Expandierter Polystyrolschaum (EPS)

Produktgruppeninformation

Begriffsdefinition

Expandiertes Polystyrol EPS (auch: Polystyrol-Partikelschaum, expandierter Polystyrol-Hartschaum, expandierter Polystyrolschaum) ist ein harter Dämmstoff mit offenporiger Struktur. Für Anwendungen mit Feuchtebelastung wird auch intensiv geschäumtes EPS hergestellt, dass geschlossene Poren aufweist (auch: EPS-P). Der Dämmstoff besteht aus Polystyrol, das während der Produktion zu einem Hartschaum aufgebläht wird. EPS gehört unter den synthetischen organischen Dämmstoffen zur Gruppe der Schaumkunststoffe.
Die Dämmwirkung wird durch den Einschluss ruhender Luft in den aufgeblähten Zellen erzeugt.

EPS wurde 1951 unter der Markenbezeichnung Styropor durch BASF auf dem Markt eingeführt.

Wesentliche Bestandteile

EPS besteht zur Hauptsache aus Polystyrol. Der größte Teil des Dämmstoff-Volumens wird jedoch durch die luftgefüllten Poren eingenommen. Als Flammschutzmittel kommt derzeit meistens noch HBCD zum Einsatz. Nach der Regulierung des HBCD unter der REACH-Verordnung wird derzeit der Umstieg auf ein bromiertes Polymer vorbereitet bzw. ist bereits vollzogen. (Informationen zu HBCD s.u. Flammschutzmittel) Darüber hinaus enthält EPS weitere Additive aus der Produktion in geringen Mengen.
Zur Verbesserung des Dämmwerts kann das EPS mit 3-5 % Graphit oder Russ versetzt werden. Daraus entsteht dann graues EPS.

Die Rohstoffe und der Produktionsprozess werden in den Reitern "Rohstoffe" und "Herstellung" eingehend beschrieben.

Charakteristik

Das Zwischenprodukt "expandierbares Polystrol", ebenfalls als EPS abgekürzt, wird in wenigen großchemischen Anlagen hergestellt und als Granulat an zahlreiche regional bis international tätige Dämmstoffhersteller ausgeliefert, welche daraus EPS-Dämmstoffplatten herstellen. Das Granulat enthält Pentan und wird für die Dämmstoffproduktion mit Heißdampf um das 20 bis 50 fache expandiert. Die entstehenden Kugeln werden erneut unter Dampfeinwirkung zusammengeschweißt und -gepresst, was dem EPS die charakteristische grobkörnige Struktur verleiht. Das Pentan entweicht während des Produktion bereits größtenteils und wird durch Luft ersetzt. Das entstehende EPS ist typischerweise weiß oder grau

Besonders wichtige Eigenschaft hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Flammschutzmittel HBCD

Hexabromcyclododecan (HBCD) erfüllt die Kriterien für persistente (in der Umwelt nicht leicht abbaubare), bioakkumulierende (sich in Organismen anreichernde) und toxische (giftig für Mensch, Ökosysteme oder Organismen) Stoffe (PBT-Stoffe) der neuen europäischen Chemikalienverordnung REACH. 
Für das Flammschutzmittel  gilt seit Frühjahr 2016 in der EU ein weitgehendes Handels- und Verwendungsverbot. HBCD war lange das wirtschaftlich wichtigste Flammschutzmittel für Polystyrol-Dämmstoffe – entsprechend gibt es für Dämmstoffe aus expandiertem Polystyrol (EPS) noch veschiedene Übergangsregeln (längstens bis Februar 2018). Für Dämmstoffe aus extrudiertem Polystyrol (XPS) mit HBCD gelten keine Übergangsregeln mehr. Sie dürfen seit dem 22. Juni 2016 nicht mehr in Verkehr gebracht und verwendet werden.
Das weltweite Aus war 2013 eingeleitet worden, als HBCD unter der internationalen Stockholm-Konvention als in der Umwelt schwer abbaubarer organischer Schadstoff (POP) identifiziert wurde. Das Verbot wird zurzeit von allen an der Konvention beteiligten Staaten stufenweise eingeführt. Das Umweltbundesamt hat in einem Hintergrundpapier zusammengestellt, warum der Stoff nicht mehr verwendet werden soll, welche Verbote in der Europäischen Union (EU) bereits ab März 2016 gelten und wo es noch Übergangsfristen gibt. Es wird erläutert, welche Alternativen vorliegen und wie HBCD-haltige Dämmstoffe, die ab Oktober 2016 als gefährliche Abfälle eingestuft werden, zu entsorgen sind.

Download: Hintergrundpapier - Häufig gestellte Fragen und Antworten zu Hexabromcyclododecan (HBCD) / Umweltbundesamt

Lieferzustand

Platten (d = 10 – 300 mm) mit unterschiedlichen Kantenausbildungen (glatt, Stufen- oder Hakenfalz) und Profilierungen, Formteile

Anwendungsbereiche (Besonderheiten)

  • EPS ist nicht wasserbeständig. Im Sockelbereich von EPS-gedämmten Fassaden kommt deshalb meist XPS oder auch intensiv geschäumtes EPS zum Einsatz. Im Perimeter kann nur intensiv geschäumtes EPS verwendet werden.
  • Der Einbau zwischen den Sparren kann sich als problematisch erweisen, da das Schwinden des Holzes nicht kompensiert werden kann.
  • Nicht geeignet für Anwendungen mit Heißbitumen oder unter Gussasphalt (s. Beständigkeit)

Quellen

Gesamtverband Dämmstoffindustrie (GDI) - Baumarktstatistik 2005

Bromierte Flammschutzmittel – Schutzengel mit schlechten Eigenschaften?; Presseinformation 020/2008; Umweltbundesamt; Berlin; 2008 (Download)

Sixth Meeting of the Conference of the Parties to the Stockholm Convention, Decision SC-6/13: Listing of hexabromocyclododecane, 2013

Expandierter Polystyrolschaum (EPS)
Expandierter Polystyrolschaum (EPS)

Planungs- und Ausschreibungshilfen

WECOBIS informiert produktneutral. An verschiedenen Stellen bietet WECOBIS jedoch auch Unterstützung dazu, wie sich Produkte innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer ökologischen Eigenschaften unterscheiden lassen.

Informationen hier im Reiter Ausschreibung:

  • Links zu materialökologischen Anforderungen und Textbausteinen für Planung und Ausschreibung im WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen,
  • Hinweise auf mögliche Quellen und Nachweisdokumente zu Planungs- und Ausschreibungskriterien,
  • zusammenfassende Informationen zum Lebenszyklus
  • Informationen zu möglichen Alternativen

Übersicht Planungs- und Ausschreibungshilfen: Dämmstoffe aus synthetischen Rohstoffen
01/2015

  Expandierter Polystyrolschaum (EPS)Extrudierter Polystyrolschaum (XPS)Polyurethan-Hartschaum (PUR/PIR)
Dämmstoffe auf Kautschuk- und PE-Basis (noch nicht in WECOBIS)Melamin-/
Phenolharzschäume
(noch nicht in WECOBIS)

Polyurethan-Spritzschaum (PUR/PIR)

               
  Material-
ökologische Anforderungen
Im neuen Modul "Planungs- & Ausschreibungshilfen" bietet WECOBIS eine Übersicht zu möglichen materialökologischen Anforderungen und Textbausteine für Planung und Ausschreibung. Inhalt aufklappen
   
Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS

Kunstschaum-dämmstoffe

---

Dämmstoffe in WDVS

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Dämmstoffe mit Kontakt zu Boden und Grundwasser

Kunstschaum-dämmstoffe

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Dämmstoffe in WDVS

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Dämmstoffe mit Kontakt zu Boden und Grundwasser

Kunstschaum-dämmstoffe

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Dämmstoffe in WDVS

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Dämmstoffe mit Kontakt zu Boden und Grundwasser

Kunstschaum-dämmstoffe

Kunstschaum-
dämmstoffe
Montage- und Bauschäume
  Mögliche Quellen Die hier genannten Quellen, insbesondere BNB, bilden die Grundlage für Planungs- und Ausschreibungshilfen bzw. materialökologische Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS. Inhalt aufklappen
   
Bewertungssystem
Nachhaltiges Bauen

(BNB) des BMUB /
Kriterium 1.1.6 (Risiken für die lokale Umwelt)

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMUB steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen. Die o.g. Textbausteine und materialökologischen Anforderungen in WECOBIS basieren derzeit auf Kriteriensteckbrief 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt. Dieser steht in engem Zusammehang mit Kriteriensteckbrief 3.1.3 Innenraumhygiene.

Auch wenn ein Gebäude nicht zertifiziert werden soll, bilden die einzelnen Kriteriensteckbriefe eine gute Grundlage, Orientierung und Hilfestellung für die Umsetzung ökologischer Aspekte in der Gebäudeplanung.

Einordung der jeweiligen Dämmstoffe hinsichtlich verschiedener Kriteriensteckbriefe siehe Reiter Bewertungssysteme in WECOBIS

Umweltbundesamt
(UBA)
Auf den Internet-Seiten des Umweltbundesamtes (UBA) befindet sich der „Informationsdienst für umweltfreundliche Beschaffung“. Die Seiten werden gerade überarbeitet, sodass sich dort derzeit aus dem Baubereich nur Ausschreibungsempfehlungen zu Elastischen Bodenbelägen, Tapeten und Raufaser finden.
baubook ökologisch ausschreiben Die Plattform baubook ökologisch ausschreiben bietet eine Sammlung von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Dämmstoffe aus synthetischen Rohstoffen finden sich Kriterien in der Gruppe der Dämmstoffe / synthetische Dämmstoffe.
natureplus Ausschreibungstexte + + + + + -
  Mögliche Nachweis-
dokumente
weitere Nachweismöglichkeiten neben den folgend genannten sind Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, sowie Herstellererklärungen oder ggf. ein Anhang mit Nachhaltigkeitsmerkmalen zur bauaufsichtlichen Zulassung (abZ+). Inhalt aufklappen
   
gesetzlich vorgeschrieben: Welche Nachweisdokumente müssen vom Hersteller zur Verfügung gestellt werden? Welcher Nachweis kann damit erbracht werden?
REACH / CLP:
Sicherheitsdatenblatt (SDB)

Spritzschäume bzw. Ort- und Montageschäume werden als Gemisch eingestuft. Für sie muss daher ein SDB gemäß den Anforderungen in Art.31 REACH-VO in Verbindung mit Anhang II erstellt werden. (Nachweis gefährliche Stoffe, Nachweis SVHC >= 0,1 Gew.-%)

Dämmstoffe in Plattenform werden als Erzeugnis eingestuft. Für Erzeugnisse ist kein SDB vorgeschrieben. Die pflichtgemäße Leistungserklärung zur CE-Kennzeichnung für Bauprodukte, die unter den Geltungsbereich der BauPVO fallen, muss Angaben über SVHC enthalten oder mitliefern (kein harmonisiertes Format, erfordert ggf. Nachfrage). Für alle Bauprodukte (Erzeugnisse), also auch solche, die nicht im Geltungsbereich der BauPVO liegen, besteht ein Auskunftsrecht für SVHC. Für die Anfrage an den Hersteller steht auf dem Informationsportal des Umweltbundesamtes zu REACH ein Musterbrief zum Download zur Verfügung.

Alle Dämmstoffe aus synthetischen Rohstoffen fallen in den Geltungsbereich der BauPVO (s. Listung in Bauregelliste B Teil 1 / 1.5 Dämmstoffe für den Wärme- und Schallschutz).

Leistungserklärung gemäß BauPVO mit Angaben zu SVHC (kein harmonisiertes Format, erfordert ggf. Nachfrage) + + + + + +

allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) aus  Gesundheits-
schutzgründen bzw. Umwelt-
schutzgründen

Werkmäßig hergestellte Dämmstoffe aus Phenolharzschaum benötigen bei der Verwendung in Aufenthaltsräumen einschließlich zugehöriger Nebenräume eine abZ aus Gesundheitsschutzgründen. Sie umfasst eine Emissionsprüfung zur quantitativen Bestimmung und Bewertung flüchtiger (VOC) und schwer flüchtiger (SVOC) Verbindungen auf Basis des AgBB-Bewertungsschemas. (siehe auch Bauregelliste B Teil 1, lfd. Nr. 1.5.5)
Dasselbe gilt für Dämmstoffe aller Materialien, die als Verlegeunterlagen unter Bodenbelägen verwendet werden (siehe auch Bauregelliste B Teil 1, lfd. Nr. 1.18.1 bzw. 1.18.3).

Für Dämmstoffe aller Materialien gilt: Bausätze aus vorgefertigten Elementen für die Wärmedämmung von Außenwänden, dürfen nur dann als Außenbauteil, d.h. im unmittelbaren oder mittelbaren Kontakt mit Wasser und Boden, verwendet werden, wenn der Nachweis der Umweltverträglichkeit durch eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung geführt wird. (siehe auch Bauregelliste B Teil 1, lfd. Nr. 3.4.2, Zulassungsnummer noch nicht vergeben siehe aktuelle Liste Umweltschutz DIBt)

abZ der Gruppen Z-158.10-.... (Verlegeunterlagen) abZ der Gruppen Z-23.15- ... (Phenolharzschaum) -
freiwillige Produktkenn-zeichnungen / -deklarationen Für einige Bauproduktgruppen existieren freiwillige Produktkennzeichnungen oder -deklarationen wie z.B. Umweltzeichen oder Umweltproduktdeklarationen, die als Nachweis für materialökologische Anforderungen dienen können. Eine Übersichtstabelle dazu mit detaillierten Informationen zu Dämmstoffen aus synthetischen Rohstoffen findet sich im Reiter Zeichen & Deklarationen.

Übersicht Lebenszyklusinformationen: Dämmstoffe aus synthetischen Rohstoffen

  Expandierter Polystyrolschaum (EPS)Extrudierter Polystyrolschaum (XPS)Polyurethan-Hartschaum (PUR/PIR)Polyurethan-Spritzschaum (PUR/PIR)
           
  Rohstoffe Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Rohstoffe)
   
Hauptbestandteile nach Rohstoffherkunft
Anteil fossiler Rohstoffe 100 M-%  100 M-% 100 M-% 100 M-%
Anteil mineralischer Rohstofffe 0 M-%  0 M-% 0 M-% 0 M-%
Anteil erneuerbarer Rohstoffe 0 M-%  0 M-% 0 M-% 0 M-%
Charakteristische Inhaltsstoffe
Ausgangsstoff Polystyrol Polystyrol

Polyole, Isocyanate

Polyole, Isocyanate / an der Verwendungsstelle gemischter Spritzschaum (auch: Ortschaum, zweikomponentig) oder als Montageschaum (Dosenschaum, meist einkomponentig)
Treibmittel Pentan zu 80% CO2 mit Co-Treibmittel (Ethanol oder Aceton), auch: HFKWs R-134a, R-152a, neu: HFO-1234ze  zu 95% Pentan, auch: HFKW HFKW oder CO2 / HFKW, oder: Gemische aus leichtentzündlichen Kohlenwasserstoffen (Propan, Butan, Dimethylether)
Problematische Inhaltsstoffe
Flammschutzmittel ca. 0,5-2 % HBCD (SVHC), Ersatzstoff: bromiertes Polymer ca. 0,5 - 3% HBCD (SVHC), Ersatzstoff: bromiertes Polymer ca. 2-5% halogenierte Phosphorsäureester:TCEP (SVHC)
und TCPP
ca. 10 - 25% TCEP (SVHC), TEP, TCPP,
bei HFKW-freien Montageschäumen bis zu 35% Flammschutzmittel möglich,
bei PIR-Schäumen ca.-Halbierung der Flammschutzmittel möglich
Sonstiges
Verwendung von Recyclingmaterialien Verwendung von Produktionsabfälle; in der Schweiz auch Verwendung von sortenreinen Baustellenabfällen derzeit nur Verwendung von Produktionsabfällen, Extruderprozess erfordert hohen Reinheitsgrad nur Verwendung von Produktionsabfällen  nur Verwendung von Produktionsabfällen
  Herstellung Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Herstellung)
  Ökobau.dat-Datensätze Datensätze zu Expandiertem Polystyrol (EPS): siehe 2. Dämmstoffe / 2.2. Expandiertes Polystyrol Datensätze zu Extrudiertem Polystyrol (XPS): siehe 2. Dämmstoffe / 2.3. Extrudiertes Polystyrol Datensätze zu Polyurethan-Hartschaum (PUR/PIR): siehe 2. Dämmstoffe / 2.4. Polyurethan-Hartschaum (PUR) Datensätze für Polyurethan-Spritzschaum (PUR/PIR) liegen noch nicht vor (Stand 02/2015)
  Verarbeitung Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Verarbeitung, zu ggf. vorhandenen verarbeitungsspezifischen Produktkennzeichnungen wie z.B. Giscode, siehe Reiter Zeichen & Deklarationen)
  Verarbeitungsweise / Lieferzustand Plattenware (weiß oder grau); offenporig; für Anwendungen mit Feuchtebelastung auch intensiv geschäumt / geschlossenporig Plattenware (i.d.R. farbig, je nach Hersteller), geschlossenzellig Plattenware, geschlossenzellig anspruchsvolle Verarbeitung vor Ort, bei Spritzschäumen nur dur Fachfirmern, Montageschäume auch für den Heimwerkerbereich
  Arbeitshygienische Risiken Gefährdung durch Staub bei mechanischer Verarbeitung, durch Styrol beim Schneiden mit Heißdraht Gefährdung durch Staub bei mechanischer Verarbeitung, durch Styrol beim Schneiden mit Heißdraht - TRGS 430 "Isocyanate – Gefährdungsbeurteilung und Schutzmaß- nahmen"
  Nutzung Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Nutzung, zur Innenraumhygiene nach BNB siehe siehe Reiter Bewertungssysteme, zu ggf. vorhandenen innenraumrelevanten Produktkennzeichnungen wie z.B. Blauer Engel, siehe Reiter Zeichen & Deklarationen)
   
VOC-/SVOC-Emissionen keine VOC-/Formaldehydemissionen zu erwarten in geringen Mengen flüchtige organische Verbindungen (VVOC, VOC) aus dem Treibmittel Pentan Unmittelbar nach der Anwendung können geringe Mengen an Treibmittel (Propan, Butan, Dimethylether) emittiert werden. Mit anderen Emissionen im Innenraum ist nach derzeitigem Kenntnisstand nicht zu rechnen.
Brandfall im Brandfall Entstehung giftiger Brandgase (Dioxine und Furane)
 
giftige Brandgase  giftige Brandgase
  Nachnutzung Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Nachnutzung)
   
Rückbaubarkeit / Trennbarkeit hoher Aufwand bei Verklebung (z.B. Perimeterdämmung, Fassadendämmung), sortenreiner Rückbau oft schwierig, geringer Aufwand bei loser Verlegung hoher Aufwand durch Anhaftung an anderen Bauteilen, Sorternreinheit kaum möglich
Verwertbarkeit / Recyclingfähigkeit hochwertige Verwertung aus sortenreinen Abfällen möglich, in der Schweiz auch praktiziert derzeit keine hochwertige Vewertung möglich, Extruderprozess erfordert hohen Reinheitsgrad derzeit keine hochwertige Vewertung möglich keine stoffliche Verwertung möglich
Typischer Entsorgungsweg energetische Verwertung (Verbrennung) energetische Verwertung (Verbrennung) energetische Verwertung (Verbrennung) energetische Verwertung (Verbrennung)
Energiegewinnung möglich? ja (hoher Heizwert) ja (hoher Heizwert) bedingt (Heizwert niedriger als bei EPS und XPS) bedingt (Heizwert niedriger als bei EPS und XPS)

Alternativen hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Flammschutzmittel HBCD

Hexabromcyclododecan (HBCD) erfüllt die Kriterien für persistente (in der Umwelt nicht leicht abbaubare), bioakkumulierende (sich in Organismen anreichernde) und toxische (giftig für Mensch, Ökosysteme oder Organismen) Stoffe (PBT-Stoffe) der neuen europäischen Chemikalienverordnung REACH. 
Für das Flammschutzmittel  gilt seit Frühjahr 2016 in der EU ein weitgehendes Handels- und Verwendungsverbot. HBCD war lange das wirtschaftlich wichtigste Flammschutzmittel für Polystyrol-Dämmstoffe – entsprechend gibt es für Dämmstoffe aus expandiertem Polystyrol (EPS) noch veschiedene Übergangsregeln (längstens bis Februar 2018). Für Dämmstoffe aus extrudiertem Polystyrol (XPS) mit HBCD gelten keine Übergangsregeln mehr. Sie dürfen seit dem 22. Juni 2016 nicht mehr in Verkehr gebracht und verwendet werden.
Das weltweite Aus war 2013 eingeleitet worden, als HBCD unter der internationalen Stockholm-Konvention als in der Umwelt schwer abbaubarer organischer Schadstoff (POP) identifiziert wurde. Das Verbot wird zurzeit von allen an der Konvention beteiligten Staaten stufenweise eingeführt. Das Umweltbundesamt hat in einem Hintergrundpapier zusammengestellt, warum der Stoff nicht mehr verwendet werden soll, welche Verbote in der Europäischen Union (EU) bereits ab März 2016 gelten und wo es noch Übergangsfristen gibt. Es wird erläutert, welche Alternativen vorliegen und wie HBCD-haltige Dämmstoffe, die ab Oktober 2016 als gefährliche Abfälle eingestuft werden, zu entsorgen sind.

Download: Hintergrundpapier - Häufig gestellte Fragen und Antworten zu Hexabromcyclododecan (HBCD) / Umweltbundesamt

Einige EPS-Hersteller verwenden bereits ein alternatives Flammschutzmittel (bromiertes Polymer), z.B. Produkte mit dem Qualitätssiegel BFA QS EPS. Sofern eine EPD vorliegt, finden sich auch entsprechende Informationen zum verwendeten Flammschutzmittel unter "Rohstoffe". EPDs für ganze Wärmedämmverbundsysteme enthalten meist keine detaillierten Informationen zu den Rohstoffen der Einzelteile, sondern verweisen nur auf zugrundeliegende EPDs, z.B. von Dämmstoffen, die man vorsorglich überprüfen sollte.
Bei der Gebäudezertifizierung nach BNB werden bereits ab Qualitätsniveau 2 (von 5) Produkte ohne HBCD gefordert.

Weitere planungs- und ausschreibungsrelevante Informationen in WECOBIS

Allgemeine Unterstützung zum Umgang mit Nachhaltigkeitsaspekten in Planung und Ausschreibung sowie Hinweise auf Leitfäden, Arbeitshilfen und Veröffentlichungen zum Nachhaltigen Bauen bietet das neue WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen unter Allgemeine Infos.

Expandierter Polystyrolschaum (EPS)

Umweltdeklarationen

Die folgende Tabelle liefert eine Übersicht zu Zeichen & Deklarationen aus dem Bereich der Dämmstoffe. Neben Herstellererklärungen oder Informationen in Sicherheitsdatenblättern (SDB) können diese den Nachweis für umwelt- und gesundheitsrelevante Kriterien in Planung und Ausschreibung (s. Reiter Ausschreibung) ermöglichen. Detaillierte Informationen finden sich außerdem in den einzelnen Produktgruppen.

Übersicht Umweltdeklarationen: Dämmstoffe aus synthetischen Rohstoffen
Stand 10/2016

  Expandierter Polystyrolschaum (EPS)Extrudierter Polystyrolschaum (XPS)Polyurethan-Hartschaum (PUR/PIR)Polyurethan-Spritzschaum (PUR/PIR)
           
  Umweltzeichen Umweltzeichen gehören zu den freiwilligen Produktkennzeichnungen. Sie bieten die Möglichkeit, Unterschiede von Produkten innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer Umwelt- und Gesundheitsrelevanz festzustellen, auch wenn sie keine allgemeinverbindlichen Gebote oder Verbote aufstellen können. Inhalt aufklappen
   

Blauer Engel
weil umweltgerechter Wärmeschutz / RAL-UZ 140 Wämedämmverbund-systeme

x

(aufgrund der Inhaltsstoffe / Ausschluss halogenierter organischer Verbindungen als Flammschutzmittel. Das gilt auch für die derzeit bekannten HBCD-Ersatzstoffe aus bromierten Polymeren. ausführliche Infos zu HBCD siehe Hintergrundpapier HBCD / Umweltbundesamt vom Juli 2016)

x

(aufgrund der Inhaltsstoffe / Ausschluss halogenierter organischer Verbindungen als Flammschutzmittel)

./.

Blauer Engel
weil emissionsarm

x

Emissionsarme Wärmedämmstoffe und Unterdecken für die Anwendung in Gebäuden können sich für den Blauen Engel RAL-UZ 132 qualifizieren. Dämmstoffe aus synthetischen Rohstoffen können die Anforderung "Ausschluss halogenierter organischer Verbindungen" aufgrund der enthaltenen Flammschutzmittel nicht erfüllen.

-
Blauer Engel
weil emissionsarm

+

Emissionsarme Verlegeunterlagen für Bodenbeläge können sich für den Blauen Engel RAL-UZ 156 qualifizieren. Dazu gehören auch dünne Dämmunterlagen, die z.B. aus EPS-, XPS- oder PUR-Schäumen oft in Kombination mit weiteren Materialien bestehen können. Verlegeunterlagen mit dem Emicode EC1plus (s.u.) müssen bei fast allen Prüfparametern niedrigere Grenzwerte einhalten.

-
Qualitätssiegel BFA QS EPS (kein Umweltzeichen, aber Nachweismöglichkeit für HBCD-Freiheit) +

./.

Nachweis HBCD-Freiheit über EPD mit Zusatz "mit alternativem Flammschutzmittel" möglich

./. ./.
pure life-Siegel der ÜGPU e.V. (Überwachungs-gemeinschaft Polyurethan-Hartschaum e.V.) ./. ./.

+

(u.a. TCEP-frei, frei von halogenierten Treibmitteln, Einhaltung AgBB-Schema)

./.
EU-Umweltzeichen (Blume) -
- - -
Österreichisches Umweltzeichen
Richtlinie UZ 43 : stoffliche Einschränkungen, keine Emissionsanforderungen

+

(nur für intensiv geschäumtes EPS ohne HBCD)

Richtlinie UZ 43
Hartschaum-Dämmplatten aus fossilen Rohstoffen

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

Richtlinie UZ 43
Hartschaum-Dämmplatten aus fossilen Rohstoffen

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

Richtlinie UZ 43
Hartschaum-Dämmplatten aus fossilen Rohstoffen

-
natureplus-Qualitätszeichen (nur für Produkte aus nachwachsenden und/oder mineralischen Rohstoffen / mind. 85 Masse%)

x

x

x

x

Nordischer Schwan  - - - -
EMICODE
/ Raumlufthygiene

 +

Emissionsarme Verlegeunterlagen können sich für den EMICODE EC1plus (sehr emissionsarm) - EC2 (emissionsarm) qualifizieren. Dazu gehören auch dünne Dämmunterlagen, die z.B. aus EPS-, XPS- oder PUR-Schäumen oft in Kombination mit weiteren Materialien bestehen können.

+

EC1plus (sehr emissionsarm) -
EC2 (emissionsarm)

(nur für Montageschäume, nicht für sog. Spritzschäume mit großflächiger Anwendung)

Eurofins Zertifizierung "Indoor Air Comfort Gold" (Formaldehyd-Grenzwert  strenger / VOC-Grenzwerte weniger streng als Blauer Engel)

 +

(für Dämmstoffe möglich, derzeit jedoch kein Dämmstoff aus synthetischen Rohstoffen / Schaumkunststoff zertifiziert)

-
  GISBAU Klassifizierungs-system

Das GISBAU Klassifizierungssystem ermöglicht es durch den GISCODE oder GISBAU Produktcode, Produkte von denen die gleichen Gesundheitsgefahren ausgehen, in einer Gruppe zusammenzufassen. Die Klassifizierung ist auf den Arbeitsschutz ausgerichtet. Gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) ist grundsätzlich das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen zu verwenden. (siehe unten: Ersatzproduktgruppe prüfen?) Inhalt aufklappen

   

GISBAU Produkt-Code / GISCODE

Platten-Dämmstoffe aus synthetischen Rohstoffen sind nicht im GISBAU-System klassifiziert. Informationen zu arbeitshygienischen Risiken siehe Reiter Verarbeitung.

 

 

PU 70 PU-Montageschäume (i.d.R. HFKW-haltige Schäume)

PU 80 PU-Montageschäume, hochentzündlich (auch HFKW-freie Schäume möglich)

GefStoffV: Prüfung von Alternativen erforderlich? (Minimierungsgebot)

- - -

Der Verzicht auf Montageschäume ist zu bevorzugen.

geringstmögliche Belastung innerhalb der gleichen GISCODE-Produktgruppe (ggf. erst nach Prüfung von Alternativen)

- - - PU 70 (aufgrund der geringern Brandgefahr), es gibt auch "isocyanatfreie" Schäume (ohne GISBAU-Einstufung) mit etwas geringerer Belastung. Der Verzicht auf Montageschäume ist zu bevorzugen.
  Umweltprodukt-deklaration (EPD)

Die Umweltproduktdeklaration (EPD = Environmental Product Declaration) eines Produktes macht Aussagen zum Energie- und Ressourceneinsatz und in welchem Ausmaß ein Produkt zu Treibhauseffekt, Versauerung, Überdüngung, Zerstörung der Ozonschicht und Smogbildung beiträgt. Außerdem werden Angaben zu technischen Eigenschaften gemacht, die für die Einschätzung der Performance des Bauproduktes im Gebäude benötigt werden, wie Lebensdauer, Wärme- und Schallisolierung oder den Einfluss auf die Qualität der Innenraumluft.1 Inhalt aufklappen

   
EPD1 - + - -
Branchen-EPD1

+

Infos zu HBCD oder alternativem FSM Polymer-FR im Geltungsbereich oder unter Rohstoffe

+

HBCD-frei mit Zusatz "... mit alternativem Flammschutzmittel" im Titel

+

+

(nur für flächig aufgetragenen Spritzschaum, nicht für Montageschäume)

  Umweltindikatoren

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren wie z.B Primärenergieaufwand, Abfall, Abiotischer Ressourcenverbrauch, Ozonabbaupotential, Treibhauspotential usw. liefert die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB. Inhalt aufklappen

   
Ökobau.dat-Datensätze Datensätze zu Expandiertem Polystyrol (EPS): siehe 2. Dämmstoffe / 2.2. Expandiertes Polystyrol

Datensätze zu Extrudiertem Polystyrol (XPS): siehe 2. Dämmstoffe / 2.3. Extrudiertes Polystyrol

Datensätze zu Polyurethan-Hartschaum (PUR/PIR): siehe 2. Dämmstoffe / 2.4. Polyurethan-Hartschaum (PUR) Datensätze für Polyurethan-Spritzschaum (PUR/PIR) liegen noch nicht vor (Stand 10/2016)
  Sonstiges Sonstige freiwillige Produktkennzeichnungen, die Informationen zur Umwelt- und Gesundheitsrelevanz von Produkten liefern können. Inhalt aufklappen
   
baubook-Deklaration Die Plattform baubook ökologisch ausschreiben bietet eine Sammlung von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Dämmstoffe aus synthetischen Rohstoffen finden sich Kriterien in der Gruppe der Dämmstoffe / synthetische Dämmstoffe.
+ Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe vorhanden
- Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe nicht vorhanden
./. Zeichen / Label für diese Produktgruppe nicht relevant
x Produkte aus dieser Produktgruppe können die Kriterien des Zeichens/Labels definitionsgemäß nicht erfüllen

1 Die hier als vorhanden markierten EPDs und Branchen-EPDs sind als Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu verstehen und finden sich z.B. auf den Seiten des IBU Institut Bauen und Umwelt e.V..

Expandierter Polystyrolschaum (EPS)

Bewertungssystem

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)

   
  Wofür steht das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)? Inhalt aufklappen
 

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMUB steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen.
Ausführliche Informationen zum BNB-System siehe www.nachhaltigesbauen.de

  Welche Informationen liefert WECOBIS für BNB im Reiter Bewertungssysteme? Inhalt aufklappen
 

WECOBIS führt in den Datenblättern der Bauproduktgruppen umfangreiche Informationen zur Beantwortung der verschiedenen Fragestellungen im Hinblick auf Umwelt- und Gesundheitsaspekte. Im Reiter Bewertungssysteme bietet WECOBIS gezielt Antworten auf Fragestellungen baustoffrelevanter Steckbriefe. Durch die Bündelung von Aspekten z.B. bzgl. der Risiken für die lokale Umwelt, Fragen zur Innenraumhygiene und der Thematik Rückbau, Trennung, Verwertung gibt WECOBIS gezielte Hilfestellung bei der Einordnung einzelner Baustoffe. Tiefergehende Informationen finden sich über die Verknüpfungen in den jeweiligen Datenblättern.
Hinweis: Eine abschließende Beurteilung im Rahmen des Bewertungssystems und der genannten Kriterien erfolgt jedoch grundsätzlich in Abhängigkeit weiterer baulicher Gegebenheiten (z.B. eingebaute Menge).

BNB-Kriterium BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau)

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_1.1.6 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

BNB-Kriterium BN_1.1.6 zielt auf die Reduzierung bzw. Vermeidung von Stoffen und Produkten beim Neubau, die aufgrund ihrer stofflichen Eigenschaften oder Rezepturbestandteile ein Risikopotenzial für Grundwasser, Oberflächenwasser, Boden und Luft (auch Innenraumluft) enthalten. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 5 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung der Substitution eines Stoffes.

Für den Umgang mit Materialien im Bestand und deren Einordnung ist Kriteriensteckbrief BK_1.1.6. heranzuziehen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau) und BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

Einordnung der Dämmstoffe aus Expandiertem Polystyrol (EPS):

Für die Bewertung nach Kriterium BNB_BN_1.1.6 (Version V 2014_1) werden sechs potenzielle Schadstoffgruppen betrachtet. Für die Einordnung der Dämmstoffe aus EPS gemäß 1.1.6 sind die hervorgehobenen Schadstoffgruppen 1, 2, 4, 5 + 6  relevant: 
1  Gefährliche und besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC)
2  Gefährliche Stoffe, die ausgelaugt werden können
3  Schwermetalle (bei Bodenbelägen als Stabilisatoren in Kunststoffen)
4  Flüchtige organische Verbindungen (VOC) einschließlich organische Lösemittel*
5  Halogenierte Kälte- und Treibmittel
6  Biozide

*Hinweis:
Für Dämmstoffe enthält Kriteriensteckbrief 1.1.6 derzeit nur im Rahmen allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassungen gestellte innenraumrelevante Anforderungen an bestimmte Bauproduktgruppen, weshalb die folgenden Anforderungen diesen Aspekt auch nur sehr begrenzt abdecken. Das Fehlen solcher Anforderungen bedeutet nicht, dass diese bei Verwendung in Innenräumen nicht erforderlich sein könnten. Eine diesbezügliche Ergänzung ist in Arbeit.

Dämmstoffe aus Expandiertem Polystyrol (EPS) werden in 1.1.6 über folgende Einsatzbereiche adressiert (s. BNB_BN_1.1.6 Anlage 1 / Allgemeine Anforderungsliste, Anlage 2 / Anforderungen an Einzelstoffe mit besonders besorgniserregenden Eigenschaften):

  • Pos.32 Kunstschaumdämmstoffe  / EPS, XPS, PUR/PIR, Melamin- und Phenolharzschäume, gummiartige Dämmprodukte auf Kautschuk- und PE-Basis / Wand-, Decken-, Bodendämmung, flexible TGA-Dämmung
  • Pos. 36 Vor-Ort verarbeitete Oberflächenbeschichtungen / Wärmedämmverbundsysteme / mineralische und nicht mineralische Außenwanddämmung
  • Pos. 38 Bauprodukte mit Kontakt zu Boden und Grundwasser, für die eine abZ aus Umweltschutzgründen vorgeschrieben ist. (s. Liste DIBT)
  • Pos. 39 Bauprodukte mit mittelbarem und unmittelbarem Kontakt zu Boden und Grundwasser / Dämmstoffe für Perimeterdämmung und Umkehrdächer
  • Pos. 40 / Anlage 2-D Flammhemmend ausgerüstete Bauprodukte (Erzeugnisse) / Dämmstoffe aus Polystyrol
  • Pos. 42 weitere Bauprodukte, die innenraumrelevant sind und für die es eine abZ mit Aussagen zum Gesundheitsschutz gibt.

Im folgenden werden die Anforderungen bzw. Einschränkungen für die Verwendung von Dämmstoffen aus EPS/XPS dargestellt. Die eigentlichen Anforderungen der genannten Position in Anlage 1 betreffen ggf. auch andere Dämmstoffmaterialien.

Qualitätsniveau (QN)

Anforderungen für alle
Kunstschaum-Dämmstoffe / hier: EPS-/XPS-Dämmstoffe
(gem. Pos.32 , sowie 38, 40-D + 42)

Anforderungen für
EPS-/XPS-Dämmstoffe in WDVS
(gem. Pos.36, sowie 32 + 40-D)

Anforderungen für Dämmstoffe in Perimeterdämmungen oder Umkehrdächern (gem. Pos.39, sowie 32 + 40-D)

1
(= Mindest-anforderung)

Produktdokumentation1 incl. Deklaration von SVHC der Kandidatenliste > 0,1 Gew.-%

bei Verwendung in  Bausätzen aus vorgefertigten Elementen für die Wärmedämmung von Außenwänden nach ETAG 017 gilt:
Vorlage abZ aus Umweltschutzgründen

bei Verwendung als Verlegeunterlagen unter Bodenbelägen gilt:
Vorlage abZ der Gruppen Z-158.10 (Verlegeunterlagen) aus Gesundheitsschutzgründen2

Produktdokumentation1 incl. Deklaration von SVHC der Kandidatenliste > 0,1 Gew.-%

 

Produktdokumentation1 incl. Deklaration von SVHC der Kandidatenliste > 0,1 Gew.-%

2 (zusätzlich zu QN1)

Es dürfen nur Produkte verwendet werden, die frei von halogenierten Treibmitteln sind und kein HBCDD (<0,1%) als Flammschutzmittel enthalten.

 

 

gem. Pos.32 und Pos. 40-D dürfen nur Produkte verwendet werden, die frei von halogenierten Treibmitteln sind und kein HBCDD (<0,1%) als Flammschutzmittel enthalten.

gem. Pos.32 und Pos. 40-D dürfen nur Produkte verwendet werden, die frei von halogenierten Treibmitteln sind und kein HBCDD (<0,1%) als Flammschutzmittel enthalten.

 

 

3
(zusätzlich zu QN1)

Die Anforderungen hinsichtlich Bioziden, gefährlichen Stoffen und halogenierten Treibmitteln des Labels RAL-UZ 1403 (Blauer Engel - weil umweltgerechter Wärmeschutz) müssen erfüllt werden.

4 (zusätzlich zu QN1)

5 (zusätzlich zu QN1) Dokumentation der Eluatwerte hinsichtlich gefährlicher Stoffe, die ausgelaugt werden können.
Kommentierung

Bereits für die Erfüllung der Anforderungen von QN2 sind in allen Anwendungen Produkte erforderlich, die bereits mit einem Ersatzstoff für HBCD ausgerüstet sind4.

In WDVS dürfen ab QN3 nur noch Produkte ohne halogenierte organische Verbindungen als Flammschutzmittel eingesetzt werden (Anforderung des Blauen Engels4). Auch bei den derzeit bekannten HBCD-Ersatzstoffen aus bromierten Polymeren handelt es sich um halogenierte Verbindungen, sodass diese Anforderung derzeit von Dämmstoffen aus EPS/XPS nicht erfüllt werden kann.

Informationen zu HBCD:
Bei Dämmstoffen aus Polystyrol (EPS und XPS) wird und wurde als Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD) eingesetzt. EPS und XPS sind dabei das Haupteinsatzgebiet von HBCD. HBCD erfüllt die Kriterien für persistente (in der Umwelt nicht leicht abbaubare), bioakkumulierende (sich in Organismen anreichernde) und toxische (giftig für Mensch, Ökosysteme oder Organismen) Stoffe (PBT-Stoffe) der neuen europäischen Chemikalienverordnung REACH. Ab dem 21. August 2015 darf HBCD nur noch mit Ausnahmegenehmigung zum Einsatz kommen, falls und solange keine geeigneten Ersatzstoffe oder Ersatzprodukte vorhanden sind. Einige Hersteller verwenden bereits ein alternatives Flammschutzmittel.
Für sämtliche Verwendungen außer in Dämmstoffen wurde ein Produktionsverbot von HBCD durch die Stockholm-Konvention im Mai 2012 beschlossen. Über 90 % der HBCD-Produktion werden in Dämmstoffen eingesetzt. Produzenten für diesen Anwendungsbereich können sich vom Verbot für eine Übergangsfrist von 5 Jahren nach Ratifizierung befreien lassen.

weitere Infos zu HBCD siehe auch Hintergrundpapier HBCD / Umweltbundesamt
und Sonderthemen in WECOBIS: Flammschutzmittel in Bauprodukten

Tabelle: Anforderungen an die Verwendung von Dämmstoffen aus Expandiertem Polystyrol (EPS)
1 Die Produktdokumentation (z.B. über Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, Sicherheitsdatenblätter) ist die Mindestanforderung, die mindestens für alle durch BNB 1.1.6 betroffenen Produktgruppen erfüllt sein muss. Zusätzlich ist für alle diese Produktgruppen immer auch die Deklaration von SVHC der Kandidatenliste nach REACH (z.B. über Leistungserklärung, Herstellererklärung) erforderlich. Produktgruppenabhängig können auch noch andere Nachweise gefordert sein.
2 Für die genannten Dämmstoffe ist bei der Verwendung in Aufenthaltsräumen einschließlich zugehöriger Nebenräume eine abZ aus Gesundheitsschutzgründen erforderlich. Sie umfasst u.a. eine Emissionsprüfung zur quantitativen Bestimmung und Bewertung flüchtiger (VOC) und schwer flüchtiger (SVOC) Verbindungen auf Basis des AgBB-Bewertungsschemas.
3 Sofern innerhalb der Qualitätsniveaus auf aggregierte Produktkennzeichnungen verwiesen wird (Emicode, Blauer Engel, etc.), ist es zulässig vergleichbare Nachweise (weitere Umweltzeichen, Angaben in Sicherheits- oder Produktdatenblätter etc.) heranzuziehen. Dabei bezieht sich die Vergleichbarkeit nur auf die Anforderungen hinsichtlich der jeweiligen zu betrachtenden Schadstoffgruppen.
4 Eine Aussage über die Marktverfügbarkeit kann hier nicht getroffen werden. Insbesondere da auch vergleichbare Nachweise z.B. zum geforderten Blauen Engel3 herangezogen werden können.

Planungs- und Ausschreibungshilfen mit Textbausteinen

Tabellarische Übersichten mit allen Einzelkriterien für Planung und Ausschreibung sind im neuen Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen unter "Dämmstoffe" zu finden. Die Tabellen dort enthalten auch detaillierte Informationen zu den Nachweismöglichkeiten (z.B. über andere Produktkennzeichnungen) und damit zur Prüfung der angebotenen Produkte. Außerdem finden sich dort auch die für die verschiedenen Qualitätsniveaus zugehörigen Textbausteine (auch als rtf-Download).

BNB-Kriterium BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

   
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Im Falle einer Sanierungsmaßnahme wird BN_1.1.6 ergänzt durch das BNB-Kriterium BK_1.1.6. Dieses zielt auf die Adressierung und Ausschleusung von Materialien in der bestehenden Bausubstanz, die ein Risikopotenzial für Mensch und Umwelt darstellen. Die Bewertung erfolgt anhand einer Einstufung der Baumaterialien in ein vorgegebenes Schadstoffkataster mit 14 Schadstoffgruppen aufgrund ihres Schädigungspotentials und der jeweiligen Sanierungsmaßnahmen. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 4 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung er Substitution eines Stoffes.

Weitere Informationen zu den Einzelkriterien im Bestand siehe BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung). Für den Einbau von neuen Materialien gilt BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau).

Die Einordnung von Materialien im Bestand erfolgt in WECOBIS jeweils gesammelt für die ganze Obergruppe der Dämmstoffe. Siehe dazu Dämmstoffe im Bestand.

Die an dieser Stelle beschriebenen Dämmstoffe (= aktuell am Markt verfügbare Produktgruppen) enthalten normalerweise keine Problemstoffe, welche bei der Sanierung relevant sind.
Informationen zum Umgang mit HBCD-haltigen Dämmstoffen siehe Hintergrundpapier HBCD / Umweltbundesamt.

Infos zu HBCD:
Bei Dämmstoffen aus Polystyrol (EPS und XPS) wird und wurde als Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD) eingesetzt. EPS und XPS sind dabei das Haupteinsatzgebiet von HBCD. HBCD erfüllt die Kriterien für persistente (in der Umwelt nicht leicht abbaubare), bioakkumulierende (sich in Organismen anreichernde) und toxische (giftig für Mensch, Ökosysteme oder Organismen) Stoffe (PBT-Stoffe) der neuen europäischen Chemikalienverordnung REACH. Ab dem 21. August 2015 darf HBCD nur noch mit Ausnahmegenehmigung zum Einsatz kommen, falls und solange keine geeigneten Ersatzstoffe oder Ersatzprodukte vorhanden sind. Einige Hersteller verwenden bereits ein alternatives Flammschutzmittel.
Für sämtliche Verwendungen außer in Dämmstoffen wurde ein Produktionsverbot von HBCD durch die Stockholm-Konvention im Mai 2012 beschlossen. Über 90 % der HBCD-Produktion werden in Dämmstoffen eingesetzt. Produzenten für diesen Anwendungsbereich können sich vom Verbot für eine Übergangsfrist von 5 Jahren nach Ratifizierung befreien lassen.

BNB-Kriterium BN_3.1.3 - Innenraumhygiene

   
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Ziel des BNB-Kriteriums 3.1.3 ist die Sicherstellung der Luftqualität im Innenraum unter hygienischen Gesichtspunkten, die zu keinen negativen Effekten hinsichtlich der Befindlichkeit der Raumnutzer führt, die hygienische Sicherheit garantiert und somit möglichst auch eine empfundene hohe olfaktorische Luftqualität gewährleistet.
Die Bewertung erfolgt anhand der Berechnung der personenbezogenen Luftwechselrate sowie anhand von Raumluftmessungen auf den Formaldehyd- und TVOC-Gehalt.
Erfahrungsgemäß lassen sich die Referenz- und Zielwerte dann erreichen, wenn die Auswahl und Verwendung der eingesetzten Materialien auf einem ganzheitlichen Konzept zur Vermeidung von Emissionen aus Bauprodukten basiert und der Einsatz emissionsarmer Materialien die Bauphase begleitend dokumentiert wird. BNB-Kriterium 3.1.3 steht deshalb in engem Zusammenhang mit der Erfüllung der Einzelkriterien für BNB-Kriterium 1.1.6.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_3.1.3 Innenraumhygiene (Neubau)

Einordnung der EPS-Dämmstoffe

Bei Innenanwendungen sind nach heutigem Kenntnisstand von EPS-Dämmstoffen keine VOC- oder Formaldehyd-Emissionen zu erwarten.

Dämmstoffe, die als Verlegeunterlagen unter Bodenbelägen verwendet werden, benötigen bei der Verwendung in Aufenthaltsräumen einschließlich zugehöriger Nebenräume eine abZ aus Gesundheitsschutzgründen (Z-158.10...). Sie umfasst eine Emissionsprüfung zur quantitativen Bestimmung und Bewertung flüchtiger (VOC) und schwer flüchtiger (SVOC) Verbindungen auf Basis des AgBB-Bewertungsschemas. (siehe auch Bauregelliste B Teil 1, lfd. Nr. 1.18.1 bzw. 1.18.3)

BNB-Kriterium BN_4.1.4 - Rückbau, Trennung, Verwertung

   
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Im BNB Kriteriensteckbrief 4.1.4 werden Konstruktionen nach ihrer Rückbaubarkeit, Trennbarkeit und Verwertbarkeit eingestuft.
WECOBIS kann eine aktuelle Information über mögliche Umwelt- und Gesundheitsgefährdungsaspekte im Zuge von Rückbau und Entsorgung auf Bauproduktgruppenebene geben. Eine Betrachtung von ganzen Konstruktionen kann derzeit in WECOBIS noch nicht erfolgen. Ein Bauteilmodul ist jedoch in planung. Ergänzend zu Leitfäden und Arbeitshilfen helfen die bauproduktgruppenspezifischen Aspekte dem Koordinator jedoch auch jetzt schon, die Komponenten Umwelt und Gesundheit für den Steckbrief 4.1.4 einzuordnen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_4.1.4 – Rückbau, Trennung, Vewertung

Rückbaubarkeit

Für die Bewertung wirkt sich der Einsatz abfallarmer Konstruktionen, die die Möglichkeit eines sortenreines Rückbaus erlauben, günstig aus. Die Rückbaubarkeit beschreibt den Aufwand, der für Demontage oder Abbruch eines Bauteils aus dem Gebäudeverband nötig ist.

Die Rückbaubarkeit der EPS-Dämmstoffe wird in erster Linie durch die Einbausituation und erst in zweiter Linie durch die gewählte Befestigungsart beeinflusst. Am höchsten ist die Rückbaubarkeit für lose horizontal verlegte EPS-Dämmplatten, z.B. auf einem Warmdach. An der Fassade mechanisch befestigte oder verklebte EPS-Dämstoffe können mit mittlerem bis hohem Aufwand entfernt werden. Im Perimeter (also im Erdreich) verbaute EPS-Dämmstoffe werden immer vollflächig verklebt und die Rückbaubarkeit ist entsprechend mit einem hohen Aufwand verbunden.

Rückbaubarkeit    Geringer Rückbauaufwand => => => => => => => hoher Rückbauaufwand
Konstruktionsweise lose Verlegung mechanische Fixierung (vollflächige) Verklebung
Blähperlit-Dämmstoffe  X    
Calciumsilikat-Dämmplatten     X
Dämmstoffe mit Aerogelen  X  X  X
Mineralwolle-Dämmstoffe X X X
Schaumglas-Dämmstoffe     X
Vermiculite-Dämmstoffe  X    
Flachs/Hanf-Dämmstoffe  X X  X
Holzfaserdämmplatten X X X
Kork-Dämmstoffe X X X
Schafwolle-Dämmstoffe X X  
Zellulose-Dämmstoffe X  X  X
Expandiertes Polystyrol (EPS) X X X
Extrudiertes Polystyrol (XPS) X X X
Polyurethan (PUR/PIR)-Spritzschaum     X
Polyurethan-Hartschaum (PUR/PIR) X X X

Sortenreinheit

Beschreibt den Aufwand, der für die sortenreine Trennung mehrschichtiger und / oder inhomogener Bauteile anfällt.

Heute wird EPS in der Fassade meist in Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) eingesetzt. Dabei wird das EPS mauerseitig verklebt und putzseitig mit einer Armierungsschicht, bestehend aus einem Glasfasergewebe und einem Klebemörtel, versehen. Als Folge davon lässt sich das EPS im Rückbau nur noch mangelhaft von diesen Schichten trennen.

Verwertbarkeit

Für die Bewertung der Verwertbarkeit der Baustofffraktionen gelten die zur Zeit der Bewertung am Markt aktuell verfügbaren technischen Verfahren. Alternativ können bei Bauteilen mit langer zu erwartender Nutzungsdauer Forschungsvorhaben, die praktikable Lösungsmöglichkeiten in absehbarer Zeit zur Verfügung stellen können, positiv bewertet werden. 

Sofern die Rückbaufähigkeit und die Sortenreinheit gegeben sind, können EPS-Dämmstoffe einer hochwertigen Verwertung (Einsatz Recyclat in neuen EPS-Platten) zugeführt werden. Allerdings setzt dies voraus, dass seitens des Herstellers ein Rücknahmesystem angeboten wird. Siehe auch Informationen unter dem Reiter Nachnutzung (Stoffliche Verwertung & Energetische Verwertung).

Verwertungs-/ Beseitigungswege Hochwertige Verwertung Minderwertige Verwertung Energetische Verwertung Deponierung
Blähperlit-Dämmstoffe  nicht möglich  möglich  nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg
Calciumsilikat-Dämmplatten  nicht möglich  möglich  nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg
Dämmstoffe mit Aerogelen  nicht möglich  nicht möglich  nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg
Mineralwolle-Dämmstoffe  möglich  möglich  nicht möglich  möglich
Schaumglas-Dämmstoffe  möglich möglich  nicht möglich möglich
Vermiculite-Dämmstoffe

nicht möglich

 möglich  nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg
Flachs/Hanf-Dämmstoffe nicht möglich nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg  nicht zulässig
Holzfaserdämmplatten nicht möglich  nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg  nicht zulässig
Kork-Dämmstoffe nicht möglich nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg nicht zulässig
Schafwolle-Dämmstoffe  möglich  möglich momentan der übliche Beseitigungsweg nicht zulässig
Zellulose-Dämmstoffe  möglich möglich momentan der übliche Beseitigungsweg  nicht zulässig
Expandiertes Polystyrol (EPS)  möglich möglich momentan der übliche Beseitigungsweg  nicht zulässig
Extrudiertes Polystyrol (XPS) nicht möglich möglich momentan der übliche Beseitigungsweg   nicht zulässig
Polyurethan (PUR/PIR)-Spritzschaum nicht möglich  nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg  nicht zulässig
Polyurethan-Hartschaum (PUR/PIR) nicht möglich möglich momentan der übliche Beseitigungsweg  nicht zulässig
Hochwertige Verwertung
Die Produktgruppe wird zur Herstellung gleichwertiger Produkte als wesentlicher Bestandteil des Endprodukts eingesetzt.
Minderwertige Verwertung
Die Produktgruppe wird zur Herstellung untergeordneter Produkte als wesentlicher Bestandteil des Endprodukts eingesetzt.
Energetische Verwertung
Die Produktgruppe wird in einer Verbrennungsanlage energetisch verwertet.
Deponierung
Die Produktgruppe wird ggf. nach thermischer Vorbehandlung deponiert
Expandierter Polystyrolschaum (EPS)

Technisches

Technische Daten

Expandiertes Polystyrol (EPS)
Ausgewählte Produkte: 1) PS 15 SE 2) PS 20 SE 3) PS 30 SE 4) PS T SE 5)
Technische Regeln DIN EN 13163 DIN EN 13163 DIN EN 13163 DIN EN 13163
Rohdichte [kg/m³] 15 20 30 10 – 15
Druckspannung bei 10% Stauchung bzw. Druckfestigkeit [kPa] 30 - 90 100 - 150 200 - 500  -
Bemessungswert Wärmeleitfähigkeit λd [W/mK]
(gemäß Anhang zu den Übereinstimmungszertifikaten)
0,040
-
-
0,040
-
-
0,040
0,035
-
0,040
0,035
0,045
Zuschlagsfaktor 6) bezogen auf:
λd = 0,040 W/m²K
λd = 0,035 W/m²K
λd = 0,045 W/m²K

1
-
-
 
1
-
-
 
1
0,875
-

1
0,875
1,125
Wärmespeicherkapazität c [J/(kg*K)] 1.500 1.500 1.500 1.500
Richtwert der Dampfdiffusionswiderstandszahl μ nach
DIN EN 13163 / Tab. D.2
20 - 70 30 - 70 40 - 100 20 - 40
Langzeitwasseraufnahme 3% 2,3% 2%
Baustoffklasse nach DIN 4102 B1 B1 B1 B1
Euroklasse nach DIN EN 13 501 E E E E
Beständigkeit - resistent gegen Laugen und nicht oxidierende Säuren
- resistent gegen Verrottung, Ungeziefer (jedoch gegen Nager zu schützen), Pilzbefall
- nicht resistent gegen Lösungsmittel (kann im Kontakt z.B. mit lösungsmittelhaltigen Klebstoffen oder Holzschutzmitteln reagieren, indem es sich auflöst)
- nicht resistent gegen UV-Strahlung

 Anmerkungen:

1) Die angegebenen Werte gelten beispielhaft für einzelne Produkte und können herstellerbedingt differieren
2) Güteschutztypen entspricht EPS S; EPS 30 – 90 nach DIN EN 13613
3) Güteschutztypen entspricht EPS 100 – 150 nach DIN EN 13613
4) Güteschutztypen entspricht EPS 200 – 500 nach DIN EN 13613
5) Güteschutztypen entspricht EPS T nach DIN EN 13613
6) Der Zuschlagsfaktor berücksichtigt die unterschiedliche Dämmleistung der einzelnen Dämmstoffe (= Bemessungswert für die Wärmeleitfähigkeit). Ein Dämmstoff A mit λD = 0,03 (W/mK) erbringt z.B. mit einer Dicke von 75mm die gleiche Dämmleistung wie ein Dämmstoff B mit λD = 0,04 (W/mK) und einer Dicke von 100mm. Der Zuschlagsfaktor beträgt in diesem Beispiel 0,75. Will man z.B. den Primärenergieaufwand für zwei unterschiedliche Dämmstoffarten vergleichen, muss diesem Sachverhalt Rechnung getragen werden. Hat z.B. Dämmstoff A mit λD = 0,03 (W/mK) einen Primärenergieaufwand von 3.500 MJ/m³ und Dämmstoff B mit λD = 0,04 (W/mK) einen Primärenergieaufwand von 2.900 MJ/m³, muss für Dämmstoff A 3.500*0,75 = 2.650 MJ/m³ mit 2.900 MJ/m³ für Dämmstoff B verglichen werden.

Technische Regeln (DIN, EN)

DIN 4108-10

 Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden - Teil 10: Anwendungsbezogene Anforderungen an Wärmedämmstoffe - Werkmäßig hergestellte Wärmedämmstoffe

DIN EN 13163

Wärmedämmstoffe für Gebäude - Werkmäßig hergestellte Produkte aus expandiertem Polystyrolschaum (EPS)

Bauregelliste

Expandierter Polystyrolschaum (EPS) nach DIN EN 13163:
Bauregelliste B / Teil1 / 1.5.2 / Anlage 01+05

Das Deutsche Institut für Bautechnik stellt in den Bauregellisten A, B und C die technischen Regeln für Bauprodukte und Bauarten sowie bauaufsichtlich geregelte und nicht geregelte Bauprodukte und Bauarten auf.
Nach Zustimmung der obersten Bauaufsichtsbehörden der Länder wird die Baurregelliste bekannt gegeben. Erwerb und weiterführende Informationen zu Baurregelliste und ihren Regelungsbereichen siehe unter → www.dibt.de
Eine Darstellung und Erläuterungen zur Klassifizierung von Bauprodukten siehe im Lexikon → Klassifizierung von Bauprodukten

CE-Zeichen

seit März 2003

Expandierter Polystyrolschaum (EPS)

Literaturtipps

Hintergrund // Februar 2015 - Hexabromcyclododecan (HBCD) - Antworten auf häufig gestellte Fragen; Umweltbundesamt; 2015 (Download)

Bromierte Flammschutzmittel – Schutzengel mit schlechten Eigenschaften?; Presseinformation 020/2008; Umweltbundesamt; Berlin; 2008 (Download)

Pfundstein, M; Gellert, R.; Spitzner, M.H.; Rudolphi, A.; Detail Praxis / Dämmstoffe – Grundlagen, Materialien, Anwendungen; 2007;Institut für internationale Architektur-Dokumentation GmbH & Co. KG; München

Zwiener, G.; Mötzl, H.; Ökologisches Baustoff-Lexikon; 2006; C.F. Müller Verlag; Heidelberg

Fraunhofer Institut Verfahrenstechnik und Verpackung; EPS-Loop Recycling von EPS-Abfall zu re-expandierbarem Polystyrol; 2005

Steimle, P.; Energieeffizientes Bauen – Wärmedämmung ist der erste Schritt, Dämmstoffe im Überblick; 2004; GDI – Gesamtverband Dämmstoffindustrie; Frankfurt (Download)

Kemmlein S., Hahn O., Jann O. / Bundesanstalt für Materialforschung und Prüfung; Emissionen von Flammschutzmitteln aus Bauprodukten und Konsumgütern; Texte 55/03; Forschungsbericht 299 65 321 UBA-FB 000475; Umweltbundesamt; Berlin; September 2003 (Download)

KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung; Informationsbroschüre „Umweltverträglichkeit von Gebäudedämmstoffen“;06/2003; Ministerium für Umwelt, Natur und Forsten des Landes Schleswig-Holstein, Kiel

Hamann B., Klodt R., Gellert R., Pelzers T.; Langzeit-Bewährung von PS-Hartschaum der Baustoffklasse B1 bzw. B2 nach DIN 4102; 1999; Bauphysik 21 (1999), Heft 1

TU Darmstadt / WAR; Untersuchung des Recyclings von Stoffsystemen aus Wärmedämm-Verbundsystemen und Flachdachabdichtungsaufbauten mit Dämmplatten aus expandiertem Polystyrol-Hartschaum (AiF 10230); 1995 - 1997; Forschungsvereinigung Styropor, TU Darmstadt; Heidelberg / Darmstadt

Krabbes J. (Isoliertechnik 3/95); Lebenswegbilanz von EPS-Dämmstoffen (Sonderdruck); 1995; IVH Industrieverband Hartschaum e.V.; Heidelberg

Expandierter Polystyrolschaum (EPS)

Rohstoffe / Ausgangsstoffe

Hauptbestandteile

Zusammensetzung-EPS

Die Grafik zeigt eine mögliche Zusammensetzung für graues EPS. Weißes EPS enthält kein Graphit, dafür einen höheren EPS-Anteil.

Kunststoff-Matrix (EPS)

Die Rohstoffe für die zugrundeliegende Kunststoffmatrix (= Polystyrolgranulat) werden in einem eigenen Datenblatt unter Grundstoffe / Polystyrol beschrieben.
EPS-Kunststoffschäume beinhalten Luft in einer Vielzahl kleiner Poren. Die Luft ist das eigentliche Dämmmedium. Der fertige EPS-Dämmstoff besteht zu rund 98 Volumen-% aus Luft. Die Funktion der Kusnststoffmatrix besteht darin, die Poren zu bilden und dem Dämmstoff genügend Festigkeit für die bautechnischen Anforderungen zu verleihen.

Flammschutzmittel

Da reines EPS gut brennbar ist, muss es für den Einsatz am Bau mit einem Flammhemmer versehen werden. Als Flammschutzmittel wurde bisher meistens rund 1 Massen-% HBCD (Hexabromcyclododekan) beigesetzt.
Hexabromcyclododecan (HBCD) erfüllt die Kriterien für persistente (in der Umwelt nicht leicht abbaubare), bioakkumulierende (sich in Organismen anreichernde) und toxische (giftig für Mensch, Ökosysteme oder Organismen) Stoffe (PBT-Stoffe) der neuen europäischen Chemikalienverordnung REACH. 
Für das Flammschutzmittel  gilt seit Frühjahr 2016 in der EU ein weitgehendes Handels- und Verwendungsverbot. HBCD war lange das wirtschaftlich wichtigste Flammschutzmittel für Polystyrol-Dämmstoffe (über 90 % der HBCD-Produktion werden in Dämmstoffen eingesetzt.) – entsprechend gibt es für Dämmstoffe aus expandiertem Polystyrol (EPS) noch veschiedene Übergangsregeln (längstens bis Februar 2018). Für Dämmstoffe aus extrudiertem Polystyrol (XPS) mit HBCD gelten keine Übergangsregeln mehr. Sie dürfen seit dem 22. Juni 2016 nicht mehr in Verkehr gebracht und verwendet werden.
Das weltweite Aus war 2013 eingeleitet worden, als HBCD unter der internationalen Stockholm-Konvention als in der Umwelt schwer abbaubarer organischer Schadstoff (POP) identifiziert wurde. Das Verbot wird zurzeit von allen an der Konvention beteiligten Staaten stufenweise eingeführt. Einige EPS-Hersteller verwenden bereits ein alternatives Flammschutzmittel (bromiertes Polymer), z.B. Produkte mit dem Qualitätssiegel BFA QS EPS.  

Das Umweltbundesamt hat in einem Hintergrundpapier zusammengestellt, warum der Stoff nicht mehr verwendet werden soll, welche Verbote in der Europäischen Union (EU) bereits ab März 2016 gelten und wo es noch Übergangsfristen gibt. Es wird erläutert, welche Alternativen vorliegen und wie HBCD-haltige Dämmstoffe, die ab Oktober 2016 als gefährliche Abfälle eingestuft werden, zu entsorgen sind.

Download: Hintergrundpapier - Häufig gestellte Fragen und Antworten zu Hexabromcyclododecan (HBCD) / Umweltbundesamt

Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Gewinnung der Primärrohstoffe

Zur Gewinnung der Rohstoffe der Kunststoff-Matrix siehe auch Grundstoff Polystyrol.
Die Herstellung von EPS erfolgt aus Polystyrolgranulat, einem Erdölprodukt, das an die verarbeitenden Betriebe geliefert wird. Die ökologischen Folgen der Gewinnung von fossilen Rohstoffen sind im zugehörigen Lexikonbegriff beschrieben.

Verfügbarkeit

Mit der allmählichen Erschöpfung der Erdölvorräte vermindert sich auch das Potential zur Gewinnung von Polystyrol und anderen Kunststoffen in wenigen Jahrzehnten. Allerdings könnten die Rohstoffe zur Herstellung von Polystyrol auch aus Kohle hergestellt werden, was jedoch mit einem größeren Energieaufwand verbunden wäre.

Verwendung von Recyclingmaterialien / Produktionsabfällen

Rückstände aus der Dämmstoffproduktion (aus Blockbesäumung, Zuschnitten usw.) werden zerkleinert mit vorgeschäumter Neuware vermischt und dem weiteren Produktionsablauf wieder zurückgeführt. Der Recyklat-Anteil wird durch die Anforderungen an das Neuprodukt begrenzt. Hochwertige Produkte können bis zu 5% Rezyklat enthalten, für geringere Anforderungen sind Rezyklat-Anteile bis nahezu 100% möglich.
Die Wiederverwertung von EPS-Abfällen ab Baustelle als Rohstoff für die Dämmstoffherstellung ist möglich und wird beispielsweise in der Schweiz praktiziert.

Radioaktivität

Für Dämmstoffe aus Kunststoffen besteht keine Gefahr der Kontamination mit radioaktiven Stoffen.

Landinanspruchnahme (Landuse)

Die EPS-Produktion ist mit geringem Flächenverbrauch für die Erdölgewinnung und die Raffineriestandorte verbunden, allerdings können die Flächen zerstörter Naturräume durch Tankerunfälle beträchtlich sein.

Expandierter Polystyrolschaum (EPS)

Herstellung

Prozesskette

Prozesskette EPS-Dämmstoffe

Herstellungsprozess

Der Herstellungsprozess von EPS-Dämmstoffen wird hier soweit dargestellt, als er für das Produkt spezifisch ist. Für die Herstellung von Styrol sei auf das Datenblatt für Polystyrol verwiesen.

Der erste Teil der Produktion erfolgt bei weltweit nur wenigen großen Herstellern. Aus Styrol, Pentan und im Falle von grauem EPS Graphit oder Ruß werden in der Perlpolymerisation EPS-Perlen hergestellt. Die Perlpolymerisation basiert auf einer Suspension des Styrols in Wasser, wobei sich die Polystyrolkugeln als schwimmende "Kunststoffbläschen" ausbilden, die bereits Pentan und evtl. Graphit oder Ruß enthalten. Die Suspension muss durch Hilfsstoffe erhalten werden, die zu geringen Verunreinigungen der Polystyrolkugeln führen. Die Oberflächen der expandierbaren Polystyrolkugeln werden in der Nachbehandlung mit Ammonium- oder Sulfoniumsalzen beschichtet, damit sie sich nicht statisch aufladen. Die Verklumpung der Perlen wird durch aufbringen von Silikaten oder metallischen Salzen von Fettsäuren verhindert. Diese Additive verbleiben im nun fertigen expandierbaren Polystyrol-Granulat.

Das expandierbare Polystyrol-Granulat wird für den zweiten Teil der Produktion an zahlreiche größere und kleinere Produktionsbetriebe vertrieben. Diese expandieren das Polystyrolgranulat durch Erhitzung mit Heißdampf auf über 100 °C. Das Granulat expandiert um bis den Faktor 50. Dabei entweicht das Pentan größtenteils aus den Perlen. Das expandierte Granulat wird zuerst zwischengelagert, bevor es in einem weiteren Produktionsschritt erneut mit Heißdampf auf über 100 °C erhitzt wird. Dies geschieht in den meisten Fällen in Blockformen, wodurch die Perlen zu Blöcken verschmelzen, die dann zu EPS-Platten geschnitten werden können.

Umweltindikatoren / Herstellung

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren in WECOBIS soll zukünftig ausschließlich die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB liefern.

Die Ökobau.dat stellt Umweltprofile für Bauprodukte bereit, die als erforderliche Datengrundlage für die Lebenszyklusanalyse eingesetzt werden. Für Bauprodukte gibt es Herstellungs- und End-of-Life-Datensätze.

Weiterführende Informationen zur Ökobau.dat im Zusammenhang mit dieser Produktgruppe finden sich in WECOBIS unter Fachinformationen / Reiter Umweltdeklarationen → Ökobau.dat / Umweltindikatoren

Da in der Herstellung von Bauprodukten ein großer Anteil der verursachten Umweltbelastungen auf den Verbrauch von nicht erneuerbaren Energieträgern zurückzuführen ist, stellt die Graue Energie (kumulierter Primärenergieaufwand nicht erneuerbar) dafür einen guten Indikator dar.

Im Kapitel Energieaufwand finden sich ggf. allgemeine Informationen zum Thema, die die Produktgruppe prägen.

Energieaufwand

Der Energieaufwand für die Herstellung von Dämmstoffen aus EPS stammt fast vollständig aus der Herstellung des EPS-Granulates. Die Plattenherstellung mit Aufschäumen des Granulates und Pressen der Platten trägt nur einen geringen Teil zum gesamten Energieaufwand bei.

Der wichtigste Einflussfaktor zur Reduktion des Energieaufwands stellt der Einsatz von rezykliertem EPS aus gebrauchten Dämmstoffen dar.

Graue Energie

In Ökobau.dat finden sich Ökobilanzdaten zu EPS-Dämmstoffen. Die Daten stammen aus den EPD des "Industrieverbands Hartschaum e.V." aus dem Jahre 2012. In untenstehender Tabelle ist der nicht-erneuerbare Primärenergieverbrauch in der Herstellung pro Kilogramm weißes, graues und intensiv geschäumtes EPS wiedergegeben. Die Energieverbräuche unterschieden sich für die EPS-Varianten kaum.

Dämmstoff Herstellungsenergie nicht-erneuerbar Einheit
EPS weiß 83.3 MJ / kg
EPS grau 82.8 MJ / kg
EPS intensiv geschäumt 85.3 MJ / kg

Für eine Aussenwand, die mit einem Wärmedämmverbundsystem (WDVS) gedämmt wurde, ist ein Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) von 0.2 heute Stand der Technik. Unter Berücksichtigung einer 20cm dicken Betonwand sowie des benötigten Klebers kann für EPS-Dämmstoffe die benötigte Dicke berechnet werden. Mit dieser Angabe sowie der Rohdichte des Dämmstoffs kann dann die graue Energie pro Quadratmeter Dämmstoff berechnet werden. Aus untenstehender Tabelle ist ersichtlich, dass EPS grau aufgrund seiner besseren Dämmeigenschaften (tiefere Wärmeleitfähigkeit) bei gleicher Dämmleistung die niedrigste Herstellungsenergie benötigt. Sämtliche Dämmstoffdaten wurden den Datensätzen in Ökobau.dat entnommen.

Dämmstoff U-Wert WDVS Dämmstoffdaten Herstellungsenergie nicht-erneuerbar
λ-Wert Rohdichte Dicke1
EPS weiß 0.2

0.040

16.6 kg/m3  18.7 cm  259 MJ/m2
EPS grau 0.2 0.032 16.6 kg/m3  15.0 cm  206 MJ/m2
EPS intensiv geschäumt 0.2 0.040 17.5 kg/m3  18.7 cm  279 MJ/m2
1 Berechnung der Dämmstoffdicke unter Berücksichtigung von 20 cm Betonwand und 4 mm Klebemörtel

Charakteristische Emissionen

Im Reiter zu → Polystyrol sind Emissionsdasten für die Herstellung von EPS-Granulat ausgewiesen. Diese Angaben beziehen sich auf das Kunststoffgranulat, wie es zu den Dämmstoffherstellern gelangt. In der Granulatproduktion treten nach Herstellerangaben nur geringe Styrolemissionen auf (0.005 Gramm pro kg EPS-Granulat). Bereits in der Granulatherstellung wird auch der Flammhemmer beigefügt. Dies ist bis heute meistens HBCD. Die EU schätzt in ihrer Risikoanalyse zu HBCD die Anlagen zur Formulierung expandierten und extrudierten Polystyrols las kritische Punktquellen für HBCD-Emissionen in die lokale Umwelt ein.

Das Granulat wird beim Dämmstoffhersteller geschäumt. Dabei tritt das Pentan aus dem Granulat aus. Diese Emissionen können durch geeignete Anlagen teilweise zurück gehalten werden. Fortschrittliche Hersteller nutzen das so gewonnene Pentan zur Energiegewinnung.

Emission Menge pro kg Dämmstoff Bemerkung
Pentan 35 - 70 g Rückhaltung möglich, aber noch nicht überall Stand der Technik
HBCD  < 1 mg Aus Messungen für [EU 2008]

Maßnahmen Gesundheitsschutz

Bei der Herstellung von EPS-Dämmstoffen sind die Arbeiter vor den Pentanemissionen zu schützen. Dies geschieht durch ausreichende Frischluftzufuhr. Beim Sägen der EPS-Blöcke kann Staub entstehen vor dem die Arbeiter durch Quellenabsaugung oder Tragen von Staubmasken zu schützen sind.

Maßnahmen Umweltschutz

Die Produktion der EPS-Dämmstoffe aus dem Granulat erfordert keine Massnahmen zum Umweltschutz. Fortschrittliche Hersteller gewinnen jedoch das Pentan aus der Abluft zurück und verwenden es zur Energiegewinnung.

Quellen

Europäische Union (2008) RISK ASSESSMENT Hexabromocyclododecane, Final Report, Office for Official Publications of the European Communities, May 2008
Ecoprofile EPS, Platics Europe

Expandierter Polystyrolschaum (EPS)

Verarbeitung

Technische Hinweise / Verarbeitungsempfehlungen

EPS kann an der Baustelle mit normalen Schneidwerkzeugen einfach zugeschnitten werden.
Durch lange einwirkende UV-Strahlung (mehrere Wochen oder Monate) vergilbt und versprödet die Oberfläche von EPS. Deshalb sollten die geplanten Deckschichten kurzfristig aufgebracht werden.
Dämmstoffe aus EPS sind nicht beständig gegen Lösemittel und Benzine, was beim Aufbringen einer Beschichtung oder beim Kleben unbedingt beachtet werden muss.

EPS ist nicht wasserabweisend und sollte deshalb nicht lange nasser Witterung ausgesetzt sein. Der Einbau nasser Dämmplatten kann insbesondere im Falle von verputzten Wärmedämmverbundsystemen zu eine Verminderung der Dämmleistung führen.

Arbeitshygienische Risiken

Allgemeines

Dämmstoffe aus EPS werden auf der Baustelle höchstens mechanisch bearbeitet. Vor dem entstehenden Staub sind die Arbeitnehmer mittels Staubmasken zu schützen. Eine weitere Gefährdung entsteht beim Schneiden mit Heißdraht. Dabei kann gesundheitsgefährdendes Styrol als Monomer entstehen. Konzentration und Expositionsdauer sind jedoch i.d.R. sehr gering.

AGW-Werte

Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW) existieren für:
- Styrol
- Staub

Expandierter Polystyrolschaum (EPS)

Nutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiken Neuzustand

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

Untersuchungen zeigen, dass unmittelbar nach der Herstellung Ethylbenzol und Styrol aus Polystyrol-Produkten in geringen Mengen ausgasen können. Diese Emissionen nehmen jedoch innerhalb weniger Tage stark ab.

Umwelt- und Gesundheitsrisiken bei bestimmungsgemäßer Nutzung

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

Belastungen der Innenraumluft durch eingebaute EPS-Dämmstoffe sind nach heutigem Kenntnisstand nicht zu erwarten.

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Außenraum

Gefährdungen für Wasser, Luft und Boden aus eingebauten EPS-Dämmstoffen sind nach heutigem Kenntnisstand nicht zu erwarten. Eine Untersuchung über die Langzeit-Bewährung der für Polystyrol-Hartschaumdämmstoffe beim Einbau nachgewiesenen Baustoffklasse hat ergeben, dass i.d.R. auch in sehr großen Zeiträumen (mind. 100 Jahre) eine Alterung des enthaltenen Flammschutzmittel (FSM) - Systems nicht erfolgt und keine nennenswerte Auswanderung (Migration) der üblichen Flammschutzmittel zu erwarten ist. 
EPS enthält keine fluorierten Kohlenwasserstoffe (HFKW). Das Treibmittel Pentan entweicht zum Großteil bei der Herstellung.

Siehe auch Polystyrol

Umwelt- und Gesundheitsrisiken im Schadensfall

Brandfall

Im Brandfall können Sich durch das enthaltende HBCD polybromierte Dioxine und Furane bilden.

Wassereinwirkung

EPS-Dämmstoffe sind nur in der intensiv geschäumten Variante feuchteresistent. Weißes und graues EPS sind vor Feuchteeinwirkung zu schützen. Bei anhaltender Wassereinwirkung durchnässt der Dämmstoff und verliert seine Wärmedämmende Wirkung weitgehend. Als organisches Material bietet feuchtes EPS zudem Pilzen und Bakterien eine gute Nahrungsgrundlage, weshalb ein mikrobiologischer Befall des feuchten EPS auftreten kann.

Beständigkeit Nutzungszustand

Unter der Rubrik Baustoff- und Gebäudedaten / Nutzungsdauern von Bauteilen findet sich auf dem Informationsportal Nachhaltiges Bauen eine Datenbank mit Nutzungsdauerangaben von ausgewählten Bauteilen des Hochbaus für den Leitfaden „Nachhaltiges Bauen“.

Datenbank als PDF

Instandhaltung

Wesentlich ist der Schutz der Dämmung vor Feuchte. Risse  oder Fehlstellen in einem Wärmedämmverbundsystem sind umgehend zu reparieren.

Quellen

Bromierte Flammschutzmittel – Schutzengel mit schlechten Eigenschaften?; Presseinformation 020/2008; Umweltbundesamt; Berlin; 2008 (Download)

Expandierter Polystyrolschaum (EPS)

Nachnutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiko Rückbau

Mit dem Rückbau sind keine speziellen gesundheitlichen Risiken oder Umweltrisiken verbunden.

Wiederverwendung

Bei zerstörungsfreiem Ausbau ist eine Wiederverwendung gebrauchter unverschmutzter Dämmstoffe aus EPS als Dämmstoff theoretisch möglich.

Heute wird EPS in der Fassade meist in Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) eingesetzt. Dabei wird das EPS mauerseitig verklebt und putzseitig mit einer Armierungsschicht bestehen aus einem Glasfasergewebe und einem Klebemörtel versehen. Als Folge davon lässt sich das EPS im Rückbau nur noch mangelhaft von diesen Schichten trennen. Eine Wiederverwendung der EPS-Dämmplatten aus WDVS ist gänzlich ausgeschlossen und eine stoffliche Verwertung stark erschwert.

Stoffliche Verwertung

Eine stoffliche Verwertung gebrauchter Dämmstoffe aus EPS zu neuen Dämmplatten ist technisch im Prinzip möglich. In der Schweiz besteht ein flächendeckendes EPS-Recyclingsystem des EPS-Verbandes Schweiz, das sortenreine EPS-Abfälle von Unternehmen und über teilnehmende kommunale Sammelhöfe auch von Privaten zurück nimmt.

Aus den heute häufig zur Fassadendämmung erstellten WDVS kann jedoch höchstens ein Teil des  EPS sortenrein zurück gewonnen werden.

Erst im akademischen Umfeld wurden Lösungen zur Rückgewinnung des reinen Polymers aus EPS-Abfällen erprobt. Insbesondere das Fraunhofer-Institut verfolgt ein Projekt  bisher bis zur Pilotanlage, die seit Ende 2012 in Betrieb ist. Wie bei allen Recyclingansätzen, die aus gebrauchten Kunststoffen Vorprodukte herstellen, ist die Energiebilanz kritisch. Das Recycling lohnt sich aus energetischer Sicht nur, falls der Energieverbrauch des Recyclings nicht höher liegt als der Energieverbrauch der Herstellung aus dem Rohstoff minus der aus thermischer Verwertung des Altstoffs gewonnenen Energie. Die unten stehende Grafik illustriert diesen Zusammenhang.

 Das Recycling führt nicht immer zu einer Energieeinsparung gegenüber der Neuproduktion

Energetische Verwertung

Ist eine stoffliche Verwertung nicht möglich, müssen Dämmstoffe aus EPS der energetischen Verwertung zugeführt werden. Der Heizwert von EPD ist mit 39,9 MJ/kg relativ hoch [Katalyse 2003].

Auszug aus dem  Hintergrundpapier HBCD / Umweltbundesamt vom Februar 2015. Dort finden sich auch zahlreiche weitere Informationen zu HBCD:

"... Wie werden HBCD-haltige Dämmstoffe entsorgt?
Polystyroldämmstoffe sollten bei Abbruch oder Sanierungsmaßnahmen immer getrennt gesammelt werden; eine spätere Abtrennung der Kunststoffe aus gemischten Bauabfällen ist wesentlich aufwändiger. Als organische Stoffe werden Dämmplatten in Deutschland – aufgrund der Anforderungen des Deponierechts – mittels thermischer Behandlung entsorgt.
Bei der Verbrennung der HBCD-haltigen Dämmstoffe wird die entstehende Wärme genutzt (energetische Verwertung der Dämmstoffe). Dabei wird das HBCD vollständig zerstört und das enthaltene Brom als Salz in der Abgasreinigung aufgefangen. Mit diesen salzhaltigen Rückständen der Abgasreinigung werden in der Regel Hohlräume im Untergrund aus dem Abbau von Salzgestein verfüllt. Dabei kommt es beim Durchlaufen der einzelnen Entsorgungsstufen (Abbruch, Transport und thermische Behandlung) von HBCD-haltigen Dämmplatten unter Einhaltung der arbeitsschutzrechtlichen Bestimmungen zu keinem Gesundheitsrisiko. Zur Minimierung von langfristigen Umweltrisiken empfiehlt das Umweltbundesamt, Verschnitt und Abfall auch an Bau- und Abbruchstellen so vollständig wie möglich einzusammeln und genauso zu entsorgen.
..."

Beseitigung / Verhalten auf der Deponie

Eine Deponierung von EPS ist seit dem 01.05.2005 ohne thermische / energetische Vorbehandlung nicht mehr möglich. (→ Beseitigung)

EAK-Abfallschlüssel

17 Bau- und Abbruchabfälle
17 02 03 Kunststoff
17 06 04 Dämmmaterial mit Ausnahme desjenigen, das unter 17 06 01 und 17 06 03 fällt

siehe auch Lexikon / Abfallschlüssel

Auszug aus dem  Hintergrundpapier HBCD / Umweltbundesam vom Februar 2015t. Dort finden sich auch zahlreiche weitere Informationen zu HBCD:

"...Wie werden HBCD-haltige Dämmstoffe abfallrechtlich eingestuft?
Ob ein Abfall als gefährlich eingestuft wird, hängt davon ab, ob die Gefährlichkeitskriterien der Abfallverzeichnis-Verordnung einschlägig sind. HBCD-
haltige Dämmplatten unterschreiten den maßgeblichen Grenzwert für Gesundheitsschädlichkeit nach Art. 2 Abs. 2 Nr. 4 der Abfallverzeichnis-Verordnung. HBCD-haltige Dämmstoffabfälle sind somit dem Abfallschlüssel „17 06 04 Dämmmaterial mit Ausnahme desjenigen, das unter 17 06 01 und 17 06 03 fällt" zuzuordnen. Auch mit einer Umweltrisikobetrachtung der Entsorgung dieses Abfalls ergibt sich keine andere abfallrechtliche Gefährlichkeitseinstufung.
Ob ein Abfall als gefährlich einzustufen ist, hängt nicht mit dem Regelungsbereich der POP-Verordnung zusammen. Letztere enthält u. a. Anforderungen
über die Pflicht zur Zerstörung oder unumkehrbaren Umwandlung des in dem Abfall enthaltenen POP bei der Entsorgung. Sie trifft aber keine Aussage darüber, ob dieser Abfall als gefährlich einzustufen ist. Ziel der POP-Verordnung ist es, POP-haltige Abfälle dauerhaft aus dem Wirtschaftskreislauf auszuschleusen und sie von möglichen Recyclingprozessen auszuschließen.

Wird sich zukünftig an der Entsorgung etwas ändern?
Wenig. Die gemäß der Stockholm-Konvention beabsichtigte Aufnahme von HBCD in die EU-POP-Verordnung wird strikte Anforderungen an die Zerstörung des Stoffes bei der Entsorgung stellen. Wie oben dargestellt, ist dies in Deutschland bereits heute der Regelfall bei der thermischen Behandlung (Entsorgung) von Polystyroldämmstoffen. Allerdings sind die Vorgaben zur Abtrennung der Produkte und geeigneten Entsorgung dann bindend und mit Sorgfalt durchzuführen. Ein werkstoffliches Recycling solcher Dämmstoffe wird also in Zukunft nicht stattfinden können. Die Pflicht, Abfälle solchermaßen zu behandeln, dass das HBCD dabei zerstört wird, wird unter der POP-Verordnung für alle Produkte gelten, also auch für Textilien oder Gehäusekunststoffe, die eventuell noch HBCD enthalten. ..."

Quellen

KATALYSE Institut (2003) Informationsbroschüre „Umweltverträglichkeit von Gebäudedämmstoffen“;06/2003; Ministerium für Umwelt, Natur und Forsten des Landes Schleswig-Holstein, Kiel

Verordnung über das Europäische Abfallverzeichnis (Abfallverzeichnis-Verordnung – AVV, zuletzt geändert am 24. Februar 2012, Online-Quelle