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Begriffsdefinition

Mitteldichte und hochdichte Faserplatten (MDF = medium density fibre board, ca. 800 kg/m3; HDF = high density fibre board, ab 900 kg/m3) sind im Trockenverfahren hergestellte Holzwerkstoffe auf Basis von Holzfasern, Harnstoff (Urea) Formaldehyd Bindemitteln und weiteren Zusätzen.

Wesentliche Bestandteile

MDF und HDF bestehen aus Holzfasern, die aus Rundholz (Stammholz), Hackschnitzel und Schwarten hergestellt werden. Zumeist wird 100 % Frischholz eingesetzt, das mit Melamin-Urea-Formaldehyd (MUF) und einem entsprechenden Härter (0,5 bis 4% bezogen auf dem Leimharzanteil), meist Ammoniumsalze wie Ammoniumnitrat verklebt wird. 

Die Produkteigenschaften können durch Veränderung der Bindemittelzusammensetzung oder durch Zusätze wie Flammschutzmittel (Ammoniumphosphat), Holzschutzmittel oder Hydrophobierungsmittel (Paraffine) optimiert werden. MDF und HDF können direkt lackiert, mit Folien beklebt oder pulverbeschichtet werden.

Charakteristik

Aufgrund ihres homogenen Aufbaues sind MD optimal zu sägen, bohren und profilieren. Die dichte und harte Oberfläche lässt sich sehr gut durch z. B. Fräsen bearbeiten und direkt beschichten. 

Besonders wichtige Eigenschaft hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Der gegenüber der Spanplattenherstellung erhöhte Energiebedarf geht zunächst auf die höheren Klebstoffanteile (ca. 13 % bei HDF/MDF, ca. 8,5 % bei Spanplatte) zurück. Zudem wird der Rohstoff gekocht und anschließend im "Refiner" (Zerfaserer) zerkleinert. Dieser Vorgang ist sehr energieintensiv (Rüter & Diederichs 2012).

Lieferzustand

MDF und HDF werden laut dataholz.eu typischerweise in folgenden Dimensionen geliefert:

MDF

  • Breite: 675 - 2800 mm
  • Dicke: 13 mm, 15 mm, 2 - 45 mm sind möglich
  • Länge: 2500 - 2800 mm

HDF

  • Breite: 1250 mm
  • Dicke: 3,2 - 8 mm 
  • Länge: 2500 mmWeitere Formate und Sonderqualitäten sind (auf Anfrage) verfügbar.

Anwendungsbereiche (Besonderheiten)

MDF- und HDF-Platten eignen sich sehr gut für nichttragende und tragende Zwecke im Innen- und im Dachausbau. 

  • Möbelbau (CNC-Technik)
  • Im Feuchtbereich verwendbar
  • im Feuchtbereich für tragende Anwendungen
  • als Trägerschicht, Mittellage bei der Laminat- und Mehrschichtparkettproduktion

Bundesbildungszentrum des Zimmerer- und Ausbaugewerbes (Hrsg.): Grundwissen moderner Holzbau – Praxishandbuch für Zimmerer. 5. Auflage. Köln: RM Rudolf Müller Medien GmbH & Co. KG, 2022

Holz Lexikon 2003: DRW-Verlag Weinbrenner GmbH & Co., Leinefelden Echterdingen. ISBN 3-87181-355-9.

Informationsdienst Holz: Bauen und Leben mit Holz, Spezial März 2013, DHWR Deutscher Holzwirtschaftsrat e.V. (Hrsg), (Online-Quelle)

www.dataholz.eu

Rüter, S; Diederichs, S:2012, Ökobilanz Basisdaten für Bauprodukte aus Holz, Hamburg, Johann Heinrich von Thünen Institut, Institut für Holztechnologie und Holzbiologie, Abschlussbericht.

Wagenführ, A.; Kürschner, M. (Hrsg.): Taschenbuch der Holztechnik. 1. Auflage. München: Carl Hanser Verlag, 2012

 

Übersicht aktualisiert 2026
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Risikobetrachtung Lebenszyklusphasen

 

 

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Umweltdeklarationen

 

 

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Bewertungssystem

 

 

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Technisches

 

 

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Technische Daten

MDF und HDF haben für Holzwerkstoffe verhältnismäßig hohe Biege- und Zugfestigkeiten, wobei HDF besonders da zum Einsatz kommt (z. B. als Trägermaterial) wo besonders hohe Belastungen auftreten und gleichzeitig geringe Materialstärke gefordert ist.

Rohdichte

Laut den Umweltproduktdeklarationen des VHI (IBU 2013) liegen die durchschnittlichen Rohdichten für HDF und MDF bei 850 bzw. 738 [kg/m³].

Wärmeleitfähigkeit

Die Wärmeleitfähigkeit des Holzes ist abhängig von der Richtung, der Rohdichte und der Feuchte. In Faserrichtung ist sie ca. doppelt so hoch wie quer dazu und steigt in beiden Richtungen mit zunehmender Rohdichte an. Bei gleicher Rohdichte ist die Wärmeleitfähigkeit von Vollholz höher als die von Span- und Faserplatten.

Nach DINV 4108-4 liegt der tabellierte Rechenwert der Wärmeleitfähigkeit für harte Faserplatte bei 0,17 [W/m*K].

Wärmespeicherkapazität

Leitwert: ca. 1700 [J/kg*K]

Die angegebene Wärmespeicherkapazität bezieht sich auf einen Feuchtegehalt von 15%. Die Wärmespeicherkapazität variiert mit der Art des Bindemittels.

Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl

von 5 bis 20

Info: Der Wasserdampfdiffusionswiderstand ist dimensionslos und stark vom Feuchtegehalt abhängig. Die angegebenen Werte sind der DIN EN 12524 entnommen.

Baustoffklasse nach DIN 4102-1

MDF und HDF sind der Brandklasse B2, d.h. normalentflammbar zugeordnet.

Euroklasse nach DIN EN 13501-1

MDF und HDF sind der Brandklasse D-d0 zugeordnet.

Färbung

Braun-weiß

Beständigkeit

Die Beständigkeit im Nutzungszustand ist von den Anwendungsklassen abhängig.

Weitere wichtige Kennwerte für Holzwerkstoffe

Biegefestigkeit

Hierbei handelt es sich um die zum Bruch einer Probe führende Biegespannung.

Die Biegefestigkeiten von MDF und HDF nach EN 310 liegen zwischen 8 und 44 N/mm².

Elastizitätsmodul (E-Modul)

Der E-Modul ist ein Maß für die Verformungssteifigkeit eines Körpers oder Stoffes bei mechanischer Beanspruchung im elastischen Bereich.

Der E-Modul von MDF und HDF (Biegung) liegt nach EN 310 liegt zwischen 1600 und 4500 N/mm².

Querzugfestigkeit

Die Querzugfestigkeit ist die zum Bruch führende Spannung im Zugversuch quer zur Plattenoberfläche bezogen auf die Fläche.

Die Anforderung an die Zugfestigkeit quer zur Plattenebene beträgt nach EN 319 je nach Anwendungsklasse zwischen 0,3 und 0,4 N/mm².

Referenz

Technische Regeln (DIN, EN)

Nutzungsklasse nach DIN EN 1995

MDF und HDF können nach DIN EN 1995 (Eurocode 5) Bemessung und Konstruktion von Holzbauten, Teil 1-1 Allgemeine Regeln und Regeln für den Hochbau, in den Nutzungsklassen 1 und 2 verwendet werden.

Nutzungsklasse (NK)
Klimabedingungen Anwendungsbereiche
Feuchte [u]

1

Die Nutzungsklasse 1 ist gekenn­zeichnet durch einen Feuchtegehalt in den Baustoffen, der einer Tem­peratur von 20 °C und einer re­la­ti­ven Luftfeuchte der umgebenden Luft entspricht, die nur für einige Wochen pro Jahr einen Wert von 65 % übersteigt.

ANMERKUNG: In Nutzungsklasse 1 übersteigt der mittlere Feuchtegehalt der meisten Nadelhölzer nicht 12 %.

z. B. in allseitig geschlossenen und beheizten Bauwerken 5 - 15 %

2

Die Nutzungsklasse 2 ist ge­kennzeichnet durch einen Feuchte­gehalt in den Baustoffen, der einer Temperatur von 20 °C und einer re­lativen Luftfeuchte der um­ge­ben­den Luft entspricht, die nur für einige Wochen pro Jahr einen Wert von 85 % übersteigt.

ANMERKUNG In Nutzungsklasse 2 übersteigt der mittlere Feuchte­gehalt der meisten Nadelhölzer nicht 20 %.

z. B. bei überdachten offenen Bauwerken 10 - 20 %
3

Die Nutzungsklasse 3 erfasst Klima­bedingungen, die zu höheren Feuch­te­gehalten als in Nutzungs­klasse 2 führen.

z. B. für Konstruktionen, die der Witterung ausgesetzt sind 12 -24 %

Darüber hinaus sind die technischen Regeln nach DIN EN 316 (Holzfaserplatten - Definition, Klassifizierung und Kurzzeichen) und DIN EN 622 (Faserplatten - Anforderungen) zu berücksichtigen.

Holzschutz

Ein Überblick bzgl. der Holzschutzmittelauswahl in Abhängigkeit von der Gebrauchsklasse (GK) nach DIN EN 68800 gibt nachfolgende Tabelle.

GK Beschreibung der Exposition Gefährdung / Beanspruchung durch
Insekten Pilze Auswaschung Moderfäule
0 Innen verbautes Holz, ständig trocken nein nein nein nein
1 ja (Iv) nein nein nein
2 Holz, das weder dem Erdkontakt noch direkt der Witterung ausgesetzt ist, vorübergehende Befeuchtung möglich ja (Iv) ja (P) nein nein
3 Holz der Witterung ausgesetzt, aber nicht im Erdkontakt ja (Iv) ja (P) ja (W) nein
4 Holz in dauerndem Erdkontakt oder ständig starker Befeuchtung ausgesetzt ja (Iv) ja (P) ja (W) ja (E)

Iv = gegen Insekten vorbeugend wirksam; P = gegen Pilze vorbeugend wirksam; W = witterungsbeständig; E = moderfäulig

Die Tabelle zeigt, dass in GK 0 infolge der nicht vorhandenen Gefährdung durch Insekten oder Pilze der Einsatz von Holzschutzmitteln nicht erforderlich ist. Von GK 1 bis GK 4 steigen die Anforderungen an das Holzschutzmittel stetig an. Detailierte Informationen zum Holzschutz finden Sie im Lexikon.

Für den Schutz von MDF und HDF, die für den Einsatz in Feuchtbereichen vorgesehen sind (z. B. MDF.HLS: Platten für tragende Zwecke zur Verwendung im Feuchtbereich), werden gegen Pilzbefall Holzschutzwirkstoffe eingesetzt. Sie werden während der Herstellung, bei MDF meist bei der Beleimung zugegeben. Derzeit werden als Wirkstoffe häufig Bor-Verbindungen und Kalium-HDO-Verbindungen eingesetzt. Für Trockenbereiche sollte der Einsatz von evtl. chemische Holzschutzmittel beinhaltenden MDF.H bzw. MDF.HLS, wenn nicht zwingend erforderlich, vermieden werden. Generell sollten Spanplatten nicht im Außenraum verwendet werden.

CE-Kennzeichen

MDF und HDF werden gemäß europäischer Zulassung mit dem CE-Zeichen gekennzeichnet.

Die Vergabe des CE-Kennzeichens regelt die EN 13986 „Holzwerkstoffe zur Verwendung im Bauwesen – Eigenschaften, Bewertung der Konformität und Kennzeichnung“. Diese einzelne Produktnormen zusammenfassende sogenannte „Deckelnorm“ enthält die Festlegungen für Massivholzplatten, Sperrholz, OSB-Platten, organisch und zementgebundene Spanplatten und Faserplatten, untergliedert diese in technische Klassen.

Weitere Kennzeichnung

Neben der CE-Kennzeichnung geben die deutschen Plattenhersteller zusätzlich den Hinweis um welchen Plattentyp es sich handelt. Zusätzlich werden Farb-Kennzeichungssysteme verwendet, die angeben, ob die Platte für tragende/nichttragende Zwecke bzw. im Trocken- oder Feuchtbereich eingesetzt werden kann.

Der Verband der deutschen Holzwerkstoffindustrie gibt eine Übersicht zur Produktkennzeichnung von Holzwerkstoffen.

Quellen

Holz Lexikon 2003: DRW-Verlag Weinbrenner GmbH & Co., Leinefelden Echterdingen. ISBN 3-87181-355-9.

Informationsdienst Holz 2013: Bauen und Leben mit Holz

Informationsdienst Holz 2001: Konstruktive Holzwerkstoffe

  Die inhaltliche Bearbeitung dieser Seite erfolgt durch das Thünen Institut für Holzforschung

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Literaturtipps

 

 

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Literaturtipps finden Sie unter "Bauprodukte aus Holz, Literaturtipps"

 

Literaturtipps aktualisiert 2025
 
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Rohstoffe / Ausgangsstoffe

 

 

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Hauptbestandteile

Hochdichte und mitteldichte Faserplatte 2.1.1 a b

Die Bestandteile von MDF liegen durchschnittlich bei (Rüter & Diederichs 2012):

  • 80 % Holz, vorwiegend Nadelholz
  • 6,4 % Wasser
  • 13 % Urea Formaldehyd Bindemittel
  • 0,6 % Paraffine

De Bestandteile von HDF liegen durchschnittlich bei (Rüter & Diederichs 2012):

  • 78,7 % Holz, vorwiegend Nadelholz
  • 7,3 % Wasser
  • 13,3 % Urea Formaldehyd Bindemittel
  • 0,7 % Paraffine

Flammschutzmittel

Flammschutzmittel dienen der Verringerung der Entzündbarkeit von Holz, Holzwerkstoffen und Holzbauteilen. In den meisten Fällen kann durch ihren Einsatz die Entflammbarkeit von Holzprodukten von normal entflammbar (D) auf schwer entflammbar (C) verringert werden.

Weiterführende Informationen zur Anwendung von Flammschutzmitteln im Zusammenhang mit Holzprodukten finden Sie unter "Bauprodukte aus Holz, Rohstoffe".

Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Hochdichte und mitteldichte Faserplatte 2.1.1 a b

Zusammensetzung nach Rohstoffherkunft

Gewinnung der Primärrohstoffe

Holz

Für die Herstellung von HDF und MDF kommt Industrieholz zum Einsatz. Hierbei handelt es sich um Rohholz verschiedener Arten, dass bei Durchforstungsmaßnahmen gewonnen, entrindet und mechanisch zerkleinert wird. Es setzt sich vor allem aus dünneren oder minderwertigen Rohholzbestandteilen zusammen.

Darüber hinaus wird Industrierestholz in Form von Hackschnitzeln verwendet. Es ist ein in der mechanischen und chemischen Industrie bei der Herstellung eines Hauptprodukts anfallender Holzreststoff, der als Primärrohstoff angesehen werden muss, da er im Gegensatz zum Sekundärrohstoff Gebrauchtholz einen Produktionsabfall darstellt, der vor seiner Verwendung für z. B. für die MDF- und HDF-Herstellung keiner anderweitigen Nutzung unterlag.

Informationen zur Gewinnung der Primärrohstoffe, zu Waldflächenanteilen und flächenbezogener Produktivität sowie zu Waldbewirtschaftungsformen in Deutschland finden Sie unter "Bauprodukte aus Holz, Rohstoffe".

Melamin-Urea-Formaldehyd (MUF)

Urea-Formaldehyd (UF)

Melamin-Formaldehyd (MF)

Verfügbarkeit

Verfügbarkeit

Im Jahr 2020 belief sich der Faserholzverbrauch für MDF und HDF OSB Platten auf rund 6,52 Mio. Fm. Der überwiegende Anteil von 62,1 % wird durch Sägenebenprodukte bereitgestellt. Darüber hinaus wird Industrieholz aus Nadelholz (31,1 %) und Laubholz (3,8 %) besteht. Der restliche Anteil ist Rinde. (Döring, P.; Gieseking, L.; Mantau, U. 2021) 

Allgemeine Informationen zur Verfügbarkeit des Rohstoffes Holz in Deutschland finden Sie unter "Bauprodukte aus Holz, Rohstoffe".

Verwendung von Recyclingmaterialien / Produktionsabfällen

Recyclingmaterial (Gebrauchtholz) kommt bei der Herstellung von Faserplatten in der Regel nicht zum Einsatz.

Als Produktionsabfall anderer holzverarbeitenden Betriebe wird in der MDF und HDF Produktion Industrierestholz verwendet.

Quellen

Basisdaten Wald und Holz 2025, Herausgeber: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR), 4. Auflage, 2025, Gülzow-Prüzen, (Online-Quelle)

Döring, P.; Gieseking, L.; Mantau, U. 2021: Holzwerkstoffindustrie 2020. Entwicklung der Produktionskapazität und Holzrohstoffnutzung. Hamburg. 

Mantau, U. et al. (2010): EUwood. Real potential for changes in growth and use of EU forests. Final report. Univercity of Hamburg.

Rüter, S; Diederichs, S:2012, Ökobilanz Basisdaten für Bauprodukte aus Holz, Hamburg, Johann Heinrich von Thünen Institut, Institut für Holztechnologie und Holzbiologie, Abschlussbericht.

www.bundeswaldinventur.de

 

Rohstoffe aktualisiert 2026
 
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Herstellung

 

 

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Prozesskette

Prozesskette MDF HDF neu

Quelle: Rüter & Diederichs 2012

Herstellungsprozess

Zur Herstellung von MDF und HDF werden vor allem Nadel- und seltener Laubholz in Form von Industrieholz und Hackschnitzel verwendet. Rundholz wird entrindet und mit Messerwellen- oder Scheibenhackern zerhackt. Anschließend werden die Hackschnitzel gewaschen, gekocht und in einem Refiner unter hohem Druck zerfasert. Durch die hohe Drehzahl der Mahlscheibe wird das entstandene Fasermaterial in die Blowline überführt und dort beleimt. Die beleimten Fasern werden im Stromtrockner getrocknet und durch Faserstreuköpfe auf das Formband in entsprechenden Dicken gestreut. Das Vlies wird in einer kontinuierlichen Presse (selten diskontinuierlich) unter Druck und hohen Temperaturen gepresst. Die verpressten Platten bzw. der verpresste Plattenstrang wird aufgetrennt, formatiert, in Sternwendern abgekühlt, ggf. geschliffen und abgestapelt.

Umweltindikatoren / Herstellung

Referenz

 

Energieaufwand

Erneuerbare Energieträger werden vornehmlich in Form von Holz zur Erzeugung von Prozesswärme eingesetzt. Nicht erneuerbare Energie wird hauptsächlich zur Herstellung der Klebstoffe, Stromerzeugung und in Form von Kraftstoffen für die Transportprozesse eingesetzt.

Der gegenüber der Spanplattenherstellung erhöhte Energiebedarf geht zunächst auf die höheren Klebstoffanteile (ca. 13 % bei HDF/MDF, ca. 8,5 % bei Spanplatte) zurück. Zudem wird der Rohstoff gekocht und anschließend im "Refiner" (Zerfaserer) zerkleinert. Dieser Vorgang ist sehr energieintensiv.

Mehr Informationen zu der in der Herstellung der einzelnen Holzprodukte zum Einsatz kommenden Primärenergie finden sich in (Rüter & Diederichs 2012).

Charakteristische Emissionen

Bei der Herstellung von Holzwerkstoffen treten Emissionen insbesondere bei der Verbrennung von Holz auf. Informationen zu Mengen und Zusammensetzungen jener Emissionen finden Sie unter "Bauprodukte aus Holz, Herstellung".

Emissionen bei der Trocknung von Fasern oder Spänen für die Holzwerkstoffherstellung sowie beim Verpressen

Bei der Trocknung von Fasern treten aufgrund der größeren Oberfläche des Trocknungsgutes und der höheren Temperaturen deutlich höhere Emissionen auf als bei der Rundholztrocknung. Die Höhe der Emissionen variiert dabei in Abhängigkeit von der verwendeten Holzart. Sowohl bei der Herstellung von Span- als auch von MDF-Platten entstehen im Zuge der Trocknungs- und Pressprozesse flüchtige organische Verbindungen (VOC) sowie geringe Mengen an Formaldehyd, Acetaldehyd und Methanol. Vergleichbare Emissionen sind auch bei der Herstellung von OSB-Platten zu erwarten.

Angaben zu den Haupteinflussfaktoren während der Produktion von Spanplatten auf die Ökobilanzwirkungsindikatoren finden sich in (Rüter & Diederichs 2012).

Maßnahmen Gesundheitsschutz

Ein gesundheitliches Risiko stellt Holzstaub dar. Informationen dazu finden Sie unter "Bauprodukte aus Holz, Herstellung" sowie im Lexikonbegriff.

Durch Formatierung der MDF- und HDF-Platten nach Pressenausgang und eventuell prozessbedingter Wärmeentwicklung kann es zu erhöhten Emissionen der aus dem Holz und Klebstoff entweichenden flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) kommen. Der Pressenausgang sowie alle weiteren Maschinen und Anlagen sind vorzugsweise geschlossen ausgeführt oder mit Einhausungen und wirksamen Absaugungen ausgerüstet. Hierbei sind alle Emissionsquellen zu berücksichtigen. Ein direkter Hautkontakt mit den Klebstoffen ist zu vermeiden. Im Zusammenhang mit dem Einsatz von Hydrophobierungsmitteln wie Paraffinwachs - oder emulsion ist Staubentwicklung, Aerosolbildung und Substanzkontakt zu vermeiden. Persönliche Schutzausrüstung ist zu tragen. Die Angaben in Sicherheitsdatenblättern sind zu beachten.

Maßnahmen Umweltschutz

Die Abluft des Faserplattenwerks muss gemäß der gesetzlichen Bestimmungen gereinigt werden. Es entstehen keine Belastungen von Wasser und Boden. Die Abwässer werden in das lokale Abwassersystem eingespeist. Lärmintensive Anlagenteile, wie die Zerspanung sind durch bauliche Maßnahmen entsprechend gekapselt.

Transport

Nach einer 16-23 % der deutschen MDF- und HDF-Produktion abdeckenden Ökobilanzstudie (Rüter und Diederichs 2012) liegt die Transportdistanz der für die Herstellung notwendigen Holzrohstoffe bei 562 km.

Weitere, allgemeine Informationen zum Transport von Rundholz finden Sie unter "Bauprodukte aus Holz, Transport".

 
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Verarbeitung

 

 

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Technische Hinweise / Verarbeitungsempfehlungen

MDF und HDF können mit üblichen Maschinen gesägt, gefräst, gehobelt, geschliffen und gebohrt werden. Auf einen bauphysikalisch fachgerechten Einbau ist zu achten. Bei der Auswahl von Zusatzprodukten ist darauf zu berücksichtigen, dass diese die beschriebenen Eigenschaften der Umweltverträglichkeit der genannten Bauprodukte nicht nachteilig beeinflussen.

Die Verwendung eines vorbeugenden chemischen Holzschutzes ist unüblich, da in der Mehrzahl der Anwendungsfälle ein baulicher Holzschutz ausreichend ist. Bedeutend ist beim baulichen bzw. konstruktiven Holzschutz Wasser möglichst vom Holz fernzuhalten oder ein schnelles Ablaufen zu gewährleisten und durch Luftumspülung die schnelle Abtrocknung zu ermöglichen.

Arbeitshygienische Risiken

Allgemeines

Bei der Verarbeitung der Produkte sind die üblichen Schutzmaßnahmen (Staubmaske, Handschuhe, Schutzkleidung, Staubabsaugung etc.) zu beachten. Mit Holzschutz- oder Flammschutzmittel behandelte Holzwerkstoffe können borhaltig sein, sodass ihre Stäube beeinträchtigend für die Fortpflanzungsfähigkeit und fruchtschädigend (reproduktionstoxisch) sein können. In diesem Fall ist zur Vermeidung von Gesundheitsschäden während der Bearbeitung geeigneter Atemschutz (mindestens Partikelfilter FFP2 nach DIN EN 143) zu tragen.

AGW-Werte

Auf Baustellen sind Absaugemöglichkeiten häufig nicht vorhanden, so dass bei spanabhebenden Arbeiten Holzstaubemissionen auftreten können. Der gesetzlich vorgeschriebene Maximalwert von 2 mg/m³ ist einzuhalten.

REACH / CLP

Die REACH-Verordnung regelt die Herstellung, das Inverkehrbringen und den Umgang mit Industriechemikalien. Zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen, dient die CLP-Verordnung (Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen), um ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu gewährleisten.

Wird ein Produkt nicht als Stoff oder Gemisch, sondern als Erzeugnis eingestuft, ist kein Sicherheitsdatenblatt (SDB) erforderlich und Gefahrstoffbezeichnungen entfallen. Lediglich besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) müssen ausgewiesen werden.

MDF und HDF sind als Erzeugnisse eingestuft. Aus diesem Grund ist kein Sicherheitsdatenblatt erforderlich und Gefahrstoffbezeichnungen entfallen.
Lediglich besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) müssen ausgewiesen werden. Produkt bezogene Informationen hierzu finden sich dann in den Sicherheitsdatenblättern (SDB) des Herstellers.

 
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Nutzung

 

 

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Umwelt- und Gesundheitsrisiken Neuzustand

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

Formaldehyd

Laut Chemikalien-Verbotsverordnung dürfen in Deutschland nur Holzwerkstoffe der Emissionsklasse E1 verwendet werden. Dies entspricht einer Ausgleichskonzentration im Prüfraum von 0,1 ml/m3 (ppm).

Allgemeine Informationen zur Formaldehydemission finden Sie unter "Bauprodukte aus Holz, Nutzung".

VOC-Emissionen

Holzwerkstoffe geben während der Nutzungsphase flüchtige organische Stoffe (VOC) in die Raumluft ab. Allgemeine Informationen zu VOC-Emissionen aus Holz und ihrer Gesundheitsrelevanz finden Sie unter "Bauprodukte aus Holz, Nutzung".

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Außenraum

Nach heutigem Erkenntnisstand sind bei sachgerechter Verwendung von MDF und HDF keine Gefährdungen für Wasser, Luft und Boden zu erwarten.

Umwelt- und Gesundheitsrisiken bei bestimmungsgemäßer Nutzung

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

Vgl. 2.4.1 Umwelt- und Gesundheitsrisiken Neuzustand

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Außenraum

Vgl. 2.4.1 Umwelt- und Gesundheitsrisiken Neuzustand

Umwelt- und Gesundheitsrisiken im Schadensfall

Brandfall

Im Brandfall verhalten sich MDF und HDF normal qualmend und nicht tropfend und sind daher den Brandklassen B2 (nach DIN 4102-1), d.h. normalentflammbar und D-s2 d0 (nach DIN EN 13501-1) zugeordnet. Ein Wechsel des Aggregatszustands ist nicht möglich. Bei der Verbrennung wird insbesondere CO2 und Wasserdampf emittiert. Die jeweilige Abbrandgeschwindigkeit (zeitabhängiges Vordringen des Brandes ins Innere des Holzwerkstoffs) hängt von Parametern wie der Rohdichte des Holzes, der Holzfeuchte, dem Verhältnis Oberfläche/Volumen, der Holzbeschaffenheit und dem Belüftungsangebot ab. Nur bei Verwendung von Holzschutzmitteln können gefährliche Gifte freigesetzt werden.

Wassereinwirkung

Gegenüber dauerhafter Wassereinwirkung sind MDF und HDF nicht beständig. Festigkeiten verringern sich nachhaltig. Sie werden bei entsprechender Wasserzufuhr bzw. Holzfeuchte genauso durch holzzerstödende Pilze befallen und zerstört, wie die jeweiligen Holzarten, aus denen sie hergestellt wurden. DIN 68800 regelt die Anwendungsspezifika von Holzwerkstoffen in den verschiedenen Gebrauchsklassen.

Aus MDF und HDF werden keine Inhaltstoffe ausgewaschen, die wassergefährdend sein könnten. Schadhafte Stellen können lokal ausgewechselt werden.

Beständigkeit Nutzungszustand

Die Gebrauchsdauer von Holz und Holzprodukten bzw. deren Verwendbarkeit wird maßgeblich durch deren natürliche Dauerhaftigkeit sowie der Gebrauchsklasse, in der das Holzprodukt eingesetzt werden soll, bestimmt. Informationen hierzu finden Sie unter dem Lexikoneintrag Holzschutz.

Entsprechend den im Gebrauch zu erwartenden Feuchtigkeitsbedingungen besteht eine Gefahr durch angreifende Organismen wie holzzerstörende Pilze, Schimmelpilze oder Insekten. Um Gefährdungen durch angreifende Organismen (z. B. Bläue- und Schimmelpilze) abzumindern muss der baulichen Pflege und Instandhaltung bei der Verwendung von Holzwerkstoffplatten eine besondere Aufmerksamkeit gegeben werden. Oberflächen sollten rechtzeitig von Nährboden darstellenden Stoffablagerungen gereinigt werden.

Unter der Rubrik Baustoff- und Gebäudedaten / Nutzungsdauern von Bauteilen findet sich auf dem Informationsportal Nachhaltiges Bauen eine Datenbank mit Nutzungsdauerangaben von ausgewählten Bauteilen des Hochbaus für den Leitfaden „Nachhaltiges Bauen“.
Datenbank als PDF

Instandhaltung

Die Instandhaltung von MDF und HDF spielt i. d. R. keine Rolle, da der Werkstoff in Innenanwendung meist mit Lacksystemen oder Dekorpapieren im sichtbaren Bereich beschichtet ist bzw. im nicht sichtbaren Bereich bei produktspezifischem Anwendungszweck keiner Abnutzung unterliegt.

Allgemeine Informationen zur Instandhaltung von Holzprodukten im Baubereich finden Sie unter "Bauprodukte aus Holz, Nutzung".

 
DatenblattansichtHochdichte und mitteldichte Faserplatten
Anzeigebereich für ein zweites Datenblatt

Nachnutzung

 

 

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Referenz

Umwelt- und Gesundheitsrisiko Rückbau

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Wiederverwendung

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Stoffliche Verwertung

Recycling (RC) von Faserplatte (MDF, HDF, Holzfaserplatten, Hartfaserplatten)

Ein MDF-Hersteller hat 2018 ein Verfahren entwickelt, dass es ermöglicht, die Fasern mit Hilfe von Dampf und Wärme vom Bindemittel zu lösen[12]. Das Verfahren wird zunächst für intern produziertes Material am Produktionsstandort in Frankreich erprobt. Später sollen die Kapazitäten auf extern gesammelte Faserplatten erhöht werden. Bis 2030 sollen 25 % des Rohstoffmixes aus Recyclingfasern bestehen. Über ein Rücknahmeprogramm will das Unternehmen bis 2030 55 000 Tonnen MDF-Platten pro Jahr sammeln.

Ein weiterer Hersteller hat auf einer externen Versuchsanlage mit ersten Versuchen zur Zerfaserung von Post-consumer-MDF gestartet. Die Versuchsergebnisse führen nun in die Konzeption einer eigenen Pilotanlage zum Recycling von Post-Consumer-MDF-Platten[13].

Auch das „Horizon Europe“-Projekt „EcoReFibre“[14] hat zum Ziel, Holzfasern am Ende ihres Lebenszyklus wiederaufzubereiten und sie zur Herstellung neuer Faserplatten zu verwenden. Bis 2026 wollen die zwanzig Partnerorganisationen Lösungen entwickeln und in der Praxis testen, mit denen bis zu 25 Prozent der zur Herstellung von Holzfaserplatten verwendeten Frischholzfasern durch recycelte Sekundärfasern ersetzt werden können.

Pilot- oder Forschungsvorhaben zum Recycling von Hartfaserplatten sind den Autorinnen nicht bekannt.

Referenz

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Quellen

[12] Unilin-Mitteilung: Warum sollte MDF recycelt werden? (1.Online-Quelle); (2.Online-Quelle), Zugriff am 20.11.2023

[13] Egger Nachhaltigkeitsbericht 2022 / 2023, Seite 68, (Online-Quelle)

[14] Möbelfertigung: Recycling von MDF (Online-Quelle), zuletzt abgerufen am 20.11.2023

 

Nachnutzung aktualisiert 2025