Dämmstoffe im Bestand

Produktgruppeninformation

Neue Datenblätter zum Bestand in WECOBIS

Die neuen Datenblätter in WECOBIS zu Bauproduktgruppen im Bestand liefern Informationen zu Produktgruppen, die in der Regel nicht mehr auf dem Markt sind, sondern bei Umbau- oder Renovierungsmaßnahme als Rückbaumaterial anfallen. Die Darstellung in WECOBIS folgt daher nicht der üblichen Darstellung mit Lebenszyklus, sondern beschränkt sich auf die für Renovierungsmaßnahmen relevanten Informationen, z. B. zu möglichen Schadstoffen in der Bausubstanz.
WECOBIS informiert den Planer über Schadstoffe, die in der jeweiligen Produktgruppe möglicherweise auftreten können. Diese Übersicht soll als Orientierungshilfe dienen, kann jedoch eine fachliche Abklärung vor Ort nicht ersetzen. Eine Aufnahme von Schadstoffen im Bestand muss durch eine Fachperson erfolgen.
Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) stellt auf seiner Website eine Arbeitshilfe für den kontrollierten Rückbau kontaminierter Bausubstanz, den Schadstoffratgeber Gebäuderückbau, zur Verfügung. Auf eine dort geführte umfangreiche Sammlung von Datenblättern wird an den jeweiligen Stellen verwiesen.

Dämmstoffe im Bestand - Vorkommen von Schadstoffen

In der Gruppe der Dämmstoffe sind Produkte aus alten "Künstlichen Mineralfasern" und "Teerkork" im Rückbau mit besonderen Arbeitsschutzmaßnahmen auszubauen und zu entsorgen.

Polyurethan-Hartschaum (PUR/PIR), Polyurethan-Spritzschaum (PUR/PIR) sowie XPS können Treibgase mit FCKW enthalten, falls sie vor 1990 verbaut wurden. Hier sind keine besonderen Arbeitsschutzmaßnahmen erforderlich, jedoch müssen diese Dämmstoffe möglichst zerstörungsfrei ausgebaut und zur Zerstörung der FCKW einer kontrollierten Verbrennung in modernen Müllverbrennungsanlagen zugeführt werden

Siehe hierzu auch Datenblatt 411 zu Dämmstoffen des Bayerischen Landesamts für Umweltschutz (LFU).

Schadstoffgruppe: möglich in:
Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe PAK Teerkork
Alte Künstliche Mineralfasern KMF Mineralwolle-Dämmstoffe
Fluorchlorkohlenwasserstoffe FCKW XPS, PUR/PIR
Formaldehyd Mineralwolle-Dämmstoffe 1
Schimmelpilze konstruktionsabhängig 2

1 Aufgrund des verwendeten Bindemittels in Mineralwolle-Dämmstoffen können Formaldehyd-Emissionen nicht ausgeschlossen werden. Für die Beurteilung des Sanierungsbedarfs ist jedoch beim Schadstoff Formaldehyd die Konzentration in der Raumluft ausschlaggebend, welche durch verschiedene Baustoffe (insbesondere Holzwerkstoffe) beeinflusst wird.

2 Schimmelpilze können bei einer relativen Luftfeuchtigkeit ab 80% und Temperaturen ab ca. 10°C an vielen Bauteiloberflächen auftreten. Das Auftreten von Schimmelpilzen wird nicht von bestimmten Materialien verursacht sondern durch bauphysikalische Mängel oder Bauschäden.

Dämmstoffe mit KMF,  Teerkork (PAK), PUR/PIR (FCKW) oder XPS (FCKW) können möglicherweise in folgenden Gebäudeteilen respektive Bauteilen gefunden werden:

Gebäudeteil Bauteile / Schadstoffe
Bodenplatte Isolierungen auf Bodenplatte mit Teerkork (PAK) oder XPS (FCKW)
Außenwände / Fassade

KMF-Dämmung, Isolierungen in Gebäudetrennfugen (KMF, Teerkork)

Isolierungen zwischen zweischaligem Wandaufbau (KMF, Teerkork)

Aussendämmung mit XPS (FCKW) oder PUR/PIR (FCKW)

Innenwände

Leichtbauwände (KMF-Dämmung)

Isolierungen bei Feucht- und Kühlräumen (KMF, Teerkork, XPS, PUR/PIR)

Stopfmassen oder Ausschäumung bei Wanddurchbrüchen (KMF, PUR/PIR Spritzschaum)

Decken

Dämmungen in Balkendecken (KMF)

Dämmungen auf abgehängten Decken (KMF)

Isolierungen bei Feucht- und Kühlräumen (KMF, Teerkork, PUR/PIR, XPS)

Stopfmassen oder Ausschäumung bei Deckendurchbrüchen (KMF, PUR/PIR)

Fußbodenaufbau

Trittschalldämmung (KMF, Teerkork, XPS, PUR/PIR)

Isolierungen bei Feucht- und Kühlräumen (KMF, Teerkork, XPS, PUR/PIR)

Fenster Dämmungen im Randbereich oder Rollladenkasten (KMF, Teerkork, PUR/PIR)
Dach Dämmung (KMF, Teerkork, XPS)
Kamin Isolierungen / Stopfmassen zwischen Außenhülle und Ausmauerung (KMF)
Haustechnik

Rohrisolierungen (KMF, Teerkork, PUR/PIR)

Dämmung Warmwasserspeicher (PUR/PIR)

Alte Mineralwolle / Künstliche Mineralfasern

Als “Alte Mineralwolle“ wird gemäß TRGS 521 Mineralwolle bezeichnet, deren Stäube nach dem Einatmen langfristig in der Lunge verbleiben können. Diese Faserstäube gelten als krebserregend. Seit Juni 2000 gilt in Deutschland das Herstellungs- und Verwendungsverbot für “Alte Mineralwolle“. Die Mineralwollfasern wurden durch die Hersteller so weiterentwickelt, dass ihre Stäube aus der Lunge ausgeschafft werden können. Diese auch als “Neue Mineralwolle“ bezeichneten Fasern gelten nicht als krebserregend. Bereits ab 1996 stellten die Mineralwolle-Hersteller die Produktion um und kennzeichneten Ihre Produkte aus neuer Mineralwolle mit dem RAL-Gütezeichen. Für Mineralwolledämmungen, die vor 1996 eingebaut wurden, ist in jedem Fall davon auszugehen, dass es sich um “Alte Mineralwolle“ handelt.

Siehe hierzu auch Datenblatt 508 Künstliche Mineralfasern des LFU.

Teerkork / Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe PAK

PAK sind ein Bestandteil des Steinkohleteers. Sie finden sich in Asphaltbelägen älteren Datums, Teeranstrichen (Schwarzanstrich), Teerdachbahnen (Dachpappe) und Teerkork (Dämmstoff für Rohrschalen). Moderne Produkte setzen Bitumen als Rohstoff ein, der nur wenig bis keine PAK enthält. Auch Bitumenprodukte können relevante PAK-Gehalte aufweisen, wenn sie mit Steinkohleteer versetzt sind. Korkdämmstoffe enthalten heute keine Bindemittel oder Zusätze. Zudem wird zur Dämmung von Rohrschalen heute kein Kork mehr verwendet.

Siehe hierzu auch Datenblatt 502 BaP/PAK des LFU.

PUR/PIR und XPS mit FCKW (Fluorchlorkohlenwasserstoffe)

FCKW sind Kohlenwasserstoffe bei denen Wasserstoffatome durch Chlor und Fluor ersetzt wurden. Durch ihre schädliche Einwirkung auf die Ozonschicht sowie ihr erhebliches Treibhauspotenzial ist ihre Anwendung in Dämmstoffen seit 1990 verboten. Neue PUR/PIR oder XPS Dämmstoffe enthalten daher keine FCKW mehr.

Maßnahmen bei der Sanierung

Alte Mineralwolle / Künstliche Mineralfasern

Bei der Sanierung von Dämmungen aus alter Mineralwolle ist die TRGS 521 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin BAuA zu beachten. Dämmstoffe aus alten KMF sind auf der Deponie zu entsorgen.

Teerkork / Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe PAK

Bei der Sanierung von Dämmungen aus Teerkork ist die TRGS 524 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin BAuA zu beachten. 

Teerkork kann in der Müllverbrennungsanlagen entsorgt werden, wobei im Voraus der PAK-Gehalt bestimmt werden muss.

PUR/PIR und XPS mit FCKW (Fluorchlorkohlenwasserstoffe)

Der Rückbau von FCKW-haltigen Dämmstoffen stellt kein Gesundheitsrisiko dar. Durch die Zerstörung oder Zerkleinerung der Kunststoffschäume können aber die umweltschädlichen Treibgase entweichen. Deshalb sollten die Dämmstoffe möglichst zerstörungsfrei ausgebaut werden und in einer Müllverbrennungsanlage entsorgt werden. In modernen Müllverbrennungsanlagen werden die FCKW bei der Verbrennung zerstört.

Quellen

Schadstoffratgeber Gebäuderückbau, Bayerisches Landesamt für Umweltschutz (LfU):
Auf den Internetseiten des Bayerischen Landesamtes für Umweltschutz (LfU) findet sich der Schadstoffratgeber Gebäuderückbau, ein kostenloses Online-Informationssystem mit zahlreichen Informationen zur Erkundung, Bewertung und Entsorgung von schadstoffhaltigen Baustoffen. 

Arbeitshilfe Kontrollierter Rückbau, Bayerisches Landesamt für Umweltschutz (LfU) (Download)

Dämmstoffe im Bestand
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Bewertungssystem

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)

   
  Wofür steht das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)? Inhalt aufklappen
 

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMUB steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen.
Ausführliche Informationen zum BNB-System siehe www.nachhaltigesbauen.de

  Welche Informationen liefert WECOBIS für BNB im Reiter Bewertungssysteme? Inhalt aufklappen
 

WECOBIS führt in den Datenblättern der Bauproduktgruppen umfangreiche Informationen zur Beantwortung der verschiedenen Fragestellungen im Hinblick auf Umwelt- und Gesundheitsaspekte. Im Reiter Bewertungssysteme bietet WECOBIS gezielt Antworten auf Fragestellungen baustoffrelevanter Steckbriefe. Durch die Bündelung von Aspekten z.B. bzgl. der Risiken für die lokale Umwelt, Fragen zur Innenraumhygiene und der Thematik Rückbau, Trennung, Verwertung gibt WECOBIS gezielte Hilfestellung bei der Einordnung einzelner Baustoffe. Tiefergehende Informationen finden sich über die Verknüpfungen in den jeweiligen Datenblättern.
Hinweis: Eine abschließende Beurteilung im Rahmen des Bewertungssystems und der genannten Kriterien erfolgt jedoch grundsätzlich in Abhängigkeit weiterer baulicher Gegebenheiten (z.B. eingebaute Menge).

Materialien im Bestand in WECOBIS

Die neuen Datenblätter in WECOBIS zu Bauproduktgruppen im Bestand liefern Informationen zu Materialien, die in der Regel nicht mehr auf dem Markt sind, jedoch bei Umbau- oder Renovierungsmaßnahmen als Rückbaumaterial anfallen. Die Trennung der Materialgruppen Neubau - Bestand  wurde vorgenommen, da es sich bei den am Markt befindlichen Produkten für den Neubau in aller Regel nicht um dieselben handelt, die z.B. einem Schadstoffkataster gemäß BNB-Kriteriensteckbrief BK_1.1.6 zugeordnet werden müssen.

Die Darstellung in WECOBIS folgt daher auch im Reiter Bewertungssysteme nicht dem üblichen Prinzip mit verschiedenen materialrelevanten Kriteriensteckbriefen, sondern beschränkt sich auf die Einordnung hinsichtlich Kriteriensteckbrief BNB_BK 1.1.6. Dieser ist relevant für Materialien in der bestehenden Bausubstanz, die ein Risikopotenzial für Mensch und Umwelt darstellen.

Die Einordnung von Materialien im Neubau mit Informationen zu anderen Kriteriensteckbriefen finden sich in den Standard-Datenblättern jeweils im Reiter Bewertungssysteme.

BNB-Kriterium BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BK_1.1.6 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

Im Falle einer Sanierungsmaßnahme wird BN_1.1.6 ergänzt durch das BNB-Kriterium BK_1.1.6. Dieses zielt auf die Adressierung und Ausschleusung von Materialien in der bestehenden Bausubstanz, die ein Risikopotenzial für Mensch und Umwelt darstellen. Die Bewertung erfolgt anhand einer Einstufung der Baumaterialien in ein vorgegebenes Schadstoffkataster mit 14 Schadstoffgruppen aufgrund ihres Schädigungspotentials und der jeweiligen Sanierungsmaßnahmen. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 4 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung er Substitution eines Stoffes.

Weitere Informationen zu den Einzelkriterien im Bestand siehe BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung). Für den Einbau von neuen Materialien gilt BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau).

Einordnung der Dämmstoffe

Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht darüber, welche der gemäß BK_1.1.6 relevanten Schadstoffgruppen möglicherweise in der Gruppe der  Dämmstoffe im Bestand auftreten können:

Schadstoffgruppe:1 möglich in:
1. Asbest  –
2. Polychlorierte Biphenyle PCB  –
3. Holzschutzmittel / Biozide:
Pentachlorphenol PCP, Lindan, DDT
 –
4. Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe PAK Teerkork
5. Alte Künstliche Mineralfasern KMF Mineralwolle-Dämmstoffe
6. Blei  –
7. Fluorchlorkohlenwasserstoffe FCKW XPS, PUR/PIR

8. Flammschutzmittel (zurückgestellt)1

(zurückgestellt)1

9. Weichmacher DEHP

10. Formaldehyd Mineralwolle-Dämmstoffe 2
11. Schimmelpilze konstruktionsabhängig 3
12. Radon aus Baustoffen (zurückgestellt)1 (zurückgestellt)1
13. Taubenkot (zurückgestellt)1 (zurückgestellt)1
14. Feinstaub (zurückgestellt)1 (zurückgestellt)1
– = nichts bekannt für Dämmstoffe

1 Die Schadstoffgruppen 8 Flammschutzmittel, 12 Radon, 13 Taubenkot, 14 Feinstaub sind derzeit zurückgestellt. 

2 Aufgrund des verwendeten Bindemittels in Mineralwolle-Dämmstoffen können Formaldehyd-Emissionen nicht ausgeschlossen werden. Für die Beurteilung des Sanierungsbedarfs ist jedoch beim Schadstoff Formaldehyd die Konzentration in der Raumluft ausschlaggebend welche durch verschiedene Baustoffe (insbesondere Holzwerkstoffe) beeinflusst wird.
3 Schimmelpilze können bei einer relativen Luftfeuchtigkeit ab 80% und Temperaturen ab ca. 10°C an vielen Bauteiloberflächen auftreten. Das Auftreten von Schimmelpilzen wird nicht von bestimmten Materialien verursacht sondern durch bauphysikalische Mängel oder Bauschäden.

Quellen

Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Bestand / Komplettmodernisierung, Version 2013_3, Kriterium 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt, abrufbar unter BNB_BK_1.1.6 Version 2013_3

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