Zellulose-Dämmstoffe

Produktgruppeninformation

Zellulose

Begriffsdefinition

Dämmstoffe aus Zellulose werden aus sortierten Druckerzeugnissen, z.B. recyceltem Tageszeitungs-Altpapier (Remittenden = nicht benutztes Zeitungspapier) hergestellt und gehören zur Gruppe der organischen Faserdämmstoffe.
Die Dämmwirkung wird durch den Einschluss ruhender Luft in den Faserzwischenräumen erzeugt.

Besonders wichtige Eigenschaft hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Insbesondere beim Einblasen loser Zellulosefasern muss mit einer hohen Staubentwicklung gerechnet werden. Die freigesetzte Staub- und Faserkonzentration hängt neben der Einbausituation (z.B. Zugänglichkeit der Einblasöffnung) maßgeblich von der Art der Verarbeitung, d.h. dem richtigen Umgang mit Werkzeug, Einblasmaschinen und Zubehör ab. Zur Auswahl einer routinierten Fachfirma wird dringend geraten.

Bei Verwendung von Zellulose-Dämmstoffen mit Einzelzulassung für die Verwendung in Bauteilen aus Holz (DZ + WH) im Bereich der Gefährdungsklasse 0 (GK0) nach DIN 68800-2 ist z.B. bei Zwischensparrendämmung kein chemischer Holzschutz notwendig. (s.u. Anwendungsbereiche)

Flammschutzmittel / Borate

Zellulose-Dämmstoffe enthalten derzeit oft noch Borsäure als Flammschutzmittel. Borsäure ist als reproduktionstoxisch Kategorie 1B (H360FD) eingestuft und in der REACH-Kandidatenliste für besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) aufgeführt. Die heute verwendeten Mengen in Zellulose-Dämmstoffen sind inzwischen geringer als früher und liegen i.d.R. unter 5,5 % (spezifische Konzentrationsgrenze für die Kennzeichnungspflicht von Gemischen). Da Borsäure allerdings zu den SVHC gehört, besteht bereits ab 0,1% eine Deklarationspflicht für Gemische und Erzeugnisse. Im Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) / Kriterium 1.1.6 (Risiken für die lokale Umwelt) ist Borsäure >0,1% in organischen Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen bereits ab Qualitätsniveau 2 (= niedrigstes Bewertungsniveau) ausgeschlossen.

Einige Hersteller verwenden inzwischen Ammoniumphosphat als alternatives Flammschutzmittel.

Produkte mit dem natureplus-Qualitätszeichen unterliegen einer Prüfung von Kriterien hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz, die den gesamten Produktlebenszyklus berücksichtigen (weitere Informationen siehe Reiter Zeichen & Deklarationen).
Bei Flachs-, Hanf-, Holzfaser- oder Schafwolle-Dämmstoffprodukten mit dem natureplus-Qualitätszeichen sind Borverbindungen als Flammschutz oder zum Schutz vor mikrobiellem Befall über die Vergaberichtlinien ausgeschlossen. Bei Zellulose-Dämmstoffen wird hier eine Ausnahme gemacht.
Aus den Vergaberichtlinien RL 0107 für Einblasdämmstoffe auf Basis von Zellulose (Ausgabe März 2015), 2.2 Zusammensetzung, Stoffverbote und -beschränkungen:
" ... In Abwägung des besonderen Sicherheitsinteresses im Brandfall dürfen, abweichend vom generellen natureplus-Stoffverbot für SVHC-Stoffe, zum Schutz vor Schwelen und Glimmen auch Borverbindungen eingesetzt werden. Die Menge ist auf den deklarationspflichtigen Anteil1 begrenzt (5,5 M-% Borsäure-Äquivalent bzw. 8,5 M-% Borax-Äquivalent). Der Hersteller muss durch ein fachliches Gutachten nachweisen, dass bei der vorhersehbaren Verwendung des Produktes eine unkontrollierte Freisetzung und substanzielle Exposition für Verarbeiter (Grenzwert nach TRGS 905) und Bewohner ausgeschlossen ist.
Das Produkt wird Prüfungen gemäß Abschnitt 3 unterzogen und muss die dort angegebenen
Grenzwerte einhalten.
(1) Nach 30th ATP of Council Directive 67/548/EEC on the classification, labelling of dangerous
substances, Kapitel 2.3.2.4 ..."

Lieferzustand

- lose (Flocken) als Einblaszellulose oder Schüttung
- mit Textilfasern zu Platten gebunden

Anwendungsbereiche (Besonderheiten)

Lose Flocken zum Einblasen in geschlossene / luftdichte Hohlräume (z.B. Steildächer zwischen den Sparren), zum Aufblasen als Schüttung freiliegend auf horizontalen bzw. mäßig gewölbten / geneigten Flächen; im Feuchtesprühverfahren zur Herstellung einer plattenförmigen, steifen Dämmschicht.
Einblaszellulose darf nur von lizensierten Fachbetrieben verarbeitet werden.

Verwendung in Bauteilen aus Holz nach DIN 68800-2 bei DZ (Zwischensparrrendämmung, DIN 4108-10) oder bei WH (Dämmung vonHolzrahmen-und Holztafelbauweise, DIN 4108- 10)

Für einzelne Dämmstoffprodukte aus Zellulosefasern wurden allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen für die Verwendung in Bauteilen aus Holz (DZ + WH) im Bereich der Gefährdungsklasse 0 (GK 0) nach DIN 68800-2 erteilt.
Quelle: Deutsches Institut für Bautechnik (DIBt), Stand Juli 2008

genaue Erläuterung → Anwendungsbereiche Dämmstoffe

Quellen

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR), www.fnr.de:
Borschürenseite zum Thema Bauen
Marktübersicht - Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, FNR 2014 (download)

Zellulose-Dämmstoffe
Zellulose-Dämmstoffe

Planungs- und Ausschreibungshilfen

WECOBIS informiert produktneutral. An verschiedenen Stellen bietet WECOBIS jedoch auch Unterstützung dazu, wie sich Produkte innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer ökologischen Eigenschaften unterscheiden lassen.

Informationen hier im Reiter Ausschreibung:

  • Links zu materialökologischen Anforderungen und Textbausteinen für Planung und Ausschreibung im WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen,
  • Hinweise auf mögliche Quellen und Nachweisdokumente zu Planungs- und Ausschreibungskriterien,
  • zusammenfassende Informationen zum Lebenszyklus
  • Informationen zu möglichen Alternativen

Übersicht Planungs- und Ausschreibungshilfen: Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen
Stand 04/2015

  Flachs-/Hanf-Dämmstoffe

Holzfaserdämmplatten

Holzwolle-Dämmplatten (nicht in Wecobis)

Kork-DämmstoffeSchafwolle-DämmstoffeZellulose-Dämmstoffe
             
  Material-
ökologische Anforderungen
Im neuen Modul "Planungs- & Ausschreibungshilfen" bietet WECOBIS eine Übersicht zu möglichen materialökologischen Anforderungen und Textbausteine für Planung und Ausschreibung. Inhalt aufklappen
   
Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS

organische Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen

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Dämmstoffe in WDVS

organische Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen

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Dämmstoffe in WDVS
organische Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen

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Dämmstoffe in WDVS
organische Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen organische Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen
  Mögliche Quellen Die hier genannten Quellen, insbesondere BNB, bilden die Grundlage für Planungs- und Ausschreibungshilfen bzw. materialökologische Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS. Inhalt aufklappen
   
Bewertungssystem
Nachhaltiges Bauen

(BNB) des BMUB /
Kriterium 1.1.6 (Risiken für die lokale Umwelt)

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMUB steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen. Die o.g. Textbausteine und materialökologischen Anforderungen in WECOBIS basieren derzeit auf Kriteriensteckbrief 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt. Dieser steht in engem Zusammehang mit Kriteriensteckbrief 3.1.3 Innenraumhygiene.

Auch wenn ein Gebäude nicht zertifiziert werden soll, bilden die einzelnen Kriteriensteckbriefe eine gute Grundlage, Orientierung und Hilfestellung für die Umsetzung ökologischer Aspekte in der Gebäudeplanung.

Einordung der jeweiligen Dämmstoffe hinsichtlich verschiedener Kriteriensteckbriefe siehe Reiter Bewertungssysteme in WECOBIS

Umweltbundesamt
(UBA)
Auf den Internet-Seiten des Umweltbundesamtes (UBA) befindet sich der „Informationsdienst für umweltfreundliche Beschaffung“. Die Seiten werden gerade überarbeitet, sodass sich dort derzeit aus dem Baubereich nur Ausschreibungsempfehlungen zu Elastischen Bodenbelägen, Tapeten und Raufaser finden.
baubook ökologisch ausschreiben Die Plattform baubook ökologisch ausschreiben bietet eine Sammlung von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen finden sich Kriterien in der Gruppe der Dämmstoffe / Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen.
natureplus Ausschreibungstexte + + + + +
  Mögliche Nachweis-
dokumente
weitere Nachweismöglichkeiten neben den folgend genannten sind Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, sowie Herstellererklärungen oder ggf. ein Anhang mit Nachhaltigkeitsmerkmalen zur bauaufsichtlichen Zulassung (abZ+). Inhalt aufklappen
   
gesetzlich vorgeschrieben: Welche Nachweisdokumente müssen vom Hersteller zur Verfügung gestellt werden? Welcher Nachweis kann damit erbracht werden?
REACH / CLP:
Sicherheitsdatenblatt (SDB)
Dämmstoffe in Plattenform werden als Erzeugnis eingestuft. Für Erzeugnisse ist kein SDB vorgeschrieben. Die pflichtgemäße Leistungserklärung zur CE-Kennzeichnung für Bauprodukte, die unter den Geltungsbereich der BauPVO fallen, muss Angaben über SVHC enthalten oder mitliefern (kein harmonisiertes Format, erfordert ggf. Nachfrage). Für alle Bauprodukte (Erzeugnisse), also auch solche, die nicht im Geltungsbereich der BauPVO liegen, besteht ein Auskunftsrecht für SVHC. Für die Anfrage an den Hersteller steht auf dem Informationsportal des Umweltbundesamtes zu REACH ein Musterbrief zum Download zur Verfügung.

Alle Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen fallen in den Geltungsbereich der BauPVO (s. Listung in Bauregelliste B Teil 1 / 1.5 Dämmstoffe für den Wärme- und Schallschutz und 4.12.1 ff).

Die Einstufung von Dämmstoffen in loser Form (Schüttungen, Einblasflocken) ist schwierig. Werden sie als Stoff oder Gemisch eingestuft, müssen Produkt bezogene Informationen gemäß CLP-Verordnung in den Sicherheitsdatenblättern (SDB) gemäß den Anforderungen in Art.31 REACH-VO in Verbindung mit Anhang II (Nachweis gefährliche Stoffe, Nachweis SVHC >= 0,1 Gew.-%) der jeweiligen Produkte ausgewiesen sein. Für Erzeugnisse gilt das o.g..

Leistungserklärung gemäß BauPVO mit Angaben zu SVHC (kein harmonisiertes Format, erfordert ggf. Nachfrage) +
(s. BRL B Teil 1 / 4.12.1.2 ff)

+
(s. BRL B Teil 1 / 1.5.10)

+
(s. BRL B Teil 1 / 1.5.9)
+
(s. BRL B Teil 1 / 4.12.1.2 ff)
+
(s. BRL B Teil 1 / 4.12.1.2 ff)
allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) aus Gesundheits-
schutzgründen

Werkmäßig hergestellte Dämmstoffe aus pflanzlichen oder tierischen Fasern nach Bauregelliste B Teil 1 / 4.12.1.2 ff, 4.12.1.3 und 4.1.12.6 benötigen bei der Verwendung in Aufenthaltsräumen einschließlich zugehöriger Nebenräume eine abZ aus Gesundheitsschutzgründen. Sie umfasst eine Emissionsprüfung zur quantitativen Bestimmung und Bewertung flüchtiger (VOC) und schwer flüchtiger (SVOC) Verbindungen auf Basis des AgBB-Bewertungsschemas.

Dasselbe gilt für Dämmstoffe aller Materialien, die als Verlegeunterlagen unter Bodenbelägen verwendet werden (siehe auch Bauregelliste B Teil 1, lfd. Nr. 1.18.1 bzw. 1.18.3).

abZ der Gruppen Z-158.10-.... (Verlegeunterlagen)

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weitere Zulassungsnummer noch nicht vergeben siehe aktuelle Liste Gesundheitsschutz DIBt)

abZ der Gruppen Z-158.10-.... (Verlegeunterlagen) abZ der Gruppen Z-158.10-.... (Verlegeunterlagen)

abZ der Gruppen Z-158.10-....(Verlegeunterlagen)

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weitere Zulassungsnummer noch nicht vergeben siehe aktuelle Liste Gesundheitsschutz DIBt

Zulassungsnummer noch nicht vergeben siehe aktuelle Liste Gesundheitsschutz DIBt
freiwillige Produktkenn-zeichnungen / -deklarationen Für einige Bauproduktgruppen existieren freiwillige Produktkennzeichnungen oder -deklarationen wie z.B. Umweltzeichen oder Umweltproduktdeklarationen, die als Nachweis für materialökologische Anforderungen dienen können. Eine Übersichtstabelle dazu mit detaillierten Informationen zu Produktgruppe findet sich im Reiter Zeichen & Deklarationen.

Übersicht Lebenszyklusinformationen: Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen

  Flachs-/Hanf-Dämmstoffe

Holzfaserdämmplatten

Holzwolle-Dämmplatten (nicht in Wecobis)

Kork-DämmstoffeSchafwolle-DämmstoffeZellulose-Dämmstoffe
             
  Rohstoffe Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Rohstoffe)
   
Hauptbestandteile nach Rohstoffherkunft
Anteil fossiler Rohstoffe

Flachs: 0-10 M-% (Stützfasern)

Hanf: 0 M-%

2-15 M-% (Verleimung, ggf. Hydrophobierung, ggf. Stützfasern) 0 M-% ggf. Stützfasern

Flocken: 0 M-%

Platten: bis zu 6 M-% Stützfasern

Anteil mineralischer Rohstofffe

Flachs: bis zu 10 M-%
(Flammschutzmittel)

Hanf: 2-5 M-%
(Flammschutzmittel)

0-8 M-%
(mineralische Zusätze)

0 M-%

1-6% (Mottenschutz, ggf. Flammschutz) bis zu 10 M-% (Flammschutzmittel)
Anteil erneuerbarer Rohstoffe

Flachs: 80-90 M-%

Hanf: 95-97 M-%

85-98 M-% (abh. von Dicke, Funktion, Herstellungsverfahren) 100 M-% 94-99% M-% 85-92 M-%
Charakteristische Inhaltsstoffe
Hauptanteil / Namensgeber

Flachsfasern,
bzw.
Hanffasern

Holzfasern (Fichte, Tanne, Kiefer) Kork Schafschurwolle Zellulose
Bindemittel / Verklebung

Flachs: Kartoffelstärke

Hanf: keine

Nassverfahren: holzeigene Harze möglich

Trockenverfahren:
Weißleim oder PUR-Verleimung

korkeigenes Harz keine nur bei Platten: Ligninsulfonat, Tallharz, Aluminiumsulfat (Alaun)
Flammschutzmittel

Flachs: i.d.R. Borsalze (Dinatriumoctaborat)

Hanf: Soda, Ammoniumphosphat

Ammmoniumpoly-
phoshat, Aluminium-
phosphat oder -sulfat, z.T. Borate
- ggf. 4-6% Kaliumfluorotitanat IV (nur bei sehr leichten / mit Stützfasern verfestigten Produkten als Flammschutzmittel erforderlich), i.d.R. boratfrei

Borsäure, jetzt i.d.R. zwar <5,5% (Einstufungsgrenzwert), aber >0,1% (Deklarationsgrenzwert SVHC)

alternativ boratfrei möglich:
bis zu 10% mineralische Additive, z.B. Ammoniumpolyphosphat

weitere mögliche Zusätze

Flachs: z.T. Polyesterfasern (Stützfasern)

Hanf: Polyesterfasern auf pflanzlicher Basis (z.B. soja-, maisbasiert / Stützfasern)

ggf. Hydrophobierung: Latex, Paraffin oder Bitumen

ggf. Stützfasern:
Polyolefinfasern

- 1-2% Kaliumfluorotitanat IV (Mottenschutz erforderlich)

ggf. Stützfasern bei Platten:
Polyolefinfasern

Eigenschaften
Struktur / Dämmwirkung durch ... pflanzlicher Faser-Dämmstoff / Luft in den Faserzwischenräumen pflanzlicher Faser-Dämmstoff / Luft in den Faserzwischenräumen pflanzlicher Schaum-Dämmstoff (expandiert) / luftgefüllte Zellen tierischer Faserdämmstoff / Luft in den Faser-zwischenräumen organischer Faserdämmstoff / Luft in den Faserzwischenräumen
Besonderheiten - - - geeignet zur Sanierung von schadstoffbelasteten Innenräumen (Schadstoffabbau, z.B. Formaldehyd) -
Sonstiges
Verwendung von Recyclingmaterialien - - ggf. Flaschenkorken für die Herstellung von Korkschrot

z.T. recyclierte PES-Stützfasern

i.d.R. aus Tageszeitungs-Altpapier (Remittenden = nicht benutztes Zeitungspapier)
  Herstellung Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Herstellung)
  Ökobau.dat-Datensätze Datensätze zu Flachs-/Hanf-Dämmstoffen: siehe 2. Dämmstoffe / 2.12 Flachsfaser bzw. 2.13 Hanffaser Datensätze zu Dämmstoffen aus Holz: siehe 2. Dämmstoffe / 2.7 Holzwolleplatten bzw. 2.10 Holzfasern Datensätze zu Kork-Dämmstoffen liegen noch nicht vor. Datensätze zu Schafwolle-Dämmstoffen liegen noch nicht vor. Datensätze zu Zellulosefaser-Dämmstoffen: siehe 2. Dämmstoffe / 2.11 Zellulosefaser
  Verarbeitung Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Verarbeitung, zu ggf. vorhandenen verarbeitungsspezifischen Produktkennzeichnungen wie z.B. Giscode, siehe Reiter Zeichen & Deklarationen)
  Verarbeitungsweise / Lieferzustand Platten, lose Fasern, Stopfwolle oder Schüttung Platten Platten, Granulat (Korkschrot) Platten/Matten, Stopfwolle lose Flocken, Platten
  Arbeitshygienische Risiken

Staubbelastung beim Einbringen loser Fasern (insbesondere beim Einblasen) möglich

Platten sind angenehm zu verarbeiten (kein Jucken, Kratzen)

keine, außer Staubemissionen beim Zuschneiden der Platten keine,
außer bei minderwertigen Backkork-Produkten, die mit zu hoher Temperatur expandiert wurden (PAK, Phenole / unangenehmer Geruch)

Staubbelastung beim Einbau möglich

Platten sind angenehm zu verarbeiten (kein Jucken, Kratzen)

Staubemissionen beim Einblasen loser Flocken möglich, darf nur von lizensierten Fachfirmen verarbeitet werden.
  Nutzung Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Nutzung, zur Innenraumhygiene nach BNB siehe siehe Reiter Bewertungssysteme, zu ggf. vorhandenen innenraumrelevanten Produktkennzeichnungen wie z.B. Blauer Engel, siehe Reiter Zeichen & Deklarationen)
   
VOC-/SVOC-, Formaldehyd- Emissionen keine keine keine keine keine
  Nachnutzung Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Nachnutzung)
   
Rückbaubarkeit / Trennbarkeit bei loser Verlegung bzw. bei Schüttungen geringer Aufwand bei loser horizontaler Verlegung geringster Aufwand, bei mechanischer Befestigung mittlerer Aufwand, hoher Aufwand bei Verklebung in WDVS bei Schüttungen bzw. loser Verlegung geringer Aufwand geringer Aufwand, da i.d.R. lose oder mechanisch befestigt, nicht verklebt geringer Aufwand bei Einblasflocken oder loser Verlegung
Verwertbarkeit / Recyclingfähigkeit bei sortenreinem Ausbau und Rücknahmesystem (zum Teil vorhanden) des Herstellers möglich bei sortenreinem Ausbau theoretisch möglich, aber nicht wirtschaftlich, daher i.d.R. nicht praktiziert bei sortenreinem Ausbau möglich, z.B. Verarbeitung zu Korkschrot zur Bodenauflockerung, aber nicht wirtschaftlich bei sortenreinem Ausbau und Rücknahmesystem (zum Teil vorhanden) des Herstellers möglich bei sortenreinem Ausbau und Rücknahmesystem (zum Teil vorhanden) des Herstellers möglich
Typischer Entsorgungsweg

wenn kein Rücknahemsystem des Herstellers vorh.:

energetische Verwertung oder Kompostierung

energetische Verwertung

energetische Verwertung

wenn kein Rücknahemsystem des Herstellers vorh.:

energetische Verwertung oder Kompostierung

wenn kein Rücknahemsystem des Herstellers vorh.:

energetische Verwertung (Kompostierung aufgrund von Borsalz oder hohen Phosphatanteilen nicht bzw. nur eingeschränkt möglich)
Energiegewinnung möglich? möglich möglich möglich möglich möglich

Alternativen hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Bei Verwendung von Zellulose-Dämmstoffen mit Einzelzulassung für die Verwendung in Bauteilen aus Holz (DZ + WH) im Bereich der Gefährdungsklasse 0 (GK0) nach DIN 68800-2 ist z.B. bei Zwischensparrendämmung kein chemischer Holzschutz notwendig. (s.u. Anwendungsbereiche)

Flammschutzmittel / Borate

Zellulose-Dämmstoffe enthalten derzeit oft noch Borsäure als Flammschutzmittel. Borsäure ist als reproduktionstoxisch Kategorie 1B (H360FD) eingestuft und in der REACH-Kandidatenliste für besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) aufgeführt. Die heute verwendeten Mengen in Zellulose-Dämmstoffen sind inzwischen geringer als früher und liegen i.d.R. unter 5,5 % (spezifische Konzentrationsgrenze für die Kennzeichnungspflicht von Gemischen). Da Borsäure allerdings zu den SVHC gehört, besteht bereits ab 0,1% eine Deklarationspflicht für Gemische und Erzeugnisse. Im Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) / Kriterium 1.1.6 (Risiken für die lokale Umwelt) ist Borsäure >0,1% in organischen Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen bereits ab Qualitätsniveau 2 (= niedrigstes Bewertungsniveau) ausgeschlossen.

Einige Hersteller verwenden inzwischen Ammoniumphosphat als alternatives Flammschutzmittel.

Produkte mit dem natureplus-Qualitätszeichen unterliegen einer Prüfung von Kriterien hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz, die den gesamten Produktlebenszyklus berücksichtigen (weitere Informationen siehe Reiter Zeichen & Deklarationen).
Bei Flachs-, Hanf-, Holzfaser- oder Schafwolle-Dämmstoffprodukten mit dem natureplus-Qualitätszeichen sind Borverbindungen als Flammschutz oder zum Schutz vor mikrobiellem Befall über die Vergaberichtlinien ausgeschlossen. Bei Zellulose-Dämmstoffen wird hier eine Ausnahme gemacht.
Aus den Vergaberichtlinien RL 0107 für Einblasdämmstoffe auf Basis von Zellulose (Ausgabe März 2015), 2.2 Zusammensetzung, Stoffverbote und -beschränkungen:
" ... In Abwägung des besonderen Sicherheitsinteresses im Brandfall dürfen, abweichend vom generellen natureplus-Stoffverbot für SVHC-Stoffe, zum Schutz vor Schwelen und Glimmen auch Borverbindungen eingesetzt werden. Die Menge ist auf den deklarationspflichtigen Anteil1 begrenzt (5,5 M-% Borsäure-Äquivalent bzw. 8,5 M-% Borax-Äquivalent). Der Hersteller muss durch ein fachliches Gutachten nachweisen, dass bei der vorhersehbaren Verwendung des Produktes eine unkontrollierte Freisetzung und substanzielle Exposition für Verarbeiter (Grenzwert nach TRGS 905) und Bewohner ausgeschlossen ist.
Das Produkt wird Prüfungen gemäß Abschnitt 3 unterzogen und muss die dort angegebenen
Grenzwerte einhalten.
(1) Nach 30th ATP of Council Directive 67/548/EEC on the classification, labelling of dangerous
substances, Kapitel 2.3.2.4 ..."

Weitere planungs- und ausschreibungsrelevante Informationen in WECOBIS

Allgemeine Unterstützung zum Umgang mit Nachhaltigkeitsaspekten in Planung und Ausschreibung sowie Hinweise auf Leitfäden, Arbeitshilfen und Veröffentlichungen zum Nachhaltigen Bauen bietet das neue WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen unter Allgemeine Infos.

Zellulose-Dämmstoffe

Umweltdeklarationen

Die folgende Tabelle liefert eine Übersicht zu Zeichen & Deklarationen aus dem Bereich der Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen. Neben Herstellererklärungen, Informationen in Sicherheitsdatenblättern (SDB), Leistungserklärungen oder allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen (abZ) können diese den Nachweis für umwelt- und gesundheitsrelevante Kriterien in Planung und Ausschreibung (s. Reiter Ausschreibung) ermöglichen. Detaillierte Informationen finden sich außerdem in den einzelnen Produktgruppen.

Übersicht Umweltdeklarationen: Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen
Stand 03/2015

  Flachs-/Hanf-Dämmstoffe

Holzfaserdämmplatten

Holzwolle-Dämmplatten (nicht in Wecobis)

Kork-DämmstoffeSchafwolle-DämmstoffeZellulose-Dämmstoffe
             
  Umweltzeichen Umweltzeichen gehören zu den freiwilligen Produktkennzeichnungen. Sie bieten die Möglichkeit, Unterschiede von Produkten innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer Umwelt- und Gesundheitsrelevanz festzustellen, auch wenn sie keine allgemeinverbindlichen Gebote oder Verbote aufstellen können. Inhalt aufklappen
   
Blauer Engel
weil umweltgerechter Wärmeschutz / RAL-UZ 140 Wämedämmverbund-systeme

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

 

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

./.

./.

Blauer Engel
weil emissionsarm / RAL-UZ 132 (Wärmedämmstoffe und Unterdecken)

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

 

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

Blauer Engel
weil emissionsarm / RAL-UZ 156 (Verlegeunterlagen)

-

(nicht im Geltungsbereich, aber als Verlegeunterlage möglich)

+

+

(derzeit nur als Kombiprodukt)

-

(nicht im Geltungsbereich, aber als Verlegeunterlage möglich)

./.
EU-Umweltzeichen (Blume) -
- - - -
Österreichisches Umweltzeichen /

Richtlinie UZ 44
Wärmedämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen

+

+

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

+
natureplus-Qualitätszeichen / RL 0100ff (nur für Produkte aus nachwach. und/oder umweltverträglich gewonnenen mineral. Rohstoffen / mind. 85 Masse%)

RL 0101 (Hanf)

---

RL 0102 (Flachs / derzeit kein Produkt zertifiziert)

RL 0104 (Holzfaserdämmplatten)

---
RL 0105 / 0108 (Einblas- und Schüttdämmstoffe aus Holzfasern / Holzspänen)

RL 0113 (Kork / derzeit kein Produkt zertifiziert) RL 0103 (Schafwolle)

RL 0106 (Dämmplatten auf Basis Zellulose / derzeit kein Produkt zertifiziert)

RL 0107 (Einblasdämmstoffe auf Basis von Zellulose)

Nordischer Schwan - - - - -

EMICODE
/ Raumlufthygiene,
hier: ggf. für Verlegeunterlagen

+

(möglich, aber nicht üblich für Produktgruppe)

+

(möglich, aber nicht üblich für Produktgruppe)

+

+

(möglich, aber nicht üblich für Produktgruppe)

./.
Eurofins Zertifizierung "Indoor Air Comfort Gold" (Formaldehyd-Grenzwert strenger / VOC-Grenzwerte weniger streng als Blauer Engel)

-

(derzeit nicht im Geltungsbereich)

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

-

(derzeit nicht im Geltungsbereich)

-

(derzeit nicht im Geltungsbereich)

  GISBAU Klassifizierungs-system

Das GISBAU Klassifizierungssystem ermöglicht es durch den GISCODE oder GISBAU Produktcode, Produkte von denen die gleichen Gesundheitsgefahren ausgehen, in einer Gruppe zusammenzufassen. Die Klassifizierung ist auf den Arbeitsschutz ausgerichtet. Gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) ist grundsätzlich das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen zu verwenden. (siehe unten: Ersatzproduktgruppe prüfen?) Inhalt aufklappen

   

GISBAU Produkt-Code / GISCODE

Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen sind nicht im GISBAU-System über GISCODES klassifiziert. Informationen zu arbeitshygienischen Risiken siehe Reiter Verarbeitung.

  Umweltprodukt-deklaration (EPD)

Die Umweltproduktdeklaration (EPD = Environmental Product Declaration) eines Produktes macht Aussagen zum Energie- und Ressourceneinsatz und in welchem Ausmaß ein Produkt zu Treibhauseffekt, Versauerung, Überdüngung, Zerstörung der Ozonschicht und Smogbildung beiträgt. Außerdem werden Angaben zu technischen Eigenschaften gemacht, die für die Einschätzung der Performance des Bauproduktes im Gebäude benötigt werden, wie Lebensdauer, Wärme- und Schallisolierung oder den Einfluss auf die Qualität der Innenraumluft.1 Inhalt aufklappen

   
EPD1 - + - - -
Branchen-EPD1 - - - - -
  Umweltindikatoren

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren wie z.B Primärenergieaufwand, Abfall, Abiotischer Ressourcenverbrauch, Ozonabbaupotential, Treibhauspotential usw. liefert die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB. Inhalt aufklappen

   
Ökobau.dat-Datensätze Datensätze zu Flachs-/Hanf-Dämmstoffen: siehe 2. Dämmstoffe / 2.12 Flachsfaser bzw. 2.13 Hanffaser Datensätze zu Dämmstoffen aus Holz: siehe 2. Dämmstoffe / 2.7 Holzwolleplatten bzw. 2.10 Holzfasern Datensätze zu Kork-Dämmstoffen liegen noch nicht vor. Datensätze zu Schafwolle-Dämmstoffen liegen noch nicht vor. Datensätze zu Zellulosefaser-Dämmstoffen: siehe 2. Dämmstoffe / 2.11 Zellulosefaser
  Sonstiges Sonstige freiwillige Produktkennzeichnungen, die Informationen zur Umwelt- und Gesundheitsrelevanz von Produkten liefern können. Inhalt aufklappen
   
baubook-Deklaration Die Plattform baubook ökologisch ausschreiben bietet eine Sammlung von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen finden sich Kriterien in der Gruppe der Dämmstoffe / Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen.
+ Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe vorhanden
- Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe nicht vorhanden
./. Zeichen / Label für diese Produktgruppe nicht relevant
x Produkte aus dieser Produktgruppe können die Kriterien des Zeichens/Labels definitionsgemäß nicht erfüllen

1 Die hier als vorhanden markierten EPDs und Branchen-EPDs sind als Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu verstehen und finden sich z.B. auf den Seiten des IBU Institut Bauen und Umwelt e.V..

Zellulose-Dämmstoffe

Bewertungssystem

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)

   
  Wofür steht das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)? Inhalt aufklappen
 

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMUB steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen.
Ausführliche Informationen zum BNB-System siehe www.nachhaltigesbauen.de

  Welche Informationen liefert WECOBIS für BNB im Reiter Bewertungssysteme? Inhalt aufklappen
 

WECOBIS führt in den Datenblättern der Bauproduktgruppen umfangreiche Informationen zur Beantwortung der verschiedenen Fragestellungen im Hinblick auf Umwelt- und Gesundheitsaspekte. Im Reiter Bewertungssysteme bietet WECOBIS gezielt Antworten auf Fragestellungen baustoffrelevanter Steckbriefe. Durch die Bündelung von Aspekten z.B. bzgl. der Risiken für die lokale Umwelt, Fragen zur Innenraumhygiene und der Thematik Rückbau, Trennung, Verwertung gibt WECOBIS gezielte Hilfestellung bei der Einordnung einzelner Baustoffe. Tiefergehende Informationen finden sich über die Verknüpfungen in den jeweiligen Datenblättern.
Hinweis: Eine abschließende Beurteilung im Rahmen des Bewertungssystems und der genannten Kriterien erfolgt jedoch grundsätzlich in Abhängigkeit weiterer baulicher Gegebenheiten (z.B. eingebaute Menge).

BNB-Kriterium BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau)

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_1.1.6 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

BNB-Kriterium BN_1.1.6 zielt auf die Reduzierung bzw. Vermeidung von Stoffen und Produkten beim Neubau, die aufgrund ihrer stofflichen Eigenschaften oder Rezepturbestandteile ein Risikopotenzial für Grundwasser, Oberflächenwasser, Boden und Luft (auch Innenraumluft) enthalten. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 5 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung der Substitution eines Stoffes.

Für den Umgang mit Materialien im Bestand und deren Einordnung ist Kriteriensteckbrief BK_1.1.6. heranzuziehen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau) und BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

Einordnung der Zellulose-Dämmstoffe:

Für die Bewertung nach Kriterium BNB_BN_1.1.6 (Version V 2014_1) werden sechs potenzielle Schadstoffgruppen betrachtet. Für die Einordnung der Zellulose-Dämmstoffe gemäß 1.1.6 sind die hervorgehobenen Schadstoffgruppen 1, 2, 4 + 6 relevant:
1 Gefährliche und besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC)
2 Gefährliche Stoffe, die ausgelaugt werden können*
3 Schwermetalle (bei Bodenbelägen als Stabilisatoren in Kunststoffen)
4 Flüchtige organische Verbindungen (VOC) einschließlich organische Lösemittel*
5 Halogenierte Kälte- und Treibmittel
6 Biozide

*Hinweise:

  • Dämmstoffe aus Zellulose sind von Schadstoffgruppe 2 nur insofern betroffen, falls sie in einem Bausatz aus vorgefertigten Elementen für die Wärmedämmung von Außenwänden nach ETAG 017 verwendet werden (s.u. Anforderungen).
  • Für Dämmstoffe enthält Kriteriensteckbrief 1.1.6 derzeit nur im Rahmen allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassungen gestellte innenraumrelevante Anforderungen an bestimmte Bauproduktgruppen, weshalb die folgenden Anforderungen diesen Aspekt auch nur sehr begrenzt abdecken. Das Fehlen solcher Anforderungen bedeutet nicht, dass diese bei Verwendung in Innenräumen nicht erforderlich sein könnten. Eine diesbezügliche Ergänzung ist in Arbeit.

Zellulose-Dämmstoffe werden in 1.1.6 über folgende Einsatzbereiche adressiert (s. BNB_BN_1.1.6 Anlage 1 / Allgemeine Anforderungsliste, Anlage 2 / Anforderungen an Einzelstoffe mit besonders besorgniserregenden Eigenschaften):

  • Pos. 38 Bauprodukte mit Kontakt zu Boden und Grundwasser, für die eine abZ aus Umweltschutzgründen vorgeschrieben ist. (s. Liste DIBT)
  • Pos. 40 / Anlage 2-F Biozidhaltige und flammhemmend ausgerüstete Bauprodukte (Erzeugnisse) / organische Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen
  • Pos. 42 weitere Bauprodukte, die innenraumrelevant sind und für die es eine abZ mit Aussagen zum Gesundheitsschutz gibt.

Im folgenden werden die Anforderungen bzw. Einschränkungen für die Verwendung von Dämmstoffen aus Zellulose dargestellt. Die eigentlichen Anforderungen der genannten Position in Anlage 1 betreffen ggf. auch andere Dämmstoffmaterialien.

Qualitätsniveau (QN)

Anforderungen für organische Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen
(gem. Pos.38, sowie 40-F + 42)

1
(= Mindestanforderung)

Produktdokumentation1 incl. Deklaration von SVHC der Kandidatenliste > 0,1 Gew.-%

bei Verwendung in Bausätzen aus vorgefertigten Elementen für die Wärmedämmung von Außenwänden nach ETAG 017 gilt:
Vorlage abZ aus Umweltschutzgründen

bei Verwendung in Aufenthaltsräumen einschl. zugehöriger Nebenräume gilt für werkmäßig hergestellte Dämmstoffe sowie für lose Schüttdämmstoffe aus pflanzlichen oder tierischen Fasern zur Wärme- und/oder Schalldämmung nach ETA ohne Leitlinie:
Vorlage abZ aus Gesundheitsschutzgründen (Zulassungsnummer noch nicht vergeben)2

2 (zusätzlich zu QN1)

Es dürfen nur Produkte verwendet werden, die keine Borate (<0,1%) enthalten (Flammschutzmittel, Biozid).

 

 

3
(zusätzlich zu QN1)

4 (zusätzlich zu QN1)

5 (zusätzlich zu QN1)
Kommentierung

Bereits für die Erfüllung der Anforderungen von QN2 sind in allen Anwendungen Produkte erforderlich, die keine Borate (auch: Borsäure) als Flammschutzmittel oder Biozid enhalten. Die meisten Hersteller verwenden noch Borsäure als Flammschutzmittel. Es gibt aber auch Produkte, bei denen alternativ Ammoniumphosphat eingesetzt wird und die alle Anforderungen bis QN5 erfüllen können.3

Auch bei Zellulose-Dämmstoffprodukten mit dem natureplus-Qualitätszeichen ist die Verwendung von Borverbindungen über die Vergaberichtlinien nicht ausgeschlossen, sodass damit allein der Nachweis nicht erbracht werden kann.

Tabelle: Anforderungen an die Verwendung von Zellulose-Dämmstoffen
1 Die Produktdokumentation (z.B. über Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, Sicherheitsdatenblätter) ist die Mindestanforderung, die mindestens für alle durch BNB 1.1.6 betroffenen Produktgruppen erfüllt sein muss. Zusätzlich ist für alle diese Produktgruppen immer auch die Deklaration von SVHC der Kandidatenliste nach REACH (z.B. über Leistungserklärung, Herstellererklärung) erforderlich. Produktgruppenabhängig können auch noch andere Nachweise gefordert sein.
2 Für die genannten Dämmstoffe ist bei der Verwendung in Aufenthaltsräumen einschließlich zugehöriger Nebenräume eine abZ aus Gesundheitsschutzgründen erforderlich. Sie umfasst u.a. eine Emissionsprüfung zur quantitativen Bestimmung und Bewertung flüchtiger (VOC) und schwer flüchtiger (SVOC) Verbindungen auf Basis des AgBB-Bewertungsschemas.
3Eine Aussage über die tatsächliche Marktverfügbarkeit kann hier nicht getroffen werden.

Planungs- und Ausschreibungshilfen mit Textbausteinen

Tabellarische Übersichten mit allen Einzelkriterien für Planung und Ausschreibung sind im neuen Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen unter "Dämmstoffe" zu finden. Die Tabellen dort enthalten auch detaillierte Informationen zu den Nachweismöglichkeiten (z.B. über andere Produktkennzeichnungen) und damit zur Prüfung der angebotenen Produkte. Außerdem finden sich dort auch die für die verschiedenen Qualitätsniveaus zugehörigen Textbausteine (auch als rtf-Download).

 

BNB-Kriterium BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

   
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Im Falle einer Sanierungsmaßnahme wird BN_1.1.6 ergänzt durch das BNB-Kriterium BK_1.1.6. Dieses zielt auf die Adressierung und Ausschleusung von Materialien in der bestehenden Bausubstanz, die ein Risikopotenzial für Mensch und Umwelt darstellen. Die Bewertung erfolgt anhand einer Einstufung der Baumaterialien in ein vorgegebenes Schadstoffkataster mit 14 Schadstoffgruppen aufgrund ihres Schädigungspotentials und der jeweiligen Sanierungsmaßnahmen. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 4 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung er Substitution eines Stoffes.

Weitere Informationen zu den Einzelkriterien im Bestand siehe BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung). Für den Einbau von neuen Materialien gilt BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau).

Die Einordnung von Materialien im Bestand erfolgt in WECOBIS jeweils gesammelt für die ganze Obergruppe der Dämmstoffe. Siehe dazu Dämmstoffe im Bestand.

Die an dieser Stelle beschriebenen Dämmstoffe (= aktuell am Markt verfügbare Produktgruppen) enthalten normalerweise keine Problemstoffe, welche bei der Sanierung relevant sind.

Die in Zellulose-Dämmstoffen möglicherweise enthaltenen Borate (Flammschutz) gehören nicht zu den nach BNB_BK_1.1.6 abgefragten Schadstoffgruppen. Für den Ausbau von Zellulose-Dämmstoffen, die mit Borsalzen als Flammschutzmittel behandelt sein könnten (genaue Erläuterung s. Rohstoffe / Ausgangsstoffe), sollten vorsorglich folgende Gefahren- (H-Satz) und Sicherheitshinweise (P-Satz) angenommen werden:
H360FD: Kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Kann das Kind im Mutterleib schädigen.
P201: Vor Gebrauch besondere Anweisungen einholen.
P308+P313: BEI Exposition oder falls betroffen: Ärztlichen Rat einholen/ärztliche Hilfe hinzuziehen.

BNB-Kriterium BN_3.1.3 - Innenraumhygiene

   
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Ziel des BNB-Kriteriums 3.1.3 ist die Sicherstellung der Luftqualität im Innenraum unter hygienischen Gesichtspunkten, die zu keinen negativen Effekten hinsichtlich der Befindlichkeit der Raumnutzer führt, die hygienische Sicherheit garantiert und somit möglichst auch eine empfundene hohe olfaktorische Luftqualität gewährleistet.
Die Bewertung erfolgt anhand der Berechnung der personenbezogenen Luftwechselrate sowie anhand von Raumluftmessungen auf den Formaldehyd- und TVOC-Gehalt.
Erfahrungsgemäß lassen sich die Referenz- und Zielwerte dann erreichen, wenn die Auswahl und Verwendung der eingesetzten Materialien auf einem ganzheitlichen Konzept zur Vermeidung von Emissionen aus Bauprodukten basiert und der Einsatz emissionsarmer Materialien die Bauphase begleitend dokumentiert wird. BNB-Kriterium 3.1.3 steht deshalb in engem Zusammenhang mit der Erfüllung der Einzelkriterien für BNB-Kriterium 1.1.6.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_3.1.3 Innenraumhygiene (Neubau)

Einordnung der Zellulose-Dämmstoffe

Von Zellulose-Dämmstoffen sind keine VOC- oder Formaldehyd-Emissionen in Innenräumen zu erwarten.

Produkte mit dem natureplus-Qualitätszeichen (RL 0107 Einblasdämmstoffe auf Basis von Zellulose) dürfen  bestimmte Grenzwerte hinsichtlich VOC- oder Formaldehyd-Emissionen nicht überschreiten. Dämmstoffe müssen sich dort außerdem u.a. einer Laborprüfung auf Radioaktivität und Geruch unterziehen, was allerdings für BNB_BN 3.1.3 nicht bewertet wird.
weitere Informationen und Links zu Umweltzeichen für emissionsarme Produkte siehe Reiter Zeichen & Deklarationen

BNB-Kriterium BN_4.1.4 - Rückbau, Trennung, Verwertung

   
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Im BNB Kriteriensteckbrief 4.1.4 werden Konstruktionen nach ihrer Rückbaubarkeit, Trennbarkeit und Verwertbarkeit eingestuft.
WECOBIS kann eine aktuelle Information über mögliche Umwelt- und Gesundheitsgefährdungsaspekte im Zuge von Rückbau und Entsorgung auf Bauproduktgruppenebene geben. Eine Betrachtung von ganzen Konstruktionen kann derzeit in WECOBIS noch nicht erfolgen. Ein Bauteilmodul ist jedoch in planung. Ergänzend zu Leitfäden und Arbeitshilfen helfen die bauproduktgruppenspezifischen Aspekte dem Koordinator jedoch auch jetzt schon, die Komponenten Umwelt und Gesundheit für den Steckbrief 4.1.4 einzuordnen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_4.1.4 – Rückbau, Trennung, Vewertung

Rückbaubarkeit

Für die Bewertung wirkt sich der Einsatz abfallarmer Konstruktionen, die die Möglichkeit eines sortenreines Rückbaus erlauben, günstig aus. Die Rückbaubarkeit beschreibt den Aufwand, der für Demontage oder Abbruch eines Bauteils aus dem Gebäudeverband nötig ist.

In der üblichsten Anwendung werden Zelluloseflocken in Hohlräume eingeblasen (Einblasdämmstoff). In diesem Fall kann die Dämmung durch Absaugen entfernt werden (geringer Aufwand). Bei Zellulose-Dämmplatten wird die Rückbaubarkeit durch die Art der Befestigung bestimmt. Vollflächig verklebte Platten lassen sich nur mit hohem Aufwand entfernen.

Rückbaubarkeit    Geringer Rückbauaufwand => => => => => => => hoher Rückbauaufwand
Konstruktionsweise lose Verlegung mechanische Fixierung (vollflächige) Verklebung
Blähperlit-Dämmstoffe  X    
Calciumsilikat-Dämmplatten     X
Dämmstoffe mit Aerogelen X X X
Mineralwolle-Dämmstoffe X X X
Schaumglas-Dämmstoffe     X
Vermiculite-Dämmstoffe X    
Flachs/Hanf-Dämmstoffe X X X
Holzfaserdämmplatten X X X
Kork-Dämmstoffe X X X
Schafwolle-Dämmstoffe X X  
Zellulose-Dämmstoffe X X X
Expandiertes Polystyrol (EPS) X X X
Extrudiertes Polystyrol (XPS) X X X
Polyurethan (PUR/PIR)-Spritzschaum     X
Polyurethan-Hartschaum (PUR/PIR) X X X

Sortenreinheit

Beschreibt den Aufwand, der für die sortenreine Trennung mehrschichtiger und / oder inhomogener Bauteile anfällt.
Ausser bei verklebten Dämmplatten, können Zellulose-Dämmstoffe mit relativ geringem Aufwand von anderen Bauteilen getrennt werden.

Verwertbarkeit

Für die Bewertung der Verwertbarkeit der Baustofffraktionen gelten die zur Zeit der Bewertung am Markt aktuell verfügbaren technischen Verfahren. Alternativ können bei Bauteilen mit langer zu erwartender Nutzungsdauer Forschungsvorhaben, die praktikable Lösungsmöglichkeiten in absehbarer Zeit zur Verfügung stellen können, positiv bewertet werden. 

Gewisse Hersteller von Zellulose-Dämmstoffen bieten ein Rücknahmesystem an. In diesen Fällen können die Dämmstoffe stofflich verwertet werden. Allerdings können Zellulose-Dämmstoffe Borsalze (Flammschutz) enthalten, die als reproduktionstoxisch eingestuft sind. Ebenso besteht für den Rohstoff (altes Zeitungspapier) keine Knappheit. Deshalb dürfte eine stoffliche Verwertung kaum wirtschaftlich sein. Derzeit stellt die energetische Verwertung den optimalen Beseitigungsweg dar.

Verwertungs-/ Beseitigungswege Hochwertige Verwertung Minderwertige Verwertung Energetische Verwertung Deponierung
Blähperlit-Dämmstoffe  nicht möglich  möglich  nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg
Calciumsilikat-Dämmplatten  nicht möglich  möglich  nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg
Dämmstoffe mit Aerogelen  nicht möglich  nicht möglich  nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg
Mineralwolle-Dämmstoffe  möglich  möglich  nicht möglich  möglich
Schaumglas-Dämmstoffe  möglich möglich  nicht möglich möglich
Vermiculite-Dämmstoffe

nicht möglich

 möglich  nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg
Flachs/Hanf-Dämmstoffe nicht möglich nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg  nicht zulässig
Holzfaserdämmplatten nicht möglich  nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg  nicht zulässig
Kork-Dämmstoffe nicht möglich nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg nicht zulässig
Schafwolle-Dämmstoffe  möglich  möglich momentan der übliche Beseitigungsweg nicht zulässig
Zellulose-Dämmstoffe  möglich möglich momentan der übliche Beseitigungsweg  nicht zulässig
Expandiertes Polystyrol (EPS)  möglich möglich momentan der übliche Beseitigungsweg  nicht zulässig
Extrudiertes Polystyrol (XPS) nicht möglich möglich momentan der übliche Beseitigungsweg   nicht zulässig
Polyurethan (PUR/PIR)-Spritzschaum nicht möglich  nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg  nicht zulässig
Polyurethan-Hartschaum (PUR/PIR) nicht möglich möglich momentan der übliche Beseitigungsweg  nicht zulässig
Hochwertige Verwertung
Die Produktgruppe wird zur Herstellung gleichwertiger Produkte als wesentlicher Bestandteil des Endprodukts eingesetzt.
Minderwertige Verwertung
Die Produktgruppe wird zur Herstellung untergeordneter Produkte als wesentlicher Bestandteil des Endprodukts eingesetzt.
Energetische Verwertung
Die Produktgruppe wird in einer Verbrennungsanlage energetisch verwertet.
Deponierung
Die Produktgruppe wird ggf. nach thermischer Vorbehandlung deponiert

Quellen

Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt, abrufbar unter BNB_BN_1.1.6 Version V 2014_1 (Online-Quelle in Überarbeitung)

Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 3.1.3 Innenraumhygiene, abrufbar unter BNB_BN2011-1_313 (Online-Quelle)

Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 4.1.4 Rückbau, Trennung und Verwertung, abrufbar unter BNB_BN2011-1_414 (Online-Quelle)

Zellulose-Dämmstoffe

Technisches

Technische Daten

Zellulose-Dämmstoffe
Ausgewählte Produkte: 1) lose, ungebundene Zellulosefasern
Technische Regeln Europäische Technische Zulassung (ETA)
Rohdichte [kg/m³] 1.1) 30 - 50 (freiliegend)
40 - 60 (raumausfüllend)
Druckspannung bei 10% Stauchung bzw. Druckfestigkeit [kPa] k.A.
Bemessungswert Wärmeleitfähigkeit λd [W/mK]
(gemäß Anhang zu den Übereinstimmungszertifikaten)
0,040 (bei maschineller Verarbeitung)
0,045 (bei manueller Verarbeitung)
Zuschlagsfaktor 2) bezogen auf:
λd = 0,040 W/m²K
λd = 0,045 W/m²K

1
1,125
Wärmespeicherkapazität c [J/(kg*K)] 2.000 
Richtwert der Dampfdiffusionswiderstandszahl μ nach
DIN 4108-4
1 - 2 
Langzeitwasseraufnahme k.A. 
Baustoffklasse nach DIN 4102 B2 
Euroklasse nachDIN EN 13 501  E, teilweise B-s2,d0
Beständigkeit - feuchteempfindlich
- nicht beständig gegen Säuren und Laugen
- durch Borsalz oder Ammoniumphosphat resistent gegen Ungeziefer, Schimmelpilze
Anwendungsbereiche 3)
Zulassung für Gefährdungsklasse 0 
nach DIN 68 800-2 4)
+ (Einzelzulassungen)
Decke, Dach  nach DIN 4108-10 DAD +
DAA -
DUK -
DZ +
DI +
DEO -
DES -
Wand nach DIN 4108-10 WAB -
WAA -
WAP -
WZ -
WH +
WI +
WTH -
WTR +
Perimeter nach DIN 4108-10 PW -
PB -

Anmerkungen:

1) Die angegebenen Werte gelten beispielhaft für einzelne Produkte und können herstellerbedingt differieren
1.1) die am Bau gewählte Rohdichte ist abhängig von den konstruktiven Voraussetzungen
2) Der Zuschlagsfaktor berücksichtigt die unterschiedliche Dämmleistung der einzelnen Dämmstoffe (= Bemessungswert für die Wärmeleitfähigkeit). Ein Dämmstoff A mit λD = 0,03 (W/mK) erbringt z.B. mit einer Dicke von 75mm die gleiche Dämmleistung wie ein Dämmstoff B mit λD = 0,04 (W/mK) und einer Dicke von 100mm. Der Zuschlagsfaktor beträgt in diesem Beispiel 0,75. Will man z.B. den Primärenergieaufwand für zwei unterschiedliche Dämmstoffarten vergleichen, muss diesem Sachverhalt Rechnung getragen werden. Hat z.B. Dämmstoff A mit λD = 0,03 (W/mK) einen Primärenergieaufwand von 3.500 MJ/m³ und Dämmstoff B mit λD = 0,04 (W/mK) einen Primärenergieaufwand von 2.900 MJ/m³, muss für Dämmstoff A 3.500*0,75 = 2.650 MJ/m³ mit 2.900 MJ/m³ für Dämmstoff B verglichen werden.
3) Die angegebenen Anwendungsgebiete gelten für die ausgewählten Produkte und nicht für die gesamte Produktgruppe (dazu siehe Anwendungsbereiche Dämmstoffe incl. Erläuterung der Kurzzeichen)
4) in Verbindung mit einer bauaufsichtl. Zulassung

Technische Regeln (DIN, EN)

Zelluloseflocken = Wärmedämmung aus losem Zellulosefüllstoff (LCFI Loose-Fill Cellulose Insulation):
Normentwurf prEN 15101 Wärmedämmstoffe für Gebäude – An der Verwendungsstelle hergestellte Wärmedämmung aus Zellulosefüllstoff
prEN 15 101 wird Teil eines Normenpakets von an der Verwendungsstelle hergestellten Wärmedämmungen (z.B. Blähperlit, Mineralwolle, Polyurethan-Spritzschaum, Vermiculit) sein.

Zellulosefaserdämmplatten fallen nicht in den Anwendungsbereich des Normentwurfs prEN 15101 und benötigen eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung.

Bauregelliste

Zellulose-Dämmstoffe:
BRL B Teil 1 / 4. Bauprodukte, für die europäische technische Zulassungen vor dem 01.07.2013 ohne Leitlinie erteilt worden sind
4.12.1.2.1 Werkmäßig hergestellte Dämmstoffe aus pflanzlichen oder tierischen Fasern zur Wärme- und/oder Schalldämmung
4.12.1.2.2 Lose Schüttdämmstoffe aus pflanzlichen oder tierischen Fasern zur Wärme- und/oder Schalldämmung

Das Deutsche Institut für Bautechnik stellt in den Bauregellisten A, B und C die technischen Regeln für Bauprodukte und Bauarten sowie bauaufsichtlich geregelte und nicht geregelte Bauprodukte und Bauarten auf.
Nach Zustimmung der obersten Bauaufsichtsbehörden der Länder wird die Baurregelliste bekannt gegeben. Erwerb und weiterführende Informationen zu Baurregelliste und ihren Regelungsbereichen siehe unter → www.dibt.de
Eine Darstellung und Erläuterungen zur Klassifizierung von Bauprodukten siehe im Lexikon → Klassifizierung von Bauprodukten

CE-Zeichen

Für Dämmstoffprodukte aus Zellulose mit europäischer technischer Zulassung (ETA)

Zellulose-Dämmstoffe

Literaturtipps

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR), www.fnr.de:
Borschürenseite zum Thema Bauen
Marktübersicht - Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, FNR 2014 (download)

Pfundstein, M; Gellert, R.; Spitzner, M.H.; Rudolphi, A.; Detail Praxis / Dämmstoffe – Grundlagen, Materialien, Anwendungen; 2007;Institut für internationale Architektur-Dokumentation GmbH & Co. KG; München

Zwiener, G.; Mötzl, H.; Ökologisches Baustoff-Lexikon; 2006; C.F. Müller Verlag; Heidelberg

KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung; Informationsbroschüre "Umweltverträglichkeit von Gebäudedämmstoffen“;06/2003; Ministerium für Umwelt, Natur und Forsten des Landes Schleswig-Holstein, Kiel

M. Fuehres, L. Faul; Forschungsvorhaben Abschlussbericht: Bewertung natürlicher, organischer Faserdämmstoffe; 2000; Fraunhofer IRB Verlag

Büro für Umweltchemie (Hrsg.); Graue Energie von Baustoffen; 1998; Zürich

Isoliertechnik 5/96; Die Alternativen - wie gut sind ökologische Dämmstoffe wirklich? (Sonderdruck); 1996; Lambda Verlag; Gars

Fuehres M.; Heidermanns G.; Fasermessungen bei der Verwendung von Zellulose- Fasern. In: Faserförmige Stäube: Vorschriften, Wirkungen, Messung, Minderung; 1993; VDI-Verlag, VDI-Berichte Nr. 1075; Düsseldorf

Zellulose-Dämmstoffe

Rohstoffe / Ausgangsstoffe

Hauptbestandteile

Basismaterial:
(= Rezyklat)
85 - 92% Zellulose i.d.R. aus Tageszeitungs-Altpapier (Remittenden = nicht benutztes Zeitungspapier) 
Flammschutzmittel: ca. 3 - 5 % Borax, Borsäure (auch gegen Schimmelpilze)
z.T. inzwischen alternativ:
Aluminiumhydroxid, Ammoniumphosphat,
Fungotannin (Baum- und Rindenharze, gegen Schimmelpilze)
Bindemittel (nur bei Platten): Ligninsulfonat, Tallharz, Aluminiumsulfat (Alaun)
Stützfasern (nur bei Platten): ca. 6% Polyolefinfasern oder Jutegarn (z.T. aus Alt- und Resttextilien)

Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Gewinnung der Primärrohstoffe

Der Sekundär-Rohstoff Altpapier ist im Prinzip stetig vorhanden, jedoch schwankenden Nutzungskonkurrenzen unterworfen, die Verfügbarkeiten und Preise beeinflussen.

Verwendung von Recyclingmaterialien / Produktionsabfällen

Das Rezyklat Altpapier ist der Hauptbestandteil von Zellulose-Dämmstoffen.

Flammschutzmittel / Borate

Die meisten Zellulose-Dämmstoffe enthalten derzeit noch Borate als Flammschutzmittel. Mit der 30. ATP (Anpassung an den technischen Fortschritt) zur Richtlinie 67/548/EWG (Einstufung, Verpackung und Kennzeichnung gefährlicher Stoffe) wurden Borate und Borsäure als reproduktionstoxisch der Kategorie 2 (R60-61) aufgenommen. Die Übergangsfrist endet am 30.05.2009, so dass spätestens ab dem 01. Juni 2009 die in der 30. ATP vorgesehenen Änderungen rechtswirksam sein werden.
Einige Hersteller von Zellulose-Dämmstoffen bieten inzwischen auch boratfreie Produkte an mit Ammoniumpolyphosphat als Alternative.

Zellulose-Dämmstoffe

Herstellung

Prozesskette

Prozesskette Zellulose-Dämmstoffe

Herstellungsprozess

Zelluloseflocken:
Das angelieferte Zeitungspapier wird zu Papierschnitzeln zerkleinert, Borsalz und ggf. andere Zusätze zugemischt und in mehrstufigen Zerreiß- und Mahlverfahren zerfasert.
Die Fasermischung wird entstaubt, leicht verdichtet und in Papiersäcken verpackt.
Zellulosefaserdämmplatten:
Papier und Textilfasern werden mechanisch zerkleinert, gemischt und unter Einwirkung von Wasserdampf und Zugabe von Bindemitteln (Ligninsulfonat, Tallharz) zu festen Matten verpresst.

Umweltindikatoren / Herstellung

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren in WECOBIS soll zukünftig ausschließlich die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB liefern.

Die Ökobau.dat stellt Umweltprofile für Bauprodukte bereit, die als erforderliche Datengrundlage für die Lebenszyklusanalyse eingesetzt werden. Für Bauprodukte gibt es Herstellungs- und End-of-Live- Datensätze.

Weiterführende Informationen zur Ökobau.dat im Zusammenhang mit dieser Produktgruppe finden sich in WECOBIS unter Fachinformationen / Reiter Umweltdeklarationen → Ökobau.dat / Umweltindikatoren

Da in der Herstellung von Bauprodukten ein großer Anteil der verursachten Umweltbelastungen auf den Verbrauch von nicht erneuerbaren Energieträgern zurückzuführen ist, stellt die Graue Energie (kumulierter Primärenergieaufwand nicht erneuerbar) dafür einen guten Indikator dar.

Graue Energie

Zellulosefasern 3,2 MJ/kg (= ca. 106 - 256 MJ/m³)
(Schüttdämmstoff, Rohdichte 33 -80 kg/m³, Produktion CH)
Die Flammschutzmittel Borax/Borsäure verursachen zwischen 40 und 50% der Grauen Energie.
Quelle:
Büro für Umweltchemie (Hrsg.); Graue Energie von Baustoffen; 1998; Zürich

Zellulose-Dämmstoffe

Verarbeitung

Technische Hinweise / Verarbeitungsempfehlungen

Dämmstoffe aus losen Zellulose-Flocken werden auf der Baustelle in eine Verarbeitungsmaschine gefüllt und durch ein Schlauchsystem an die Einbaustelle gefördert. Das Einbringen kann durch offenes Aufblasen (z.B. auf Holzbalkendecken zu nicht ausgebauten Dachräumen), durch Einblasen in dichte Hohlräume oder im Sprühverfahren (angefeuchtete Flocken werden direkt z.B. auf Holzständerwände aufgeblasen) erfolgen.

Arbeitshygienische Risiken

Allgemeines

Faserstäube

Insbesondere beim Einbau loser Zellulose-Dämmstoffe kann es zu sehr hohen Staub- und Faserbelastungen kommen. Über die genaue Größenordnung der bei der Verarbeitung loser Zellulose-Flocken auftretenden Staub- und Faserkonzentrationen sowie über deren gesundheitliche Bewertung liegen noch keine allgemeingültigen Ergebnisse vor. Alle bisher durchgeführten Untersuchungen können nur als Einzelergebnisse für repräsentative Arbeitsabläufe betrachtet werden.

Die freigesetzte Staub- und Faserkonzentration hängt neben der Einbausituation (z.B. Zugänglichkeit der Einblasöffnung) maßgeblich von der Art der Verarbeitung, d.h. dem richtigen Umgang mit Werkzeug, Einblasmaschinen und Zubehör ab. Sehr hohe Staubkonzentrationen wurden im Rahmen eines Forschungsvorhabens beispielsweise auch beim Befüllen der Einblasmaschine gemessen.

Da mit einer Grenzwertüberschreitung zu rechnen ist, müssen in jedem Fall persönliche Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Alle sich im Baustellenbereich aufhaltenden Personen müssen geeignete Staubfilter oder Frischlufthelme benutzen.

Der Einbau loser Flocken sollte daher nur durch geschulte und erfahrene Fachbetriebe erfolgen. Eine Liste lizensierter Fachbetriebe ist bei den Herstellern erhältlich. Die professionelle Verarbeitung beinhaltet auch die vollständige Reinigung der Baustelle und die sachgerechte Entfernung der aufgetretenen Stäube. Dies erfolgt am einfachsten durch die Umkehrung der Saugrichtung der Einblasmaschine. Reste können so in die Blasmaschine zurückgesaugt werden. Auf eine gründliche Absaugung ist unbedingt zu achten, da i.d.R. die betroffenen Bereiche nicht feucht zu reinigen sind und sich Reste im Zuge des Baufortschritts im gesamten Gebäude verteilen würden.

Die Verarbeitung von Dämmplatten setzt bei Verwendung des richtigen Werkzeugs (Zuschnitt mit Messer oder  Bandsägen mit Staubabsaugung) und sorgfältiger Reinigung erfahrungsgemäß deutlich weniger Staub und Fasern frei als das Verarbeiten loser Flocken oder Schüttungen. Beim Zuschneiden mit – baustellentypischen – Kreissägen ist jedoch ebenfalls mit hohen Staubkonzentrationen zu rechnen.

Fasergeometrie:
Faserdurchmesser Unterschiedlich starke Zerfaserung abhängig von der Art der Rohstoffe (z.B. Altpapier mit unterschiedlich hohem Recycling-Anteil) und der mechanischen Bearbeitung während der Herstellung des Dämmstoffes (Zerfaserung, Hammermühle etc.). Mit steigendem Zerfaserungsgrad steigt auch der Anteil an lungengängigen Fasern stark an.

Arbeitsplatzgrenzwert AGW (früher: MAK-Wert):
Allgemeiner Staub-Grenzwert nach TRGS 900
A-Staub:   3 mg/m³ (alveolengängige Fraktion, früher: Feinstaub)
E-Staub: 10 mg/m³ (einatembare Fraktion, früher: Gesamtstaub)

Auch für den Einbau vorkonfektionierter Dämmplatten aus Zellulosefasern wird grundsätzlich zur Verwendung von Atemschutzmasken (Halb-/Viertelmaske mit P1-Filter), geschlossener Arbeitskleidung und insbesondere bei Überkopfarbeiten zum Tragen einer Schutzbrille geraten. Verpackte Dämmstoffe sollen erst am Arbeitsplatz ausgepackt, das Material nicht geworfen oder mit Druckluft abgeblasen werden.

Borate als Flammschutzmittel

Für die Verarbeitung von Zellulose-Dämmstoffen, die mit Borsalzen als Flammschutzmittel behandelt sind, die unter Richtlinie 67/548/EWG (genaue Erläuterung s. Rohstoffe / Ausgangsstoffe) fallen, sollten auch vor dem Eintritt der Rechtswirksamkeit der RL folgende Riskiken (R-Sätze) angenommen werden:
- R 60 kann die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen
- R 61 kann das Kind im Mutterleib schädigen

Umweltrelevante Informationen

Wassergefährdung

WGK 1 (schwach wassergefährdende Stoffe) durch Borsalz

Zellulose-Dämmstoffe

Nutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiken bei bestimmungsgemäßer Nutzung

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

Eingebaute Zellulose-Dämmstoffe stehen einsatzbedingt nicht in Kontakt zum Innenraum. Innenraumbelastungen durch Feinstäube sind daher bei ordnungsgemäßem dichtem Einbau in der Nutzungsphase nicht zu erwarten.
Untersuchungen zu Faserbelastungen beim Einbau von Zellulose-Dämmplatten, die die Emissionen bis in die Nutzungsphase hinein verfolgten, haben ergeben, dass die Faserbelastung nach Abschluss der Arbeiten und fachgerechter Reinigung der Baustelle schnell wieder auf Werte absinken, die der generellen Grundbelastung durch lungengängige Fasern in Innenräumen entsprechen. Erhöhte Konzentrationen durch eingebaute organische faserförmige Dämmstoffe konnten nicht nachgewiesen werden.

Untersuchungen zum Schadstoffgehalt in Zellulose-Dämmstoffen haben in sehr geringen als unbedenklich deklarierten Mengen Schwermetalle (Blei, Cadmium, Quecksilber), PCB und Formaldehyd festgestellt. Das Vorhandensein von Kohlenwasserstoffen wie Benzol oder Toluol konnte ausgeschlossen werden.

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Außenraum

Zellulose-Dämmstoffe stehen einsatzbedingt bei ordnungsgemäßem Einbau in der Nutzungsphase nicht in Kontakt zum Außenraum.

Umwelt- und Gesundheitsrisiken im Schadensfall

Brandfall

Rauchgasentwicklung wie bei Papier

Wassereinwirkung

Gefahr des Ausschwemmens von Borsalzen (WGK 1) durch Löschwasser

Beständigkeit Nutzungszustand

Unter der Rubrik Baustoff- und Gebäudedaten / Nutzungsdauern von Bauteilen findet sich auf dem Informationsportal Nachhaltiges Bauen eine Datenbank mit Nutzungsdauerangaben von ausgewählten Bauteilen des Hochbaus für den Leitfaden „Nachhaltiges Bauen“.

Datenbank als PDF

Zellulose-Dämmstoffe

Nachnutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiko Rückbau

Lose Zelluloseflocken müssen beim Ausbau abgesaugt werden, um die Staubbelastung zu minimieren.

Für den Ausbau von Zellulose-Dämmstoffen, die mit Borsalzen als Flammschutzmittel behandelt sind, die unter Richtlinie 67/548/EWG (genaue Erläuterung s. Rohstoffe / Ausgangsstoffe) fallen, sollten auch vor dem Eintritt der Rechtswirksamkeit der RL folgende Riskiken (R-Sätze) angenommen werden:
- R 60 kann die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen
- R 61 kann das Kind im Mutterleib schädigen

Wiederverwendung

Sortenrein abgesaugte Zelluloseflocken können im Prinzip in gleicher Funktion wiederverwendet werden.
Bei zerstörungsfreiem Ausbau (lose verlegt) ist auch eine Wiederverwendung unverschmutzter Zellulose-Dämmplatten möglich.

Stoffliche Verwertung

→ auch Lexikon / Verwertung
Zellulose-Dämmstoffe sind prinzipiell auf gleichem Funktonsniveau wiederverwertbar. Z.T. besteht eine Rücknahmegarantie durch die Hersteller zur Wiederaufbereitung.

Wegen des hohen Anteils an Borsalz sind Zellulose-Dämmstoffe nicht kompostierbar. Inzwischen sind auch Zellulose-Dämmstoffe ohne Borsalz auf dem Markt, die nach Herstellerangabe theoretisch eine Kompostierung zur Verwertung auf Flächen zulassen. Vorraussetzung ist aufgrund des alternativ eingesetzten Ammoniumpolyphosphats eine ausreichende Vermischung mit phosphatfreiem Kompost (Überdüngung).
Zellulose-Dämmstoffe gehören derzeit jedoch nicht zu den für eine Verwertung auf Flächen grundsätzlich geeigneten Bioabfällen gemäß BioAbfV / Anhang 1 (nur unbehandelte Zellulosefaserabfälle aus der Textilindustrie).

Energetische Verwertung

Ist eine stoffliche Verwertung nicht möglich, müssen Zellulose-Dämmstoffe der energetischen Verwertung zugeführt werden.
Heizwert :
Zellulosedämmplatte 17 MJ/kg
Zelluloseflocken 24,7 MJ/kg
Quelle:
KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung; Informationsbroschüre „Umweltverträglichkeit von Gebäudedämmstoffen“;06/2003; Ministerium für Umwelt, Natur und Forsten des Landes Schleswig-Holstein, Kiel

Beseitigung / Verhalten auf der Deponie

Eine Deponierung von Zellulose-Dämmstoffen ist seit dem 01.05.2005 ohne thermische / energetische Vorbehandlung nicht mehr möglich.

EAK-Abfallschlüssel

17 Bau- und Abbruchabfälle
17 06 04 Dämmmaterial mit Ausnahme desjenigen, das unter 17 06 01 und 17 06 03 fällt

siehe auch Lexikon / Abfallschlüssel