Gips-Wandbauplatten

Produktgruppeninformation


Gipswandbauplatten 6

Begriffsdefinition

Gips-Wandbauplatten für nichttragende innere Trennwände sind massive Gipsfertigelemente ohne Kartonummantelung (im Unterschied zu Gipsplatten bzw. Gipsfaserplatten). Eigenschaften und Leistungsmerkmale sind in der harmonisierten Norm DIN EN 12859 festgelegt. In Deutschland werden die Platten ohne vorgeformte Hohlräume hergestellt (massive Gips-Wandbauplatten). Ihre Stoß- und Lagerflächen sind mit Nut und Feder ausgebildet, ihre Ansichtsflächen sind hochglatt. Bauteile aus Gips-Wandbauplatten werden mit Gipskleber verklebt und nach dem Wandaufbau nur im Fugenbereich oder ganzflächig verspachtelt; diese nahezu trockene Bauweise wird durch den Entfall von Putzarbeiten begünstigt. Die oftmals gebräuchliche Bezeichnung „Gipsdiele“ ist aus historischer wie aus technischer nicht korrekt. 1

 

Wesentliche Bestandteile

Gips-Wandbauplatten bestehen aus Gips und Wasser. Die Platten dürfen Füll- und Zuschlagstoffe enthalten, z.B. Hydrophobierungsmittel. Zur Visualisierung ihrer technischen und konstruktiv-bauphysikalischen Eigenschaften dürfen sie mit Pigmenten eingefärbt sein, z.B. rötlich für hohe Rohdichte.

Charakteristik

Gips-Wandbauplatten zählen zu den klassischen Brandschutzbaustoffen. Aufgrund ihres bekannten und stabilen Brandverhaltens sind sie nach DIN 4102-4 als klassifizierte nichtbrennbare Baustoffe der Baustoffklasse A1 nachgewiesen. Sie werden auch auf europäischer Ebene ohne weitere Prüfung in die höchste Klasse A1 eingestuft (gypsum blocks gemäß 96/603/EG). Neben Wandkonstruktionen mit hohen Anforderungen an den Brandschutz ermöglichen die massiven Platten aufgrund ihrer geringen Wandquerschnitte eine grundflächenminimierte Raumbildung. 2

 

 

Besonders wichtige Eigenschaft hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Einsatz von REA-Gips (= Gips aus Rauchgasentschwefelungsanlagen) statt Naturgips

detaillierte Informationen dazu siehe Oberbegriff Bauplatten aus Gips, da für alle dort eingeordneten Bauplatten die Eigenschaften gleichermaßen zutreffen.

Rückbau Gips-Wandbauplatten

Bei Bauteilen aus massiven Gips-Wandbauplatten handelt es sich um monostoffliche Konstruktionen aus Gips, deren Einzelkomponenten (Platten, Kleber, Füll- und Spachtelgips) nicht getrennt werden müssen. Zu dieser Konstruktionseffizienz gehört auch, dass die homogenen Wandscheiben nicht in die umgebenden Gebäudeteile einbinden und aufgrund ihrer elastisch-entkoppelten Bauteilanschlüsse mit geringem mechanischem Aufwand weitgehend sortenrein zurückgebaut werden können. 3

Recycling und Wiederverwertung von Wandbauplatten

Die Rohstoffbasis von Gips-Wandbauplatten bildet Calciumsulfat-Dihydrat (Gips), dem bei vergleichsweise geringen Temperaturen (120 – 180 °C) ein Teil des Kristallwassers entzogen wird. Dieser Prozess wird während der Plattenproduktion umgekehrt: Zugeführtes Wasser restrukturiert den gebrannten Gips und gibt ihm seine gesteinsähnliche Festigkeit zurück. Es entsteht erneut Calciumsulfat-Dihydrat, Ausgangsmaterial und Erhärtungsprodukt sind also chemisch betrachtet identisch. Dieser sogenannte Gipskreislauf begründet das hochwertige Recycling von Gips-Wandbauplatten, das durch den monostofflichen Aufbau der Bauteile weiter begünstigt wird (fügen, kleben und verbinden allein mit Gips). 4

Lieferzustand

Standardabmessungen [mm]:

Vorzugsmaße [mm]: Dicke 60, 80, 100 / Länge 400, 500, 666 / Höhe 500

Hochkranlogistik folienverpackter Pakete auf Euro-Paletten.

Gips-Wandbauplatten haben umlaufend profilierte Stoß- und Lagerflächen im Nut- und Feder- System.

 

Anwendungsbereiche (Besonderheiten)

Massive Gips-Wandbauplatten dienen überwiegend der Herstellung einschaliger nichttragender innerer Trennwände. Bemessung und Ausführung sind in DIN 4103-2 geregelt. Bei entsprechender Planung und Ausbildung erfüllen die Wände Anforderungen an den Brand-, Schall- und Strahlenschutz innerhalb von Bauwerken des Hochbaus. Ihre vergleichsweise geringe flächenbezogene Masse ermöglicht statische Vorteile. In der Modernisierung werden Gips-Wandbauplatten u.a. als freistehende Vorsatzschalen genutzt. Als Schachtwände sowie als Bekleidungen von Stahl- und Holzstützen ermöglichen sie die Umsetzung brandschutztechnischer Ziele. Bariumsulfathaltige Platten mit der zusätzlichen Eigenschaft Strahlenschutz werden in Gesundheitsbauten eingesetzt: Hierbei wird der Strahlenschutz in Form von abschirmenden raumabschließenden Konstruktionen ohne Blei gewährleistet. 5

Einteilungssystematik

Die Maße von massiven Gips-Wandbauplatten nach DIN EN 12859 werden durch Dicke, Länge und Höhe bestimmt. Das Vorzugsplattenmaß beträgt für die Länge 666 mm und die Höhe 500 mm (drei Platten ergeben einen Quadratmeter Wand). Im Wohnungsbau werden bevorzugt 80 und 100 mm dicke Platten verwendet (Plattendicke entspricht Wanddicke). Zur Erfüllung von Aufgaben in der Modernisierung, z.B. als Vorsatzschalen, werden 60 mm dicke Platten angewendet. In Deutschland werden Gips-Wandbauplatten in den Rohdichteklassen M (medium, ca. 850 kg/m³, naturweiß) und D (dense/hoch, ca. 1.200 bzw. 1.400 kg/m³, rötlich eingefärbt) sowie in den Wasseraufnahmeklassen H2 (Wasseraufnahme ≤ 5 % bei zweistündiger vollständiger Wasserlagerung, bläulich eingefärbt) und H3 (keine Anforderung an die Wasseraufnahme) hergestellt.

Quellen

1,2,3,4,5,6  Bundesverband der Gipsindustrie e.V., Berlin, 2013, s.a. gips.de

Gips-Wandbauplatten
Gips-Wandbauplatten

Planungs- und Ausschreibungshilfen

WECOBIS informiert produktneutral. An verschiedenen Stellen bietet WECOBIS jedoch auch Unterstützung dazu, wie sich Produkte innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer ökologischen Eigenschaften unterscheiden lassen.

Informationen hier im Reiter Planungsgrundlagen:

  • Links zu materialökologischen Anforderungen und Textbausteinen für Planung und Ausschreibung im WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen,
  • Hinweise auf mögliche Quellen und Nachweisdokumente zu Planungs- und Ausschreibungskriterien
  • Informationen zum Einsatz von REA-Gips (= Gips aus Rauchgasentschwefelungsanlagen) statt Naturgips.

Übersicht Planungs- und Ausschreibungshilfen: Gips-Wandbauplatten
Stand 02/2020

    Gips-Wandbauplatte
     
  Material-
ökologische Anforderungen
Im neuen Modul "Planungs- & Ausschreibungshilfen" bietet WECOBIS eine Übersicht zu möglichen materialökologischen Anforderungen und Textbausteine für Planung und Ausschreibung. Inhalt aufklappen
   
Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS Textbausteine in WECOBIS basieren derzeit auf dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) des BMI / Kriterium 1.1.6 (Risiken für die lokale Umwelt).
Kriteriensteckbrief 1.1.6 stellt derzeit keine Anforderungen an Gips-Wandbauplatten.
  Mögliche Quellen Die hier genannten Quellen, insbesondere BNB, bilden die Grundlage für Planungs- und Ausschreibungshilfen bzw. materialökologische Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS. Inhalt aufklappen
   
Bewertungssystem
Nachhaltiges Bauen

(BNB) des BMI /
Kriterium 1.1.6 (Risiken für die lokale Umwelt)

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMI steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen. Die o.g. Textbausteine und materialökologischen Anforderungen in WECOBIS basieren derzeit auf Kriteriensteckbrief 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt. Dieser steht in engem Zusammehang mit Kriteriensteckbrief 3.1.3 Innenraumhygiene.

Auch wenn ein Gebäude nicht zertifiziert werden soll, bilden die einzelnen Kriteriensteckbriefe eine gute Grundlage, Orientierung und Hilfestellung für die Umsetzung ökologischer Aspekte in der Gebäudeplanung.

Einordung der Gips-Wandbauplatten hinsichtlich verschiedener Kriteriensteckbriefe siehe Reiter BNB-Kriterien in WECOBIS

Umweltbundesamt
(UBA)
Auf den Internet-Seiten des Umweltbundesamtes (UBA) befindet sich der „Informationsdienst für umweltfreundliche Beschaffung“. Die Seiten werden gerade überarbeitet, sodass sich dort derzeit aus dem Baubereich nur Ausschreibungsempfehlungen zu Elastischen Bodenbelägen, Tapeten und Raufaser, sowie zu hölzernen Bodenbelägen, Paneelen und Türen finden.
baubook ökologisch ausschreiben Die Plattform baubook ökologisch ausschreiben bietet eine Sammlung von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Gips-Wandbauplatten befinden sich derzeit keine Kriterien auf der Plattform.
natureplus Ausschreibungstexte -
  Mögliche Nachweis-
dokumente
weitere Nachweismöglichkeiten neben den folgend genannten sind Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, sowie Herstellererklärungen oder ggf. ein Anhang mit Nachhaltigkeitsmerkmalen zur bauaufsichtlichen Zulassung (abZ+). Inhalt aufklappen
   
gesetzlich vorgeschrieben: Welche Nachweisdokumente müssen vom Hersteller zur Verfügung gestellt werden? Welcher Nachweis kann damit erbracht werden?
REACH / CLP:
Sicherheitsdatenblatt (SDB)
Gips-Wandbauplatten werden als Erzeugnis eingestuft. Für Erzeugnisse ist kein SDB vorgeschrieben. Die pflichtgemäße Leistungserklärung zur CE-Kennzeichnung für Bauprodukte, die unter den Geltungsbereich der BauPVO fallen, muss Angaben über SVHC enthalten oder mitliefern (kein harmonisiertes Format, erfordert ggf. Nachfrage). Für alle Bauprodukte (Erzeugnisse), also auch solche, die nicht im Geltungsbereich der BauPVO liegen, besteht ein Auskunftsrecht für SVHC. Für die Anfrage an den Hersteller steht auf dem Informationsportal des Umweltbundesamtes zu REACH ein Musterbrief zum Download zur Verfügung.
Massive Gips-Wandbauplatten sind Bauprodukte nach harmonisierter Norm DIN EN 12859 im Geltungsbereich der BauPVO.
Leistungserklärung gemäß BauPVO mit Angaben zu SVHC (kein harmonisiertes Format, erfordert ggf. Nachfrage) +
freiwillige Produktkenn-zeichnungen / -deklarationen Für einige Bauproduktgruppen existieren freiwillige Produktkennzeichnungen oder -deklarationen wie z.B. Umweltzeichen oder Umweltproduktdeklarationen, die als Nachweis für materialökologische Anforderungen dienen können. Eine Übersichtstabelle dazu mit detaillierten Informationen zu Gips-Wandbauplatten findet sich im Reiter Zeichen & Deklarationen.

Besonders wichtige Eigenschaft hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Einsatz von REA-Gips (= Gips aus Rauchgasentschwefelungsanlagen) statt Naturgips

Genaue Erläuterungen zur Entstehung von REA-Gips siehe Gips

Für die industrielle Anwendung des REA-Gipses bestanden anfangs erhebliche Akzeptanzprobleme, da Entschwefeln gedanklich mit Entgiften verbunden wurde. Nach dem Ergebnis einer mehrjährigen Studie (Beckert-Studie) ist REA-Gips ein naturidentischer Stoff und kann nach heutigem Kenntnisstand gefahrlos zur Herstellung, Verarbeitung und Anwendung von Baustoffen verwendet werden.

Diese und weitere Untersuchungen zu Nutzung und Entsorgungsmöglichkeiten haben dazu beigetragen, dass der Rohstoff REA-Gips von der OECD-Abfallliste und aus dem Europäischen Abfallkatalog gestrichen und im Rahmen der von der EU-Kommission zur Novellierung der Abfallrahmen-Richtlinie untersuchten Beispiele als Produkt anerkannt wurde.

Der Gesamtgipsbedarf kann derzeit weder mit Natur- noch rein mit REA-Gips gedeckt werden. Die künftige Verfügbarkeit von REA-Gips steht in engem Zusammenhang mit der Zukunft der Kohlekraftwerke, aus denen er im Wesentlichen stammt.

Nach Herstellerangabe wird so viel REA-Gips wie möglich verarbeitet. Zur wirtschaftlichen Verarbeitung und um Transportkosten einzusparen, wurden bereits Gipswerke in der Nähe von Kraftwerken errichtet. Die meisten bestehenden Gipswerke befinden sich aus denselben Gründen in Naturgipsabbaugebieten.
Zwangsläufig wird ein Teil der Bauplatten aus Gips zu 100% aus REA-Gips, ein Teil zu 100% aus Naturgips, ein Teil aus gemischten Anteilen hergestellt.
Da aus diesem Grund kein Hersteller von Bauplatten aus Gips garantieren kann, welcher Rohstoff im Einzelfall eingesetzt wird, kann eine Forderung nach Naturgips-freien Bauplatten nach derzeitigem Stand der Technik nicht erfüllt werden.3

Seitens verschiedener Umweltzeichen und Labels wird trotzdem für eine Auszeichnung ein Nachweis für einen überwiegenden Anteil an REA-Gips in den Bauplatten aus Gips gefordert. Diese Forderung begründet beispielsweise natureplus e.V. damit, dass die REA-Gips und Sekundärgipsquellen derzeit nicht vollständig ausgenutzt werden und der Abbau von Naturgips Steinbruch / Tagebau im Einzelfall erhebliche Eingriffe in die Landschaft nach sich ziehen und wertvolle Biotope zerstören kann. 4

Seitens der Gipsindustrie wird dagegen angeführt, dass die Eingriffe nur temporär sind und die Abbauflächen nach der Nutzung renaturiert oder rekultiviert werden. Zukünftig soll ein Biodiversitätsmanagement für die Betriebsphase der Steinbrüche entwickelt werden. Es wird zudem auf einen positiven Effekt auf die Artenvielfalt innerhalb der in Deutschland vorherrschenden Kulturlandschaft durch die Abbauflächen in Form von Steinbrüche verwiesen.5

Weitere planungs- und ausschreibungsrelevante Informationen in WECOBIS

Allgemeine Unterstützung zum Umgang mit Nachhaltigkeitsaspekten in Planung und Ausschreibung sowie Hinweise auf Leitfäden, Arbeitshilfen und Veröffentlichungen zum Nachhaltigen Bauen bietet WECOBIS im Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen im Nutzerhandbuch Planungs- & Ausschreibungshilfen.

Quellen

1,2,3,5,6,7  Bundesverband der Gipsindustrie e.V, Berlin, 2013
4,  natureplus e.V., Fakten u. Hintergründe z. Thema Naturgipsabbau und Artenschutz

Gips-Wandbauplatten

Umweltdeklarationen

Die folgende Tabelle liefert eine Übersicht zu Zeichen & Deklarationen aus dem Bereich der Gips-Wandbauplatten. Neben Herstellererklärungen, Informationen in Leistungserklärungen oder allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen (abZ) können diese den Nachweis für umwelt- und gesundheitsrelevante Kriterien in Planung und Ausschreibung (s. Reiter Ausschreibung) ermöglichen. Detaillierte Informationen finden sich außerdem in den einzelnen Produktgruppen.

Übersicht Umweltdeklarationen: Gips-Wandbauplatten
Stand 05/2019

    Gips-Wandbauplatten
     
  Umweltzeichen Umweltzeichen gehören zu den freiwilligen Produktkennzeichnungen. Sie bieten die Möglichkeit, Unterschiede von Produkten innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer Umwelt- und Gesundheitsrelevanz festzustellen, auch wenn sie keine allgemeinverbindlichen Gebote oder Verbote aufstellen können. Inhalt aufklappen
   
Blauer Engel
weil emissionsarm
-
EU-Umweltzeichen (Blume) -
Österreichisches Umweltzeichen -
natureplus-Qualitätszeichen / RL 1000ff (nur für Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen / mind. 85 Masse%)

Es ist keine Vergaberichtlinie für Gips-Wandbauplatten verfügbar.

Nordischer Schwan -
  GISBAU Klassifizierungs-system

Das GISBAU Klassifizierungssystem ermöglicht es durch den GISCODE oder GISBAU Produktcode, Produkte von denen die gleichen Gesundheitsgefahren ausgehen, in einer Gruppe zusammenzufassen. Die Klassifizierung ist auf den Arbeitsschutz ausgerichtet. Gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) ist grundsätzlich das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen zu verwenden. (siehe unten: Ersatzproduktgruppe prüfen?) Inhalt aufklappen

   

GISBAU Produkt-Code / GISCODE

Gips-Wandbauplatten sind nicht im GISBAU-System klassifiziert. Informationen zu arbeitshygienischen Risiken siehe Reiter Verarbeitung.

  Umweltprodukt-deklaration (EPD)

Die Umweltproduktdeklaration (EPD = Environmental Product Declaration) eines Produktes macht Aussagen zum Energie- und Ressourceneinsatz und in welchem Ausmaß ein Produkt zu Treibhauseffekt, Versauerung, Überdüngung, Zerstörung der Ozonschicht und Smogbildung beiträgt. Außerdem werden Angaben zu technischen Eigenschaften gemacht, die für die Einschätzung der Performance des Bauproduktes im Gebäude benötigt werden, wie Lebensdauer, Wärme- und Schallisolierung oder den Einfluss auf die Qualität der Innenraumluft.1 Inhalt aufklappen

   
EPD1 Branchen-EPDs s.u.
Branchen-EPD1

Branchen-EPDs der Forschungsvereinigung der Gipsindustrie e.V. zu Gips-Wandbauplatten und Systemkomponenten wie Gipskleber (EPD Gipsspachtel, Gipskleber, Ansetzgips), Füllgips und Gips-Spachtelmaterialien (EPD Gipsputz) sowie Spachtelmaterialien mit organischen Bindemitteln (EPD Pastöse Spachtelmassen).

  Umweltindikatoren

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren wie z.B Primärenergieaufwand, Abfall, Abiotischer Ressourcenverbrauch, Ozonabbaupotential, Treibhauspotential usw. liefert die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMI. Inhalt aufklappen

   
Ökobau.dat-Datensätze

Datensätze zu Gips-Wandbauplatten: siehe 1. Mineralische Baustoffe -> 1.3 Steine und Elemente -> 1.3.13 Gipsplatten -> Gips-Wandbauplatte nach DIN EN 12859

  Sonstiges Sonstige freiwillige Produktkennzeichnungen, die Informationen zur Umwelt- und Gesundheitsrelevanz von Produkten liefern können. Inhalt aufklappen
   
baubook-Deklaration Die Plattform baubook bietet für Händler und Hersteller von Bauprodukten die Möglichkeit einer online-Deklaration anhand von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Gips-Wandbauplatten befinden sich momentan noch keine Produktdeklarationen auf der Plattform.
+ Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe vorhanden
- Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe nicht vorhanden
./. Zeichen / Label für diese Produktgruppe nicht relevant
x Produkte aus dieser Produktgruppe können die Kriterien des Zeichens/Labels definitionsgemäß nicht erfüllen

1 Die hier als vorhanden markierten EPDs und Branchen-EPDs sind als Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu verstehen und finden sich z.B. auf den Seiten des Bundesverbands der Gipsindustrie e.V..

Gips-Wandbauplatten

Bewertungssystem

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)

   
  Wofür steht das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)? Inhalt aufklappen
 

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMI steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen.
Ausführliche Informationen zum BNB-System siehe www.nachhaltigesbauen.de

  Welche Informationen liefert WECOBIS für BNB im Reiter BNB-Kriterien? Inhalt aufklappen
 

WECOBIS führt in den Datenblättern der Bauproduktgruppen umfangreiche Informationen zur Beantwortung der verschiedenen Fragestellungen im Hinblick auf Umwelt- und Gesundheitsaspekte. Im Reiter BNB-Kriterien bietet WECOBIS gezielt Antworten auf Fragestellungen baustoffrelevanter Steckbriefe. Durch die Bündelung von Aspekten z.B. bzgl. der Risiken für die lokale Umwelt, Fragen zur Innenraumhygiene und der Thematik Rückbau, Trennung, Verwertung gibt WECOBIS gezielte Hilfestellung bei der Einordnung einzelner Baustoffe. Tiefergehende Informationen finden sich über die Verknüpfungen in den jeweiligen Datenblättern.
Hinweis: Eine abschließende Beurteilung im Rahmen des Bewertungssystems und der genannten Kriterien erfolgt jedoch grundsätzlich in Abhängigkeit weiterer baulicher Gegebenheiten (z.B. eingebaute Menge).

BNB-Kriterium BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau)

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_1.1.6 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

BNB-Kriterium BN_1.1.6 zielt auf die Reduzierung bzw. Vermeidung von Stoffen und Produkten beim Neubau, die aufgrund ihrer stofflichen Eigenschaften oder Rezepturbestandteile ein Risikopotenzial für Grundwasser, Oberflächenwasser, Boden und Luft (auch Innenraumluft) enthalten. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 5 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung der Substitution eines Stoffes.

Für den Umgang mit Materialien im Bestand und deren Einordnung ist Kriteriensteckbrief BK_1.1.6. heranzuziehen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau) und BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

Einordnung der Gips-Wandbauplatten
Stand 09/2017

Für Gips-Wandbauplatten gelten zur Zeit keine spezifischen Anforderungen hinsichtlich BNB-Kriterium BN_1.1.6. Es empfiehlt sich aber auch hier die grundsätzlich für die Erfüllung der Anforderungen für Qualitätsniveau 1 geforderte Dokumentation der eingesetzten Produkte.

 

BNB-Kriterium BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_1.1.6 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

BNB-Kriterium BN_1.1.6 zielt auf die Reduzierung bzw. Vermeidung von Stoffen und Produkten beim Neubau, die aufgrund ihrer stofflichen Eigenschaften oder Rezepturbestandteile ein Risikopotenzial für Grundwasser, Oberflächenwasser, Boden und Luft (auch Innenraumluft) enthalten. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 5 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung der Substitution eines Stoffes.

Für den Umgang mit Materialien im Bestand und deren Einordnung ist Kriteriensteckbrief BK_1.1.6. heranzuziehen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau) und BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

Die Einordnung von Materialien im Bestand erfolgt in WECOBIS jeweils gesammelt für die ganze Obergruppe der Bauplatten, siehe dazu Bauplatten im Bestand.

BNB-Kriterium BN_3.1.3 - Innenraumhygiene

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_3.1.3 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

Ziel des BNB-Kriteriums 3.1.3 ist die Sicherstellung der Luftqualität im Innenraum unter hygienischen Gesichtspunkten, die zu keinen negativen Effekten hinsichtlich der Befindlichkeit der Raumnutzer führt, die hygienische Sicherheit garantiert und somit möglichst auch eine empfundene hohe olfaktorische Luftqualität gewährleistet.
Die Bewertung erfolgt anhand der Berechnung der personenbezogenen Luftwechselrate sowie anhand von Raumluftmessungen auf den Formaldehyd- und TVOC-Gehalt.
Erfahrungsgemäß lassen sich die Referenz- und Zielwerte dann erreichen, wenn die Auswahl und Verwendung der eingesetzten Materialien auf einem ganzheitlichen Konzept zur Vermeidung von Emissionen aus Bauprodukten basiert und der Einsatz emissionsarmer Materialien die Bauphase begleitend dokumentiert wird. BNB-Kriterium 3.1.3 steht deshalb in engem Zusammenhang mit der Erfüllung der Einzelkriterien für BNB-Kriterium 1.1.6.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_3.1.3 Innenraumhygiene (Neubau)

Einordnung der Gips-Wandbauplatten

Produktgruppe Zu erwartende VOC-Emissionen Zu erwartende
Formaldehyd-­Emissionen
Gips-Wandbauplatten keine1 keine1
keine
Die Produktgruppe enthält kein Formaldehyd oder keine VOC.
möglich
Die Produkte der Produktgruppe unterscheiden sich bezüglich der zu erwartenden VOC- oder Formaldehyd-Emissionen.
hoch
Die Produktgruppe verursacht grundsätzlich hohe VOC-Emissionen oder Formaldehyd-Emissionen. Alternativen sind vorzugsweise in der Wahl funktional gleichwertiger Baustoffe anderer Produktgruppen oder anderer Konstruktionen zu suchen.

1Aus den Bauplatten aus Gips selbst ist produktionsbedingt keine relevante VOC- / Formaldehyd-Abgabe zu erwarten. Das gleiche gilt für mineralische Mörtel. Dies sind in der Regel Mörtel, Kleber, Spachtelmassen etc. die trocken, in Pulverform konfektioniert sind und mit Wasser angerührt werden.
Es müssen aber auch die Hilfsstoffe,  der gesamte Wandaufbau und alle unter diese Gruppe fallenden Produkte betrachtet werden.
Insbesondere pasteuse Mörtel, Kleber, Spachtelmassen staubbindenden Anstrichen und Imprägnierungen enthalten in der Regel Kunstharzbindemittel. Hier kann die  VOC- / Formaldehyd-Emission sehr unterschiedlich ausfallen. 
Für Gipsplattenprodukte aus der Weiterverarbeitung nach EN 14190 und für Brandschutzprodukte (Brandschutzbekleidungen und Brandschutzbeschichtungen) nach ETA / ETAG 018  ist bei der Verwendung in Aufenthaltsräumen einschließlich zugehöriger Nebenräume eine abZ zum Gesundheitsschutz vorzulegen. 

BNB-Kriterium BN_4.1.4 - Rückbau, Trennung, Verwertung

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_4.1.4 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

Im BNB Kriteriensteckbrief 4.1.4 werden Konstruktionen nach ihrer Rückbaubarkeit, Trennbarkeit und Verwertbarkeit eingestuft.
WECOBIS kann eine aktuelle Information über mögliche Umwelt- und Gesundheitsgefährdungsaspekte im Zuge von Rückbau und Entsorgung auf Bauproduktgruppenebene geben. Eine Betrachtung von ganzen Konstruktionen kann derzeit in WECOBIS noch nicht erfolgen. Ein Bauteilmodul ist jedoch in planung. Ergänzend zu Leitfäden und Arbeitshilfen helfen die bauproduktgruppenspezifischen Aspekte dem Koordinator jedoch auch jetzt schon, die Komponenten Umwelt und Gesundheit für den Steckbrief 4.1.4 einzuordnen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_4.1.4 – Rückbau, Trennung, Verwertung

Einordnung der Gips-Wandbauplatten

Rückbau und sortenreine Trennung

Verschnitt  von  Gips-Wandbauplatten  sowie  Abbruchmaterial  aus  Gips-Massiv-Wänden stellen materialreine Wertstoffe aus Calciumsulfat-Dihydrat dar, die weder in Fraktionen getrennt noch aufwändig  sortiert  werden  müssen. Gips-Wandbauplatten lassen nicht zerstörungsfrei entfernen, so dass eine Wiederverwendung der Platten selten in Frage kommt. 

Die  Wertstoffe  werden  der Kreislaufwirtschaft  wieder  zugeführt,  etwa  als  – chemisch betrachtet – originärer Rohstoff für die erneute Herstellung von Gipsprodukten, für Düngung und Bodenverbesserung in der Landwirtschaft oder für  bergbauliche  Rekultivierungen  oder  Renaturierungen. Dabei können Gips-Wandbauplatten in den gleichen  Brech-  und  Mahlanlagen  verarbeitet  werden, die auch für die Aufbereitung des Naturgipses
vorgesehen sind. Unternehmen der Entsorgungsbranche oder für das Baustellen-Management  verantwortliche  Unternehmen  bieten  teilweise  für  Bauabfälle  ausdrücklich Verwertungsoptionen  an,  andere  lediglich  die  Entsorgung.  Wegen  des  logistischen  und verfahrenstechnischen  Aufwandes  muss  hierbei  – trotz  des  ökologischen  Vorteils  –  immer  der  wirtschaftliche  Nutzen  mit  betrachtet  und  bewertet werden.  Eine  der  Problemlagen  sind  verlässliche und ausreichend hohe Abnahmemengen, die kontinuierlich und in gleicher Qualität für die Verwertung zusammengestellt werden müssen. Die Erfassungssysteme  und  –vorgaben  werden  sich  im  Zuge  der Abfallgesetzgebung  jedoch  signifikant  weiterentwickeln:  Heute  eingebaute  Gips-Wandbauplatten stellen  dann  am  Ende  ihrer  Nutzungsdauer  einen problemlos  zu  behandelnden  Wertstoff  mit  hohem Recyclingpotenzial dar.

Weitere Informationen siehe Reiter Bauplatten aus Gips / Nachnutzung - Stoffliche Verwertung

Quellen

 GIPS-Datenbuch 2013, Bundesverband der Gipsindustrie e. V., Berlin,  www.gips.de

Gips-Wandbauplatte nach DIN EN 12859 – Umwelt-Produktdeklaration, August 2014, Herausgeber der Deklaration: IBU Institut Bauen und Umwelt e.V. Berlin; Inhaber der Deklaration: Bundesverband der Gipsindustrie e.V. Berlin

Gebäudeschadstoffe und Gesunde Innenraumluft, Herausgeber Gerd Zwiener und Frank-Michael Lange, Erich Schmidt Verlag GmbH+Co, Berlin 2012

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Kriterium 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt, abrufbar unter BNB_BN_1.1.6 Version V 2015

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 3.1.3 Innenraumhygiene, abrufbar unter bnb-nachhaltigesbauen BNB_BN2011-1_313 (Online-Quelle), abgerufen 10/2014

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 4.1.4 Rückbau, Trennung und Verwertung, abrufbar unter bnb-nachhaltigesbauen BNB_BN2011-1_414 (Online-Quelle), abgerufen 10/2014

 

Gips-Wandbauplatten

Technisches

Technische Daten

Rohdichte [kg/m3]: 800 - 1.500
Masse / Fläche [kg/m2]: 58 - 150

Baustoffklasse nach DIN 4102-1

A1 (nicht brennbar)

Euroklasse nach DIN EN 13501-1

A1 (kein Beitrag zum Brand)

Technische Regeln (DIN, EN)

DIN EN 12859 Gips-Wandbauplatten – Begriffe, Anforderungen und Prüfverfahren
DIN EN 12860 Gipskleber für Gips-Wandbauplatten – Begriffe, Anforderungen und Prüfverfahren
DIN 4103-2 Nichttragende innere Trennwände – Teil 2: Trennwände aus Gips-Wandbauplatten

Quelle: https://www.beuth.de, Beuth Verlag GmbH, Berlin, Stand Februar 2020

Bundesverband der Gipsindustrie e.V.; Gips-Datenbuch; 2013 Berlin

Gips-Wandbauplatten

Literaturtipps

Website des Bundesverbandes der Gipsindustrie e.V.:

  • GIPS-Datenbuch, Bundesverband der Gipsindustrie e. V., Berlin 2013
  • Gips-Wandbauplatten - eine Klasse für sich, Bundesverband der Gipsindustrie e. V. Industriegruppe Wandbauplatten, Berlin 2012

Downloadbereich Gips.de

siehe auch  Bauplatten aus Gips

Gips-Wandbauplatten

Rohstoffe / Ausgangsstoffe

Hauptbestandteile

Wesentliche Rohstoffe in Masse-% und Stofferläuterung der Hauptbestandteile, ggf. von Hilfsstoffen und Zusatzmitteln

Bindemittel: > 85 % gebrannter Gips = Stuckgips (Naturgips oder REA-Gips)

davon Rezyklat:

REA-Gips in unterschiedlichen Anteilen, gipshaltige Produktionsrückstände
  Wasser

Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Gewinnung der Primärrohstoffe

Rohstoffe sind Naturgips und REA-Gips, siehe Gips + Bauplatten aus Gips

Verfügbarkeit

Die Hauptbestandteile Naturgips und REA-Gips (Gips aus Rauchgasentschwefelungsanlagen) sind nur begrenzt vorhanden. Der Einsatz von REA-Gips schont die natürlichen Gips-Ressourcen und verhindert die Deponierung des hochwertigen Materials.1

Verwendung von Recyclingmaterialien / Produktionsabfällen

REA-Gips siehe oben

Radioaktivität

Radionuklide in Baumaterialien

Natürlich Radionuklide in Baustoffen können vorkommen in Abhängigkeit von Material und Zuschlagstoffen. Zum Schutz der Bevölkerung vor Strahlenbelas­tungen werden in Deutschland seit mehr als 20 Jahren Untersuchungen und Bewertungen der radioaktiven Stoffe in Baumaterialien durchge­führt. Nach einer Studie des BfS wurden in Deutschland keine zu Bauzwecken verwendbaren Materialien festgestellt, die infol­ge erhöhter Uran- und Radiumkonzentrationen zu höhe­ren Konzentrationen des Radon-222 (Radon) in Räumen führen könnten. 2

Bei den derzeit handelsüblichen Bauproduktgruppen sind aus der Sicht des Strahlenschutzes keine Einschränkungen erforderlich. Allerdings ist auch weiterhin die vorgegebene Beschränkung des Anteils industrieller Rückstände als Zuschlag zu beachten, siehe ausführliche BfS-Informationen zu Baumaterialien.

Gips-Wandbauplatten tragen aufgrund ihrer möglichen Dosisbeiträge nur unwesentlich zur Strahlenexposition der Bewohner bei.

Landinanspruchnahme (Landuse)

Das Flächenäquivalent für Gips- und Anhydritsteinabbau für die gesamte Gipserzeugung in der BRD liegt unterhalb von 1% des Flächenäquivalents für  Bausand- und Baukiesabbaus, kann im Einzelfall aber einen erheblichen Eingriff in die Landschaft darstellen, siehe Bauplatten aus Gips. 3

Quellen

1          Bundesverband der Gipsindustrie e.V.
2          Bundesamt für Strahlenschutz, Fachbereich Strahlenschutz und Umwelt
3          Dr. Werner Gwosdz, Dr. Simone Röhling,
            Flächenbedarf für den Abbau von oberflächennahen Rohstoffen

Gips-Wandbauplatten

Herstellung

Herstellungsprozess

Nach Anlieferung von Naturgips / REA-Gips an das Gipswerk erfolgt zunächst die Herstellung von Calciumsulfat-beta-Halbhydrat (Stuckgips) durch Brennen des Rohgipses (Kalzinieren) unterhalb 180°C. Die Herstellung von Gips-Wandbauplatten erfolgt in automatisierten Produktionsanlagen. In Dosier-  und Mischaggregaten wird aus Stuckgips und Wasser eine homogene, fließfähige Masse hergestellt und in einen Edelstahlformkasten zur Herstellung der Platte eingebracht. Nach diesem Vorgang wird in einem Trockner die Überschussfeuchte thermisch entfernt und anschließend das Produkt in Plattenpakete verpackt. 1,2

Umweltindikatoren / Herstellung

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren in WECOBIS soll zukünftig ausschließlich die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMI liefern.

Die Ökobau.dat stellt Umweltprofile für Bauprodukte bereit, die als erforderliche Datengrundlage für die Lebenszyklusanalyse eingesetzt werden. Für Bauprodukte gibt es Herstellungs- und End-of-Live- Datensätze.

Weiterführende Informationen zur Ökobau.dat im Zusammenhang mit dieser Produktgruppe finden sich in WECOBIS unter Fachinformationen / Reiter Umweltdeklarationen → Ökobau.dat / Umweltindikatoren

Da in der Herstellung von Bauprodukten ein großer Anteil der verursachten Umweltbelastungen auf den Verbrauch von nicht erneuerbaren Energieträgern zurückzuführen ist, stellt die Graue Energie (kumulierter Primärenergieaufwand nicht erneuerbar) dafür einen guten Indikator dar.

Im Kapitel Energieaufwand finden sich ggf. allgemeine Informationen zum Thema, die die Produktgruppe prägen.

Energieaufwand

Bei der Herstellung dominieren die mit dem Verbrauch fossiler Energieträger verbundene Kalzinierung des Rohgipses und die Plattentrocknung die Wirkungskategorien der Ökobilanz deshalb deutlich; so sind diese beiden Teilprozesse für rund 85% des globalen Erwärmungspotenzials (GWP) verantwortlich.

Graue Energie

Gips-Wandbauplatte 1m2 = 84 kg

Summe erneuerbare Primärenergie (PERT)  5,32 MJ / kg

Summe nicht erneuerbare Primärenergie (PENRT) 329,68 MJ / kg   3

Charakteristische Emissionen

Die Herstellung von Gips-Wandbauplatten erfolgt in emissionsschutzrechtlich genehmigten Anlagen nach den Vorgaben des Bundesimmissionsschutzgesetzes.4

Transport

Die Herstellerwerke sind in der Regel nahe an der Rohstoffquelle, bei den Abbaustellen von Naturgips / Gipsstein oder bei  Kraftwerken mit Rauchgasentschwefelungsanlagen angesiedelt um den Transportweg in der Herstellung kurz zu halten.

Quellen

1              Bundesverband der Gipsindustrie e. V., Berlin
2,3,4      Umwelt-Produktdeklaration "Gips-Wandbauplatte nach DIN EN 12859", August 2014, Hrsg. IBU - Institut für Bauen und Umwelt e.V.

Gips-Wandbauplatten

Verarbeitung

Technische Hinweise / Verarbeitungsempfehlungen

Der Wandaufbau erfolgt auf der Grundlage von DIN 4103-2. Gips-Wandbauplatten werden mit Gipskleber verbunden und im Verband zusammengefügt. Ihre Standsicherheit erhalten die Wände durch den Plattenverbund und den Anschluss an den Baukörper. Sie ist ohne weitere Nachweise gegeben, wenn die tabellierten Werte für die zulässigen Wandmaße und die Wandanschlussarten nach DIN 4103-2 angewendet werden. Der Anschluss erfolgt in der Regel elastisch. Beim elastischen Anschluss werden am Boden, an den flankierenden Wänden und an der Decke Randanschlussstreifen angesetzt. Dadurch werden sowohl Zwängungskräfte infolge Verformungen von Gebäudeteilen kompensiert als auch die schalltechnische Qualität der Wände verbessert (schalltechnische Entkopplung). Wird eine stärkere Verformung der angrenzenden Bauteile erwartet, erfolgt der Anschluss gleitend.

Arbeitshygienische Risiken

Allgemeines

Die Verarbeitung von Gips-Wandbauplatten ist bei staubarmer Bearbeitung (Zusägen mit Absaugung) nicht mit arbeitshygienischen Risiken verbunden.
Bei hoher Staubentwicklung (z. B. beim Zuschneiden mit stark rotierendem Gerät / Kreissäge) und zu erwartender Grenzwertüberschreitung wird eine Atemschutzmaske empfohlen.
siehe auch Wingis-Stoffinformationen Gips

AGW-Werte

Arbeitsplatzgrenzwert AGW (früher: MAK-Wert)
Calciumsulfat (Gips):

Deutschland (TRGS 900): A-Staub: 6 mg/m³ (Alveolengängige Fraktion, früher: Feinstaub)

TRGS 900 - Technischen Regeln für Gefahrstoffe - Arbeitsplatzgrenzwerte

 

REACH / CLP

Die REACH-Verordnung regelt die Herstellung, das Inverkehrbringen und den Umgang mit Industriechemikalien. Zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen, dient die CLP-Verordnung (Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen), um ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu gewährleisten.

Wird ein Produkt nicht als Stoff oder Gemisch, sondern als Erzeugnis eingestuft, ist kein Sicherheitsdatenblatt (SDB) erforderlich und Gefahrstoffbezeichnungen entfallen. Lediglich besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) müssen ausgewiesen werden. Für diese Informationen besteht eine Auskunftspflicht. Sie müssen aber nicht in Form eines Sicherheitsdatenblattes nach den Kriterien des Anhangs II der REACH-Verordnung gegeben werden. Für Verbraucher muss die Informationsweitergabe auch nur auf Anfrage beim Hersteller erfolgen.

Allerdings müssen seit 01.07.2013 zumindest SVHC (> 0,1 Massen-%) in allen Bauprodukten (Gemische und Erzeugnisse), die unter den Geltungsbereich der Bauproduktenverordnung (BauPVO) fallen, über eine Leistungserklärung, die zusätzlich zur CE-Kennzeichnung erstellt wird und dem Bauprodukt beigefügt ist, gekennzeichnet sein.

Gips-Wandbauplatten werden als Erzeugnis eingestuft.

Einstufungen und Gesundheitsgefahren nach GISBAU

Information zurStoffgruppen Calciumsulfat (Gips) auf GISBAU
Calciumsulfat

Emissionen

Staubentwicklung ist bei der Verarbeitung möglich, siehe auch  2.3.2.1 Allgemeines

Gips-Wandbauplatten

Nutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiken Neuzustand

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

Die Anforderungen nach dem AgBB-Bewertungsschema hinsichtlich aller dort aufgeführten Kriterien werden deutlich unterschritten. 1

 

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Außenraum

Eingebaute Gips-Wandbauplatten stehen einsatzbedingt nicht in Kontakt zum Außenraum.2

Umwelt- und Gesundheitsrisiken bei bestimmungsgemäßer Nutzung

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

Schadstoffbelastungen / Emissionen in den Innenraum sind kaum nachweisbar.3

Umwelt- und Gesundheitsrisiken im Schadensfall

Brandfall

Gips-Wandbauplatten nach DIN EN 12859 sind nichtbrennbar (A1, kein Beitrag zum Brand).

Wassereinwirkung

Trennwände aus Gips-Wandbauplatten dürfen in Innenräumen angewendet werden, deren Flächen regelmäßig durch Spritz- und Brauchwasser beansprucht werden, z.B. in häuslich genutzten Küchen und Bädern. Ihre Anwendung in moderaten Feuchträumen ist in  DIN 18534-1 geregelt: Gips-Wandbauplatten sind in den Wassereinwirkungsklassen W0-I (nicht häufige Einwirkung) und W1-I (häufige Einwirkung) anwendbar. Eine hierbei erforderliche Abdichtung ist bauteilbezogen anzuordnen und nach Herstellerangaben im Verbund mit Fliesen und Platten auszuführen. Aus baupraktischen Gründen wird in offenen Rohbauten die Verwendung von hydrophobierten Gips-Wandbauplatten im Wandfuß empfohlen. In kritischen Bauvorhaben sollte die Trennung von der Rohdecke durch ein wasserdichtes, dimensionsstabiles Auflager in Erwägung gezogen werden (Hydrosockel).

Beständigkeit Nutzungszustand

Unter der Rubrik Baustoff- und Gebäudedaten / Nutzungsdauern von Bauteilen findet sich auf dem Informationsportal Nachhaltiges Bauen eine Datenbank mit Nutzungsdauerangaben von ausgewählten Bauteilen des Hochbaus für den Leitfaden „Nachhaltiges Bauen“.
Datenbank als PDF

Quellen

1,2,3  Gips-Wandbauplatte nach DIN EN 12859 – Umwelt-Produktdeklaration, August 2014, Herausgeber der Deklaration: IBU Institut Bauen und Umwelt e.V. Berlin;            Inhaber der Deklaration: Bundesverband der Gipsindustrie e.V. Berlin

Gips-Wandbauplatten

Nachnutzung

Wiederverwendung / Wiederverwertung / Beseitigung

Verschnitt  von Gips-Wandbauplatten sowie Abbruchmaterial aus Gips-Massiv-Wänden stellen materialreine Wertstoffe aus Calciumsulfat-Dihydrat dar, die weder in Fraktionen getrennt noch aufwändig sortiert werden müssen.1

Umwelt- und Gesundheitsrisiko Rückbau

Verunreinigung anderer mineralische Abbruchfraktionen, Emission von Staub sind zu vermeiden.

Wiederverwendung

Gips-Wandbauplatten können nicht wiederverwendet werden, da der Rückbau von Gips-Massiv-Wänden nicht zerstörungsfrei möglich ist.

Stoffliche Verwertung

Ein Recyclingsystem zur Verwertung von Abbruchgips, Verschnitt und Baustellenabfälle befindet sich im Aufbau.  

Prinzipiell können die Wertstoffe aus Calciumsulfat-Dihydrat der Kreislaufwirtschaft  wieder  zugeführt,  etwa  als  – chemisch betrachtet – originärer Rohstoff für die erneute Herstellung von Gipsprodukten, für Düngung und Bodenverbesserung in der Landwirtschaft oder für  bergbauliche Rekultivierungen oder Renaturie-
rungen. Dabei können Gips-Wandbauplatten in den gleichen Brech-  und Mahlanlagen verarbeitet werden, die auch für die Aufbereitung des Naturgipses vorgesehen sind. Wegen des logistischen und verfahrenstechnischen  Aufwandes muss hierbei  – trotz  des  ökologischen  Vorteils  –  immer  der  wirt-schaftliche Nutzen mit betrachtet und bewertet werden. Eine der Problemlagen sind verlässliche und ausreichend hohe Abnahmemengen, die kontinuierlich und in gleicher Qualität für die Verwertung zusammengestellt werden müssen.2

Energetische Verwertung

nicht möglich

Beseitigung / Verhalten auf der Deponie

Deponie der Klasse I und II gemäß Abfallablagerungsverordnung.3

EAK-Abfallschlüssel

17

Bau- und Abbruchabfälle

17 08 02

Baustoffe auf Gipsbasis mit Ausnahme derjenigen, die unter 17 08 01 fallen

siehe auch Lexikon / Abfallschlüssel

Quellen

1,2,3 Gips-Wandbauplatte nach DIN EN 12859 – Umwelt-Produktdeklaration, August 2014, Herausgeber der Deklaration: IBU Institut Bauen und Umwelt e.V. Berlin;           Inhaber der Deklaration: Bundesverband der Gipsindustrie e.V. Berlin