Bitumen-Dachbahnen

Produktgruppeninformation

Begriffsdefinition

Unter dem Oberbegriff Bitumen-Dachbahnen werden die Bahnen für Unterdächer, Unterdeckungen und Unterspannungen verstanden. Die Typen von Bitumenbahnen, die je nach Zusatzmaßnahme (Unterdach, Unterdeckung oder Unter­spannung) eingesetzt werden, sind in der folgenden Tabelle zusammengefasst:

Zusatzmaß­nahme
Bitumen­bahnen
Unterdach
-     Polymerbitumen-Steildachbahnen mit kaltselbstklebender 
      Naht
-     Polymerbitumen-Schweißbahnen (DIN V 20000-201)
-     Polymerbitumen-Dachdichtungsbahnen (DIN V 20000-201)
Unterdeckung
-     Diffusionsoffene Bitumen-Unterdeckbahnen
-     Elastomerbitumen-Schalungsbahnen
-     Bitumen-Dichtungsbahnen (DIN V 20000-201)
-     Bitumen-Dachbahnen (DIN V 20000-201)
Unterspannung
-     Elastomerbitumen-Unterspann­bahnen
-     Spezialbitumen-Unterspannbahnen

  • Ein Unterdach ist in Anlehnung an die Definition des Zentralverbandes des Deutschen Dachdeckerhandwerks eine Abdichtung aus wasserdichten Dach- oder Dichtungsbahnen auf einer tragfähigen Unterlage unter der Konterlattung. In wasserdichter Ausführung wird die Konterlattung mit Kappstreifen ebenfalls gegen Nässe abgedichtet. In regensicherer Ausführung liegt die Konterlattung über der Abdichtung. Zum Schutz der Durchdringung der Dachbahn werden Nadeldichtstreifen zwischen Konterlattung und Dachbahn eingesetzt.
  • Eine Unterdeckung ist nach derselben Quelle eine Abdichtung aus wasserundurchlässigen Bahnen auf einer tragfähigen Unterlage oder eine Zusatzmaßnahme aus Unterdeckplatten. Eine Unterdeckung wird unterhalb der Konterlattung ausgeführt.
  • Eine Unterspannung besteht aus wasserundurchlässigen Bahnen ohne flächige Unterlage, die unterhalb der Konterlattung angebracht werden.

Wesentliche Bestandteile

Die Bitumen-Dachbahnen bestehen aus einer Trägereinlage (Glasgewebe, Polyester- oder Glasfaservlies) die beidseitig mit Polymer- oder Oxidationsbitumen beschichtet ist. Die Oberflächen der Bahnen sind mit einer mineralischen Abstreuung (Sand, Talk) oder einem Kunststofffaservlies versehen. Kaltselbstklebende Bahnen sind auf der Unterseite mit einer Klebemasse versehen. Die Trägereinlagen aus Glasgewebe, Polyester- oder Glasvlies bestimmen weitgehend das mechanische Verhalten wie Festigkeit, Dehnfähigkeit und Reißfestigkeit.

Charakteristik

Polymerbitumen unterscheidet sich von Oxidationsbitumen durch den Gehalt an 5 – 12% SBS Kautschuk (Elastomere) oder ataktischem Propylen. Die Beständigkeit vor allem gegenüber Erwärmung und Kälteflexibilität werden dadurch verbessert. Der Erweichungs­punkt wird durch Polymerzusatz auf 100 °C erhöht.

Grundsätzlich können Bitumen-Dachbahnen entweder mit Polymer- oder Oxidationsbitumen beschichtet sein. Der Trend geht jedoch eindeutig Richtung mehr Polymerbitumen- und weniger Oxidationsbitumen-Bahnen

Lieferzustand

In Rollen von 1 – 1,5 m Breite

Anwendungsbereiche (Besonderheiten)

Dachbahnen werden im Steildach zur zusätzlichen Abdichtung unter der eigentlichen Dachdeckung zum Beispiel aus Ziegeln eingesetzt. Nachstehende Tabelle zeigt einige der verwendeten Typen von Bitumen-Dachbahnen, welche für Unterdächer und Unterdeckungen eingesetzt werden, sowie ihr Kurzzeichen und ihr Aufbau. Am gebräuchlichsten ist die Verlegung der Bahnen auf einer festen Unterlage (Schalung). Der Einsatz von Bitumenbahnen für Unterspannungen, wo die Bahnen zwischen den Sparren gespannt werden, ist wenig üblich.

Bitumenbahnen
Anwendung
Kurzzeichen
Aufbau
Polymerbitumen-Schweißbahnen
Unterdächer
PYE-G 200 S4
Deckschichten: Polymerbitumen
Trägereinlage: Glasgewebe oder Polyestervlies 200 g/m2
Dicke: 4 – 5 mm
PYE-G 200 S5
PYP-G 200 S4
PYP-G 200 S5
PYE-PV 200 S5
Polymerbitumen-Dachdichtungs­bahnen
Unterdächer
PYE-G 200 DD
Deckschichten: Polymerbitumen
Trägereinlage: Glasgewebe oder Polyestervlies 200 g/m2
PYE-PV 200 DD
Bitumen-Dichtungsbahnen
Unterdeckungen
G 200 DD
Deckschichten: Oxidationsbitumen
Trägereinlage: Glasgewebe oder Polyestervlies 200 g/m2
PV 200 DD
Bitumen-Dachbahnen
Unterdeckungen
V 13
Deckschichten: Oxidationsbitumen
 
Trägereinlage: Glasvlies

Quellen

Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (2010): Merkblatt für Unterdächer, Unterdeckungen und Unterspannungen

Bitumen-Dachbahnen
Bitumen-Dachbahnen

Planungs- und Ausschreibungshilfen

WECOBIS informiert produktneutral. An verschiedenen Stellen bietet WECOBIS jedoch auch Unterstützung dazu, wie sich Produkte innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer ökologischen Eigenschaften unterscheiden lassen.

Informationen hier im Reiter Ausschreibung:

  • Links zu materialökologischen Anforderungen und Textbausteinen für Planung und Ausschreibung im WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen,
  • Hinweise auf mögliche Quellen und Nachweisdokumente zu Planungs- und Ausschreibungskriterien

Übersicht Planungs- und Ausschreibungshilfen: Abdichtungsbahnen
Stand 03/2015

  Polymerbitumen-Dichtungsbahnen und -DachbahnenOxidationsbitumen-Dichtungsbahnen und Bitumen-Dachbahnen
Kunststoff-Dichtungsbahnen und Kunststoff-Dachbahnen
         
  Material-
ökologische Anforderungen
Im neuen Modul "Planungs- & Ausschreibungshilfen" bietet WECOBIS eine Übersicht zu möglichen materialökologischen Anforderungen und Textbausteine für Planung und Ausschreibung Inhalt aufklappen
   
Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS

Polymerbitumenbahnen

---

Bituminöse Voranstriche

Oxidationsbitumenbahnen

---

Bituminöse Voranstriche

Kunststoff-Dichtungsbahnen und -Dachbahnen
  Mögliche Quellen Die hier genannten Quellen, insbesondere BNB, bilden die Grundlage für Planungs- und Ausschreibungshilfen bzw. materialökologische Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS. Inhalt aufklappen
   
Bewertungssystem
Nachhaltiges Bauen

(BNB) des BMUB /
Kriterium 1.1.6 (Risiken für die lokale Umwelt)

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMUB steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen. Die o.g. Textbausteine und materialökologischen Anforderungen in WECOBIS basieren derzeit auf Kriteriensteckbrief 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt. Dieser steht in engem Zusammehang mit Kriteriensteckbrief 3.1.3 Innenraumhygiene.

Auch wenn ein Gebäude nicht zertifiziert werden soll, bilden die einzelnen Kriteriensteckbriefe eine gute Grundlage, Orientierung und Hilfestellung für die Umsetzung ökologischer Aspekte in der Gebäudeplanung.

Einordung der jeweiligen Abdichtungsbahnen hinsichtlich verschiedener Kriteriensteckbriefe siehe Reiter Bewertungssysteme in WECOBIS

Umweltbundesamt
(UBA)
Auf den Internet-Seiten des Umweltbundesamtes (UBA) befindet sich der „Informationsdienst für umweltfreundliche Beschaffung“. Die Seiten werden gerade überarbeitet, sodass sich dort derzeit aus dem Baubereich nur Ausschreibungsempfehlungen zu Elastischen Bodenbelägen, Tapeten und Raufaser finden.
baubook ökologisch ausschreiben Die Plattform baubook ökologisch ausschreiben bietet eine Sammlung von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Abdichtungsbahnen finden sich Kriterien in der Gruppe "Dichtungsbahnen, Dampfsperren, Folien".
natureplus Ausschreibungstexte naturepus Ausschreibungstexte zu Abdichtungsbahnen sind derzeit nicht vorgesehen.
  Mögliche Nachweis-
dokumente
weitere Nachweismöglichkeiten neben den folgend genannten sind Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, sowie Herstellererklärungen oder ggf. ein Anhang mit Nachhaltigkeitsmerkmalen zur bauaufsichtlichen Zulassung (abZ+). Inhalt aufklappen
   
gesetzlich vorgeschrieben: Welche Nachweisdokumente müssen vom Hersteller zur Verfügung gestellt werden? Welcher Nachweis kann damit erbracht werden?
REACH / CLP:
Sicherheitsdatenblatt (SDB)
Abdichtungsbahnen werden als Erzeugnis eingestuft. Für Erzeugnisse ist kein SDB vorgeschrieben. Die pflichtgemäße Leistungserklärung zur CE-Kennzeichnung für Bauprodukte, die unter den Geltungsbereich der BauPVO fallen, muss Angaben über SVHC enthalten. Für alle Bauprodukte (Erzeugnisse), also auch solche, die nicht im Geltungsbereich der BauPVO liegen, besteht ein Auskunftsrecht für SVHC. Für die Anfrage an den Hersteller steht auf dem Informationsportal des Umweltbundesamtes zu REACH ein Musterbrief zum Download zur Verfügung.
Leistungserklärung gemäß BauPVO mit Angaben zu SVHC + + +
freiwillige Produktkenn-zeichnungen / -deklarationen Für einige Bauproduktgruppen existieren freiwillige Produktkennzeichnungen oder -deklarationen wie z.B. Umweltzeichen oder Umweltproduktdeklarationen, die als Nachweis für materialökologische Anforderungen dienen können. Eine Übersichtstabelle dazu mit detaillierten Informationen zu Abdichtungsbahnen findet sich im Reiter Zeichen & Deklarationen.

Weitere planungs- und ausschreibungsrelevante Informationen in WECOBIS

Allgemeine Unterstützung zum Umgang mit Nachhaltigkeitsaspekten in Planung und Ausschreibung sowie Hinweise auf Leitfäden, Arbeitshilfen und Veröffentlichungen zum Nachhaltigen Bauen bietet das neue WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen unter Allgemeine Infos.

Bitumen-Dachbahnen

Umweltdeklarationen

Die folgende Tabelle liefert eine Übersicht zu Zeichen & Deklarationen aus dem Bereich der Abdichtungsbahnen. Neben Herstellererklärungen, Informationen in Sicherheitsdatenblättern (SDB), Leistungserklärungen oder allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen (abZ) können diese den Nachweis für umwelt- und gesundheitsrelevante Kriterien in Planung und Ausschreibung (s. Reiter Ausschreibung) ermöglichen. Detaillierte Informationen finden sich außerdem in den einzelnen Produktgruppen.

Übersicht Umweltdeklarationen: Abdichtungsbahnen
Stand 03/2015

  Oxidationsbitumen-DichtungsbahnenPolymerbitumen-DichtungsbahnenBitumen-DachbahnenKunststoff-DichtungsbahnenKunststoff-Dachbahnen
             
  Umweltzeichen Umweltzeichen gehören zu den freiwilligen Produktkennzeichnungen. Sie bieten die Möglichkeit, Unterschiede von Produkten innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer Umwelt- und Gesundheitsrelevanz festzustellen, auch wenn sie keine allgemeinverbindlichen Gebote oder Verbote aufstellen können. Inhalt aufklappen
   
Blauer Engel - - - - -
EU-Umweltzeichen (Blume) - - - - -
Österreichisches Umweltzeichen - - - - -
natureplus-Qualitätszeichen (nur für Produkte aus nachwachsenden bzw. mineralischen Rohstoffen)

x

x

x

x

x

Nordischer Schwan - - - - -
  GISBAU Klassifizierungs-system

Das GISBAU Klassifizierungssystem ermöglicht es durch den GISCODE oder GISBAU Produktcode, Produkte von denen die gleichen Gesundheitsgefahren ausgehen, in einer Gruppe zusammenzufassen. Die Klassifizierung ist auf den Arbeitsschutz ausgerichtet. Gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) ist grundsätzlich das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen zu verwenden. (siehe unten: Ersatzproduktgruppe prüfen?) Inhalt aufklappen

   

GISBAU Produkt-Code / GISCODE

Abdichtungsbahnen sind nicht im GISBAU-System klassifiziert. Informationen zu arbeitshygienischen Risiken siehe Reiter Verarbeitung.

  Umweltprodukt-deklaration (EPD)

Die Umweltproduktdeklaration (EPD = Environmental Product Declaration) eines Produktes macht Aussagen zum Energie- und Ressourceneinsatz und in welchem Ausmaß ein Produkt zu Treibhauseffekt, Versauerung, Überdüngung, Zerstörung der Ozonschicht und Smogbildung beiträgt. Außerdem werden Angaben zu technischen Eigenschaften gemacht, die für die Einschätzung der Performance des Bauproduktes im Gebäude benötigt werden, wie Lebensdauer, Wärme- und Schallisolierung oder den Einfluss auf die Qualität der Innenraumluft.1 Inhalt aufklappen

   
EPD1 - - - + +
Branchen-EPD1 - - - - -
  Umweltindikatoren

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren wie z.B Primärenergieaufwand, Abfall, Abiotischer Ressourcenverbrauch, Ozonabbaupotential, Treibhauspotential usw. liefert die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB. Inhalt aufklappen

   
Ökobau.dat-Datensätze

→ 6. Kunststoffe / 6.3 Dachbahnen /
6.3.1 Bitumen-Dachbahnen (Hinweis: Bitumen ist kein Kunststoff)
6.3.2 PVC-Dachbahnen
6.3.3 Elastomer-Dachbahnen
6.3.4 EVA-Dachbahnen
6.3.5 TPO-Dachbahnen

→ 6. Kunststoffe / 6.6 Folien und Vliese
6.6.1 Unterspannbahn
6.6.2 Dampfbremse / Dampfsperre
6.6.3 Folien zur Abdichtung

Dichtungsbahnen in WECOBIS = Flachdachabdichtungen
Dachbahnen in WECOBIS = Unterdach-, Unterdeck-, Unterspannbahnen im Steildach

Eine Zuordnung zu den Datensätzen der Ökobau.dat ist nicht eindeutig möglich. Es muss im Einzelfall geprüft werden, welcher Datensatz der Ökobau.dat jeweils verwendet werden kann.

  Sonstiges Sonstige freiwillige Produktkennzeichnungen, die Informationen zur Umwelt- und Gesundheitsrelevanz von Produkten liefern können. Inhalt aufklappen
   
baubook-Deklaration Die Plattform baubook bietet für Händler und Hersteller von Bauprodukten die Möglichkeit einer online-Deklaration anhand von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Abdichtungsbahnen finden sich Produktdeklarationen unter "Dichtungsbahnen, Dampfsperren, Folien".
+ Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe vorhanden
- Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe nicht vorhanden
./. Zeichen / Label für diese Produktgruppe nicht relevant
x Produkte aus dieser Produktgruppe können die Kriterien des Zeichens/Labels definitionsgemäß nicht erfüllen

1 Die hier als vorhanden markierten EPDs und Branchen-EPDs sind als Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu verstehen und finden sich z.B. auf den Seiten des IBU Institut Bauen und Umwelt e.V..

Bitumen-Dachbahnen

Bewertungssysteme

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)

   
  Wofür steht das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)? Inhalt aufklappen
 

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMUB steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen.
Ausführliche Informationen zum BNB-System siehe www.nachhaltigesbauen.de

  Welche Informationen liefert WECOBIS für BNB im Reiter Bewertungssysteme? Inhalt aufklappen
 

WECOBIS führt in den Datenblättern der Bauproduktgruppen umfangreiche Informationen zur Beantwortung der verschiedenen Fragestellungen im Hinblick auf Umwelt- und Gesundheitsaspekte. Im Reiter Bewertungssysteme bietet WECOBIS gezielt Antworten auf Fragestellungen baustoffrelevanter Steckbriefe. Durch die Bündelung von Aspekten z.B. bzgl. der Risiken für die lokale Umwelt, Fragen zur Innenraumhygiene und der Thematik Rückbau, Trennung, Verwertung gibt WECOBIS gezielte Hilfestellung bei der Einordnung einzelner Baustoffe. Tiefergehende Informationen finden sich über die Verknüpfungen in den jeweiligen Datenblättern.
Hinweis: Eine abschließende Beurteilung im Rahmen des Bewertungssystems und der genannten Kriterien erfolgt jedoch grundsätzlich in Abhängigkeit weiterer baulicher Gegebenheiten (z.B. eingebaute Menge).

BNB-Kriterium BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau)

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_1.1.6 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

BNB-Kriterium BN_1.1.6 zielt auf die Reduzierung bzw. Vermeidung von Stoffen und Produkten beim Neubau, die aufgrund ihrer stofflichen Eigenschaften oder Rezepturbestandteile ein Risikopotenzial für Grundwasser, Oberflächenwasser, Boden und Luft (auch Innenraumluft) enthalten. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 5 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung der Substitution eines Stoffes.

Für den Umgang mit Materialien im Bestand und deren Einordnung ist Kriteriensteckbrief BK_1.1.6. heranzuziehen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau) und BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

Einordnung der Polymerbitumen-Dachbahnen

Für die Bewertung nach Kriterium BNB_BN_1.1.6 (Version V 2014_1) werden sechs potenzielle Schadstoffgruppen1 betrachtet. Für die Einordnung der Polymerbitumen-Dachbahnen gemäß 1.1.6 ist die hervorgehobene Schadstoffgruppen 6 relevant: 
1  Gefährliche und besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC)
2  Gefährliche Stoffe, die ausgelaugt werden können
3  Schwermetalle (bei Bodenbelägen als Stabilisatoren in Kunststoffen)
4  Flüchtige organische Verbindungen (VOC) 1 einschließlich organische Lösemittel
5  Halogenierte Kälte- und Treibmittel
6  Biozide

Polymerbitumen-Dachbahnen werden in 1.1.6 über folgende Einsatzbereiche adressiert (s. BNB_BN_1.1.6 Anlage 1 / Allgemeine Anforderungsliste, Anlage 2 / Einzelstoffe mit besonders besorgniserregenden Eigenschaften):

  • Pos.37 Polymerbitumenbahnen

Im Folgenden werden die Anforderungen an die Verwendung von Polymerbitumen-Dachbahnen dargestellt.

Qualitätsniveau (QN)

Anforderungen an Polymerbitumen-Dachbahnen
(Pos. 37)


(= Mindestanforderung)

Produktdokumentation1 incl. Deklaration von SVHC der Kandidatenliste > 0,1 Gew.-%

Deklaration biozider und anderer durchwurzelungshemmender Wirkstoffe

2 (zusätzlich zu QN1)

3 (zusätzlich zu QN1)

Ausschluss biozider und anderer durchwurzelungshemmender Wirkstoffe, wie z.B. Mecoprop

 

4 (zusätzlich zu QN1)

5 (zusätzlich zu QN3+4)

Kommentierung

Es ist möglich2, mit entsprechenden Produkten aus der Gruppe der Polymerbitumenbahnen die Anforderungen bis einschließlich QN5 zu erfüllen, wenn durchwurzelungshemmende Eigenschaften nicht gefordert sind.

Sollen Polymerbitumen-Dichtungsbahnen wurzelfest sein, müssen sie mit Bioziden wie Mecoprop ausgestattet sein und können höchstens die Anforderungen bis einschließlich QN2 erfüllen.

Tabelle: Anforderungen an die Verwendung von Polymerbitumen-Dachbahnen

1 Die Produktdokumentation (z.B. über Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, Sicherheitsdatenblätter) ist die Mindestanforderung, die für alle durch BNB 1.1.6 betroffenen Produktgruppen erfüllt sein muss. Zusätzlich ist für alle diese Produktgruppen immer auch die Deklaration von SVHC der Kandidatenliste nach REACH (z.B. über Sicherheitsdatenblätter, Herstellererklärung) erforderlich.

2 Eine Aussage über die Marktverfügbarkeit kann hier nicht getroffen werden.

Planungs- und Ausschreibungshilfen mit Textbausteinen

Eine tabellarische Übersicht mit allen Einzelkriterien für Planung und Ausschreibung ist im neuen Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen für Polymerbitumenbahnen zu finden. Die Tabellen dort enthalten auch detaillierte Informationen zu den Nachweismöglichkeiten (z.B. über andere Produktkennzeichnungen) und damit zur Prüfung der angebotenen Produkte. Außerdem finden sich dort auch die für die verschiedenen Qualitätsniveaus zugehörigen Textbausteine.

BNB-Kriterium BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BK_1.1.6 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

Im Falle einer Sanierungsmaßnahme wird BN_1.1.6 ergänzt durch das BNB-Kriterium BK_1.1.6. Dieses zielt auf die Adressierung und Ausschleusung von Materialien in der bestehenden Bausubstanz, die ein Risikopotenzial für Mensch und Umwelt darstellen. Die Bewertung erfolgt anhand einer Einstufung der Baumaterialien in ein vorgegebenes Schadstoffkataster mit 14 Schadstoffgruppen aufgrund ihres Schädigungspotentials und der jeweiligen Sanierungsmaßnahmen. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 4 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung er Substitution eines Stoffes.

Weitere Informationen zu den Einzelkriterien im Bestand siehe BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung). Für den Einbau von neuen Materialien gilt BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau).

Die Einordnung von Materialien im Bestand erfolgt in WECOBIS jeweils gesammelt für die ganze Obergruppe der Dichtungen, Abdichtungen. Siehe dazu Dichtungen, Abdichtungen im Bestand.

Die an dieser Stelle beschriebenen Bitumen-Dachbahnen (= aktuell am Markt verfügbare Produktgruppen) enthalten normalerweise keine Problemstoffe, welche bei der Sanierung relevant sind. Alte Bitumen-Dachbahnen können evtl Teer (PAK) enthalten (vor ca. 1980). Neue Produkte enthalten kein Teer.

BNB-Kriterium BN_3.1.3 - Innenraumhygiene

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_3.1.3 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

Ziel des BNB-Kriteriums 3.1.3 ist die Sicherstellung der Luftqualität im Innenraum unter hygienischen Gesichtspunkten, die zu keinen negativen Effekten hinsichtlich der Befindlichkeit der Raumnutzer führt, die hygienische Sicherheit garantiert und somit möglichst auch eine empfundene hohe olfaktorische Luftqualität gewährleistet.
Die Bewertung erfolgt anhand der Berechnung der personenbezogenen Luftwechselrate sowie anhand von Raumluftmessungen auf den Formaldehyd- und TVOC-Gehalt.
Erfahrungsgemäß lassen sich die Referenz- und Zielwerte dann erreichen, wenn die Auswahl und Verwendung der eingesetzten Materialien auf einem ganzheitlichen Konzept zur Vermeidung von Emissionen aus Bauprodukten basiert und der Einsatz emissionsarmer Materialien die Bauphase begleitend dokumentiert wird. BNB-Kriterium 3.1.3 steht deshalb in engem Zusammenhang mit der Erfüllung der Einzelkriterien für BNB-Kriterium 1.1.6.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_3.1.3 Innenraumhygiene (Neubau)

Einordnung der Bitumen-Dachbahnen

Bitumen-Dachbahnen werden in der Regel im Außenraum eingesetzt und sind nach derzeitigem Kenntnisstand als Schadstoffquelle im Innenraum nicht bekannt.

BNB-Kriterium BN_4.1.4 - Rückbau, Trennung, Verwertung

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_4.1.4 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

Im BNB Kriteriensteckbrief 4.1.4 werden Konstruktionen nach ihrer Rückbaubarkeit, Trennbarkeit und Verwertbarkeit eingestuft.
WECOBIS kann eine aktuelle Information über mögliche Umwelt- und Gesundheitsgefährdungsaspekte im Zuge von Rückbau und Entsorgung auf Bauproduktgruppenebene geben. Eine Betrachtung von ganzen Konstruktionen kann derzeit in WECOBIS noch nicht erfolgen. Ein Bauteilmodul ist jedoch in planung. Ergänzend zu Leitfäden und Arbeitshilfen helfen die bauproduktgruppenspezifischen Aspekte dem Koordinator jedoch auch jetzt schon, die Komponenten Umwelt und Gesundheit für den Steckbrief 4.1.4 einzuordnen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_4.1.4 – Rückbau, Trennung, Vewertung

Rückbaubarkeit

Für die Bewertung wirkt sich der Einsatz abfallarmer Konstruktionen, die die Möglichkeit eines sortenreinen Rückbaus erlauben, günstig aus. Die Rückbaubarkeit beschreibt den Aufwand, der für Demontage oder Abbruch eines Bauteils aus dem Gebäudeverband nötig ist.

Bitumen-Dachbahnen werden nur an den Nähten verklebt und punktuell mechanisch fixiert. In diesem Fall ist der Rückbau mit einem mittleren Aufwand verbunden.

Rückbaubarkeit Geringer Rückbauaufwand => hoher Rückbauaufwand
Konstruktionsweise lose Verlegung mechanische Fixierung (vollflächige) Verklebung
Flüssigfolien     X
Gussasphalt, Asphaltmastix     X
Oxidationsbitumen-Dichtungsbahnen      X
Polymerbitumen-Dichtungsbahnen  X  X  X
Kunststoff-Dichtungsbahnen  X  X  X
Bitumen-Dachbahnen    X  
Kunststoff-Dachbahnen    X  

Sortenreinheit

Beschreibt den Aufwand, der für die sortenreine Trennung mehrschichtiger und / oder inhomogener Bauteile anfällt.

Bitumen-Dachbahnen bestehen aus einem Trägermaterial (Vlies, Gewebe) mit Deckschichten aus Polymerbitumen und einer mineralischen Bestreuung oder Abdeckung mit einem Kunststofffaservlies. Sie sind somit ein Stoffgemisch und lassen sich nur mit erheblichen Aufwand in sortenreine Fraktionen auftrennen.

Verwertbarkeit

Für die Bewertung der Verwertbarkeit der Baustofffraktionen gelten die zur Zeit der Bewertung am Markt aktuell verfügbaren technischen Verfahren. Alternativ können bei Bauteilen mit langer zu erwartender Nutzungsdauer Forschungsvorhaben, die praktikable Lösungsmöglichkeiten in absehbarer Zeit zur Verfügung stellen können, positiv bewertet werden. 

Bitumen-Dachbahnen werden in der Regel energetisch verwertet. Eine stoffliche Verwertung ist gegenwärtig nicht wirtschaftlich. Die Deponierung ist nicht zulässig.

Verwertungs-/ Beseitigungswege Hochwertige Verwertung Minderwertige Verwertung Energetische Verwertung Deponierung
Flüssigfolien  nicht möglich nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg nicht zulässig
Gussasphalt, Asphaltmastix möglich 1) möglich 1) nicht möglich möglich
Oxidationsbitumen-Dichtungsbahnen  nicht möglich nicht möglich  momentan der übliche Beseitigungsweg  nicht zulässig
Polymerbitumen-Dichtungsbahnen  nicht möglich  in Ausnahmefällen 2) momentan der übliche Beseitigungsweg  nicht zulässig
Kunststoff-Dichtungsbahnen nicht möglich möglich sofern Rücknahmesystem vorhanden 3) momentan der übliche Beseitigungsweg nicht zulässig
Bitumen-Dachbahnen  nicht möglich  nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg  nicht zulässig
Kunststoff-Dachbahnen  nicht möglich   in Ausnahmefällen 4) momentan der übliche Beseitigungsweg  nicht zulässig
Hochwertige Verwertung
Die Produktgruppe wird zur Herstellung gleichwertiger Produkte als wesentlicher Bestandteil des Endprodukts eingesetzt.
Minderwertige Verwertung
Die Produktgruppe wird zur Herstellung untergeordneter Produkte als wesentlicher Bestandteil des Endprodukts eingesetzt.
Energetische Verwertung
Die Produktgruppe wird in einer Verbrennungsanlage energetisch verwertet.
Deponierung
Die Porduktgruppe wird ggf. nach thermischer Vorbehandlung deponiert

1) Nur möglich sofern frei von Schadstoffen (PAK). Gegenwärtig ist jedoch Bitumen als Nebenprodukt der Erdöldestillation relativ kostengünstig und das Angebot an Asphaltabbruch aus dem Straßenbau groß, so dass für eine Verwertung von Gussasphalt und Asphaltmastix kein ökonomischer Anreiz besteht.
2) Für Polymerbitumenbahnen sind derzeit nur kleinere Anlagen in Betrieb. Ein Rücknahmesystem welches von Herstellern angeboten wird, ist derzeit noch nicht vorhanden.
3) Für Kunststoff-Dichtungsbahnen existiert ein europäisches Rücknahmesystem, das derzeit jedoch nur für PVC- und EVA-Bahnen ein kostenlose Rücknahme anbietet. Angesichts der hohen Anteile Weichmacher und Stabilisatoren ist das PVC-Recycling jedoch aus ökologischer Sicht mit Vorbehalt zu betrachten. Es gibt gute Gründe dafür, die umweltgefährdenden Bestandteile zu vernichten resp. kontrolliert abzulagern (Filterstaub) als sie einer weiteren Nutzung zuzuführen. Bei homogenen Kunststoff-Dichtungsbahnen ist im besten Fall eine minderwertige Verwertung möglich. Sofern dies nicht möglich ist, können sie einer energetischen Verwertung zugeführt werden.
4) Nur für homogene Dachbahnen möglich (z.B. PE-Spinnvlies) und sofern eine Rücknahmesystem vorhanden ist.

Weitere Informationen zur energetischen Verwertung von Bitumen-Dachbahnen finden sich im Reiter Nachnutzung.

Quellen

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt, abrufbar unter BNB_BN_1.1.6 Stand Oktober 2015 (Online-Quelle in Überarbeitung)

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 3.1.3 Innenraumhygiene, abrufbar unter BNB_BN2011-1_313 (Online-Quelle), , abgerufen 29.10.2014

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 4.1.4 Rückbau, Trennung und Verwertung, abrufbar unter BNB_BN2011-1_414 (Online-Quelle),abgerufen 29.10.2014

Bitumen-Dachbahnen

Technisches

Technische Daten

In der nachfolgenden Tabelle sind einige der Eigenschaften von Produkten aufgeführt, die für Unter­dächer, Unterdeckungen und Unterspannungen eingesetzt werden. Die An­gaben stehen stellvertretend für mehrere Produkte, die auf dem Markt verfügbar sind. Besonders für Unterspannungen werden auch diffusionsoffene Bahnen verwendet. Sie zeichnen sich durch eine geringere Wasserdampfdurchlässigkeit und ein geringeres Flächengewicht aus.

Eigenschaft
Unterdachbahnen
Unterdeckbahnen
Unterspannbahnen
Flächengewicht [g/m2]
1500 – 5000
 
diffusionsoffen:
300
200 – 3000
 
diffusionsoffen:
140 –300
 
 
diffusionsoffen:
140 - 150
Brandverhalten
E
E
E
Widerstand gegen Wasserdurchgang
W1
W1
W1
Wasserdampfdurch­lässigkeit [m]
100 – 300
 
diffusionsoffen:
≤0,1
25 – 300
 
diffusionsoffen:
≤0,1
≤0,1
Kaltbiegeverhalten
[°C]
-25  bis  -20
-25
-25
Wärmestandfestigkeit [°C]
ca. 100
≤100
≤100
Max. Zugkraft
längs
600 - 900 N/5 cm
quer
450 - 480 N/5 cm
 
diffusionsoffen:
längs 400 N/5 cm
quer 300 N/5 cm
längs
300 - 450 N/5 cm
quer
200 - 600 N/5 cm
 
diffusionsoffen:
längs
180 - 400 N/5 cm
quer
160 - 300 N/5 cm
längs 320 N/5 cm
quer 200 N/5 cm

CE-Zeichen

Seit  2005

Technische Regeln (DIN, EN)

DIN EN 13707

Abdichtungsbahnen – Bitumenbahnen mit Trägereinlage für Dach­abdichtungen

DIN EN 13859

Abdichtungsbahnen – Definition und Eigenschaften von Unterdeck- und Unterspannbahnen

DIN V 20000-201

Anwendung von Bauprodukten in Bauwerken - Teil 201: Anwendungsnorm für Abdichtungsbahnen nach Europäischen Produktnormen zur Verwendung in Dachabdichtungen

DIN V 20000-202

Anwendung von Bauprodukten in Bauwerken - Teil 202: Anwendungsnorm für Abdichtungsbahnen nach Europäischen Produktnormen zur Verwendung in Bauwerksabdichtungen

Bauregelliste

Das Deutsche Institut für Bautechnik stellt in den Bauregellisten A, B und C die technischen Regeln für Bauprodukte und Bauarten sowie bauaufsichtlich geregelte und nicht geregelte Bauprodukte und Bauarten auf. Nach Zustimmung der obersten Bauaufsichtsbehörden der Länder wird die Bauregelliste bekannt gegeben. Erwerb und weiterführende Informationen zu Bauregelliste und ihren Regelungsbereichen siehe unter → www.dibt.de
Eine Darstellung und Erläuterungen zur Klassifizierung von Bauprodukten siehe im Lexikon → Klassifizierung von Bauprodukten

Bitumen-Dachbahnen

Literaturtipps

Birkner, Ch., et al. (2012): Technische Regeln für die Planung und Ausführung von Abdichtungen mit Polymerbitumen- und Bitumenbahnen, In: abc der Bitumenbahnen, Hrsg: vdd Industrieverband Bitumen-Dach- und Dichtungsbahnen e.V., Frankfurt/Main, 5. überarbeitete Auflage

Ecomed Verlag (o.A.): Expositionsbeschreibungen zur Überwachung von Arbeitsbereichen „Schweißen von Bitumenbahnen", In: Handbuch Bauchemikalien,  Landsberg. Online-Quelle

Knecht, U., Stahl, S., Woitowitz, H.-J. (o.A.): „Handelsübliche Bitumensorten: PAH-Messgehalte und temperaturabhängiges Emissionsverhalten unter standardisierten Bedingungen", In: Gefahrstoffe – Reinhaltung der Luft, S. 429 – 434.

Schmidt, H. (1992 / 1993): Emissionen polycyclischer, aromatischer Kohlenwasserstoffe beim Verarbeiten von Bitumen und Polymerbitumen-Bahnen, In: Bitumen 2/1992 u. 2/1993. Untersuchungen des Instituts für Arbeits- und Sozialmedizin der Justus-Liebig-Universität, Gießen

Sonntag, H. (1989): Gutachterliche Stellungnahme zur Frage der gesundheitlichen Relevanz von Emissionen aus Bitumen-Dachbahnen bei Temperaturen von bis zu 80 °C, Hygiene-Institut der Universität Heidelberg, November 1989

Sonntag, H., Erdinger, L. (1992): Gutachterliche Stellungnahme zur Frage der gesundheitlichen Bedeutung von Emissionen mutagener Verbindungen aus Heißbitumen bei 190 °C. Hygiene-Institut der Universität Heidelberg, September 1992

Bitumen-Dachbahnen

Rohstoffe / Ausgangsstoffe

Hauptbestandteile

Bitumen-Dachbahnen Zusammensetzung

Abb. 1: Zusammensetzung nach Funktionen

Der Hauptbestandteil der Bitumen-Dachbahnen für Unterdächer, Unterdeckungen und Unter­spannungen ist entweder Oxidationsbitumen ohne Kunststoffzusätze oder Destillationsbitumen, dem Kunststoffzusätze beigefügt werden. Beide Bitumenarten werden ohne weitere Verarbeitung aus der Erdölfraktionierung gewonnen. Destillationsbitumen mit Kunststoffzusätzen wird als Polymerbitumen bezeichnet. Der Bitumenanteil beträgt 61 – 68%. Die Kunststoffzusätze im Polymerbitumen betragen 5 – 12% und stammen aus der Kunststoff­industrie. Es handelt sich fast ausschließlich um Styrol-Butadien-Kautschuk oder ataktisches Polypropylen. Beide Kunststoffe finden auch in vielen anderen Bereichen Anwendung (Elastomere, Polypropylen).

Die Trägermaterialien machen in der Regel nur wenige Gewichtsprozente aus (2 – 4%) und können aus Kunststoff (Polyestervliese) oder aus mineralischen Stoffen (Glasgewebe, Glasvliese) bestehen.

Die gewichtsbezogen zweitwichtigste Komponente sind die mineralischen Füllstoffe (23 – 24%) und die Sand- und Talk-Abstreuungen (2 – 4%). Es handelt sich um fein gemahlene Gesteine (Filler) und Sande. Dies sind alles relativ gut verfügbare Rohstoffe, die lediglich eine einfache Aufbereitung und Verarbeitung erfordern.

Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Gewinnung der Primärrohstoffe

Bitumen werden ausschließlich aus fossilen Rohstoffen hergestellt. Die Gewinnung der fossilen Rohstoffe aus Erdöl, Erdgas und Kohle wie auch der mineralischen Rohstoffe ist mit Umweltrisiken verbunden. Die mineralischen Rohstoffe Gesteine, Sand, Talk (Speckstein) werden meist im Tagebau abgebaut. Dabei werden natürliche Flächen langerfristig umgewandelt.

Verfügbarkeit

Die Rohstoffverfügbarkeit aller Materialien außer der Glasvlies- oder Glasgewebe-Träger ist an die Erdölförderung gekoppelt. Ein Ende der Erdölförderung würde auch das Ende des in großen Mengen als Nebenprodukt verfügbaren Bitumens bedeuten. Allerdings werden die zusätzlich zu den heute genutzten Ölvorkommen vorhandenen Schweröl- und Bitumen-Lager auf rund 600 Milliarden Barrel geschätzt (Meyer et al. 2003). Diese werden im Falle einer zunehmenden Ölknappheit stärker ausgebeutet und auch zur Energiegewinnung genutzt werden.

Die mineralischen Rohstoffe sind alle auch längerfristig gut verfügbar und erfordern lediglich eine einfache Aufbereitung und Verarbeitung.

Verwendung von Recyclingmaterialien / Produktionsabfällen

Produktionsabfälle können prinzipiell wieder aufgeschmolzen und das Bitumen zurück gewonnen werden.

Radioaktivität

Bitumen weisen keine erhöhte Radioaktivität auf. Da Dachbahnen nicht zur Abdichtung gegen das Erdreich eingesetzt werden, spielen sie für die Abdichtung des Gebäudes gegen eindringendes Radon keine Rolle. Über die Entstehung von Radon im Untergrund und die damit einhergehende Radonproblematik informiert der Lexikonbegriff natürliche Strahlenexposition ausführlich.

Weitere Informationen zur Radioaktivität sind auf der Webseite des Bundesamts für Strahlenschutz abrufbar.

Landinanspruchnahme (Landuse)

Die Bitumen-Produktion ist mit geringem Flächenverbrauch für die Erdölgewinnung und die Raffineriestandorte verbunden. Durch Leckagen während der Erdöl-Förderung oder des Erdöl-Transports können allerdings die Ökosysteme beträchtlicher Flächen längerfristig geschädigt werden.

Quellen

Informationen zu Radon in Gebäuden: Online-Quelle

GISBAU (2013): GISBAU Information Bitumen, Unternehmer-Version 01/2013.24, Online-Quelle

Meyer, Richard F., Attanasi, Emil D. (2003): Heavy Oil and Natural Bitumen – Strategic Petroleum Resources, U.S. Geological Survey Fact Sheet 70-03, August 2003, Online Version 1.0. Online-Quelle

Bitumen-Dachbahnen

Herstellung

Prozesskette

Prozesskette Bitumen-Dachbahnen

Herstellungsprozess

Die Herstellung von Bitumen-Dachbahnen für Unterdächer, Unterdeckungen und Unterspannungen beinhaltet keine chemischen Prozesse. Das Trägermaterial wird als Bahn abgewickelt und mit erhitztem Oxidations- oder Polymerbitumen vorimprägniert, gewalzt und schließlich in einer Wanne mit den Deckmassen aus Oxidations- oder Polymerbitumen versehen. Vor dem Abkühlen und Aufwickeln der Bahnen zu Rollen wird die Abstreuung aufgebracht.

Umweltindikatoren / Herstellung

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren in WECOBIS soll zukünftig ausschließlich die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB liefern.

Die Ökobau.dat stellt Umweltprofile für Bauprodukte bereit, die als erforderliche Datengrundlage für die Lebenszyklusanalyse eingesetzt werden. Für Bauprodukte gibt es Herstellungs- und End-of-Live- Datensätze.

Weiterführende Informationen zur Ökobau.dat im Zusammenhang mit dieser Produktgruppe finden sich in WECOBIS unter Fachinformationen / Reiter Umweltdeklarationen → Ökobau.dat / Umweltindikatoren

Charakteristische Emissionen

Das erhitzte Bitumen emittiert ein breites Spektrum flüchtiger organischer Stoffe (VOC). Besondere Risiken sind bei der Herstellung von Abdichtungsbahnen nicht vorhanden. Die Emissionen an VOC sind verhältnismäßig gering, obwohl dazu keine zuverlässigen Zahlen verfügbar sind. Pro kg heiß zu verarbeitendes Bitumen kann mit 1 - 2 g VOC-Emissionen gerechnet werden.

Maßnahmen Gesundheitsschutz

Für Bitumen sind keine Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW) festgelegt. Die TRGS 900 legt jedoch Grenzwerte für Kohlenwasserstoffgemische fest. Zum Gesundheitsschutz ist auf ausreichende Belüftung der Arbeitsplätze zu achten.

Maßnahmen Umweltschutz

Die VOC-Emissionen in der Produktion betragen schätzungsweise wenige g/kg verarbeitetes Heißbitumen. Sie stellen eine Luftbelastung dar, die allerdings im Vergleich zu anderen industriellen Quellen kaum ins Gewicht fallen. Es sind somit keine Maßnahmen notwendig, die über die Sorgfaltspflichten jeder industriellen Fertigung hinaus gehen.

Transport

Die Transportwege in der Produktion werden durch die Transporte des Erdöls und der Erdölprodukte bestimmt. Diese werden global gehandelt und transportiert. Die mineralischen Füllstoffe stammen eher aus regionalen Quellen.

Quellen

GISBAU (2013): GISBAU Information Bitumen, Unternehmer-Version 01/2013.24, Online-Quelle

Bitumen-Dachbahnen

Verarbeitung

Technische Hinweise / Verarbeitungsempfehlungen

Nach den baulichen Anforderungen und den Vorgaben der Deckmaterialien können Bitumen-Dachbahnen freihängend, aufliegend, lose überlappend oder überdeckt genagelt oder verklebt werden.

Arbeitshygienische Risiken

Allgemeines

Von den Bitumenbahnen für Unterdächer, Unterdeckungen und Unterspannungen selbst gehen keine besonderen arbeitshygienischen Risiken aus. Bitumen-Dachbahnen werden mechanisch befestigt und die Nähte überlappend mit Klebebändern verklebt oder sind kaltselbstklebend. Es treten somit keine besonderen arbeitshygienischen Risiken auf.

REACH / CLP

Die REACH-Verordnung regelt die Herstellung, das Inverkehrbringen und den Umgang mit Industriechemikalien. Zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen, dient die CLP-Verordnung (Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen), um ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu gewährleisten.

Wird ein Produkt nicht als Stoff oder Gemisch, sondern als Erzeugnis eingestuft, ist kein Sicherheitsdatenblatt (SDB) erforderlich und Gefahrstoffbezeichnungen entfallen. Lediglich besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) müssen ausgewiesen werden. Für diese Informationen besteht eine Auskunftspflicht. Sie müssen aber nicht in Form eines Sicherheitsdatenblattes nach den Kriterien des Anhangs II der REACH-Verordnung gegeben werden.

Bitumen-Dachbahnen werden als Erzeugnis eingestuft.
Informationen und Unterstützung zu den Auskunftsrechten finden sich unter www.reach-info.de.

Emissionen

Bei der Verarbeitung entstehen keine nennenswerten Emissionen.

Quellen

Verordnung über das Europäische Abfallverzeichnis (Abfallverzeichnis-Verordnung – AVV, zuletzt geändert am 24. Februar 2012). Online-Quelle abgerufen am 11.7.2012

LAGA (2003): Vollzugshinweise zur Gewerbeabfallverordnung (Download)

Bitumen-Dachbahnen

Nutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiken Neuzustand

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

Von den Dachbahnen gehen keine nennenswerten Emissionen in den Innenraum aus.

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Außenraum

Da das Bindemittel in den Bitumenbahnen für Unterdächer, Unterdeckungen und Unterspannbahnen nicht wassergefährdend ist (WGK 0) und da die Produkte keine Hilfsstoffe enthalten, kann eine Wassergefährdung ausgeschlossen werden.

Umwelt- und Gesundheitsrisiken bei bestimmungsgemäßer Nutzung

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

Bitumen-Dachbahnen sind bisher nicht als Schadstoffquellen für die Innenraumluft aufgefallen.

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Außenraum

Bitumenbahnen für Unterdächer, Unterdeckungen und Unterspannbahnen enthalten in der Regel keine Hilfsstoffe. Das Bitumen selbst enthält keine umweltrelevanten Bestandteile, bzw. ein Auswaschen eventueller toxischer Substanzen konnte bislang nicht beobachtet werden (WGK 0, nicht wassergefährdend).

Umwelt- und Gesundheitsrisiken im Schadensfall

Brandfall

Die Bitumenbahnen sind als normalentflammbar (EN Klasse E) eingestuft.

Wassereinwirkung

Dachbahnen sind gegen Wassereinwirkung unempfindlich, respektive schützen andere Bauteile davor.

Beständigkeit Nutzungszustand

Die Beständigkeit des Bitumens ist schon aufgrund seiner Entstehungsgeschichte relativ hoch. Dennoch sind die Bedingungen in den Erdöllagern nicht dieselben wie in den Anwendungsbereichen des Hochbaus. Insbesondere wirkt Sauerstoff auf die Bahnen ein, und auch die Temperaturschwankungen führen zu einer starken Beanspruchung des Materials, der verklebten Stöße und der Anschlussbefestigungen. Dachbahnen, die üblicherweise unter einer Eindeckung eingesetzt werden, sind vor UV-Strahlung geschützt. Spezifische Schadenbilder aufgrund des Materials sind nicht zu erwarten.

Gegenüber wässrigen Laugen, Säuren und Salzen sind Polymerbitumenbahnen beständig. Organische Lösemittel, Benzine und Mineralöle vermögen Bitumen im Gegensatz zum Steinkohleteer bis zu einem gewissen Maß anzugreifen.

Unter der Rubrik Baustoff- und Gebäudedaten / Nutzungsdauern von Bauteilen findet sich auf dem Informationsportal Nachhaltiges Bauen eine Datenbank mit Nutzungsdauerangaben von ausgewählten Bauteilen des Hochbaus für den Leitfaden „Nachhaltiges Bauen“.

Datenbank als PDF

Instandhaltung

Die Lebensdauer verlängernde Maßnahmen sind für Dachbahnen nicht möglich. Eine Instandhaltung besteht aus der Ausbesserung defekter Stellen durch überkleben oder dem Ersatz lecker Dachbahnen.

Bitumen-Dachbahnen

Nachnutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiko Rückbau

Beim Ausbau von Bitumen-Dachbahnen entstehen keine besonderen Gefahren.

Wiederverwendung

Eine Wiederverwendung wird nur in jenen Fällen möglich sein, in denen die Bahnen nicht mit dem Untergrund verklebt oder verschweißt sind. Allerdings sind abdichtende Bauteile bezüglich ihrer Wiederverwendung generell heikel. Es ist eher unwahrscheinlich, dass ein Handwerker bereit ist, die Garantie für eine Abdichtung aus wiederverwendetem Material zu übernehmen.

Stoffliche Verwertung

Die Trennbarkeit von Bitumenbahnen in Unterdächern, Unterdeckungen und Unterspan­nungen ist teilweise eingeschränkt, da Bitumen-Dachbahnen verklebt werden.

Eine stoffliche Verwertung von Bitumen-Dachbahnen ist grundsätzlich möglich. Sie können in geeigneten Anlagen zu neuem Bitumen verarbeitet werden. Voraussetzung dafür ist ein einfacher Ausbau, der nur bei lose verlegten Bitumen-Dachbahnen problemlos möglich ist. Teilweise werden Bitumen-Dachbahnen verklebt. Der neue Rohstoff Bitumen als Koppelprodukt der Erdölraffinerien gilt nicht als knapp. Deshalb bestehen aus der Sicht der Ökonomie keine Anreize, Bitumen–Dachbahnen, v.a. in kleinen Mengen, wie sie im Hochbau anfallen, zu recyclieren. Das kann sich aber bei geringerer Verfügbarkeit und höheren Preisen ändern.

Energetische Verwertung

Gemäß der Gewerbeabfallverordnung (GewAbfV) sollen Abfälle aus Bitumen-Dachbahnen mit den Kunststoffen gesammelt und einer thermischen Verwertung zugeführt werden. Falls die Abfälle gemischt erfasst werden, sind sie einer Vorbehandlungsanlage zuzuführen. Die Verwertung ist in beiden Fällen vorgeschrieben. Mit einem Bitumengehalt von durchschnittlich mehr als 60% sind Abfälle aus Bitumen- und Polymerbitumenbahnen für die thermische Verwertung geeignet.  Da jedoch Bitumen einen Schwefelgehalt aufweist, der mit demjenigen von Schweröl vergleichbar ist, darf Bitumen nur in Anlagen mit weitergehender Rauchgasreinigung verbrannt werden. Die mineralischen Bestandteile, die zusammen in der Regel mehr als 20% ausmachen, bleiben in der Schlacke zurück und müssen deponiert werden. Besondere Schadstoffe in den Rückständen sind nicht zu erwarten. Trotz dieser beiden Einschränkungen wird das Verbrennen von Bitumen mit energetischer Nutzung heute als der optimaler Entsorgungsweg angesehen.

Beseitigung / Verhalten auf der Deponie

Bitumen-Dachbahnen sind keine besonders überwachungsbedürftigen Abfälle. Ein Abbau des Bitumens unter Deponiebedingungen dürfte in Anbetracht der Entstehungsgeschichte des Bitumens höchstens in außerordentlich großen Zeiträumen erfolgen. Relevante Emissionen in Folge von Ablagerungen der Bitumenbahnen auf Deponien können in zivilisatorischen Zeiträumen ausgeschlossen werden.

EAK-Abfallschlüssel

Die Zuordnung von Abfallschlüsseln kann in der Praxis je nach Bundesland unterschiedlich gehandhabt werden. Im konkreten Fall ist immer eine Abklärung der anzuwendenden EAK-Schlüssel notwendig.

Für Bitumen-Dachbahnen können folgende EAK-Abfallschlüssel in Frage kommen:

17 02 03 Kunststoff
17 03 02 Bitumengemische
17 09 04 gemischte Bau- und Abbruchabfälle mit Ausnahme derjenigen,
die unter 17 09 01, 17 09 02 und 17 09 03 fallen

Quellen

Verordnung über das Europäische Abfallverzeichnis (Abfallverzeichnis-Verordnung – AVV, zuletzt geändert am 24. Februar 2012). Online-Quelle abgerufen am 11.7.2012

LAGA (2003): Vollzugshinweise zur Gewerbeabfallverordnung (Download)