Flachs/Hanf-Dämmstoffe

Produktgruppeninformation

Begriffsdefinition

Dämmstoffe aus Flachs oder Hanf gehören unter den organischen Dämmstoffen zur Gruppe der pflanzlichen Faserdämmstoffe (Stengelfasern). Bei größeren Dämmstoffdicken werden z.T. synthetische Stützfasern zur Verbesserung der Formstabilität eingesetzt. Die Dämmwirkung wird durch den Einschluss ruhender Luft in den Faserzwischenräumen erzeugt.

Flachs ist eine zu den Bastfasern gehörende Textilfaser, die aus dem Stengel der heimischen Flachspflanze gewonnen wird. Die Langfasern des Stengels werden in der Textilindustrie zu Leinen verarbeitet. Aus den Kurzfasern, einem Nebenprodukt der Langfasern, werden Flachsdämmstoffe hergestellt.

Der Hanfanbau ist seit 1996 in Deutschland für einige rauschgiftarme Sorten wieder erlaubt. Hanf ist eine äußerst robuste, anspruchslose und schnellwachsende Pflanze. Unter guten Bedingungen ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nicht nötig. Hanfdämmstoffe werden aus den Nebenprodukten des Hanfanbaus, den Hanffasern und Schäben, hergestellt.

Besonders wichtige Eigenschaft hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Insbesondere beim Einblasen loser Hanffasern muss mit einer hohen Staubentwicklung gerechnet werden. Die freigesetzte Staub- und Faserkonzentration hängt neben der Einbausituation (z.B. Zugänglichkeit der Einblasöffnung) maßgeblich von der Art der Verarbeitung, d.h. dem richtigen Umgang mit Werkzeug, Einblasmaschinen und Zubehör ab. Zur Auswahl einer routinierten Fachfirma wird dringend geraten.

Bei Verwendung von Hanf-Dämmstoffen mit Einzelzulassung für die Verwendung in Bauteilen aus Holz (DZ + WH) im Bereich der Gefährdungsklasse 0 (GK0) nach DIN 68800-2 ist z.B. bei Zwischensparrendämmung kein chemischer Holzschutz notwendig. (s.u. Anwendungsbereiche)

Flammschutzmittel / Borate

Flachsdämmstoffe enthalten derzeit noch Borate (Borsalze) als Flammschutzmittel. Einige Borate (z.B. Dinatriumtetraborat) sind bereits auf der REACH-Kandidatenliste für besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) geführt.  Von einem Hersteller werden als Flammschutzmittel für Flachsdämmstoff Dinatriumoctaborate angegeben. Diese sind derzeit nicht auf der Kandidatenliste und damit nicht als SVHC eingestuft (wie z.B. Dinatriumtetraborat), haben aber ebenfalls besonders besorgniserregende Eigenschaften: Einstufung als reproduktionstoxisch Kategorie 1A (H360FD)

Für Hanfdämmstoffe werden als Flammschutzmittel Soda (Natriumcarbonat) oder Ammoniumphosphate angegeben (beide ohne besonders besorgniserregende Eigenschaften).

Produkte mit dem natureplus-Qualitätszeichen unterliegen einer Prüfung von Kriterien hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz, die den gesamten Produktlebenszyklus berücksichtigen (weitere Informationen siehe Reiter Zeichen & Deklarationen). Sie müssen sich zudem einer jährlichen Nachprüfung unterziehen.
Bei Flachs- oder Hanfdämmstoffprodukten mit dem natureplus-Qualitätszeichen sind Borverbindungen als Flammschutz oder zum Schutz vor mikrobiellem Befall über die Vergaberichtlinien ausgeschlossen.

Lieferzustand

Flachsdämmstoffe: Platten, Filze, Streifen, lose Stopfwolle
Hanfdämmstoffe: Platten / Rollen, Filze, lose Stopfwolle, Einblasdämmstoff

Anwendungsbereiche (Besonderheiten)

Verwendung in Bauteilen aus Holz nach DIN 68800-2 bei DZ (Zwischensparrrendämmung, DIN 4108-10) oder bei WH (Dämmung vonHolzrahmen-und Holztafelbauweise, DIN 4108- 10):

Bei Verwendung von Flachs-Dämmstoffen in DZ oder WH ist eine Einstufung in Gefährdungsklasse 0 (GK0) nach DIN 68800-2 nicht möglich. Das heißt, dass z.B. bei Zwischensparrendämmung mit Flachs-Dämmstoffen chemischer Holzschutz notwendig wäre.

Für Hanf-Dämmstoffe liegen Einzelzulassungen vor.
Quelle: Deutsches Institut für Bautechnik (DIBt), Stand Juli 2008 

genaue Erläuterung → Anwendungsbereiche Dämmstoffe

Quellen

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR), www.fnr.de:
Borschürenseite zum Thema Bauen
Marktübersicht - Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, FNR 2014 (download)

Flachs/Hanf-Dämmstoffe
Flachs/Hanf-Dämmstoffe

Planungs- und Ausschreibungshilfen

WECOBIS informiert produktneutral. An verschiedenen Stellen bietet WECOBIS jedoch auch Unterstützung dazu, wie sich Produkte innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer ökologischen Eigenschaften unterscheiden lassen.

Informationen hier im Reiter Ausschreibung:

  • Links zu materialökologischen Anforderungen und Textbausteinen für Planung und Ausschreibung im WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen,
  • Hinweise auf mögliche Quellen und Nachweisdokumente zu Planungs- und Ausschreibungskriterien,
  • zusammenfassende Informationen zum Lebenszyklus
  • Informationen zu möglichen Alternativen

Übersicht Planungs- und Ausschreibungshilfen: Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen
Stand 06/2015

  Flachs-/Hanf-Dämmstoffe

Holzfaserdämmplatten

Holzwolle-Dämmplatten (nicht in Wecobis)

Kork-DämmstoffeSchafwolle-DämmstoffeZellulose-Dämmstoffe
             
  Material-
ökologische Anforderungen
Im neuen Modul "Planungs- & Ausschreibungshilfen" bietet WECOBIS eine Übersicht zu möglichen materialökologischen Anforderungen und Textbausteine für Planung und Ausschreibung. Inhalt aufklappen
   
Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS

organische Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen

---

Dämmstoffe in WDVS

organische Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen

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Dämmstoffe in WDVS
organische Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen

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Dämmstoffe in WDVS
organische Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen organische Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen
  Mögliche Quellen Die hier genannten Quellen, insbesondere BNB, bilden die Grundlage für Planungs- und Ausschreibungshilfen bzw. materialökologische Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS. Inhalt aufklappen
   
Bewertungssystem
Nachhaltiges Bauen

(BNB) des BMUB /
Kriterium 1.1.6 (Risiken für die lokale Umwelt)

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMUB steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen. Die o.g. Textbausteine und materialökologischen Anforderungen in WECOBIS basieren derzeit auf Kriteriensteckbrief 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt. Dieser steht in engem Zusammehang mit Kriteriensteckbrief 3.1.3 Innenraumhygiene.

Auch wenn ein Gebäude nicht zertifiziert werden soll, bilden die einzelnen Kriteriensteckbriefe eine gute Grundlage, Orientierung und Hilfestellung für die Umsetzung ökologischer Aspekte in der Gebäudeplanung.

Einordung der jeweiligen Dämmstoffe hinsichtlich verschiedener Kriteriensteckbriefe siehe Reiter Bewertungssysteme in WECOBIS

Umweltbundesamt
(UBA)
Auf den Internet-Seiten des Umweltbundesamtes (UBA) befindet sich der „Informationsdienst für umweltfreundliche Beschaffung“. Die Seiten werden gerade überarbeitet, sodass sich dort derzeit aus dem Baubereich nur Ausschreibungsempfehlungen zu Elastischen Bodenbelägen, Tapeten und Raufaser finden.
baubook ökologisch ausschreiben Die Plattform baubook ökologisch ausschreiben bietet eine Sammlung von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen finden sich Kriterien in der Gruppe der Dämmstoffe / Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen.
natureplus Ausschreibungstexte + + + + +
  Mögliche Nachweis-
dokumente
weitere Nachweismöglichkeiten neben den folgend genannten sind Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, sowie Herstellererklärungen oder ggf. ein Anhang mit Nachhaltigkeitsmerkmalen zur bauaufsichtlichen Zulassung (abZ+). Inhalt aufklappen
   
gesetzlich vorgeschrieben: Welche Nachweisdokumente müssen vom Hersteller zur Verfügung gestellt werden? Welcher Nachweis kann damit erbracht werden?
REACH / CLP:
Sicherheitsdatenblatt (SDB)
Dämmstoffe in Plattenform werden als Erzeugnis eingestuft. Für Erzeugnisse ist kein SDB vorgeschrieben. Die pflichtgemäße Leistungserklärung zur CE-Kennzeichnung für Bauprodukte, die unter den Geltungsbereich der BauPVO fallen, muss Angaben über SVHC enthalten oder mitliefern (kein harmonisiertes Format, erfordert ggf. Nachfrage). Für alle Bauprodukte (Erzeugnisse), also auch solche, die nicht im Geltungsbereich der BauPVO liegen, besteht ein Auskunftsrecht für SVHC. Für die Anfrage an den Hersteller steht auf dem Informationsportal des Umweltbundesamtes zu REACH ein Musterbrief zum Download zur Verfügung.

Alle Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen fallen in den Geltungsbereich der BauPVO (s. Listung in Bauregelliste B Teil 1 / 1.5 Dämmstoffe für den Wärme- und Schallschutz und 4.12.1 ff).

Die Einstufung von Dämmstoffen in loser Form (Schüttungen, Einblasflocken) ist schwierig. Werden sie als Stoff oder Gemisch eingestuft, müssen Produkt bezogene Informationen gemäß CLP-Verordnung in den Sicherheitsdatenblättern (SDB) gemäß den Anforderungen in Art.31 REACH-VO in Verbindung mit Anhang II (Nachweis gefährliche Stoffe, Nachweis SVHC >= 0,1 Gew.-%) der jeweiligen Produkte ausgewiesen sein. Für Erzeugnisse gilt das o.g..

Leistungserklärung gemäß BauPVO mit Angaben zu SVHC (kein harmonisiertes Format, erfordert ggf. Nachfrage) +
(s. BRL B Teil 1 / 4.12.1.2 ff)

+
(s. BRL B Teil 1 / 1.5.10)

+
(s. BRL B Teil 1 / 1.5.9)
+
(s. BRL B Teil 1 / 4.12.1.2 ff)
+
(s. BRL B Teil 1 / 4.12.1.2 ff)
allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) aus  Gesundheits-
schutzgründen bzw. Umweltschutzgründen

Werkmäßig hergestellte Dämmstoffe aus pflanzlichen oder tierischen Fasern nach Bauregelliste B Teil 1 / 4.12.1.2 ff, 4.12.1.3 und 4.1.12.6 benötigen bei der Verwendung in Aufenthaltsräumen einschließlich zugehöriger Nebenräume eine abZ aus Gesundheitsschutzgründen. Sie umfasst eine Emissionsprüfung zur quantitativen Bestimmung und Bewertung flüchtiger (VOC) und schwer flüchtiger (SVOC) Verbindungen auf Basis des AgBB-Bewertungsschemas. (siehe auch Bauregelliste B Teil 1)
Hiervon ausgenommen sind Dämmstoffe, die nach Maßgabe der jeweiligen europäischen technischen Zulassung (ETA) hinsichtlich des Gesundheitsschutzes und den diesbezüglichen Angaben ergänzend zur CE-Kennzeichnung dem Produkttyp 1 oder 2 entsprechen.
Hinweis:
Derzeit sind dafür noch keine Zulassungsnummern vergeben, d.h. es gibt auch noch keine Produkte mit der geforderten abZ (Stand 06/2015, siehe aktuelle Liste Gesundheitsschutz DIBt).  Produkte mit z.B. natureplus-Qualitätszeichen (s. auch Reiter Zeichen & Deklarationen) erfüllen diese Anforderungen mindestens und unterliegen einer jährlichen Nachprüfung.

Dämmstoffe aller Materialien, die als Verlegeunterlagen unter Bodenbelägen verwendet werden (siehe auch Bauregelliste B Teil 1, lfd. Nr. 1.18.1 bzw. 1.18.3), benötigen ebenfalls eine abZ aus Gesundheitsschutzgründen. Dafür gibt es bereits Zulassungsnummern.

Dämmstoffe aller Materialien, die in Bausätzen aus vorgefertigten Elementen für die Wärmedämmung von Außenwänden verwendet werden. (siehe auch Bauregelliste B Teil 1, lfd. Nr. 3.4.2) müssen den Nachweis der Umweltverträglichkeit durch eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung erbringen.
Hinweis:
Auch für diesen Fall ist noch keine Zulassungsnummer vergeben, d.h. es gibt noch keine Produkte (siehe aktuelle Liste Umweltschutz DIBt).

abZ der Gruppen Z-158.10-.... (Verlegeunterlagen)

---

weitere Zulassungsnummer noch nicht vergeben (s.o. Hinweis) / für Produkttyp 1+2 nicht erfoderlich (in ETA prüfen)

abZ der Gruppen Z-158.10-.... (Verlegeunterlagen) abZ der Gruppen Z-158.10-.... (Verlegeunterlagen)

abZ der Gruppen Z-158.10-....(Verlegeunterlagen)

---

weitere Zulassungsnummer noch nicht vergeben (s.o. Hinweis) / für Produkttyp 1+2 nicht erfoderlich (in ETA prüfen)

weitere Zulassungsnummer noch nicht vergeben (s.o. Hinweis) / für Produkttyp 1+2 nicht erfoderlich (in ETA prüfen)
freiwillige Produktkenn-zeichnungen / -deklarationen Für einige Bauproduktgruppen existieren freiwillige Produktkennzeichnungen oder -deklarationen wie z.B. Umweltzeichen oder Umweltproduktdeklarationen, die als Nachweis für materialökologische Anforderungen dienen können. Eine Übersichtstabelle dazu mit detaillierten Informationen zu Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen findet sich im Reiter Zeichen & Deklarationen.

Übersicht Lebenszyklusinformationen: Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen

  Flachs-/Hanf-Dämmstoffe

Holzfaserdämmplatten

Holzwolle-Dämmplatten (nicht in Wecobis)

Kork-DämmstoffeSchafwolle-DämmstoffeZellulose-Dämmstoffe
             
  Rohstoffe Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Rohstoffe)
   
Hauptbestandteile nach Rohstoffherkunft
Anteil fossiler Rohstoffe

Flachs: 0-10 M-% (Stützfasern)

Hanf: 0 M-%

2-15 M-% (Verleimung, ggf. Hydrophobierung, ggf. Stützfasern) 0 M-% 0-12% Stützfasern

Flocken: 0 M-%

Platten: bis zu 6 M-% Stützfasern

Anteil mineralischer Rohstofffe

Flachs: bis zu 10 M-%
(Flammschutzmittel)

Hanf: 2-5 M-%
(Flammschutzmittel)

0-8 M-%
(mineralische Zusätze)

0 M-%

0,1-6% (Mottenschutz, ggf. Flammschutz) bis zu 10 M-% (Flammschutzmittel)
Anteil erneuerbarer Rohstoffe

Flachs: 80-90 M-%

Hanf: 95-97 M-%

85-98 M-%  (abh. von Dicke, Funktion, Herstellungsverfahren) 100 M-% 88-99% M-% 85-92 M-%
Charakteristische Inhaltsstoffe
Hauptanteil / Namensgeber

Flachsfasern,
bzw.
Hanffasern

Holzfasern (Fichte, Tanne, Kiefer) Kork Schafschurwolle Zellulose
Bindemittel / Verklebung

Flachs: Kartoffelstärke

Hanf: keine

Nassverfahren: holzeigene Harze möglich

Trockenverfahren:
Weißleim oder PUR-Verleimung

korkeigenes Harz keine nur bei Platten: Ligninsulfonat, Tallharz, Aluminiumsulfat (Alaun)
Flammschutzmittel

Flachs: i.d.R. Borsalze (Dinatriumoctaborat)

Hanf: Soda, Ammoniumphosphat

Ammmoniumpoly-
phoshat, Aluminium-
phosphat oder -sulfat, z.T. Borate
-

keine,
bzw. bei sehr leichten / mit Stützfasern verfestigten Produkten Flammschutzmittel erforderlich:
ggf. 4-6% z.B. Kaliumhexafluorotitanat (mineralisches Salz) ,
i.d.R. boratfrei,
z.T. werden phosphororganische Flammschutzmittel (Aflammit) angegeben.

Borsäure, jetzt i.d.R. zwar <5,5% (Einstufungsgrenzwert), aber >0,1% (Deklarationsgrenzwert SVHC)

alternativ boratfrei möglich:
bis zu 10% mineralische Additive, z.B. Ammoniumpolyphosphat

weitere mögliche Zusätze

Flachs: z.T. Polyesterfasern (Stützfasern)

Hanf: Polyesterfasern auf pflanzlicher Basis (z.B. soja-, maisbasiert / Stützfasern)

ggf. Hydrophobierung: Latex, Paraffin oder Bitumen

ggf. Stützfasern:
Polyolefinfasern

-

bis zu 2% Wollschutz / Mottenschutz:
z.B. Kaliumhexafluorotitanat (mineralisches Salz),
z.T. werden auch noch Pyrethroide angegeben (z.B. synthetisches Pyrethrum, Konservan = gekapseltes Permethrin oder)

z.T. bis zu 12% Stützfasern (Polyester)

ggf. Stützfasern bei Platten:
Polyolefinfasern

Eigenschaften
Struktur / Dämmwirkung durch ... pflanzlicher Faser-Dämmstoff / Luft in den Faserzwischenräumen pflanzlicher Faser-Dämmstoff / Luft in den Faserzwischenräumen pflanzlicher Schaum-Dämmstoff (expandiert) / luftgefüllte Zellen tierischer Faserdämmstoff / Luft in den Faser-zwischenräumen organischer Faserdämmstoff / Luft in den Faserzwischenräumen
Besonderheiten - - - geeignet zur Sanierung von schadstoffbelasteten Innenräumen (Schadstoffabbau, z.B. Formaldehyd) -
Sonstiges
Verwendung von Recyclingmaterialien - - ggf. Flaschenkorken für die Herstellung von Korkschrot

z.T. recyclierte PES-Stützfasern

i.d.R. aus Tageszeitungs-Altpapier (Remittenden = nicht benutztes Zeitungspapier)
  Herstellung Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Herstellung)
  Ökobau.dat-Datensätze Datensätze zu Flachs-/Hanf-Dämmstoffen: siehe 2. Dämmstoffe / 2.12 Flachsfaser bzw. 2.13 Hanffaser Datensätze zu Dämmstoffen aus Holz: siehe 2. Dämmstoffe / 2.7 Holzwolleplatten bzw. 2.10 Holzfasern Datensätze zu Kork-Dämmstoffen  liegen noch nicht vor. Datensätze zu Schafwolle-Dämmstoffen liegen noch nicht vor. Datensätze zu Zellulosefaser-Dämmstoffen: siehe 2. Dämmstoffe / 2.11 Zellulosefaser
  Verarbeitung Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Verarbeitung, zu ggf. vorhandenen verarbeitungsspezifischen Produktkennzeichnungen wie z.B. Giscode, siehe Reiter Zeichen & Deklarationen)
  Verarbeitungsweise / Lieferzustand Platten, lose Fasern, Stopfwolle oder Schüttung Platten Platten, Granulat (Korkschrot) Platten/Matten, Stopfwolle lose Flocken, Platten
  Arbeitshygienische Risiken

Staubbelastung beim Einbringen loser Fasern (insbesondere beim Einblasen) möglich

Platten sind angenehm zu verarbeiten (kein Jucken, Kratzen)

keine, außer Staubemissionen beim Zuschneiden der Platten keine,
außer bei minderwertigen Backkork-Produkten, die mit zu hoher Temperatur expandiert wurden (PAK, Phenole / unangenehmer Geruch)

Staubbelastung beim Einbau möglich

Platten sind angenehm zu verarbeiten (kein Jucken, Kratzen)

Staubemissionen beim Einblasen loser Flocken möglich, darf nur von lizensierten Fachfirmen verarbeitet werden.
  Nutzung Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Nutzung, zur Innenraumhygiene nach BNB siehe siehe Reiter Bewertungssysteme, zu ggf. vorhandenen innenraumrelevanten Produktkennzeichnungen wie z.B. Blauer Engel, siehe Reiter Zeichen & Deklarationen)
   
VOC-/SVOC-, Formaldehyd- Emissionen keine1 keine1 keine1

keine1,2

keine1
Besonderheiten - - -

geeignet zur Sanierung von schadstoffbelasteten Innenräumen (Schadstoffabbau, z.B. Formaldehyd)

-
 

1 Von den als Flammschutzmittel eingesetzten Salzen oder anorganischen Phosphaten  (z.B. Ammoniumphosphat) sind keine Innenraumbelastungen bekannt.Bei in Schafwolle-Dämmstoffen vereinzelt als Flammschutzmittel angegebenen phosphororganischen Verbindungen besteht die Möglichkeit von Formaldehydabgaben in den Innenraum, die aber vermutlich gering sind.
Quelle: Forschungsbericht 204 08 542 (alt) 297 44 542 (neu) des Umweltbundesamtes, 2000

2 Vereinzelt werden noch Pyrethroide als Mottenschutz angeben (s. Rohstoffe). Bei Kontakt mit der Innenraumluft sollten pyrethroidfreie Produkte bevorzugt und eine aussagekräftige Deklaration eingefordert werden.

Produkte mit dem natureplus-Qualitätszeichen dürfen bestimmte Grenzwerte hinsichtlich VOC- oder Formaldehyd-Emissionen sowie weiterer Schadstoffe nicht überschreiten und unterliegen jährlichen Folgeprüfungen. U.a. ist auch eine Volldeklaration Voraussetzung.

  Nachnutzung Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Nachnutzung)
   
Rückbaubarkeit / Trennbarkeit bei loser Verlegung bzw. bei Schüttungen geringer Aufwand bei loser horizontaler Verlegung geringster Aufwand, bei mechanischer Befestigung mittlerer Aufwand, hoher Aufwand bei Verklebung in WDVS bei Schüttungen bzw. loser Verlegung geringer Aufwand geringer Aufwand, da i.d.R. lose oder mechanisch befestigt, nicht verklebt geringer Aufwand bei Einblasflocken oder loser Verlegung
Verwertbarkeit / Recyclingfähigkeit bei sortenreinem Ausbau und Rücknahmesystem (zum Teil vorhanden) des Herstellers möglich bei sortenreinem Ausbau theoretisch möglich, aber nicht wirtschaftlich, daher i.d.R. nicht praktiziert bei sortenreinem Ausbau möglich, z.B. Verarbeitung zu Korkschrot zur Bodenauflockerung, aber nicht wirtschaftlich bei sortenreinem Ausbau und Rücknahmesystem (zum Teil vorhanden) des Herstellers möglich bei sortenreinem Ausbau und Rücknahmesystem (zum Teil vorhanden) des Herstellers möglich
Typischer Entsorgungsweg

wenn kein Rücknahemsystem des Herstellers vorh.:

energetische Verwertung oder Kompostierung

energetische Verwertung

energetische Verwertung

wenn kein Rücknahemsystem des Herstellers vorh.:

energetische Verwertung oder Kompostierung

wenn kein Rücknahemsystem des Herstellers vorh.:

energetische Verwertung (Kompostierung aufgrund von Borsalz oder hohen Phosphatanteilen nicht bzw. nur eingeschränkt möglich)
Energiegewinnung möglich? möglich möglich möglich möglich möglich

Alternativen hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Bei Verwendung von Hanf-Dämmstoffen mit Einzelzulassung für die Verwendung in Bauteilen aus Holz (DZ + WH) im Bereich der Gefährdungsklasse 0 (GK0) nach DIN 68800-2 ist z.B. bei Zwischensparrendämmung kein chemischer Holzschutz notwendig. (siehe Anwendungsbereiche)

Flammschutzmittel / Borate

Flachsdämmstoffe enthalten derzeit noch Borate (Borsalze) als Flammschutzmittel. Einige Borate (z.B. Dinatriumtetraborat) sind bereits auf der REACH-Kandidatenliste für besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) geführt.  Von einem Hersteller werden als Flammschutzmittel für Flachsdämmstoff Dinatriumoctaborate angegeben. Diese sind derzeit nicht auf der Kandidatenliste und damit nicht als SVHC eingestuft (wie z.B. Dinatriumtetraborat), haben aber ebenfalls besonders besorgniserregende Eigenschaften: Einstufung als reproduktionstoxisch Kategorie 1A (H360FD)

Für Hanfdämmstoffe werden als Flammschutzmittel Soda (Natriumcarbonat) oder Ammoniumphosphate angegeben (beide ohne besonders besorgniserregende Eigenschaften).

Produkte mit dem natureplus-Qualitätszeichen unterliegen einer Prüfung von Kriterien hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz, die den gesamten Produktlebenszyklus berücksichtigen (weitere Informationen siehe Reiter Zeichen & Deklarationen). Sie müssen sich zudem einer jährlichen Folgeprüfung unterziehen.
Bei Flachs- oder Hanfdämmstoffprodukten mit dem natureplus-Qualitätszeichen sind Borverbindungen als Flammschutz oder zum Schutz vor mikrobiellem Befall über die Vergaberichtlinien ausgeschlossen.

Weitere planungs- und ausschreibungsrelevante Informationen in WECOBIS

Allgemeine Unterstützung zum Umgang mit Nachhaltigkeitsaspekten in Planung und Ausschreibung sowie Hinweise auf Leitfäden, Arbeitshilfen und Veröffentlichungen zum Nachhaltigen Bauen bietet das neue WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen unter Allgemeine Infos.

Flachs/Hanf-Dämmstoffe

Umweltdeklarationen

Die folgende Tabelle liefert eine Übersicht zu Zeichen & Deklarationen aus dem Bereich der Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen. Neben Herstellererklärungen, Informationen in Sicherheitsdatenblättern (SDB), Leistungserklärungen oder allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen (abZ) können diese den Nachweis für umwelt- und gesundheitsrelevante Kriterien in Planung und Ausschreibung (s. Reiter Ausschreibung) ermöglichen. Detaillierte Informationen finden sich außerdem in den einzelnen Produktgruppen.

Übersicht Umweltdeklarationen: Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen
Stand 04/2015

 

 

Flachs-/Hanf-Dämmstoffe

Holzfaserdämmplatten

Holzwolle-Dämmplatten (nicht in Wecobis)

Kork-DämmstoffeSchafwolle-DämmstoffeZellulose-Dämmstoffe
             
  Umweltzeichen Umweltzeichen gehören zu den freiwilligen Produktkennzeichnungen. Sie bieten die Möglichkeit, Unterschiede von Produkten innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer Umwelt- und Gesundheitsrelevanz festzustellen, auch wenn sie keine allgemeinverbindlichen Gebote oder Verbote aufstellen können. Inhalt aufklappen
   
Blauer Engel
weil umweltgerechter Wärmeschutz / RAL-UZ 140 Wämedämmverbund-systeme

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

 

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

./.

./.

Blauer Engel
weil emissionsarm / RAL-UZ 132  (Wärmedämmstoffe und Unterdecken)

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

 

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

Blauer Engel
weil emissionsarm / RAL-UZ 156 (Verlegeunterlagen)

-

(nicht im Geltungsbereich, aber als Verlegeunterlage möglich)

+

+

(derzeit nur als Kombiprodukt)

-

(nicht im Geltungsbereich, aber als Verlegeunterlage möglich)

 ./.
EU-Umweltzeichen (Blume) -
- - - -
Österreichisches Umweltzeichen /

Richtlinie UZ 44
Wärmedämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen

+

+

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

+
natureplus-Qualitätszeichen / RL 0100ff (nur für Produkte aus nachwach. und/oder umweltverträglich gewonnenen mineral. Rohstoffen / mind. 85 Masse%)

RL 0101 (Hanf)

---

RL 0102 (für Flachs derzeit kein Produkt zertifiziert)

---

RL 0300 Wärmedämm-verbundsystem und RL 0301 Wärmedämm-verbundsysteme für Innen (für Hanf derzeit kein Produkt zertifiziert)

RL 0104 (Holzfaserdämmplatten)

---
RL 0105 / 0108 (Einblas- und Schüttdämmstoffe aus Holzfasern / Holzspänen)

---

RL 0300 Wärmedämm-verbundsystem (WDVS - Holzfaser-Dämmstoffe)

---

RL 0301 Wärmedämm-verbundsysteme für Innen (für Dämmsysteme mit Holfaser-Dämmplatte derzeit kein Produkt zertifiziert)

RL 0113 (für Kork derzeit kein Produkt zertifiziert)

---

RL 0300 Wärmedämm-verbundsystem und RL 0301 Wärmedämm-verbundsysteme für Innen (für Kork derzeit kein Produkt zertifiziert)

RL 0103 (Schafwolle)

RL 0106 (für Dämmplatten auf Basis Zellulose derzeit kein Produkt zertifiziert)

RL 0107 (Einblasdämmstoffe auf Basis von Zellulose)

Nordischer Schwan - - - - -

EMICODE
/ Raumlufthygiene,
hier: ggf. für Verlegeunterlagen

+

(möglich, aber nicht üblich für Produktgruppe)

+

(möglich, aber nicht üblich für Produktgruppe)

+

+

(möglich, aber nicht üblich für Produktgruppe)

./.
Eurofins Zertifizierung "Indoor Air Comfort Gold" (Formaldehyd-Grenzwert  strenger / VOC-Grenzwerte weniger streng als Blauer Engel)

-

(derzeit nicht im Geltungsbereich)

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

-

(derzeit nicht im Geltungsbereich)

-

(derzeit nicht im Geltungsbereich)

  GISBAU Klassifizierungs-system

Das GISBAU Klassifizierungssystem ermöglicht es durch den GISCODE oder GISBAU Produktcode, Produkte von denen die gleichen Gesundheitsgefahren ausgehen, in einer Gruppe zusammenzufassen. Die Klassifizierung ist auf den Arbeitsschutz ausgerichtet. Gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) ist grundsätzlich das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen zu verwenden. (siehe unten: Ersatzproduktgruppe prüfen?) Inhalt aufklappen

   

GISBAU Produkt-Code / GISCODE

Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen sind nicht im GISBAU-System über GISCODES klassifiziert. Informationen zu arbeitshygienischen Risiken siehe Reiter Verarbeitung.

  Umweltprodukt-deklaration (EPD)

Die Umweltproduktdeklaration (EPD = Environmental Product Declaration) eines Produktes macht Aussagen zum Energie- und Ressourceneinsatz und in welchem Ausmaß ein Produkt zu Treibhauseffekt, Versauerung, Überdüngung, Zerstörung der Ozonschicht und Smogbildung beiträgt. Außerdem werden Angaben zu technischen Eigenschaften gemacht, die für die Einschätzung der Performance des Bauproduktes im Gebäude benötigt werden, wie Lebensdauer, Wärme- und Schallisolierung oder den Einfluss auf die Qualität der Innenraumluft.1 Inhalt aufklappen

   
EPD1 - + - - -
Branchen-EPD1 - - - - -
  Umweltindikatoren

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren wie z.B Primärenergieaufwand, Abfall, Abiotischer Ressourcenverbrauch, Ozonabbaupotential, Treibhauspotential usw. liefert die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB. Inhalt aufklappen

   
Ökobau.dat-Datensätze Datensätze zu Flachs-/Hanf-Dämmstoffen: siehe 2. Dämmstoffe / 2.12 Flachsfaser bzw. 2.13 Hanffaser Datensätze zu Dämmstoffen aus Holz: siehe 2. Dämmstoffe / 2.7 Holzwolleplatten bzw. 2.10 Holzfasern Datensätze zu Kork-Dämmstoffen  liegen noch nicht vor. Datensätze zu Schafwolle-Dämmstoffen liegen noch nicht vor. Datensätze zu Zellulosefaser-Dämmstoffen: siehe 2. Dämmstoffe / 2.11 Zellulosefaser
  Sonstiges Sonstige freiwillige Produktkennzeichnungen, die Informationen zur Umwelt- und Gesundheitsrelevanz von Produkten liefern können. Inhalt aufklappen
   
baubook-Deklaration Die Plattform baubook ökologisch ausschreiben bietet eine Sammlung von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen finden sich Kriterien in der Gruppe der Dämmstoffe / Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen.
+ Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe vorhanden
- Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe nicht vorhanden
./. Zeichen / Label für diese Produktgruppe nicht relevant
x Produkte aus dieser Produktgruppe können die Kriterien des Zeichens/Labels definitionsgemäß nicht erfüllen

1 Die hier als vorhanden markierten EPDs und Branchen-EPDs sind als Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu verstehen und finden sich z.B. auf den Seiten des IBU Institut Bauen und Umwelt e.V..

Flachs/Hanf-Dämmstoffe

Bewertungssystem

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)

   
  Wofür steht das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)? Inhalt aufklappen
 

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMUB steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen.
Ausführliche Informationen zum BNB-System siehe www.nachhaltigesbauen.de

  Welche Informationen liefert WECOBIS für BNB im Reiter Bewertungssysteme? Inhalt aufklappen
 

WECOBIS führt in den Datenblättern der Bauproduktgruppen umfangreiche Informationen zur Beantwortung der verschiedenen Fragestellungen im Hinblick auf Umwelt- und Gesundheitsaspekte. Im Reiter Bewertungssysteme bietet WECOBIS gezielt Antworten auf Fragestellungen baustoffrelevanter Steckbriefe. Durch die Bündelung von Aspekten z.B. bzgl. der Risiken für die lokale Umwelt, Fragen zur Innenraumhygiene und der Thematik Rückbau, Trennung, Verwertung gibt WECOBIS gezielte Hilfestellung bei der Einordnung einzelner Baustoffe. Tiefergehende Informationen finden sich über die Verknüpfungen in den jeweiligen Datenblättern.
Hinweis: Eine abschließende Beurteilung im Rahmen des Bewertungssystems und der genannten Kriterien erfolgt jedoch grundsätzlich in Abhängigkeit weiterer baulicher Gegebenheiten (z.B. eingebaute Menge).

BNB-Kriterium BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau)

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_1.1.6 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

BNB-Kriterium BN_1.1.6 zielt auf die Reduzierung bzw. Vermeidung von Stoffen und Produkten beim Neubau, die aufgrund ihrer stofflichen Eigenschaften oder Rezepturbestandteile ein Risikopotenzial für Grundwasser, Oberflächenwasser, Boden und Luft (auch Innenraumluft) enthalten. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 5 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung der Substitution eines Stoffes.

Für den Umgang mit Materialien im Bestand und deren Einordnung ist Kriteriensteckbrief BK_1.1.6. heranzuziehen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau) und BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

Einordnung der Flachs-/Hanfdämmstoffe:

Für die Bewertung nach Kriterium BNB_BN_1.1.6 (Version V 2014_1) werden sechs potenzielle Schadstoffgruppen betrachtet. Für die Einordnung der Flachs-/Hanfdämmstoffe gemäß 1.1.6 sind die hervorgehobenen Schadstoffgruppen 1, 2, 4 + 6  relevant: 
1  Gefährliche und besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC)
2  Gefährliche Stoffe, die ausgelaugt werden können*
3  Schwermetalle (bei Bodenbelägen als Stabilisatoren in Kunststoffen)
4  Flüchtige organische Verbindungen (VOC) einschließlich organische Lösemittel*
5  Halogenierte Kälte- und Treibmittel
6  Biozide

*Hinweise:

  • Dämmstoffe aus Flachs- und Hanf sind von Schadstoffgruppe 2 nur insofern betroffen, falls sie in einem Bausatz aus vorgefertigten Elementen für die Wärmedämmung von Außenwänden nach ETAG 017 verwendet werden (s.u. Anforderungen).
  • Für Dämmstoffe enthält Kriteriensteckbrief 1.1.6 derzeit nur im Rahmen allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassungen gestellte innenraumrelevante Anforderungen an bestimmte Bauproduktgruppen, weshalb die folgenden Anforderungen diesen Aspekt auch nur sehr begrenzt abdecken. Das Fehlen solcher Anforderungen bedeutet nicht, dass diese bei Verwendung in Innenräumen nicht erforderlich sein könnten. Eine diesbezügliche Ergänzung ist in Arbeit.

Flachs- bzw. Hanf-Dämmstoffe werden in 1.1.6 über folgende Einsatzbereiche adressiert (s. BNB_BN_1.1.6 Anlage 1 / Allgemeine Anforderungsliste, Anlage 2 / Anforderungen an Einzelstoffe mit besonders besorgniserregenden Eigenschaften):

  • Pos. 36 Vor-Ort verarbeitete Oberflächenbeschichtungen / Wärmedämmverbundsysteme / mineralische und nicht mineralische Außenwanddämmung
  • Pos. 38 Bauprodukte mit Kontakt zu Boden und Grundwasser, für die eine abZ aus Umweltschutzgründen vorgeschrieben ist. (s. Liste DIBT)
  • Pos. 40 / Anlage 2-F Biozidhaltige und flammhemmend ausgerüstete Bauprodukte (Erzeugnisse) / organische Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen
  • Pos. 42 weitere Bauprodukte, die innenraumrelevant sind und für die es eine abZ mit Aussagen zum Gesundheitsschutz gibt.

Im folgenden werden die Anforderungen bzw. Einschränkungen für die Verwendung von Dämmstoffen aus Flachs/Hanf dargestellt. Die eigentlichen Anforderungen der genannten Position in Anlage 1 betreffen ggf. auch andere Dämmstoffmaterialien.

Qualitätsniveau (QN)

Anforderungen für organische Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen
(gem. Pos.38, sowie 40-F + 42)

Anforderungen für
organische Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen in WDVS
(gem. Pos.36, sowie 40-F)

1
(= Mindest-anforderung)

Produktdokumentation1 incl. Deklaration von SVHC der Kandidatenliste > 0,1 Gew.-%

bei Verwendung als Verlegeunterlagen unter Bodenbelägen gilt:
Vorlage abZ der Gruppen Z-158.10 (Verlegeunterlagen) aus Gesundheitsschutz-gründen2

Hinweis: Für die folgenden Anforderungen zur abZ wurden lt. DIBt noch keine Zulassungsnummern vergeben, d.h. es gibt auch noch keine zugelassenen Produkte.

bei Verwendung in  Bausätzen aus vorgefertigten Elementen für die Wärmedämmung von Außenwänden nach ETAG 017 gilt:
Vorlage abZ aus Umweltschutzgründen (Zulassungsnummern noch nicht vergeben)

bei Verwendung in Aufenthaltsräumen einschl. zugehöriger Nebenräume gilt für werkmäßig hergestellte Dämmstoffe und  lose Schüttdämmstoffe aus pflanzlichen oder tierischen Fasern,
sowie für lose Dämmschüttung aus Hanffaser für die Anwendung unter schwimmenden Fußböden zur Wärme- und/oder Schalldämmung nach ETA ohne Leitlinie:
Vorlage abZ aus Gesundheitsschutzgründen (Zulassungsnummern noch nicht vergeben)2

Produktdokumentation1 incl. Deklaration von SVHC der Kandidatenliste > 0,1 Gew.-%

 

2 (zusätzlich zu QN1)

Es dürfen nur Produkte verwendet werden, die keine Borate (<0,1%) enthalten (Flammschutzmittel, Biozid).

 

 

gem. Pos. 40-F dürfen nur Produkte verwendet werden, die keine Borate (<0,1%) enthalten (Flammschutzmittel, Biozid).

3
(zusätzlich zu QN1)

Die Anforderungen hinsichtlich Bioziden, gefährlichen Stoffen und halogenierten Treibmitteln des Labels RAL-UZ 1403 (Blauer Engel - weil umweltgerechter Wärmeschutz) müssen erfüllt werden.

4 (zusätzlich zu QN1)

5 (zusätzlich zu QN1)
Kommentierung

Bereits für die Erfüllung der Anforderungen von QN2 sind in allen Anwendungen Produkte erforderlich, die keine Borate als Flammschutzmittel oder Biozid enhalten. Bei Hanf-Dämmstoffprodukten mit dem natureplus-Qualitätszeichen ist die Verwendung von Borverbindungen über die Vergaberichtlinien ausgeschlossen.

Bei Verwendung in Wärmedämmverbundsystemen müssen ab QN3 die Anforderungen des Blauen Engels (RAL-UZ 140) für WDVS erfüllt werden. Derzeit ist kein Produkt aus Flachs oder Hanf für RAL-UZ 140 zeritifiziert. Die Anforderungen müssen also einzeln nachgewiesen werden3, sollten aber bis QN5 von entsprechenden Produkte erfüllbar sein.
Auch von natureplus gibt es ein Qualitätszeichen für Wärmedämmverbundsysteme (RL0300ff). Die Stoffausschlüsse hier entsprechen im Prinzip denen des Blauen Engels, der bestimmte Stoffe als konstitutionelle Bestandteile ausschließt. Bei unterschiedlichen Bezeichnungen der Stoffausschlüsse ohne Angabe eines Grenzwerts wie hier bei Blauem Engel und natureplus ist der Vergleich der Gleichwertigkeit allerdings schwierig. Im natureplus Qualitätszeichen sind zwar dieselben Stoffe ausgeschlossen, ob der Ausschluss letztendlich deckungsgleich ist, kann nicht abschließend beurteilt werden. Die Unterschiede dürften aber gering sein.4

Hinweis: Für einen Teil der Anforderungen zur abZ (s.o.) wurden lt. DIBt noch keine Zulassungsnummern vergeben, d.h. es gibt auch noch keine zugelassenen Produkte.
siehe aktuelle Liste Gesundheitsschutz DIBt und Liste Umweltschutz DIBt

Tabelle: Anforderungen an die Verwendung von Flachs-/Hanf-Dämmstoffen
1 Die Produktdokumentation (z.B. über Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, Sicherheitsdatenblätter) ist die Mindestanforderung, die mindestens für alle durch BNB 1.1.6 betroffenen Produktgruppen erfüllt sein muss. Zusätzlich ist für alle diese Produktgruppen immer auch die Deklaration von SVHC der Kandidatenliste nach REACH (z.B. über Leistungserklärung, Herstellererklärung) erforderlich. Produktgruppenabhängig können auch noch andere Nachweise gefordert sein.
2 Für die genannten Dämmstoffe ist bei der Verwendung in Aufenthaltsräumen einschließlich zugehöriger Nebenräume eine abZ aus Gesundheitsschutzgründen erforderlich. Sie umfasst u.a. eine Emissionsprüfung zur quantitativen Bestimmung und Bewertung flüchtiger (VOC) und schwer flüchtiger (SVOC) Verbindungen auf Basis des AgBB-Bewertungsschemas.
3 Sofern innerhalb der Qualitätsniveaus auf aggregierte Produktkennzeichnungen verwiesen wird (Emicode, Blauer Engel, etc.), ist es zulässig vergleichbare Nachweise (weitere Umweltzeichen, Angaben in Sicherheits- oder Produktdatenblätter etc.) heranzuziehen. Dabei bezieht sich die Vergleichbarkeit nur auf die Anforderungen hinsichtlich der jeweiligen zu betrachtenden Schadstoffgruppen.
4 Eine Aussage über die Marktverfügbarkeit kann hier nicht getroffen werden. Insbesondere da auch vergleichbare Nachweise z.B. zum geforderten Blauen Engel3 herangezogen werden können.

Planungs- und Ausschreibungshilfen mit Textbausteinen

Tabellarische Übersichten mit allen Einzelkriterien für Planung und Ausschreibung sind im neuen Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen unter "Dämmstoffe" zu finden. Die Tabellen dort enthalten auch detaillierte Informationen zu den Nachweismöglichkeiten (z.B. über andere Produktkennzeichnungen) und damit zur Prüfung der angebotenen Produkte. Außerdem finden sich dort auch die für die verschiedenen Qualitätsniveaus zugehörigen Textbausteine (auch als rtf-Download).

BNB-Kriterium BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

   
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Im Falle einer Sanierungsmaßnahme wird BN_1.1.6 ergänzt durch das BNB-Kriterium BK_1.1.6. Dieses zielt auf die Adressierung und Ausschleusung von Materialien in der bestehenden Bausubstanz, die ein Risikopotenzial für Mensch und Umwelt darstellen. Die Bewertung erfolgt anhand einer Einstufung der Baumaterialien in ein vorgegebenes Schadstoffkataster mit 14 Schadstoffgruppen aufgrund ihres Schädigungspotentials und der jeweiligen Sanierungsmaßnahmen. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 4 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung er Substitution eines Stoffes.

Weitere Informationen zu den Einzelkriterien im Bestand siehe BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung). Für den Einbau von neuen Materialien gilt BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau).

Die Einordnung von Materialien im Bestand erfolgt in WECOBIS jeweils gesammelt für die ganze Obergruppe der Dämmstoffe. Siehe dazu Dämmstoffe im Bestand.

Die an dieser Stelle beschriebenen Dämmstoffe (= aktuell am Markt verfügbare Produktgruppen) enthalten normalerweise keine Problemstoffe, welche bei der Sanierung relevant sind. Produkte aus Flachs oder Hanf sind zudem erst seit den 90er Jahren am Markt vertreten.

Die in Flachs-/Hanf-Dämmstoffen möglicherweise enthaltenen Borate (Flammschutz) gehören nicht zu den nach BNB_BK_1.1.6 abgefragten Schadstoffgruppen. Für den Ausbau von Flachs-/Hanf-Dämmstoffen, die mit Borsalzen als Flammschutzmittel behandelt sein könnten (genaue Erläuterung s. Rohstoffe / Ausgangsstoffe), sollten vorsorglich folgende Gefahren- (H-Satz) und Sicherheitshinweise (P-Satz) angenommen werden:
H360FD: Kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Kann das Kind im Mutterleib schädigen.
P201: Vor Gebrauch besondere Anweisungen einholen.
P308+P313: BEI Exposition oder falls betroffen: Ärztlichen Rat einholen/ärztliche Hilfe hinzuziehen.

BNB-Kriterium BN_3.1.3 - Innenraumhygiene

   
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Ziel des BNB-Kriteriums 3.1.3 ist die Sicherstellung der Luftqualität im Innenraum unter hygienischen Gesichtspunkten, die zu keinen negativen Effekten hinsichtlich der Befindlichkeit der Raumnutzer führt, die hygienische Sicherheit garantiert und somit möglichst auch eine empfundene hohe olfaktorische Luftqualität gewährleistet.
Die Bewertung erfolgt anhand der Berechnung der personenbezogenen Luftwechselrate sowie anhand von Raumluftmessungen auf den Formaldehyd- und TVOC-Gehalt.
Erfahrungsgemäß lassen sich die Referenz- und Zielwerte dann erreichen, wenn die Auswahl und Verwendung der eingesetzten Materialien auf einem ganzheitlichen Konzept zur Vermeidung von Emissionen aus Bauprodukten basiert und der Einsatz emissionsarmer Materialien die Bauphase begleitend dokumentiert wird. BNB-Kriterium 3.1.3 steht deshalb in engem Zusammenhang mit der Erfüllung der Einzelkriterien für BNB-Kriterium 1.1.6.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_3.1.3 Innenraumhygiene (Neubau)

Einordnung der Flachs/Hanf-Dämmstoffe

Von Flachs-/Hanf-Dämmstoffen in Innenräumen sind keine VOC- oder Formaldehyd-Emissionen zu erwarten.

Produkte mit dem natureplus-Qualitätszeichen (RL 0101 Dämmstoffe aus Hanf) dürfen  bestimmte Grenzwerte hinsichtlich VOC- oder Formaldehyd-Emissionen nicht überschreiten und unterliegen jährlichen Folgeprüfungen. Dämmstoffe müssen sich dort außerdem u.a. einer Laborprüfung auf Radioaktivität und Geruch unterziehen, was allerdings für BNB_BN 3.1.3 nicht bewertet wird.
weitere Informationen und Links zu Umweltzeichen für emissionsarme Produkte siehe Reiter Zeichen & Deklarationen

BNB-Kriterium BN_4.1.4 - Rückbau, Trennung, Verwertung

   
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Im BNB Kriteriensteckbrief 4.1.4 werden Konstruktionen nach ihrer Rückbaubarkeit, Trennbarkeit und Verwertbarkeit eingestuft.
WECOBIS kann eine aktuelle Information über mögliche Umwelt- und Gesundheitsgefährdungsaspekte im Zuge von Rückbau und Entsorgung auf Bauproduktgruppenebene geben. Eine Betrachtung von ganzen Konstruktionen kann derzeit in WECOBIS noch nicht erfolgen. Ein Bauteilmodul ist jedoch in planung. Ergänzend zu Leitfäden und Arbeitshilfen helfen die bauproduktgruppenspezifischen Aspekte dem Koordinator jedoch auch jetzt schon, die Komponenten Umwelt und Gesundheit für den Steckbrief 4.1.4 einzuordnen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_4.1.4 – Rückbau, Trennung, Vewertung

Rückbaubarkeit

Für die Bewertung wirkt sich der Einsatz abfallarmer Konstruktionen, die die Möglichkeit eines sortenreinen Rückbaus erlauben, günstig aus. Die Rückbaubarkeit beschreibt den Aufwand, der für Demontage oder Abbruch eines Bauteils aus dem Gebäudeverband nötig ist.

Die Rückbaubarkeit der Flachs/Hanf-Dämmstoffe wird in erster Linie durch die Einbausituation und erst in zweiter Linie durch die gewählte Befestigungsart beeinflusst. Am geringsten ist der Rückbauaufwand für lose verlegte Dämmplatten oder -Matten sowie bei Hanffasern die als Einblasdämmstoff eingebracht wurden. Bei Dämmplatten die mechanisch fixiert sind, ist der Rückbauaufwand entsprechend höher. Flachs- oder Hanfdämmstoffe werden i.d.R. nicht vollflächig verklebt.

Rückbaubarkeit    Geringer Rückbauaufwand => => => => => => => hoher Rückbauaufwand
Konstruktionsweise lose Verlegung mechanische Fixierung (vollflächige) Verklebung
Blähperlit-Dämmstoffe  X    
Calciumsilikat-Dämmplatten     X
Dämmstoffe mit Aerogelen X X X
Mineralwolle-Dämmstoffe X X X
Schaumglas-Dämmstoffe     X
Vermiculite-Dämmstoffe X    
Flachs/Hanf-Dämmstoffe X X  
Holzfaserdämmplatten X X X
Kork-Dämmstoffe X X X
Schafwolle-Dämmstoffe X X  
Zellulose-Dämmstoffe X X X
Expandiertes Polystyrol (EPS) X X X
Extrudiertes Polystyrol (XPS) X X X
Polyurethan (PUR/PIR)-Spritzschaum     X
Polyurethan-Hartschaum (PUR/PIR) X X X

Sortenreinheit

Beschreibt den Aufwand, der für die sortenreine Trennung mehrschichtiger und / oder inhomogener Bauteile anfällt.

Alte Dämmplatten oder -Matten aus Hanf/Flachs können Kunststoff-Stützfasern enthalten. In diesem Fall ist eine sortenreine Trennung nicht möglich. Ansonsten können Flachs/Hanfdämmstoffe,  sofern sie lose verlegt oder nur mechanisch befestigt wurden, relativ gut von anderen Bauteilen getrennt werden. Für aktuell auf dem Markt befindliche Flachs-/Hanfdämmstoffe werden von den Herstellern keine synthetischen, sondern nur noch pflanzliche Stützfasern angegeben.

Verwertbarkeit

Für die Bewertung der Verwertbarkeit der Baustofffraktionen gelten die zur Zeit der Bewertung am Markt aktuell verfügbaren technischen Verfahren. Alternativ können bei Bauteilen mit langer zu erwartender Nutzungsdauer Forschungsvorhaben, die praktikable Lösungsmöglichkeiten in absehbarer Zeit zur Verfügung stellen können, positiv bewertet werden. 

Flachs- und Hanfdämmstoffe sind prinzipiell auf gleichem Funktionsniveau wiederverwertbar. Da der Marktanteil dieser Dämmstoffe sehr klein ist und für die nachwachsenden Rohstoffe keine Knappheit besteht, wäre eine grundsätzliche stoffliche Verwertung vermutlich nicht wirtschaftlich. Bei sortenreinem Ausbau bietet ein Hersteller aber seit 2013 die kostenfreie Rücknahme nach der Nutzungsphase an. Ist das nicht möglich oder nutzbar können die Dämmstoffe energetisch verwertet werden.

Verwertungs-/ Beseitigungswege Hochwertige Verwertung Minderwertige Verwertung Energetische Verwertung Deponierung
Blähperlit-Dämmstoffe  nicht möglich  möglich  nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg
Calciumsilikat-Dämmplatten  nicht möglich  möglich  nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg
Dämmstoffe mit Aerogelen  nicht möglich  nicht möglich  nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg
Mineralwolle-Dämmstoffe  möglich  möglich  nicht möglich  möglich
Schaumglas-Dämmstoffe  möglich möglich  nicht möglich möglich
Vermiculite-Dämmstoffe

nicht möglich

 möglich  nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg
Flachs/Hanf-Dämmstoffe im Prinzip möglich, Rücknahme durch einen Hersteller angeboten möglich (Kompostierung) momentan der übliche Beseitigungsweg  nicht zulässig
Holzfaserdämmplatten nicht möglich  nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg  nicht zulässig
Kork-Dämmstoffe nicht möglich nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg nicht zulässig
Schafwolle-Dämmstoffe  möglich  möglich momentan der übliche Beseitigungsweg nicht zulässig
Zellulose-Dämmstoffe  möglich möglich momentan der übliche Beseitigungsweg  nicht zulässig
Expandiertes Polystyrol (EPS)  möglich möglich momentan der übliche Beseitigungsweg  nicht zulässig
Extrudiertes Polystyrol (XPS) nicht möglich möglich momentan der übliche Beseitigungsweg   nicht zulässig
Polyurethan (PUR/PIR)-Spritzschaum nicht möglich  nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg  nicht zulässig
Polyurethan-Hartschaum (PUR/PIR) nicht möglich möglich momentan der übliche Beseitigungsweg  nicht zulässig
Hochwertige Verwertung
Die Produktgruppe wird zur Herstellung gleichwertiger Produkte als wesentlicher Bestandteil des Endprodukts eingesetzt.
Minderwertige Verwertung
Die Produktgruppe wird zur Herstellung untergeordneter Produkte als wesentlicher Bestandteil des Endprodukts eingesetzt.
Energetische Verwertung
Die Produktgruppe wird in einer Verbrennungsanlage energetisch verwertet.
Deponierung
Die Produktgruppe wird ggf. nach thermischer Vorbehandlung deponiert

Quellen

Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt, abrufbar unter BNB_BN_1.1.6 Version V 2014_1 (Online-Quelle in Überarbeitung)

Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 3.1.3 Innenraumhygiene, abrufbar unter BNB_BN2011-1_313 (Online-Quelle)

Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 4.1.4 Rückbau, Trennung und Verwertung, abrufbar unter BNB_BN2011-1_414 (Online-Quelle)

Flachs/Hanf-Dämmstoffe

Technisches

Technische Daten

Flachs-/Hanf-Dämmstoffe
Ausgewählte Produkte: 1) Dämmplatte aus Flachsfasern Dämmstoffmatten aus Hanffasern
Technische Regeln Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung Europäische Technische Zulassung (ETA)
Rohdichte [kg/m³] 30 - 60   30 - 42
Druckspannung bei 10% Stauchung bzw. Druckfestigkeit [kPa]  k.A. k.A. 
Bemessungswert Wärmeleitfähigkeit λd [W/mK]
(gemäß Anhang zu den Übereinstimmungszertifikaten)
 0,040 0,040 
Zuschlagsfaktor 2) bezogen auf:
λd = 0,040 W/m²K

1

1
Wärmespeicherkapazität c [J/(kg*K)]  1.660  1.600
Richtwert der Dampfdiffusionswiderstandszahl μ nach
DIN 4108-4
 1 1 - 2 
Langzeitwasseraufnahme  k.A.  
Baustoffklasse nach DIN 4102  B2  B2
Euroklasse nachDIN EN 13 501  E  E
Beständigkeit - feuchteempfindlich
- resistent gegen Schädlingsbefall (Insekten + Nagetiere)
- nicht beständig gegen Säuren und Laugen
Anwendungsbereiche 3)
Zulassung für Gefährdungsklasse 0 
nach DIN 68 800-2 4)
- +
(Einzelzulassung)
Decke, Dach  nach DIN 4108-10 DAD - -
DAA - -
DUK - -
DZ + +
DI + +
DEO - -
DES - -
Wand nach DIN 4108-10 WAB - -
WAA - -
WAP - -
WZ - -
WH + +
WI + -
WTH - -
WTR + +
Perimeter nach DIN 4108-10 PW - -
PB - -

Anmerkungen:

1) Die angegebenen Werte gelten beispielhaft für einzelne Produkte und können herstellerbedingt differieren
2) Der Zuschlagsfaktor berücksichtigt die unterschiedliche Dämmleistung der einzelnen Dämmstoffe (= Bemessungswert für die Wärmeleitfähigkeit). Ein Dämmstoff A mit λD = 0,03 (W/mK) erbringt z.B. mit einer Dicke von 75mm die gleiche Dämmleistung wie ein Dämmstoff B mit λD = 0,04 (W/mK) und einer Dicke von 100mm. Der Zuschlagsfaktor beträgt in diesem Beispiel 0,75. Will man z.B. den Primärenergieaufwand für zwei unterschiedliche Dämmstoffarten vergleichen, muss diesem Sachverhalt Rechnung getragen werden. Hat z.B. Dämmstoff A mit λD = 0,03 (W/mK) einen Primärenergieaufwand von 3.500 MJ/m³ und Dämmstoff B mit λD = 0,04 (W/mK) einen Primärenergieaufwand von 2.900 MJ/m³, muss für Dämmstoff A 3.500*0,75 = 2.650 MJ/m³ mit 2.900 MJ/m³ für Dämmstoff B verglichen werden.
3) Die angegebenen Anwendungsgebiete gelten für die ausgewählten Produkte und nicht für die gesamte Produktgruppe (dazu siehe Anwendungsbereiche Dämmstoffe incl. Erläuterung der Kurzzeichen)
4) in Verbindung mit einer bauaufsichtl. Zulassung

Technische Regeln (DIN, EN)

Flachs- und Hanfdämmstoffe sind nicht genormt und benötigen eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung. Einzelne Dämmstoffprodukte aus Hanffasern verfügen über eine europäische technische Zulassung (ETA).

Bauregelliste

Flachs-/ Hanf-Dämmstoffe:
BRL B Teil 1 / 4. Bauprodukte, für die europäische technische Zulassungen vor dem 01.07.2013 ohne Leitlinie erteilt worden sind
4.12.1.2.1 Werkmäßig hergestellte Dämmstoffe aus pflanzlichen oder tierischen Fasern zur Wärme- und/oder Schalldämmung
4.12.1.2.2 Lose Schüttdämmstoffe aus pflanzlichen oder tierischen Fasern zur Wärme- und/oder Schalldämmung
4.12.1.2.3 Lose Dämmschüttung aus Hanffasern zur Wärme- und/oder Schalldämmung für die Anwendung unter schwimmenden Fußböden

Das Deutsche Institut für Bautechnik stellt in den Bauregellisten A, B und C die technischen Regeln für Bauprodukte und Bauarten sowie bauaufsichtlich geregelte und nicht geregelte Bauprodukte und Bauarten auf. Nach Zustimmung der obersten Bauaufsichtsbehörden der Länder wird die Baurregelliste bekannt gegeben.
Erwerb und weiterführende Informationen zu Baurregelliste und ihren Regelungsbereichen siehe unter → www.dibt.de
Eine Darstellung und Erläuterungen zur Klassifizierung von Bauprodukten siehe im Lexikon → Klassifizierung von Bauprodukten

CE-Zeichen

Für Dämmstoffprodukte aus Flachs-/Hanffasern mit europäischer technischer Zulassung (ETA)

Flachs/Hanf-Dämmstoffe

Literaturtipps

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR), www.fnr.de:
Borschürenseite zum Thema Bauen
Marktübersicht - Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, FNR 2014 (download)

Pfundstein, M; Gellert, R.; Spitzner, M.H.; Rudolphi, A.; Detail Praxis / Dämmstoffe – Grundlagen, Materialien, Anwendungen; 2007;Institut für internationale Architektur-Dokumentation GmbH & Co. KG; München

Zwiener, G.; Mötzl, H.; Ökologisches Baustoff-Lexikon; 2006; C.F. Müller Verlag; Heidelberg

KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung; Informationsbroschüre "Umweltverträglichkeit von Gebäudedämmstoffen“;06/2003; Ministerium für Umwelt, Natur und Forsten des Landes Schleswig-Holstein, Kiel

M. Fuehres, L. Faul; Forschungsvorhaben Abschlussbericht: Bewertung natürlicher, organischer Faserdämmstoffe; 2000; Fraunhofer IRB Verlag

Isoliertechnik 5/96; Die Alternativen - wie gut sind ökologische Dämmstoffe wirklich? (Sonderdruck); 1996; Lambda Verlag; Gars

Flachs/Hanf-Dämmstoffe

Rohstoffe / Ausgangsstoffe

Hauptbestandteile

  Flachsdämmstoffe Hanfdämmstoffe
Basismaterial: ca. 80% Flachskurzfasern (i.W. Zellulose) Dämmplatten: ca. 82-85% Hanffasern
Dämmfilze/Stopfwolle: ca. 95-97% Hanffasern
Dämmschüttung: Hanfspäne mit Bitumenummantelung, z.Teil bis zu 30% Blähglas, Blähton oder Kalksplitt
Bindemittel: ca. 10% thermo-mechanisch aufgeschlossene Kartoffelstärke keine
Flammschutzmittel: ca. 10% Borsalz (Natriumborate, z.B. Dinatriumoctaborate) ca. 3-5% Soda oder Ammoniumphosphat
ggf. Stützfasern: keine bei Einsatz von Kartoffelstärke als Bindemittel, wenn das fehlt, werden ersatzweise Polyesterstützfasern angegeben Dämmplatten: ca. 10-15% Polyesterfasern auf pflanzlicher Basis (soja-/maisbasiert) oder  synthetisch (Polyester)
Dämmfilze: keine, vernadelte Hanffasern

Da Flachs- und Hanffasern kein Eiweiß und darüber hinaus natürliche Bitterstoffe enthalten, verfügen sie über einen natürlichen Schutz gegen Schädlingsbefall durch Insekten und Nagetiere.

Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Gewinnung der Primärrohstoffe

Der Flachs- und Hanfanbau erfolgt i.d.R. in Deutschland oder Österreich, was zur Stärkung der heimischen Landwirtschaft beiträgt und zu kurzen Transportwegen führt. Der Anbau erfordert keinen oder nur einen geringen Aufwand an Pflanzenschutz und Düngemittel. Insbesondere Hanf ist eine anspruchslose, robuste und schnellwachsende Pflanze.
Flachs- und Hanffasern für Dämmstoffe werden aus den Stengeln der Pflanzen gewonnen. Diese werden nach der Ernte i.d.R. 10-20 Tage auf dem Feld geröstet, um die Faserbündel unter Einfluss von Wärme und Feuchte von Bindestoffen zu befreien (Verrotten der Pflanzenleime / Pektine). Durch ungünstige Witterungseinflüsse kann es dabei zu Totalausfällen kommen. 

Verfügbarkeit

Flachs und Hanf sind nachwachsende Rohstoffe. Im Gegensatz zu Hanf ist Flachs nicht selbstverträglich, weshalb hier Anbaupausen von 5-6 Jahren eingehalten werden müssen.
Bei den verwendeten Flachskurzfasern (ca. 7% des Flachsertrags) bzw. Hanffasern und Schäben handelt es sich jeweils um Nebenprodukte des Flachs- bzw. Hanfanbaus, die durch den Einsatz in der Dämmstoffherstellung einer sinnvollen Verwertung zugeführt werden.

Flammschutzmittel / Borate

Flachsdämmstoffe enthalten derzeit noch Borate (Borsalze) als Flammschutzmittel. Einige Borate (z.B. Dinatriumtetraborat) sind bereits auf der REACH-Kandidatenliste für besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) geführt.  Von einem Hersteller werden als Flammschutzmittel für Flachsdämmstoff Dinatriumoctaborate angegeben. Diese sind derzeit nicht auf der Kandidatenliste und damit nicht als SVHC eingestuft (wie z.B. Dinatriumtetraborat), haben aber ebenfalls besonders besorgniserregende Eigenschaften: Einstufung als reproduktionstoxisch Kategorie 1A (H360FD)

Für Hanfdämmstoffe werden als Flammschutzmittel Soda (Natriumcarbonat) oder Ammoniumphosphate angegeben (beide ohne besonders besorgniserregende Eigenschaften).

Bei Flachs- oder Hanfdämmstoffprodukten mit dem natureplus-Qualitätszeichen sind Borverbindungen als Flammschutz oder zum Schutz vor mikrobiellem Befall über die Vergaberichtlinien ausgeschlossen.

Flachs/Hanf-Dämmstoffe

Herstellung

Prozesskette

Prozesskette Flachs-Hanf-Dämmstoffe

Herstellungsprozess

Flachsdämmstoffe:
Nach dem Rösten wird der Flachs von den Fruchtkapseln befreit, die Stengelstruktur aufgebrochen und die Schäben (Holzteile) in einer Turbine abgesondert. Anschließend werden die Fasern in Lang- und Kurzfasern getrennt. Die Kurzfasern zur Herstellung von Dämmstoffen werden mit Flammschutzmitteln (Borsalz) behandelt und anschließend in einer Vliesstoffkrempel zu Floren (sehr dünne Faserbahnen) geformt. Dazu laufen die Fasern zwischen Nadelwalzen hindurch und werden zu verschieden starken Dämmplatten geschichtet. Die Florschichten werden durch Kartoffelstärke miteinander verbunden. Aus der sich hierdurch bildenden endlosen Dämmstoffbahn werden im letzten Arbeitsgang die Dämmplatten mit den gewünschten Abmessungen geschnitten.

Hanfdämmstoffe:
Nach dem Rösten wird das Hanfstroh im Werk in Fasern und Schäben getrennt. Die Hanffasern werden mit Flammschutzmitteln (Soda oder Ammoniumphosphat) behandelt und zu Dämmmatten oder Stopfdämmung verarbeitet, die verholzten Schäben zu Schüttdämmstoffen oder festen Platten. Für die Herstellung von Dämmmatten werden die Hanffasern i.d.R. mit Kunststofffasern gemischt und durch Vliesbildner befördert. Im darauf folgenden Thermobondierofen schmilzt der PE-Mantel der Kunststofffaser und verbindet so die Hanffasern.

Umweltindikatoren / Herstellung

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren in WECOBIS soll zukünftig ausschließlich die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB liefern.

Die Ökobau.dat stellt Umweltprofile für Bauprodukte bereit, die als erforderliche Datengrundlage für die Lebenszyklusanalyse eingesetzt werden. Für Bauprodukte gibt es Herstellungs- und End-of-Live- Datensätze.

Weiterführende Informationen zur Ökobau.dat im Zusammenhang mit dieser Produktgruppe finden sich in WECOBIS unter Fachinformationen / Übersicht im Reiter Zeichen & Deklarationen / Umweltindikatoren

Flachs/Hanf-Dämmstoffe

Verarbeitung

Technische Hinweise / Verarbeitungsempfehlungen

Hanf- und Flachsdämmstoffe werden hauptsächlich in Form von Platten, Rollen oder als Stopfwolle angeboten. Diese sind angenehm zu verarbeiten (kein Jucken und Kratzen).

Arbeitshygienische Risiken

Allgemeines

Über organische Faserstäube aus Hanf- und Flachsdämmstoffen liegen noch keine systematischen Arbeitsplatzuntersuchungen vor. Bei Verwendung des richtigen Werkzeugs (Zuschnitt mit Messer oder abgesaugten Bandsägen) und sorgfältiger Reinigung wird bei der Verarbeitung von Dämmplatten aus Flachs oder Hanf die Freisetzung von Staub und Fasern minimiert. Beim Zuschneiden mit – baustellentypischen – Kreissägen ist jedoch mit hohen Staub- und Faserkonzentrationen zu rechnen.

Flachs: Im Rahmen eines Forschungsvorhabens des DIBt über natürliche, organische Faserdämmstoffe wurden auch Staub- und Faserkonzentrationen bei der Verarbeitung von Flachs-Dämmplatten exemplarisch untersucht. Beim Einbau von Flachs-Dämmplatten wurde dabei der Allgemeine Staubgrenzwert (einatembare Fraktion) nur geringfügig überschritten.

Beim Einbau loser Hanffasern im Einblasverfahren kann es zu sehr hohen Staub- und Faserbelastungen kommen. Über die genaue Größenordnung der bei der Verarbeitung loser Hanfdämmstoffe auftretenden Staub- und Faserkonzentrationen sowie über deren gesundheitliche Bewertung liegen noch keine Untersuchungen vor.
Wie beim Einbau loser Zellulosefaser-Dämmstoffe hängt die freigesetzte Staub- und Faserkonzentration neben der Einbausituation (z.B. Zugänglichkeit der Einblasöffnung) maßgeblich von der Art der Verarbeitung, d.h. dem richtigen Umgang mit Werkzeug, Einblasmaschinen und Zubehör ab. Auch der Einbau loser Hanffasern sollte daher nur durch geschulte und erfahrene Fachbetriebe erfolgen.

Fasergeometrie:
Durchmesser der Einzelfasern Durchmesser der Faserbündel 20 μm – ca. 20mm
Dämmstoffe aus Flachs und Hanf bestehen aus Faserbündeln und Einzelfasern. Die Faserbündel neigen zum Aufspalten in Elementarfasern.

Arbeitsplatzgrenzwert AGW (früher: MAK-Wert):
Allgemeiner Staub-Grenzwert nach TRGS 900
A-Staub: 3 mg/m³ (alveolengängige Fraktion, früher: Feinstaub)
E-Staub: 10 mg/m³ (einatembare Fraktion, früher: Gesamtstaub)

Für den Einbau vorkonfektionierter Dämmstoff-Matten aus natürlichen, organischen Faserdämmstoffen wird grundsätzlich zur Verwendung von Atemschutzmasken (Halb-/Viertelmaske mit P1-Filter), geschlossener Arbeitskleidung und insbesondere bei Überkopfarbeiten zum Tragen einer Schutzbrille geraten. Verpackte Dämmstoffe sollen erst am Arbeitsplatz ausgepackt, das Material nicht geworfen oder mit Druckluft abgeblasen werden.

Borate als Flammschutzmittel
Für die Verarbeitung von Flachsdämmstoffen, die mit Borsalzen als Flammschutzmittel behandelt sind (genaue Erläuterung s. Rohstoffe / Ausgangsstoffe), sollten folgende Gefahren- (H-Satz) und Sicherheitshinweise (P-Satz) angenommen werden:
H360FD: Kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Kann das Kind im Mutterleib schädigen.
P201: Vor Gebrauch besondere Anweisungen einholen.
P308+P313: BEI Exposition oder falls betroffen: Ärztlichen Rat einholen/ärztliche Hilfe hinzuziehen.

Für Hanfdämmstoffe werden als Flammschutzmittel i.d.R. keine Borate eingesetzt.

Bei Flachs- oder Hanfdämmstoffprodukten mit dem natureplus-Qualitätszeichen sind Borverbindungen als Flammschutz oder zum Schutz vor mikrobiellem Befall über die Vergaberichtlinien ausgeschlossen.

REACH / CLP

Die REACH-Verordnung regelt die Herstellung, das Inverkehrbringen und den Umgang mit Industriechemikalien. Zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen, dient die CLP-Verordnung (Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen), um ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu gewährleisten.

Wird ein Produkt nicht als Stoff oder Gemisch, sondern als Erzeugnis eingestuft, ist kein Sicherheitsdatenblatt (SDB) erforderlich und Gefahrstoffbezeichnungen entfallen. Lediglich besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) müssen ausgewiesen werden. Für diese Informationen besteht eine Auskunftspflicht. Sie müssen aber nicht in Form eines Sicherheitsdatenblattes nach den Kriterien des Anhangs II der REACH-Verordnung gegeben werden. Für Verbraucher muss die Informationsweitergabe auch nur auf Anfrage beim Hersteller erfolgen.

Seit 01.07.2013 müssen aber zumindest Informationen zu SVHC (> 0,1 Massen-%) für alle Bauprodukte (Gemische und Erzeugnisse), die unter den Geltungsbereich der Bauproduktenverordnung (BauPVO) fallen, in / zusammen mit der Leistungserklärung, die zusätzlich zur CE-Kennzeichnung erstellt wird und dem Bauprodukt beigefügt ist, mitgeliefert werden. Allerdings gibt es derzeit im Unterschied z.B. zum Sicherheitsdatenblatt noch kein harmonisiertes Format für die Übermittlung der SVHC-Informationen. Hier können also Nachfragen erforderlich sein.

Dämmstoffe in Plattenform werden als Erzeugnis eingestuft.
Informationen und Unterstützung zu den Auskunftsrechten finden sich unter www.reach-info.de.

Die Einstufung von Dämmstoffen in loser Form (Schüttungen) ist schwierig. Werden sie als Stoff oder Gemisch eingestuft, müssen Produkt bezogene Informationen gemäß CLP-Verordnung in den Sicherheitsdatenblättern (SDB) gemäß den Anforderungen in Art.31 REACH-VO in Verbindung mit Anhang II (Nachweis gefährliche Stoffe, Nachweis SVHC >= 0,1 Gew.-%) der jeweiligen Produkte ausgewiesen sein.

Umweltrelevante Informationen

Wassergefährdung

Beim Éinsatz von Borsalzen als Flammschutzmittel: 
WGK 1 (schwach wassergefährdende Stoffe)

Quellen

M. Fuehres, L. Faul; Forschungsvorhaben Abschlussbericht: Bewertung natürlicher, organischer Faserdämmstoffe; 2000; Fraunhofer IRB Verlag

Flachs/Hanf-Dämmstoffe

Nutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiken bei bestimmungsgemäßer Nutzung

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

Untersuchungen zu Faserbelastungen beim Einbau von organischen Faserdämmstoffen, die die Emissionen bis in die Nutzungsphase hinein verfolgten, haben ergeben, dass die Faserbelastung nach Abschluss der Arbeiten und fachgerechter Reinigung der Baustelle schnell wieder auf Werte absinken, die der generellen Grundbelastung durch lungengängige Fasern in Innenräumen entsprechen. Erhöhte Konzentrationen durch eingebaute organische faserförmige Dämmstoffe konnten nicht nachgewiesen werden.

Produkte mit dem natureplus-Qualitätszeichen unterliegen entsprechend der jeweiligen Produktgruppen- und Produktkriterien einer „Begrenzung der Emissionen in den Innenraum von organischen und anorganischen Substanzen, Gerüchen, Radioaktivität sowie Stäuben und Fasern“.

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Außenraum

Gefährdungen für Wasser, Luft und Boden aus eingebauten Flachs- oder Hanfdämmstoffen sind nach heutigem Kenntnisstand nicht zu erwarten.
Produkte mit dem natureplus-Qualitätszeichen  unterliegen entsprechend der jeweiligen Produktgruppen- und Produktkriterien einer „Begrenzung der Emissionen in Wasser, Boden und Atmosphäre“

Umwelt- und Gesundheitsrisiken im Schadensfall

Wassereinwirkung

Beim Einsatz von Borsalzen als Flammschutzmittel Gefahr des Ausschwemmens (WGK 1) durch Löschwasser

Beständigkeit Nutzungszustand

Unter der Rubrik Baustoff- und Gebäudedaten / Nutzungsdauern von Bauteilen findet sich auf dem Informationsportal Nachhaltiges Bauen eine Datenbank mit Nutzungsdauerangaben von ausgewählten Bauteilen des Hochbaus für den Leitfaden „Nachhaltiges Bauen“.

Datenbank als PDF

Quellen

M. Fuehres, L. Faul; Forschungsvorhaben Abschlussbericht: Bewertung natürlicher, organischer Faserdämmstoffe; 2000; Fraunhofer IRB Verlag

Flachs/Hanf-Dämmstoffe

Nachnutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiko Rückbau

Lose Hanffasern sollten beim Ausbau abgesaugt werden, um die Staubbelastung zu minimieren. Da der Hanfanbau erst seit 1996 in Deutschland wieder erlaubt ist und der lose Einbau zudem nicht die Regel ist, fallen derzeit wohl kaum lose Hanffasern zum Ausbau an.

Für den Ausbau von Flachs- und Hanfdämmstoffen, die mit Borsalzen als Flammschutzmittel behandelt sein könnten (genaue Erläuterung s. Rohstoffe / Ausgangsstoffe), sollten folgende Gefahren- (H-Satz) und Sicherheitshinweise (P-Satz) angenommen werden:
H360FD: Kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Kann das Kind im Mutterleib schädigen.
P201: Vor Gebrauch besondere Anweisungen einholen.
P308+P313: BEI Exposition oder falls betroffen: Ärztlichen Rat einholen/ärztliche Hilfe hinzuziehen.
Auch ältere Hanfdämmstoffe können noch Borate als Flammschutzmittel enthalten (jetzt i.d.R.: Soda, Ammoniumphospate)

Wiederverwendung

Bei zerstörungsfreiem Ausbau (lose verlegt) ist eine Wiederverwendung unverschmutzter Flachs- und Hanfdämmplatten möglich. Auch sortenrein abgesaugte Hanffasern können im Prinzip in gleicher Funktion wiederverwendet werden.

Da der Hanfanbau erst seit 1996 in Deutschland für einige rauschgiftarme Sorten wieder erlaubt ist, fallen derzeit i.d.R. noch keine größeren Mengen an Hanfdämmstoffen aus Rückbaumaßnahmen an.

Stoffliche Verwertung

Flachs- und Hanfdämmstoffe sind prinzipiell auf gleichem Funktionsniveau wiederverwertbar. Bei sortenreinem Ausbau bietet ein Hersteller seit 2013 die kostenfreie Rücknahme nach der Nutzungsphase an.

Flachs- und Hanfdämmstoffe gehören als  „biologisch abbaubare Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen sowie Abfälle aus deren Be- und Verarbeitung“ grundsätzlich zu den für eine Verwertung auf Flächen  geeigneten Bioabfällen gemäß BioAbfV / Anhang 1. Flachs- und Hanfdämmstoffe ohne Borsalzausrüstung und ohne synthetische Stützfasern können kompostiert werden (Verwertung auf Flächen). Vorraussetzung ist bei alternativ eingesetztem Ammoniumpolyphosphat jedoch eine ausreichende Vermischung mit phosphatfreiem Kompost (sont Gefahr der Überdüngung).

Energetische Verwertung

Ist eine stoffliche Verwertung nicht möglich, müssen Flachs- und Hanfdämmstoffe der energetischen Verwertung zugeführt werden.

Heizwert:
Flachsdämmstoffe 12,3 MJ/kg
Hanfdämmstoffe (incl. Polyester-Stützfasern) 16,9 MJ/kg [Katalyse 2003}

Beseitigung / Verhalten auf der Deponie

Eine Deponierung von Flachs- und Hanfdämmstoffen ist seit dem 01.05.2005 ohne thermische / energetische Vorbehandlung nicht mehr möglich.

EAK-Abfallschlüssel

17 Bau- und Abbruchabfälle
17 06 04 Dämmmaterial mit Ausnahme desjenigen, das unter 17 06 01 und 17 06 03 fällt

siehe auch Lexikon / Abfallschlüssel

Quellen

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR), www.fnr.de:
Borschürenseite zum Thema Bauen
Marktübersicht - Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, FNR 2014 (download)

Verordnung über das Europäische Abfallverzeichnis (Abfallverzeichnis-Verordnung – AVV, zuletzt geändert am 24. Februar 2012, Online-Quelle

Pfundstein, M; Gellert, R.; Spitzner, M.H.; Rudolphi, A.; Detail Praxis / Dämmstoffe – Grundlagen, Materialien, Anwendungen; 2007;Institut für internationale Architektur-Dokumentation GmbH & Co. KG; München

KATALYSE Institut (2003) Informationsbroschüre „Umweltverträglichkeit von Gebäudedämmstoffen“;06/2003; Ministerium für Umwelt, Natur und Forsten des Landes Schleswig-Holstein, Kiel