MS Hybrid-Dichtstoffe

Produktgruppeninformation

Begriffsdefinition

MS Hybrid-Fugendichtstoffe auf der Basis von MS-Polymer sind einkomponentige Systeme und enthalten als Grundstoff silanmodifizierte Polymere (MS steht für modifizierte Silane). Synonym zu MS Polymer werden auch die Begriffe MS Hybrid, Polyoxypropylen, silanmodifizierter Polyether (SMP) oder silanterminierter Polyether STPE als Produktbezeichnungen verwendet. Der Aushärtungs­prozess wird ausgelöst durch Luftfeuchtigkeit in Gegenwart eines Katalysators. Diese Dichtstoffsysteme sind neutral aushärtend und spalten unter Einwirkung von Luftfeuchtigkeit Alkohol ab. Die Reaktion verläuft im neutralen pH-Bereich. Meist werden bei der Herstellung der MS-Polymere Silane mit Ethoxy- oder Methoxygruppen eingesetzt, weshalb bei der Aushärtung des Dichtstoffs Ethanol oder Methanol entsteht.

Wesentliche Bestandteile

Für MS Hybrid-Dichtstoffe werden unterschiedliche Polymere eingesetzt. Allen gemeinsam ist jedoch die Grundstruktur aus modifiziertem Polypropylenoxid. An den Enden der Polymerketten werden Dimethoxymethan-Silyl-Gruppen als reaktive Zentren eingesetzt. Die Kettenlänge der Polymere beträgt rund 50 bis über 1000. Zum reinen Polymer kommen Füllstoffe, Pigmente, Weichmacher und der Katalysator. In manchen Produkten sind auch Lösemittel enthalten. Zur Anpassung der Eigenschaften auf bestimmte Einsatzzwecke werden auch Gemische von MS-Polymer mit anderen Polymeren wie Acrylpolymeren oder Epoxidharzen hergestellt.

Charakteristik

Der besondere strukturelle Aufbau von MS-Polymeren und ihr Aushärtungsmechanismus bieten dem Anwender eine Reihe günstiger Verarbeitungseigenschaften:

  • MS Hybrid-Dichtstoffe haben ein breites Haftspektrum und weisen bei der Aushärtung nur eine geringe Volumenreduktion auf.
  • MS Hybrid-Dichtstoffe haben eine gute Haftung auf Metallen wie Aluminium, Messing oder Stahl, auf Mörtel, Schiefer, Granit oder Keramikfließen, auf den meisten Kunststoffen außer Polyethylen und Polypropylen sowie auf verschiedenen Holzarten.
  • Sie sind selbst bei tiefen Temperaturen (bis ca. 0 °C) gut anwendbar.
  • Sie weisen eine gute Beständigkeit gegen UV-Strahlung auf. Dies u.a. durch Zusatz von UV-Absorbern.
  • Die Dichtstoffe können in der Regel überstrichen werden.

Lieferzustand

In Kartuschen

Anwendungsbereiche (Besonderheiten)

MS Hybrid-Dichtstoffe eignen sich im gesamten Baubereich für Anschluss- und Dehnungsfugen im Innen- und Außenbereich, so z.B. für Fugen an Fenstern, Türen, im Dachbereich, Abdichtungen im Holz-, Metallbau oder Sanitärbereich.

Alternativen hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

MS Hybrid-Dichtmassen enthalten Weichmacher und kennzeichnungspflichtige Zinn­katalysatoren. Die Ethanol abspaltenden Systeme sind den Methanolabspaltern vorzuziehen.  Es sind auch weichmacherfreie Systeme erhältlich, die geringere Emissionen aufweisen und eine geringere Neigung zur Verschmutzung in den Randzonen zeigen. Aus ökologischer Sicht sind sie den weichmacherhaltigen Systemen vorzuziehen. Die Katalysatoren sind Stand der Technik und auch in herkömmlichen Silikon-Dichtstoffen vorhanden. Im Trockenbereich sind Zinn-freie Acrylat-Dichtstoffe eine interessante Alternative, wenn sie keine Fungizide enthalten.

Quellen

Kittel, H., Reul, H. (Hrsg.) (2005): Lehrbuch der Lacke und Beschichtungen, Band 7, Produkte für das Bauwesen, Beschichtungen, Bauklebstoffe, Dichtstoffe, Hrsg: S. Hirzel Verlag Stuttgart, 2. Auflage

MS Hybrid-Dichtstoffe
MS Hybrid-Dichtstoffe

Planungs- und Ausschreibungshilfen

WECOBIS informiert produktneutral. An verschiedenen Stellen bietet WECOBIS jedoch auch Unterstützung dazu, wie sich Produkte innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer ökologischen Eigenschaften unterscheiden lassen.

Informationen hier im Reiter Ausschreibung:

  • Links zu materialökologischen Anforderungen und Textbausteinen für Planung und Ausschreibung im WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen,
  • Hinweise auf mögliche Quellen und Nachweisdokumente zu Planungs- und Ausschreibungskriterien,
  • zusammenfassende Informationen zum Lebenszyklus,
  • Hinweise zu möglichen Verwendungseinschränkungen hinsichtlich Gefahrstoffverordnung und zu Alternativen

Übersicht Planungs- und Ausschreibungshilfen: Dichungsmassen / Dichtstoffe
Stand 03/2015

  Acrylat-DichtstoffeSilikon-DichtstoffeMS Hybrid Dichtstoffe (SMP)
         
  Material-
ökologische Anforderungen
Im neuen Modul "Planungs- & Ausschreibungshilfen" bietet WECOBIS eine Übersicht zu möglichen materialökologischen Anforderungen und Textbausteine für Planung und Ausschreibung. Inhalt aufklappen
   
Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS Dichtungsmassen / Dichtstoffe im Innenraum,
siehe auch Punkt- und linienförmige Verklebungen im Innenraum (es handelt sich ggf. um dieselben Produkte, die in beiden Anwendungsfällen verwendet werden)
  Mögliche Quellen Die hier genannten Quellen, insbesondere BNB, bilden die Grundlage für Planungs- und Ausschreibungshilfen bzw. materialökologische Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS. Inhalt aufklappen
   
Bewertungssystem
Nachhaltiges Bauen

(BNB) des BMUB /
Kriterium 1.1.6 (Risiken für die lokale Umwelt)

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMUB steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen. Die o.g. Textbausteine und materialökologischen Anforderungen in WECOBIS basieren derzeit auf Kriteriensteckbrief 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt. Dieser steht in engem Zusammehang mit Kriteriensteckbrief 3.1.3 Innenraumhygiene.

Auch wenn ein Gebäude nicht zertifiziert werden soll, bilden die einzelnen Kriteriensteckbriefe eine gute Grundlage, Orientierung und Hilfestellung für die Umsetzung ökologischer Aspekte in der Gebäudeplanung.

Einordung der Dichtstoffe im Innenbereich hinsichtlich verschiedener Kriteriensteckbriefe siehe Reiter Bewertungssysteme in WECOBIS

Umweltbundesamt
(UBA)
Auf den Internet-Seiten des Umweltbundesamtes (UBA) befindet sich der „Informationsdienst für umweltfreundliche Beschaffung“. Die Seiten werden gerade überarbeitet, sodass sich dort derzeit aus dem Baubereich nur Ausschreibungsempfehlungen zu Elastischen Bodenbelägen, Tapeten und Raufaser finden.
baubook ökologisch ausschreiben Die Plattform baubook ökologisch ausschreiben bietet eine Sammlung von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Dichtstoffe finden sich Produktdeklarationen unter Abdichtstoffe und Klebemassen.
natureplus Ausschreibungstexte naturepus Ausschreibungstexte zu Dichtstoffen sind derzeit nicht vorgesehen.
  Mögliche Nachweis-
dokumente
weitere Nachweismöglichkeiten neben den folgend genannten sind Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, sowie Herstellererklärungen oder ggf. ein Anhang mit Nachhaltigkeitsmerkmalen zur bauaufsichtlichen Zulassung (abZ+). Inhalt aufklappen
   
gesetzlich vorgeschrieben: Welche Nachweisdokumente müssen vom Hersteller zur Verfügung gestellt werden? Welcher Nachweis kann damit erbracht werden?
REACH / CLP:
Sicherheitsdatenblatt (SDB)
Dichtstoffe werden als Gemisch eingestuft. Für sie muss daher ein SDB gemäß den Anforderungen in Art.31 REACH-VO in Verbindung mit Anhang II erstellt werden. (Nachweis gefährliche Stoffe, Nachweis SVHC >= 0,1 Gew.-%).
Leistungserklärung gemäß BauPVO mit Angaben zu SVHC -

(+)*

*nur Silikonklebstoffe für geklebte Glaskonstruktionen / gem. Bauregelliste B Teil 1 / 2.4.4.13

-
freiwillige Produktkenn-zeichnungen / -deklarationen Für einige Bauproduktgruppen existieren freiwillige Produktkennzeichnungen oder -deklarationen wie z.B. Umweltzeichen oder Umweltproduktdeklarationen, die als Nachweis für materialökologische Anforderungen dienen können. Eine Übersichtstabelle dazu mit detaillierten Informationen zu Dichtstoffen findet sich im Reiter Zeichen & Deklarationen.

Übersicht Lebenszyklusinformationen: Dichtungsmassen / Dichtstoffe

   Acrylat-Dichtstoffe Silikon-Dichtstoffe MS Hybrid Dichtstoffe (SMP)
               
  Rohstoffe Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Rohstoffe)
   
Hauptbestandteile nach Rohstoffherkunft
Anteil fossiler Rohstoffe ca. 50 M.-% (sehr variable Rezepturen)
Anteil mineralischer Rohstofffe ca. 50 M.-% (sehr variable Rezepturen)
Anteil erneuerbarer Rohstoffe 0  M-% 
Charakteristische Inhaltsstoffe
Bindemittel 20-85% Acrylester-Copolymere 25 -88% Polysiloxane + Vernetzer 33% silanmodifizierte Polymere
Füllstoffe 10-70% Kreide, Talk uä 9 -50% Kieselsäure, Kalkstein, Talkum, Aluminiumoxid uä 39% Gesteinsmehl, z.B. Kalk
Pigmente Titandioxid Titandioxid, Eisenoxide uä 7%  Titandioxid, Ruß etc
Weichmacher 0,5-5% Weichmacher, Fungizide, Konservierungsmittel etc 0 -29%  Weichmacher, Katalysatoren, etc. 18% Siliconöle, Phthalate, Paraffin
Hilfsstoffe 4% Thixotropiermittel, Antioxidantien etc.
Wasser 3-15 % - -  -  -  -
Problematische Inhaltsstoffe
Besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) können in Form von Flammschutzmitteln oder Weichmachern (z.B. Chlorparaffine, halogenierte Phosphorsäureester, Phthalate) eingesetzt werden. 
Schwermetalle kein relevantes Umweltthema bei Acrylat-Dichtstoffen

Kennzeichnungs­pflichtige Zinn-Katalysatoren sind Stand der Technik (geringe Konzentration im Produkt). Es sind noch keine Alternativen möglich. Bei der Anwendung als Biozid sind wesentlich größere Mengen im Produkt enthalten.

Biozide Zur Verhinderung von Schimmelpilz-Wachstum können Acrylat-Dichtstoffen Fungizide beigesetzt werden. Außerdem ist die Zugabe von Konservierungsmitteln möglich. Sanitär­silikone enthalten in der Regel kennzeichnungs­pflichtige Fungizide (außer transparente Produkte). MS-Hybrid-Dichtstoffe enthalten keine Fungizide
Lösemittel, Weichmacher Acrylat- und Silikon-Dichtstoffe können geringe Anteile an Lösemitten enthalten
(in der Regel < 5 %).
Wird mehr Polymer eingesetzt, kann der Weichmacheranteil gesenkt werden. Es gibt auch weichmacherfreie Systeme.
Sonstige  - Bei der Kondensationsreaktion werden aus Silikonen Stoffe freigesetzt. Die gefährlichsten sind n‑Butanonoxim aus oxim-vernetzenden sowie Amine aus basisch härtenden Systemen. Bei der Kondensationsreaktion werden aus SMP-Dichtstoffen Alkohole freigesetzt
Sonstiges
Verwendung von erneuerbaren oder Sekundär-Rohstoffen  keine Verwendung von erneuerbaren oder Sekundär-Rohstoffen 
Verfügbarkeit der Rohstoffe  mit Ausnahme der erdölbasierten Rohstoffe gute Verfügbarkeit. 
  Herstellung Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Herstellung)
  Ökobau.dat-Datensätze 6. Kunststoffe / 6.7 Dichtmassen / 6.7.6 Acrylat 6. Kunststoffe / 6.7 Dichtmassen / 6.7.2 Silikon 6. Kunststoffe / 6.7 Dichtmassen / 6.7.2 Silikon
  Graue Energie Dichtmassen tragen nur einen sehr geringen Teil zur Grauen Energie eines Gebäudes bei.
  Maßnahmen Gesundheitsschutz Unter Beachtung der gängigen Sicherheitsregeln im Umgang mit Chemikalien stellt die Mischung von Acryldichtmassen aus den Grundstoffen keine erhöhten Anforderungen bezüglich Arbeitsschutz. Bei der Herstellung von neutralvernetzenden Oxim-Systemen ist darauf zu achten, dass Butanonoxim unter sauren Bedingungen zu Explosionen führen kann. -
  Maßnahmen Umweltschutz Wie jede chemische Produktion stellt die Formulierung von Dichtstoffen erhöhte Anforderungen an die umweltfreundliche Entsorgung von Abfällen, die Störfallvorsorge und die Kontrolle von Prozessemissionen.
 - Die eingesetzten Zinnverbindungen sind sehr ökotoxisch und dürfen beim Transport oder der Lagerung nicht in die Umwelt gelangen.
  Verarbeitung Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Verarbeitung, zu ggf. vorhandenen verarbeitungsspezifischen Produktkennzeichnungen wie z.B. Giscode, siehe Reiter Zeichen & Deklarationen)
  Arbeitshygienische Risiken Acrylat-Dichtstoffe geben bei der Aushärtung Glykole ab. Eine ausreichende Arbeitsplatzbelüftung ist empfehlenswert.

Bei der Reaktion des Dichtstoffs mit dem Wasserdampf der Luft entstehen die für den Vernetzer typischen Emissionen:

 

  • Säurehärtende Acetat-Systeme: Essigsäure (H226; H314) - reizende Wirkung
  • Neutral-härtende Oxim-Systeme: Hydrolisierte Oxime wie 2-Butanonoxim (H312; H317; H351 - Carc. 2) - Verdacht auf krebserzeugende Wirkung, allergieauslösend
  • Neutral-härtende Alkoxy-Systeme: Alkohole
  • Basisch-härtende Amin-Systeme: Amine, z.B. Cyclohexylamin (H226; H302, H312; H314; H361f - Repr. 2) - hautresorptiv und als gesundheits­schädlich eingestuft
 

Die bei der Aushärtung von MS Hybrid-Dichtstoffen abgespalteten Alkohole wie Methanol oder 2-Methoxyethanol sind bezüglich Ihrer Wirkung auf die Gesundheit als kritisch einzustufen. Außerdem können bestimmte Weichmacher beim Einatmen gesundheitsschädlich sein.

Von der deutschen Berufsgenossenschaft  wurde in Reihenuntersuchungen gezeigt, dass Produkte, die dem GISCODE RS10  (Methanol-abspaltende Produkte) entsprechen, außerdem den Arbeits-platzgrenzwert von Methanol einhalten (Gemeinschaft Emissionskontrollierte Verlegewerkstoffe, Klebstoffe und Bauprodukte e.V. (GEV) 2013)

  Nutzung Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Nutzung, zur Innenraumhygiene nach BNB siehe siehe Reiter Bewertungssysteme, zu ggf. vorhandenen innenraumrelevanten Produktkennzeichnungen wie z.B. Blauer Engel, siehe Reiter Zeichen & Deklarationen)
   
VOC-/SVOC-Emissionen im Neuzustand In Prüfkammermessungen im Auftrag des Umweltbundesamts (Horn et al) wurde festgestellt, dass...

Während des Aushärtungsprozesses spalten SMP-Dichtstoffe Alkohole wie Methanol oder 2-Methoxyethanol ab.

...von sieben getesteten Acryldichtmassen vier die Anforderungen an die Emissionen des AgBB-Bewertungsschemaserfüllten, drei die Anforderungen nicht erfüllten. ...keine der getesteten Silikon-Dichtmassen (Acetat- und Alkoxy-Systeme) die Kriterien des AgBB-Bewertungsschemas bestanden hätte. Alle Dichtmassen emittierten Siloxane, jedoch mit stark unterschiedlichen Konzentrationen.
VOC-/SVOC-Emissionen im Nutzungszustand
 
Acrylat-Dichtstoffen emittieren vor allem Glykole, die als hochsiedende Komponenten über einen längeren Zeitraum aus den Dichtstoffen ausgasen können. Emissionen von Weichmachern u.a. Phtalate konnten in Prüfkammermessungen nicht nachgewiesen werden. In den Prüfkammermessungen nahmen die Emissionen rasch ab. Lang andauernde Emissionen können jedoch aufgrund der Untersuchungen nicht ausgeschlossen werden. Dafür stehen Umweltzeichen wie der Blaue Engel RAL-UZ 123 oder Emicode EC1 bzw. EC1plus zu Verfügung.

Nach dem Aushärten emittieren korrekt verarbeitete Silikondichtstoffe keine Schadstoffe. Allerdings sind aus der Praxis zahlreiche Fälle bekannt, bei denen Verarbeitungsfehler oder zu früh überdeckte Fugen zu lang anhaltenden Emissionen in den Innenraum führten.

Emissionsarme SMP-Dichtstoffe gemäß Emicode EC1 bzw. EC1 Plus sind verfügbar.
Mit Fungiziden ausgerüstete Dichtstoffe geben diese funktionsbedingt über längere Zeiträume in die Umgebung ab.
  Nachnutzung Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Nachnutzung)
   
Rückbaubarkeit / Trennbarkeit Beim Rückbau von Dichtstoffen ergeben sich keine besonderen gesundheitlichen Risiken.
Verwertbarkeit / Recyclingfähigkeit Dichtstoffe werden nicht stofflich verwertet.
Typischer Entsorgungsweg Verbrennung oder als organische Verunreinigung mineralischer Baustoffe auf die Deponie
Energiegewinnung möglich? irrelevant wegen der im Vergleich zu anderen Gebäudebestandteilen geringen Mengen an Dichtstoffen

Gefahrstoffverordnung

Gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der GefStoffV ist grundsätzlich das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen zu verwenden.
Bei Verwendung von MS Hybrid-Dichtstoffen sollten grundsätzlich Produkte mit möglichst geringem Lösemittelgehalt bevorzugt werden.

Alternativen hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

MS Hybrid-Dichtmassen enthalten Weichmacher und kennzeichnungspflichtige Zinn­katalysatoren. Es sind auch weichmacherfreie Systeme erhältlich, die geringere Emissionen aufweisen und eine geringere Neigung zur Verschmutzung in den Randzonen zeigen. Aus ökologischer Sicht sind sie den weichmacherhaltigen Systemen vorzuziehen. Die Katalysatoren sind Stand der Technik und auch in herkömmlichen Silikon-Dichtstoffen vorhanden. Im Trockenbereich sind Zinn-freie Acrylat-Dichtstoffe eine interessante Alternative, wenn sie keine Fungizide enthalten.

Weitere planungs- und ausschreibungsrelevante Informationen in WECOBIS

Allgemeine Unterstützung zum Umgang mit Nachhaltigkeitsaspekten in Planung und Ausschreibung sowie Hinweise auf Leitfäden, Arbeitshilfen und Veröffentlichungen zum Nachhaltigen Bauen bietet das neue WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen unter Allgemeine Infos.

Quellen

Gemeinschaft Emissionskontrollierte Verlegewerkstoffe, Klebstoffe und Bauprodukte e.V. (GEV):  GEV – Einstufungskriterien  Anforderungen an emissionskontrollierte Verlegewerkstoffe, Klebstoffe und Bauprodukte und Vergabe des EMICODE. Stand: 15.04.2013

Horn, W. et al. (2007): Umwelt- und Gesundheitsanforderungen an Bauprodukte, Publikation des Umweltbundesamtes (Download)

MS Hybrid-Dichtstoffe

Umweltdeklarationen

Die folgende Tabelle liefert eine Übersicht zu Zeichen & Deklarationen aus dem Bereich der Dichtungsmassen / Dichtstoffe. Neben Herstellererklärungen, Informationen in Sicherheitsdatenblättern (SDB) oder allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen (abZ) können diese den Nachweis für umwelt- und gesundheitsrelevante Kriterien in Planung und Ausschreibung (s. Reiter Ausschreibung) ermöglichen. Detaillierte Informationen finden sich außerdem in den einzelnen Produktgruppen.

Übersicht Umweltdeklarationen: Dichtungsmassen / Dichtstoffe
Stand 03/2015

  Acrylat-DichtstoffeSilikondichtstoffeMS Hybrid Dichtstoffe (SMP)
         
  Umweltzeichen

Umweltzeichen gehören zu den freiwilligen Produktkennzeichnungen. Sie bieten die Möglichkeit, Unterschiede von Produkten innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer Umwelt- und Gesundheitsrelevanz festzustellen, auch wenn sie keine allgemeinverbindlichen Gebote oder Verbote aufstellen können. Inhalt aufklappen

   
Blauer Engel
weil emissionsarm
RAL-UZ 123 Emissionsarme Dichtstoffe für den Innenraum RAL-UZ 123 Emissionsarme Dichtstoffe für den Innenraum RAL-UZ 123 Emissionsarme Dichtstoffe für den Innenraum
EU-Umweltzeichen (Blume) - - -
Österreichisches Umweltzeichen - - -
natureplus-Qualitätszeichen

x

(nur für Produkte aus nachwachsenden bzw. mineralischen Rohstoffen)

x

(nur für Produkte aus nachwachsenden bzw. mineralischen Rohstoffen)

x

(nur für Produkte aus nachwachsenden bzw. mineralischen Rohstoffen )

Nordischer Schwan - - -
EMICODE
/ Raumlufthygiene (nur lösemittelfrei möglich)
EC1plus (sehr emissionsarm) -
EC2 (emissionsarm)
EC1plus (sehr emissionsarm) -
EC2 (emissionsarm)
EC1plus (sehr emissionsarm) -
EC2 (emissionsarm)
  GISBAU Klassifizierungs-system

Das GISBAU Klassifizierungssystem ermöglicht es durch den GISCODE oder GISBAU Produktcode, Produkte von denen die gleichen Gesundheitsgefahren ausgehen, in einer Gruppe zusammenzufassen. Die Klassifizierung ist auf den Arbeitsschutz ausgerichtet. Gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) ist grundsätzlich das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen zu verwenden. (siehe unten: Ersatzproduktgruppe prüfen?) Inhalt aufklappen

   

GISBAU Produkt-Code / GISCODE

-.

GISBAU führt folgende Produktgruppen für Silikon-Dichtstoffe:

 

  • Silikonkautschuk-Dichtungsmassen, Acetat-System
  • Silikonkautschuk-Dichtungsmassen, Acetat-System, xylolhaltig
  • Silikonkautschuk-Dichtungsmassen, Alkoxy-System (2-Methoxyethanol-freisetzend)
  • Silikonkautschuk-Dichtungsmassen, Alkoxy-System (methanol-freisetzend)

Es existieren jedoch keine Produkt-Codes oder GISCODES.

analog anwendbar:
Verlegewerkstoffe, methoxy-
silanhaltig RS10

GefStoffV: Prüfung von Alternativen erforderlich? (Minimierungsgebot)

lösemittelfreie Systeme sind zu bevorzugen Acetat-Systeme mit möglichst geringem Lösemittelgehalt sind zu bevorzugen lösemittelfreie Systeme sind zu bevorzugen
  Umweltprodukt-deklaration (EPD)

Die Umweltproduktdeklaration (EPD = Environmental Product Declaration) eines Produktes macht Aussagen zum Energie- und Ressourceneinsatz und in welchem Ausmaß ein Produkt zu Treibhauseffekt, Versauerung, Überdüngung, Zerstörung der Ozonschicht und Smogbildung beiträgt. Außerdem werden Angaben zu technischen Eigenschaften gemacht, die für die Einschätzung der Performance des Bauproduktes im Gebäude benötigt werden, wie Lebensdauer, Wärme- und Schallisolierung oder den Einfluss auf die Qualität der Innenraumluft.1 Inhalt aufklappen

   
EPD1 + + +
Branchen-EPD1 - - -
  Umweltindikatoren

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren wie z.B Primärenergieaufwand, Abfall, Abiotischer Ressourcenverbrauch, Ozonabbaupotential, Treibhauspotential usw. liefert die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB. Inhalt aufklappen

   
Ökobau.dat-Datensätze siehe 6. Kunststoffe / 6.7 Dichtmassen / 6.7.6 Acrylat siehe 6. Kunststoffe / 6.7 Dichtmassen / 6.7.2 Silikon Datensätze für MS-Hybrid-Dichtstoffe liegen noch nicht vor (Stand 03/2015)
  Sonstiges

Sonstige freiwillige Produktkennzeichnungen, die Informationen zur Umwelt- und Gesundheitsrelevanz von Produkten liefern können. Inhalt aufklappen

   
baubook-Deklaration Die Plattform baubook bietet für Händler und Hersteller von Bauprodukten die Möglichkeit einer online-Deklaration anhand von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Dichtstoffe finden sich Produktdeklarationen unter Abdichtstoffe und Klebemassen.
+
Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe vorhanden
-
Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe nicht vorhanden
./.
Zeichen / Label für diese Produktgruppe nicht relevant
x
Produkte aus dieser Produktgruppe können die Kriterien des Zeichens/Labels definitionsgemäß nicht erfüllen

1 Die hier als vorhanden markierten EPDs und Branchen-EPDs sind als Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu verstehen und finden sich z.B. auf den Seiten des IBU Institut Bauen und Umwelt e.V..

MS Hybrid-Dichtstoffe

Bewertungssysteme

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)

   
  Wofür steht das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)? Inhalt aufklappen
 

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMUB steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen.
Ausführliche Informationen zum BNB-System siehe www.nachhaltigesbauen.de

  Welche Informationen liefert WECOBIS für BNB im Reiter Bewertungssysteme? Inhalt aufklappen
 

WECOBIS führt in den Datenblättern der Bauproduktgruppen umfangreiche Informationen zur Beantwortung der verschiedenen Fragestellungen im Hinblick auf Umwelt- und Gesundheitsaspekte. Im Reiter Bewertungssysteme bietet WECOBIS gezielt Antworten auf Fragestellungen baustoffrelevanter Steckbriefe. Durch die Bündelung von Aspekten z.B. bzgl. der Risiken für die lokale Umwelt, Fragen zur Innenraumhygiene und der Thematik Rückbau, Trennung, Verwertung gibt WECOBIS gezielte Hilfestellung bei der Einordnung einzelner Baustoffe. Tiefergehende Informationen finden sich über die Verknüpfungen in den jeweiligen Datenblättern.
Hinweis: Eine abschließende Beurteilung im Rahmen des Bewertungssystems und der genannten Kriterien erfolgt jedoch grundsätzlich in Abhängigkeit weiterer baulicher Gegebenheiten (z.B. eingebaute Menge).

BNB-Kriterium BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau)

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_1.1.6 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

BNB-Kriterium BN_1.1.6 zielt auf die Reduzierung bzw. Vermeidung von Stoffen und Produkten beim Neubau, die aufgrund ihrer stofflichen Eigenschaften oder Rezepturbestandteile ein Risikopotenzial für Grundwasser, Oberflächenwasser, Boden und Luft (auch Innenraumluft) enthalten. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 5 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung der Substitution eines Stoffes.

Für den Umgang mit Materialien im Bestand und deren Einordnung ist Kriteriensteckbrief BK_1.1.6. heranzuziehen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau) und BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

Einordnung der MS Hybrid-Dichtstoffe (SMP):

Für die Bewertung nach Kriterium BNB_BN_1.1.6 (Version V 2014_1) werden sechs potenzielle Schadstoffgruppen betrachtet. Für die Einordnung der MS Hybrid-Dichtstoffe gemäß 1.1.6 sind die hervorgehobenen Schadstoffgruppen 1 und 4  relevant: 
1  Gefährliche und besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC)
2  Gefährliche Stoffe, die ausgelaugt werden können (für Anwendungen in Kontakt mit Boden oder Wasser)
3  Schwermetalle (bei Bodenbelägen als Stabilisatoren in Kunststoffen)
4  Flüchtige organische Verbindungen (VOC) einschließlich organische Lösemittel
5  Halogenierte Kälte- und Treibmittel
6  Biozide

MS Hybrid-Dichtstoffe werden in 1.1.6 über folgende Einsatzbereiche adressiert (s. BNB_BN_1.1.6 Anlage 1 / Allgemeine Anforderungsliste, Anlage 2 / Einzelstoffe mit besonders besorgniserregenden Eigenschaften):

  • Pos. 8 Vor-Ort verarbeitete Dichtungsmassen, Fugendichtstoffe, Klebstoffe / PU, SMP, Acrylat- oder Silikon / punkt- und linienförmige Abdichtungen im Innenraum incl. TGA
  • Pos. 9 Vor-Ort verarbeitete Kleb- und Fugendichtstoffe / Kleb- und Dichtstoffe für die Herstellung der Luftdichtigkeit an Fassade innen und außen

Ausgenommen von Pos. 8 sind Bereiche mit sicherheitsrelevanten, bauaufsichtlichen Anforderungen wie z.B. die Bereiche Glasbau, Fassade und Bereiche mit Brandschutzanforderungen.

Im Folgenden werden die Anforderungen an die Verwendung von MS Hybrid-Dichtstoffen dargestellt.

Qualitätsniveau (QN)

Anforderungen an MS Hybrid-Dichtstoffe (SMP) im Innenraum (in Bereichen ohne sicherheitsrel., bauaufs. Anf.) (gem. Pos. 8)

Anforderungen an MS Hybrid-Dichtstoffe (SMP) im Innenraum oder Außenraum für die Herstellung der Luftdichtigkeit der Fassade (gem. Pos 9)

nur zur Info (kein typischer Anwendungsbereich für MS Hybrid-Dichtstoffe):
Anforderungen an Dichtstoffe im Außenbereich mit Kontakt zu Boden und Grundwasser
(gem. Pos. 39)

1 (= Mindestanforderung)

Produktdokumentation1 incl. Deklaration von SVHC der Kandidatenliste > 0,1 Gew.-% Produktdokumentation1 incl. Deklaration von SVHC der Kandidatenliste > 0,1 Gew.-%

2 (zusätzlich zu QN1)

Ausschluss von Chlorparaffinen C10-C>17

 

Ausschluss von Chlorparaffinen C10-C>17

3 (zusätzlich zu QN1)

4 (zusätzlich zu QN3)

Ausschluss von Chlorparaffinen C10-C>172

Die Anforderungen des RAL-UZ 123 (Blauer Engel) für Fugendichtstoffe oder des Emicode EC1 (auch: EC1-R) oder EC1plus (auch: EC1plus-R) müssen erfüllt sein.3

Ausschluss von Chlorparaffinen C10-C>172

Die Anforderungen des Emicode EC1 (auch: EC1-R) oder EC1plus (auch: EC1plus-R) müssen erfüllt sein oder VOC < 10g/l.3

 

5 (zusätzlich zu QN3) Dokumentation der Eluatwerte
Kommentierung

Pos 8: Die Anforderungen des RAL-UZ 123 sind relativ umfangreich, jedoch für viele am Markt befindlichen MS Hybrid-Dichtstoffe (SMP) erfüllbar.
Pos 39: Für Anwendungen mit andauernder Wassereinwirkung, also stehendem oder drückendem Wasser, sind MS Hybrid-Dichtstoff (SMP)-Fugen nicht geeignet.

Es ist möglich4, mit entsprechenden Produkten aus der Gruppe der SMP-Dichtstoffe die Anforderungen bis einschließlich QN5 zu erfüllen.

Tabelle: Anforderungen an die Verwendung von MS Hybrid-Dichtstoffen

1 Die Produktdokumentation (z.B. über Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, Sicherheitsdatenblätter) ist die Mindestanforderung, die für alle durch BNB 1.1.6 betroffenen Produktgruppen erfüllt sein muss. Zusätzlich ist für alle diese Produktgruppen immer auch die Deklaration von SVHC der Kandidatenliste nach REACH (z.B. über Sicherheitsdatenblätter, Herstellererklärung) erforderlich.

2 Die ausgeschlossenen Chlorparaffine sind auch bei Produkten mit dem Blauen Engel RAL-UZ 123 über die Vergabekriterien ausgeschlossen.

3 Sofern innerhalb der Qualitätsniveaus auf aggregierte Produktkennzeichnungen verwiesen wird (Emicode, Blauer Engel, etc.), ist es zulässig vergleichbare Nachweise (weitere Umweltzeichen, Angaben in Sicherheits- oder Produktdatenblätter etc.) heranzuziehen. Dabei bezieht sich die Vergleichbarkeit nur auf die Anforderungen hinsichtlich der jeweiligen zu betrachtenden Schadstoffgruppen.

4 Eine Aussage über die Marktverfügbarkeit kann hier nicht getroffen werden. Insbesondere da auch vergleichbare Nachweise z.B. zum geforderten Blauen Engel herangezogen werden können.

Planungs- und Ausschreibungshilfen mit Textbausteinen

Eine tabellarische Übersicht mit allen Einzelkriterien für Planung und Ausschreibung ist im neuen Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen für Dichtungsmassen / Dichtstoffe im Innenraum und für Dichtungsmassen / Dichtstoffe für sicherheitsrelevante Anwendungen zu finden. Die Tabelle dort enthält auch detaillierte Informationen zu den Nachweismöglichkeiten (z.B. über andere Produktkennzeichnungen) und damit zur Prüfung der angebotenen Produkte. Außerdem finden sich dort auch die für die verschiedenen Qualitätsniveaus zugehörigen Textbausteine.

BNB-Kriterium BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BK_1.1.6 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

Im Falle einer Sanierungsmaßnahme wird BN_1.1.6 ergänzt durch das BNB-Kriterium BK_1.1.6. Dieses zielt auf die Adressierung und Ausschleusung von Materialien in der bestehenden Bausubstanz, die ein Risikopotenzial für Mensch und Umwelt darstellen. Die Bewertung erfolgt anhand einer Einstufung der Baumaterialien in ein vorgegebenes Schadstoffkataster mit 14 Schadstoffgruppen aufgrund ihres Schädigungspotentials und der jeweiligen Sanierungsmaßnahmen. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 4 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung er Substitution eines Stoffes.

Weitere Informationen zu den Einzelkriterien im Bestand siehe BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung). Für den Einbau von neuen Materialien gilt BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau).

Die Einordnung von Materialien im Bestand erfolgt in WECOBIS jeweils gesammelt für die ganze Obergruppe der Dichtungen, Abdichtungen. Siehe dazu Dichtungen, Abdichtungen im Bestand.

Die an dieser Stelle beschriebenen MS Hybrid-Dichtstoffe (= aktuell am Markt verfügbare Produktgruppen) enthalten keine Problemstoffe, welche bei der Sanierung relevant sind.

BNB-Kriterium BN_3.1.3 - Innenraumhygiene

  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_3.1.3 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

Ziel des BNB-Kriteriums 3.1.3 ist die Sicherstellung der Luftqualität im Innenraum unter hygienischen Gesichtspunkten, die zu keinen negativen Effekten hinsichtlich der Befindlichkeit der Raumnutzer führt, die hygienische Sicherheit garantiert und somit möglichst auch eine empfundene hohe olfaktorische Luftqualität gewährleistet.
Die Bewertung erfolgt anhand der Berechnung der personenbezogenen Luftwechselrate sowie anhand von Raumluftmessungen auf den Formaldehyd- und TVOC-Gehalt.
Erfahrungsgemäß lassen sich die Referenz- und Zielwerte dann erreichen, wenn die Auswahl und Verwendung der eingesetzten Materialien auf einem ganzheitlichen Konzept zur Vermeidung von Emissionen aus Bauprodukten basiert und der Einsatz emissionsarmer Materialien die Bauphase begleitend dokumentiert wird. BNB-Kriterium 3.1.3 steht deshalb in engem Zusammenhang mit der Erfüllung der Einzelkriterien für BNB-Kriterium 1.1.6.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_3.1.3 Innenraumhygiene (Neubau)

Einordnung der MS Hybrid-Dichtstoffe

Während des Aushärtungsprozesses spalten MS-Hybrid-Dichtstoffe Alkohole wie Methanol oder 2-Methoxyethanol ab.
Eine möglichst geringe Belastung kann durch die Verwendung von Produkten mit dem EMICODE EC1plus "sehr emissionsarm" erreicht werden.

Produktgruppe Zu erwartende VOC-Emissionen Zu erwartende
Formaldehyd-­Emissionen
MS-Hybrid-Dichtstoffe möglich  keine
keine
Die Produktgruppe enthält kein Formaldehyd oder keine VOC.
möglich
Die Produkte der Produktgruppe unterscheiden sich bezüglich der zu erwartenden VOC- oder Formaldehyd-Emissionen. Bei der Produktwahl ist auf geeignete Zeichen und Deklarationen zu achten. siehe dazu die Informationen im Reiter "Zeichen & Deklarationen".
hoch
Die Produktgruppe verursacht grundsätzlich hohe VOC-Emissionen oder Formaldehyd-Emissionen. Alternativen sind vorzugsweise in der Wahl funktional gleichwertiger Baustoffe anderer Produktgruppen oder anderer Konstruktionen zu suchen.

BNB-Kriterium BN_4.1.4 - Rückbau, Trennung, Verwertung

  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_4.1.4 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

Im BNB Kriteriensteckbrief 4.1.4 werden Konstruktionen nach ihrer Rückbaubarkeit, Trennbarkeit und Verwertbarkeit eingestuft.
WECOBIS kann eine aktuelle Information über mögliche Umwelt- und Gesundheitsgefährdungsaspekte im Zuge von Rückbau und Entsorgung auf Bauproduktgruppenebene geben. Eine Betrachtung von ganzen Konstruktionen kann derzeit in WECOBIS noch nicht erfolgen. Ein Bauteilmodul ist jedoch in planung. Ergänzend zu Leitfäden und Arbeitshilfen helfen die bauproduktgruppenspezifischen Aspekte dem Koordinator jedoch auch jetzt schon, die Komponenten Umwelt und Gesundheit für den Steckbrief 4.1.4 einzuordnen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_4.1.4 – Rückbau, Trennung, Vewertung

Einordnung der MS Hybrid-Dichtstoffe

Rückbaubarkeit

Für die Bewertung wirkt sich der Einsatz abfallarmer Konstruktionen, die die Möglichkeit eines sortenreines Rückbaus erlauben, günstig aus. Die Rückbaubarkeit beschreibt den Aufwand, der für Demontage oder Abbruch eines Bauteils aus dem Gebäudeverband nötig ist.
Dichtstoffe können nur mit sehr hohem Aufwand ausgebaut werden. Die Rückbaubarkeit ist deshalb kaum gegeben.

Sortenreinheit

Die Sortenreinheit beschreibt den Aufwand, der für die sortenreine Trennung mehrschichtiger und / oder inhomogener Bauteile anfällt.
Dichtstoffe können nur mit hohem Aufwand sortenrein zurückgebaut werden. Sie treten im Rückbau oft auch als Anhaftungen an anderen Baustoffen in Erscheinung und können die Recyclingfähigkeit dieser Baustoffe vermindern.

Verwertbarkeit

Für die Bewertung der Verwertbarkeit der Baustofffraktionen gelten die zur Zeit der Bewertung am Markt aktuell verfügbaren technischen Verfahren. Alternativ können bei Bauteilen mit langer zu erwartender Nutzungsdauer Forschungsvorhaben, die praktikable Lösungsmöglichkeiten in absehbarer Zeit zur Verfügung stellen können, positiv bewertet werden. 

Da Dichtstoffe immer mit anderen Baustoffen verbunden sind und ihre Funktion die möglichst starke und andauernde Haftung auf dem Untergrund bedingt, können sie oft nur als Anhaftung an anderen Baustoffen entsorgt werden.

  • Eine stoffliche Verwertung ist bei Dichtstoffen nicht möglich.
  • Die energetische Verwertung von reinen Dichtstoffen ist möglich und führt bei vorschriftsgemäßer Rauchgasreinigung zu keinen relevanten Emissionen. Sofern die Dichtstoffe als Anhaftungen zusammen mit anderen brennbaren Abfällen entsorgt werden, stellt die energetische Verwertung den besten Entsorgungsweg dar.
  • Dichtstoffe können als Anhaftungen auf Bauteilen in die Deponie gelangen. Die Abbauprodukte stellen eine Belastung für die Deponieabwässer dar.

Quellen

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt, abrufbar unter BNB_BN_1.1.6 Stand Oktober 2015 (Online-Quelle in Überarbeitung)

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 3.1.3 Innenraumhygiene, abrufbar unter BNB_BN2011-1_313 (Online-Quelle)

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 4.1.4 Rückbau, Trennung und Verwertung, abrufbar unter BNB_BN2011-1_414 (Online-Quelle)

MS Hybrid-Dichtstoffe

Technisches

Technische Daten

Spez. Gewicht
1,3 - 1,5 g/cm3
Hautbildungszeit (+23°C/50% r.F.)
15 - 180 Minuten
Durchhärtung (+23°C/50% r.F.)
2 - 3 mm/Tag
Volumenänderung
< -3 bis 10%
Dehn-Spannungswert bei 100%
(DIN 52455 NWT-I-A2-100)
0,3 - 0,9 N/mm2
Shore-A-Härte (DIN 53505, 4 Wochen 23°C/50% r.F.)
25 - 40
Max. Bewegungsaufnahme
15 - 25%
Temperaturbeständigkeit
-40°C bis +80°C
Verarbeitungstemperatur
0°C bis +40°C

Technische Regeln (DIN, EN)

DIN 18195 Bauwerksabdichtungen
DIN EN 15651 Fugendichtstoffe für nicht tragende Anwendungen in Gebäuden und Fußgängerwegen
DIN EN ISO 6927 Bauwesen - Dichtstoffe - Begriffe

Bauregelliste

Das Deutsche Institut für Bautechnik stellt in den Bauregellisten A, B und C die technischen Regeln für Bauprodukte und Bauarten sowie bauaufsichtlich geregelte und nicht geregelte Bauprodukte und Bauarten auf.
Nach Zustimmung der obersten Bauaufsichtsbehörden der Länder wird die Bauregelliste bekannt gegeben. Erwerb und weiterführende Informationen zu Bauregelliste und ihren Regelungsbereichen siehe unter → www.dibt.de
Eine Darstellung und Erläuterungen zur Klassifizierung von Bauprodukten siehe im Lexikon → Klassifizierung von Bauprodukten

MS Hybrid-Dichtstoffe

Literaturtipps

BUWAL (1995): Bauprodukte und Zusatzstoffe in der Schweiz, Schriftenreihe Umwelt Nr. 245 Umweltge­fährdende Stoffe

Härig, S., Klausen, D., Hoscheid, R. (2003): Fugendichtstoffe, In: Technologie der Baustoffe, C. F. Müller Verlag Heidelberg

Kittel, H., Reul, H. (Hrsg.) (2005): Lehrbuch der Lacke und Beschichtungen, Band 7, Produkte für das Bauwesen, Beschichtungen, Bauklebstoffe, Dichtstoffe, Hrsg: S. Hirzel Verlag Stuttgart, 2. Auflage

Pröbster, Manfred (2008): Baudichtstoffe: Erfolgreich Fugen abdichten, Hrsg: Vieweg + Teubner Verlag, Wiesbaden

Umwelt Bundesamt (2007): Umwelt- und Gesundheitsanforderungen an Bauprodukte, Publikation des Umweltbundesamtes (Download)

MS Hybrid-Dichtstoffe

Rohstoffe / Ausgangsstoffe

Hauptbestandteile

MS-Hybrid-Dichtstoffe 2.1.1

Abb. 1: Zusammensetzung nach Funktionen

Als Bindemittel werden MS Polymer-Dichtstoffen silanmodifizierten Polymere eingesetzt. Ihr Anteil im Dichtstoff beträgt rund 33 Massen-%. Je nach gewünschten Eigenschaften können höhere oder tiefere Polymeranteile vorkommen. Wird mehr silanmodifiziertes Polymer eingesetzt, so kann der Weichmacheranteil tendenziell gesenkt werden.

Als Füllstoffe werden Gesteinsmehle z.B. aus Kalk am häufigsten eingesetzt. Gemessen am Gesamtgewicht beträgt der Anteil der Füllstoffe rund 40 %, womit sie den größten Anteil im Dichtstoff ausmachen.

Ebenfalls prominent vertreten sind die Weichmacher mit ca. 18 % Massenanteil. Hierfür werden z.B. Siliconöle, Phtalate oder Paraffin eingesetzt. Weichmacherfreie Systeme sind ebenfalls erhältlich.

Das Weißpigment Titandioxid hat einen Massenanteil von rund 7%. Wenn andere Farben gewünscht sind, können Ruß zur Erreichung von Grau- bis Schwarztönen oder fast beliebige Farbpigmente beigegeben werden.

Alle weiteren Hilfsstoffe machen gemeinsam etwa 4% der Mischung aus. Unter den Begriff der Hilfsstoffe fallen eine Vielzahl in geringer Dosierung eingesetzter Substanzen:

  • Thixotropiermittel erhöhen die Elastizität der Fuge unter Scherbelastung
  • Antioxidantien verhindern, dass Sauerstoff die Rezepturbestandteile angreifen kann
  • UV-Stabilisatoren schützen die Fuge vor der Zersetzung durch UV-Strahlung
  • Vinylsilane nehmen eindiffundierendes Wassers während der Lagerung auf
  • Amino- oder Epoxydsilane werden als Haftvermittler zwischen Fuge und Untergrund beigegeben.
  • Organische Zinnverbindungen wirken als Katalysator bei der Reaktion der Bestandteile unmittelbar nach dem Aufbringen der Fugendichtmasse
  • In manchen Produkten sind in geringen Gewichtsanteilen auch Lösemittel enthalten.

Unter den Hilfsstoffen finden sich auch umweltrelevante Bestandteile. So werden z.B. als Katalysatoren Zinnverbindungen eingesetzt und bei den Weichmachern u.a. auch Phtalate. Die eingesetzten Katalysatormengen sind allerdings so gering, dass das fertige Produkt nicht als umweltgefährdend klassiert werden muss.

Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Gewinnung der Primärrohstoffe

MS Hybrid-Dichtstoffe enthalten keine nachwachsenden Rohstoffe. Die silanmodifizierten Polymere sowie ein Teil der Hilfsstoffe werden aus Erdölfraktionen gewonnen. Die Gewinnung der fossilen Rohstoffe aus Erdöl, Erdgas und Kohle ist mit Umweltrisiken verbunden.

Die Pigmente können aus Metallerzen in relativ energieintensiven Prozessen z. B. Titandioxid als Weisspigment), aus Ruß (Grautöne) oder durch Synthese komplexer organischer Verbindungen (spezielle Farben) hergestellt werden. Als Füllstoffe werden Gesteinsmehle wie z.B. Kaolin eingesetzt, deren Grundgesteine im Bergbau gewonnen und danach gemahlen werden.

Verfügbarkeit

Mit der allmählichen Erschöpfung der Erdölvorräte vermindert sich auch das Potential zur Gewinnung von Kunststoffen in wenigen Jahrzehnten. Allerdings könnten die Rohstoffe zur Herstellung von Kunststoffen auch aus Kohle hergestellt werden, was jedoch mit einem größeren Energieaufwand verbunden wäre.

Die mineralischen Rohstoffe sind auch mittelfristig gut verfügbar. Die energieintensiven Abbauprozesse sind jedoch ebenfalls an die Verfügbarkeit größerer Energiemengen gekoppelt.

Verwendung von Recyclingmaterialien / Produktionsabfällen

Bei der Herstellung der Dichtstoffe dürften kaum Produktionsabfälle entstehen. Rückstände durch Wartungsarbeiten, Fehlchargen u. dgl. können nicht wieder eingesetzt werden.

Radioaktivität

MS Hybrid-Dichtstoffe sind nicht radioaktiv. Für die Abdichtung bestehender Gebäude gegen eindringendes Radon können Dichtmassen für den Verschluss bestehender Fugen eingesetzt werden. Radon gelangt aus dem Untergrund zuerst in die Kellergeschosse eines Gebäudes und von dort in das restliche Gebäude. Über die Entstehung von Radon im Untergrund und die damit einhergehende Radonproblematik informiert der Lexikonbegriff natürliche Strahlenexposition ausführlich.

Bei Neubauten in Gebieten mit erhöhter Radon-Belastung soll die Belastung am Baustandort abgeklärt werden. Falls eine erhöhte Radonbelastung festgestellt wird, sind Maßnahmen vorzusehen, um die Belastung des Innenraums mit Radon niedrig zu halten. Alle Abdichtungsbahnen sind grundsätzlich für die Radonabdichtung geeignet. Wesentlich für den Erfolg der Maßnahme ist die Radon-dichte Ausführung aller Anschlüsse und Nähte.

Im Bestand steht als Alternativen zur Abdichtung des Baugrundes die Abdichtung des Erdgeschosses gegenüber dem Keller mit Absaugung der Kellerluft zur Verfügung.

Weitere Informationen zur Radioaktivität sind auf der Webseite des Bundesamts für Strahlenschutz abrufbar.

Landinanspruchnahme (Landuse)

Die Erdölgewinnung für die Kunststoffherstellung ist mit geringem Flächenverbrauch für die Erdölgewinnung und die Raffineriestandorte verbunden. Durch Leckagen während der Erdöl-Förderung oder des Erdöl-Transports können allerdings die Ökosysteme beträchtlicher Flächen längerfristig geschädigt werden.

Der Abbau der mineralischen Komponenten erfolgt im Tagebau (Steinbruch), was zu einer großflächigen Landschaftsveränderung führen kann.

Quellen

Kittel, H., Reul, H. (Hrsg.) (2005): Lehrbuch der Lacke und Beschichtungen, Band 7, Produkte für das Bauwesen, Beschichtungen, Bauklebstoffe, Dichtstoffe, Hrsg: S. Hirzel Verlag Stuttgart, 2. Auflage

MS Hybrid-Dichtstoffe

Herstellung

Prozesskette

Prozesskette MS-Hybrid-Dichtstoffe

Herstellungsprozess

Die Herstellung der Ausgangsstoffe für MS-Polymer erfolgt vorwiegend in großen Chemieindustriebetrieben. MS-Polymer ist die Entwicklung eines japanischen Unternehmens Ende der 70er Jahre, das nach wie vor eine starke Marktstellung innehat, weitere Produzenten sind jedoch in Europa und den USA aktiv.

Die Herstellung von Dichtmassen aus MS-Polymer erfolgt im sogenannten "Hot Process": Während der Herstellung des Dichtstoff-Gemisches wird die Charge aufgeheizt und im Vakuum getrocknet. Dies ist nötig, damit die fertige Masse nicht zu viel Wasser für die Lagerung enthält. Ein zu hoher Wasseranteil würde zur vorzeitigen Reaktion der Komponenten bereits im Gebinde führen.

Umweltindikatoren / Herstellung

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren in WECOBIS soll zukünftig ausschließlich die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB liefern.

Die Ökobau.dat stellt Umweltprofile für Bauprodukte bereit, die als erforderliche Datengrundlage für die Lebenszyklusanalyse eingesetzt werden. Für Bauprodukte gibt es Herstellungs- und End-of-Live- Datensätze.

Weiterführende Informationen zur Ökobau.dat im Zusammenhang mit dieser Produktgruppe finden sich in WECOBIS unter Fachinformationen / Reiter Umweltdeklarationen → Ökobau.dat / Umweltindikatoren

Da in der Herstellung von Bauprodukten ein großer Anteil der verursachten Umweltbelastungen auf den Verbrauch von nicht erneuerbaren Energieträgern zurückzuführen ist, stellt die Graue Energie (kumulierter Primärenergieaufwand nicht erneuerbar) dafür einen guten Indikator dar.

Im Kapitel Energieaufwand finden sich ggf. allgemeine Informationen zum Thema, die die Produktgruppe prägen.

Energieaufwand

Der Energieaufwand für die Herstellung ist wegen des "Hot Process"-Verfahrens (siehe oben) energieintensiver als bei anderen Dichtstoffen. Leider sind keine aktuellen Ökobilanzdaten für MS Hybrid-Dichtmassen verfügbar.
Dichtmassen tragen allerdings nur einen sehr geringen Teil zum Primärenergieaufwand eines Gebäudes bei. Eine Optimierung hinsichtlich der Grauen Energie sollte deshalb bei den Baustoffen ansetzen, die in größeren Mengen verbaut werden.

MS Hybrid-Dichtstoffe

Verarbeitung

Technische Hinweise / Verarbeitungsempfehlungen

MS Hybrid-Dichtstoffe sind in der Verarbeitung relativ unproblematisch. Sie können in einem weiten Temperaturspektrum von 5 °C bis 40 °C eingesetzt werden. Der Volumenschwund fällt bei MS Hybrid-Dichtstoffen gering aus und liegt im Bereich von weniger als 3%. Sie sind in der Verarbeitung weicher als Silikon- oder Acryl-Dichtstoffe.

Arbeitshygienische Risiken

Allgemeines

Die bei der Aushärtung von MS Hybrid-Fugen abgespalteten Alkohole sind bezüglich Ihrer Wirkung auf die Gesundheit als kritisch einzustufen. Emissionsarme Produkte sind deshalb vorzuziehen (z. B. mit EMICODE gekennzeichnete). Eventuell kann der eingesetzte Weichmacher beim Einatmen gesundheitsschädlich sein. Angaben dazu sind dem Sicherheitsdatenblatt des eingesetzten Produkts zu entnehmen. Insgesamt gelten Dichtstoffe auf der Basis von MS-Polymer als arbeitshygienisch wenig bedenklich.

AGW-Werte

Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW) gemäss TRGS 900 existieren für die abgespaltenen Alkohole Methanol und 2-Methoxyethanol.

REACH / CLP

Die REACH-Verordnung regelt die Herstellung, das Inverkehrbringen und den Umgang mit Industriechemikalien. Zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen, dient die CLP-Verordnung (Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen), um ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu gewährleisten.

Wird ein Produkt nicht als Stoff oder Gemisch, sondern als Erzeugnis eingestuft, ist kein Sicherheitsdatenblatt (SDB) erforderlich und Gefahrstoffbezeichnungen entfallen. Lediglich besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) müssen ausgewiesen werden.

MS Hybrid-Dichtstoffe werden als Gemisch eingestuft.

Produkt-bezogene Informationen gemäß CLP-Verordnung müssen daher in den Sicherheitsdatenblättern (SDB) der jeweiligen Produkte ausgewiesen sein.

Einstufungen und Gesundheitsgefahren nach GISBAU

Für MS Hybrid-Dichtstoffe exstieren keine GISBAU Produkt-Codes oder GISCODES (Stand 7/2013).

Emissionen

MS Hybrid-Dichtstoffe spalten beim Aushärten unter der Einwirkung von Luftfeuchtigkeit Alkohole ab. Unter diesen Substanzen können sich auch Verbindungen befinden, die je nach Konzentration gesundheitsschädlich sein können. Beispielsweise emittieren gewisse Dichtstoffe Methanol oder 2-Methoxyethanol. Methanol ist u.a als giftig beim Einatmen und bei Berührung der Haut eingestuft. 2-Methoxyethanol ist reproduktionstoxisch. Diese Wirkung kann auch bei Einhaltung der Luftgrenzwerte auftreten und insbesondere bei Hautkontakt, da der Stoff auch durch die Haut in den Körper aufgenommen werden kann.
Um die Haftung der Dichtungsmassen auf den Oberflächen zu verbessern, werden zum Teil lösemittelhaltige Voranstriche eingesetzt. Bei der Verwendung von lösemittelhaltigen Produkten muss generell mit Grenzwertüberschreitungen und den damit verbundenen Ge­sundheitsgefahren gerechnet werden. Obwohl bei Fugendichtungen die bearbeitete Ober­fläche relativ klein ist, ist auch hier beim Verarbeiten von lösemittelhaltigen Voran­strichen Vorsicht geboten. Es sollten wenn möglich aromatenfreie oder –arme Produkte verwendet werden.
MS Hybrid-Dichtstoffe

Nutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiken Neuzustand

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

Während des Aushärtungsprozesses spalten Fugen aus MS-Hybrid Alkohole wie Methanol oder 2-Methoxyethanol ab.

Der Ausschuss zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten (AgBB) hat ein Bewertungsschema (AgBB-Bewertungsschema) zur gesundheitlichen Bewertung der Emissionen von flüchtigen organischen Verbindungen (VOC und SVOC) aus Bauprodukten entwickelt. Darin sind auch Anforderungen für Dichtstoffe formuliert.

Um das Emissionsverhalten von Produkten zuverlässig beschreiben zu können, wurde 1997 von der GEV (Gemeinschaft Emissionskontrollierte Verlegewerkstoffe e.V., Düsseldorf) das Klassifizierungssystem EMICODE eingeführt. Dichtstoffe mit EMICODE-Klassierungen EC1plus, EC1 oder EC2 weisen deutlich geringere Emissionen auf, als im AgBB-Bewertungsschema gefordert.

Umwelt- und Gesundheitsrisiken bei bestimmungsgemäßer Nutzung

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Außenraum

Die Dichtmassen können umweltrelevante Bestandteile wie Weichmacher und Katalysatoren enthalten, die durch Abwitterung, Versprödung, Diffusion oder bei der Renovierung (z.B. durch Schleifen) in die Umwelt gelangen können.

Umwelt- und Gesundheitsrisiken im Schadensfall

Wassereinwirkung

Für Anwendungen mit andauernder Wassereinwirkung, also stehendem oder drückendem Wasser, sind MS Hybrid-Fugen nicht geeignet.

Beständigkeit Nutzungszustand

Unter der Rubrik Baustoff- und Gebäudedaten / Nutzungsdauern von Bauteilen findet sich auf dem Informationsportal Nachhaltiges Bauen eine Datenbank mit Nutzungsdauerangaben von ausgewählten Bauteilen des Hochbaus für den Leitfaden „Nachhaltiges Bauen“.

Datenbank als PDF

Instandhaltung

MS Hybrid-Fugen sind nicht vollständig klebfrei. Damit einhergehend kann in speziellen Situationen mit relativ hoher Verschmutzung eine leicht erhöhte Tendenz zur Schmutzablagerung erwartet werden.

Quellen

Kittel, H., Reul, H. (Hrsg.) (2005): Lehrbuch der Lacke und Beschichtungen, Band 7, Produkte für das Bauwesen, Beschichtungen, Bauklebstoffe, Dichtstoffe, Hrsg: S. Hirzel Verlag Stuttgart, 2. Auflage

MS Hybrid-Dichtstoffe

Nachnutzung

Wiederverwendung

Dichtfugen können nicht wiederverwendet werden.

Stoffliche Verwertung

Dichtstoffe können nicht stofflich verwertet werden. Da sie auf anderen Bauteilen anhaften, ist eine sortenreine Erfassung praktisch nicht möglich. Mit Dichtstoffen behandelte Baustoffe werden in ihrer Recyclierbarkeit beeinträchtigt. Dies kann zu Qualitätseinbußen von Sekundärbaustoffen führen. Dies gilt insbesondere für mineralische Baustoffe wie Gipsbaustoffe, Mauerwerk und Beton.

Energetische Verwertung

Alle Dichtstoffe können gesundheits- und umweltgefährdende Stoffe enthalten. Gemäß der Gewerbeabfallverordnung (GewAbfV) sollen Dichtstoff-Abfälle mit den Kunststoffen gesammelt und einer thermischen Verwertung zugeführt werden. Falls die Abfälle gemischt erfasst werden, sind sie einer Vorbehandlungsanlage zuzuführen. Die Verwertung ist in beiden Fällen vorgeschrieben. Bei der Verbrennung von Dichtstoffresten oder brennbaren Materialien, die damit verunreinigt sind, ergeben sich keine besonderen Entsorgungsprobleme. Die Verbrennung erzeugt bei vorschriftsmäßiger Rauchgasreinigung keine relevanten Emissionen.

Beseitigung / Verhalten auf der Deponie

MS Hybrid-Dichtmassen können als organische Verunreinigung mineralischer Baustoffe auf die Deponie gelangen, wo sie über längere Zeiträume abgebaut werden. Spezifische Untersuchungen zum Verhalten der Stoffgruppe in Inertstoff-Deponien sind nicht vorhanden.

EAK-Abfallschlüssel

Restentleerte Metallgebinde können als Metallschrott verwertet werden. Auf einer vorbildlichen Baustelle werden keine Gebinde in die Kanalisation ausgewaschen. Die umweltgerechten Entsorgungsleistungen beim Arbeiten mit Dichtstoffen sind bereits in der Ausschreibung für alle Unternehmen festzulegen.

Die Zuordnung von Abfallschlüsseln kann je nach Bundesland unterschiedlich gehandhabt werden. Zudem ist die Zuordnung davon abhängig, wo er Abfall anfällt. Einem Baustellenabfall wird ein anderer Abfallcode zugewiesen als einem Abfall aus einem Gewerbebetrieb oder einem Privathaushalt. Die aufgeführten Abfallcodes stehen deshalb nur als Hinweis und können nicht jeden konkreten Entsorgungsfall abdekcen. Daher ist im konkreten Fall eine Abklärung mit den zuständigen Behörden oder dem beauftragten Entsorgungsunternehmen notwendig. Die bei Dichtstoff-Arbeiten oder im Rückbau anfallenden Abfälle sind wie folgt zu entsorgen:

Zustand
Abfall-
Volumen
Entsorgung als
EAK-
Abfall-
schlüssel
Entsorgung
Verpackungen
mit Resten
Reste
ausgehärtet
gering
Hausmüll
-
Hausmülltonne
Verpackungen
mit Resten
Reste
ausgehärtet
hoch
Klebstoff- und Dichtmassenabfälle, die organische Lösemittel oder andere gefährliche Stoffe enthalten
 
Klebstoff- und Dichtmassenabfälle mit Ausnahme derjenigen, die unter 08 04 09 fallen
 
Gemischte Bau- und Abbruchabfälle mit Ausnahme derjenigen, die unter 17 09 01, 17 09 02 und 17 09 03 fallen
08 04 09*
 
08 04 10
 
17 09 04
Entsorger
Verpackungen
mit Resten
Reste nicht
ausgehärtet
-
Klebstoff- und Dichtmassenabfälle, die organische Lösemittel oder andere gefährliche Stoffe enthalten
 
Klebstoff- und Dichtmassenabfälle mit Ausnahme derjenigen, die unter 08 04 09 fallen
08 04 09*
 
08 04 10
Entsorger
Dichtstoffreste
ausgehärtet
gering
Hausmüll
-
Hausmülltonne
Dichtstoffreste
ausgehärtet
hoch
Klebstoff- und Dichtmassenabfälle, die organische Lösemittel oder andere gefährliche Stoffe enthalten
 
Klebstoff- und Dichtmassenabfälle mit Ausnahme derjenigen, die unter 08 04 09 fallen
 
Gemischte Bau- und Abbruchabfälle mit Ausnahme derjenigen, die unter 17 09 01, 17 09 02 und 17 09 03 fallen
08 04 09*
 
08 04 10
 
17 09 04
Entsorger
Dichtstoffreste
nicht
ausgehärtet
-
Klebstoff- und Dichtmassenabfälle, die organische Lösemittel oder andere gefährliche Stoffe enthalten
 
Klebstoff- und Dichtmassenabfälle mit Ausnahme derjenigen, die unter 08 04 09 fallen
08 04 09*
 
08 04 10
Entsorger

Quellen

Verordnung über das Europäische Abfallverzeichnis (Abfallverzeichnis-Verordnung – AVV, zuletzt geändert am 24. Februar 2012). Online-Quelle abgerufen am 11.7.2012

LAGA (2003): Vollzugshinweise zur Gewerbeabfallverordnung (Download)