Produktgruppeninformation
Begriffsdefinition
Fasern für Mineralwolle-Dämmstoffe (MW) werden aus Schmelzen von Glas, Natursteinen oder Schlacken (Hochofenschlacke aus der Metallgewinnung) hergestellt, weshalb Mineralwolle-Dämmstoffe unter den anorganischen Dämmstoffen zur Gruppe der Dämmstoffe aus künstlichen Mineralfasern (KMF) gehören. Je nach Ausgangsstoff werden Dämmstoffe aus KMF auch als Glas- Stein- oder Schlackenwolle bezeichnet. Aufgrund der Vielfalt von möglichen Rohstoffmischungen wird jedoch i.d.R. allgemein von Mineralwolle-Dämmstoffen gesprochen. Die Dämmwirkung wird durch den Einschluss ruhender Luft in den Faserzwischenräumen erzeugt.
Mineralwolle-Dämmstoffe stellen mit ca. 54% den Hauptanteil am Dämmstoffmarkt in Deutschland. Schlackenwolle findet im Baubereich kaum noch Verwendung und wird daher nicht weiter beschrieben.
Quelle: Gesamtverband Dämmstoffindustrie (GDI) - Baumarktstatistik 2005
Besonders wichtige Eigenschaft hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz
Die Bewertung von lungengängigen Faserstäuben aus Mineralwolle-Dämmstoffen hinsichtlich ihres Krebsrisikos wurde in der Vergangenheit kontrovers diskutiert. In der Folgezeit wurden Veränderungen bei den Fasern vorgenommen, um das Problem zu vermeiden. Detaillierte Informationen zu Faserstäuben und zum Umgang mit künstlichen Mineralfasern nach derzeitiger Gesetzeslage siehe ->Verarbeitung.
Lieferzustand
- Matten (Rollen + Platten), Filze
- lose als Schüttung/Blaswolle, Stopfwolle
Färbung:
- Glaswolle-Dämmstoffe gelb (Stopfwolle weiß)
- Steinwolle-Dämmstoffe braun
Anwendungsbereiche (Besonderheiten)
Einblasdämmstoffe aus Mineralwolle dürfen nur von lizensierten Fachbetrieben verarbeitet werden. Bei der Verarbeitung sind die geltenden Arbeitsschutzvorschriften zu beachten.
Verwendung in Bauteilen aus Holz nach DIN 68800-2 bei DZ (Zwischensparrrendämmung, DIN 4108-10) oder bei WH (Dämmung vonHolzrahmen-und Holztafelbauweise, DIN 4108- 10):
Mineralwolle-Dämmstoffe nach DIN EN 13162 dürfen als einziger Dämmstoff ohne weiteren Nachweis in DZ oder WH im Bereich der Gefährdungsklasse 0 (GK 0) nach DIN 68800-2: 1996-05 verwendet werden. Das heißt, dass z.B. bei Zwischensparrendämmung kein chemischer Holzschutz notwendig ist.
genaue Erläuterung → Anwendungsbereiche Dämmstoffe
Planungs- und Ausschreibungshilfen
WECOBIS informiert produktneutral. An verschiedenen Stellen bietet WECOBIS jedoch auch Unterstützung dazu, wie sich Produkte innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer ökologischen Eigenschaften unterscheiden lassen.
Informationen hier im Reiter Planungsgrundlagen:
- Links zu materialökologischen Anforderungen und Textbausteinen für Planung und Ausschreibung im WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen,
- Hinweise auf mögliche Quellen und Nachweisdokumente zu Planungs- und Ausschreibungskriterien,
- ggf. weitere planungs- und ausschreibungsrelevante Informationen, z.B. Hinweise zu Verwendungseinschränkungen hinsichtlich Gefahrstoffverordnung (bei Stoffen / Gemischen), zu Alternativen oder zu besonderen Eigenschaften hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz.
Übersicht Planungsgrundlagen: Dämmstoffe aus mineralischen Rohstoffen
Stand 06/2023
Blähglas-/Blähton-Dämmstoffe (nicht in Wecobis) | Holzwolle- dämmplatten* | Hochleistungs | Mineralwolle-Dämmstoffe | Schaumglas-Dämmstoffe | ||||
---|---|---|---|---|---|---|---|---|
Material- ökologische Anforderungen | Im Modul "Planungs- & Ausschreibungshilfen" bietet WECOBIS eine Übersicht zu möglichen materialökologischen Anforderungen und Textbausteine für Planung und Ausschreibung. Inhalt aufklappen | |||||||
Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS | Dämmstoffe in Innenräumen | --- | Dämmstoffe in Innenräumen | --- | --- | --- | Dämmstoffe in Innenräumen | |
Quellen für material- ökologische Anforderungen | Die hier genannten Quellen, insbesondere BNB, bilden die Grundlage für Planungs- und Ausschreibungshilfen bzw. materialökologische Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS. Inhalt aufklappen | |||||||
Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) / Kriterium 1.1.6 (Risiken für die lokale Umwelt) | Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung. Auch wenn ein Gebäude nicht zertifiziert werden soll, bilden die einzelnen Kriteriensteckbriefe eine gute Grundlage, Orientierung und Hilfestellung für die Umsetzung ökologischer Aspekte in der Gebäudeplanung. Einordung der jeweiligen Dämmstoffe hinsichtlich verschiedener Kriteriensteckbriefe siehe Reiter BNB-Kriterien in WECOBIS | |||||||
Umweltbundesamt (UBA) | Auf den Internet-Seiten des Umweltbundesamtes (UBA) befindet sich der „Informationsdienst für umweltfreundliche Beschaffung“. Man findet dort auch Empfehlungen für die Ausschreibung u.a. für die Gebäudeinnenausstattung (z.B. Bodenbeläge, Bodenbelagsklebstoffe, Tapeten). | |||||||
baubook ÖkoBauKriterien | Die Plattform baubook ÖkoBauKriterien bietet eine Sammlung von Kriterien und Produktdeklarationen, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Dämmstoffe aus mineralischen Rohstoffen finden sich dort Produktdeklarationen und Kriterien in der Gruppe der Dämmstoffe / mineralische Dämmstoffe. | |||||||
Mögliche Nachweis- dokumente | Mithilfe von Nachweisdokumenten müssen die gestellten materialökologischen Anforderungen geprüft und dokumentiert werden. Zum Teil sind diese auch gesetzlich vorgeschrieben. Neben den folgend genannten gehören auch Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, sowie Herstellererklärungen zu möglichen Dokumentationsunterlagen. Inhalt aufklappen | |||||||
gesetzlich vorgeschrieben: | ||||||||
REACH / CLP: Sicherheits- datenblatt (SDB) | Dämmstoffe in Plattenform werden als Erzeugnis eingestuft. Für Erzeugnisse ist kein SDB vorgeschrieben. Die Einstufung von Dämmstoffen in loser Form (Schüttungen) ist schwierig. Werden sie als Stoff oder Gemisch eingestuft, müssen Produkt bezogene Informationen gemäß CLP-Verordnung in den Sicherheitsdatenblättern (SDB) gemäß den Anforderungen in Art.31 REACH-VO in Verbindung mit Anhang II (Nachweis gefährliche Stoffe, Nachweis SVHC >= 0,1 Gew.-%) der jeweiligen Produkte ausgewiesen sein. | |||||||
Leistungserklärung gemäß BauPVO mit Angaben zu SVHC (kein harmonisiertes Format, erfordert ggf. Nachfrage) | Die pflichtgemäße Leistungserklärung zur CE-Kennzeichnung für Bauprodukte, die unter den Geltungsbereich der BauPVO fallen, muss Angaben über SVHC enthalten oder mitliefern (kein harmonisiertes Format, erfordert ggf. Nachfrage). Für alle Bauprodukte (Erzeugnisse), also auch solche, die nicht im Geltungsbereich der BauPVO liegen, besteht ein Auskunftsrecht für SVHC. Für die Anfrage an den Hersteller steht auf dem Informationsportal des Umweltbundesamtes zu REACH ein Musterbrief zum Download zur Verfügung. Fast alle Dämmstoffe aus mineralischen Rohstoffen fallen in den Geltungsbereich der BauPVO. Calciumsilikat-Dämmstoffe sind nur als Wärmedämmstoff für die technische Gebäudeausrüstung und für betriebstechnische Anlagen in der Industrie gelistet. | |||||||
+ | + | + | + | + | + | + | ||
Nachweis bauaufsichtlicher Anforderungen aus Umwelt- schutzgründen | Gemäß MVVTB / A 3.2.3 in Verbindung mit Anhang 10 bestehen bauaufsichtliche Anforderungen an bauliche Anlagen bezüglich der Auswirkungen auf Boden und Gewässer. Für Bauteile mit Kontakt zu Boden, Grundwasser oder Niederschlag ist sicherzustellen, dass diese weder eine schädliche Bodenveränderung noch eine Grundwasserverunreinigung hervorrufen können. Explizit genannt wird derzeit von den Dämmstoffen nur Schaumglasschotter als Schüttungen unter Gründungsplatten. | |||||||
freiwillige Produktkenn- zeichnungen / -deklarationen; Emissionsprüf- berichte | Für einige Bauproduktgruppen existieren freiwillige Produktkennzeichnungen oder -deklarationen wie z.B. Umweltzeichen oder Umweltproduktdeklarationen, die als Nachweis für materialökologische Anforderungen dienen können. Eine Übersichtstabelle dazu mit detaillierten Informationen zu Dämmstoffen aus mineralischen Rohstoffen findet sich im Reiter Zeichen & Deklarationen. Emissionsprüfberichte (ohne Umweltzeichenzertifizierung) können zwar hilfreich sein, sind aber oft nicht leicht zu interpretieren. Insbesondere ist auf die Rahmenbedingungen zu achten, die der Prüfung zugrunde lagen und ob diese mit denen der Anforderung übereinstimmen. |
Übersicht Lebenszyklusinformationen: Dämmstoffe aus mineralischen Rohstoffen
Blähperlit-Dämmstoffe (Blähglas-/ Blähton-Dämmstoffe (nicht in Wecobis) | Calciumsilikat-dämmplatten | Holzwolle-dämmplatten (einschichtig) | Hochleistungs- Dämmstoffe | Mineralwolle-Dämmstoffe | Schaumglas-Dämmstoffe | Vermiculite-Dämmstoffe | ||
---|---|---|---|---|---|---|---|---|
Rohstoffe | Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Rohstoffe) | |||||||
Hauptbestandteile nach Rohstoffherkunft | ||||||||
Anteil fossiler Rohstoffe | k.A. / ggf. Ummantelung | 0 M-% | 0 M-% | 10 - 20 M-% | Glaswolle: 5 - 7 M-% Steinwolle: 1 - 3,5 M-% | 0 M-% | k.A. / ggf. Hydro-phobierung | |
Anteil mineralischer Rohstofffe | bis zu 100 M-% bei rein mineralischen Zusätzen | 97 M-% Sand, Kalkhydrat, Flugasche, silikatische Zuschläge | 55 M-% | 80 - 90 M-% | Glaswolle: 93 - 95 M-% Steinwolle: 96,5 - 99 M-% | 100 M-% | bis zu 100 M-% bei rein mineralischen Zusätzen | |
Anteil erneuerbarer Rohstoffe | k.A. / ggf. Bindemittel | 3 M-% Zellstoff | 34 M-% Holz 11 M-% Wasser | 0 M-% | 0 M-% | 0 M-% | 0 M-% | |
Charakteristische Inhaltsstoffe | ||||||||
Hauptanteil / Namensgeber | Rohperlit- gestein, expandiert | Sand, silikatische Zuschläge | Holz | Aerogel = amorphe Kieselsäure (Silica) + z.B. Glasfaser | Glaswolle, Steinwolle | Kalk-Natronsilicatglas | Glimmer- schiefer | |
Bindemittel | Platten: Stärke, Zellulose- fasern oder Mineralfasern | Kalkhydrat, Flugasche | Zement oder Magnesia | Polyesterharz (Bsp. Glsfaser- dämmvlies) | Formaldehyd- harze | - | - | |
weitere mögliche Zusätze | Hydro- Ummantelung: Bitumen, Gips, Zement | Porosierungs-mittel: | ggf. Kalzium- carbonat | - | aliphatische Mineralöle oder Silikonöle zur Staubbindung / ggf. Hydro- phobierung | - | ggf. Bitumen-, Silikat-ummantelung zur Hydro-phobierung | |
Eigenschaften | ||||||||
Struktur / Dämmwirkung durch ... | Schaum-Dämmstoff / Luftzellen | Schaum-Dämmstoff / hoher Luftporenanteil | langfaserige Holzwolle | Schaum-Dämmstoff als Applikation auf anderen Materialien / Porendurch- messer im Nanometer-Bereich | Faserdämmstoff / Luft in den Faser-zwischenräumen | Schaum-Dämmstoff / Gase (i.W. CO2) in den hermetisch abgeschlossenen Zellen | Schaum-Dämmstoff / Luftzellen | |
Besonderheiten | - | hoher ph-Wert hemmt das Wachstum von Schimmelpilzen | Schall- und Brandschutz, schlechte WD | sog. "Hochleistungs-Dämmstoff" | - | geschlossen- zellig, dampfdicht, hohe Druckfestigkeit | - | |
Sonstiges | ||||||||
Verwendung von Recycling- materialien | - | - | selten, Produktions-abfälle | nur für Glasvliese (s. Mineralwolle) | bis zu 60% des Hauptbestand- | Platten: ca. 60% Schotter: bis zu 100% Altglas (sortenrein) möglich | - | |
Herstellung | Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Herstellung) | |||||||
ÖKOBAUDAT- Datensätze | Datensätze zu Blähperlit-Dämmstoffen liegen noch nicht vor. | 2. Dämmstoffe / 2.20 Calciumsilikat | 2. Dämmstoffe / 2.7. Holzwolle-platten | Datensätze zu Dämmstoffen mit Aerogelen liegen noch nicht vor. | 2. Dämmstoffe / 2.1 Mineralwolle | Datensätze zu Schaumglas-Dämmstoffen liegen noch nicht vor. | Datensätze zu Vermiculite-Dämmstoffen liegen noch nicht vor. | |
Verarbeitung | Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Verarbeitung, zu ggf. vorhandenen verarbeitungsspezifischen Produktkennzeichnungen wie z.B. Giscode, siehe Reiter Zeichen & Deklarationen) | |||||||
Verarbeitungsweise / Lieferzustand | lose als Schüttung, Platten | Platten | Platten | Platten, Matten, Granulat | Matten, lose als Schüttung / Blaswolle / Stopfwolle | Platten, Granulat, Formteile | lose Schüttung (Granulat) | |
Arbeitshygienische Risiken | Staubbelastung beim Einbringen loser Schüttungen | keine, außer Staub- emissionen beim Zuschneiden der Platten | Holzstaub beim Einbau / Zuschneiden | noch wenig Langzeit- erfahrung, keine ausreichenden Untersuchungen / Staubbelastungen beim Einbau, Schutzmaßnahmen erforderlich / Kontakt mit Aerogelen soll vermieden werden | Freisetzung lungengängiger Fasern möglich, es gilt der allgemeine Staubgrenzwert und die zugehörigen Schutz- maßnahmen | gering, Glasstaub- emissionen beim Zuschneiden von Platten / Einbringen von Schotter, gesundheitl. Beeinträchtigung möglich bei der Verarbeitung in Bitumen (Kaltverarbeitung ist der Heißverarbeitung vorzuziehen) | Staub- belastung beim Einbringen loser Schüttungen | |
Nutzung | Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Nutzung, zur Innenraumhygiene nach BNB siehe siehe Reiter BNB-Kriterien, zu ggf. vorhandenen innenraumrelevanten Produktkennzeichnungen wie z.B. Blauer Engel, siehe Reiter Zeichen & Deklarationen) | |||||||
VOC-/SVOC-, Formaldehyd- Emissionen | keine | keine | keine | ggf. abhängig vom Begleitmaterial | möglich / ggf. Formaldehyd (Mineralwolle "formaldehydfrei" bzw. mit sehr geringem Formaldehydanteil am Markt, Eurofins Zertifizierung "Indoor Air Comfort Gold") | keine | keine | |
Nachnutzung | Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Nachnutzung) | |||||||
Rückbaubarkeit / Trennbarkeit | bei loser Schüttung geringer Aufwand | i.d.R. vollfl. verklebt, daher hoher Aufwand | gut ausbaubar, da i.d.R. mechanisch befestigt, Verbund-baustoff / Einzel-materialien schlecht trennbar | hoher Rückbauaufwand durch erf. Arbeitsschutz-maßnahmen | abh. von Einbausituation (in WDVS hoher Aufwand wg. Verklebung mit anderen Materialien) | Platten: i.d.R. vollflächig verklebt, oder in Bitumen eingegossen, daher hoher Aufwand Schotter: lose, geringer Aufwand, kann im Prinzip im Boden belassen werden | lose Schüttung, geringer Aufwand (Absaugung möglich) | |
Verwertbarkeit / Recyclingfähigkeit | Verwendung als Bodenauf- lockerer oder Zuschlagstoff möglich | bei sortenreinem Ausbau (schwierig) Verwendung als Füllstoff in anderen Baustoffen möglich | schwer möglich, da Verbund-baustoff | nicht möglich, da vermutlich sehr aufwändig, bzw. noch keine Entwicklungen, noch keine Erfahrungswerte zum Langzeitverhalten | bei sortenreinem Ausbau und Rücknahme- system (zum Teil vorhanden) des Herstellers möglich | bei sortenreinem Ausbau als Dämmstoff möglich, mit Bitumen-anhaftungen zerkleinert als Füllmaterial im Tiefbau mögich | bei sortenreinem Ausbau Verwendung als Füllstoff in anderen Baustoffen möglich | |
Typischer Entsorgungsweg | Deponierung | Deponierung | Deponierung, vorher thermische Behandlung erfoderlich wg. Holzanteil | Deponierung, vorher thermische Behandlung | wenn kein Rücknahme- Deponierung (bei "alter" Mineralwolle aufwändig) / ggf. thermische Behandlung nötig | Deponierung als Bauschutt, mit Bitumenanteilen ggf. thermische Behandlung nötig | Deponierung als Bauschutt, mit Bitumenanteilen ggf. thermische Behandlung nötig | |
Energiegewinnung möglich? | nicht möglich (mineralisch) | nicht möglich (mineralisch) | nicht möglich (zu hoher mineralischer Anteil) | nicht möglich (mineralisch) | nicht möglich (mineralisch) | nicht möglich (mineralisch) | nicht möglich (mineralisch) |
GISCODES für Mineralwolle-Dämmstoffe
Bereits seit 01.06.2000 gilt in Deutschland ein Verbot des Herstellens, des Inverkehrbringens und des Verwendens von Mineralwolle-Dämmstoffen, die nicht die Freizeichnungskriterien des Anhang IV Nr. 22 der Gefahrstoffverordnung erfüllen und damit nicht als "frei von Krebsverdacht" gelten.
Die Hersteller von Mineralwolle-Dämmstoffen weisen die Freizeichnung nach Anhang IV der Gefahrstoffverordnung und die Bewertung als nicht krebserzeugend z.B. im Sicherheitsdatenblatt SDB (nicht vorgeschrieben für Erzeugnisse s.o. Tabelle) im Abschnitt 11 (Toxikologische Angaben) gemäß § 6 Gefahrstoffverordnung.
Mineralwolle-Dämmstoffe mit dem RAL-Gütezeichen (RAL-GZ 388) "Erzeugnisse aus Mineralwolle" erfüllen alle Anforderungen. Dabei handelt es sich allerdings um ein nationales (deutsches) Gützezeichen.
Es wird dringend dazu geraten zu überprüfen, ob alle Anforderungen aus der Bauregelliste Spalte 4 (u.a. Kriterien Anhang IV Nr.22 Abs.2 der Gefahrstoffverordnung „frei von Krebsverdacht“) erfüllt sind, entweder über Informationen im Sicherheitsdatenblatt oder über das RAL-Gütezeichen, und dies zu dokumentieren
Bei Fertigteilen, z.B. aus Holz, die nicht in Deutschland gefertigt werden, ist besonderes Augenmerk auf die Einhaltung der Forderungen aus der Bauregelliste zu richten, da es sich bei den Forderungen zur Gefahrstoffverordnung „frei von Krebsverdacht“ um eine nationale (deutsche) Regelung handelt.
Alternativen hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz
Produkte mit Umweltzeichen erfüllen umfangreiche Anforderungen hinsichtlich Emissionen und Schadstoffen.
→ detaillierte Infos zu Umweltzeichen, Produktdeklarationen u.a. für Dämmstoffe aus mineralischen Rohstoffen siehe Reiter Zeichen & Deklarationen.
Emissionen in die Innenraumluft sind aus den i.W. mineralischen Bestandteilen (Details siehe oben Lebenszyklusinformationen / Rohstoffe) kaum zu erwarten. Allerdings enthalten Mineralwolle-Dämmstoffe als Bindemittel i.d.R. Formaldehydharze (Glaswolle 5-7 M-%, Steinwolle 1-3,5M-%). Formaldehydemissionen in den Innenraum können bei diesen deshalb (abhängig von der Einbausituation) nicht ausgeschlossen werden. In Kombination mit anderen Emissionsquellen kann dies auch zu unerwünschten Ergebnissen von Raumluftmessungen beitragen. Einige Hersteller produzieren bereits Mineralwolle-Dämmstoffe mit niedrigeren Anteilen an Formaldehydharzen bzw. ohne deren Einsatz als Bindemittel.
Mineralwolle ist auch der einzige Faserdämmstoff unter den ansonsten geschäumten Dämmstoffen aus mineralischen Rohstoffen. Die Freisetzung lungengängiger Fasern (→ WHO-Fasern) ist hier möglich (siehe oben Gefahrstoffverordnung und Mineralwolle-Dämmstoffe / Reiter Verarbeitung).
Bei allen anderen Dämmstoffen aus mineralischen Rohstoffen handelt es sich um Schaumdämmstoffe, deren mineralischer Anteil bei nahezu 100% liegt. Schaumglas-Dämmstoffe weisen einen vergleichsweise hohen Energieaufwand in der Herstellung auf. Schaumglas-Platten werden i.d.R. nicht lose verlegt, sondern müssen in Bitumen eingeschlämmt werden.
Vorteil aller Dämmstoffe aus mineralischen Rohstoffen ist ihre Nicht-Brennbarkeit aufgrund ihrer Materialität, sodass sie keine gefährlichen Flammschutzmittel enthalten.
Hochleistungsdämmstoffe / Dämmstoffe mit Aerogelen (amorphe Kieselsäure) und Vakuumisolationspaneele (pyrogene Kieselsäure)
Sofern keine eingeschränkten Platzverhältnisse gegeben sind, kann die erforderliche Dämmleistung auch mit konventionellen Dämmstoffen erbracht werden. Der Nachteil von Hochleistungsdämmstoffen aus amorpher Kieselsäure ist das sehr energieintensive Herstellungsverfahren. Zudem sind die Kosten von Dämmstoffen mit amorpher Kieselsäure deutlich höher als jene von konventionellen Materialien.
Im Hinblick auf potentielle Risiken für Umwelt und Gesundheit ist anzumerken, dass Silica in Form von Aerogel oder pyrogener Kieselsäure keine Nanopartikel enthalten. Die Bezeichnung "Nano" bezieht sich auf die Größe der Poren in den Materialien.
Bei der Verarbeitung von Dämmstoffen mit Aerogelen kann es jedoch zu Staubemissionen kommen, welche zu Augen- und Atemwegsreizungen führen können. Die Auswirkungen einer Langzeitexposition auf die menschliche Gesundheit sind nicht bekannt. Bei der Verarbeitung von Vakuumisolationspaneelen (VIP) sind keine Staubemissionen von pyrogener Kieselsäure möglich, da das Kernmaterial bei der Produktion in eine Folie eingeschweißt wird.
Weitere planungs- und ausschreibungsrelevante Informationen in WECOBIS
- Reiter Übersicht / Anwendungsbereiche
- Reiter Zeichen & Deklarationen / Erläuterung + Links der wichtigsten Deklarationen zur jeweiligen Produktgruppe
- Reiter BNB-Kriterien / Einordnung der jeweiligen Produktgruppe gemäß Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)
Allgemeine Unterstützung zum Umgang mit Nachhaltigkeitsaspekten in Planung und Ausschreibung sowie Hinweise auf Leitfäden, Arbeitshilfen und Veröffentlichungen zum Nachhaltigen Bauen bietet das neue WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen unter Allgemeine Infos.
Umweltdeklarationen
Die folgende Tabelle liefert eine Übersicht zu Zeichen & Deklarationen, die für die Produktgruppe relevant sind. Neben Herstellererklärungen, Informationen in Sicherheitsdatenblättern (SDB) oder allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen (abZ) können diese den Nachweis für umwelt- und gesundheitsrelevante Kriterien in Planung und Ausschreibung (s. Reiter Planungsgrundlagen) ermöglichen. Detaillierte Informationen finden sich außerdem in den einzelnen Produktgruppen.
Übersicht Umweltdeklarationen: Dämmstoffe aus mineralischen Rohstoffen
Stand 06/2023
Blähperlit-Dämmstoffe
Blähglas-/ | Calcium-
Holzwolle- dämmplatten 3 | Hochleistungs- Dämmstoffe: | Mineralwolle-Dämmstoffe | Schaumglas-Dämmstoffe | Vermiculite-Dämmstoffe | |||
---|---|---|---|---|---|---|---|---|
Dämmstoffe mit Aerogelen | Vakuum-Isolations-Paneele | |||||||
Umweltzeichen | Umweltzeichen gehören zu den freiwilligen Produktkennzeichnungen. Sie bieten die Möglichkeit, Unterschiede von Produkten innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer Umwelt- und Gesundheitsrelevanz festzustellen, auch wenn sie keine allgemeinverbindlichen Gebote oder Verbote aufstellen können. Inhalt aufklappen | |||||||
Blauer Engel DE-UZ 132 Emissionsarme Wärmedämm- stoffe und Unterdecken für Innen- anwendungen (Ausgabe 2020) | + (Blähglas-, Blähton-, Blähperlit- | + | ./. | ./. | + | (+) | (+) | |
Blauer Engel DE-UZ 140 Umweltfreundliche Wämedämm-verbundsysteme (Ausgabe 2010) | (+) (kein typischer Anwendungs- | + (nur Mineral-schaum) | (+) | ./. | + | (+) (kein typischer Anwendungs- | ./. | |
Österreichisches Umweltzeichen / Richtlinie UZ 45 | + | (+) | + (derzeit nur für Zementschaum) | - | x (Faserdämmstoff) | + (derzeit nur als Schüttung) | (+) | |
Österreichisches Umweltzeichen / Richtlinie UZ 79 | (+) | (+) | (+) | ./. | (+) | (+) (kein typischer Anwendungs- | ./. | |
EU Ecolabel (Blume) | - | - | - | - | - | - | - | |
Nordic Swan Ecolabel | - | - | - | - | - | - | - | |
natureplus Umweltzeichen (nur für Produkte aus nachwachsenden und/oder umweltverträglich gewonnenen mineral. Rohstoffen / mind. 85 Masse%) | + | + ---- | x (aufgrund der Inhaltsstoffe) | x (aufgrund der Inhaltsstoffe) | x (aufgrund der Inhaltsstoffe) | + | (+) | |
eco-Institut-Label / Dämmplatten und Dämmstoffe | + | + | (+) | (+) | (+) | (+) | (+) | |
EMICODE / Raumlufthygiene | - | - | - | - | - | - | - | |
Eurofins Zertifizierung "Indoor Air Comfort Gold" (Formaldehyd-Grenzwert strenger / VOC-Grenzwerte weniger streng als Blauer Engel) | (+) | (+) | (+) | (+) | + | (+) | (+) | |
Cradle to Cradle2 / Building supply & Materials (derzeit noch geringe Produktverfügbarkeit) | (+) | +2 | (+) | +2 | (+) | (+) | ||
GISBAU Klassifizierungs-system | Das GISBAU Klassifizierungssystem ermöglicht es durch den GISCODE oder GISBAU Produktcode, Produkte von denen die gleichen Gesundheitsgefahren ausgehen, in einer Gruppe zusammenzufassen. Die Klassifizierung ist auf den Arbeitsschutz ausgerichtet. Gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) ist grundsätzlich das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen zu verwenden. (siehe unten: Ersatzproduktgruppe prüfen?) Inhalt aufklappen | |||||||
Dämmstoffe aus mineralischen Rohstoffen sind nicht im GISBAU-System über GISCODES klassifiziert. Informationen zu arbeitshygienischen Risiken siehe Reiter Verarbeitung. | ||||||||
Umweltprodukt-deklaration (EPD) | Die Umweltproduktdeklaration (EPD = Environmental Product Declaration) eines Produktes macht Aussagen zum Energie- und Ressourceneinsatz und in welchem Ausmaß ein Produkt zu Treibhauseffekt, Versauerung, Überdüngung, Zerstörung der Ozonschicht und Smogbildung beiträgt. Außerdem werden Angaben zu technischen Eigenschaften gemacht, die für die Einschätzung der Performance des Bauproduktes im Gebäude benötigt werden, wie Lebensdauer, Wärme- und Schallisolierung oder den Einfluss auf die Qualität der Innenraumluft.1 Inhalt aufklappen | |||||||
EPD1 | - | + | + | + | + | + | - | |
Branchen-EPD1 | - | - | - | - | - | - | - | |
Umweltindikatoren | Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren wie z.B Primärenergieaufwand, Abfall, Abiotischer Ressourcenverbrauch, Ozonabbaupotential, Treibhauspotential usw. liefert die Datenbank ÖKOBAUDAT des Informationsportals Nachhaltiges Bauen. Inhalt aufklappen | |||||||
ÖKOBAUDAT-Datensätze | - | 2.20 Calciumsilikat 2.7 | - | 2.24.01 Vakuum-Isolations- paneele | 2.1 Mineralwolle | 2.6 Schaumglas | - | |
Hinweis: Da sich die verfügbare Datensatzanzahl regelmäßig ändert, werden an dieser Stelle nur die vorgesehenen Gliederungspunkte in den Kategorien der Datenbank genannt und keine Aussagen zur Verfügbarkeit von Datensätzen gemacht. Der Link ÖKOBAUDAT-Datensätze führt zur Datenbank, im "Kategorienbrowser" kann dann über die Gliederungspunkte nach aktuellen Datensätzen gesucht werden. | ||||||||
Sonstige freiwillige Produkt-Deklarationen | Die Plattform baubook beispielsweise bietet für Händler und Hersteller von Bauprodukten die Möglichkeit einer online-Deklaration anhand von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Inhalt aufklappen | |||||||
baubook-Deklaration | siehe baubook ÖkoBauKriterien / Produkte / Dämmstoffe / mineralische Dämmstoffe. |
+ | Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe vorhanden |
(+) | derzeit kein Produkt aus dieser Produtkgruppe zertifiziert |
- | Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe nicht vorhanden bzw. Produktgruppe nicht im Geltungsbereich |
./. | Zeichen / Label für diese Produktgruppe nicht relevant |
x | Produkte aus dieser Produktgruppe können die Kriterien des Zeichens/Labels definitionsgemäß nicht erfüllen |
Bewertungssystem
Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)
Wofür steht das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)? Inhalt aufklappen | |
Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMI steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung. | |
Welche Informationen liefert WECOBIS für BNB im Reiter BNB-Kriterien? Inhalt aufklappen | |
WECOBIS führt in den Datenblättern der Bauproduktgruppen umfangreiche Informationen zur Beantwortung der verschiedenen Fragestellungen im Hinblick auf Umwelt- und Gesundheitsaspekte. Im Reiter BNB-Kriterien bietet WECOBIS gezielt Antworten auf Fragestellungen baustoffrelevanter Steckbriefe. Durch die Bündelung von Aspekten z.B. bzgl. der Risiken für die lokale Umwelt, Fragen zur Innenraumhygiene und der Thematik Rückbau, Trennung, Verwertung gibt WECOBIS gezielte Hilfestellung bei der Einordnung einzelner Baustoffe. Tiefergehende Informationen finden sich über die Verknüpfungen in den jeweiligen Datenblättern. |
BNB-Kriterium BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau)
Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_1.1.6 verfolgt? Inhalt aufklappen | |
BNB-Kriterium BN_1.1.6 zielt auf die Reduzierung bzw. Vermeidung von Stoffen und Produkten beim Neubau, die aufgrund ihrer stofflichen Eigenschaften oder Rezepturbestandteile ein Risikopotenzial für Grundwasser, Oberflächenwasser, Boden und Luft (auch Innenraumluft) enthalten. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 5 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung der Substitution eines Stoffes. Für den Umgang mit Materialien im Bestand und deren Einordnung ist Kriteriensteckbrief BK_1.1.6. heranzuziehen. |
Einordnung der Mineralwolle-Dämmstoffe:
Für die Bewertung nach Kriterium BNB_BN_1.1.6 (Version V 2014_1) werden sechs potenzielle Schadstoffgruppen betrachtet. Für die Einordnung der Mineralwolle-Dämmstoffe gemäß 1.1.6 sind die hervorgehobenen Schadstoffgruppen 1 und 6 relevant:
1 Gefährliche und besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC)
2 Gefährliche Stoffe, die ausgelaugt werden können
3 Schwermetalle (bei Bodenbelägen als Stabilisatoren in Kunststoffen)
4 Flüchtige organische Verbindungen (VOC) einschließlich organische Lösemittel*
5 Halogenierte Kälte- und Treibmittel
6 Biozide
*Hinweis:
Für Dämmstoffe enthält Kriteriensteckbrief 1.1.6 derzeit nur im Rahmen allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassungen gestellte innenraumrelevante Anforderungen an bestimmte Bauproduktgruppen, weshalb die folgenden Anforderungen diesen Aspekt auch nur sehr begrenzt bzw. gar nicht abdecken. Das Fehlen solcher Anforderungen bedeutet nicht, dass diese bei Verwendung in Innenräumen nicht erforderlich sein könnten. Eine diesbezügliche Ergänzung ist in Arbeit.
Mineralwolle-Dämmstoffe werden in 1.1.6 derzeit über folgende Einsatzbereiche adressiert (s. BNB_BN_1.1.6 Anlage 1 / Allgemeine Anforderungsliste, Anlage 2 / Anforderungen an Einzelstoffe mit besonders besorgniserregenden Eigenschaften):
- Pos. 36 Vor-Ort verarbeitete Oberflächenbeschichtungen / Wärmedämmverbundsysteme / mineralische und nicht mineralische Außenwanddämmung
Im folgenden werden die Anforderungen bzw. Einschränkungen für die Verwendung von Mineralwolle-Dämmstoffen dargestellt. Die eigentlichen Anforderungen der genannten Position in Anlage 1 betreffen ggf. auch andere Dämmstoffmaterialien.
Qualitätsniveau (QN) | Anforderungen für Mineralwolle-Dämmstoffe in WDVS (gem. Pos.36) |
1 | Produktdokumentation1 incl. Deklaration von SVHC der Kandidatenliste > 0,1 Gew.-%
|
2 (zusätzlich zu QN1) | -- |
3 | Die Anforderungen hinsichtlich Bioziden und gefährlichen Stoffen des Labels DE-UZ 1402 (Blauer Engel - weil umweltgerechter Wärmeschutz) müssen erfüllt werden. |
4 (zusätzlich zu QN1) | |
5 (zusätzlich zu QN1) | |
Kommentierung | Es ist möglich3, mit entsprechenden Produkten aus der Gruppe der Mineralwolle-Dämmstoffe die Anforderungen bis einschließlich QN5 zu erfüllen. |
1 Die Produktdokumentation (z.B. über Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, Sicherheitsdatenblätter) ist die Mindestanforderung, die mindestens für alle durch BNB 1.1.6 betroffenen Produktgruppen erfüllt sein muss. Zusätzlich ist für alle diese Produktgruppen immer auch die Deklaration von SVHC der Kandidatenliste nach REACH (z.B. über Leistungserklärung, Herstellererklärung) erforderlich. Produktgruppenabhängig können auch noch andere Nachweise gefordert sein.
2 Sofern innerhalb der Qualitätsniveaus auf aggregierte Produktkennzeichnungen verwiesen wird (Emicode, Blauer Engel, etc.), ist es zulässig vergleichbare Nachweise (weitere Umweltzeichen, Angaben in Sicherheits- oder Produktdatenblätter etc.) heranzuziehen. Dabei bezieht sich die Vergleichbarkeit nur auf die Anforderungen hinsichtlich der jeweiligen zu betrachtenden Schadstoffgruppen.
3 Eine Aussage über die Marktverfügbarkeit kann hier nicht getroffen werden. Insbesondere da auch vergleichbare Nachweise z.B. zum geforderten Blauen Engel2 herangezogen werden können.
Planungs- und Ausschreibungshilfen mit Textbausteinen
Tabellarische Übersichten mit allen Einzelkriterien für Planung und Ausschreibung sind im neuen Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen unter "Dämmstoffe" zu finden. Die Tabellen dort enthalten auch detaillierte Informationen zu den Nachweismöglichkeiten (z.B. über andere Produktkennzeichnungen) und damit zur Prüfung der angebotenen Produkte. Außerdem finden sich dort auch die für die verschiedenen Qualitätsniveaus zugehörigen Textbausteine (auch als PDF-Download).
BNB-Kriterium BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)
Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BK_1.1.6 verfolgt? Inhalt aufklappen | |
Im Falle einer Sanierungsmaßnahme wird BN_1.1.6 ergänzt durch das BNB-Kriterium BK_1.1.6. Dieses zielt auf die Adressierung und Ausschleusung von Materialien in der bestehenden Bausubstanz, die ein Risikopotenzial für Mensch und Umwelt darstellen. Die Bewertung erfolgt anhand einer Einstufung der Baumaterialien in ein vorgegebenes Schadstoffkataster mit 14 Schadstoffgruppen aufgrund ihres Schädigungspotentials und der jeweiligen Sanierungsmaßnahmen. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 4 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung er Substitution eines Stoffes. Weitere Informationen zu den Einzelkriterien im Bestand siehe BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung). Für den Einbau von neuen Materialien gilt BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau). |
Nach TRGS 905 „Verzeichnis krebserzeugender, erbgutverändernder oder fortpflanzungsgefährdender Stoffe" sind die aus „alter" Mineralwolle freigesetzten Faserstäube als krebserzeugend zu bewerten.
Die Einordnung von Materialien im Bestand erfolgt in WECOBIS jeweils gesammelt für die ganze Obergruppe der Dämmstoffe. Detaillierte Informationen zu dieser Problematik siehe deshalb Dämmstoffe im Bestand.
BNB-Kriterium BN_3.1.3 - Innenraumhygiene
Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_3.1.3 verfolgt? Inhalt aufklappen | |
Ziel des BNB-Kriteriums 3.1.3 ist die Sicherstellung der Luftqualität im Innenraum unter hygienischen Gesichtspunkten, die zu keinen negativen Effekten hinsichtlich der Befindlichkeit der Raumnutzer führt, die hygienische Sicherheit garantiert und somit möglichst auch eine empfundene hohe olfaktorische Luftqualität gewährleistet. |
Einordnung der Mineralwolle-Dämmstoffe
Mineralwolle-Dämmstoffe enthalten als Bindemittel i.d.R. Formaldehydharze (Glaswolle 5-7 M-%, Steinwolle 1-3,5M-%). Formaldehydemissionen in den Innenraum können deshalb (abhängig von der Einbausituation) nicht ausgeschlossen werden. In Kombination mit anderen Emissionsquellen kann dies auch zu unerwünschten Ergebnissen von Raumluftmessungen beitragen.
Einige Hersteller produzieren bereits Mineralwolle-Dämmstoffe mit niedrigeren Anteilen an Formaldehydharzen bzw. ohne deren Einsatz als Bindemittel.
Informationen und Links zu Umweltzeichen für emissionsarme Produkte siehe Reiter Zeichen & Deklarationen
BNB-Kriterium BN_4.1.4 - Rückbau, Trennung, Verwertung
Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_4.1.4 verfolgt? Inhalt aufklappen | |
Im BNB Kriteriensteckbrief 4.1.4 werden Konstruktionen nach ihrer Rückbaubarkeit, Trennbarkeit und Verwertbarkeit eingestuft. |
Rückbaubarkeit
Für die Bewertung wirkt sich der Einsatz abfallarmer Konstruktionen, die die Möglichkeit eines sortenreines Rückbaus erlauben, günstig aus. Die Rückbaubarkeit beschreibt den Aufwand, der für Demontage oder Abbruch eines Bauteils aus dem Gebäudeverband nötig ist.
Die Rückbaubarkeit der Mineralwolle-Dämmstoffe wird in erster Linie durch die Einbausituation und erst in zweiter Linie durch die gewählte Befestigungsart beeinflusst. Am höchsten ist die Rückbaubarkeit für lose horizontal verlegte Dämmplatten, z. B. auf einem Warmdach. An der Fassade befestigte oder verklebte Dämstoffe können mit mittlerem bis hohem Aufwand entfernt werden.
Rückbaubarkeit | Geringer Rückbauaufwand => => => => => => => hoher Rückbauaufwand | ||
Konstruktionsweise | lose Verlegung | mechanische Fixierung | (vollflächige) Verklebung |
Blähperlit-Dämmstoffe | X | ||
Calciumsilikat-Dämmplatten | X | ||
Dämmstoffe mit Aerogelen | X | X | X |
Mineralwolle-Dämmstoffe | X | X | X |
Schaumglas-Dämmstoffe | X | ||
Vermiculite-Dämmstoffe | X | ||
Flachs/Hanf-Dämmstoffe | X | X | X |
Holzfaserdämmplatten | X | X | X |
Kork-Dämmstoffe | X | X | X |
Schafwolle-Dämmstoffe | X | X | |
Zellulose-Dämmstoffe | X | X | X |
Expandiertes Polystyrol (EPS) | X | X | X |
Extrudiertes Polystyrol (XPS) | X | X | X |
Polyurethan (PUR/PIR)-Spritzschaum | X | ||
Polyurethan-Hartschaum (PUR/PIR) | X | X | X |
Sortenreinheit
Beschreibt den Aufwand, der für die sortenreine Trennung mehrschichtiger und / oder inhomogener Bauteile anfällt.
Heute wird Mineralwolle in der Fassade oft auch in Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) eingesetzt. Dabei wird Mineralwolle mauerseitig verklebt und putzseitig mit einer Armierungsschicht bestehen aus einem Glasfasergewebe und einem Klebemörtel versehen. Als Folge davon lässt sich der Dämmstoff im Rückbau nur noch mangelhaft von diesen Schichten trennen. Bei anderen Anwendung wo die Dämmstoffplatten lose verlegt werden können, kann die Mineralwolle mit relativ geringem Aufwand sortenrein ausgebaut werden.
Verwertbarkeit
Für die Bewertung der Verwertbarkeit der Baustofffraktionen gelten die zur Zeit der Bewertung am Markt aktuell verfügbaren technischen Verfahren. Alternativ können bei Bauteilen mit langer zu erwartender Nutzungsdauer Forschungsvorhaben, die praktikable Lösungsmöglichkeiten in absehbarer Zeit zur Verfügung stellen können, positiv bewertet werden.
Sofern die Rückbaufähigkeit und die Sortenreinheit gegeben sind, können Mineralwolle-Dämmstoffe einer stofflichen Verwertung zugeführt werden. Allerdings setzt dies voraus, dass seitens des Herstellers ein Rücknahmesystem angeboten wird. Siehe auch Informationen unter dem Reiter Nachnutzung (Stoffliche Verwertung). Bei einer Deoponierung kann je nach Bindemittelgehalt eine thermische Vorbehandlung erforderlich sein.
Verwertungs-/ Beseitigungswege | Hochwertige Verwertung | Minderwertige Verwertung | Energetische Verwertung | Deponierung |
Blähperlit-Dämmstoffe | nicht möglich | möglich | nicht möglich | momentan der übliche Beseitigungsweg |
Calciumsilikat-Dämmplatten | nicht möglich | möglich | nicht möglich | momentan der übliche Beseitigungsweg |
Dämmstoffe mit Aerogelen | nicht möglich | nicht möglich | nicht möglich | momentan der übliche Beseitigungsweg |
Mineralwolle-Dämmstoffe | möglich | möglich | nicht möglich | möglich |
Schaumglas-Dämmstoffe | möglich | möglich | nicht möglich | möglich |
Vermiculite-Dämmstoffe | nicht möglich | möglich | nicht möglich | momentan der übliche Beseitigungsweg |
Flachs/Hanf-Dämmstoffe | nicht möglich | nicht möglich | momentan der übliche Beseitigungsweg | nicht zulässig |
Holzfaserdämmplatten | nicht möglich | nicht möglich | momentan der übliche Beseitigungsweg | nicht zulässig |
Kork-Dämmstoffe | nicht möglich | nicht möglich | momentan der übliche Beseitigungsweg | nicht zulässig |
Schafwolle-Dämmstoffe | möglich | möglich | momentan der übliche Beseitigungsweg | nicht zulässig |
Zellulose-Dämmstoffe | möglich | möglich | momentan der übliche Beseitigungsweg | nicht zulässig |
Expandiertes Polystyrol (EPS) | möglich | möglich | momentan der übliche Beseitigungsweg | nicht zulässig |
Extrudiertes Polystyrol (XPS) | nicht möglich | möglich | momentan der übliche Beseitigungsweg | nicht zulässig |
Polyurethan (PUR/PIR)-Spritzschaum | nicht möglich | nicht möglich | momentan der übliche Beseitigungsweg | nicht zulässig |
Polyurethan-Hartschaum (PUR/PIR) | nicht möglich | möglich | momentan der übliche Beseitigungsweg | nicht zulässig |
Hochwertige Verwertung | Die Produktgruppe wird zur Herstellung gleichwertiger Produkte als wesentlicher Bestandteil des Endprodukts eingesetzt. |
Minderwertige Verwertung | Die Produktgruppe wird zur Herstellung untergeordneter Produkte als wesentlicher Bestandteil des Endprodukts eingesetzt. |
Energetische Verwertung | Die Produktgruppe wird in einer Verbrennungsanlage energetisch verwertet. |
Deponierung | Die Produktgruppe wird ggf. nach thermischer Vorbehandlung deponiert |
Quellen
Kriteriensteckbrief 1.1.6 "Risiken für die lokale Umwelt", verwendete Version / Stand 28.09.2017:
BNB_BN_1.1.6 Version V 2015 (Textteil)
Anlage 1 / Übersichtstabelle aller Qualitätsanforderungen gemäß QN 1 bis 5 (sortiert nach Bauproduktgruppen)
Anlage 2 / Ergänzung zu Anlage 1: Einzelstoffe mit besonders besorgniserregenden Eigenschaften (nur zur Information)
Kriteriensteckbrief 3.1.3 "Innenraumlufthygiene", verwendete Version / Stand 01.03.2017: BNB_BN_3.1.3 Version V 2015
Kriteriensteckbrief 4.1.4 "Rückbau, Trennung und Verwertung", verwendete Version / Stand 01.03.2017: BNB_BN 4.1.4 Version V2015
Technisches
Technische Daten
Mineralwolle-Dämmstoffe / Glaswolle | |||||
Ausgewählte Produkte: 1) | Klemmfilz | Fassaden-dämmplatte | Trennwand-platte | Trittschall-dämmplatte | |
Technische Regeln | DIN EN 13162 | DIN EN 13162 | DIN EN 13162 | DIN EN 13162 | |
Rohdichte [kg/m³] | 15 - 20 | 25 | 15 | 70 | |
Druckspannung bei 10% Stauchung bzw. Druckfestigkeit [kPa] | k.A. | k.A. | k.A. | k.A. | |
Bemessungswert Wärmeleitfähigkeit λd [W/mK] (gemäß Anhang zu den Übereinstimmungszertifikaten) | 0,035 0,040 | 0,035 | 0,040 | 0,035 0,040 | |
Zuschlagsfaktor 2) bezogen auf: λd = 0,040 W/m²K λd = 0,035 W/m²K | 1 0,875 | 1 0,875 | 1 0,875 | 1 0875 | |
Wärmespeicherkapazität c [J/(kg*K)] | 840 | 840 | 840 | 840 | |
Richtwert der Dampfdiffusionswiderstandszahl μ nach DIN 4108-4 | 1 | 1 | 1 | 1 | |
Langzeitwasseraufnahme | - | 2 | - | - | |
Baustoffklasse nach DIN 4102 | A1 | A1 | A1 | A2 | |
Euroklasse nachDIN EN 13 501 | A1 | A1 | A1 | A2,s1,d0 | |
Beständigkeit | resistent gegen Verrottung, Ungeziefer, Pilzbefall | ||||
Anwendungsgebiete 5) | |||||
Zulassung für Gefährdungsklasse 0 nach DIN 68 800-2 | + | + | + | + | |
Decke, Dach nach DIN 4108-10 | DAD | - | - | - | - |
DAA | - | - | - | - | |
DUK | - | - | - | - | |
DZ | + | - | - | - | |
DI | - | - | + | - | |
DEO | - | - | - | - | |
DES | - | - | - | + (sh) | |
Wand nach DIN 4108-10 | WAB | - | + | - | - |
WAA | - | - | - | - | |
WAP | - | - | - | - | |
WZ | - | - | - | - | |
WH | + | - | - | - | |
WI | - | - | + (zk) | - | |
WTH | - | - | - | - | |
WTR | - | - | + | - | |
Perimeter nach DIN 4108-10 | PW | - | - | - | - |
PB | - | - | - | - |
Mineralwolle-Dämmstoffe / Steinwolle | |||||
Ausgewählte Produkte: 1) | Zwischensparren-Dämmung | Flachdach-platte | Außenwand-Dämmung für VHF | Außenwand-Dämmung für WDVS | |
Technische Regeln | DIN EN 13162 | DIN EN 13162 | DIN EN 13162 | DIN 4108-10 DIBt (ETAG 004) | |
Rohdichte [kg/m³] | 45 | 150 | 50 - 60 | 90 - 110 | |
Druckspannung bei 10% Stauchung bzw. Druckfestigkeit [kPa] | k.A. | k.A. | k.A. | k.A. | |
Bemessungswert Wärmeleitfähigkeit λd [W/mK] (gemäß Anhang zu den Übereinstimmungszertifikaten) | 0,035 | 0,040 | 0,035 | 0,035 | |
Zuschlagsfaktor 2) bezogen auf: λd = 0,040 W/m²K λd = 0,035 W/m²K | - 0,875 | 1 - | - 0,875 | - 0,875 | |
Wärmespeicherkapazität c [J/(kg*K)] | 840 | 840 | 840 | 840 | |
Richtwert der Dampfdiffusionswiderstandszahl μ nach DIN 4108-4 | 1 | 1 | 1 | 1 | |
Langzeitwasseraufnahme | - | 3 | 3 | 3 | |
Baustoffklasse nach DIN 4102 | A1 | A1 | A1 | A1 | |
Euroklasse nachDIN EN 13 501 | A1 | A1 | A1 | A1 | |
Beständigkeit | resistent gegen Verrottung, Ungeziefer, Pilzbefall | ||||
Anwendungsgebiete 5) | |||||
Zulassung für Gefährdungsklasse 0 nach DIN 68 800-2 | + | + | + | + | |
Decke, Dach nach DIN 4108-10 | DAD | - | - | - | - |
DAA | - | + (dm) | - | - | |
DUK | - | - | - | - | |
DZ | + | - | - | - | |
DI | - | - | - | - | |
DEO | - | - | - | - | |
DES | - | - | - | - | |
Wand nach DIN 4108-10 | WAB | - | - | + | - |
WAA | - | - | - | - | |
WAP | - | - | - | + | |
WZ | - | - | - | - | |
WH | + | - | - | - | |
WI | - | - | - | - | |
WTH | - | - | - | - | |
WTR | - | - | - | - | |
Perimeter nach DIN 4108-10 | PW | - | - | - | - |
PB | - | - | - | - |
Anmerkungen:
1) | Die angegebenen Werte gelten beispielhaft für einzelne Produkte und können herstellerbedingt differieren |
2) | Der Zuschlagsfaktor berücksichtigt die unterschiedliche Dämmleistung der einzelnen Dämmstoffe (= Bemessungswert für die Wärmeleitfähigkeit). Ein Dämmstoff A mit λD = 0,03 (W/mK) erbringt z.B. mit einer Dicke von 75mm die gleiche Dämmleistung wie ein Dämmstoff B mit λD = 0,04 (W/mK) und einer Dicke von 100mm. Der Zuschlagsfaktor beträgt in diesem Beispiel 0,75. Will man z.B. den Primärenergieaufwand für zwei unterschiedliche Dämmstoffarten vergleichen, muss diesem Sachverhalt Rechnung getragen werden. Hat z.B. Dämmstoff A mit λD = 0,03 (W/mK) einen Primärenergieaufwand von 3.500 MJ/m³ und Dämmstoff B mit λD = 0,04 (W/mK) einen Primärenergieaufwand von 2.900 MJ/m³, muss für Dämmstoff A 3.500*0,75 = 2.650 MJ/m³ mit 2.900 MJ/m³ für Dämmstoff B verglichen werden. |
5) | Die angegebenen Anwendungsgebiete gelten für die ausgewählten Produkte und nicht für die gesamte Produktgruppe (dazu siehe Anwendungsbereiche Dämmstoffe incl. Erläuterung der Kurzzeichen) |
Technische Regeln (DIN, EN)
DIN EN 13 162 Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus Mineralwolle (MW)
CE-Zeichen
seit März 2003
Literaturtipps
Kluger, N.; Wolf im Schafspelz; BG Bau aktuell 2_2008
Abfallratgeber Bayern; Künstliche Mineralfasern KMR; Februar 2008 (Download)
Pfundstein, M; Gellert, R.; Spitzner, M.H.; Rudolphi, A.; Detail Praxis / Dämmstoffe – Grundlagen, Materialien, Anwendungen; 2007;Institut für internationale Architektur-Dokumentation GmbH & Co. KG; München
Zwiener, G.; Mötzl, H.; Ökologisches Baustoff-Lexikon; 2006; C.F. Müller Verlag; Heidelberg
Steimle, P.; Energieeffizientes Bauen – Wärmedämmung ist der erste Schritt, Dämmstoffe im Überblick; 2004; GDI – Gesamtverband Dämmstoffindustrie; Frankfurt (Download)
KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung; Informationsbroschüre „Umweltverträglichkeit von Gebäudedämmstoffen“;06/2003; Ministerium für Umwelt, Natur und Forsten des Landes Schleswig-Holstein, Kiel
Rohstoffe / Ausgangsstoffe
Hauptbestandteile
Glaswolle: | Steinwolle: | |
Basismaterial: | 23-45 M-% Fäden aus Borosilikatglas (65% Quarzsand, Soda, Dolomit, Kalkstein, Borax, Feldspat, Natriumsulfat) siehe Basisgläser | 40-50 M-% Fäden aus Gesteinen: Diabas oder Basalt + Dolomit, Kalkstein, Zement, Koks |
Rezyklat / Verwertung von Produktionsabfällen: | 50-70 M-% Altglas und Faserabfälle aus der Besäumung der Dämmstoffe, Produktionsabfälle aus Filtern, Glasbruch (Scherben aus eig. Produktion) | 45-60 M-% Formsteine aus Zerfaserungsabfällen, div. Wolle-Abfällen und Aschen, Zement, Korrekturstoffen |
Bindemittel: | 5-7 M-% Phenol-Formaldehyd- + Harnstoff-Formaldehydharze. Gesteppte Matten enthalten kein Bindemittel. | 1 – 3,5 M-% harnstoffmodifizierte Phenol-Formaldehydharze mit Ammoniakzusatz |
Staubbindung / ggf. Hydrophobierung: | aliphatsche Mineralöle / ggf. Silikonöle | |
Kaschierung: | z.B. Alufolie, Glasvlies, Kraftpapiere |
Umwelt- und Gesundheitsrelevanz
Gewinnung der Primärrohstoffe
Mineralwolle-Dämmstoffe werden überwiegend aus mineralischen Rohstoffen hergestellt, die in Deutschland noch flächendeckend und ausreichend vorhanden sind. Die Gewinnung der mineralischen Rohstoffe erfolgt hauptsächlich im Tagebau. Damit verbunden sind Umweltbelastungen durch Eingriffe in Natur und Landschaft.
Zur Herstellung von Soda siehe Basisgläser.
Verwendung von Recyclingmaterialien / Produktionsabfällen
Bei der Herstellung von Glaswolle können bis zu 60% des Hauptbestandteils Borosilikatglas durch Altglas, Faserabfälle aus der Besäumung der Dämmstoffe, Produktionsabfälle aus Filtern oder Glasbruch (Scherben aus eig. Produktion) ersetzt werden. Dadurch werden Rohstoffe und in gewissem Umfang Wärmeenergie im Schmelzprozess gespart.
Bei der Herstellung von Steinwolle werden bis zu 60% des Hauptbestandteils Gesteine durch zementgebundene Formsteine aus den während der Steinwollefertigung anfallenden Produktionsreststoffen (Schlacken, Wollverschnitt, Aschen) sowie Baustellenverschnitt und weiteren Korrekturstoffen zum Einstellen der definierten Schmelzezusammensetzung und –viskosität ersetzt.
Herstellung
Prozesskette
Steinwolle-Dämmstoffe
Glasfaser-Dämmstoffe
Herstellungsprozess
Die Rohstoffe werden gemischt, bei 1200°C - 1400°C geschmolzen und durch feine Düsen geblasen, geschleudert oder gezogen (Zerfaserung). Im Moment der Faserbildung wird das in Wasser gelöste Bindemittel (Kunstharzgemisch), die Mineralöle und ggf. Silikonemulsionen in den Faserstrom eingesprüht. Der dabei schlagartig entstehende Wasserdampf entzieht der Schmelze soviel Energie, dass diese durch die rasche Abkühlung glasig erstarrt. Die Gespinstwolle wird anschließend in einem Härteofen ausgehärtet. Beim Aushärten vernetzen die Kunstharze zu Duroplasten. Ggf. folgt das Aufbringen von Kaschierungen bevor die Matten mittels Sägen in Form gebracht werden.
Aus 1m3 Rohstoff werden dabei beispielsweise ca. 100m3 Steinwolle gewonnen.
Umweltindikatoren / Herstellung
Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren (z.B. Primärenergieaufwand, Treibhauspotential) liefert die Datenbank ÖKOBAUDAT des Informationsportals Nachhaltiges Bauen. Die ÖKOBAUDAT stellt Umweltprofile für Bauprodukte bereit, die als erforderliche Datengrundlage für die Ökobilanzierung (Lebenszyklusanalyse) von Gebäuden eingesetzt werden. Für Bauprodukte gibt es Herstellungs- und End-of-Live-Datensätze. → Datenbank der ÖKOBAUDAT
In der Herstellung von Bauprodukten ist ein großer Anteil der verursachten Umweltbelastungen auf den Verbrauch von nicht erneuerbaren Energieträgern zurückzuführen. Der in den Datensätzen geführte "kumulierte Primärenergieaufwand nicht erneuerbar" (Graue Energie, PENRT) ist daher ein wichtiger Umweltindikator für den Ressourcenverbrauch und i.d.R. gleichgerichtet mit dem Treibhauspotential (GWP), einem wichtigen Indikator der Umwelt(aus)wirkungen.
Informationen zu ÖKOBAUDAT-Datensätzen im Zusammenhang mit dieser Produktgruppe finden sich in WECOBIS unter Fachinformationen / Reiter Zeichen & Deklarationen → Übersicht Umweltdeklarationen / Umweltindikatoren.
Energieaufwand
Wegen der hohen erforderlichen Temperaturen ist ein hoher Energiebedarf für die Schmelze notwendig. Dieser dominiert die Produkt-Ökobilanz der Glas- und Steinwolle. Bei Glaswolle kommen merkliche Anteile aus der Sodaherstellung hinzu. Über den Lebenszyklus dominiert hingegen der Einspareffekt an Energie in mit Mineralwolle beheizten Gebäuden bei weitem den Herstellenergieaufwand.
Graue Energie
Glaswolle: 41 MJ/kg (= 492-3.280 MJ/m³)
(50-70% Altglas, Rohdichte 12-80 kg/m³)
Steinwolle: 15,7 MJ/kg (= 471-1.727 MJ/m³)
(Rohdichte 30-110 kg/m³)
Werte für Platten, Produktion CH (Rohstoffe importiert). Der Schmelzprozess wird in der Schweiz mit Strom durchgeführt. Aufgrund des geringen Wirkungsgrades des elektrischen Stroms führt dies zusammen mit anderen Faktoren zu einem vergleichsweise hohen Wert der Grauen Energie.
Quelle:
Büro für Umweltchemie (Hrsg.); Graue Energie von Baustoffen; 1998; Zürich
Verarbeitung
Arbeitshygienische Risiken
Allgemeines
Bei der Herstellung und Verarbeitung von KMF können lungengängige Fasern freigesetzt werden. Im Gegensatz zu Asbestfasern tritt bei künstlichen Mineralfasern keine Längsspaltung der Fasern auf, Brüche erfolgen nur quer zur Längsachse.
Umgang mit künstlichen Mineralfasern nach derzeitiger Gesetzeslage
Verwendung von neuen Produkten mit einem KI >= 40 oder einer Faserhalbwertszeit | |
TRGS 500 Schutzmaßnahmen: | Für den Umgang sind die Arbeitsschutzmaßnahmen TRGS 500 "Schutzmaßnahmen" zu beachten. Durch gröbere Fasern bzw. Faserbruchstücke kann es zu mechanischer Einwirkung (Jucken) auf die Haut, die oberen Atemwege und die Augen kommen. |
Arbeitsplatzgrenzwert AGW (früher MAK-Wert): | Allgemeiner Staub-Grenzwert A-Staub: 3 mg/m³ (Alveolengängige Fraktion, früher: Feinstaub) E-Staub: 10 mg/m³ (Einatembare Fraktion, früher: Gesamtstaub) |
Stoff-/Produktgruppen GISBAU: | Mineralwolle-Dämmstoffe (Faserstäube frei von Krebsverdacht) |
Voraussetzungen sind bei Produkten mit dem
| |
Verwendung von neuen Produkten mit einem KI < 40 oder einer | |
Verwendung von Produkten unbekannter Einstufung | |
Umgang mit eingebauten Mineralwolle-Produkten: | |
TRGS 521, 4 Schutzmaßnahmen Umgang mit eingebauten Mineralwolle-Produkten: | Beim Umgang mit eingebauten Mineralwolle-Produkten liegen i.d.R. keine Unterlagen darüber vor, wie die Produkte einzustufen sind und welche Faserkonzentrationen dabei auftreten werden. Ist die Einstufung nicht bekannt, ist von kanzerogenen Faserstäuben der Kategorie K2 auszugehen. Bei zerstörungsfreiem Ausbau gilt Abschnitt 4 der TRGS 521 mit der Auflistung von Tätigkeiten, zugeordneten Expositionskategorien 1 - 3 und Arbeitsschutzmaßnahmen. |
Stoff-/ Produktgruppen GISBAU : | Mineralwolle-Dämmstoffe (Faserstäube krebserzeugend) |
Umgang mit eingebauten Mineralwolle-Produkten: | |
Der nicht zerstörungsfreie Ausbau widerspricht dem allgemeinen Minimierungsgebot der GefstoffV, weshalb entsprechende Arbeiten auf Ausnahmefälle beschränkt bleiben müssen und vorrangig die Demontage der faserhaltigen Produkte geprüft werden muss. |
Literatur:
- TRGS 521 Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten mit alter Mineralwolle (Download)
- TRGS 500 Schutzmaßnahmen (Download)
- Umgang mit Mineralwolle-Dämmstoffen (Glaswolle, Steinwolle) / Handlungsanleitung, BG BAU, 09/2008 (Download)
Entwicklung der Bewertung des Krebsrisikos durch künstliche Mineralfasern und deren Verbesserungen
1980 | Einstufung der künstlichen Mineralfasern in Gruppe III B der MAK-Werte-Liste der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) als "möglicherweise krebserzeugend". |
1993 | Erstmalige Festlegung einer Technischen Richtkonzentration als Grenzwert für lungengängige Fasern (Fasern "kritischer Abmessung") = WHO-Fasern: |
Definition: | WHO-Fasern: |
Grenzwert: | TRK-Wert "> TRK-Wert 500.000 Fasern / m³ |
Mai 1994 | Neues Bewertungsschema vom Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) zur Einstufung von lungengängigen Fasern, veröffentlicht in der TRGS 905: |
Bewertung der lungengängigen Fasern nach TRGS 905 über die Berechnung des Kanzerogenitätsindex KI: | |
Bewertung: | KI >= 40 = frei von Krebsverdacht, keine Einstufung KI > 30 und < 40 = krebsverdächtig EG-Kategorie K3 gemäß GefstoffV KI < 30 = krebserzeugend EG-Kategorie K2 gemäß GefstoffV |
oder: | |
1995 | Hersteller von KMF-Dämmstoffen entwickelten daraufhin neue Fasern, die als "KI-40 Mineralwolle" oder Mineralwolle "mit guter Biolöslichkeit" auf den Markt kamen. |
Okt. 1996 Umgang mit Faserstäuben | TRGS 521 "Faserstäube" Konkretisierung der Umgangsbestimmungen mit künstlichen Mineralfasern, Einstufung und Bewertung über KI oder durch Nachweis gemäß TRGS 905. |
Nov. 1997 | EG-Richtlinie zur Einstufung künstlicher Mineralfasern gegen das Votum Deutschlands mit Freizeichnungskriterien, die eine Verschlechterung des bereits bestehenden Schutzniveaus in Deutschland befürchten lassen. |
Juli 1998 rechtsverbindliche Verordnung zum Umgang mit krebserzeugenden Faserstäuben | Die Bundesregierung lehnt die EU-Einstufung ab und ergänzt die GefstoffV "> GefstoffV durch die Dritte Änderungsverordnung mit Anhang V Nr.7. Die Änderungsverordnung gilt ausschließlich für den Umgang mit künstlichen Mineralfasern, wenn dabei lungengängige Fasern freigesetzt werden können und nicht anhand eines der genannten Einstufungs-/ Freizeichnungskriterien nachgewiesen ist, dass die Fasern keine krebserzeugende Wirkung besitzen: |
Einstufung | Freizeichnungskriterien gemäß Anhang V Nr. 7.1 GefstoffV |
Ein geeigneter Intraperitonaltest hat keine Anzeichen von übermäßiger Kanzerogenität zum Ausdruck gebracht. Nach Biobeständigkeitsuntersuchungen mit WHO-Fasern beträgt die Halbwertszeit Der Kanzerogenitätsindex KI ist >= 40 | |
Okt. 1998 | Anlage 4 zur TRGS 521 zum Umgang mit eingebauten Mineralwolle-Produkten der Einstufung K2 oder K3: Tätigkeitsauflistung mit Zuordnung von Schutzstufen und Arbeitsschutzmaßnahmen (Geltungsbereich Montage/Demontage = zerstörungsfreier Ausbau) |
April 1999 Kennzeichnung | Aufnahme des Gütezeichens "Erzeugnisse aus Mineralwolle" (Faserstäube frei von Krebsverdacht nach GefstoffV Anhang V Nr.7) in die RAL-Gütezeichenliste unter der Reg.Nr. RAL-GZ 388. |
01.06.2000 | KMF-Verbotsverordnung für Erzeugnisse aus Mineralwolle, die keines der Einstufungskriterien gemäß GefstoffV Anhang V Nr.7 erfüllen. |
Mai 2002 | TRGS 521 zur Anpassung an Anhang 5 Nr.7 GefstoffV, in Zweifelsfällen gilt vorrangig die GefstoffV. |
Nutzung
Umwelt- und Gesundheitsrisiken bei bestimmungsgemäßer Nutzung
Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum
Die Faserstaubbelastung in Gebäuden während der Nutzung war Gegenstand einer Untersuchung eines Arbeitskreises, der auf Initiative des Umweltbundesamtes und des ehem. Bundesgesundheitsamtes gegründet wurde. Als Ergebnis dieser 1994 veröffentlichten Studie, bei der 24 Objekte untersucht wurden, kann festgehalten werden, dass sich die Faserstaubbelastung bei ordnungsgemäßer Verbauung von Mineralwolle-Dämmstoffen (dichte Dampfsperre, dichte Verkleidung z.B. Gipskartonplatten) gegenüber der "natürlichen Faserbelastung" nicht erhöht. Die Außen- und Innenluft enthält immer einen Anteil natürlicher oder künstlicher Fasern aus Gips, Kunststoff, Textil, Zellulose oder Gesteinen.
Eine mäßige Erhöhung der Faserkonzentration wurde beobachtet, wenn die Mineralwolleerzeugnisse im Luftaustausch mit dem Innenraum stehen.
Deutlich erhöhte Faserkonzentrationen wurden dagegen bei bautechnischen Mängeln und bei offenen Konstruktionen, z.B. offenen Akustikdecken ohne dichten Rieselschutz, festgestellt. Die Faserstaubkonzentrationen betrugen dabei einige Tausend Fasern pro m³, sind jedoch um Größenordnungen geringer als die Konzentrationen von u.U. einigen hunderttausend Fasern beim Ein- oder Ausbau.
Aus einer gemeinsamen Stellungnahme von ehem. Bundesgesundheitsamt, Umweltbundesamt und Bundesanstalt für Arbeitsschutz zur Innenraumbelastung durch KMF:
"Von Rausreiß- und Entsorgungsaktionen der bereits eingebauten Materialien ist i.d.R. dringend abzuraten. Eine Sanierung dürfte nur in Fällen sinnvoll sein, bei denen ungünstige Umstände zusammenkommen."
Allerdings sollte ein ungenügender Rieselschutz z.B. von Akustikdecken umgehend instandgesetzt werden, um die Faserbelastung zu reduzieren.
Das Verwendungsverbot nach Anhang IV Nr. 22 der GefStoffV beinhaltet kein Gebot, bereits vorhandene Dämmungen aus alter Mineralwolle zu entfernen.
Schadstoffabgabe / Emissionen in den Außenraum
Gefährdungen für Wasser, Luft und Boden aus eingebauten Mineralwolle-Dämmstoffen sind nach heutigem Kenntnisstand nicht zu erwarten.
Umwelt- und Gesundheitsrisiken im Schadensfall
Brandfall
Bei Temperaturen über 200°C beginnt der Abbau der Phenolharzbindung. Mit Formaldehyddämpfen und in der Folge mit dem Auftreten von Reizerscheinungen ist zu rechnen. Die Rauchentwicklung ist sehr gering.
Wassereinwirkung
Feuchteeinwirkung verschlechtert die Dämmeigenschaften. Nach lang anhaltender Wassereinwirkung ist der Dämmstoff auszutauschen.
Beständigkeit Nutzungszustand
Unter der Rubrik Baustoff- und Gebäudedaten / Nutzungsdauern von Bauteilen findet sich auf dem Informationsportal Nachhaltiges Bauen eine Datenbank mit Nutzungsdauerangaben von ausgewählten Bauteilen des Hochbaus für den Leitfaden „Nachhaltiges Bauen“.
Nachnutzung
Umwelt- und Gesundheitsrisiko Rückbau
Zum Umgang mit eingebauten Mineralwolle-Dämmstoffen bzw. zerstörungsfreiem und nicht zerstörungsfreiem Ausbau siehe oben Umgang mit künstlichen Mineralfasern.
Mineralwolle-Dämmstoffe, die nach dem 01.06.2000 (Inkrafttreten der KMF-Verbotsverordnung) gekauft wurden, werden als nicht krebserzeugend und damit nicht gefährlicher Abfall eingestuft.
Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass auch in jüngster Zeit „ältere“ KMF-Materialien (z.B. Lagerreste) verbraucht wurden und in anderen europäischen Staaten noch Produkte der „älteren Generation“ mit Absatzmarkt außerhalb der EU gefertigt werden.
Mineralwolle-Dämmstoffe, die vor dem 01.06.2000 gekauft wurden sind als krebserzeugend und damit als gefährlicher Abfall einzustufen, sofern nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden kann, dass es sich um eine nicht krebserzeugende Mineralwolle handelt (z.B. RAL-Gütezeichen seit 1999).
Arbeitsschutzmaßnahmen entsprechend den Expositionkategorien nach TRGS 521 Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten mit alter Mineralwolle sind einzuhalten.
Gefährliche Faserstäube dürfen gemäß TRGS 521 grundsätzlich nicht freigesetzt werden, soweit dies nach dem Stand der Technik vermeidbar ist. Die Arbeitsverfahren und Geräte müssen daher ein staubarmes Entfernen gewährleisten. Abfall, Verschnitt und lose Verpackungen sollen sofort in geeigneten Behältnissen gesammelt werden. Die Behältnisse sind entweder mit einer Kennzeichnung zu versehen oder die entsprechenden Informationen müssen gemäß TRGS 201 an den Entsorger/Verwerter übermittelt werden.
Genaue Erläuterung zu Arbeitsschutzmaßnahmen und Vorgehensweise bei der Entsorgung
Siehe Stoff-/Produktgruppen GISBAU: Mineralwolle-Dämmstoffe (Faserstäube krebserzeugend)
Das Verwendungsverbot nach Anhang IV Nr. 22 der GefStoffV beinhaltet kein Gebot, bereits vorhandene Dämmungen aus alter Mineralwolle zu entfernen.
Wiederverwendung
Eine Wiederverwendung neuer Mineralwolle-Dämmstoffe ist bei zerstörungsfreiem Ausbau theoretisch möglich.
Stoffliche Verwertung
Sortenreine KMF-Abfälle (Verschnitte, Produktionsreste) werden von den Herstellern zur Verwertung angenommen und dem Herstellungsprozess wieder zugeführt.
Eine Firma in Hessen bietet ein auch vom Landesamt für Umweltschutz anerkanntes stoffliches Verwertungsverfahren für KMF an. Bei dem Verfahren wird ein Porosierungsmittel gewonnnen, das als Zusatzmittel bei der Ziegelherstellung Verwendung findet.
Ein Dämmstoff-Recycling aus Baustellen- bzw. Bauabbruchabfällen wird derzeit nur für Steinwolle angeboten. Ein Hersteller bietet einen Abfallrücknahme-Service für sortenreine Steinwolleabfälle aus Baustellenverschnitt und aus der Flachdachsanierung („Alt gegen Neu“) unabhängig von Alter oder Hersteller der ausgebauten Steinwolleprodukte an.
Die Abtrennung von Kaschierungen ist unter Berücksichtigung der Faserfreisetzung derzeit nur unter hohem Aufwand durchführbar, der in der Regel gegenüber dem erzielten Nutzen unverhältnismäßig ist. Entsprechende Verwertungsanlagen, die z. B. auf eine stoffliche Verwertung der Aluminiumfolien abzielen, sind derzeit nicht bekannt.
Energetische Verwertung
nicht möglich (Heizwert: 0 MJ/kg)
Beseitigung / Verhalten auf der Deponie
Steinwolle-Dämmstoffe können aufgrund des geringeren organischen Anteils i.d.R. ohne weitere Behandlung auf Deponieklasse I+II (Zuordnungwerte Nr. 2) abgelagert werden. In den meisten Fällen wird für Glaswolle-Dämmstoffe trotz der höheren Werte derzeit noch kein Unterschied gemacht, da die duroplastischen Bindemittel der Mineralfaser-Dämmstoffe auch bei erhöhten Temperaturen auf der Deponie nur sehr zögernd reagieren.
Eine Deponierung von Glaswolle-Dämmstoffen mit einem höheren Bindemittelgehalt ist nicht ohne vorherige thermische Behandlung zur Reduzierung des organischen Anteils möglich (siehe Beseitigung).
Für die Ablagerung von Mineralwolle-Abfällen, deren kanzerogenes Potential nicht sicher ausgeschlossen werden kann, gelten umfangreiche Maßnahmen, um einen emissionsarmen Einbau in die Deponie bzw. eine emissionsarme Übernahme an der Abfallbehandlungsanlage zu gewährleisten. Die Deponiebetreiber haben für die Verbringung jeweils Verfahrensvorschriften erlassen. I.d.R. werden alte mineralische Dämmstoffe ohne Nachweise als gefährlich eingestuft und es sind geschlossene Säcke vorgeschrieben. KMF, die gegenüber dem Deponie- oder Anlagenbetreiber nachweislich als nicht krebserzeugend eingestuft werden, insbesondere neuere KMF aus dem kontrollierten Rückbau, Verschnitte etc., KMF mit dem RAL-Gütezeichen, werden als nicht gefährlich eingestuft.
EAK-Abfallschlüssel
10 11 | Abfälle aus der Herstellung von Glas und Glaserzeugnissen |
10 11 03 | Glasfaserabfall |
17 | Bau- und Abbruchabfälle |
17 06 04 | Dämmmaterial mit Ausnahme desjenigen, das unter 17 06 01 und 17 06 03 fällt |
17 06 03* | Mineralwolle-Abfälle / Faserstäube krebserzeugend anderes Dämmmaterial, das aus gefährlichen Stoffen besteht oder solche Stoffe enthält |
siehe auch Lexikon / Abfallschlüssel