 12, Sa, Y

Methylisocyanat

0.01

0.024

1(I)

DFG, EU, H, 12

4-Methyl-m-phenylendiisocyanat

0.005

0.035

1;=4=(I)

AGS, 12, Sa

2-Methyl-m-phenylendiisocyanat

0.005

0.035

1;=4=(I)

AGS, 12, Sa

1,5-Naphthylendiisocyanat

 

0.05

1;=2=(I)

DFG, 11, 12, Sa

Phenylisocyanat

0.01

0.05

1(I)

AGS, 12, Sa

Grenzwerte:

E: einatembare Fraktion

Bemerkungen:

AGS: Ausschuss für Gefahrstoffe

DFG: Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe der DFG (MAK-Kommission)

EU: Europäische Union (Von der EU wurde ein Luftgrenzwert festgelegt: Abweichungen bei Wert und Spitzenbegrenzung sind möglich.)

H: hautresorptiv

11: Summe aus Dampf und Aerosolen

12: Der Arbeitsplatzgrenzwert gilt in der Regel nur für die Monomeren. Zur Beurteilung von Oligomeren oder Polymeren siehe TRGS 430 „Isocyanate“

Sa: Bei mit „Sa“ gekennzeichneten Stoffen sind auch bei Einhaltung des AGW (inklusive des Kurzzeitwertes) die Induktion einer Allergie (Sensibilisierung) und die Auslösung einer allergischen Reaktion an den Atemwegen nicht auszuschließen – es sei denn, dass ein Grenzwert unter dem Gesichtspunkt der Symptomfreiheit aufgestellt worden ist. Hier ist dann die Kennzeichnung „(Sa)“ zu wählen.

Sah: Atemwegssensibilisierende Stoffe werden mit „Sa“, Hautsensibilisierende Stoffe mit „Sh“, an beiden Zielorganen Allergien auslösende Stoffe mit „Sah“ gekennzeichnet. Die Kennzeichnung wird vorgenommen, wenn sich ein Hinweis auf diese Eigenschaften aus der Grenzwertbegründung ergibt oder wenn der Stoff vom AGS entsprechend eingestuft ist.

Y: ein Risiko der Fruchtschädigung braucht bei Einhaltung des Arbeitsplatzgrenzwertes und des biologischen Grenzwertes (BGW) nicht befürchtet zu werden

REACH / CLP

Referenz

 

Emissionen

Bei der Verarbeitung von Reaktionsharzen ist auf die produktspezifischen Emissionen zu achten.

 
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Nutzung

 

 

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Umwelt- und Gesundheitsrisiken Neuzustand

Die Schadstoffabgabe hängt vom einzelnen Produkt ab. Die Verarbeitung von 2K-PU-Harzen ist anspruchsvoll. Bei unsachgemäßer Verarbeitung können durch ungenügende Aushärtung längerfristige, geruchsintensive Emissionen entstehen.

Umwelt- und Gesundheitsrisiken bei bestimmungsgemäßer Nutzung

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

Die Verarbeitung der PUR-Reaktionsharze auf der Baustelle ist anspruchsvoll. Unsachgemäß verarbeitete Produkte können noch über lange Zeit Schadstoffe abgeben. Durch Verarbeitungsfehler kann es in der Nutzungsphase auch zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei den Nutzern kommen. Inhaltsstoffe wie Isocyanate könnten über längere Zeiträume emittiert werden. Andere Umwelt- und Gesundheitsrisiken sind Weichmacher, Biozide, Stabilisatoren und Flammschutzmittel, welche dem PUR beigemischt werden.

Umwelt- und Gesundheitsrisiken im Schadensfall

Brandfall

Da es sich beim Polyurethan um einen duroplastischen Kunststoff handelt, schmilzt dieser nicht und tropft nicht ab, somit trägt PUR nicht zur Brandausbreitung bei. Brennendes Polyurethan entwickelt viel Qualm. Durch thermischen Abbau der Polyurethane bilden sich teilweise die Isocyanate zurück. Aufgrund des Stickstoffanteils im Polyurethan entsteht im Brandfall giftige Blausäure, im Zusammenwirken mit dem bei jedem Brand entstehenden Kohlenmonoxid können sehr gefährliche Brandgase entstehen. Zusätzlich kann es durch die im Kunststoff enthaltenen Flammschutzmittel zur Entstehung giftiger Brandgase kommen. Die Brandgase von PUR haben ein großes Geruchsgefährdungspotential.

Wassereinwirkung

PUR-Hartschäume und ausgehärtete PUR-Reaktionsharze sind wasserbeständig. Mit Schäden aufgrund von Wassereinwirkung ist nicht zu rechnen.

Beständigkeit Nutzungszustand

Eine sachgemäße Verarbeitung vorausgesetzt, gelten Produkte aus Polyurethanen (PUR) als sehr beständig. Dies setzt allerdings eine genügende Stabilisierung der Produkte durch entsprechende Additive (z.B. UV-Stabilisatoren als Schutz gegen Abbau durch UV-Licht) voraus. Da die Produkte jedoch erst seit relativ kurzer Zeit im Bausektor eingesetzt werden, können kaum Aussagen über einen längeren Zeitraum als etwa 20 - 30 Jahre getroffen werden. PUR ist unempfindlich gegen Feuchtigkeit und gegen Salzlösungen, beständig gegenüber Laugen, verdünnten Säuren und organischen Lösemittel.

Unter der Rubrik Baustoff- und Gebäudedaten / Nutzungsdauern von Bauteilen findet sich auf dem Informationsportal Nachhaltiges Bauen eine Datenbank mit Nutzungsdauerangaben von ausgewählten Bauteilen des Hochbaus für den Leitfaden „Nachhaltiges Bauen“.
Datenbank als PDF

 
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Nachnutzung

 

 

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Wiederverwendung / Wiederverwertung / Beseitigung

Referenz

Umwelt- und Gesundheitsrisiko Rückbau

Bei einem geordneten Rückbau kommt es zu keinen besonderen Umwelt- oder Gesundheitsrisiken.

Wiederverwendung

Eine Wiederverwendung von PUR-Hartschäumen, insbesondere PUR-Dämmstoffen ist denkbar. Allerdings enthalten ältere PUR-Dämmstoffe heute verbotene FCKW als Treibgas. Einer Wiederverwendung steht auch entgegen, dass PUR-Dämmstoffe teilweise mit der Konstruktion verklebt werden, was einen Ausbau unbeschädigter Platten verhindert.

Stoffliche Verwertung

Generell ist die stoffliche Verwertung von Duroplasten schwierig, meist landet der Baustoff auf der Mülldeponie. Ein werkstoffliches Recycling von Polyurethanen (PUR) aus Bau- und Abbruchabfällen ist derzeit noch nicht die Regel.

Es gibt jedoch zwei Möglichkeiten PU wiederzuverwerten: Beim mechanischen PU Recycling werden Produkte aus Polyurethan zerkleinert, granuliert oder gemahlen. Durch den Einsatz von Bindemittel oder frischem Polyurethan werden diese Polyurenthanreste gemischt. So entstehen neue Formteile mit einem hohen Recycling-Anteil. Zudem gibt es das chemische Recycling, wobei hier vor allem mit Acidolyse gearbeitet wird, also dem Aufbrechen von PUR mit Säure.

Energetische Verwertung

Wegen des Stickstoffanteils ist der Heizwert von PUR tiefer als der anderer Kunststoffe. Ebenfalls aufgrund des Stickstoffgehalts von PUR entsteht ein großer Anteil von Stickoxiden, die mittels aufwendiger Entstickungsverfahren (Katalysatoren) aus den Rauchgasen entfernt werden müssen. Wegen der enthaltenen Flammschutzmittel erzeugt die Verbrennung der Polyurethan-Kunststoffe halogenhaltige Rückstände, die deponiert werden müssen.

Gemäß den Angaben im Ökoprofil von PlasticsEurope beträgt der Heizwert von PUR-Hartschaum rund 37 MJ / kg PUR-Hartschaum.

Beseitigung / Verhalten auf der Deponie

Gemäss TA-Siedlungabfall dürfen Abfälle aus Polyurethan nicht mehr abgelagert werden. Additive können vermutlich über längere Zeit aus dem Kunststoff herausgelöst werden und tragen zu einer Belastung des Bodens bzw. der Deponie-Abwässer bei. Allerdings sind keine Daten über das längerfristige Verhalten von PUR in Deponien verfügbar.

Abfälle, die Polyurethanharze z. B. als Beschichtung oder Klebstoff enthalten und nicht verwertet werden können, dürfen nur auf Deponien abgelagert werden, wenn sie Grenzwerte für den organischen Anteil einhalten. Gemäß Anhang B der TA-Siedlungsabfall sind 3 Masse-% organisches Material erlaubt für Deponien der Deponieklasse I und 5 Masse-% für Deponien der Deponieklasse II.

EAK-Abfallschlüssel

Ausgehärtete PUR-Produkte

17 02 03 Kunststoffe (Bau- und Abbruchabfälle)

Weitere mögliche EAK-Abfallschlüssel aufgrund der verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten sind ggf. in den zugeordneten Bauproduktgruppen enthalten.

Quellen

Eco-profiles of the European Plastics Industry, Polyurethane rigid foam, PlasticsEurope, Brussels, 2005

Thomas B. Bech, Bjarke S. Donslund, Steffan K. Kristensen, Troels Skrydstrup; "Chemical separation of polyurethane via acidolysis – combining acidolysis with hydrolysis for valorisation of aromatic amines"; Green Chemistry, Volume 26, 2024