Ziegel

Produktgruppeninformation

Begriffsdefinition

Ziegel werden aus mineralischen Tonerden zu Steinen oder Platten geformt, getrocknet und gebrannt. Die Palette der grobkeramischen Ziegelprodukte umfasst Mauerziegel, Deckenziegel, Dachziegel und Pflasterungen.

Zu den Mauerziegeln gehören Vollziegel, die durchgängig aus Ton bestehen, und Lochziegel. Nach dem Anwendungsbereich im zweischaligen Mauerwerk unterscheidet man Vormauer- und Hintermauerziegel. Vormauersteine werden traditionell auch als Backsteine bezeichnet.

Deckenziegel sind plangeschliffene Ziegel, welche gemeinsam mit vorgefertigten Trägern zur Herstellung von Decken verwendet werden. Die Deckenziegel können statisch mitwirkend, statisch nicht mitwirkend oder als Hohlziegel ausgeführt werden. Es werden Deckensysteme mit und ohne Aufbeton angeboten.

Dachziegel sind flächige Bauelemente aus gebranntem Ton, die zum Eindecken von geneigten Dächern dienen.

Der Schwerpunkt des vorliegenden Datenblatts liegt auf Mauerziegeln. Für Porosierte Mauerziegel und Klinker gibt es zusätzlich ein eigenes Datenblatt (→ Porosierte Ziegel, Klinker).

Wesentliche Bestandteile

Als Hauptbestandteile dienen Ton, Lehm, Mergel unterschiedlicher mineralogischer Zusammen­setzung. Sie sorgen für die Plastizität der keramischen Massen („bildsame Rohstoffe“). Je nach Herkunft der Tone gibt es große natürliche Unterschiede in der mineralischen Zusammensetzung.

Neben den bildsamen, tonigen Bestandteilen müssen Ziegel auch nicht bildsame Anteile, insbesondere Minerale wie Quarz, Feldspat, Glimmer oder fein verteilten Kalk, enthalten (Magerungsmittel).

Charakteristik

Zu der Familie der Ziegel zählen Baustoffe mit unterschiedlichsten bauphysikalischen und bautechnischen Eigenschaften. Charakteristisch ist die keramische Bindung der Rohstoffe und Zusatzstoffe. Für Baustoffe wird Grobkeramik eingesetzt, deren Scherben vorwiegend porös ist.

Besonders wichtige Eigenschaft hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Ziegel besitzen eine sehr einfache Zusammensetzung. Ton und Lehm sind regional verfügbar und werden in der Umgebung der Ziegelbrennereien im Tagebau gewonnen (geringer Transportauf­wand). Für den Brennvorgang ist ein hoher Energieaufwand erforderlich, auch wenn dieser durch verbesserte Technik und Nutzung von Erdgas in den letzten Jahren um bis zu 40 % reduziert werden konnte. Von den Emissionen aus dem Brennprozess sind Schwefeldioxid und Fluorwasserstoffe hervorzuheben.

Lieferzustand

Gebrauchsfertige Steine in verschiedenen Abmessungen und Rohdichten für die Herstellung von Mauerwerk

Anwendungsbereiche (Besonderheiten)

Einteilung nach Anwendungsbereich:

  • Mauerziegel
  • Deckenziegel
  • Dachziegel
  • Pflasterungen

Mauerziegel eignen sich für die Ausführung von tragendem und nichttragendem Mauerwerk. Das Mauerwerk kann ein- oder mehrschalig ausgeführt werden. Die einschalige Bauweise ist nur mehr mit sehr gut wärmedämmenden oder mit Dämmstoff verfüllten Ziegeln (→  Porosierte Ziegel) üblich.
Vormauerziegel, Klinker und Verblender werden als nichttragendes Verblendmauerwerk in zweischaligen Ziegelmauerwerken eingesetzt (→  Klinker).

Klassifizierung der Mauerziegel nach DIN EN 711-1

LD-Ziegel: Mauerziegel mit einer Brutto-Trockenrohdichte ≤ 1000 kg/m³ zur Verwendung in geschütztem Mauerwerk

Beispiel für Form und Ausbildung: Hochlochziegel, Hochlochziegel mit Mörteltaschen, Hochlochziegel mit Grifföffnungen, Hochlochziegel mit Nut-Feder-System, Langlochziegel, Langlochziegel mit Putzrillen

HD-Ziegel: Mauerziegel zur Verwendung in ungeschütztem Mauerwerk bzw. Mauerziegel mit einer Brutto-Trockenrohdichte > 1000 kg/m³ zur Verwendung in geschütztem Mauerwerk.

Beispiel für Form und Ausbildung: Vollziegel, Mauerziegel mit Mulde, Hochlochziegel

Kategorie I: Mauerziegel, die die vom Hersteller angegebene Druckfestigkeit mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 95 % erreichen.

Kategorie II: Mauerziegel, die die Anforderungen von Kategorie I nicht erfüllen.

Einteilung der Mauerziegel nach Form und Ausbildung

  • Vollziegel: Mauerziegel mit einem Lochanteil < 15 %
  • Lochziegel: Mauerziegel, der zur Gewichtsverminderung oder zur Verringerung der Wärmeleitfähigkeit durchlocht ist
  • Hochlochziegel: Lochung verläuft senkrecht zur Lagerfläche
  • Langlochziegel (LLZ): Lochung verläuft waagerecht zur Auflagefläche (weniger gute Tragfähigkeit, z.B. für Trennwände ohne statische Funktionen geeignet)
  • Wärmedämmziegel: LD-Lochziegel mit besonders guter Wärmedämmung (Rohdichte 600 - 900 kg/m3)
  • Vormauerziegel: Vollziegel mit nachgewiesenem Frostwiderstand
  • Klinker: oberflächlich gesinterter Ziegel mit nachgewiesenem Frostwiderstand, Wasseraufnahme bis etwa 7 M.-% und Druckfestigkeitsklasse 28 (backstein.de)
  • Keramikklinker: Klinker mit reduzierter Wasseraufnahme (max. 6 M.-%)
  • Wärmedämmziegel: Ziegel mit engen Grenzen der Rohdichteklassen und erhöhter Anforderung an Wärmedämmung und Lochung

Quellen

Backstein-Kennwerte. Kap. 8.2.1. und 8.2.2. aus Backstein Planungsdaten,
Online-Quelle [abgerufen im August 2013]

DIN EN 771-1 Festlegungen für Mauersteine - Teil 1: Mauerziegel; Deutsche Fassung EN 771-1:2011

Thienel K.-Ch. (2011): Mauersteine und Mörtel. Aus: Bauchemie und Werkstoffe des Bauwesens. Univ. München, Institut für Werkstoffe des Bauwesens. Online-Quelle [abgerufen im September 2013]

Ziegel
Ziegel

Planungs- und Ausschreibungshilfen

Grundsätzliches

WECOBIS informiert produktneutral. An dieser Stelle soll der Nutzer jedoch eine Hilfestellung dazu erhalten, ob sich Produkte innerhalb einer Produktgruppe gegenüber anderen hinsichtlich ihrer Umwelt- und Gesundheitsrelevanz auszeichnen. 

Damit wird keine Aussage über die technischen Einsatzmöglichkeiten der jeweiligen Produkte getroffen.

Derzeit finden sich neben produktgruppenspezifischen Informationen Hinweise und wichtige Links zum Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB), zu UBA-Ausschreibungsempfehlungen, Umweltdeklarationen und REACH.
Der Bereich Planungs- und Ausschreibungshilfen soll kontinuierlich weiterentwickelt und auf die Bedürfnisse der Planer abgestimmt werden. Für 2014 ist ein weiteres Entwicklungsprojekt für diesen Bereich vorgesehen.

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) / Kriterium 1.1.6

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes ganzheitliches quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, nach dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. (detaillierte Informationen siehe www.nachhaltigesbauen.de).

Das BNB-Kriterium 1.1.6 befasst sich dabei mit den Risiken für die lokale Umwelt.

Für den Einsatz von Massivbaustoffen enthält BNB-Kriterium 1.1.6 nach derzeitigem Kenntnisstand keine Anforderungen.

Hinweis:
Eine abschließende Beurteilung im Rahmen des Bewertungssystems und des genannten Kriteriums erfolgt jedoch grundsätzlich in Abhängigkeit weiterer baulicher Gegebenheiten (z.B. eingebaute Menge).

UBA-Ausschreibungsempfehlungen

Auf den Internet-Seiten des Umweltbundesamtes (UBA) findet sich der „Informationsdienst für umweltfreundliche Beschaffung“, u.a. mit Informationen und Ausschreibungsempfehlungen zu einzelnen Bauproduktgruppen.

Für Massivbaustoffe finden sich dort derzeit (Stand 08/ 2013) noch keine Informationen. Es lohnt sich aber, die Seiten zu besuchen, da diese regelmäßig weiterentwickelt werden. Die Ausschreibungsempfehlungen des UBA orientieren sich an den jeweiligen Vorgaben eines zugehörigen Blauen Engels (s. Reiter Zeichen & Deklarationen).

Zeichen / Labels zur Umwelt- und Gesundheitsrelevanz (z.B. Blauer Engel, Giscode)

Unter dem Reiter Zeichen & Deklarationen finden sich eine Übersichtstabelle, weiterführende Informationen und Links zu Zeichen und Labels, die diese Produktgruppe betreffen können. Auch damit lassen sich Unterschiede von Produkten innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer Umwelt- und Gesundheitsrelevanz feststellen.

REACH / CLP

Die REACH-Verordnung regelt die Herstellung, das Inverkehrbringen und den Umgang mit Industriechemikalien. Zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen, dient die CLP-Verordnung (Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen), um ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu gewährleisten.

Wird ein Produkt nicht als Stoff oder Gemisch, sondern als Erzeugnis eingestuft, ist kein Sicherheitsdatenblatt (SDB) erforderlich und Gefahrstoffbezeichnungen entfallen. Lediglich besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) müssen ausgewiesen werden. Für diese Informationen besteht eine Auskunftspflicht. Sie müssen aber nicht in Form eines Sicherheitsdatenblattes nach den Kriterien des Anhangs II der REACH-Verordnung gegeben werden.

Massivbaustoffe werden als Erzeugnis eingestuft.
Informationen und Unterstützung zu den Auskunftsrechten finden sich unter www.reach-info.de.

Ziegel

Umweltdeklarationen

Zeichen und Labels zur Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

ZiegelStand
08/ 2013
Internet-Adresse
     
Umweltzeichen (Blauer Engel) - http://www.blauer-engel.de/
EU-Umweltzeichen (Blume) - http://www.eco-label.com/
Österreichisches Umweltzeichen - http://www.umweltzeichen.at/
GISBAU Produkt-Code ./. http://www.wingis-online.de/wingisonline/

Gütezeichen RAL-GZ

- http://www.ral.de/
natureplus-Qualitätszeichen + http://www.natureplus.org/
Zeichen / Labels aus Programmen für spezielle Produktgruppen:
FSC-Siegel ./.  http://www.fsc-deutschland.de/
Emicode  ./. http://www.emicode.com/
GUT-Signet  ./. http://www.gut-ev.org/
+ Zeichen / Label für diese Produktgruppe vorhanden
- Zeichen / Label für diese Produktgruppe nicht vorhanden
./. Zeichen / Label für diese Produktgruppe nicht relevant
x Produkte aus dieser Produktgruppe können die Kriterien des Zeichens/Labels definitionsgemäß nicht erfüllen

Die VERBRAUCHER INITIATIVE e. V. betreibt ein Internet-Portal mit umfangreicher Label-Datenbank (www.label-online.de). Die Label werden dort beschrieben und anhand von Kriterien hinsichtlich Nachhaltigkeit (umweltgerecht, sozial verträglich, gesundheitlich unbedenklich) bewertet.

natureplus Qualitätszeichen / Vergaberichtlinie RL1102 Hochlochziegel
In Verbindung mit den Vergaberichtlinien RL1100 (Mauer- und Mantelsteine) und RL0000 (Basiskriterien für alle Produkte) können Hochlochziegel unter Einhaltung vorgegebener Kriterien u.a. hinsichtlich Zusammensetzung, Rohstoffgewinnung, Nutzung und Entsorgung mit dem natureplus Qualitätszeichen gekennzeichnet werden.

Geprüfte Hochlochziegel dürfen ausschließlich aus Ton, Lehm, mineralischen Sanden und Mehlen, Wasser und Porosierungsmitteln bestehen. Zusatzstoffe benötigen eine technische Rechtfertigung. Als Porosierungsmittel dürfen in der Regel nur Reststoffe eingesetzt werden. Bei der Rohstoffgewinnung sind strenge Naturschutzbestimmungen zu beachten, die Herstellung muss energieeffizient und emissionsarm erfolgen. Die Produkte werden auf problematische Inhaltsstoffe und auf potenzielle Emissionen in die Raumluft untersucht.

natureplus Qualitätszeichen / Vergaberichtlinie RL 1104 Hohl- und Vollblocksteine ist in Vorbereitung.

natureplus Qualitätszeichen / Vergaberichtlinie RL 0501keramische Dachziegel: Keramische Dachziegel können gemäß Vergaberichtlinie RL0501 in Verbindung mit RL0500 (Dachziegel und Dachsteine) und RL0000 das natureplus Qualitätszeichen erhalten.

Download der aktuellen Vergabegrundlagen und Liste der Zeichennehmer
http://www.natureplus.org/de/natureplus/vergaberichtlinien/
http://www.natureplus.org/de/produkte/

Umweltproduktdeklarationen

Für Produkte mit Umweltproduktdeklaration (Environmental Product Declaration, EPD) liegen umfassende Informationen zu wichtigen Umweltwirkungen wie z. B. Ressourcenverbrauch, globaler Treibhauseffekt, Ozonabbau oder Versauerung von Böden und Gewässern vor (genaue Erläuterungen siehe Lexikon und Textteil „Umweltproduktdeklarationen“). Diese bilden die Datengrundlage für die ökologische Gebäudebewertung.

ZiegelStand
08/ 2013
Download
     
PCR-Dokument* + Download (IBU Institut Bauen und Umwelt e.V.) 2
Branchen-EPD* -  
+ für diese Produktgruppe vorhanden
- für diese Produktgruppe nicht vorhanden

* WECOBIS informiert produktneutral. Aus diesem Grund wird an dieser Stelle sofern vorhanden nur auf PCR-Dokumente (Produktgruppenregeln) und Branchen-EPDs verwiesen. Dies schließt nicht aus, dass für einzelne Produkte EPDs vorliegen können. Weitere Informationen und Downloads finden sich z. B. auf den Seiten des IBU Institut Bauen und Umwelt e. V.. → auch Lexikon Umweltproduktdeklaration

2 Das PCR-Dokument des IBU für Ziegel ist nach vorheriger Registrierung im IBU-Datenbanksystem abrufbar.

Ökobau.dat / Umweltindikatoren

Ökobau.dat ist ein Baustein des Informationsportals Nachhaltiges Bauen in der Rubrik Baustoff- und Gebäudedaten und enthält Datensätze mit Umweltindikatoren von Bauprodukten. Die in der Ökobau.dat beschriebenen Umweltindikatoren bilden die Grundlage der im Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) vorgeschriebenen Berechnung von Ökobilanzen auf Gebäudeebene.

Der hierfür betrachtete Lebenszyklus eines Bauproduktes gliedert sich in die Herstellung und die Nachnutzungsphase. Die Bewertung basiert auf Indikatoren der

  • Sachbilanz / Input (PEIr, PEInr, Sekundärbrennstoffe, Wassernutzung)
  • Sachbilanz / Output (Abraum, Hausmüll/Gewerbeabfälle, Sonderabfälle)
  • Wirkbilanz (ADP, EP, ODP, POCP, GWP, AP)

Diese umfangreiche Sammlung verifizierter Daten steht unter http://www.nachhaltigesbauen.de/oekobaudat/ zur Ansicht zur Verfügung.
Download des gesamten Datensatzes unter → Ökobau.dat
Datensätze zu Ziegel siehe → 1.3.02 Mineralische Baustoffe → Steine und Elemente → Ziegel

Ziegel
Ziegel

Technisches

Technische Daten

Spezifische Werte siehe → Porosierter Ziegel, → Klinker

Baustoffklasse nach DIN 4102-1

A1, nicht brennbar

Euroklasse nach DIN EN 13501-1

A1, nicht brennbar

Technische Regeln (DIN, EN)

Technische Regeln für Mauerziegel

DIN EN 771-1

Festlegungen für Mauersteine - Teil 1: Mauerziegel. Ausgabe 2011-07

DIN 20000-401

Anwendung von Bauprodukten in Bauwerken - Teil 401: Regeln für die Verwendung von Mauerziegeln nach DIN EN 771–1:2011-07. Ausgabe 2012-11.

DIN 20000-401

 

DIN 105-1

DIN 105 Mauerziegel  - Teil 1: Vollziegel und Hochlochziegel (einschl. Vormauerziegel und Klinker)

DIN 105-3

DIN 105 Mauerziegel  - Teil 3: Hochfeste Ziegel und hochfeste Klinker

DIN 105-4

DIN 105 Mauerziegel  - Teil 4: Keramikklinker

DIN 105-5

Mauerziegel - Teil 5: Leichtlanglochziegel und Leichtlanglochziegelplatten. DIN 105-5:2013-06

DIN 105-6

Mauerziegel - Teil 6: Planziegel. DIN EN 105-6: 2013-06

DIN 105-100:2012-01

DIN 105-100

Mauerziegel - Teil 100: Mauerziegel mit besonderen Eigenschaften. DIN 105-100:2012-01

Die DIN EN 771-1 beschreibt die Eigenschaften von Mauersteinen aus Ton sowie die an sie gestellten Leistungsanforderungen für die Verwendung im Mauerwerk (zum Beispiel Sichtmauerwerk und verputztes Mauerwerk, tragendes oder nichttragendes Mauerwerk einschließlich innerer Verkleidungen und Trennwände von Bauwerken des Hoch- und Tiefbaus).

„Die DIN 20000-401 gibt an, wie die Angaben aus der CE-Kennzeichnung in Bezug auf die technischen Regeln für die Planung, Bemessung und Konstruktion von baulichen Anlagen und ihren Teilen zu verwenden sind. Beurteilungsgrundlage bilden nur solche Kriterien und Eigenschaften, die in DIN EN 771-1:2011-07, Anhang ZA, aufgeführt sind. […] Die Anwendungsnorm enthält Umrechnungsregeln, mit denen aus den deklarierten Werten der harmonisierten europäischen Produktnorm die für die Anwendung in Deutschland geltenden Bemessungswerte berechnet werden. Die Anwendungsnorm trifft Regeln für die Zuordnung oder Einstufung deklarierter Werte in Stufen und Klassen, die für die Anwendung zu beachten sind. Weist die Europäische harmonisierte Norm für einzelne Produkteigenschaften verschiedene Klassen oder Stufen auf, so wird in der Anwendungsnorm die für die jeweilige Anwendung verlangte Stufe oder Klasse benannt. Dieses Dokument gilt für die Verwendung von LD- und HD-Ziegeln der Kategorie I nach DIN EN 771-1 für Mauerwerk, an das Anforderungen hinsichtlich der Standsicherheit, des Wärme-, Schall- und des Brandschutzes gestellt werden können. Diese Anwendungsnorm gilt insbesondere nicht für: - Füllziegel; - Keramikklinker; - Planziegel für Dünnbettmauerwerk;  - Planklinker für Dünnbettmauer­werk;  - Sperrschichtziegel als Abdichtung nach DIN 18195-4 und DIN 18195-5“ (DIN 20000-401)

DIN 105-1 bis DIN 105-6 legen die Anforderungen fest, die für die CE-Kennzeichnung von Mauerziegeln zusätzlich zur DIN EN 771-1  zu erfüllen sind.

Technische Regeln für Decken- und Dachziegel sowie Pflasterklinker

DIN 4159

Ziegel für Decken und Vergußtafeln, statisch mitwirkend. Ausgabe: 1999-10 sowie DIN 4159 Berichtigungen zu DIN 4159:1999-10. Ausgabe 2000-06

DIN 4160

Ziegel für Decken, statisch nicht mitwirkend. Ausgabe 2000-04

DIN EN 1304

Dach- und Formziegel - Begriffe und Produktspezifikationen. Ausgabe 2013-08

DIN EN 1344

Pflasterziegel - Anforderungen und Prüfverfahren. Ausgabe 2002-07

DIN 18503

Pflasterklinker - Anforderungen und Prüfverfahren. Ausgabe 2003-12 (zusätzliche Anforderungen an die Wasseraufnahme und die Scherbenrohdichte)

Bauregelliste

Das Deutsche Institut für Bautechnik stellt in den Bauregellisten A, B und C die technischen Regeln für Bauprodukte und Bauarten sowie bauaufsichtlich geregelte und nicht geregelte Bauprodukte und Bauarten auf.
Nach Zustimmung der obersten Bauaufsichtsbehörden der Länder wird die Bauregelliste bekannt gegeben. Erwerb und weiterführende Informationen zu Bauregelliste und ihren Regelungsbereichen siehe unter → www.dibt.de
Eine Darstellung und Erläuterungen zur Klassifizierung von Bauprodukten siehe im Lexikon → Klassifizierung von Bauprodukten

Listung in der Bauregelliste 2013:

  • Mauerziegel nach EN 771-1: Bauregelliste B Teil 1 lfd.-Nr. 1.2.1.1
  • Mauerziegel nach EN 771-1 mit besonderen Eigenschaften, DIN 105-100:
    Bauregelliste A Teil 1 lfd.-Nr. 2.1.23
  • Statisch mitwirkende Ziegel für Decken mit nicht vorgefertigten Trägern, DIN 4159 Bauregelliste A Teil 1 lfd.-Nr. 1.6.20
  • Statisch nicht mitwirkende Ziegel für Decken mit nicht vorgefertigten Trägern, DIN 4160 Bauregelliste A Teil 1 lfd.-Nr. 1.6.21
  • Vorgefertigte Ziegeldecken, DIN 1045, Bauregelliste A Teil 1 lfd.-Nr. 1.6.27
  • Dach- und Formziegel nach EN 1304: Bauregelliste B Teil 1 lfd. Nr. 1.9.9

Pflasterziegel nach EN 1344: keine Bekanntmachung in der Bauregelliste B Teil 1

Quellen

DIN EN 771-1: Online-Quelle (abgerufen Mai 2013)

DIN EN 105-5: Online-Quelle (abgerufen Mai 2013)

DIN EN 105-6: Online-Quelle (abgerufen Mai 2013)

DIN EN 105-100: Online-Quelle (abgerufen Mai 2013)

DIN 20000-401: Online-Quelle (abgerufen Mai 2013)

Tabellensammlung Chemie/spezifische Wärmekapazitäten: Online-Quelle

Bauregelliste A, Bauregelliste B und Liste C. Ausgabe 2013/1. Mitteilungen des DIBt. 17.April 2013. Online-Quelle [abgerufen im September 2013]

Ziegel

Literaturtipps

Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie: Online-Quelle

European Commission (2007): Reference Document on Best Available Techniques in the Ceramic Manufacturing Industry. August 2007. Online-Quelle [abgerufen im September 2013]

Ziegel

Rohstoffe / Ausgangsstoffe

Hauptbestandteile

Ziegel 2.1.1

Beispielhafte Zusammensetzung eines Ziegels:
Ton, Lehm, Mergel sind die Hauptbestandteile des Ziegels.

Zur Magerung können den Tonen/Lehmen folgende Stoffe zugesetzt werden:

Rohstoff

M.-%

Sand (bei fetten und plastischen Lehmen)

0 - 30%

Ziegelmehl

0 - 10%

Magerlehme

0 - 30%

Abfallstoffe (sekundäre Rohstoffe) aus anderen
Industriebereichen (z.B. Kesselsand)

bis 10%

Als Zusätze kommen z. B. Porosierungsmittel (→ Porosierter Ziegel), Bariumkarbonat (→ Klinker) oder anorganische Pigmente (Dachziegel, → Klinker) zum Einsatz.

Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Ziegel 2.1.2

Beispielhafte Zusammensetzung eines Ziegels nach Rohstoffherkunft

Gewinnung der Primärrohstoffe

Die Gewinnung von Ton / Lehm / Mergel erfolgt im Tagebau mit Transport zur Zwischenlagerung (Bevorratung, Mischung unterschiedlicher Tonsorten) oder direkt ins Ziegelwerk (in unmittelbarer Nähe der Tongruben).

Tone weisen in der Regel einen niedrigeren Quarzgehalt als z. B. Quarzsand auf. Die Quarzgehalte in den Tonen und damit die Quarz-A-Staubkonzentrationen an Arbeitsplätzen mit unmittelbarem Zugang zum Material schwanken aber je nach Lagerstätte (BGIA-Report 8/2006, Weiteres zu Quarzstaub →  Verarbeitung / AGW-Werte).

Die Ausgangsstoffe Ton, Lehm und Sand sind regional in ausreichendem Maß verfügbar. Die Gewinnung von Ton / Lehm / Mergel erfolgt im Tagebau mit Transport zur Zwischenlagerung (Bevorratung, Mischung unterschiedlicher Tonsorten) oder direkt ins Ziegelwerk (in unmittelbarer Nähe der Tongruben). Der Transportaufwand ist daher in aller Regel gering. Allerdings ist von einer indirekten Beeinträchtigung durch den Abbau von Rohstoffen (Landschafts- bzw. Flächenverbrauch) auszugehen. Nach Beendigung des Abbaues sind Rekultivierungen erforderlich. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung als Bestandteil des Genehmigungsverfahrens für den Abbau von Rohstoffen (bei einer Fläche > 4 ha) ist erforderlich.

Verfügbarkeit

Die Ausgangsstoffe Ton, Lehm und Sand sind regional in ausreichendem Maß verfügbar.

Verwendung von Recyclingmaterialien / Produktionsabfällen

Produktionsabfälle aus gebranntem Material (z. B. Bruchmaterial) können nur für untergeordnete Verwendungen (z. B. als Magerungsmittel) wieder in die Produktion zurückgeführt werden.

Die Porosierungsstoffe werden meist aus Sekundärstoffen gewonnen (z. B. Sägemehle aus der Sägeindustrie, Polystyrol-Verpackungsreste). Wegen der immer höher werdenden Anforderungen an die Wärmedämmeigenschaften an Mauerziegel und der besser einzustellenden Produkteigen­schaften besteht ein Trend zur vermehrten Nutzung von frischem EPS für die Porosierung (siehe EPS).

Radioaktivität

Natürliche Radionuklide in Baustoffen können vorkommen in Abhängigkeit von Material und Zuschlagstoffen. Zum Schutz der Bevölkerung vor Strahlenbelas­tungen werden in Deutschland seit mehr als 20 Jahren Untersuchungen und Bewertungen der radioaktiven Stoffe in Baumaterialien durchge­führt. 
Bei den derzeit handelsüblichen Bauproduktgruppen sind aus der Sicht des Strahlenschutzes keine Einschränkungen erforderlich. Allerdings ist auch weiterhin die vorgegebene Beschränkung des Anteils industrieller Rückstände als Zuschlag zu beachten, siehe ausführliche BfS-Informationen zu Baustoffen unter http://www.bfs.de/de/ion/anthropg/baustoffe.html.

In einer Studie des Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) wurden für die Baustoffgruppe Ziegel folgende möglichen Dosisbeiträge gemessen:

  • Dosisbeiträge durch äußere Gammastrahlung (Indexwert I): 0,47 – 1,03 (< 2)
  • Dosisbeiträge durch äußere Gammastrahlung (ohne Untergrundabzug): 0,56 - 1,2 mSv/a. Der für die strahlenschutzfachliche Bewertung relevante Wert von 1 mSv/a kann also in  Einzelfällen überschritten werden.
  • Dosisbeiträge durch äußere Gammastrahlung (nach Untergrundabzug): 0,32 - 0,95 mSv/a (< 1 mSv/a)
  • Dosisbeiträge durch Radonexhalation (Radonkonzentration im Modellraum): 0 - 4 Bq/m(und damit sehr gering)
  • Dosisbeiträge durch Radoninhalation (Interne Exposition): bis 0,3 mSv/a (< 0,5 mSv/a)

Eine Übersicht über mögliche Dosisbeiträge durch äußere Gammastrahlung aus Baumaterialien, sowie eine Übersicht über mögliche Dosisbeiträge durch Radonexhalation aus Baumaterialien (Messprogramm BfS-bbs 2007-09) erhalten Sie hier.

Landinanspruchnahme (Landuse)

Die Rohstoffe werden im Tagbau gewonnen. Der Abbau der Rohstoffe beeinträchtigt das Landschaftsbild und nimmt Flächen in Anspruch. Nach Beendigung des Abbaus sind Rekultivierungen bzw. Renaturierungen erforderlich.

Quellen

BGIA-Report 8/2006: Quarzexpositionen am Arbeitsplatz. Hrsg: Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaft (HVBG). Online-Quelle [abgerufen im September 2013]

Gehrcke, K., Hoffmann, B., Schkade, U., Schmidt, V., Wichterey, K. (Bundesamt für Strahlenschutz): Natürliche Radioaktivität in Baumaterialien und die daraus resultierende Strahlenexposition. 20. Nov. 2012. Zugriff: nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0221-201210099810

Ziegel

Herstellung

Prozesskette

Prozesskette Ziegel

Herstellungsprozess

Mauerziegel

Im Ziegelwerk werden verschiedene Tone / Lehme / Mergel aufbereitet unter Zugabe von Wasser gemischt, um eine einheitliche Werksmasse zu erhalten, und erforderlichenfalls mit Sanden und Kalk abgemagert.

Die Aufbereitung erfolgt über Kastenbeschicker, Kollergang (hier erfolgt die mechanische Zerkleinerung), Walzwerk und Rundsiebbeschicker zu Mauksilos. Das Mauken oder Ziehenlassen bewirkt zum einen eine gleichmäßige Durchfeuchtung der Werksmasse, zum anderen eine Vergrößerung der Bindekraft des Tons (durch Umlagerung der Tonminerale aufgrund ihrer elektrochemischen Anziehungskräfte und somit Bildung von dichteren Packungen).

Die Formgebung der Rohlinge erfolgt in Strangpressen. Dabei wird der Tonstrang mit Hilfe eines Drahtes in die gewünschten Stücke geteilt. Anschließende Lagerung der Rohlinge in Trockenkammern, die im wesentlichen durch die Abwärme des Tunnelofens (s.u.) betrieben werden. Die Trocknungszeit ist abhängig von Format und Rohdichte der Ziegel und beträgt in der Regel 24 bis 36 Stunden.

Der Brennprozess von Ziegeln verläuft in der Regel in Tunnelöfen, in der sog. Hochfeuerzone bei Temperaturen von ca. 950° - 980°C über einen Zeitraum von ca. 30 Stunden. Für den Brennprozess verwenden die Ziegelwerke heute in erster Linie Erdgas, zudem Flüssiggas und leichtes Heizöl.

Dachziegel

Eine Sonderform der Ziegel sind Dachziegel. Die Herstellung entspricht derjenigen von Mauerziegeln. Die Formgebung erfolgt mittels Strangpressen (sog. Strangdachziegel) oder Stempelpressen (sog. Pressdachziegel). Dachziegel können in der natürlichen Brennfarbe hergestellt werden. Oft wird auch durch Tauchen oder Spritzen eine Engobe (Tonschlämme mit färbenden Metalloxiden) aufgetragen, die mitgebrannt wird. Auch Glasuren können aufgebracht werden.

Ziegeldecken

Ausgangsstoffe und Herstellungsprozess der Deckenziegel entsprechen denjenigen der Mauerziegel, mit oder ohne Porosierung. Ziegeldecken können auch als Konstruktionselement für geneigte Dächer eingesetzt werden.

www.ziegel.de

Umweltindikatoren / Herstellung

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren in WECOBIS soll zukünftig ausschließlich die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB liefern.

Die Ökobau.dat stellt Umweltprofile für Bauprodukte bereit, die als erforderliche Datengrundlage für die Lebenszyklusanalyse eingesetzt werden. Für Bauprodukte gibt es Herstellungs- und End-of-Live- Datensätze.
Weiterführende Informationen zur Ökobau.dat im Zusammenhang mit dieser Produktgruppe finden sich in WECOBIS unter Fachinformationen / Reiter Umweltdeklarationen → Ökobau.dat / Umweltindikatoren

Da in der Herstellung von Bauprodukten ein großer Anteil der verursachten Umweltbelastungen auf den Verbrauch von nicht erneuerbaren Energieträgern zurückzuführen ist, stellt die Graue Energie (kumulierter Primärenergieaufwand nicht erneuerbar) dafür einen guten Indikator dar.

Im Kapitel Energieaufwand finden sich ggf. allgemeine Informationen zum Thema, die die Produktgruppe prägen.

Energieaufwand

Der Primärenergiebedarf ist je nach Energieeffizienz des Herstellwerkes, eingesetztem Energie­träger und Qualität des Ausgangsgemisches von Ton/Lehm sehr unterschiedlich. Der für den Brennvorgang erforderliche sehr hohe Energieaufwand konnte gegenüber früher um bis zu 40 % reduziert werden. Die Trocknung erfolgt heute fast ausschließlich mit Abwärme vom Brennofen.

Charakteristische Emissionen

Die Verarbeitung von Ton und der Brennprozess führen zu Feinstaubemissionen. Bei der Trocknung und dem Brennen werden zudem – vorwiegend aus den Rohstoffen –  gasförmige Schadstoffe freigesetzt. Es handelt sich dabei um Schwefeloxide (SOx), Stickoxide (NOx), Fluorwasserstoff (HF), Chlorwasserstoff (HCl), flüchtige organische Verbindungen (VOC) und Schwermetalle.

Der natürliche bzw. zugefügte Kalkanteil in der Tonmischung verursacht außerdem rohstoffbedingte Kohlendioxid-Emissionen.

Das “Reference Document on BAT in the Ceramic Manufacturing Industry” zeigt die riesige Bandbreite von Emissionswerten für unterschiedliche Ziegelwerke in unterschiedlichen europäi­schen Ländern auf (EU-Commission, 2007, Seite 95 ff).

Maßnahmen Gesundheitsschutz

Tone weisen in der Regel einen niedrigeren Quarzgehalt als z.B. Quarzsand auf. Die Quarzgehalte in den Tonen und damit die Quarz-A-Staubkonzentrationen an Arbeitsplätzen mit unmittelbarem Zugang zum Material schwanken aber je nach Lagerstätte (BGIA-Report 8/2006).

(weiteres zu Quarzstaub → Verarbeitung / AGW-Werte)

Maßnahmen Umweltschutz

In den letzten Jahrzehnten konnten deutliche Verbesserungen der Energieeffizienz und der Rauchgasreinigung bei der Ziegelproduktion erzielt werden.

Im “Reference Document on Best Available Techniques in the Ceramic Manufacturing Industry” werden ca. 50 Techniken und Maßnahmen zur Vermeidung von Schadstoffemissionen und zur Energiereduktion aufgezeigt (EU-Commission, 2007, S 137 ff).

Transport

Die Gewinnung der Rohstoffe erfolgt meist in unmittelbarer Nähe der Ziegelwerke. Die Transportwege für die Rohstoffanlieferung sind daher in aller Regel kurz. Teilweise werden Transportbänder eingesetzt.

Quellen

European Commission (2007): Reference Document on Best Available Techniques in the Ceramic Manufacturing Industry. August 2007. Online-Quelle [abgerufen im September 2013]

BGIA-Report 8 /2006: Quarzexpositionen am Arbeitsplatz. Hrsg: Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaft (HVBG). Online-Quelle [abgerufen im September 2013]

Ziegel

Verarbeitung

Technische Hinweise / Verarbeitungsempfehlungen

Mauerziegel werden mithilfe von Normal- oder Dünnbettmörtel (Mauermörtel) vermauert. Grundsätzlich können Mauerziegel mit allen Innenputzmörteln (Putzmörtel) verkleidet werden.

Porosierte Ziegel werden zunehmend mit Polyurethan-Klebstoffen verbunden.

Rationalisierungsansätze wie die Herstellung großformatiger Steine, die mit Verlegehilfen versetzt werden, entlasten den Maurer und beugen Gesundheitsschäden vor.

Arbeitshygienische Risiken

Allgemeines

Beim Schneiden der Ziegel kann es zu Staubbelastungen kommen. Neben E-Staub (einatembare Fraktion) und A-Staub (alveolengängige Fraktion) entsteht auch alveolengängiger Quarzstaub, da die Tone für die Ziegelherstellung Quarze enthalten. Einatembarer Quarz kann Krebserkrankungen der Atemwege verursachen. Der Quarzgehalt im Ziegel ist vergleichsweise gering und beträgt 5 bis 15 % im üblichen Mauerziegel (BGIA-Report 8/2006).

Schutzmaßnahmen wie z.B. staubarme Arbeitsverfahren sind in Kapitel 4 der TRGS 559 „Mineralische Stäube“ zu finden. Zur Verminderung der Staubbelastung können Ziegel z.B. nass geschnitten, entstehender Staub direkt erfasst und die Baustelle gereinigt werden.

Seit 2005 müssen zementhaltige Mörtel grundsätzlich chromatarm sein (maximaler Gehalt an löslichem Chrom-VI 2 mg/kg). Das Risiko, an Mauerkrätze zu erkranken ist dadurch stark vermindert (WINGIS online). Gesundheitsgefahren gehen von der Alkalität (hoher pH-Wert) zementhaltiger Mörtel aus.

AGW-Werte

Staubgrenzwerte:

  • 10 mg/m3 mineralischer Staub, einatembare Fraktion (E-Staub)
  • 3 mg/m3 mineralischer Staub, alveolengängige Fraktion (A-Staub)

Da Quarzstaub mit Erscheinen der TRGS 906 als krebserzeugend K1 eingestuft wurde, ist der ursprüngliche Arbeitsplatzgrenzwert von 0,15 mg/m³ nicht mehr rechtsgültig. In der Handlungs­anleitung für die arbeitsmedizinische Vorsorge der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (BGI/GUV-I 504-1.1, Juni 2009) werden daher Arbeitsverfahren genannt, bei denen der Arbeitgeber eine Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung (G 1.1 Mineralischer Staub, Teil 1: Quarzhaltiger Staub) durchführen lassen muss. Pflichtuntersuchungen sind bei „Schleif-, Schneid- (Trenn-), Schlitz- und Fräsarbeiten von quarzhaltigen Materialien mit schnell laufenden Maschinen“ erforderlich. Bei anderen Arbeiten mit Quarzstaubkontakt sind G 1.1 Untersuchungen anzubieten (BG Bau, 2011).

In der TRGS 559 „Mineralische Stäube“, Anlage 1, Tabelle 1 werden typische Tätigkeiten aus verschiedenen Branchen in drei Expositionskategorien (1-3) in Bezug auf die Exposition mit mineralischen Stäuben eingeteilt. Tätigkeiten der Bauwirtschaft sind unter 7. aufgelistet. „Nasssägen von Mauersteinen in geringem zeitlichen Umfang (allgemeine Maurerarbeiten, Zuschneiden durch Verwender)“ (7.9.1) wird z.B. folgendermaßen eingestuft:

Expositionskategorie: 2 (mittlere Exposition)

  • Expositionswertebereich Quarz: 10 % 0,01 – 90 % 0,15, arithmetischer Mittelwert: 0,05 mg/m³
  • Expositionswertebereich A-Staub: 10 % 0,18 – 90 % 1,93, arithmetischer Mittelwert: 0,93 mg/m³s

Der ursprüngliche AGW von 0,15 mg/m3 für Quarz wurde bei dieser Tätigkeit somit in 90 % der Fälle eingehalten.
Beim Vermörteln ist der AGW von 5 mg/m3 für die E-Stäube aus Portlandzement zu beachten.

REACH / CLP

Die REACH-Verordnung regelt die Herstellung, das Inverkehrbringen und den Umgang mit Industriechemikalien. Zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen, dient die CLP-Verordnung (Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen), um ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu gewährleisten.

Wird ein Produkt nicht als Stoff oder Gemisch, sondern als Erzeugnis eingestuft, ist kein Sicherheitsdatenblatt (SDB) erforderlich und Gefahrstoffbezeichnungen entfallen. Lediglich besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) müssen ausgewiesen werden.

Ziegel werden als Erzeugnis eingestuft. Aus diesem Grund ist kein Sicherheitsdatenblatt erforderlich und Gefahrstoffbezeichnungen entfallen.
Lediglich besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) müssen ausgewiesen werden. Produkt bezogene Informationen hierzu finden sich dann in den Sicherheitsdatenblättern (SDB) des Herstellers.

Einstufungen und Gesundheitsgefahren nach GISBAU

Das Gefahrstoff-Informationssystem der Berufsgenossenschaft BAU (GISBAU) enthält keine GISCODE-Einstufung für Ziegel (GISCODES für Mörtel und Klebstoffe siehe dort). Informationen zu „Tätigkeiten mit quarzhaltigen mineralischen Stäuben“ sind unter www.wingis-online.de, Bau-Bereich „Hochbau“ zu finden.

Emissionen

Aus handelsüblichen Ziegeln emittieren - mit Ausnahme von Staub (siehe Rubrik „AGW“) - auch bei der Bearbeitung keine gesundheitsgefährdenden Substanzen.

Umweltrelevante Informationen

Energiebedarf

Der Energiebedarf für die Verarbeitung ist vernachlässigbar (ev. Mischen von Mörtel, Schneiden der Ziegel).

Wassergefährdung

Von einer Wassergefährdung im Zusammenhang mit der Ziegelverarbeitung ist nicht auszugehen.

Umweltrelevante Beeinträchtigungen durch die Verarbeitung von Ziegeln sind nicht bekannt.

Transport

Ziegel sind üblicherweise lokal verwendete Baustoffe. Alleine in Deutschland gibt es 183 Ziegelfabriken, in Österreich 30 und in der Schweiz 27 (Mauer-, Dach- und Pflasterziegel, Stand 2003, EU-Commission, 2007). Die Transportweiten sind daher gering.

Quellen

  • Technische Regeln für Gefahrstoffe TRGS 559 „Mineralischer Staub“:
    Zugriff: www.bgbau-medien.de/tr/trgs559/titel.htm [abgerufen im September 2013]
  • Technische Regeln für Gefahrstoffe TRGS 906 „Verzeichnis krebserzeugender Tätigkeiten oder Verfahren nach § 3 Abs. 2 Nr. 3 GefStoffV.
    Zugriff: www.bgbau-medien.de/tr/trgs906/titel.htm [abgerufen im September 2013]
  • BGIA-Report 8 /2006: Quarzexpositionen am Arbeitsplatz. Hrsg: Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaft (HVBG). Online-Quelle [abgerufen im September 2013]
  • BG Bau (2011): Quarzstäube. Komerding, Jobst (Text). Kompetenzzentrum für Unternehmer – Fortbildung nach der DGUV-Vorschrift 2. Infoblatt 1. Februar 2011. Online-Quelle [abgerufen im September 2013]
  • European Commission (2007): Reference Document on Best Available Techniques in the Ceramic Manufacturing Industry. August 2007. Online-Quelle [abgerufen im September 2013]
Ziegel

Nutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiken Neuzustand

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

Siehe Umwelt- und Gesundheitsrisiken bei bestimmungsgemäßer Nutzung

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Außenraum

Es ist mit keiner Schadstoffabgabe bzw. mit keinen Emissionen in den Außenraum zu rechnen.

Umwelt- und Gesundheitsrisiken bei bestimmungsgemäßer Nutzung

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

Aufgrund der Abwesenheit flüchtiger Stoffe verhält sich Ziegel sowohl im Neuzustand als auch während der Nutzungsphase unproblematisch hinsichtlich Emissionen von Schadstoffen in den Innenraum.

Bei den derzeit handelsüblichen Bauproduktgruppen sind aus Sicht des Strahlenschutzes keine Einschränkungen erforderlich. Mögliche Dosisbeiträge durch Gammastrahlung und Radonexhalation aus Baumaterialien siehe Radioaktivität.

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Außenraum

Es ist mit keiner Schadstoffabgabe bzw. mit keinen Emissionen in den Außenraum zu rechnen.

Umwelt- und Gesundheitsrisiken im Schadensfall

Brandfall

Ziegel ist als „nicht brennbar“ in Baustoffklasse A1 eingeordnet. Im Brandfall entstehen keine umwelt- und gesundheitsschädigenden Gase aus dem Ziegel.

Wassereinwirkung

Es werden keine Stoffe ausgewaschen, die wassergefährdend sein können.

Beständigkeit Nutzungszustand

Unter der Rubrik Baustoff- und Gebäudedaten / Nutzungsdauern von Bauteilen findet sich auf dem Informationsportal Nachhaltiges Bauen eine Datenbank mit Nutzungsdauerangaben von ausgewählten Bauteilen des Hochbaus für den Leitfaden „Nachhaltiges Bauen“.
Datenbank als PDF

Mauerziegel fallen unter die Bauproduktgruppen

  • 331.111 (Mauerwerkstein für Außenwand),
  • 335.141 (Abdichtungen erdberührt),
  • 335.411 (Bekleidungen: Klinker, Kalksandstein, Sichtbeton),
  • 341.111 (Mauerwerkstein für tragende Innenwand),
  • 342.111 (Mauerwandstein für nicht tragende Innenwand),
  • 352.931 (Sockelleisten),

für die eine Nutzungsdauer von über 50 Jahren angegeben wird.

Dachziegel fallen unter die Bauproduktgruppe 363.512 (Deckungen: Ziegel), für die eine Nutzungsdauer von über 50 Jahren angegeben wird.

Ziegelplatten fallen unter die Bauproduktgruppe 335.511 (Bekleidungen), für die eine Nutzungsdauer von über 50 Jahren angegeben wird.

Instandhaltung

Feuchtigkeit ist die häufigste Ursache für Schäden an altem Ziegelmauerwerk. Ursache ist in der Regel Wassereintritt aufgrund fehlender oder zerstörter Abdichtungen. Aufsteigende Feuchtigkeit im erdberührten Bereich ist meist kombiniert mit einer Ansammlung bauschädigender Salze im Untergrund. Diese in Lösung befindlichen Salze müssen bei der Sanierung unbedingt mit berücksichtigt und untersucht werden.

Instandhaltung von Ziegelsichtmauerwerk: → Ziegel

Instandhaltung von Dachziegeln: Ziegeldächer bieten bei „richtiger“ Instandhaltung einen langlebi­gen Schutz gegen alle Witterungseinflüsse. Eine Checkliste zur Inspektion und Wartung von Ziegeldächern stellen z.B. die „Dachziegelhersteller im Bundesverband“ zur Verfügung. Moos kann mit einer Latte von den Dachziegeln gestoßen werden. Es schadet den Ziegeln an sich nicht, kann allerdings den Wasserabfluss behindern. Von einer Instandsetzung mit Hydrophobierungen oder Deckanstrichen ist aus ökologischer Sicht abzuraten.

Quellen

Dachziegelhersteller im Bundesverband (o.A.): Checkliste Inspektion/Checkliste Wartung. Online-Quelle [abgerufen im September 2013]

Brachmann, A.: Feuchtebelastung von Ziegelmauerwerk: Anmerkungen zu Schadensbildern und Sanierungsmaßnahmen. Bauhandwerk, 2004

Ziegel

Nachnutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiko Rückbau

Beim Rückbau kann die Staubentwicklung ein Risiko für Mensch und Umwelt darstellen.

Wiederverwendung

Als Bauwerkreststoff ist die sortenreine Gewinnung und Wiederverwendung von Ziegel durch die anhaftenden Mörtel und Putzreste auf Grund der erforderlichen aufwendigen Trennung schwierig. Eine Wiederverwendung von Ziegel erfolgt in eingeschränktem Maße lediglich bei altem Mauerwerk aus Vollziegel. Hier hat die Rückgewinnung der alten (z.T. handgeschlagenen) Normalformatziegel jedoch eindeutig mehr architektonische und liebhaberische als wirtschaftliche Gründe.

Gut erhaltene Dachziegel und Pflasterziegel können problemlos wiederverwendet werden.

Stoffliche Verwertung

Sortenreiner Ziegelabbruch aus dem Bauwerk kann – je nach Rohstoffzusammensetzung des Ziegelwerks – in der Größenordnung von rd. 10 bis 20 % des Rohstoffes in den Produktionsprozess als Ziegelmehl rückgeführt werden. Geringe oder gröbere Verunreinigungen durch Mörtel und Putze verhindern nach derzeitigem Stand die Rückführung in den Produktionsprozess.

Sortenreines Ziegelmaterial wird auch zerkleinert als Packlage im Wegebau oder - fein gemahlen - als Weg- oder Hartbelag für Sportanlagen, Garten- und Parkwege verwendet.

Nachteilig für die stoffliche Verwertbarkeit können sich Wärmedämmverbundsysteme auswirken.

Energetische Verwertung

Nicht relevant (kein Heizwert).

Beseitigung / Verhalten auf der Deponie

Ziegel können auf Inertstoffdeponien abgelagert werden.

EAK-Abfallschlüssel

17 Bau- und Abbruchabfälle
17 07 01 gemischte Bau- und Abbruchabfälle
17 07 02 Ziegel (Bau- und Abbruchabfälle)

Quellen

Abfallverzeichnis-Verordnung vom 10. Dezember 2001 (BGBl. I S. 3379), die zuletzt durch Artikel 5 Absatz 22 des Gesetzes vom 24. Februar 2012 (BGBl. I S. 212) geändert worden ist. Online-Quelle [abgerufen am 28.5.2013]