Epoxidharz-Klebstoffe

Produktgruppeninformation

Begriffsdefinition

Epoxidharz-Klebstoffe gehören zur Gruppe der Reaktionsklebstoffe. Der Name Epoxidharze stammt von der sehr reaktionsfreudigen Epoxidgruppe (gespannter Dreiring aus Kohlenstoff und Sauerstoff).

Wesentliche Bestandteile

Epoxidharz-Klebstoffe (EP-Harze) bestehen aus einem Harz- und einem Härtersystem. Die Fließeigenschaften von Harz- und Härtersystem lassen sich durch chemische Modifikationen gezielt beeinflussen, so dass in der Regel relativ wenig Lösemittel erforderlich sind. Daneben werden Füllstoffe häufig auf der Basis von Aluminiumverbindungen zur Viskositätsregelung eingesetzt.

Charakteristik

Epoxidharz-Klebstoffe binden chemisch ab. Die Epoxidgruppen der Harze reagieren mit den Aminogruppen der Härterkomponente. Damit entstehen große Molekülnetzwerke. Diese Polymere bilden einen festen Kunststoff aus. Bei der Härtungsreaktion werden die Epoxidgruppen chemisch umgewandelt, sodass in der ausgehärteten Klebeschicht keine Epoxidgruppen mehr vorhanden sind. Epoxidharz-Klebstoffe sind kalthärtende 2K-Systeme, deren mechanische Eigenschaften durch Wahl der Additive und Komponenten in großem Maße beeinflusst werden kann.

Lieferzustand

Epoxidharz-Klebstoffe aus zwei Komponenten werden in zwei getrennten Gebinden geliefert. Die flüssigen Komponenten werden bei der Verarbeitung gemischt. Als 1K-Systeme werden Epoxidharz-Klebstoffe in einem Gebinde geliefert.

Anwendungsbereiche (Besonderheiten)

Die Anwendung von Epoxidharz-Klebstoffen sollte sich auf Spezialfälle beschränken. Sie werden bevorzugt für kraftschlüssige Verbindungen mit langer Gebrauchsdauer eingesetzt. Sie sind geeignet für Verbindungen von Metallen, Beton, Faserzement, Stein, Glas, Holz sowie verschiedenen Kunststoffen mit- und untereinander.
Im Bereich Bodenbeläge sollten Epoxidharz-Klebstoffe grundsätzlich nur dann verwendet werden, wenn die Anwendung von Dispersions-Klebstoffen nicht möglich ist:

  • bei hoher mechanischer Beanspruchung des Bodenbelags
  • bei profilierten Gummibelägen
  • bei erhöhten Anforderungen an die Feuchtigkeits-, Witterungs- und Chemikalienbeständigkeit
  • bei Kunstrasen und textilen Bodenbelägen in Sporthallen

Alternativen hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Beide Komponenten der Epoxidharz-Klebstoffe enthalten reizende Substanzen. Eine Sensibilisierung durch Hautkontakt ist möglich. Entsprechend sind bei der Verarbeitung umfangreiche Schutzmaßnahmen (Handschuhe, lange Kleidung, Atemschutz) notwendig. Die Harzkomponente ist giftig für Wasserorganismen und darf nicht in die Kanalisation oder in Gewässer gelangen. Als Alternative zu Epoxidharz-Klebstoffen ist daher zunächst die Verwendung lösemittelfreier oder lösemittelarmer Dispersions-Klebstoffe zu prüfen.

Der Einsatz von Epoxidharz-Klebstoffen ist in der Regel technisch begründet. Gerade bei der Auswahl von Bodenbelägen sollte daher der notwendige Klebstoff bereits in der Planungsphase in die Entscheidung einbezogen werden.

Quellen

FU Berlin, Kunststoffe zum Kennenlernen, Epoxidharze, Online-Quelle abgerufen am 22.6.2012

Epoxidharz-Klebstoffe
Epoxidharz-Klebstoffe

Planungs- und Ausschreibungshilfen

WECOBIS informiert produktneutral. An verschiedenen Stellen bietet WECOBIS jedoch auch Unterstützung dazu, wie sich Produkte innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer ökologischen Eigenschaften unterscheiden lassen.

Informationen hier im Reiter Ausschreibung:

  • Links zu materialökologischen Anforderungen und Textbausteinen für Planung und Ausschreibung im WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen,
  • Hinweise auf mögliche Quellen und Nachweisdokumente zu Planungs- und Ausschreibungskriterien,
  • zusammenfassende Informationen zum Lebenszyklus,
  • Hinweise zu möglichen Verwendungseinschränkungen hinsichtlich Gefahrstoffverordnung und zu Alternativen

Übersicht Planungs- und Ausschreibungshilfen: Klebstoffe
Stand 10/2015

    Dispersions-Klebstoffe Epoxidharz-Klebstoffe Lösemittel-Klebstoffe Polyurethan-Klebstoffe Silanmodifizierte Polymere (SMP) Kleister
               
  Material-
ökologische Anforderungen
Im neuen Modul "Planungs- & Ausschreibungshilfen" bietet WECOBIS eine Übersicht zu möglichen materialökologischen Anforderungen und Textbausteine für Planung und Ausschreibung. Inhalt aufklappen
   
Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS

Verlegewerkstoffe für Boden- und Wandbeläge
---
Verlegewerkstoffe für Fliesen und Platten
---
Punkt- und linienförmige Verklebungen im Innenraum
---

Tapetenkleber

Verlegewerkstoffe für Boden- und Wandbeläge
---
Verlegewerkstoffe für Fliesen und Platten
Verlegewerkstoffe für Boden- und Wandbeläge
---
Verlegewerkstoffe für Fliesen und Platten
Verlegewerkstoffe für Boden- und Wandbeläge
---
Verlegewerkstoffe für Fliesen und Platten
---
Punkt- und linienförmige Verklebungen im Innenraum

---
PU-Montagekleber für Dämmstoffe
Verlegewerkstoffe für Boden- und Wandbeläge
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Verlegewerkstoffe für Fliesen und Platten
---
Punkt- und linienförmige Verklebungen im Innenraum
Tapetenkleber
  Mögliche Quellen Die hier genannten Quellen, insbesondere BNB, bilden die Grundlage für Planungs- und Ausschreibungshilfen bzw. materialökologische Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS. Inhalt aufklappen
   
Bewertungssystem
Nachhaltiges Bauen

(BNB) des BMUB /
Kriterium 1.1.6 (Risiken für die lokale Umwelt)

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMUB steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen. Die o.g. Textbausteine und materialökologischen Anforderungen in WECOBIS basieren derzeit auf Kriteriensteckbrief 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt. Dieser steht in engem Zusammehang mit Kriteriensteckbrief 3.1.3 Innenraumhygiene.

Auch wenn ein Gebäude nicht zertifiziert werden soll, bilden die einzelnen Kriteriensteckbriefe eine gute Grundlage, Orientierung und Hilfestellung für die Umsetzung ökologischer Aspekte in der Gebäudeplanung.

Einordung der jeweiligen Klebstoffe hinsichtlich verschiedener Kriteriensteckbriefe siehe Reiter Bewertungssysteme in WECOBIS

Umweltbundesamt
(UBA)
Auf den Internet-Seiten des Umweltbundesamtes (UBA) befindet sich der „Informationsdienst für umweltfreundliche Beschaffung“. Die Seiten werden gerade überarbeitet, sodass sich dort derzeit aus dem Baubereich nur Ausschreibungsempfehlungen zu Elastischen und Hölzernen Bodenbelägen, Tapeten und Raufaser finden.
baubook ökologisch ausschreiben Die Plattform baubook ökologisch ausschreiben bietet eine Sammlung von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Klebstoffe finden sich Kriterien in der Gruppe der Kleb- und Füllstoffe.
natureplus Ausschreibungstexte Auf den Internet-Seiten von natureplus finden sich derzeit nur Ausschreibungstexte zu Bodenbelägen, Holz und Holzwerkstoffen sowie für Wandfarben.
  Mögliche Nachweis-
dokumente
weitere Nachweismöglichkeiten neben den folgend genannten sind Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, sowie Herstellererklärungen oder ggf. ein Anhang mit Nachhaltigkeitsmerkmalen zur bauaufsichtlichen Zulassung (abZ+). Inhalt aufklappen
   
gesetzlich vorgeschrieben Welche Nachweisdokumente müssen vom Hersteller zur Verfügung gestellt werden? Welcher Nachweis kann damit erbracht werden?
REACH / CLP:
Sicherheitsdatenblatt (SDB)
Klebstoffe werden als Gemisch eingestuft. Für sie muss daher ein SDB gemäß den Anforderungen in Art.31 REACH-VO in Verbindung mit Anhang II erstellt werden. (Nachweis gefährliche Stoffe, Nachweis SVHC >= 0,1 Gew.-%)
Leistungserklärung gemäß BauPVO mit Angaben zu SVHC für Fliesen-Klebstoffe gemäß EN 12004 Mörtel und Klebstoffe für Fliesen und Platten (s. Bauregelliste B Teil 1, 1.9), ansonsten nur für Klebstoffe in Sonderkonstruktionen (s. Bauregelliste B Teil 1, 1.8) / Stand 11/2014 -
allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) aus Gesundheits-
schutzgründen
Bodenbelagsklebstoffe benötigen bei der Verwendung in Aufenthaltsräumen einschließlich zugehöriger Nebenräume eine abZ aus Gesundheitsschutzgründen. Sie umfasst eine Emissionsprüfung zur quantitativen Bestimmung und Bewertung flüchtiger (VOC) und schwer flüchtiger (SVOC) Verbindungen auf Basis des AgBB-Bewertungsschemas. (siehe auch Bauregelliste B Teil 1, lfd. Nr. 1.18 ff)
abZ der Gruppen Z-155.10 (Parkettbodenbelagsklebstoffe), Z-155.20 (Universalbodenbelagsklebstoffe) keine Verwendung als Bodenbelagsklebstoff
freiwillige Produktkenn-zeichnungen / -deklarationen Für einige Bauproduktgruppen existieren freiwillige Produktkennzeichnungen oder -deklarationen wie z.B. Umweltzeichen oder Umweltproduktdeklarationen, die als Nachweis für materialökologische Anforderungen dienen können. Eine Übersichtstabelle dazu mit detaillierten Informationen zu Klebstoffen findet sich im Reiter Zeichen & Deklarationen.

Übersicht Lebenszyklusinformationen: Klebstoffe

    Dispersions-Klebstoffe Epoxidharz-Klebstoffe Lösemittel-Klebstoffe Polyurethan-Klebstoffe Silanmodifizierte Polymere (SMP) Kleister
               
  Rohstoffe Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Rohstoffe)
   
Hauptbestandteile nach Rohstoffherkunft
Anteil fossiler Rohstoffe 40-60 M-% 40-60 M-% 70-100 M-% 60-80 M-% 48 M-% 0-2%
Anteil mineralischer Rohstofffe 30-40 M-% 30-40 M-% 0-30 M-% 20-40 M-% 52 M-% -
Anteil erneuerbarer Rohstoffe 10-20 M-% 10-20 M-% - - -

98-100 M-%

Charakteristische Inhaltsstoffe
Bindemittel Kunst- oder Naturharze Epoxidharze + Härter (Amine) Polyolefin-Copolymere Isocyanatpolymere
2K: + Härter (Alkohole oder Öle)
silanmodifizierte Polymere Carboxymethylcellulose
Lösemittel 0-5% 0- >5% 30-85% 0-10% - -
  Herstellung Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Herstellung)
  Ökobau.dat-Datensätze Datensätze zu Klebstoffen liegen noch nicht vor (Stand 02/2014). Eine Einordnung im Gliederungssystem ist derzeit noch nicht vorgesehen.
  Verarbeitung Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Verarbeitung, zu ggf. vorhandenen verarbeitungsspezifischen Produktkennzeichnungen wie z.B. Giscode, siehe Reiter Zeichen & Deklarationen)
  Verarbeitungsweise / Lieferzustand 1K-Klebstoffe, flüssig 2K-Klebstoffe, flüssig 1K-Klebstoffe, flüssig 1K- und 2K-Klebstoffe, flüssig 1K-Klebstoffe, flüssig Pulver zum Anrühren mit Wasser
  Abbindemechanismus physikalisches Abbinden:
Verdunsten d. Wassers
chem. Abbinden:
Reaktion zwischen Harz und Härter
physikalisches Abbinden: Verdunsten des Lösemittels chem. Abbinden:
Reaktion zwischen Harz und Härter (2K) bzw. Luftfeuchtigkeit (1K)
chem. Abbinden (Reaktion zwischen Klebstoff und Luftfeuchtigkeit) physikalisches Abbinden:
Verdunsten d. Wassers
  Arbeitshygienische Risiken (siehe im Detail Reiter Zeichen & Deklarationen) bei lösemittelfreien Produkten (D1) gering mindestens reizend (RE0), zum Teil erheblich

erheblich

 

bei 1K (RU0,5) gering,
bei 2K-Systemen zum Teil erheblich
gering gering
  Nutzung Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Nutzung, zur Innenraumhygiene nach BNB siehe siehe Reiter Bewertungssysteme, zu ggf. vorhandenen innenraumrelevanten Produktkennzeichnungen wie z.B. Blauer Engel, siehe Reiter Zeichen & Deklarationen)
   
VOC-/SVOC-Emissionen möglich (ggf. Lösemittel, Weichmacher) möglich (ggf. Lösemittel, Weichmacher) hoch möglich (ggf. Lösemittel, Weichmacher) möglich (ggf. Weichmacher) keine
  Nachnutzung Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Nachnutzung)
   
Rückbaubarkeit / Trennbarkeit Die Rückbaubarkeit von Klebstoffen ist bedingt durch ihre Funktion prinzipiell nicht gegeben.
Verwertbarkeit / Recyclingfähigkeit Klebstoffe müssen als Anhaftungen entsorgt werden und sind daher nicht verwertbar.

Gefahrstoffverordnung

Gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der GefStoffV ist grundsätzlich das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen zu verwenden.

Werden für eine Produktgruppe GISBAU Produkt-Codes oder GISCODES vergeben, lassen sich z.B. dadurch Unterschiede innerhalb der Produktgruppe feststellen (s. Reiter Zeichen & Deklarationen). Innerhalb der Gruppe der Epoxidharz-Klebstoffe sind wenn möglich immer Klebstoffe mit dem GISBAU Produkt-Code RE 0 (Epoxidharzdispersionen) oder RE 1 (lösemittelfrei) zu verwenden (→ Verarbeitung).
Die Verarbeitung von Epoxidharz-Klebstoffen stellt allerdings grundsätzlich eine Gesundheitsgefährdung dar, weshalb der Einsatz von Alternativen immer zu prüfen ist.

Alternativen hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Beide Komponenten der Epoxidharz-Klebstoffe enthalten reizende Substanzen. Eine Sensibilisierung durch Hautkontakt ist möglich. Entsprechend sind bei der Verarbeitung umfangreiche Schutzmaßnahmen (Handschuhe, lange Kleidung, Atemschutz) notwendig. Die Harzkomponente ist giftig für Wasserorganismen und darf nicht in die Kanalisation oder in Gewässer gelangen. Als Alternative zu Epoxidharz-Klebstoffen ist daher zunächst die Verwendung lösemittelfreier oder lösemittelarmer Dispersions-Klebstoffe zu prüfen.

Der Einsatz von Epoxidharz-Klebstoffen ist in der Regel technisch begründet. Gerade bei der Auswahl von Bodenbelägen sollte daher der notwendige Klebstoff bereits in der Planungsphase in die Entscheidung einbezogen werden.

Weitere planungs- und ausschreibungsrelevante Informationen in WECOBIS

Allgemeine Unterstützung zum Umgang mit Nachhaltigkeitsaspekten in Planung und Ausschreibung sowie Hinweise auf Leitfäden, Arbeitshilfen und Veröffentlichungen zum Nachhaltigen Bauen bietet das neue WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen unter Allgemeine Infos.

Epoxidharz-Klebstoffe

Umweltdeklarationen

Die folgende Tabelle liefert eine Übersicht zu Zeichen & Deklarationen aus dem Bereich der Klebstoffe. Neben Herstellererklärungen, Informationen in Sicherheitsdatenblättern (SDB) oder allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen (abZ) können diese den Nachweis für umwelt- und gesundheitsrelevante Kriterien in Planung und Ausschreibung (s. Reiter Ausschreibung) ermöglichen. Detaillierte Informationen finden sich außerdem in den einzelnen Produktgruppen.

Übersicht Umweltdeklarationen: Klebstoffe
Stand 10/2015

    Dispersions-Klebstoffe Epoxidharz-Klebstoffe Lösemittel-Klebstoffe Polyurethan-Klebstoffe Silanmodifizierte Polymere (SMP) Kleister
               
  Umweltzeichen

Umweltzeichen gehören zu den freiwilligen Produktkennzeichnungen. Sie bieten die Möglichkeit, Unterschiede von Produkten innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer Umwelt- und Gesundheitsrelevanz festzustellen, auch wenn sie keine allgemeinverbindlichen Gebote oder Verbote aufstellen können. Inhalt aufklappen

   
Blauer Engel
weil emissionsarm (nur lösemittelfrei möglich)
RAL-UZ 113 Bodenbelags-
klebstoffe und andere Verlegewerkstoffe

x

(aufgrund der Inhaltsstoffe)

x

(nicht emissionsarm möglich)
RAL-UZ 113 Bodenbelags-
klebstoffe und andere Verlegewerkstoffe
RAL-UZ 113 Bodenbelags-
klebstoffe und andere Verlegewerkstoffe
-
EU-Umweltzeichen (Blume) -
- - - - -
Österreichisches Umweltzeichen - - - - - -
natureplus-Qualitätszeichen (nur für Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen / mind. 85 Masse%) RL0900 Klebstoffe aus nach-
wachsenden Rohstoffen (noch kein Produkt zertifiziert)

x

x x x RL0900 Klebstoffe aus nach-
wachsenden Rohstoffen (noch kein Produkt zertifiziert)
Nordischer Schwan (Bodenbeläge: mind. 50% erneuerbare Rohstoffe) - - - - - -
EMICODE
/ Raumlufthygiene (nur lösemittelfrei möglich)
EC1plus (sehr emissionsarm) -
EC2 (emissionsarm)
EC1plus (sehr emissionsarm) -
EC2 (emissionsarm)

x

(nicht emissionsarm / lösemittelfrei möglich)
EC1plus (sehr emissionsarm) -
EC2 (emissionsarm)
EC1plus (sehr emissionsarm) -
EC2 (emissionsarm)
-
  GISBAU Klassifizierungs-system

Das GISBAU Klassifizierungssystem ermöglicht es durch den GISCODE oder GISBAU Produktcode, Produkte von denen die gleichen Gesundheitsgefahren ausgehen, in einer Gruppe zusammenzufassen. Die Klassifizierung ist auf den Arbeitsschutz ausgerichtet. Gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) ist grundsätzlich das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen zu verwenden. (siehe unten: Ersatzproduktgruppe prüfen?) Inhalt aufklappen

   

GISBAU Produkt-Code / GISCODE

Dispersions-Klebstoffe
D1 - D7
Epoxidharz-Klebstoffe
RE0 - RE3
Stark lösemittelhaltige Verlegewerkstoffe
S0,5 - S6

Polyurethan-Verlegewerkstoffe
RU0,5 - RU4

---

PU-Systeme (punkt- und linienförmige Verklebungen)
PU10 - PU60

Verlegewerk-
stoffe, methoxy-
silanhaltig RS10

-

GefStoffV: Prüfung von Alternativen erforderlich? (Minimierungsgebot)

bei D1 nicht erforderlich immer erforderlich (Einsatz muss technisch begründet sein) immer erforderlich (Einsatz soll gemäß TRGS 610 auf Spezialfälle beschränkt sein)

Verlege-werkstoffe: bei RU0,5, RU1 nicht erforderlich

---
PU-Systeme:
immer erforderlich (Einsatz muss technisch begründet sein)
nicht erforderlich

-

geringstmögliche Belastung innerhalb der gleichen GISCODE-Produktgruppe (ggf. erst nach Prüfung von Alternativen)

D1 (kenn-zeichnungsfrei, lösemittelfrei) RE0 (Epoxidharz-dispersionen, lösemittelarm, reizend), RE1
(lösemittelfrei, sensibilisierend, ätzend, umwelt-gefährlich)

S0,5 (lösemittel-kontrolliert, leicht-entzündlich)

Anwendung nur in Spezialfällen!

RU0,5 (kenn-zeichnungsfrei, lösemittelfrei),
RU1 (lösemittelfrei, gesundheits-schädlich)

RS10 (kenn-zeichnungsfrei, lösemittelfrei) -
  Umweltprodukt-deklaration (EPD)

Die Umweltproduktdeklaration (EPD = Environmental Product Declaration) eines Produktes macht Aussagen zum Energie- und Ressourceneinsatz und in welchem Ausmaß ein Produkt zu Treibhauseffekt, Versauerung, Überdüngung, Zerstörung der Ozonschicht und Smogbildung beiträgt. Außerdem werden Angaben zu technischen Eigenschaften gemacht, die für die Einschätzung der Performance des Bauproduktes im Gebäude benötigt werden, wie Lebensdauer, Wärme- und Schallisolierung oder den Einfluss auf die Qualität der Innenraumluft.1 Inhalt aufklappen

   
EPD1 + - - - - -
Branchen-EPD1 - + - - - -
  Umweltindikatoren

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren wie z.B Primärenergieaufwand, Abfall, Abiotischer Ressourcenverbrauch, Ozonabbaupotential, Treibhauspotential usw. liefert die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB. Inhalt aufklappen

   
Ökobau.dat-Datensätze siehe 5. Beschichtungen -> 5.5 Innenbeschichtungen -> 5.5.03 Dispersionsklebstoffe Datensätze zu allen anderen Klebstoffen liegen noch nicht vor (Stand 10/2015). Eine Einordnung im Gliederungssystem ist derzeit noch nicht vorgesehen.
  Sonstiges

Sonstige freiwillige Produktkennzeichnungen, die Informationen zur Umwelt- und Gesundheitsrelevanz von Produkten liefern können. Inhalt aufklappen

   
baubook-Deklaration Die Plattform baubook bietet für Händler und Hersteller von Bauprodukten die Möglichkeit einer online-Deklaration anhand von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Klebstoffe finden sich Produktdeklarationen unter Kleb- und Füllstoffe.
+
Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe vorhanden
-
Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe nicht vorhanden
./.
Zeichen / Label für diese Produktgruppe nicht relevant
x
Produkte aus dieser Produktgruppe können die Kriterien des Zeichens/Labels definitionsgemäß nicht erfüllen

1 Die hier als vorhanden markierten EPDs und Branchen-EPDs sind als Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu verstehen und finden sich z.B. auf den Seiten des IBU Institut Bauen und Umwelt e.V..

 

Epoxidharz-Klebstoffe

Bewertungssystem

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)

   
  Wofür steht das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)? Inhalt aufklappen
 

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMUB steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen.
Ausführliche Informationen zum BNB-System siehe www.nachhaltigesbauen.de

  Welche Informationen liefert WECOBIS für BNB im Reiter Bewertungssysteme? Inhalt aufklappen
 

WECOBIS führt in den Datenblättern der Bauproduktgruppen umfangreiche Informationen zur Beantwortung der verschiedenen Fragestellungen im Hinblick auf Umwelt- und Gesundheitsaspekte. Im Reiter Bewertungssysteme bietet WECOBIS gezielt Antworten auf Fragestellungen baustoffrelevanter Steckbriefe. Durch die Bündelung von Aspekten z.B. bzgl. der Risiken für die lokale Umwelt, Fragen zur Innenraumhygiene und der Thematik Rückbau, Trennung, Verwertung gibt WECOBIS gezielte Hilfestellung bei der Einordnung einzelner Baustoffe. Tiefergehende Informationen finden sich über die Verknüpfungen in den jeweiligen Datenblättern.
Hinweis: Eine abschließende Beurteilung im Rahmen des Bewertungssystems und der genannten Kriterien erfolgt jedoch grundsätzlich in Abhängigkeit weiterer baulicher Gegebenheiten (z.B. eingebaute Menge).

BNB-Kriterium BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau)

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_1.1.6 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

BNB-Kriterium BN_1.1.6 zielt auf die Reduzierung bzw. Vermeidung von Stoffen und Produkten beim Neubau, die aufgrund ihrer stofflichen Eigenschaften oder Rezepturbestandteile ein Risikopotenzial für Grundwasser, Oberflächenwasser, Boden und Luft (auch Innenraumluft) enthalten. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 5 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung der Substitution eines Stoffes.

Für den Umgang mit Materialien im Bestand und deren Einordnung ist Kriteriensteckbrief BK_1.1.6. heranzuziehen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau) und BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

Einordnung der Epoxidharz-Klebstoffe
Stand 04/2016

Für die Bewertung nach Kriterium BNB_BN_1.1.6 werden sechs potenzielle Schadstoffgruppen betrachtet. Für die Einordnung der Epoxidharz-Klebstoffe gemäß 1.1.6 sind die hervorgehobenen Schadstoffgruppen relevant: 
1  Gefährliche und besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC)
2  Gefährliche Stoffe, die ausgelaugt werden können
3  Schwermetalle (bei Bodenbelägen als Stabilisatoren in Kunststoffen)
4  Flüchtige organische Verbindungen (VOC) 1 einschließlich organische Lösemittel
5  Halogenierte Kälte- und Treibmittel
6  Biozide

Epoxidharz-Klebstoffe werden in 1.1.6 über folgende Einsatzbereiche adressiert (s. BNB_BN_1.1.6 Anlage 1 / Allgemeine Anforderungsliste, Anlage 2 / Einzelstoffe mit besonders besorgniserregenden Eigenschaften):

  • Pos.10a Vor-Ort verarbeitete Verlegewerkstoffe / für keramische Wand- / Bodenfliesen und -platten / Grundierungen, Voranstriche, Spachtelmassen und Klebstoffe
  • Pos. 10b Vor-Ort und werkseitig* verarbeitete Verlegewerkstoffe / für Wand- und Bodenbeläge / Grundierungen, Voranstriche, Spachtelmassen und Klebstoffe

Im folgenden werden die Anforderungen für die Verwendung von Vor-Ort-verarbeiteten* Epoxidharz-Klebstoffen dargestellt. Die eigentlichen Anforderungen der genannten Position in Anlage 1 betreffen ggf. auch andere Klebstoffe.
* für werkseitig verarbeitete Verlegewerkstoffe (z.B. für Fertigbodenelemente) gelten dieselben Anforderungen wie für Vor-Ort-verarbeitete Verlegewerkstoffe, wenn Nachweise zur Einhaltung der 31.BIMSchV bzw. TA-Luft nicht in schriftl. Form vorgelegt werden können.

Qualitätsniveau (QN)

Anforderungen an Epoxidharz-Klebstoffe als Vor-Ort-verarbeitete Verlegewerkstoffe für keramische Wand- / Bodenfliesen und Platten
(gem. Pos.10a)

Anforderungen an Epoxidharz-Klebstoffe als Vor-Ort-verarbeitete Verlegewerkstoffe für Wand- und Bodenbeläge
(gem. Pos.10b)


(= Mindestanforderung)

Produktdokumentation1 incl. Deklaration von SVHC der Kandidatenliste > 0,1 Gew.-%

 

2 (zusätzlich zu QN1)

Es dürfen nur Produkte mit  GISBAU Produkt-Code RE1 (lösemittelfrei) verwendet werden.

Von Epoxidharz-Klebstoffen nicht erfüllbar (Stand 11/15):

Die Anforderungen des Emicode EC1 (auch: EC1-R) oder EC1plus (auch: EC1plus-R) müssen erfüllt sein.2 (sehr emissionsarm, nur lösemittelfrei möglich)

3 (zusätzlich zu QN1)

Von Epoxidharz-Klebstoffen nicht erfüllbar (Stand 11/15):

Die Anforderungen des Emicode EC1 (auch: EC1-R) oder EC1plus (auch: EC1plus-R) müssen erfüllt sein.2

4 (zusätzlich zu QN1)

Von Epoxidharz-Klebstoffen nicht erfüllbar (Stand 11/15):

Die Anforderungen des Emicode EC1 (auch: EC1-R) oder EC1plus (auch: EC1plus-R) oder des RAL-UZ 113 (Blauer Engel) für Verlegewerkstoffe müssen erfüllt sein.2

Von Epoxidharz-Klebstoffen nicht erfüllbar (Stand 11/15):
Die Anforderungen des RAL-UZ 113 (Blauer Engel)3 für Verlegewerkstoffe müssen erfüllt sein.

5 (zusätzlich zu QN1)

Kommentierung

Bereits für die Erfüllung der Anforderungen von QN2 sind mindestens lösemittelfreie Produkte erforderlich.
Ab QN2 bzw. QN3 müssen die Produkte allerdings weitere umfangreiche stoffliche Anforderungen gemäß Emicode EC12 bzw. ab QN4 gemäß Blauer Engel3 RAL-UZ 113 erfüllen, wofür derzeit (Stand 11/15) kein Epoxidharz-Klebstoff zertifiziert ist, da die Anforderungen für diese Produktgruppe nicht erfüllbar sind. Auch der Gleichwertigkeitsnachweis kann daher nicht erbracht werden.

Alternativen:
lösemittelfreie Dispersions-Klebstoffe, SMP-KlebstoffeMineralische Fliesenkleber

Hinweis:
Für Epoxidharz-Klebstoffe ist gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der GefStoffV grundsätzlich die Verwendung von Ersatzstoffen zu prüfen. Es ist demnach das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen zu verwenden. Als Ersatzproduktgruppen zu Epoxidharz-Klebstoffen sind daher abhängig vom Anwendungsbereich zunächst die genannten Alternativen zu prüfen, die die Anforderungen hinsichtlich BNB Kriterium 1.1.6 erfüllen können.

Tabelle: Anforderungen an die Verwendung von Epoxidharz-Klebstoffen

1 Die Produktdokumentation (z.B. über Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, Sicherheitsdatenblätter) ist die Mindestanforderung, die für alle durch BNB 1.1.6 betroffenen Produktgruppen erfüllt sein muss. Zusätzlich ist für alle diese Produktgruppen immer auch die Deklaration von SVHC der Kandidatenliste nach REACH (z.B. über Sicherheitsdatenblätter, Herstellererklärung) erforderlich.

2 Sofern innerhalb der Qualitätsniveaus auf aggregierte Produktkennzeichnungen verwiesen wird (Emicode, Blauer Engel, etc.), ist es zulässig vergleichbare Nachweise (weitere Umweltzeichen, Angaben in Sicherheits- oder Produktdatenblätter etc.) heranzuziehen. Dabei bezieht sich die Vergleichbarkeit nur auf die Anforderungen hinsichtlich der jeweiligen zu betrachtenden Schadstoffgruppen.

3 Forderung RAL-UZ 113 (Blauer Engel) definitionsgemäß nicht erfüllbar von Epoxidharz-Klebstoffen.

4 Eine Aussage über die genaue Marktverfügbarkeit kann hier nicht getroffen werden. Insbesondere da auch vergleichbare Nachweise z.B. zum geforderten Blauen Engel herangezogen werden können.

Planungs- und Ausschreibungshilfen mit Textbausteinen

Eine tabellarische Übersicht mit allen Einzelkriterien für Planung und Ausschreibung ist im neuen Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen für
Verlegewerkstoffe für Fliesen und Platten und Verlegewerkstoffe für Boden- und Wandbeläge zu finden. Die Tabelle dort enthält auch detaillierte Informationen zu den Nachweismöglichkeiten (z.B. über andere Produktkennzeichnungen) und damit zur Prüfung der angebotenen Produkte. Außerdem finden sich dort auch die für die verschiedenen Qualitätsniveaus zugehörigen Textbausteine.

BNB-Kriterium BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BK_1.1.6 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

Im Falle einer Sanierungsmaßnahme wird BN_1.1.6 ergänzt durch das BNB-Kriterium BK_1.1.6. Dieses zielt auf die Adressierung und Ausschleusung von Materialien in der bestehenden Bausubstanz, die ein Risikopotenzial für Mensch und Umwelt darstellen. Die Bewertung erfolgt anhand einer Einstufung der Baumaterialien in ein vorgegebenes Schadstoffkataster mit 14 Schadstoffgruppen aufgrund ihres Schädigungspotentials und der jeweiligen Sanierungsmaßnahmen. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 4 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung er Substitution eines Stoffes.

Weitere Informationen zu den Einzelkriterien im Bestand siehe BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung). Für den Einbau von neuen Materialien gilt BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau).

Die Einordnung von Materialien im Bestand erfolgt in WECOBIS jeweils gesammelt für die ganze Obergruppe der Klebstoffe. Siehe dazu Klebstoffe im Bestand.

Die an dieser Stelle beschriebenen Epoxidharz-Klebstoffe (= aktuell am Markt verfügbare Produktgruppen) enthalten keine Problemstoffe, welche bei der Sanierung relevant sind.

BNB-Kriterium BN_3.1.3 - Innenraumhygiene

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_3.1.3 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

Ziel des BNB-Kriteriums 3.1.3 ist die Sicherstellung der Luftqualität im Innenraum unter hygienischen Gesichtspunkten, die zu keinen negativen Effekten hinsichtlich der Befindlichkeit der Raumnutzer führt, die hygienische Sicherheit garantiert und somit möglichst auch eine empfundene hohe olfaktorische Luftqualität gewährleistet.
Die Bewertung erfolgt anhand der Berechnung der personenbezogenen Luftwechselrate sowie anhand von Raumluftmessungen auf den Formaldehyd- und TVOC-Gehalt.
Erfahrungsgemäß lassen sich die Referenz- und Zielwerte dann erreichen, wenn die Auswahl und Verwendung der eingesetzten Materialien auf einem ganzheitlichen Konzept zur Vermeidung von Emissionen aus Bauprodukten basiert und der Einsatz emissionsarmer Materialien die Bauphase begleitend dokumentiert wird. BNB-Kriterium 3.1.3 steht deshalb in engem Zusammenhang mit der Erfüllung der Einzelkriterien für BNB-Kriterium 1.1.6.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_3.1.3 Innenraumhygiene (Neubau)

Einordnung der Epoxidharz-Klebstoffe

Beim Einsatz lösemittelfreier Epoxidharz-Klebstoffe (GISBAU Produkt-Code RE 1) entstehen kaum Lösemittelemissionen. Jedoch können höhersiedende Stoffe (z. B. Weichmacher, hochsiedende Lösemittel) über einen längeren Zeitraum austreten. Bei unsachgemäßer Verarbeitung (Temperatur, Feuchtigkeit, Mischungsverhältnis) kann es zu erhöhten Emissionen und Geruchsbelästigungen kommen.

Epoxidharz-Klebstoffe mit dem GISBAU Produkt-Code RE 1 können sich für EMICODE EC1plus und EMICODE EC1 "sehr emissionsarm" qualifizieren.

Produktgruppe Zu erwartende VOC-Emissionen Zu erwartende
Formaldehyd-­Emissionen
Epoxidharz-Klebstoffe  möglich  keine
keine
Die Produktgruppe enthält kein Formaldehyd oder keine VOC.
möglich
Die Produkte der Produktgruppe unterscheiden sich bezüglich der zu erwartenden VOC- oder Formaldehyd-Emissionen. Bei der Produktwahl ist auf geeignete Zeichen und Deklarationen zu achten. siehe dazu die Informationen im Reiter "Zeichen & Deklarationen".
hoch
Die Produktgruppe verursacht grundsätzlich hohe VOC-Emissionen oder Formaldehyd-Emissionen. Alternativen sind vorzugsweise in der Wahl funktional gleichwertiger Baustoffe anderer Produktgruppen oder anderer Konstruktionen zu suchen.

 

BNB-Kriterium BN_4.1.4 - Rückbau, Trennung, Verwertung

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_4.1.4 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

Im BNB Kriteriensteckbrief 4.1.4 werden Konstruktionen nach ihrer Rückbaubarkeit, Trennbarkeit und Verwertbarkeit eingestuft.
WECOBIS kann eine aktuelle Information über mögliche Umwelt- und Gesundheitsgefährdungsaspekte im Zuge von Rückbau und Entsorgung auf Bauproduktgruppenebene geben. Eine Betrachtung von ganzen Konstruktionen kann derzeit in WECOBIS noch nicht erfolgen. Ein Bauteilmodul ist jedoch in planung. Ergänzend zu Leitfäden und Arbeitshilfen helfen die bauproduktgruppenspezifischen Aspekte dem Koordinator jedoch auch jetzt schon, die Komponenten Umwelt und Gesundheit für den Steckbrief 4.1.4 einzuordnen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_4.1.4 – Rückbau, Trennung, Vewertung

Einordnung der Epoxidharz-Klebstoffe

Rückbaubarkeit

Für die Bewertung wirkt sich der Einsatz abfallarmer Konstruktionen, die die Möglichkeit eines sortenreines Rückbaus erlauben, günstig aus. Die Rückbaubarkeit beschreibt den Aufwand, der für Demontage oder Abbruch eines Bauteils aus dem Gebäudeverband nötig ist.

Die Rückbaubarkeit von Klebstoffen ist bedingt durch ihre Funktion prinzipiell nicht gegeben.

Sortenreinheit

Beschreibt den Aufwand, der für die sortenreine Trennung mehrschichtiger und / oder inhomogener Bauteile anfällt.

Klebstoffe können nicht sortenrein zurückgebaut werden. Sie treten im Rückbau als Anhaftungen an anderen Baustoffen in Erscheinung und können die Recyclingfähigkeit dieser Baustoffe vermindern.

Verwertbarkeit

Für die Bewertung der Verwertbarkeit der Baustofffraktionen gelten die zur Zeit der Bewertung am Markt aktuell verfügbaren technischen Verfahren. Alternativ können bei Bauteilen mit langer zu erwartender Nutzungsdauer Forschungsvorhaben, die praktikable Lösungsmöglichkeiten in absehbarer Zeit zur Verfügung stellen können, positiv bewertet werden. 

Da Klebstoffe immer mit anderen Baustoffen verbunden sind und ihre Funktion die möglichst starke und andauernde Haftung auf dem Untergrund bedingt, können sie nur als Anhaftung an anderen Baustoffen entsorgt werden.

  • Eine stoffliche Verwertung ist bei Klebstoffen nicht möglich.
  • Die energetische Verwertung von reinen Klebstoffabfällen ist möglich und führt bei vorschriftsgemäßer Rauchgasreinigung zu keinen relevanten Emissionen. Sofern die Klebstoffe als Anhaftungen zusammen mit anderen brennbaren Abfällen entsorgt werden, stellt die energetische Verwertung den besten Entsorgungsweg dar.
  • Klebstoffe können als Anhaftungen auf Bauteilen in die Deponie gelangen. Die Abbauprodukte stellen eine Belastung für die Deponieabwässer dar.

Quellen

Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt, verwendete Version / Stand 28.04.2016: BNB_BN_1.1.6 Version V 2015 (Online-Quelle)

Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 3.1.3 Innenraumhygiene, abrufbar unter BNB_BN2011-1_313 (Online-Quelle)

Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 4.1.4 Rückbau, Trennung und Verwertung, abrufbar unter BNB_BN2011-1_414 (Online-Quelle)

Epoxidharz-Klebstoffe

Technisches

Technische Daten

Die relevantesten technischen Eigenschaften von Klebstoffen im Baubereich umfassen Zugscherfestigkeit, Haftzugfestigkeit, Trocknungszeit, Topfzeit, und Haltbarkeit. Da die Eigenschaften bei Klebstoffen sehr produktspezifisch sind, müssen genauere Angaben aus den jeweiligen technischen Merkblättern der Produkte entnommen werden.

Eigenschaften der Klebstoffe / Epoxidharz-Klebstoffe

Abbindemechanismus:

chemisch

Erhärtungstyp:

kalthärtend

Mech. Eigenschaften:

plastomer, duromer oder elastomer

Auszug aus: Übersichtstabelle Oberbegriff Klebstoffe

Technische Regeln (DIN, EN)

DIN EN 923: Klebstoffe – Begriffe und Definitionen

Für die Anwendung von Klebstoffen bestehen anwendungsspezifische Normen. Für die wichtigsten Anwendungsbereiche wird untenstehend eine Auswahl wiedergegeben.

Bodenbeläge

DIN EN 14259: Klebstoffe für Bodenbeläge - Anforderungen an das mechanische und elektrische Verhalten

Parkett

DIN EN 14293: Klebstoffe - Klebstoffe für das Kleben von Parkett auf einen Untergrund - Prüfverfahren und Mindestanforderungen

Fliesen und Platte

DIN EN 12004: Mörtel und Klebstoffe für Fliesen und Platten - Anforderungen, Konformitätsbewertung, Klassifizierung und Bezeichnung

Rohrleitungssysteme

DIN EN 14680: Klebstoffe für drucklose thermoplastische Rohrleitungssysteme – Festlegungen

DIN EN 14814: Klebstoffe für Druckrohrleitungssysteme aus thermoplastischen Kunststoffen für Fluide – Festlegungen

Bauregelliste

Das Deutsche Institut für Bautechnik stellt in den Bauregellisten A, B und C die technischen Regeln für Bauprodukte und Bauarten sowie bauaufsichtlich geregelte und nicht geregelte Bauprodukte und Bauarten auf.
Nach Zustimmung der obersten Bauaufsichtsbehörden der Länder wird die Bauregelliste bekannt gegeben. Erwerb und weiterführende Informationen zu Bauregelliste und ihren Regelungsbereichen siehe unter → www.dibt.de
Eine Darstellung und Erläuterungen zur Klassifizierung von Bauprodukten siehe im Lexikon → Klassifizierung von Bauprodukten

Epoxidharz-Klebstoffe

Literaturtipps

Autorenkollektiv: „Adhesives“ in „Ullmann's Encyclopedia of Industrial Chemistry“, 5. Auflage. Wiley (2010), online Quelle

DELO Industrie Klebstoffe: 'BOND it - Nachschlagewerk zur Klebtechnik` 4., neu bearbeitete und erweiterte Auflage 2007, 190 S.

Gerd Habenicht: Kleben. Grundlagen, Technologie, Anwendungen. 6., aktualisierte Aufl. Springer Verlag, Heidelberg (2009) ISBN 978-3-540-85264-3

Gerhard Fauner, Wilhelm Endlich: Angewandte Klebtechnik. Hanser Fachbuchverlag, München/Wien (1997), ISBN 3-446-12767-4

Hermann Onusseit: Klebstoffe der Natur. Anwendung und Perspektiven für die Technik. In: Biologie in unserer Zeit. 5/34/2004, S. 307-314, Industrieverband Klebstoffe e.V.: Handbuch Klebstoffe 1998/2000

Irving Skeist (Hrsg.): Handbook of Adhesives. 3. Auflage. Van Nostrand Reinhold, New York 1990.

Wilhelm Endlich: Kleb- und Dichtstoffe in der modernen Technik. Ein Praxishandbuch der Kleb- und Dichtstoffanwendung. Vulkan-Verlag, Essen 1998

Epoxidharz-Klebstoffe

Rohstoffe / Ausgangsstoffe

Hauptbestandteile

Epoxidharz-Klebstoffe 2.1.1 neu

Abb. 1: Zusammensetzung nach Funktionen

Die Chemie der Epoxidharz-Klebstoffe lässt sich relativ eindeutig charakterisieren. Harz- und Härterkomponenten als die reaktiven Stoffe werden in den großen chemischen Industriebetrieben vorwiegend aus Erdöl- und Erdgasderivaten hergestellt. Auch die Hilfsstoffe und die häufig verwendeten Reaktionsverdünner stammen aus der Spezialitätenchemie. Die Füllstoffe sind in der Regel mineralischen Ursprungs, die häufig verwendeten Aluminiumoxide stammen aus dem Bauxit. Weitere Informationen zur Rohstoffherkunft und -intensität von Harz- und Härter-Komponenten sind unter Epoxidharze beschrieben.

Epoxidharz-Klebstoffe

Richtrezeptur

Rohstoffherkunft

50-60%           Harzkomponente

Aus fossilen Rohstoffen hergestellte Epoxidharze unterschiedlicher chemischer Ausprägung

  5-10%           Härterkomponente

Aus fossilen Rohstoffen hergestellte organisch-synthetische Amine

25-30%           Füllstoffe

Aus mineralischen Rohstoffen gewonnener Gesteinsmehle (Kreide, Talkum, Aluminiumoxide oder Glassande)

  5-15%           Hilfsstoffe

Aus fossilen Rohstoffen gewonnene organisch-synthetischer Reaktivverdünner (Viskosität) oder Polymere zur Verbesserung der Elastizität; keine Topfkonservierungsmittel (Biozide)

Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Epoxidharz-Klebstoffe 2.1.2 neu

Abb. 2: Zusammensetzung nach Rohstoffherkunft

Gewinnung der Primärrohstoffe

Die Gewinnung der fossilen Rohstoffe aus Erdöl, Erdgas und Kohle wie auch der mineralischen Rohstoffe ist mit Umweltrisiken verbunden.

Verfügbarkeit

Mit der allmählichen Erschöpfung der Erdölvorräte vermindert sich auch das Potential zur Gewinnung von fossilen Rohstoffen in wenigen Jahrzehnten. Allerdings könnten die Rohstoffe auch aus Kohle hergestellt werden, was jedoch mit einem größeren Energieaufwand verbunden wäre.

Die mineralischen Rohstoffe (Gesteinsmehl, Glassand) sind auch langfristig nicht erschöpft, eine Knappheit ist nicht zu erwarten.

Verwendung von Recyclingmaterialien / Produktionsabfällen

Für Epoxidharze ist die Verwendung von Recyclingrohstoffen nicht sinnvoll. Lösemittel aus industriellen Quellen können gereinigt und erneut eingesetzt werden. Eine Verwendung von Recyclingmaterial für Füllstoffe ist für alle Klebstoffe denkbar. Detaillierte Informationen für die Klebstoffproduktion liegen jedoch nicht vor.

Radioaktivität

Radioaktivität spielt für Epoxidharz-Klebstoffe keine Rolle.

Quellen

U. Kasser, interne Datensammlung büro für umweltchemie

Greenpeace, Erdöl – Gefahr für Umwelt, Klima, Menschen, Hamburg, 2002

Umweltbundesamt, Einschätzung der Schiefergasförderung in Deutschland, Stand Dezember 2011, Berlin, 2012

Bundesverband Braunkohle DEBRIV, Gewinnung der Braunkohle, online-Quelle abgerufen am 24.7.2012

Epoxidharz-Klebstoffe

Herstellung

Prozesskette

Herstellungsprozess

Die Herstellung der Harzkomponenten (Bisphenol A) und der Härterkomponente (Amin) ist aufwändig und kompliziert und detaillierter unter Epoxidharze beschrieben. Die Verarbeitung zu Klebstoffen beinhaltet das Einwägen und Mischen der Ausgangsstoffe gemäß Rezeptur. Anschließend werden die Klebstoffe in Gebinde eingefüllt und zur Auslieferung auf Paletten verpackt.

Umweltindikatoren / Herstellung

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren in WECOBIS soll zukünftig ausschließlich die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB liefern.

Die Ökobau.dat stellt Umweltprofile für Bauprodukte bereit, die als erforderliche Datengrundlage für die Lebenszyklusanalyse eingesetzt werden. Für Bauprodukte gibt es Herstellungs- und End-of-Live- Datensätze.

Weiterführende Informationen zur Ökobau.dat im Zusammenhang mit dieser Produktgruppe finden sich in WECOBIS unter Fachinformationen / Reiter Zeichen & Deklarationen → Ökobau.dat / Umweltindikatoren

Da in der Herstellung von Bauprodukten ein großer Anteil der verursachten Umweltbelastungen auf den Verbrauch von nicht erneuerbaren Energieträgern zurückzuführen ist, stellt die Graue Energie (kumulierter Primärenergieaufwand nicht erneuerbar) dafür einen guten Indikator dar.

Im Kapitel Energieaufwand finden sich ggf. allgemeine Informationen zum Thema, die die Produktgruppe prägen.

Energieaufwand

Die Herstellung der Epoxidharz-Klebstoffe ist energieintensiv. Der Energieaufwand für die Herstellung des formulierten Produkts ist vor allem vom Gehalt an Epoxidharz-Komponenten abhängig. Je größer der Füllstoffgehalt, desto weniger Energie ist pro Masseneinheit Produkt erforderlich.

Graue Energie

In der nachfolgenden Tabelle ist die Graue Energie (Primärenergieaufwand nicht erneuerbar) für die Herstellung der Bestandteile von Klebstoffen und den formulierten Produkten abgeschätzt. Die Berechnung geht von der in jeder Produktgruppe angenommenen Richtrezeptur aus und darf nur als Grobabschätzung betrachtet werden.

Die in der Tabelle aufgezeichneten Werte müssen im konkreten Fall auf die Flächeneinheit umgerechnet werden. Doch auch bei einer flächenbezogenen Betrachtung ändern sich die relativen Unterschiede in der Grauen Energie der Produktgruppen nicht. Vor allem bei den leistungsfähigen PUR- und Epoxidharz-Klebstoffen ist die Graue Energie relevant.

Sind beispielsweise 2 kg pro m² Epoxidharz für die Befestigung eines Parkettbodens notwendig, so kann die Graue Energie für den Klebstoff diejenige des Bodenbelags ohne weiteres übersteigen. Die Lösemittelemission (vgl. Pkt. Verarbeitung) muss zusätzlich bewertet werden. Diese Art Umweltbelastung wird durch die Graue Energie nicht abgedeckt.

Bei der Herstellung von Epoxidharz-Klebstoffen werden pro kg reinem Bindemittel ca. 140 MJ Graue Energie (entspricht ca. 4 Litern Heizöl) benötigt.

Grobabschätzung der Grauen Energie von Klebstoff-Produktgruppen

  Dispersions- Klebstoffe Kleister Lösemittel- Klebstoffe Polyurethan- Klebstoffe Epoxidharz- Klebstoffe
Bindemittel/ Hilfsstoffe MJ/kg] 80-120 20-30 80-120 100-110 140-150
Lösemittel [MJ/kg] 50-80 - 50-80 50-80 50-80
Füllstoffe [MJ/kg] 1-5 1-5 1-5 1-5 5-10
Wasser [MJ/kg] < 0.1 < 0.1 - - -
Klebstoff- Produkte [MJ/kg] 30-50 3-8 50-70 60-80 95-115

Charakteristische Emissionen

Emissionen in der Herstellung von Klebstoffen sind von der Zusammensetzung des Klebstoffs abhängig. Lösemittelhaltige Klebstoffe führen in der Produktion typischerweise zu Lösemittelemissionen, die kontrolliert werden müssen, z. B. durch Absaugung aus geschlossenen Systemen. Mineralische Füllstoffe können zu Staubemissionen führen. Prozesswasser muss, soweit vorhanden, gemäß den Vorgaben der „Verordnung über Anforderungen an das Einleiten von Abwasser in Gewässer“ kontrolliert und behandelt werden. Die Emissionen der Epoxidharzherstellung sind im Grundstoff Epoxidharze eingehend beschrieben.

Transport

Der Transport jener Ausgangsstoffe welche auf fossilen Rohstoffen basieren (Bindemittel, Lösemittel, Hilfsstoffe) ist generell mit längeren Transportwegen und größeren Umweltrisiken behaftet als der Transport der Ausgangsstoffe welche auf mineralischen Rohstoffen basieren (Füllstoffe). In der Produktionskette werden auch Güter mit Gefahrstoffkennzeichnung transportiert. Da jedoch Bindemittel, Lösemittel sowie Hilfsstoffe in einer Vielzahl von verschiedenen Produkten verwendet werden (nicht nur in Klebstoffen) ist die Umweltrelevanz des Transports nicht spezifisch für die Herstellung von Klebstoffen.

Quellen

Büro für Umweltchemie (Hrsg.): Graue Energie von Baustoffen, Büro für Umweltchemie, 1995, Zürich

Epoxidharz-Klebstoffe

Verarbeitung

Technische Hinweise / Verarbeitungsempfehlungen

Die Verarbeitung von Epoxidharz-Klebstoffen ist anspruchsvoll. Die Qualität der Verklebung hängt entscheidend von der guten Durchmischung der Komponenten im angegebenen Verhältnis ab. Epoxidharze können ab Temperaturen von ca. 8-12°C verarbeitet werden. Bei niederen Temperaturen werden die Verarbeitungs- und Erhärtungszeiten länger, bei höheren Temperaturen kürzer. Die Anweisungen der Hersteller zu Mischungsverhältnissen, zulässigen Verarbeitungstemperaturen, Luftfeuchtigkeit und maximal zulässiger Verarbeitungszeit sind unbedingt zu beachten.

Arbeitshygienische Risiken

Allgemeines

Bei der Verarbeitung von Epoxidharz-Klebstoffen können arbeitshygienische Risiken auftreten. Für alle Epoxidharz-Klebstoffe ist Hand-, Haut-, Atem-, Körper- und Augenschutz empfohlen.

AGW-Werte

Für Lösemittel existieren Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW). Diese sind je nach Lösemittel verschieden hoch. Eine detaillierte Aufstellung nach GISBAU Produkt-Codes findet sich auf WINGIS online unter Produktcodes, Kategorie Verlegewerkstoffe.

REACH / CLP

Die REACH-Verordnung regelt die Herstellung, das Inverkehrbringen und den Umgang mit Industriechemikalien. Zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen, dient die CLP-Verordnung (Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen), um ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu gewährleisten.

Wird ein Produkt nicht als Stoff oder Gemisch, sondern als Erzeugnis eingestuft, ist kein Sicherheitsdatenblatt (SDB) erforderlich und Gefahrstoffbezeichnungen entfallen. Lediglich besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) müssen ausgewiesen werden.

Klebstoffe werden als Gemisch eingestuft.

Produkt bezogene Informationen gemäß CLP-Verordnung müssen daher in den Sicherheitsdatenblättern (SDB) der jeweiligen Produkte ausgewiesen sein.

Einstufungen und Gesundheitsgefahren nach GISBAU

Abgesehen von den Epoxidharz-Dispersionen sind alle Epoxidharz-Klebstoffe sensibilisierend, d.h. sie können v.a. über Hautkontakt Allergien auslösen und wirken bei sensibilisierten Personen bereits in sehr geringen Mengen allergieauslösend. Zudem sind die meisten Epoxidharz-Klebstoffe gesundheitsschädigend und können durch Kontakt Augen und Haut reizen. Für die Atemwege sind Epoxidharze im Allgemeinen weniger schädlich als PUR-Klebstoffe.
In der nachfolgenden Tabelle sind die arbeitshygienischen Risiken der Epoxidharz-Klebstoffe zusammengefasst. Für Klebstoff im Baubereich sind v.a. die GISBAU Produkt-Codes RE 0RE 1 und RE 3 von Bedeutung. Produkte mit RE6RE7 und RE9 kommen bei den Klebstoffen im Baubereich praktisch nicht vor. Die Details der Gesundheitsgefährdung und der erforderlichen Schutzmaßnahmen können unter der entsprechenden Stoff-/Produktgruppen GISBAU abgefragt werden.

Gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der GefStoffV ist grundsätzlich das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen zu verwenden. Es ist daher auch bei RE 0 und RE 1 als Alternative immer die Verwendung lösemittelfreier oder lösemittelarmer Dispersions-Klebstoffe zu prüfen. (s. GISBAU  Produktdatenblätter / Ersatzstoffe)

GISBAU Produkt-Codes Epoxidharz-Produkte

wasser-

ver-

dünnbar

nicht wasserverdünnbar

Dispersionen < 5%

lösemittel-

frei < 1%

lösemittelarm < 5%

lösemittelhaltig > 5%

RE 0

RE 1

RE2

RE6

RE 2,5

RE 3

RE7

RE9

reizend

gesund-

heits-

schädlich, ätzend, sensibili-

sierend

gesund-

heitsschäd-

lich, ätzend, sensibilisie-

rend

gesund-

heitsschäd-

lich und giftig, ätzend,sen-

sibilisierend

gesund-

heitsschäd-

lich, reizend, sensibilisie-

rend

gesund-

heits-

schädlich, reizend, sensibili-

sierend

gesund-

heitsschäd-

lich und giftig, sensibili-

sierend

gesundheits-

schädlich, ätzend, sensibilisie-

rend und krebserzeu

gend

                     

= übliche Produkt-Codes für Epoxidharz-Klebstoffe im Baubereich

Emissionen

Die Viskosität der Harze und Härter kann durch chemische Modifikationen beeinflusst werden. Deshalb ist der Lösemittelgehalt in der Regel bei Epoxidharz-Klebstoffen deutlich geringer als bei Lösemittel-Klebstoffen. Lösemittelemissionen sind abhängig von der Auftragsmenge, die je nach Anwendungsbereich und Untergrund stark variiert.

Lösemittelemissionen [g/m²] Dispersionen lösemittelfrei lösemittelarm lösemittelhaltig
Auftragsmengen 500-1000 g/m² < 50 < 10 < 50 > 25

Die Auftragsmenge ist stark abhängig von der Oberfläche des Untergrundes und der Rückenfläche des Bodenbelags und kann bis zu 2 kg/m² betragen.

Umweltrelevante Informationen

Wassergefährdung

Epoxidharz-Klebstoffe können in nicht ausgehärtetem Zustand in Gewässern längerfristig schädliche Wirkung haben. Sie sind je nach Rezeptur schädlich bis giftig für Wasserorganismen. Gemäß VwVwS (Einstufung aufgrund der Verwaltungsvorschrift wassergefährdender Stoffe) werden sie als “wassergefährdend“ eingestuft.

Entsorgung von Restmaterial

Nicht ausgehärtete Reste müssen einer speziellen Behandlung unterzogen bzw. an den Sammelstellen abgegeben werden und dürfen nicht als Restmüll entsorgt werden.

Restentleerte Metallgebinde können als Metallschrott verwertet werden. Auf einer vorbildlichen Baustelle werden keine Gebinde in die Kanalisation ausgewaschen. Die umweltgerechten Entsorgungsleistungen beim Arbeiten mit Klebstoffen sind bereits in der Ausschreibung für alle Unternehmen festzulegen.

Transport

Die Komponenten gelten beim Transport als Gefahrgut mit UN-Nummer 3082 „Umweltgefährdender Stoff, flüssig“.

Quellen

Unterausschuss IV 'Arbeitsplatzbewertung' (Hrsg.): Umgang mit Epoxidharzen, Dokumentation des Workshops vom 25.6.2001, Online-Quelle abgerufen am 21.6.2012

Epoxidharz-Klebstoffe

Nutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiken Neuzustand

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

Der Ausschuss zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten (AgBB) hat ein Bewertungsschema (AgBB-Bewertungsschema) zur gesundheitlichen Bewertung der Emissionen von flüchtigen organischen Verbindungen (VOC und SVOC) aus Bauprodukten entwickelt. Darin sind auch Anforderungen für Parkettklebstoffe und Universalklebstoffe für Bodenbeläge formuliert.

Um das Emissionsverhalten von Produkten zuverlässig beschreiben zu können, wurde 1997 von der GEV (Gemeinschaft Emissionskontrollierte Verlegewerkstoffe e.V., Düsseldorf) das Klassifizierungssystem EMICODE eingeführt. Klebstoffe mit EMICODE-Klassierungen EC1plus, EC1 oder EC2 weisen deutlich tiefere Emissionen auf, als im AgBB-Bewertungsschema gefordert.

Epoxidharz-Klebstoffe mit dem GISBAU Produkt-Code RE 1 können sich für EMICODE EC1plus und EMICODE EC1 "sehr emissionsarm" qualifizieren.

Umwelt- und Gesundheitsrisiken bei bestimmungsgemäßer Nutzung

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

Beim Einsatz lösemittelfreier Epoxidharz-Klebstoffe (GISBAU Produkt-Code RE 1) entstehen kaum Lösemittelemissionen. Jedoch können höhersiedende Stoffe (z. B. Weichmacher, hochsiedende Lösemittel) über einen längeren Zeitraum austreten. Bei unsachgemäßer Verarbeitung (Temperatur, Feuchtigkeit, Mischungsverhältnis) kann es zu erhöhten Emissionen und Geruchsbelästigungen kommen.

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Außenraum

Bei einer Außenanwendung sind die gleichen Emissionen wie bei der Innenanwendung möglich.

Umwelt- und Gesundheitsrisiken im Schadensfall

Brandfall

Da es sich bei vernetzten Epoxidharzen um einen duroplastischen Kunststoff handelt, schmilzt dieser nicht und tropft nicht herab, weshalb die Harze nicht zur Brandausbreitung beitragen. Hingegen ist die Brennbarkeit der vernetzten Epoxidharze größer als die anderer Duroplaste. Beim Brand können sich u.a. Formaldehyde und Phenole bilden.

Wassereinwirkung

Epoxidharz-Klebstoffe sind im ausgehärteten Zustand nicht wasserlöslich. Es sind deshalb keine besonderen Risiken für die Umwelt zu erwarten.

Beständigkeit Nutzungszustand

Epoxidharz-Klebstoffe sind auch bei erhöhter Feuchtigkeit dauerhaft und beständig. Eine Erweichung des Klebers findet nicht statt. Aufgrund der Beständigkeit und der speziellen technischen Eigenschaften werden Epoxidklebstoffe für klebetechnisch anspruchsvolle Aufgabenstellungen verwendet. Epoxidharze härten praktisch schwindungsfrei aus. Sie sind gut beständig gegen Schmiermittel und Treibstoffe. Ebenso weisen sie eine gute Beständigkeit gegen verdünnte Säuren und Laugen auf. Gegenüber Lösemitteln sind Epoxidharze weniger gut beständig. Die UV-Beständigkeit ist umstritten, sie spielt aber im Innenbereich praktisch keine Rolle.

Unter der Rubrik Baustoff- und Gebäudedaten / Nutzungsdauern von Bauteilen findet sich auf dem Informationsportal Nachhaltiges Bauen eine Datenbank mit Nutzungsdauerangaben von ausgewählten Bauteilen des Hochbaus für den Leitfaden „Nachhaltiges Bauen“.
Datenbank als PDF

In der Datenbank finden sich allerdings nur Informationen zu ggf. verklebten Bodenbelägen. Klebstoffe werden nicht geführt.

Instandhaltung

Verklebte Bauprodukte lassen sich nur schlecht voneinander trennen. Nach einer Trennung muss der Untergrund verspachtelt und verschliffen werden.

Quellen

Daten und eigene Berechnungen, büro für umweltchemie. Zürich

Ausschuss zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten, AgBB-Bewertungsschema 2012, Online-Quelle abgerufen am 10. Juli 2012

DIBt (Deutsches Institut für Bautechnik) (2010), Grundsätze zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten in Innenräumen, Stand Oktober 2010, Online-Quelle abgerufen am 10. Juli 2012

Epoxidharz-Klebstoffe

Nachnutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiko Rückbau

Mit dem Rückbau sind keine besonderen Risiken für Umwelt und Gesundheit verbunden.

Wiederverwendung

Eine Wiederverwendung der Klebstoffe ist nicht möglich. Klebeverbindungen von Bauteilen können die Wiederverendung der Bauteile erschweren oder verhindern.

Stoffliche Verwertung

Eine stoffliche Verwertung von Klebstoffen kommt aufgrund ihrer Verarbeitungsform grundsätzlich nicht in Frage. Mit Klebstoffen behandelte Baustoffe werden in ihrer Recyclierbarkeit beeinträchtigt. Dies kann zu Qualitätseinbußen von Sekundärbaustoffen führen. Dies gilt insbesondere für Gipsbaustoffe, Mauerwerk und Beton.

Energetische Verwertung

Ausgehärtete Epoxidharz-Klebstoffe können in Verbrennungsanlagen energetisch verwertet werden und ergeben bei vorschriftsmäßiger Rauchgasreinigung keine relevanten Emissionen.

Beseitigung / Verhalten auf der Deponie

Reine Epoxidharz-Klebstoffe dürfen nicht deponiert werden. Da Epoxidharz-Klebstoffe auf anderen Materialen anhaften, die je nach Material deponiert werden, können sie dennoch in Deponien gelangen. Somit können die Abbauprodukte der Klebstoffe die Deponieabwässer belasten.

EAK-Abfallschlüssel

Die Zuordnung von Abfallschlüsseln kann in einzelnen Fällen je nach Bundesland unterschiedlich gehandhabt werden. Daher ist im konkreten Fall eine Nachfrage notwendig.

Für Klebstoffabfälle können folgende EAK-Abfallschlüssel in Frage kommen:

Klebstoffabfälle aus Herstellung, Zubereitung, Vertrieb und Anwendung

08 04 09*

Klebstoff- und Dichtmassenabfälle, die organische Lösemittel oder andere gefährliche Stoffe enthalten

08 04 10

Klebstoff- und Dichtmassenabfälle mit Ausnahme derjenigen, die unter 08 04 09 fallen

Siedlungsabfälle einschließlich getrennt gesammelter Fraktionen

20 01 27*

Farben, Druckfarben, Klebstoffe und Kunstharze, die gefährliche Stoffe enthalten

20 01 28

Farben, Druckfarben, Klebstoffe und Kunstharze mit Ausnahme derjenigen, die unter 20 01 27 fallen

Abfälle, die im EAK-Abfallschlüssel mit einem Sternchen (*) gekennzeichnet sind, sind als gefährliche Abfälle / Sonderabfall eingestuft.

Quellen

Verordnung über das Europäische Abfallverzeichnis (Abfallverzeichnis-Verordnung – AVV, zuletzt geändert am 24. Februar 2012, Online-Quelle abgerufen am 11.7.2012