Ölfarben und Naturharzlacke

Produktgruppeninformation

Begriffsdefinition

Ölfarben sind die ältesten Farbsysteme und waren vor der Entwicklung der Kunstharze, bis Mitte dieses Jahrhunderts die einzigen Farbsysteme, die einen schlagfesten und zähen Film auf dem Untergrund bilden. Sie verlangen eine spezielle Verarbeitung, die früher zum Handwerk jedes Malers gehörte und heute mehr und mehr verloren geht. Die Ölfarben und Naturharzlacke gelten als umweltfreundliche Farben, obwohl die meisten handelsüblichen Systeme beträchtliche Lösemittelanteile enthalten und Ölfarben auf Wasserbasis bis heute nicht die Gebrauchstauglichkeit der konventionellen Ölfarben erreicht haben. Durch Verwendung von leichtflüssigen Ölen kann der Lösemittelgehalt reduziert werden, im Extremfall kann auf Lösemittel verzichtet werden.

Ölfarben, die häufig zur Verbesserung der Filmeigenschaften mit Naturharzen verschnitten werden, sind wie Alkydharzlackfarben chemisch-oxidativ trocknende Farbsysteme. Mit Hilfe konventioneller Sikkative (Trocknungsstoffe) auf Metallbasis werden die Öle chemisch verändert und miteinander vernetzt. Gut ausgetrocknete Ölfilme sind zähhart und wetterbeständig.

Wesentliche Bestandteile

Ölfarben und Naturharzlacke bestehen hauptsächlich aus Bindemittel (verschiedene Pflanzenöle und Naturharze), gegebenenfalls Lösemittel (Testbenzine oder Terpene aus Baumharzen und Citrusschalen), Füllstoffen, Pigmenten und Hilfsstoffen.

Charakteristik

Die meistens Produkte dürfen, was das Bindemittel anbelangt, als natürlich angesehen werden. Es ist jedoch auch möglich, die Öle und Harze chemisch so zu verändern (häufig wird das Wort Modifikation verwendet), dass man nicht mehr von natürlichen Bindemitteln sprechen kann. Beispielsweise lassen sich Öle mit Isocyanaten chemisch zu Urethanölen umsetzen (vgl. Polyurethanharze lösemittelhaltig). Wie wenig eindeutig die Abgrenzung zwischen künstlichen und natürlichen Bindemitteln ist, lässt sich anhand der Ölmodifikationen sehr gut illustrieren.

Lieferzustand

Ölfarben und Naturharzlacke werden in Metallgebinden geliefert.

Anwendungsbereiche (Besonderheiten)

grundsätzliche Anwendungsbereiche von Ölfarben und Naturharzlacken im Vergleich zu anderen Farben, Lacken, Lasuren siehe Anwendungsbereiche Farben, Lacke, Lasuren

Obwohl die Ölfarben aufgrund ihrer langen Trocknungszeiten durch die Kunstharzlacke verdrängt wurden, haben sie auch einige Vorteile gegenüber diesen schnell trocknenden Systemen. Ölfarbenanstriche sind dauerhaft, platzen bei richtiger Anwendung nicht ab und bleiben im Gegensatz zu Kunstharzlacken lange rissfrei. Ölfarben zeigen gegenüber Feuchtigkeit im Holz eine höhere Toleranz, als dies bei Kunstharz- oder Acryllacken der Fall ist. Ölfarbenanstriche bleiben bei richtiger Formulierung und Verarbeitung lange elastisch und können so den Quell- und Schwindbewegungen der Holzuntergründe besser und vor allem länger folgen.

  Innen Außen
Beanspruchung gering  stark  
Putze x + -
Gips x +  
Gipskarton, Papier, Tapeten
x +  
Beton - - -
Faserzement - - -
Massivholz x + +
Holzwerkstoffe x + +
Stahl + + +
Stahl verzinkt 0 1) 0 1) -
Aluminium + 1) + 1) 0
+
geeignet
x
möglich, aber nicht gebräuchlich
-
nicht geeignet
0
bedingt geeignet
1)
nur mit entsprechender Grundierung
 
 

Der Hauptanwendungsbereich von Ölfarben und Naturharzlacken sind Holz und Holzwerkstoffe innen und außen bei starker Beanspruchung. Auch bei stark beanspruchten Gipsbaustoffen oder als Rostschutzgrundierung eignen sich Ölfarben ohne Naturharze sehr gut. Sie vermögen die Restbestandteile an Rost auf entrosteten Metalloberflächen gut zu umhüllen.

Alternativen hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Als Alternativen kommen vor allem im Innenbereich Dispersionslackfarben in Frage. Sie weisen in der Regel deutlich weniger Lösemittelemissionen auf, lassen sich einfacher verarbeiten und sind preisgünstiger.

Anstrichaufbau

Grundierung 150 g/m³ Erhöhter Bindemittel / Lösemittelgehalt, wenig Pigmente / Füllstoffe
Ölfarbe oder Naturharzlack 250 g/m² Zwei Anstriche, Standardrezeptur, erster Anstrich mit höherem Pigment / Füllstoffgehalt

Beim angegebenen Anstrichaufbau handelt es sich um einen Standardaufbau auf Holz. Die produktbedingten Abweichungen können erheblich sein. Grundierung und Deckanstrich sollten sinnvollerweise aus denselben Bestandteilen bestehen.

Quellen

Eigene Datensammlung, büro für umweltchemie

Ölfarben und Naturharzlacke
Ölfarben und Naturharzlacke

Planungs- und Ausschreibungshilfen

WECOBIS informiert produktneutral. An verschiedenen Stellen bietet WECOBIS jedoch auch Unterstützung dazu, wie sich Produkte innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer ökologischen Eigenschaften unterscheiden lassen.

Informationen hier im Reiter Ausschreibung:

  • Links zu materialökologischen Anforderungen und Textbausteinen für Planung und Ausschreibung im WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen,
  • Hinweise auf mögliche Quellen und Nachweisdokumente zu Planungs- und Ausschreibungskriterien,
  • Hinweise zu möglichen Verwendungseinschränkungen hinsichtlich Gefahrstoffverordnung und zu Alternativen

Übersicht Planungs- und Ausschreibungshilfen: Lacke und Lasuren
Stand 03/2015

  

Polyurethanharze wasserverdünnbar

Polyurethanharze lösemittelhaltig

Dispersionslackfarben

Klarlacke

Alkydharzlackfarben

Ölfarben und Naturharzlacke

Holzlasuren

Epoxidharzdispersion

Epoxidharze lösemittelhaltig

           
  Material-
ökologische Anforderungen
Im neuen Modul "Planungs- & Ausschreibungshilfen" bietet WECOBIS eine Übersicht zu möglichen materialökologischen Anforderungen und Textbausteine für Planung und Ausschreibung. Inhalt aufklappen
   
Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS

Lacke, Lasuren, Beizen, inkl. Grundbeschichtung
---
Beschichtungen von Holz-Bodenbelägen
---

Reaktive PU-Beschichtungen für die Beschichtung von Holz

Lacke, Lasuren, Beizen, inkl. Grundbeschichtung
---
Beschichtungen von Holz-Bodenbelägen

Lacke, Lasuren, Beizen, inkl. Grundbeschichtung

Lacke, Lasuren, Beizen, inkl. Grundbeschichtung

  Mögliche Quellen Die hier genannten Quellen, insbesondere BNB, bilden die Grundlage für Planungs- und Ausschreibungshilfen bzw. materialökologische Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS. Inhalt aufklappen
   
Bewertungssystem
Nachhaltiges Bauen

(BNB) des BMUB /
Kriterium 1.1.6 (Risiken für die lokale Umwelt)

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMUB steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen. Die o.g. Textbausteine und materialökologischen Anforderungen in WECOBIS basieren derzeit auf Kriteriensteckbrief 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt. Dieser steht in engem Zusammehang mit Kriteriensteckbrief 3.1.3 Innenraumhygiene.

Auch wenn ein Gebäude nicht zertifiziert werden soll, bilden die einzelnen Kriteriensteckbriefe eine gute Grundlage, Orientierung und Hilfestellung für die Umsetzung ökologischer Aspekte in der Gebäudeplanung.

Einordung der jeweiligen Lacke und Lasuren hinsichtlich verschiedener Kriteriensteckbriefe siehe Reiter Bewertungssysteme in WECOBIS

Umweltbundesamt
(UBA)
Auf den Internet-Seiten des Umweltbundesamtes (UBA) befindet sich der „Informationsdienst für umweltfreundliche Beschaffung“. Die Seiten werden gerade überarbeitet, sodass sich dort derzeit aus dem Baubereich nur Ausschreibungsempfehlungen zu Elastischen Bodenbelägen, Tapeten und Raufaser finden.
baubook ökologisch ausschreiben Die Plattform baubook ökologisch ausschreiben bietet eine Sammlung von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Lacke  und Lasuren finden sich Produktdeklarationen unter Beschichtungen und Imprägnierungen.
natureplus Ausschreibungstexte + + + +
  Mögliche Nachweis-
dokumente
weitere Nachweismöglichkeiten neben den folgend genannten sind Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, sowie Herstellererklärungen oder ggf. ein Anhang mit Nachhaltigkeitsmerkmalen zur bauaufsichtlichen Zulassung (abZ+). Inhalt aufklappen
   
gesetzlich vorgeschrieben: Welche Nachweisdokumente müssen vom Hersteller zur Verfügung gestellt werden? Welcher Nachweis kann damit erbracht werden?
REACH / CLP:
Sicherheitsdatenblatt (SDB)
Lacke und Lasuren werden als Gemisch eingestuft. Für sie muss daher ein SDB gemäß den Anforderungen in Art.31 REACH-VO in Verbindung mit Anhang II erstellt werden. (Nachweis gefährliche Stoffe, Nachweis SVHC >= 0,1 Gew.-%).
Leistungserklärung gemäß BauPVO mit Angaben zu SVHC - -

 -

-

allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) aus Gesundheits-
schutzgründen

Beschichtungen für Parkette und Holzfußböden sowie für elastische Bodenbeläge benötigen bei der Verwendung in Aufenthaltsräumen einschließlich zugehöriger Nebenräume eine abZ aus Gesundheitsschutzgründen. Sie umfasst eine Emissionsprüfung zur quantitativen Bestimmung und Bewertung von Formaldehyd, sowie flüchtiger (VOC) und schwer flüchtiger (SVOC) Verbindungen auf Basis des AgBB-Bewertungsschemas.

abZ der Gruppen
Z-157.10 (Beschichtungen f. Parkette &  Holzfußböden)
Z-157.20 (Beschichtungen f. elastische Bodenbeläge)
Z-157.30 (Beschichtungen f. Korkbodenbeläge)

 -

 -

freiwillige Produktkenn-zeichnungen / -deklarationen Für einige Bauproduktgruppen existieren freiwillige Produktkennzeichnungen oder -deklarationen wie z.B. Umweltzeichen oder Umweltproduktdeklarationen, die als Nachweis für materialökologische Anforderungen dienen können. Eine Übersichtstabelle dazu mit detaillierten Informationen zu Lacken und Lasuren findet sich im Reiter Zeichen & Deklarationen.

Gefahrstoffverordnung

Gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der GefStoffV ist grundsätzlich das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen zu verwenden.Werden für eine Produktgruppe GISBAU Produkt-Codes oder GISCODES vergeben, lassen sich z.B. dadurch Unterschiede innerhalb der Produktgruppe feststellen (s. Reiter Zeichen & Deklarationen).
Aufgrund der sensibilisierenden Wirkung von Terpentinöl sollten wenn möglich terpenfreie Ölfarben verwendet werden(siehe Verarbeitung / Arbeitshygienische Risiken, Reiter Zeichen & Deklarationen, sowie GISBAU Produktdatenblätter M-LL04, M-LL05 / Ersatzstoffe).

Alternativen hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Als Alternativen kommen vor allem im Innenbereich Dispersionslackfarben in Frage. Sie weisen in der Regel deutlich weniger Lösemittelemissionen auf, lassen sich einfacher verarbeiten und sind preisgünstiger.

Weitere planungs- und ausschreibungsrelevante Informationen in WECOBIS

Allgemeine Unterstützung zum Umgang mit Nachhaltigkeitsaspekten in Planung und Ausschreibung sowie Hinweise auf Leitfäden, Arbeitshilfen und Veröffentlichungen zum Nachhaltigen Bauen bietet das neue WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen unter Allgemeine Infos.

Ölfarben und Naturharzlacke

Umweltdeklarationen

Die folgende Tabelle liefert eine Übersicht zu Zeichen & Deklarationen aus dem Bereich der Lacke und Lasuren. Neben Herstellererklärungen, Informationen in Sicherheitsdatenblättern (SDB) oder allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen (abZ) können diese den Nachweis für umwelt- und gesundheitsrelevante Kriterien in Planung und Ausschreibung (s. Reiter Ausschreibung) ermöglichen. Detaillierte Informationen finden sich außerdem in den einzelnen Produktgruppen.

Übersicht Umweltdeklarationen: Lacke und Lasuren
Stand 08/2015

  

Lacke und Lasuren lösemittelhaltig:

Alkydharzlackfarben

Ölfarben und Naturharzlacke

Klarlacke lösemittelhaltig

Naturharzklarlacke lösemittelhaltig

Lasuren lösemittelhaltig

Polyurethanharze lösemttelhaltig

Epoxidharze lösemittelhaltig

Kunstharzlacke und -lasuren
wasserverdünnbar:

Dispersionslackfarben

Klarlacke wasserverdünnbar

Lasuren wasserverdünnbar

Polyurethanharze wasserverdünnbar

Epoxidharzdispersionen

 

Naturharzlacke und -lasuren wasserverdünnbar:

derzeit noch keine Produktgruppen in WECOBIS

         
  Umweltzeichen

Umweltzeichen gehören zu den freiwilligen Produktkennzeichnungen. Sie bieten die Möglichkeit, Unterschiede von Produkten innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer Umwelt- und Gesundheitsrelevanz festzustellen, auch wenn sie keine allgemeinverbindlichen Gebote oder Verbote aufstellen können. Inhalt aufklappen

   
Blauer Engel
weil emissionsarm /
RAL-UZ 12a
Schadstoffarme Lacke

x

(aufgrund der Inhaltsstoffe: Lösemittelgehalt >10%)

+

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

EU-Umweltzeichen (Blume) für Innenfarben und –lacke bzw. für Außenfarben und -lacke x +

+

(Produktverfügbarkeit nicht prüfbar)

Österreichisches Umweltzeichen /

Richtlinie UZ 01 für Lacke, Lasuren und Holzversiegelungslacke, ausgenommen sind Zweikomponentensysteme

x

+

(derzeit nur Parkettlacke zertifiziert)

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

natureplus-
Qualitätszeichen /
RL0700 Oberflächen-beschichtungen aus nachwachsenden Rohstoffen (Lacke, Lasuren, Öle, Wachse)

x

(nur für Produkte aus nachwachsenden bzw. mineralischen Rohstoffen)

x

(nur für Produkte aus nachwachsenden bzw. mineralischen Rohstoffen)

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

  GISBAU Klassifizierungs-system

Das GISBAU Klassifizierungssystem ermöglicht es durch den GISCODE oder GISBAU Produktcode, Produkte von denen die gleichen Gesundheitsgefahren ausgehen, in einer Gruppe zusammenzufassen. Die Klassifizierung ist auf den Arbeitsschutz ausgerichtet. Gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) ist grundsätzlich das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen zu verwenden. (siehe unten: Ersatzproduktgruppe prüfen?) Inhalt aufklappen

   
 

Für Oberflächenbehandlungen gibt es aufgrund ihrer hohen arbeitshygienischen Relevanz zahlreiche Einstufungskataloge der GISBAU. Für Lacke und Lasuren kommen hier neben dem Einstufungskatalog für Farben und Lacke auch diejenigen für Epoxidharze, Oberflächenbehandlungsmittel für Parkett und andere Holzfußböden, sowie Polyurethanharzprodukte zur Verwendung. Aufgrund der Vielzahl der Produktcodes, wird in dieser Tabelle zunächst nur ein erster allgemeiner Überblick zur Systematik gegeben. Die für die jeweilige Produktgruppe im Einzelnen relevanten Links können dem rechten Navigationsbalken bzw. den produktgruppenspezifischen Informationen im Reiter Verarbeitung entnommen werden.

GISBAU Produkt-Code / GISCODE

Einstufungskatalog Lacke und Lasuren:
Lackfarben lösemittelverdünnbar:
M-LL01 - M-LL03 (Alkydharze)
M-LL04 - M-LL05 (Ölfarben)
Klarlacke, Holzlasuren lösemittelverdünnbar:
M-KH02 - M-KH05 (Alkydharz, Polymerisat, Naturharz)

Einstufungskatalog Polyurethanharzprodukte:
Polyurethanharze lösemittelhaltig:
PU20, PU30, PU50 (PU-Systeme)

Einstufungskatalog Epoxidharze:
Epoxidharzfarben lösemittelhaltig:
RE2, RE2,5, RE3 (Epoxidharzprodukte)

Einstufungkatalog Oberflächenbehandlungsmittel für Parkett und andere Holzfußböden:
G1-G3, KH1-KH2, DD1-DD2, SH1 (stark lösemittelhaltige Versiegelungen)
Ö40-Ö70, Ö80-Ö100 (Öle und Wachse, Lösemittelgehalt 5-15%)

Einstufungskatalog Lacke und Lasuren:
Lackfarben wasserverdünnbar:
M-LW01 (Dispersionlack)
Klarlacke, Holzlasuren wasserverdünnbar:
M-KH01 (Kunstharzdispersion)

Einstufungskatalog Polyurethanharzprodukte:
Polyurethanharze wasserverdünnbar:PU10 + PU40 (PU-Systeme)

Einstufungskatalog Epoxidharze:
Epoxidharzfarben lösemittelfrei:RE0, RE0,5 (Epoxidharzprodukte)

Einstufungkatalog Oberflächenbehandlungsmittel für Parkett und andere Holzfußböden:
W1, W1/DD (Wassersiegel, lösemittelfrei)
W2, W2+, W2/DD+ (Wassersiegel, Lösemittelgehalt max. 5%)
W3, W3+, W3/DD (Wassersiegel, Achtung! Lösemittelgehalt per Definition bis zu 15% erlaubt)
Ö10, Ö10+, Ö10/DD+ (Öle / Wachse, lösemittelfrei)
Ö20-Ö30, Ö20+, Ö80 (Öle und Wachse, Lösemittelgehalt max. 5%)

Einstufungkatalog Oberflächenbehandlungsmittel für Parkett und andere Holzfußböden:
Ö10, Ö10+, Ö10/DD+ (Öle / Wachse, lösemittelfrei)

wasserbasierte Naturharzlacke sind i.d.R. lösemittelfrei, evtl. kommt deshalb noch der Produktcode für Wassersiegel zur Verwendung:
W1, W1/DD (Wassersiegel, lösemittelfrei)

GefStoffV: Prüfung von Alternativen erforderlich? (Minimierungsgebot)

immer erforderlich (Einsatz muss technisch begründet sein) immer erforderlich bei Epoxidharz- und Polyurethanharzprodukten (Einsatz must technisch begründet sein), nicht erforderlich bei anderen wasserverdünnbaren Lacken und Lasuren mit Lösemittelgehalt bis 5%.  nicht erforderlich

geringstmögliche Belastung innerhalb der gleichen GISCODE-Produktgruppe (ggf. erst nach Prüfung von Alternativen)

Innerhalb der gleichen GISCODE-Gruppe i.d.R. die Produktgruppe mit der niedrigsten Ziffer. Jedoch sollte grundsätzlich der Einsatz wasserverdünnbarer Produkte geprüft werden (s. rechts)

M-LW01, M-KH01, W1, Ö10+ W1, Ö10+
  Umweltprodukt-deklaration (EPD)

Die Umweltproduktdeklaration (EPD = Environmental Product Declaration) eines Produktes macht Aussagen zum Energie- und Ressourceneinsatz und in welchem Ausmaß ein Produkt zu Treibhauseffekt, Versauerung, Überdüngung, Zerstörung der Ozonschicht und Smogbildung beiträgt. Außerdem werden Angaben zu technischen Eigenschaften gemacht, die für die Einschätzung der Performance des Bauproduktes im Gebäude benötigt werden, wie Lebensdauer, Wärme- und Schallisolierung oder den Einfluss auf die Qualität der Innenraumluft.1 Inhalt aufklappen

   
EPD1
- - -
Branchen-EPD1 - - -
  Umweltindikatoren

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren wie z.B Primärenergieaufwand, Abfall, Abiotischer Ressourcenverbrauch, Ozonabbaupotential, Treibhauspotential usw. liefert die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB. Inhalt aufklappen

   
Ökobau.dat-Datensätze

-> 5. Beschichtungen -> 5.6 Lacke und Lasuren

 

  • 5.6.01 Lacksysteme Holzfenster
  • 5.6.02 Lacksysteme Holzfassade
  • 5.6.03 Parkettlack
  • 5.6.04 Lacksysteme Metall
 
  Sonstiges

Sonstige freiwillige Produktkennzeichnungen, die Informationen zur Umwelt- und Gesundheitsrelevanz von Produkten liefern können. Inhalt aufklappen

   
baubook-Deklaration Die Plattform baubook bietet für Händler und Hersteller von Bauprodukten die Möglichkeit einer online-Deklaration anhand von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Lacke und Lasuren finden sich Produktdeklarationen unter Beschichtungen und Imprägnierungen.
+
Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe vorhanden
-
Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe nicht vorhanden
./.
Zeichen / Label für diese Produktgruppe nicht relevant
x
Produkte aus dieser Produktgruppe können die Kriterien des Zeichens/Labels definitionsgemäß nicht erfüllen

1 Die hier als vorhanden markierten EPDs und Branchen-EPDs sind als Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu verstehen und finden sich z.B. auf den Seiten des IBU Institut Bauen und Umwelt e.V..

Ölfarben und Naturharzlacke
Ölfarben und Naturharzlacke

Technisches

Technische Daten

Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl µ: vermutlich relativ geringe Wasserdampfdurchlässigkeit, die mit zunehmender Verwitterung eher noch abnimmt

Technische Regeln (DIN, EN)

Die Begriffe Ölfarbe, Öllack und Naturharzlack sind als Systeme in DIN 55945 und als Bindemittel in DIN 55958 (Harze) definiert.

Bauregelliste

Das Deutsche Institut für Bautechnik stellt in den Bauregellisten A, B und C die technischen Regeln für Bauprodukte und Bauarten sowie bauaufsichtlich geregelte und nicht geregelte Bauprodukte und Bauarten auf.
Nach Zustimmung der obersten Bauaufsichtsbehörden der Länder wird die Bauregelliste bekannt gegeben. Erwerb und weiterführende Informationen zu Bauregelliste und ihren Regelungsbereichen siehe unter → www.dibt.de
Eine Darstellung und Erläuterungen zur Klassifizierung von Bauprodukten siehe im Lexikon → Klassifizierung von Bauprodukten

Ölfarben und Naturharzlacke

Literaturtipps

Umweltbundesamt: Schadstoffarme Lacke - Geltungsbereich und Anforderungen, Umweltbundesamt, 1997, Berlin

Fischer H.: Plädoyer für eine sanfte Chemie, Verlag C.F. Müller Alembik Verlag, 1993, Karlsruhe

ökoscience AG: Vergleichende ökologische Bewertung von Anstrichstoffen im Baubereich Band 1: Methode, Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, 1992, Bern

Büro für Umweltchemie (Hrsg.): Graue Energie von Baustoffen, Büro für Umweltchemie, 1995, Zürich

Ölfarben und Naturharzlacke

Rohstoffe / Ausgangsstoffe

Hauptbestandteile

Ölfarben-und-Naturhazlacke 2.1.1 neu

Abb. 1 / Zusammensetzung nach Funktionen

Als Bindemittel wird eine Vielzahl von behandelten Pflanzenölen und Naturharzen eingesetzt. Die Öle sind bei den meisten Farben die Hauptkomponente des Bindemittels. Die Bandbreiten sind groß. Bei Ölfarben ausschließlich für den Innenbereich sind die Bindemittelgehalte zwischen 10 - 25 %, bei Ölfarben für Außenanwendungen beträgt der Bindemittelanteil ca. 20 - 40 %. Bei Bindemittelgehalten über 40 % ist der Lösemittelgehalt deutlich reduziert. Im Extremfall übernehmen leichtflüssige Öle die Funktion der Bindemittel (Verarbeitbarkeit). Solche neueren Entwicklungen können zu über 60 % aus Ölen bestehen und enthalten keine Lösemittel mehr. Der Gehalt an Pigmenten und Füllstoffen liegt zwischen 30 und 60 %, wobei in weißen Ölfarben oder Naturharzlacken Titandioxid-Pigmente im Bereich von 20 bis 40 % enthalten sind. Die Füllstoffe sind nicht produktgruppenspezifisch. Als Lösemittel sind sowohl Testbenzine aus der Petrochemie wie auch natürliche Terpene aus Baumharzen und Citrusschalen gebräuchlich. Die Lösemittelgehalte sind in erster Linie von der Viskosität der Öle abhängig.

Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Ölfarben-und-Naturhazlacke 2.1.2 neu

Abb. 2 / Zusammensetzung nach Rohstoffherkunft

Gewinnung der Primärrohstoffe

Die Rohstoffherkunft der Ölfarben und Naturharzlacke ist sehr vom einzelnen Produkt abhängig. Die Bindemittel und ein Teil der Hilfsstoffe stammen praktisch ausschließlich aus nachwachsenden Rohstoffen. Das am meisten verwendete Bindemittel ist das Leinöl aus den Leinsamen, die weltweit fast überall angebaut werden. Bei den Baumharzen sind Kolophonium-Modifikationen aus Fichtenharz das gebräuchlichste Harz. Die meisten Naturfarbenhersteller bemühen sich bei den Buntpigmenten hauptsächlich wenig verarbeitete Erdfarben einzusetzen. Diese beschränken sich allerdings auf wenige Pastellfarbtöne. Bei den Weißpigmenten und gewissen Farbtönen wie Grün unterscheiden sich die Naturfarben nicht von den konventionellen Systemen. Beispielsweise bestehen die Weißpigmente von fast allen Naturfarben aus Titandioxid, das in den konventionellen, aufwendigen Titanerzaufbereitungsanlagen hergestellt wird. Als Füllstoffe werden Gesteinsmehle aus Kalk oder Feldspat eingesetzt. Die Ölfarben und Naturharzlacke unterscheiden sich vor allem in der Art der Lösemittel. Die aus Citruschalen gewonnenen Citrusterpene stehen der Verwendung von Testbenzinen gegenüber. Der Trend geht in Richtung Testbenzine, da die Citrusterpene erhebliche Nachteile haben.
Die Gewinnung der fossilen Rohstoffe aus Erdöl, Erdgas und Kohle wie auch der mineralischen Rohstoffe ist mit Umweltrisiken verbunden. Die Gewinnung der nachwachsenden Rohstoffe ist mit geringen Umweltrisiken verbunden.

Verfügbarkeit

Mit der allmählichen Erschöpfung der Erdölvorräte vermindert sich auch das Potential zur Gewinnung von fossilen Rohstoffe in wenigen Jahrzehnten. Allerdings könnten die Rohstoffe auch aus Kohle hergestellt werden, was jedoch mit einem größeren Energieaufwand verbunden wäre.
Die mineralischen Rohstoffe sind auch langfristig nicht erschöpft, eine Knappheit ist nicht zu erwarten.
Nachwachsende Rohstoffe sind definitionsgemäß unerschöpflich. Die benötigte Produktionsfläche steht jedoch in Konkurrenz zu Naturräumen und den Anbauflächen für Lebensmittel oder anderen technischen Produkten und ist nur begrenzt verfügbar.

Verwendung von Recyclingmaterialien / Produktionsabfällen

Die Verwendung von Sekundärrohstoffen in der Produktion von Ölfarben und Naturharzlacken ist evtl. denkbar, wird jedoch in der Praxis gegenwärtig nicht umgesetzt. Produktionsabfälle werden in modernen Industriebetrieben wo möglich genutzt. Detaillierte Informationen für die Farbenproduktion liegen jedoch nicht vor.

Radioaktivität

Radioaktivität ist für Lacke nicht relevant.

Quellen

Eigene Datensammlung, büro für umweltchemie

Ölfarben und Naturharzlacke

Herstellung

Prozesskette

Prozess Lasuren

Herstellungsprozess

Die Herstellung von Ölfarben und Naturharzlacken unterscheidet sich grundsätzlich von den chemischen Produktionen. Es handelt sich um einfache Prozesse wie Destillationen, Extraktionen und mechanische Verarbeitungen wie Pressen, Mahlen, Reinigen und Trocknen. Dabei kommt der Rohstoffqualität und Rohstoffauswahl große Bedeutung zu. Kiefernharz (Balsamharz) beispielsweise wird durch Destillation in die Hauptbestandteile Kolophonium und Terpentinöl zerlegt. Rohe Pflanzenöle werden durch Kochen zu Standölen mit besseren technischen Eigenschaften veredelt. Diese Prozesse finden hauptsächlich in gewerblichen Betrieben statt, in denen keine Gefahrstoffe verwendet werden. Die Herstellung der Füllstoffe ist nicht produktgruppenspezifisch. Die Weißpigmente sowie gewisse Hilfsstoffe und stark leuchtende Buntpigmente stammen auch bei Ölfarben und Naturharzlacken aus konventioneller Produktion.
Die Verarbeitung zu Farben und Lacken beinhaltet das Einwägen und Mischen der Ausgangsstoffe gemäß Rezeptur. Anschließend werden die Komponenten in Gebinde eingefüllt und zur Auslieferung auf Paletten verpackt.
Die Verarbeitung zu Farben und Lacken beinhaltet das Einwägen und Mischen der Ausgangsstoffe gemäß Rezeptur. Anschließend werden die Komponenten in Gebinde eingefüllt und zur Auslieferung auf Paletten verpackt.

Umweltindikatoren / Herstellung

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren in WECOBIS soll zukünftig ausschließlich die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB liefern.

Die Ökobau.dat stellt Umweltprofile für Bauprodukte bereit, die als erforderliche Datengrundlage für die Lebenszyklusanalyse eingesetzt werden. Für Bauprodukte gibt es Herstellungs- und End-of-Live- Datensätze.

Weiterführende Informationen zur Ökobau.dat im Zusammenhang mit dieser Produktgruppe finden sich in WECOBIS unter Fachinformationen / Reiter Umweltdeklarationen → Ökobau.dat / Umweltindikatoren

Da in der Herstellung von Bauprodukten ein großer Anteil der verursachten Umweltbelastungen auf den Verbrauch von nicht erneuerbaren Energieträgern zurückzuführen ist, stellt die Graue Energie (kumulierter Primärenergieaufwand nicht erneuerbar) dafür einen guten Indikator dar.

Im Kapitel Energieaufwand finden sich ggf. allgemeine Informationen zum Thema, die die Produktgruppe prägen.

Energieaufwand

Wichtigste Einflussgröße auf die Herstellungsenergie von Ölfarben und Naturharzlacken ist der Anteil der Weißpigmente (Titandioxid). Titandioxid macht bei Farben mit vorwiegend natürlichen Inhaltsstoffen bis zu 90 % des Energieaufwandes aus. Bei Produkten mit modifizierten Ölen ist auch der Bindemittelgehalt, bei der Verwendung von Testbenzin der Lösemittelgehalt in gewissem Maße energiebestimmend. Je naturnaher ein Produkt ist, desto niedriger ist der Energieaufwand. Die Füllstoffe und die Hilfsstoffe haben nur eine untergeordnete Bedeutung.

Graue Energie

  Dispersionslackfarben Ölfarben und Naturharzlacke Alkydharzlackfarben
[MJ/m²] 11 - 14 9 - 20 20 - 24

Die große Bandbreite der Grauen Energie ergibt sich aus den produktbedingten Abweichungen in den Rezepturen. Die Zahlen beziehen sich auf einen weiß deckenden Standardaufbau auf Holz. Die Energieintensität ist vergleichbar mit derjenigen von Dispersionslackfarben, allerdings mit größeren produktbedingten Abweichungen.

Belastungszahl BZ gemäß BUWAL-Methode

Der BZ-Indikator ist das Ergebnis einer in der Schweiz entwickelten Bewertungsmethode der Umweltbelastung während der Herstellung und Verarbeitung von Anstrichstoffen und basiert auf der Stoff- und Energiebilanzierung.

  Dispersionslackfarben Ölfarben und Naturharzlacke Alkydharzlackfarben
BZ [-/m²] 15 - 19 26 - 45 31 - 38

Auch bei den BZ-Indikatoren von Ölfarben und Naturharzlacken ist der verhältnismäßig hohe Weißpigmentgehalt ausschlaggebend. Daneben machen auch die Lösemittelgehalte, insbesondere bei der Verwendung von Terpenen, einen großen Teil der die Verarbeitung mit berücksichtigenden BZ-Indikatoren aus. Terpene werden wegen des allergenen Potentials stärker bewertet als Testbenzine.

Ölfarben und Naturharzlacke gehören zu den mäßig rohstoff- und herstellungsintensiven Anstrichstoffen.

Charakteristische Emissionen

Emissionen in der Herstellung von Farben und Lacken sind von deren Zusammensetzung abhängig. Lösemittelhaltige Farben und Lacke führen in der Produktion typischerweise zu Lösemittelemissionen, die kontrolliert werden müssen, z. B. durch Absaugung aus geschlossenen Systemen. Mineralische Füllstoffe können zu Staubemissionen führen. Prozesswasser muss, soweit vorhanden, gemäß den Vorgaben der „Verordnung über Anforderungen an das Einleiten von Abwasser in Gewässer“ kontrolliert und behandelt werden.

Transport

Der Transport jener Ausgangsstoffe welche auf fossilen Rohstoffen basieren (Anteile der Bindemittel, Pigmente, Lösemittel, Hilfsstoffe) ist generell mit längeren Transportwegen und größeren Umweltrisiken behaftet als der Transport der Ausgangsstoffe welche auf nachwachsenden Rohstoffen (Anteile der Bindemittel) oder mineralischen Rohstoffen basieren (Füllstoffe, Pigmente). In der Produktionskette werden auch Güter mit Gefahrstoffkennzeichnung transportiert. Da jedoch Bindemittel, Lösemittel, Pigmente sowie Hilfsstoffe in einer Vielzahl von verschiedenen Produkten verwendet werden (nicht nur in Lacken) ist die Umweltrelevanz des Transports nicht spezifisch für die Herstellung von Lacken.

Quellen

ökoscience AG: Vergleichende ökologische Bewertung von Anstrichstoffen im Baubereich Band 1: Methode, Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, 1992, Bern

Büro für Umweltchemie (Hrsg.): Graue Energie von Baustoffen, Büro für Umweltchemie, 1995, Zürich

Ölfarben und Naturharzlacke

Verarbeitung

Technische Hinweise / Verarbeitungsempfehlungen

Ölfarben und Naturharzlacke erfordern eine spezielle Verarbeitung. Sie weisen längere Trocknungszeiten auf als andere Farben und Lacke.

Arbeitshygienische Risiken

Allgemeines

Ölfarben und Naturharzlacke können durch Einatmen der Dämpfe, terpenhaltige Ölfarben und Naturharzlacke zusätzlich durch Aufnahme über die Haut zu Gesundheitsschäden führen. Terpenhaltige Ölfarben und Naturharzlacke können Hautalllergien verursachen. Sensibilisierte Personen können schon in sehr niedrigen Konzentrationen auf Terpene reagieren. Terpenhaltige Produkte sollten deshalb vermieden werden.

AGW-Werte

Für Lösemittel existieren Arbeitsplatzgrenzwerte. Diese sind je nach Lösemittel verschieden hoch. Informationen zu den Grenzwerten finden sich in den GISBAU Produktdatenblättern (hier: M-LL04, M-LL05) jeweils unter "Grenzwerte und Einstufungen".

REACH / CLP

Die REACH-Verordnung regelt die Herstellung, das Inverkehrbringen und den Umgang mit Industriechemikalien. Zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen, dient die CLP-Verordnung (Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen), um ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu gewährleisten.

Wird ein Produkt nicht als Stoff oder Gemisch, sondern als Erzeugnis eingestuft, ist kein Sicherheitsdatenblatt (SDB) erforderlich und Gefahrstoffbezeichnungen entfallen. Lediglich besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) müssen ausgewiesen werden.

Farben werden als Gemisch eingestuft.

Produkt bezogene Informationen gemäß CLP-Verordnung müssen daher in den Sicherheitsdatenblättern (SDB) der jeweiligen Produkte ausgewiesen sein.

Einstufungen und Gesundheitsgefahren nach GISBAU

GISBAU Produkt-Code:

M-LL04 Ölfarben terpenhaltig

M-LL05 Ölfarben terpenfrei

Emissionen

  Dispersionslackfarben Ölfarben und Naturharzlacke Alkydharzlackfarben
[g/m²] 13 - 23 0 - 140 120 - 150

Die Bandbreite bei den Lösemittelemissionen ist produktbedingt. Im Extremfall werden bei der Verwendung von sehr leichtflüssigen Ölen keine Lösemittel benötigt. Lösemittelfreie Produkte sind jedoch eher selten. Im Normalfall sind zwischen 25 - 35 % Lösemittel enthalten.

Ölfarben und Naturharzlacke erfordern besondere Sachkenntnisse bei der Verarbeitung. Wegen der oxidativ-chemischen Trocknung dürfen sie nicht zu dick aufgetragen werden und erfordern längere Trocknungszeiten als physikalisch trocknende Systeme. Bei Zimmertemperatur beträgt die Trocknungszeit 7 - 12 Std. Bei sehr niedrigen Temperaturen trocknen Ölfarben nicht richtig aus.

Umweltrelevante Informationen

Wassergefährdung

Ölfarben und Naturharzlacke können je nach Produkt gemäß VwVwS (Einstufung aufgrund der Verwaltungsvorschrift wassergefährdender Stoffe) als “schwach wassergefährdend“ oder als “wassergefährdend“ eingestuft werden.

Transport

Ölfarben und Naturharzlacke sind nicht als Gefahrgut gekennzeichnet. Für den Transport bestehen daher keine spezifischen Auflagen.

Quellen

Eigene Berechnungen und Daten, büro für umweltchemie

Datenbank für wassergefährdende Stoffe, Umweltbundesamt

Ölfarben und Naturharzlacke

Nutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiken Neuzustand

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

Der Ausschuss zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten (AgBB) hat ein Bewertungsschema (AgBB-Bewertungsschema) zur gesundheitlichen Bewertung der Emissionen von flüchtigen organischen Verbindungen (VOC und SVOC) aus Bauprodukten entwickelt. Darin sind auch Anforderungen für Farben formuliert.

Umwelt- und Gesundheitsrisiken bei bestimmungsgemäßer Nutzung

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

TVOC: Ölfarben und Naturharzlacke können sehr geruchsintensive und vermutlich gesundheitsschädliche Abbau- oder Zersetzungsprodukte über längere Zeit freisetzen. Es handelt sich beispielsweise um Hexanal, eine dem Formaldehyd verwandte Verbindung, die beim Trocknungsprozess von Leinölfettsäure entsteht. Wird die Farbe sachgemäß verarbeitet (Filmdicke, Trocknungszeit), ist das Risiko gering. Bei sehr großen Flächen in Innenräumen mit geringem Luftwechsel sind wegen dieses Risikos Dispersionslackfarben vorzuziehen.

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Außenraum

Umweltrelevante Bestandteile:

Als chemisch-oxidativ trocknende Systeme enthalten Ölfarben und Naturharzlacke immer Metallsikkative meistens auf der Basis von Calcium, Kobalt, Zirkonium oder Zink. Bleisikkative werden nur noch selten verwendet. Umweltrelevante Bestandteile können durch Abwitterung, Versprödung, Diffusion oder bei der Renovierung (z.B. durch Schleifen) in die Umwelt gelangen. Insbesondere kräftig leuchtende Ölfarben und Naturharzlacke können umweltrelevante Schwermetalle wie Chrom, KobaltNickel, Blei oder Cadmium enthalten.

Umwelt- und Gesundheitsrisiken im Schadensfall

Brandfall

Im Brandfall sind keine besonderen Risiken für Umwelt und Gesundheit zu erwarten.

Wassereinwirkung

Es sind keine besonderen Risiken für die Umwelt zu erwarten. Ölfarben und Naturharzlacke enthalten keine gemäß Gefahrstoffverordnung kennzeichnungspflichtigen Bestandteile, welche wasserlöslich sind.

Beständigkeit Nutzungszustand

Mechanische Beständigkeit
Abriebfestigkeit Abwaschbar- und Scheuerbeständigkeit Härte und Kratzfestigkeit
sehr gut gut gut
Alterungsverhalten
Vergilbungsneigung Witterungsbeständigkeit
vorhanden mäßig - gut

Ölfarben im Außenbereich verlieren ihren Glanz sehr rasch.

Unter der Rubrik Baustoff- und Gebäudedaten / Nutzungsdauern von Bauteilen findet sich auf dem Informationsportal Nachhaltiges Bauen eine Datenbank mit Nutzungsdauerangaben von ausgewählten Bauteilen des Hochbaus für den Leitfaden „Nachhaltiges Bauen“.
Datenbank als PDF

Instandhaltung

Die Renovierbarkeit von Ölfarben ist der große Vorteil dieser Farbsysteme. Durch punktuelles Nachölen können Ölfarben dauerhaft gepflegt werden. Sie sind gut überstreichbar. Eine Totalrenovation mit Laugenpulver ist relativ einfach. Allerdings verseifen modifizierte Öle oder mit Naturharz kombinierte Öle nicht.

Quellen

Daten und eigene Berechnungen, büro für umweltchemie. Zürich

Ausschuss zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten, AgBB-Bewertungsschema 2012, Online-Quelle abgerufen am 10. Juli 2012

DIBt (Deutsches Institut für Bautechnik) (2010), Grundsätze zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten in Innenräumen, Stand Oktober 2010, Online-Quelle abgerufen am 10. Juli 2012

Ölfarben und Naturharzlacke

Nachnutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiko Rückbau

Mit dem Rückbau sind keine besonderen Risiken für Umwelt und Gesundheit verbunden.

Wiederverwendung

Eine Wiederverwendung von Farben ist nicht möglich. Oberflächenbehandlungen von Bauteilen können die Wiederverwendung erschweren.

Stoffliche Verwertung

Eine stoffliche Verwertung von Lacken kommt aufgrund ihrer Verarbeitungsform grundsätzlich nicht in Frage. Mit Farben behandelte Baustoffe werden in ihrer Recyclierbarkeit beeinträchtigt. Dies kann zu Qualitätseinbußen von Sekundärbaustoffen führen.

Energetische Verwertung

Ölfarben und Naturharzlacke können in Verbrennungsanlagen energetisch verwertet werden und ergeben bei vorschriftsmäßiger Rauchgasreinigung keine relevanten Emissionen.

Beseitigung / Verhalten auf der Deponie

Reine Ölfarben und Naturharzlacke dürfen nicht deponiert werden. Da Ölfarben und Naturharzlacke auf anderen Materialen anhaften, die je nach Material deponiert werden, können sie dennoch in Deponien gelangen. Somit können die Abbauprodukte der Farben und Lacke die Deponieabwässer belasten.

EAK-Abfallschlüssel

vgl. auch Farben, Lacke, Lasuren

Unverarbeitete und unausgehärtete Ölfarben und Naturharzlacke

08 01 Abfälle aus Herstellung, Zubereitung, Vertrieb, Anwendung und Entfernung von Farben und Lacken
08 01 11 Farb- und Lackabfälle, die organische Lösemittel oder andere gefährliche Stoffe enthalten

(Gemäß KrW-/AbfG, BestbüAbfV besonders überwachungsbedürftige Abfälle)

Ausgehärtete Produktreste
Ausgehärtete Produktreste gelten nicht mehr als Problemmüll und können mit dem Restmüll entsorgt werden.

Quellen

Verordnung über das Europäische Abfallverzeichnis (Abfallverzeichnis-Verordnung – AVV, zuletzt geändert am 24. Februar 2012, Online-Quelle abgerufen am 11.7.2012