Silanmodifizierte Polymerklebstoffe

Produktgruppeninformation

Begriffsdefinition

Silanmodifizierte Polymerklebstoffe (MS-Polymer-Klebstoffe, SMP-Klebstoffe) sind Einkomponenten-Klebstoffe, die durch eine chemische Reaktion aushärten (im Gegensatz zu physikalisch aushärtenden Systemen). Die Produkte sind den MS-Hybrid Dichtstoffen sehr ähnlich. Es werden auf dem Markt auch Produkte angeboten welche sowie zum Kleben als auch zum Dichten verwendet werden könnnen. Der Aushärtungsprozess wird ausgelöst durch Luftfeuchtigkeit in Gegenwart eines Katalysators. Dabei wird vom Klebstoffsystem unter Einwirkung von Luftfeuchtigkeit Alkohol abgespaltet. Die Reaktion verläuft im neutralen PH-Bereich. Meist werden bei der Herstellung der MS-Polymere Silane mit Methoxygruppen eingesetzt, weshalb bei der Aushärtung des Klebstoffs Methanol abgespalten wird.

Wesentliche Bestandteile

MS-Polymer-Klebstoffe bestehen aus silanmodifizierten Polymeren, Weichmachern, Vernetzer- oder Wasserfängersilanen sowie Füllstoffen und Additiven. Die eingesetzten Polymere bestehen meist aus einem Polyether (Polypropylenglykol) mit silanisierten Endgruppen, die vernetzt werden können. Die Konfiguration der reaktiven Gruppe an jedem Kettenende ist entscheidend für die elastischen Eigenschaften der Klebstoffe. Die Silangruppen sind meist vom Typus Methoxysilan. Diese reagieren mit Feuchtigkeit aus der Luft oder den umgebenden Materialien und bilden in Anwesenheit von Katalysatoren Silanole. Die Silanole kondensieren zu sehr stabilen Siloxan-Netzwerken.

Charakteristik

Silanmodifizierte Polymerklebstoffe härten durch eine chemische Reaktion mit der Luftfeuchtigkeit. Sie sind sehr flexibel sowie elastisch und zeichnen sich durch eine gute Haftung auf einer Vielzahl von Substraten wie Holz, Metallen, Keramik, Glas, Gummi und Kunststoffen aus. Anders als bei vielen Silikon- oder Polyurethanklebstoffen können MS-Polymer-Klebstoffe ohne Primer direkt auf die Oberfläche aufgetragen werden. Die Produkte mit Silanmodifizierten Polymeren sind entweder für das Dichten oder Kleben optimiert (siehe auch MS-Hybrid Dichtstoffe). Klebstoffe sind in der Regel etwas härter, Dichtstoffe dafür weicher und dehnbarer. Je nach Produkt variiert die Zeit bis eine gewisse Klebekraft aufgebaut ist und die zu klebenden Teile zusammengefügt und noch justiert werden können. Ebenso ist die Viskosität je nach Produkt unterschiedlich. Die meisten Silanmodifizierten Polymerklebstoffe sind jedoch pastös-standfest eingestellt. Hierdurch läuft der Kleber nicht und eine grössere Anfangshaftung wird erreicht. Parkettkleber sind in der Regel flüssiger, damit sie mit einem Zahnspachtel großflächig verteilt werden können.

Besondere Eigenschaften:

  • Lösemittelfrei
  • Temperaturbeständig (-40 bis 120°C)
  • Gummiartig zäh-elastisch
  • Gute Haftung auf unterschiedlichen Untergründen (porös oder glatt)
  • Auch als Dichtmasse nutzbar (siehe MS-Hybrid Dichtstoffe)
  • Überstreichbar / überlackierbar
  • Schrumpft wenig beim aushärten (typisch <3%)
  • Durchhärting ca. 2-3 mm pro 24 Stunden (bei 20°C und 50% Luftfeuchte)
  • Bruchdehnung ca. 200-400%
  • Shore A Härte DIN 53505: 40-60

Einschränkungen:

  • Nicht besonders UV-stabil. Dies sollte vor allem bei Verwendung im Außenbereich bei direkter Sonneneinstrahlung beachtet werden.
  • Wegen der elastischen Konsistenz reißt der Kleber bei höherer Belastung. Die Zugfestigkeit liegt ca. bei 2-5 N/mm2. Im Vergleich dazu liegt die Zugfestigkeit bei Epoxidharz-Klebstoffen bei ca. 30-80 N/mm2.
  • Geringe Chemikalienbeständigkeit (z.B. gegen aromatische Lösungsmittel, konzentrierte Säuren und chlorierte Kohlenwasserstoffe)
  • Keine flächige Verklebung von zwei luftdichten Materialien möglich, da der Klebstoff Luftfeuchtigkeit zur Aushärtung benötigt.
  • Wird eine dickere Klebefuge dauerhaft belastet, kann es dazu kommen, dass die Klebefuge kriecht (sich dauerhaft plastisch verformt)

Im Kontakt mit geölten Holzoberflächen kommt es in manchen Fällen zu weißen salzkristallartigen Ausblühungen oder weißen Kleberändern.

Besonders wichtige Eigenschaft hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Bei der Aushärtung von MS-Polymer-Klebstoffen entstehen geringe Mengen an Methanol. Diese Emisionen können für die Verarbeitung und bei einer großflächigen Anwendung relevant sein. Deshalb sollte bei der Verarbeitung auf eine ausreichende Belüftung geachtet werden. Zudem enthalten die Klebstoffe Weichmacher und kennzeichnungspflichtige Zinnkatalysatoren. Es sind auch weichmacherfreie Systeme erhältlich. Aus ökologischer Sicht sind sie den weichmacherhaltigen Systemen vorzuziehen. Die Katalysatoren sind Stand der Technik und auch in gewissen Dichtstoffen vorhanden.

Lieferzustand

MS-Polymer-Klebstoffe werden als 1K-Klebstoffe in Kartuschen, Schlauchbeuteln oder größeren Kunststoffgebinden (Parkettkleber) geliefert.

Anwendungsbereiche (Besonderheiten)

Die Anwendungsmöglichkeiten von Silanzmodifizierten Polymerklebstoffen sind sehr vielfältig. Im Vergleich zu harten Klebstoffen eignen sich MS-Polymerklebstoffe sehr gut als Parkettklebstoff. In Abhängigkeit der Luftfeuchtigkeit dehnt sich Holz aus oder schrumpft. Diese Formveränderungen können durch die elastischen MS-Polymerklebstoffe sehr gut aufgenommen werden.

Weiterhin werden diese Klebstoffe im Bau für das Verkleben von Türzargen, Fensterbänken, Platten, Paneelen, Fußbodenleisten, Zierleisten und Isolationsmaterialien verwendet.

MS-Polymerklebstoffe eignen sich für eine Vielzahl von Materialien wie:

  • Blanke und lackierte Metalle
  • Keramik
  • Glas
  • Naturstein
  • Holz und Holzwerkstoffe
  • Kunststoffe
  • Zement- und Gipsgebundene Materialien

Alternativen hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Aufgrund der möglichen Emissionen von Methanol aus Silanmodifizierten Polymerklebstoffen und ihrem Gehalt an Weichmachern und kennzeichnugspflichtigen Katalysatoren stellen Dispersionsklebstoffe eine Alternative dar, die hinsichtlich Umwelt und Gesundheit weniger belastend ist. Allerdings unterscheiden sich die Dispersionsklebstoffe in ihrer Gebrauchstauglichkeit und den möglichen Anwendungsbereichen von den Silanmodifizierten Polymerklebstoffen.

Quellen

wikidorf -  (abgerufen am 16.09.2014)

H. Mikaelsson, H. Motzet, Elastische Parkettklebstoffe – Die Erfolgsgeschichte einer Innovation, (abgerufen am 19.09.2014)

Feste Verbindung – European Coatings (abgerufen am 19.09.2014)

Silanmodifizierte Polymerklebstoffe
Silanmodifizierte Polymerklebstoffe

Planungs- und Ausschreibungshilfen

WECOBIS informiert produktneutral. An verschiedenen Stellen bietet WECOBIS jedoch auch Unterstützung dazu, wie sich Produkte innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer ökologischen Eigenschaften unterscheiden lassen.

Informationen hier im Reiter Ausschreibung:

  • Links zu materialökologischen Anforderungen und Textbausteinen für Planung und Ausschreibung im WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen,
  • Hinweise auf mögliche Quellen und Nachweisdokumente zu Planungs- und Ausschreibungskriterien,
  • zusammenfassende Informationen zum Lebenszyklus,
  • Hinweise zu möglichen Verwendungseinschränkungen hinsichtlich Gefahrstoffverordnung und zu Alternativen

Übersicht Planungs- und Ausschreibungshilfen: Klebstoffe

  Dispersions-KlebstoffeEpoxidharz-KlebstoffeLösemittel-KlebstoffePolyurethan-KlebstoffeSilanmodifizierte Polymere (SMP)Kleister
               
  Material-
ökologische Anforderungen
Im neuen Modul "Planungs- & Ausschreibungshilfen" bietet WECOBIS eine Übersicht zu möglichen materialökologischen Anforderungen und Textbausteine für Planung und Ausschreibung. Inhalt aufklappen
   
Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS

Verlegewerkstoffe für Boden- und Wandbeläge
---
Verlegewerkstoffe für Fliesen und Platten
---
Punkt- und linienförmige Verklebungen im Innenraum
---

Tapetenkleber

Verlegewerkstoffe für Boden- und Wandbeläge
---
Verlegewerkstoffe für Fliesen und Platten
Verlegewerkstoffe für Boden- und Wandbeläge
---
Verlegewerkstoffe für Fliesen und Platten
Verlegewerkstoffe für Boden- und Wandbeläge
---
Verlegewerkstoffe für Fliesen und Platten
---
Punkt- und linienförmige Verklebungen im Innenraum

---
PU-Montagekleber für Dämmstoffe
Verlegewerkstoffe für Boden- und Wandbeläge
---
Verlegewerkstoffe für Fliesen und Platten
---
Punkt- und linienförmige Verklebungen im Innenraum
Tapetenkleber
  Mögliche Quellen Die hier genannten Quellen, insbesondere BNB, bilden die Grundlage für Planungs- und Ausschreibungshilfen bzw. materialökologische Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS. Inhalt aufklappen
   
Bewertungssystem
Nachhaltiges Bauen

(BNB) des BMUB /
Kriterium 1.1.6 (Risiken für die lokale Umwelt)

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMUB steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen. Die o.g. Textbausteine und materialökologischen Anforderungen in WECOBIS basieren derzeit auf Kriteriensteckbrief 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt. Dieser steht in engem Zusammehang mit Kriteriensteckbrief 3.1.3 Innenraumhygiene.

Auch wenn ein Gebäude nicht zertifiziert werden soll, bilden die einzelnen Kriteriensteckbriefe eine gute Grundlage, Orientierung und Hilfestellung für die Umsetzung ökologischer Aspekte in der Gebäudeplanung.

Einordung der jeweiligen Klebstoffe hinsichtlich verschiedener Kriteriensteckbriefe siehe Reiter Bewertungssysteme in WECOBIS

Umweltbundesamt
(UBA)
Auf den Internet-Seiten des Umweltbundesamtes (UBA) befindet sich der „Informationsdienst für umweltfreundliche Beschaffung“. Die Seiten werden gerade überarbeitet, sodass sich dort derzeit aus dem Baubereich nur Ausschreibungsempfehlungen zu Elastischen Bodenbelägen, Tapeten und Raufaser finden.
baubook ökologisch ausschreiben Die Plattform baubook ökologisch ausschreiben bietet eine Sammlung von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Klebstoffe finden sich Kriterien in der Gruppe der Kleb- und Füllstoffe.
natureplus Ausschreibungstexte Auf den Internet-Seiten von natureplus finden sich derzeit nur Ausschreibungstexte zu Bodenbelägen, Holz und Holzwerkstoffen sowie für Wandfarben.
  Mögliche Nachweis-
dokumente
weitere Nachweismöglichkeiten neben den folgend genannten sind Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, sowie Herstellererklärungen oder ggf. ein Anhang mit Nachhaltigkeitsmerkmalen zur bauaufsichtlichen Zulassung (abZ+). Inhalt aufklappen
   
gesetzlich vorgeschrieben Welche Nachweisdokumente müssen vom Hersteller zur Verfügung gestellt werden? Welcher Nachweis kann damit erbracht werden?
REACH / CLP:
Sicherheitsdatenblatt (SDB)
Klebstoffe werden als Gemisch eingestuft. Für sie muss daher ein SDB gemäß den Anforderungen in Art.31 REACH-VO in Verbindung mit Anhang II erstellt werden. (Nachweis gefährliche Stoffe, Nachweis SVHC >= 0,1 Gew.-%)
Leistungserklärung gemäß BauPVO mit Angaben zu SVHC für Fliesen-Klebstoffe gemäß EN 12004 Mörtel und Klebstoffe für Fliesen und Platten (s. Bauregelliste B Teil 1, 1.9), ansonsten nur für Klebstoffe in Sonderkonstruktionen (s. Bauregelliste B Teil 1, 1.8) / Stand 11/2014 -
allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) aus Gesundheits-
schutzgründen
Bodenbelagsklebstoffe benötigen bei der Verwendung in Aufenthaltsräumen einschließlich zugehöriger Nebenräume eine abZ aus Gesundheitsschutzgründen. Sie umfasst eine Emissionsprüfung zur quantitativen Bestimmung und Bewertung flüchtiger (VOC) und schwer flüchtiger (SVOC) Verbindungen auf Basis des AgBB-Bewertungsschemas. (siehe auch Bauregelliste B Teil 1, lfd. Nr. 1.18 ff)
abZ der Gruppen Z-155.10 (Parkettbodenbelagsklebstoffe), Z-155.20 (Universalbodenbelagsklebstoffe) keine Verwendung als Bodenbelagsklebstoff
freiwillige Produktkenn-zeichnungen / -deklarationen Für einige Bauproduktgruppen existieren freiwillige Produktkennzeichnungen oder -deklarationen wie z.B. Umweltzeichen oder Umweltproduktdeklarationen, die als Nachweis für materialökologische Anforderungen dienen können. Eine Übersichtstabelle dazu mit detaillierten Informationen zu Klebstoffen findet sich im Reiter Zeichen & Deklarationen.

Übersicht Lebenszyklusinformationen: Klebstoffe

  Dispersions-KlebstoffeEpoxidharz-KlebstoffeLösemittel-KlebstoffePolyurethan-KlebstoffeSilanmodifizierte Polymere (SMP)Kleister
               
  Rohstoffe Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Rohstoffe)
   
Hauptbestandteile nach Rohstoffherkunft
Anteil fossiler Rohstoffe 40-60 M-% 40-60 M-% 70-100 M-% 60-80 M-% 48 M-% 0-2%
Anteil mineralischer Rohstofffe 30-40 M-% 30-40 M-% 0-30 M-% 20-40 M-% 52 M-% -
Anteil erneuerbarer Rohstoffe 10-20 M-% 10-20 M-% - - -

98-100 M-%

Charakteristische Inhaltsstoffe
Bindemittel Kunst- oder Naturharze Epoxidharze + Härter (Amine) Polyolefin-Copolymere Isocyanatpolymere
2K: + Härter (Alkohole oder Öle)
silanmodifizierte Polymere Carboxymethylcellulose
Lösemittel 0-5% 0- >5% 30-85% 0-10% - -
  Herstellung Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Herstellung)
  Ökobau.dat-Datensätze Datensätze zu Klebstoffen liegen noch nicht vor (Stand 02/2014). Eine Einordnung im Gliederungssystem ist derzeit noch nicht vorgesehen.
  Verarbeitung Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Verarbeitung, zu ggf. vorhandenen verarbeitungsspezifischen Produktkennzeichnungen wie z.B. Giscode, siehe Reiter Zeichen & Deklarationen)
  Verarbeitungsweise / Lieferzustand 1K-Klebstoffe, flüssig 2K-Klebstoffe, flüssig 1K-Klebstoffe, flüssig 1K- und 2K-Klebstoffe, flüssig 1K-Klebstoffe, flüssig Pulver zum Anrühren mit Wasser
  Abbindemechanismus physikalisches Abbinden:
Verdunsten d. Wassers
chem. Abbinden:
Reaktion zwischen Harz und Härter
physikalisches Abbinden: Verdunsten des Lösemittels chem. Abbinden:
Reaktion zwischen Harz und Härter (2K) bzw. Luftfeuchtigkeit (1K)
chem. Abbinden (Reaktion zwischen Klebstoff und Luftfeuchtigkeit) physikalisches Abbinden:
Verdunsten d. Wassers
  Arbeitshygienische Risiken (siehe im Detail Reiter Zeichen & Deklarationen) bei lösemittelfreien Produkten (D1) gering mindestens reizend (RE0), zum Teil erheblich

erheblich

 

bei 1K (RU0,5) gering,
bei 2K-Systemen zum Teil erheblich
gering gering
  Nutzung Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Nutzung, zur Innenraumhygiene nach BNB siehe siehe Reiter Bewertungssysteme, zu ggf. vorhandenen innenraumrelevanten Produktkennzeichnungen wie z.B. Blauer Engel, siehe Reiter Zeichen & Deklarationen)
   
VOC-/SVOC-Emissionen möglich (ggf. Lösemittel, Weichmacher) möglich (ggf. Lösemittel, Weichmacher) hoch möglich (ggf. Lösemittel, Weichmacher) möglich (ggf. Weichmacher) keine
  Nachnutzung Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Nachnutzung)
   
Rückbaubarkeit / Trennbarkeit Die Rückbaubarkeit von Klebstoffen ist bedingt durch ihre Funktion prinzipiell nicht gegeben.
Verwertbarkeit / Recyclingfähigkeit Klebstoffe müssen als Anhaftungen entsorgt werden und sind daher nicht verwertbar.

Gefahrstoffverordnung

Gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der GefStoffV ist grundsätzlich das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen zu verwenden.

Werden für eine Produktgruppe GISBAU Produkt-Codes oder GISCODES vergeben, lassen sich z.B. dadurch Unterschiede innerhalb der Produktgruppe feststellen (s. Reiter Zeichen & Deklarationen). Innerhalb der Gruppe der Silanmodifizierten Polymerklebstoffe sind wenn möglich immer Klebstoffe mit dem GISBAU Produkt-Code RS10 zu verwenden (→ Verarbeitung).

Alternativen hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Aufgrund der möglichen Emissionen von Methanol aus Silanmodifizierten Polymerklebstoffen und ihrem möglichen Gehalt an Weichmachern (weichmacherfreie Systeme sind erhältlich) und kennzeichnungspflichtigen Katalysatoren stellen Dispersions-Klebstoffe eine Alternative dar, die hinsichtlich Umwelt und Gesundheit weniger belastend ist. Allerdings unterscheiden sich die Dispersions-Klebstoffe in ihrer Gebrauchstauglichkeit und den möglichen Anwendungsbereichen von den Silanmodifizierten Polymerklebstoffen.

Weitere planungs- und ausschreibungsrelevante Informationen in WECOBIS

Allgemeine Unterstützung zum Umgang mit Nachhaltigkeitsaspekten in Planung und Ausschreibung sowie Hinweise auf Leitfäden, Arbeitshilfen und Veröffentlichungen zum Nachhaltigen Bauen bietet das neue WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen unter Allgemeine Infos.

Silanmodifizierte Polymerklebstoffe

Umweltdeklarationen

Die folgende Tabelle liefert eine Übersicht zu Zeichen & Deklarationen aus dem Bereich der Klebstoffe. Neben Herstellererklärungen, Informationen in Sicherheitsdatenblättern (SDB) oder allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen (abZ) können diese den Nachweis für umwelt- und gesundheitsrelevante Kriterien in Planung und Ausschreibung (s. Reiter Ausschreibung) ermöglichen. Detaillierte Informationen finden sich außerdem in den einzelnen Produktgruppen.

Übersicht Umweltdeklarationen: Klebstoffe / SMP-Klebstoffe

  Dispersions-KlebstoffeEpoxidharz-KlebstoffeLösemittel-KlebstoffePolyurethan-KlebstoffeSilanmodifizierte Polymere (SMP)Kleister
               
  Umweltzeichen

Umweltzeichen gehören zu den freiwilligen Produktkennzeichnungen. Sie bieten die Möglichkeit, Unterschiede von Produkten innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer Umwelt- und Gesundheitsrelevanz festzustellen, auch wenn sie keine allgemeinverbindlichen Gebote oder Verbote aufstellen können. Inhalt aufklappen

   
Blauer Engel
weil emissionsarm (nur lösemittelfrei möglich)
RAL-UZ 113 Bodenbelags-
klebstoffe und andere Verlegewerkstoffe

x

(aufgrund der Inhaltsstoffe)

x

(nicht emissionsarm möglich)
RAL-UZ 113 Bodenbelags-
klebstoffe und andere Verlegewerkstoffe
RAL-UZ 113 Bodenbelags-
klebstoffe und andere Verlegewerkstoffe
-
EU-Umweltzeichen (Blume) -
- - - - -
Österreichisches Umweltzeichen - - - - - -
natureplus-Qualitätszeichen (nur für Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen / mind. 85 Masse%) RL0900 Klebstoffe aus nach-
wachsenden Rohstoffen (noch kein Produkt zertifiziert)

x

x x x RL0900 Klebstoffe aus nach-
wachsenden Rohstoffen (noch kein Produkt zertifiziert)
Nordischer Schwan (Bodenbeläge: mind. 50% erneuerbare Rohstoffe) - - - - - -
EMICODE
/ Raumlufthygiene (nur lösemittelfrei möglich)
EC1plus (sehr emissionsarm) -
EC2 (emissionsarm)
EC1plus (sehr emissionsarm) -
EC2 (emissionsarm)

x

(nicht emissionsarm / lösemittelfrei möglich)
EC1plus (sehr emissionsarm) -
EC2 (emissionsarm)
EC1plus (sehr emissionsarm) -
EC2 (emissionsarm)
-
  GISBAU Klassifizierungs-system

Das GISBAU Klassifizierungssystem ermöglicht es durch den GISCODE oder GISBAU Produktcode, Produkte von denen die gleichen Gesundheitsgefahren ausgehen, in einer Gruppe zusammenzufassen. Die Klassifizierung ist auf den Arbeitsschutz ausgerichtet. Gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) ist grundsätzlich das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen zu verwenden. (siehe unten: Ersatzproduktgruppe prüfen?) Inhalt aufklappen

   

GISBAU Produkt-Code / GISCODE

Dispersions-Klebstoffe
D1 - D7
Epoxidharz-Klebstoffe
RE0 - RE3
Stark lösemittelhaltige Verlegewerkstoffe
S0,5 - S6

Polyurethan-Verlegewerkstoffe
RU0,5 - RU4

---

PU-Systeme (punkt- und linienförmige Verklebungen)
PU10 - PU60

Verlegewerk-
stoffe, methoxy-
silanhaltig RS10

-

GefStoffV: Prüfung von Alternativen erforderlich? (Minimierungsgebot)

bei D1 nicht erforderlich immer erforderlich (Einsatz muss technisch begründet sein) immer erforderlich (Einsatz soll gemäß TRGS 610 auf Spezialfälle beschränkt sein)

Verlege-werkstoffe: bei RU0,5, RU1 nicht erforderlich

---
PU-Systeme:
immer erforderlich (Einsatz muss technisch begründet sein)
nicht erforderlich

-

geringstmögliche Belastung innerhalb der gleichen GISCODE-Produktgruppe (ggf. erst nach Prüfung von Alternativen)

D1 (kenn-zeichnungsfrei, lösemittelfrei) RE0 (Epoxidharz-dispersionen, lösemittelarm, reizend), RE1
(lösemittelfrei, sensibilisierend, ätzend, umwelt-gefährlich)

S0,5 (lösemittel-kontrolliert, leicht-entzündlich)

Anwendung nur in Spezialfällen!

RU0,5 (kenn-zeichnungsfrei, lösemittelfrei),
RU1 (lösemittelfrei, gesundheits-schädlich)

RS10 (kenn-zeichnungsfrei, lösemittelfrei) -
  Umweltprodukt-deklaration (EPD)

Die Umweltproduktdeklaration (EPD = Environmental Product Declaration) eines Produktes macht Aussagen zum Energie- und Ressourceneinsatz und in welchem Ausmaß ein Produkt zu Treibhauseffekt, Versauerung, Überdüngung, Zerstörung der Ozonschicht und Smogbildung beiträgt. Außerdem werden Angaben zu technischen Eigenschaften gemacht, die für die Einschätzung der Performance des Bauproduktes im Gebäude benötigt werden, wie Lebensdauer, Wärme- und Schallisolierung oder den Einfluss auf die Qualität der Innenraumluft.1 Inhalt aufklappen

   
EPD1 + - - - - -
Branchen-EPD1 - + - - - -
  Umweltindikatoren

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren wie z.B Primärenergieaufwand, Abfall, Abiotischer Ressourcenverbrauch, Ozonabbaupotential, Treibhauspotential usw. liefert die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB. Inhalt aufklappen

   
Ökobau.dat-Datensätze Datensätze zu Klebstoffen liegen noch nicht vor (Stand 02/2014). Eine Einordnung im Gliederungssystem ist derzeit noch nicht vorgesehen.
  Sonstiges

Sonstige freiwillige Produktkennzeichnungen, die Informationen zur Umwelt- und Gesundheitsrelevanz von Produkten liefern können. Inhalt aufklappen

   
baubook-Deklaration Die Plattform baubook bietet für Händler und Hersteller von Bauprodukten die Möglichkeit einer online-Deklaration anhand von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Klebstoffe finden sich Produktdeklarationen unter Kleb- und Füllstoffe.
+
Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe vorhanden
-
Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe nicht vorhanden
./.
Zeichen / Label für diese Produktgruppe nicht relevant
x
Produkte aus dieser Produktgruppe können die Kriterien des Zeichens/Labels definitionsgemäß nicht erfüllen

1 Die hier als vorhanden markierten EPDs und Branchen-EPDs sind als Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu verstehen und finden sich z.B. auf den Seiten des IBU Institut Bauen und Umwelt e.V..

 

Silanmodifizierte Polymerklebstoffe

Bewertungssysteme

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)

   
  Wofür steht das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)? Inhalt aufklappen
 

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMUB steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen.
Ausführliche Informationen zum BNB-System siehe www.nachhaltigesbauen.de

  Welche Informationen liefert WECOBIS für BNB im Reiter Bewertungssysteme? Inhalt aufklappen
 

WECOBIS führt in den Datenblättern der Bauproduktgruppen umfangreiche Informationen zur Beantwortung der verschiedenen Fragestellungen im Hinblick auf Umwelt- und Gesundheitsaspekte. Im Reiter Bewertungssysteme bietet WECOBIS gezielt Antworten auf Fragestellungen baustoffrelevanter Steckbriefe. Durch die Bündelung von Aspekten z.B. bzgl. der Risiken für die lokale Umwelt, Fragen zur Innenraumhygiene und der Thematik Rückbau, Trennung, Verwertung gibt WECOBIS gezielte Hilfestellung bei der Einordnung einzelner Baustoffe. Tiefergehende Informationen finden sich über die Verknüpfungen in den jeweiligen Datenblättern.
Hinweis: Eine abschließende Beurteilung im Rahmen des Bewertungssystems und der genannten Kriterien erfolgt jedoch grundsätzlich in Abhängigkeit weiterer baulicher Gegebenheiten (z.B. eingebaute Menge).

BNB-Kriterium BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau)

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_1.1.6 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

BNB-Kriterium BN_1.1.6 zielt auf die Reduzierung bzw. Vermeidung von Stoffen und Produkten beim Neubau, die aufgrund ihrer stofflichen Eigenschaften oder Rezepturbestandteile ein Risikopotenzial für Grundwasser, Oberflächenwasser, Boden und Luft (auch Innenraumluft) enthalten. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 5 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung der Substitution eines Stoffes.

Für den Umgang mit Materialien im Bestand und deren Einordnung ist Kriteriensteckbrief BK_1.1.6. heranzuziehen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau) und BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

Einordnung der Silanmodifizierten Polymerklebstoffe (SMP)

Für die Bewertung nach Kriterium BNB_BN_1.1.6 (Version V 2014_1) werden sechs potenzielle Schadstoffgruppen1 betrachtet. Für die Einordnung der Silanmodifizierten Polymerklebstoffe gemäß 1.1.6 sind die hervorgehobenen Schadstoffgruppen 1 und 4  relevant: 
1  Gefährliche und besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC)
2  Gefährliche Stoffe, die ausgelaugt werden können
3  Schwermetalle (bei Bodenbelägen als Stabilisatoren in Kunststoffen)
4  Flüchtige organische Verbindungen (VOC) 1 einschließlich organische Lösemittel
5  Halogenierte Kälte- und Treibmittel
6  Biozide

Silanmodifizierte Polymerklebstoffe werden in 1.1.6 über folgende Einsatzbereiche adressiert (s. BNB_BN_1.1.6 Anlage 1 / Allgemeine Anforderungsliste, Anlage 2 / Anforderungen an Einzelstoffe mit besonders besorgniserregenden Eigenschaften):

  • Pos. 8 Vor-Ort verarbeitete Klebstoffe / Silanmodifizierte Polymere (SMP) für punkt- oder linienförmige Verklebungen und Abdichtungen im Innenraum
  • Pos.10 Verlegewerkstoffe / Klebstoffe unter Wandbelägen / pastöse oder flüssige Verlegewerkstoffe für Wandfliesen
  • Pos. 10a Verlegewerkstoffe / Klebstoffe unter Bodenbelägen / pastöse oder flüssige Verlegewerkstoffe für Bodenbeläge und Bodenfliesen

Im folgenden werden die Bedingungen bzw. Einschränkungen für die Verwendung von Dispersions-Klebstoffen dargestellt. Die eigentlichen Anforderungen der genannten Position in Anlage 1 betreffen ggf. auch andere Klebstoffe.

Qualitätsniveau (QN)

Bedingungen für SMP-Klebstoffe bei punkt- oder linienförmigen Verklebungen innen (gem. Pos. 8)

Bedingungen für
SMP-Klebstoffe unter Wandfliesen
(gem. Pos.10)

Bedingungen für
SMP-Klebstoffe unter Bodenbelägen  und Bodenfliesen
(gem. Pos.10a)

1
(= Mindest-anforderung)

Produktdokumentation2 incl. Deklaration von SVHC der Kandidatenliste > 0,1 Gew.-%   Produktdokumentation2 incl. Deklaration von  SVHC der Kandidatenliste > 0,1 Gew.-%

Produktdokumentation2 incl. Deklaration von  SVHC der Kandidatenliste > 0,1 Gew.-%

Vorlage abZ der Gruppen Z-155.10 (Parkettbodenbelags-klebstoffe), Z-155.20 (Universal-bodenbelagsklebstoffe) aus Gesundheitsschutzgründen3

2 (zusätzlich zu QN1)

Es dürfen nur Produkte mit GISBAU Produkt-Code D1  (lösemittelfrei) verwendet werden.

Die Anforderungen des Labels EMICODE4 EC1 bzw. EC1 Plus (sehr emissionsarm, nur lösemittelfrei möglich) müssen erfüllt werden.

3
(zusätzlich zu QN1)

Die Anforderungen der Label EMICODE4 EC1 bzw. EC1 plus (sehr emissionsarm) oder RAL-UZ 1134 (Blauer Engel - weil emissionsarm) müssen erfüllt werden.

Die Anforderungen des Labels EMICODE4 EC1 bzw. EC1 Plus (sehr emissionsarm) müssen erfüllt werden.

4 (zusätzlich zu QN1)

Die Anforderungen des Labels EMICODE4 EC1 bzw. EC1 plus (sehr emissionsarm) muss erfüllt werden. 

Die Anforderungen des Labels RAL-UZ 1134 (Blauer Engel - weil emissionsarm) müssen erfüllt werden.

5 (zusätzlich zu QN1)
Kommentierung

Für die Anwendung unter Wandfliessen oder Bodenbelägen sind für die Erfüllung der Anforderungen von QN2  mindestens lösemittelfreie Produkte erforderlich. SMP-Klebstoffe enthalten keine Lösemittel. Es ist möglich5, mit entsprechenden Produkten aus der Gruppe der SMP-Klebstoffe die Anforderungen bis einschließlich QN5 zu erfüllen.

siehe auch tabellarische Übersichten mit materialökologischen Anforderungen nach BNB_BN_1.1.6. im neuen Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen zu Klebstoffen / Verlegewerkstoffen. Dort sind die geforderten Label4 (z.B. Emicode, Blauer Engel) hinsichtlich ihrer Anforderungen zu den relevanten Schadstoffgruppen 1+4 dargestellt. Die Tabellen enthalten auch Informationen zu den Nachweismöglichkeiten und damit zur Prüfung der angebotenen Produkte.

1 Im Rahmen der Bewertung nach Kriterium 1.1.6 (Risiken für die lokale Umwelt) werden potenzielle Schadstoffe / Schadstoffgruppen in Bauproduktgruppen abhängig vom Bauprodukttyp und dem Einsatzbereich einzeln und produktbezogen abgefragt und je nach Vorkommen verschiedenen Qualitätsniveaus (QN) zugeordnet.

2 Die Produktdokumentation (z.B. über Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, Sicherheitsdatenblätter) ist die Mindestanforderung, die mindestens für alle durch BNB 1.1.6 betroffenen Produktgruppen erfüllt sein muss. Zusätzlich ist für alle diese Produktgruppen immer auch die Deklaration von SVHC der Kandidatenliste nach REACH (z.B. über Sicherheitsdatenblätter, Herstellererklärung) erforderlich. Produktgruppenabhängig können auch noch andere Nachweise gefordert sein.

3 Für die genannten Klebstoffe ist bei der Verwendung in Aufenthaltsräumen einschließlich zugehöriger Nebenräume eine abZ aus Gesundheitsschutzgründen erforderlich. Sie umfasst eine Emissionsprüfung zur quantitativen Bestimmung und Bewertung flüchtiger (VOC) und schwer flüchtiger (SVOC) Verbindungen auf Basis des AgBB-Bewertungsschemas.

4 Sofern innerhalb der Qualitätsniveaus auf aggregierte Produktkennzeichnungen verwiesen wird (Emicode, Blauer Engel, etc.), ist es zulässig vergleichbare Nachweise (weitere Umweltzeichen, Angaben in Sicherheits- oder Produktdatenblätter etc.) heranzuziehen. Dabei bezieht sich die Vergleichbarkeit nur auf die Anforderungen hinsichtlich der jeweiligen zu betrachtenden Schadstoffgruppen.
5 Eine Aussage über die Marktverfügbarkeit kann hier nicht getroffen werden. Insbesondere da auch vergleichbare Nachweise z.B. zum geforderten Emicode4 herangezogen werden können.

BNB-Kriterium BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

   
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Im Falle einer Sanierungsmaßnahme wird BN_1.1.6 ergänzt durch das BNB-Kriterium BK_1.1.6. Dieses zielt auf die Adressierung und Ausschleusung von Materialien in der bestehenden Bausubstanz, die ein Risikopotenzial für Mensch und Umwelt darstellen. Die Bewertung erfolgt anhand einer Einstufung der Baumaterialien in ein vorgegebenes Schadstoffkataster mit 14 Schadstoffgruppen aufgrund ihres Schädigungspotentials und der jeweiligen Sanierungsmaßnahmen. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 4 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung er Substitution eines Stoffes.

Weitere Informationen zu den Einzelkriterien im Bestand siehe BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung). Für den Einbau von neuen Materialien gilt BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau).

Die Einordnung von Materialien im Bestand erfolgt in WECOBIS jeweils gesammelt für die ganze Obergruppe der Klebstoffe. Siehe dazu Klebstoffe im Bestand.

Die an dieser Stelle beschriebenen SMP-Klebstoffe (= aktuell am Markt verfügbare Produktgruppen) enthalten keine Problemstoffe, welche bei der Sanierung relevant sind.

BNB-Kriterium BN_3.1.3 - Innenraumhygiene

   
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Ziel des BNB-Kriteriums 3.1.3 ist die Sicherstellung der Luftqualität im Innenraum unter hygienischen Gesichtspunkten, die zu keinen negativen Effekten hinsichtlich der Befindlichkeit der Raumnutzer führt, die hygienische Sicherheit garantiert und somit möglichst auch eine empfundene hohe olfaktorische Luftqualität gewährleistet.
Die Bewertung erfolgt anhand der Berechnung der personenbezogenen Luftwechselrate sowie anhand von Raumluftmessungen auf den Formaldehyd- und TVOC-Gehalt.
Erfahrungsgemäß lassen sich die Referenz- und Zielwerte dann erreichen, wenn die Auswahl und Verwendung der eingesetzten Materialien auf einem ganzheitlichen Konzept zur Vermeidung von Emissionen aus Bauprodukten basiert und der Einsatz emissionsarmer Materialien die Bauphase begleitend dokumentiert wird. BNB-Kriterium 3.1.3 steht deshalb in engem Zusammenhang mit der Erfüllung der Einzelkriterien für BNB-Kriterium 1.1.6.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_3.1.3 Innenraumhygiene (Neubau)

Einordnung der Silanmodifizierten Polymerklebstoffe (SMP)

Silanmodifizierte Polymerklebstoffe enthalten keine Lösemittel. Jedoch können höhersiedende Stoffe (z.B. Weichmacher) an die Raumluft abgegeben werden. Da diese Stoffe durch den verklebten Belag hindurchdiffundieren, ist eine Belastung der Raumluft über längere Zeit möglich.

Produkte mit dem EMICODE EC1plus "sehr emissionsarm", garantieren für minimale Belastungen.

Produktgruppe Zu erwartende VOC-Emissionen Zu erwartende
Formaldehyd-­Emissionen
SMP-Klebstoffe möglich  keine
keine
Die Produktgruppe enthält kein Formaldehyd oder keine VOC.
möglich
Die Produkte der Produktgruppe unterscheiden sich bezüglich der zu erwartenden VOC- oder Formaldehyd-Emissionen. Bei der Produktwahl ist auf geeignete Zeichen und Deklarationen zu achten. siehe dazu die Informationen im Reiter "Zeichen & Deklarationen".
hoch
Die Produktgruppe verursacht grundsätzlich hohe VOC-Emissionen oder Formaldehyd-Emissionen. Alternativen sind vorzugsweise in der Wahl funktional gleichwertiger Baustoffe anderer Produktgruppen oder anderer Konstruktionen zu suchen.

BNB-Kriterium BN_4.1.4 - Rückbau, Trennung, Verwertung

   
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Im BNB Kriteriensteckbrief 4.1.4 werden Konstruktionen nach ihrer Rückbaubarkeit, Trennbarkeit und Verwertbarkeit eingestuft.
WECOBIS kann eine aktuelle Information über mögliche Umwelt- und Gesundheitsgefährdungsaspekte im Zuge von Rückbau und Entsorgung auf Bauproduktgruppenebene geben. Eine Betrachtung von ganzen Konstruktionen kann derzeit in WECOBIS noch nicht erfolgen. Ein Bauteilmodul ist jedoch in planung. Ergänzend zu Leitfäden und Arbeitshilfen helfen die bauproduktgruppenspezifischen Aspekte dem Koordinator jedoch auch jetzt schon, die Komponenten Umwelt und Gesundheit für den Steckbrief 4.1.4 einzuordnen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_4.1.4 – Rückbau, Trennung, Vewertung

Einordnung der Silanmodifizierten Polymerklebstoffe

Rückbaubarkeit

Für die Bewertung wirkt sich der Einsatz abfallarmer Konstruktionen, die die Möglichkeit eines sortenreines Rückbaus erlauben, günstig aus. Die Rückbaubarkeit beschreibt den Aufwand, der für Demontage oder Abbruch eines Bauteils aus dem Gebäudeverband nötig ist.
Die Rückbaubarkeit von Klebstoffen ist bedingt durch ihre Funktion prinzipiell nicht gegeben.

Sortenreinheit

Dier Sortenreinheit beschreibt den Aufwand, der für die sortenreine Trennung mehrschichtiger und / oder inhomogener Bauteile anfällt.
Klebstoffe können nicht sortenrein zurückgebaut werden. Sie treten im Rückbau als Anhaftungen an anderen Baustoffen in Erscheinung und können die Recyclingfähigkeit dieser Baustoffe vermindern.

Verwertbarkeit

Für die Bewertung der Verwertbarkeit der Baustofffraktionen gelten die zur Zeit der Bewertung am Markt aktuell verfügbaren technischen Verfahren. Alternativ können bei Bauteilen mit langer zu erwartender Nutzungsdauer Forschungsvorhaben, die praktikable Lösungsmöglichkeiten in absehbarer Zeit zur Verfügung stellen können, positiv bewertet werden. 

Da Klebstoffe immer mit anderen Baustoffen verbunden sind und ihre Funktion die möglichst starke und andauernde Haftung auf dem Untergrund bedingt, können sie nur als Anhaftung an anderen Baustoffen entsorgt werden.

  • Eine stoffliche Verwertung ist bei Klebstoffen nicht möglich.
  • Die energetische Verwertung von reinen Klebstoffabfällen ist möglich und führt bei vorschriftsgemäßer Rauchgasreinigung zu keinen relevanten Emissionen. Sofern die Klebstoffe als Anhaftungen zusammen mit anderen brennbaren Abfällen entsorgt werden, stellt die energetische Verwertung den besten Entsorgungsweg dar.
  • Klebstoffe können als Anhaftungen auf Bauteilen in die Deponie gelangen. Die Abbauprodukte stellen eine Belastung für die Deponieabwässer dar.

Quellen

Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt, abrufbar unter BNB_BN_1.1.6 Version V 2014_1 (Online-Quelle)

Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 3.1.3 Innenraumhygiene, abrufbar unter BNB_BN2011-1_313 (Online-Quelle)

Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 4.1.4 Rückbau, Trennung und Verwertung, abrufbar unter BNB_BN2011-1_414 (Online-Quelle)

Silanmodifizierte Polymerklebstoffe

Technisches

Technische Daten

Shore-Härte A (DIN 53505): 38 – 60

Bruchdehnung (DIN 53504): 250 – 600%

Zugfestigkeit (DIN 53504): 1.9 – 3.3 N/mm2

Temperaturbeständigkeit: -40 – 120°C

Baustoffklasse nach DIN 4102-1

B2

Technische Regeln (DIN, EN)

DIN EN 923      Klebstoffe – Begriffe und Definitionen

Für die Anwendung von Klebstoffen bestehen anwendungsspezifische Normen. Für die wichtigsten Anwendungsbereiche wird untenstehend eine Auswahl wiedergegeben.

Bodenbeläge:

DIN EN 14259: Klebstoffe für Bodenbeläge - Anforderungen an das mechanische und elektrische Verhalten

Parkett:

DIN EN 14293: Klebstoffe - Klebstoffe für das Kleben von Parkett auf einen Untergrund - Prüfverfahren und Mindestanforderungen

Bauregelliste

Das Deutsche Institut für Bautechnik stellt in den Bauregellisten A, B und C die technischen Regeln für Bauprodukte und Bauarten sowie bauaufsichtlich geregelte und nicht geregelte Bauprodukte und Bauarten auf.
Nach Zustimmung der obersten Bauaufsichtsbehörden der Länder wird die Bauregelliste bekannt gegeben. Erwerb und weiterführende Informationen zu Bauregelliste und ihren Regelungsbereichen siehe unter → www.dibt.de
Eine Darstellung und Erläuterungen zur Klassifizierung von Bauprodukten siehe im Lexikon → Klassifizierung von Bauprodukten

Quellen

Produktdatenblätter diverser Hersteller

Silanmodifizierte Polymerklebstoffe
Silanmodifizierte Polymerklebstoffe

Rohstoffe / Ausgangsstoffe

Hauptbestandteile

Silanmodifizierte-Polymerklebstoffe Zusammensetzung nach Funktionen

Abb.1: Zusammensetzung nach Funktionen

Die Herstellung der Silanmodifizierten Polymerklebstoffe erfolgt in der Regel in einem Dissolvermischer. In einer durchschnittlichen Rezeptur wird das Bindemittelpolymer (ca. 30 Massen-%) mit dem Weichmacher (ca. 15 Massen-%) und weiteren Vernetzer- oder Wasserfängersilanen (1-3 Massen-%) vermischt. Zudem werden ca. 50 Massen-% Füllstoffe (meist Kreide) dazugegeben. Anschließend werden Rheologieadditive zur Beeinflussung des Fließverhaltens, wie pyrogene Kieselsäure und weitere Additive (1-3 Massen-%) eingearbeitet. Zum Schluss wird die Formulierung durch Zugabe eines Katalysators (in der Regel ein Zinnkatalysator) aktiviert.

Die Verarbeitungseigenschaften der Klebstoffe werden wesentlich durch die Füllstoffe beeinflusst. In vielen Klebstoffen werden hohe Füllgrande eingestellt, um die Härten zu erhöhen und auch die Formulierungskosten zu senken. Ein hoher Füllstoffgehalt verschlechtert aber die Verarbeitungseigenschaften. Beispielsweise wird die Auspresskraft aus Kartuschen deutlich erhöht. Dieser negative Einfluss der Füllstoffe kann durch die Zugabe von Weichmachern kompensiert werden. Besonders geeignet sind Polypropylenglykole, da sie die gleiche chemische Natur wie das Basispolymer besitzen. Neben den Polyethern können auch andere typische Weichmacher wie Phtalate, Benzoate und Alkylsulfonsäurephenolester eingesetzt werden.

Da der Anspruch an die Verarbeitbarkeit sehr hoch ist, kann in den allermeisten Formulierungen auf den Zusatz eines Rheologieadditives nicht verzichtet werden. Weit verbreitete und sehr effiziente Thixotropiermittel sind pyrogene Kieselsäuren. Damit können die Massen standfest gemacht werden. Parkettkleber sind in der Regel flüssiger, damit sie mit einem Zahnspachtel großflächig verteilt werden können.

Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Silanmodifizierte-Polymerklebstoffe Zusammensetzung nach Rohstoffherkunft

Abb.2: Zusammensetzung nach Rohstoffherkunft

Gewinnung der Primärrohstoffe

Silanmodifizierte Polymerklebstoffe enthalten keine nachwachsenden Rohstoffe. Die silanmodifizierten Polymere sowie ein Teil der Vernetzer, Weichmacher und Additive werden aus Erdölfraktionen gewonnen. Die Gewinnung der fossilen Rohstoffe aus Erdöl, Erdgas und Kohle ist mit Umweltrisiken verbunden. Als Füllstoffe werden Gesteinsmehle wie z.B. Kreide eingesetzt, deren Grundgesteine im Bergbau gewonnen und danach gemahlen werden.

Verfügbarkeit

Mit der allmählichen Erschöpfung der Erdölvorräte vermindert sich auch das Potential zur Gewinnung von Kunststoffen in wenigen Jahrzehnten. Allerdings könnten die Rohstoffe zur Herstellung von Kunststoffen auch aus Kohle hergestellt werden, was jedoch mit einem größeren Energieaufwand verbunden wäre.

Die mineralischen Rohstoffe sind auch mittelfristig gut verfügbar. Die energieintensiven Abbauprozesse sind jedoch ebenfalls an die Verfügbarkeit größerer Energiemengen gekoppelt.

Verwendung von Recyclingmaterialien / Produktionsabfällen

Die Verwendung von Sekundärrohstoffen in der Produktion von Klebstoffen ist evtl. denkbar, wird jedoch in der Praxis gegenwärtig nicht umgesetzt, außer vielleicht in der Herstellung von Kleister. Produktionsabfälle werden in modernen Industriebetrieben wo möglich genutzt. Detaillierte Informationen für die Klebstoffproduktion liegen jedoch nicht vor.

Radioaktivität

Radioaktivität ist für Klebstoffe nicht relevant

Landinanspruchnahme (Landuse)

Die Erdölgewinnung für die Kunststoffherstellung ist mit geringem Flächenverbrauch für die Erdölgewinnung und die Raffineriestandorte verbunden. Durch Leckagen während der Erdöl-Förderung oder des Erdöl-Transports können allerdings die Ökosysteme beträchtlicher Flächen längerfristig geschädigt werden.

Der Abbau der mineralischen Komponenten erfolgt im Tagebau (Steinbruch), was zu einer großflächigen Landschaftsveränderung führen kann.

Quellen

U. Kasser, interne Datensammlung büro für umweltchemie

Greenpeace, Erdöl – Gefahr für Umwelt, Klima, Menschen, Hamburg, 2002

Umweltbundesamt, Einschätzung der Schiefergasförderung in Deutschland, Stand Dezember 2011, Berlin, 2012

Silanmodifizierte Polymerklebstoffe

Herstellung

Prozesskette

Herstellungsprozess

Die Herstellung der Ausgangsstoffe für Silanmodifizierte-Polymer-Klebstoffe erfolgt vorwiegend in großen Chemieindustriebetrieben. Silanmodifizierte Polymere sind die Entwicklung eines japanischen Unternehmens Ende der 70er Jahre, das nach wie vor eine starke Marktstellung innehat, weitere Produzenten sind jedoch in Europa und den USA aktiv.

Die Formulierung von Klebstoffen aus Silanmodifizierten Polymeren erfolgt in gängigen Dissolvermischer.

Umweltindikatoren / Herstellung

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren in WECOBIS soll zukünftig ausschließlich die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB liefern.

Die Ökobau.dat stellt Umweltprofile für Bauprodukte bereit, die als erforderliche Datengrundlage für die Lebenszyklusanalyse eingesetzt werden. Für Bauprodukte gibt es Herstellungs- und End-of-Live- Datensätze.

Weiterführende Informationen zur Ökobau.dat im Zusammenhang mit dieser Produktgruppe finden sich in WECOBIS unter Fachinformationen / Reiter Zeichen & Deklarationen → Ökobau.dat / Umweltindikatoren

Da in der Herstellung von Bauprodukten ein großer Anteil der verursachten Umweltbelastungen auf den Verbrauch von nicht erneuerbaren Energieträgern zurückzuführen ist, stellt die Graue Energie (kumulierter Primärenergieaufwand nicht erneuerbar) dafür einen guten Indikator dar.

Im Kapitel Energieaufwand finden sich ggf. allgemeine Informationen zum Thema, die die Produktgruppe prägen.

Energieaufwand

Der Energieaufwand für die Herstellung der Klebstoffe wird vor allem vom Gehalt an Polymeren (Bindemittel) bestimmt, da diese auf der Basis von Erdöl hergestellt werden.

Klebstoffe tragen allerdings nur einen sehr geringen Teil zum Primärenergieaufwand eines Gebäudes bei. Eine Optimierung hinsichtlich der Grauen Energie sollte deshalb bei den Baustoffen ansetzen, die in größeren Mengen verbaut werden.

Graue Energie

Die nicht-erneuerbare Primärenergie der Herstellung beträgt gemäß EPD 89.2 MJ/kg.

Grobabschätzung der Grauen Energie für die Herstellung von Klebstoff-Produktgruppen:

  Dispersions- Klebstoffe Kleister Lösemittel- Klebstoffe Polyurethan- Klebstoffe Epoxidharz- Klebstoffe SMP-Klebstoffe
Bindemittel/ Hilfsstoffe [MJ/kg]

80-120

20-30 80-120 100-110 140-150 n.b.1)
Lösemittel [MJ/kg]

50-80

- 50-80 50-80 50-80 0
Füllstoffe [MJ/kg]

1-5

1-5 1-5 1-5 5-10 n.b.
Wasser [MJ/kg]

< 0,1

< 0,1 - - - n.b.
Klebstoff- Produkte [MJ/kg]

30-50

3-8 50-70 60-80 95-115 89

 1) nicht bekannt

Transport

Der Transport jener Ausgangsstoffe welche auf fossilen Rohstoffen basieren (Bindemittel, Lösemittel, Hilfsstoffe) ist generell mit längeren Transportwegen und größeren Umweltrisiken behaftet als der Transport der Ausgangsstoffe welche auf mineralischen Rohstoffen basieren (Füllstoffe). In der Produktionskette werden auch Güter mit Gefahrstoffkennzeichnung transportiert. Da jedoch Bindemittel, Füllstoffe sowie Additive in einer Vielzahl von verschiedenen Produkten verwendet werden (nicht nur in Klebstoffen) ist die Umweltrelevanz des Transports nicht spezifisch für die Herstellung von Klebstoffen.

Quellen

EPD Institut Bauen und Umwelt e.V. (Deklarationsnummer: EPD-DBC-20130016-IBG1-DE), Reaktionsharze auf Polyurethan- oder SMP-Basis, gefüllt oder auf wässeriger Basis, lösemittelfrei, Deutsche Bauchemie e.V. (DBC) und Industrieverband Klebstoffe e.V. (IVK), 2013

Silanmodifizierte Polymerklebstoffe

Verarbeitung

Technische Hinweise / Verarbeitungsempfehlungen

Der Klebstoff härtet durch die Luftfeuchtigkeit. Dies hat zur Folge, dass flächige Verklebungen von zwei nicht saugfähigen Materialien problematisch sein können, weil dort keine Luftfeuchtigkeit eindringen kann. Dem lässt sich entgegenwirken in dem man mehrere Kleberaupen auf die zu klebende Oberfläche aufbringt, so dass Luft an die Ränder jeder Raupe herankommen kann. Bei gewissen Flächenklebern wird empfohlen, den Untergrund mit einem feuchten Tuch leicht anzufeuchten. Dadurch kann der Klebstoff schneller aushärten (zu viel Feuchtigkeit kann jedoch die Klebwirkung stören).

Noch weicher Kleber kann mit Ethanol (Spiritus) oder Aceton entfernt werden. Ist der Kleber ausgehärtet lässt er sich nur mechanisch entfernen.

Arbeitshygienische Risiken

Allgemeines

Die bei der Aushärtung von SMP-Klebstoff abgespalteten Alkohole (v.a. Methanol) können insbesondere bei großflächigen Anwendungen bezüglich Ihrer Wirkung auf die Gesundheit relevant sein. In diesen Fällen ist auf eine gute Belüftung des Arbeitsbereichs zu achten. Als emissionsarm gekennzeichnete Produkte sind vorzuziehen (z. B. mit EMICODE gekennzeichnete). Eventuell kann der eingesetzte Weichmacher beim Einatmen gesundheitsschädlich sein. Angaben dazu sind dem Sicherheitsdatenblatt des eingesetzten Produkts zu entnehmen. Allerdings gelten Klebstoffe auf der Basis von MS-Polymer insgesamt als arbeitshygienisch wenig bedenklich. Die Produkte enthalten keine Lösemittel.

AGW-Werte

Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW) gemäss TRGS 900 existieren für die abgespaltenen Alkohole Methanol und 2-Methoxyethanol.

REACH / CLP

Die REACH-Verordnung regelt die Herstellung, das Inverkehrbringen und den Umgang mit Industriechemikalien. Zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen, dient die CLP-Verordnung (Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen), um ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die Umwelt sicherzustellen.

Wird ein Produkt nicht als Stoff oder Gemisch, sondern als Erzeugnis eingestuft, ist kein Sicherheitsdatenblatt (SDB) nötig und Gefahrstoffbezeichnungen entfallen. Lediglich besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) müssen ausgewiesen werden.

SMP-Klebstoffe werden als Gemisch eingestuft.

Produkt bezogene Informationen gemäß CLP-Verordnung müssen daher  in den Sicherheitsdatenblättern (SDB) der jeweiligen Produkte ausgewiesen sein.

Einstufungen und Gesundheitsgefahren nach GISBAU

MS-Polymer-Klebstoffe mit Silangruppen vom Typus Methoxysilan haben den GISCODE RS10.

Die Klebstoffe enthalten keine Lösemittel. Messungen zeigen, dass sowohl der Arbeitsplatzgrenzwert als auch der Biologische Grenzwert von Methanol während der Verarbeitung eingehalten werden. Die Verarbeitung von methoxysilanhaltigen Verlegewerkstoffen wird grundsätzlich empfohlen.

Emissionen

MS-Polymer-Klebstoffe spalten beim Aushärten unter der Einwirkung von Luftfeuchtigkeit Alkohole ab. Unter diesen Substanzen können sich auch Verbindungen befinden, die je nach Konzentration gesundheitsschädlich sein können. Beispielsweise emittieren die Klebstoffe Methanol. Methanol ist u.a als giftig beim Einatmen und bei Berührung der Haut eingestuft.

Umweltrelevante Informationen

Entsorgung Restmaterial

Nicht ausgehärtete Reste müssen einer speziellen Behandlung unterzogen bzw. an den Sammelstellen abgegeben werden und dürfen nicht als Restmüll entsorgt werden.

Auf einer vorbildlichen Baustelle werden keine Gebinde in die Kanalisation ausgewaschen. Die umweltgerechten Entsorgungsleistungen beim Arbeiten mit Klebstoffen sind bereits in der Ausschreibung für alle Unternehmen festzulegen.

Silanmodifizierte Polymerklebstoffe

Nutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiken Neuzustand

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

Der Ausschuss zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten (AgBB) hat ein Bewertungsschema (AgBB-Bewertungsschema) zur gesundheitlichen Bewertung der Emissionen von flüchtigen organischen Verbindungen (VOC und SVOC) aus Bauprodukten entwickelt. Darin sind auch Anforderungen für Parkettklebstoffe und Universalklebstoffe für Bodenbeläge formuliert.

Um das Emissionsverhalten von Produkten zuverlässig beschreiben zu können, wurde 1997 von der GEV (Gemeinschaft Emissionskontrollierte Verlegewerkstoffe e.V., Düsseldorf) das Klassifizierungssystem EMICODE eingeführt. Klebstoffe mit EMICODE-Klassierungen EC1plus, EC1 oder EC2 weisen deutlich geringere Emissionen auf, als im AgBB-Bewertungsschema gefordert.

Silanmodifizierte Polymerklebstoffe mit dem GISBAU Produkt-Code RS10 können sich für die EMICODES EC1plus und EC1 "sehr emissionsarm" qualifizieren.

Umwelt- und Gesundheitsrisiken bei bestimmungsgemäßer Nutzung

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Außenraum

Die Klebstoffe können umweltrelevante Bestandteile wie Weichmacher und Katalysatoren enthalten, die durch Abwitterung, Versprödung, Diffusion oder bei der Renovierung (z.B. durch Schleifen) in die Umwelt gelangen können.

Umwelt- und Gesundheitsrisiken im Schadensfall

Brandfall

Im Brandfall sind keine besonderen Risiken für Umwelt und Gesundheit zu erwarten.

Wassereinwirkung

Es sind keine besonderen Risiken für die Umwelt zu erwarten. SMP-Klebstoffe enthalten keine gemäß Gefahrstoffverordnung kennzeichnungspflichtigen Bestandteile, welche wasserlöslich sind.

Beständigkeit Nutzungszustand

Unter der Rubrik Baustoff- und Gebäudedaten / Nutzungsdauern von Bauteilen findet sich auf dem Informationsportal Nachhaltiges Bauen eine Datenbank  mit Nutzungsdauerangaben von ausgewählten Bauteilen des Hochbaus für den Leitfaden „Nachhaltiges Bauen“.
-> Datenbank als PDF

In der Datenbank finden sich allerdings nur Informationen zu ggf. verklebten Bodenbelägen. Klebstoffe werden nicht geführt.

Instandhaltung

Verklebte Bauprodukte lassen sich nur schlecht voneinander trennen. Nach einer Trennung muss der Untergrund verspachtelt und verschliffen werden.

Silanmodifizierte Polymerklebstoffe

Nachnutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiko Rückbau

Mit dem Rückbau sind keine besonderen Risiken für Umwelt und Gesundheit verbunden.

Wiederverwendung

Eine Wiederverwendung der Klebstoffe ist nicht möglich. Klebeverbindungen von Bauteilen können die Wiederverwendung erschweren oder verunmöglichen.

Stoffliche Verwertung

Eine stoffliche Verwertung von Klebstoffen kommt aufgrund ihrer Verarbeitungsform grundsätzlich nicht in Frage. Mit Klebstoffen behandelte Baustoffe werden in ihrer Recyclierbarkeit beeinträchtigt. Dies kann zu Qualitätseinbußen von Sekundärbaustoffen führen. Dies gilt insbesondere für Gipsbaustoffe, Mauerwerk und Beton.

Energetische Verwertung

Silanmodifizierte Polymerklebstoffe können in Verbrennungsanlagen energetisch verwertet werden und ergeben bei vorschriftsmäßiger Rauchgasreinigung keine relevanten Emissionen.

Beseitigung / Verhalten auf der Deponie

MS-Polymer-Klebstoffe können als organische Verunreinigung mineralischer Baustoffe auf die Deponie gelangen, wo sie über längere Zeiträume abgebaut werden. Spezifische Untersuchungen zum Verhalten der Stoffgruppe in Inertstoff-Deponien sind nicht vorhanden.

EAK-Abfallschlüssel

Die Zuordnung von Abfallschlüsseln kann in einzelnen Fällen je nach Bundesland unterschiedlich gehandhabt werden. Daher ist im konkreten Fall eine Nachfrage notwendig.

Für Klebstoffabfälle können folgende EAK-Abfallschlüssel in Frage kommen:

Klebstoffabfälle aus Herstellung, Zubereitung, Vertrieb und Anwendung

08 04 09*

Klebstoff- und Dichtmassenabfälle, die organische Lösemittel oder andere gefährliche Stoffe enthalten

08 04 10

Klebstoff- und Dichtmassenabfälle mit Ausnahme derjenigen, die unter 08 04 09 fallen

Abfälle, die im EAK-Abfallschlüssel mit einem Sternchen (*) gekennzeichnet sind, sind als gefährliche Abfälle / Sonderabfall eingestuft.

Quellen

Verordnung über das Europäische Abfallverzeichnis (Abfallverzeichnis-Verordnung – AVV, zuletzt geändert am 24. Februar 2012, Online-Quelle abgerufen am 21.7.2014: www.gesetze-im-internet.de/avv/