Hochdruck-Schichtpressstoffplatten (HPL)

Produktgruppeninformation

Begriffsdefinition

Hochdruck-Schichtpressstoffplatten (auch: HPL-Platten, Hochdrucklaminate oder High Pressure Laminates, Laminat = schichtartig zusammengesetztes, plattenförmiges Material), bestehen aus 3 - 4 Lagen i. allg. mit Phenolharz getränkten Zellulosefaserstoffbahnen als Kernlage und beliebig gefärbten oder gemusterten, mit durchsichtigem Melaminharz getränkten Deckschichten.

Wesentliche Bestandteile

70 % Zellulose / 30 % Kunstharze

Charakteristik

- porenfreie geschlossene Oberfläche
- hohe mechanische und physikalische Widerstandsfähigkeit
- beständig gegen die meisten Chemikalien, Feuchtigkeit, Nässe, Frost

Lieferzustand

Dicke [mm]: 0,7 (HPL-Elemente) - 42 (HPL-Platte oder HPL-Kompaktplatte)

  HPL-Element: HPL-Platte:
Dicke der HPL-Schicht [mm]  

> 2

Eigenschaften  
  • nicht selbsttragend
  • nur in Verbindung mit einem Trägermaterial
 
 
  • selbsttragend
  • ohne Trägermaterial möglich
 

Anwendungsbereiche (Besonderheiten)

HPL-Elemente werden nur im Innenausbau als Arbeitsplatten, Fensterbänke, Möbel, Türen, Trennwände usw. verwendet.
Die vorliegende Beschreibung behandelt daher im wesentlichen HPL-Kompaktplatten, bzw. den HPL-Anteil der Elemente.

Quellen

Produktdatenblatt für Dekorative Schichtstoffplatten (HPL) Fachgruppe Dekorative Schichtstoffplatten Industrieverbandes Halbzeuge und Konsumprodukte aus Kunststoff e. V

Hochdruck-Schichtpressstoffplatten (HPL)
Hochdruck-Schichtpressstoffplatten (HPL)

Planungs- und Ausschreibungshilfen

WECOBIS informiert produktneutral. An verschiedenen Stellen bietet WECOBIS jedoch auch Unterstützung dazu, wie sich Produkte innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer ökologischen Eigenschaften unterscheiden lassen.

Informationen hier im Reiter Ausschreibung:

  • Links zu materialökologischen Anforderungen und Textbausteinen für Planung und Ausschreibung im WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen,
  • Hinweise auf mögliche Quellen und Nachweisdokumente zu Planungs- und Ausschreibungskriterien

Übersicht Planungs- und Ausschreibungshilfen: Bauplatten aus Kunststoff
Stand 01/2016

  Hochdruck-Schichtpressstoffplatten
     
  Material-
ökologische Anforderungen
Im neuen Modul "Planungs- & Ausschreibungshilfen" bietet WECOBIS eine Übersicht zu möglichen materialökologischen Anforderungen und Textbausteine für Planung und Ausschreibung. Inhalt aufklappen
   
Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS Textbausteine in WECOBIS basieren derzeit auf dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) des BMUB / Kriterium 1.1.6 (Risiken für die lokale Umwelt).
Kriteriensteckbrief 1.1.6 stellt derzeit keine Anforderungen an Bauplatten aus Kunststoff.
  Mögliche Quellen Die hier genannten Quellen, insbesondere BNB, bilden die Grundlage für Planungs- und Ausschreibungshilfen bzw. materialökologische Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS. Inhalt aufklappen
   
Bewertungssystem
Nachhaltiges Bauen

(BNB) des BMUB /
Kriterium 1.1.6 (Risiken für die lokale Umwelt)

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMUB steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen. Die o.g. Textbausteine und materialökologischen Anforderungen in WECOBIS basieren derzeit auf Kriteriensteckbrief 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt. Dieser steht in engem Zusammehang mit Kriteriensteckbrief 3.1.3 Innenraumhygiene.

Auch wenn ein Gebäude nicht zertifiziert werden soll, bilden die einzelnen Kriteriensteckbriefe eine gute Grundlage, Orientierung und Hilfestellung für die Umsetzung ökologischer Aspekte in der Gebäudeplanung.

Einordung der jeweiligen Bauplatten aus Kunststoffen hinsichtlich verschiedener Kriteriensteckbriefe siehe Reiter Bewertungssysteme in WECOBIS

Umweltbundesamt
(UBA)
Auf den Internet-Seiten des Umweltbundesamtes (UBA) befindet sich der „Informationsdienst für umweltfreundliche Beschaffung“. Die Seiten werden gerade überarbeitet, sodass sich dort derzeit aus dem Baubereich nur Ausschreibungsempfehlungen zu Elastischen Bodenbelägen, Tapeten und Raufaser sowie zu hölzernen Bodenbelägen, Paneelen und Türen finden.
baubook ökologisch ausschreiben Die Plattform baubook ökologisch ausschreiben bietet eine Sammlung von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Bauplatten aus Kunststoff finden sich Kriterien in der Gruppe der Fassadenverkleidungen / HPL-Schichtstoffplatten (Fassaden).
natureplus Ausschreibungstexte -
  Mögliche Nachweis-
dokumente
weitere Nachweismöglichkeiten neben den folgend genannten sind Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, sowie Herstellererklärungen oder ggf. ein Anhang mit Nachhaltigkeitsmerkmalen zur bauaufsichtlichen Zulassung (abZ+). Inhalt aufklappen
   
gesetzlich vorgeschrieben: Welche Nachweisdokumente müssen vom Hersteller zur Verfügung gestellt werden? Welcher Nachweis kann damit erbracht werden?
REACH / CLP:
Sicherheitsdatenblatt (SDB)
Bauplatten aus Kunststoff werden als Erzeugnis eingestuft. Für Erzeugnisse ist kein SDB vorgeschrieben. Die pflichtgemäße Leistungserklärung zur CE-Kennzeichnung für Bauprodukte, die unter den Geltungsbereich der BauPVO fallen, muss Angaben über SVHC enthalten oder mitliefern (kein harmonisiertes Format, erfordert ggf. Nachfrage). Für alle Bauprodukte (Erzeugnisse), also auch solche, die nicht im Geltungsbereich der BauPVO liegen, besteht ein Auskunftsrecht für SVHC. Für die Anfrage an den Hersteller steht auf dem Informationsportal des Umweltbundesamtes zu REACH ein Musterbrief zum Download zur Verfügung.
Bauplatten aus Kunststoff fallen in den Geltungsbereich der BauPVO (s. Listung in Bauregelliste B Teil 1).
Leistungserklärung gemäß BauPVO mit Angaben zu SVHC (kein harmonisiertes Format, erfordert ggf. Nachfrage) +
freiwillige Produktkenn-zeichnungen / -deklarationen Für einige Bauproduktgruppen existieren freiwillige Produktkennzeichnungen oder -deklarationen wie z.B. Umweltzeichen oder Umweltproduktdeklarationen, die als Nachweis für materialökologische Anforderungen dienen können. Eine Übersichtstabelle dazu mit detaillierten Informationen zu Bauplatten aus Kunststoff findet sich im Reiter Zeichen & Deklarationen.

Weitere planungs- und ausschreibungsrelevante Informationen in WECOBIS

Allgemeine Unterstützung zum Umgang mit Nachhaltigkeitsaspekten in Planung und Ausschreibung sowie Hinweise auf Leitfäden, Arbeitshilfen und Veröffentlichungen zum Nachhaltigen Bauen bietet das neue WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen im Nutzerhandbuch Planungs- & Ausschreibungshilfen.

Hochdruck-Schichtpressstoffplatten (HPL)

Umweltdeklarationen

Die folgende Tabelle liefert eine Übersicht zu Zeichen & Deklarationen aus dem Bereich der Bauplatten aus Kunststoff. Neben Herstellererklärungen, Informationen in Leistungserklärungen oder allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen (abZ) können diese den Nachweis für umwelt- und gesundheitsrelevante Kriterien in Planung und Ausschreibung (s. Reiter Ausschreibung) ermöglichen. Detaillierte Informationen finden sich außerdem in den einzelnen Produktgruppen.

Übersicht Umweltdeklarationen: Bauplatten aus Kunststoff
Stand 10/2015

  Hochdruck-Schichtpressstoffplatten
     
  Umweltzeichen Umweltzeichen gehören zu den freiwilligen Produktkennzeichnungen. Sie bieten die Möglichkeit, Unterschiede von Produkten innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer Umwelt- und Gesundheitsrelevanz festzustellen, auch wenn sie keine allgemeinverbindlichen Gebote oder Verbote aufstellen können. Inhalt aufklappen
   
Blauer Engel
weil emissionsarm
-
EU-Umweltzeichen (Blume) -
Österreichisches Umweltzeichen -
natureplus-Qualitätszeichen (nur für Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen / mind. 85 Masse%) -
Nordischer Schwan  -
  GISBAU Klassifizierungs-system

Das GISBAU Klassifizierungssystem ermöglicht es durch den GISCODE oder GISBAU Produktcode, Produkte von denen die gleichen Gesundheitsgefahren ausgehen, in einer Gruppe zusammenzufassen. Die Klassifizierung ist auf den Arbeitsschutz ausgerichtet. Gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) ist grundsätzlich das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen zu verwenden. (siehe unten: Ersatzproduktgruppe prüfen?) Inhalt aufklappen

   

GISBAU Produkt-Code / GISCODE

Bauplatten sind nicht im GISBAU-System klassifiziert. Informationen zu arbeitshygienischen Risiken siehe Reiter Verarbeitung.

  Umweltprodukt-deklaration (EPD)

Die Umweltproduktdeklaration (EPD = Environmental Product Declaration) eines Produktes macht Aussagen zum Energie- und Ressourceneinsatz und in welchem Ausmaß ein Produkt zu Treibhauseffekt, Versauerung, Überdüngung, Zerstörung der Ozonschicht und Smogbildung beiträgt. Außerdem werden Angaben zu technischen Eigenschaften gemacht, die für die Einschätzung der Performance des Bauproduktes im Gebäude benötigt werden, wie Lebensdauer, Wärme- und Schallisolierung oder den Einfluss auf die Qualität der Innenraumluft.1 Inhalt aufklappen

   
EPD1 +
Branchen-EPD1 EPD Decorative High Pressure Laminates
  Umweltindikatoren

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren wie z.B Primärenergieaufwand, Abfall, Abiotischer Ressourcenverbrauch, Ozonabbaupotential, Treibhauspotential usw. liefert die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB. Inhalt aufklappen

   
Ökobau.dat-Datensätze

Datensätze zu Bauplatten aus Kunststoff liegen noch nicht vor (Stand 10/2015).

  Sonstiges Sonstige freiwillige Produktkennzeichnungen, die Informationen zur Umwelt- und Gesundheitsrelevanz von Produkten liefern können. Inhalt aufklappen
   
baubook-Deklaration Die Plattform baubook bietet für Händler und Hersteller von Bauprodukten die Möglichkeit einer online-Deklaration anhand von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Bauplatten aus Kunststoff finden sich Kriterien in der Gruppe der Fassadenverkleidungen / HPL-Schichtstoffplatten (Fassaden).
+ Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe vorhanden
- Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe nicht vorhanden
./. Zeichen / Label für diese Produktgruppe nicht relevant
x Produkte aus dieser Produktgruppe können die Kriterien des Zeichens/Labels definitionsgemäß nicht erfüllen

1 Die hier als vorhanden markierten EPDs und Branchen-EPDs sind als Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu verstehen und finden sich z.B. auf den Seiten des IBU Institut Bauen und Umwelt e.V..

Hochdruck-Schichtpressstoffplatten (HPL)

Bewertungssystem

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)

   
  Wofür steht das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)? Inhalt aufklappen
 

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMUB steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen.
Ausführliche Informationen zum BNB-System siehe www.nachhaltigesbauen.de

  Welche Informationen liefert WECOBIS für BNB im Reiter Bewertungssysteme? Inhalt aufklappen
 

WECOBIS führt in den Datenblättern der Bauproduktgruppen umfangreiche Informationen zur Beantwortung der verschiedenen Fragestellungen im Hinblick auf Umwelt- und Gesundheitsaspekte. Im Reiter Bewertungssysteme bietet WECOBIS gezielt Antworten auf Fragestellungen baustoffrelevanter Steckbriefe. Durch die Bündelung von Aspekten z.B. bzgl. der Risiken für die lokale Umwelt, Fragen zur Innenraumhygiene und der Thematik Rückbau, Trennung, Verwertung gibt WECOBIS gezielte Hilfestellung bei der Einordnung einzelner Baustoffe. Tiefergehende Informationen finden sich über die Verknüpfungen in den jeweiligen Datenblättern.
Hinweis: Eine abschließende Beurteilung im Rahmen des Bewertungssystems und der genannten Kriterien erfolgt jedoch grundsätzlich in Abhängigkeit weiterer baulicher Gegebenheiten (z.B. eingebaute Menge).

BNB-Kriterium BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau)

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_1.1.6 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

BNB-Kriterium BN_1.1.6 zielt auf die Reduzierung bzw. Vermeidung von Stoffen und Produkten beim Neubau, die aufgrund ihrer stofflichen Eigenschaften oder Rezepturbestandteile ein Risikopotenzial für Grundwasser, Oberflächenwasser, Boden und Luft (auch Innenraumluft) enthalten. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 5 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung der Substitution eines Stoffes.

Für den Umgang mit Materialien im Bestand und deren Einordnung ist Kriteriensteckbrief BK_1.1.6. heranzuziehen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau) und BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

Einordnung der Hochdruck-Schichtpressstoffplatten
Stand 01/2016

Für Hochdruck-Schichtpressstoffplatten gelten zur Zeit keine spezifischen Anforderungen hinsichtlich BNB-Kriterium BN_1.1.6. Es empfiehlt sich aber auch hier die grundsätzlich für die Erfüllung der Anforderungen für Qualitätsniveau 1 geforderte Dokumentation der eingesetzten Produkte.

BNB-Kriterium BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BK_1.1.6 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

Im Falle einer Sanierungsmaßnahme wird BN_1.1.6 ergänzt durch das BNB-Kriterium BK_1.1.6. Dieses zielt auf die Adressierung und Ausschleusung von Materialien in der bestehenden Bausubstanz, die ein Risikopotenzial für Mensch und Umwelt darstellen. Die Bewertung erfolgt anhand einer Einstufung der Baumaterialien in ein vorgegebenes Schadstoffkataster mit 14 Schadstoffgruppen aufgrund ihres Schädigungspotentials und der jeweiligen Sanierungsmaßnahmen. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 4 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung er Substitution eines Stoffes.

Weitere Informationen zu den Einzelkriterien im Bestand siehe BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung). Für den Einbau von neuen Materialien gilt BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau).

Die Einordnung von Materialien im Bestand erfolgt in WECOBIS jeweils gesammelt für die ganze Obergruppe der Bauplatten, siehe dazu Altstoffe Bauplatten.

BNB-Kriterium BN_3.1.3 - Innenraumhygiene

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_3.1.3 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

Ziel des BNB-Kriteriums 3.1.3 ist die Sicherstellung der Luftqualität im Innenraum unter hygienischen Gesichtspunkten, die zu keinen negativen Effekten hinsichtlich der Befindlichkeit der Raumnutzer führt, die hygienische Sicherheit garantiert und somit möglichst auch eine empfundene hohe olfaktorische Luftqualität gewährleistet.
Die Bewertung erfolgt anhand der Berechnung der personenbezogenen Luftwechselrate sowie anhand von Raumluftmessungen auf den Formaldehyd- und TVOC-Gehalt.
Erfahrungsgemäß lassen sich die Referenz- und Zielwerte dann erreichen, wenn die Auswahl und Verwendung der eingesetzten Materialien auf einem ganzheitlichen Konzept zur Vermeidung von Emissionen aus Bauprodukten basiert und der Einsatz emissionsarmer Materialien die Bauphase begleitend dokumentiert wird. BNB-Kriterium 3.1.3 steht deshalb in engem Zusammenhang mit der Erfüllung der Einzelkriterien für BNB-Kriterium 1.1.6.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_3.1.3 Innenraumhygiene (Neubau)

Einordnung der Hochdruck-Schichtpressstoffplatten

Produktgruppe Zu erwartende VOC-Emissionen Zu erwartende
Formaldehyd-­Emissionen
Hochdruck-Schichtpressstoffplatten keine1  keine1
keine
Die Produktgruppe enthält kein Formaldehyd oder keine VOC.
möglich
Die Produkte der Produktgruppe unterscheiden sich bezüglich der zu erwartenden VOC- oder Formaldehyd-Emissionen.
hoch
Die Produktgruppe verursacht grundsätzlich hohe VOC-Emissionen oder Formaldehyd-Emissionen. Alternativen sind vorzugsweise in der Wahl funktional gleichwertiger Baustoffe anderer Produktgruppen oder anderer Konstruktionen zu suchen.

1 Für Hochdruck-Schichtpressstoffplatten (HPL) nach EN 438-7 ist bei der Verwendung in Aufenthaltsräumen einschließlich zugehöriger Nebenräume eine abZ zum Gesundheitsschutz vorzulegen.

BNB-Kriterium BN_4.1.4 - Rückbau, Trennung, Verwertung

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_4.1.4 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

Im BNB Kriteriensteckbrief 4.1.4 werden Konstruktionen nach ihrer Rückbaubarkeit, Trennbarkeit und Verwertbarkeit eingestuft.
WECOBIS kann eine aktuelle Information über mögliche Umwelt- und Gesundheitsgefährdungsaspekte im Zuge von Rückbau und Entsorgung auf Bauproduktgruppenebene geben. Eine Betrachtung von ganzen Konstruktionen kann derzeit in WECOBIS noch nicht erfolgen. Ein Bauteilmodul ist jedoch in planung. Ergänzend zu Leitfäden und Arbeitshilfen helfen die bauproduktgruppenspezifischen Aspekte dem Koordinator jedoch auch jetzt schon, die Komponenten Umwelt und Gesundheit für den Steckbrief 4.1.4 einzuordnen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_4.1.4 – Rückbau, Trennung, Vewertung

Einordnung der Hochdruck-Schichtpressstoffplatten

Rückbau und sortenreine Trennung

Die Rückbaubarkeit  und die Sortenreinheit der Hochdruck-Schichtpressstoffplatten hängt  von der Art der Gesamtkonstruktion des Bauteils ab. 
Verschraubte Konstruktionen ermöglichen in der Regel einen einfache Rückbau, vollflächig auf andere Trägerplatten aufgeklebte Hochdruck-Schichtpressstoffplatten werden sich von diesen nur aufwendig trennen lassen.

Rückbaubarkeit

Geringer Rückbauaufwand → hoher Rückbauaufwand

Konstruktion

auf Unterkonst. 
verschraubt unverspachtelt

auf Unterkonst. verdeckt befestigt

auf Unterkonst.
verschraubt verspachtelt

punktförmig
verklebt + verschraubt

im Dünnbett mineralisch 
verklebt + verschraubt

vollflächig 
verklebt

Gipsfaserplatten

(x)1

 

x

(x)2

Gipsplatten

(x)1

 

x

x

x

(x)2

Gipsplatten mit Vliesarmierung

(x)1

 

x

x

x

(x)2

Hochdruck-Schichtpressstoff-
platten

x

 x

 

 x

 

x

Faserzement-Tafeln

x

 x

x

 

 

(x)2

Silikat-Brandschutzplatten

(x)1

 

x

x

x

(x)2

1 Unübliche Konstruktion, beschränkt auf temporäre (Staub-) Schutzwände und ähnliches.
2 z. B. als Untergrund für aufgeklebte und auflaminierte dekorative Oberflächen. Der Rückbau des entstehenden Verbundwerkstoffes in seine einzelnen Bestandteile wird in der Regel wirtschaftlich kaum möglich sein.

Verwertbarkeit

Grundsätzlich ist die zerstörungsfreie Demontage und eine Wiederverwendung der HPL-Platten bei verschraubten und verdeckt befestigten Konstruktionen theoretisch denkbar. 
Beschädigungen,  Befestigungslöcher, vorhandene Zuschnitte und die schwierige optisch passende Ergänzung wird die Wiederverwendung in der Praxis erheblich einschränken. 
Das Recycling ist energieaufwendig. Bei Rückbaumassnahmen ist die energetische Verwertung der Regelfall.

Verwertungs- / Beseitigungswege Hochwertige Verwertung Minderwertige Verwertung Energetische Verwertung Deponierung

Gipsfaserplatten

x    nicht möglich x

Gipsplatten

x x  nicht möglich x

Gipsplatten mit Vliesarmierung

x x  nicht möglich x

Hochdruck-Schichtpressstoffplatten

x       x nicht zulässig

Faserzement-Tafeln

x x  nicht möglich x

Silikat-Brandschutzplatten

(x)1 (x)1   nicht möglich x
Hochwertige Verwertung
Die Produktgruppe wird zur Herstellung gleichwertiger Produkte als wesentlicher Bestandteil des Endprodukts eingesetzt.
Minderwertige Verwertung
Die Produktgruppe wird zur Herstellung untergeordneter Produkte als wesentlicher Bestandteil des Endprodukts eingesetzt.
Energetische Verwertung
Die Produktgruppe wird in einer Verbrennungsanlage energetisch verwertet.
Deponierung
Die Produktgruppe wird ggf. nach thermischer Vorbehandlung deponiert.

1 Aufgrund der stofflichen Zusammensetzung erscheint die Verwertung möglich,  Aussagen des marktführenden Herstellers zur Verwertung fehlen derzeit.

Weitere Informationen siehe Reiter  Nachnutzung - Stoffliche Verwertung

Quellen

Produktdatenblatt für HPL-Elemente, HPL nach EN 438, Juni 2012, proHPL Fachgruppe Dekorative Schichtstoffplatten, Frankfurt

Produktdatenblatt für Dekorative Schichtstoffplatten, HPL-Elemente, HPL nach EN 438, Juni 2012, proHPL Fachgruppe Dekorative Schichtstoffplatten, Frankfurt

Gebäudeschadstoffe und Gesunde Innenraumluft, Herausgeber Gerd Zwiener und Frank-Michael Lange, Erich Schmidt Verlag GmbH+Co, Berlin 2012

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Kriterium 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt, abrufbar unter BNB_BN_1.1.6 Version V 2015

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 3.1.3 Innenraumhygiene, abrufbar unter bnb-nachhaltigesbauen BNB_BN2011-1_313 (Online-Quelle), abgerufen 10/2014

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 4.1.4 Rückbau, Trennung und Verwertung, abrufbar unter bnb-nachhaltigesbauen BNB_BN2011-1_414 (Online-Quelle), abgerufen 10/2014

Hochdruck-Schichtpressstoffplatten (HPL)

Technisches

Baustoffklasse nach DIN 4102-1

B1 (schwerentflammbar), B2 (normalentflammbar)

Euroklasse nach DIN EN 13501-1

B-s2,d0 / D-s2,d0

Technische Regeln (DIN, EN)

DIN EN 438 Dekorative Hochdruck-Schichtpressstoffplatten (HPL) – Platten auf Basis härtbarer Harze (Schichtpressstoffe)

Bauregelliste

dekorative Hochdruck-Schichtpressstoffplatten nach EN 438:
Bauregelliste B / Teil 1 / 1.3.2.2

Das Deutsche Institut für Bautechnik stellt in den Bauregellisten A, B und C die technischen Regeln für Bauprodukte und Bauarten sowie bauaufsichtlich geregelte und nicht geregelte Bauprodukte und Bauarten auf.
Nach Zustimmung der obersten Bauaufsichtsbehörden der Länder wird die Bauregelliste bekannt gegeben. Erwerb und weiterführende Informationen zu Bauregelliste und ihren Regelungsbereichen siehe unter → www.dibt.de
Eine Darstellung und Erläuterungen zur Klassifizierung von Bauprodukten siehe im Lexikon → Klassifizierung von Bauprodukten

Hochdruck-Schichtpressstoffplatten (HPL)

Literaturtipps

proHPL Fachgruppe Dekorative Schichtstoffplatten (HPL)  
Produktdatenblatt für Dekorative Schichtstoffplatten, Juni 2012

International Committee of the Decorative Laminates Industry (ICDLI),
ENVIRONMENTAL PRODUCT DECLARATION Umweltprodukterklärung, Juni 2012

Zwiener, G.; Mötzl, H.; Ökologisches Baustoff-Lexikon; 2006; C.F. Müller Verlag; Heidelberg 

Hochdruck-Schichtpressstoffplatten (HPL)

Rohstoffe / Ausgangsstoffe

Hauptbestandteile

Kern
 
Trägermaterial: Kraftpapier = 3 - 4 Lagen Zellulosebahnen aus ungebleichtem Zellstoff
Nassverfestiger: chlorarm (Chloreintrag)
Bindemittel: Phenol-Formaldehydharze (z. T. Phenol-Resorcin-Formaldehydharz)
Deckschicht
 
Trägermaterial: Dekorpapier = 55 - 95 % gebleichter Zellstoff
(Chloreintrag)
Nassverfestiger: chlorarm (Chloreintrag)
Farbstoffe: 5 - 45 % (Titandioxid = Pigment mit weißer Farbe, Farbpigmente)
Bindemittel: Melamin-Formaldehydharze
Zusammensetzung im fertigen Produkt HPL-Platte:

ca. 60 - 70 Gew.% Kraftpapier + Dekorpapier
ca. 30 - 40 Gew.% Phenol- und Melamin-Formaldehydharz

Bei Weiterverarbeitung zu HPL-Elementen:

+ Trägermaterial E1 Holzwerkstoffe (z. B. Span-, MDF-, Faserplatten, Sperrholz)
+ Klebstoffschicht wässrige PVAc- oder Aminoplastleime = Harnstoffleim, Weißleim
siehe Klebstoffe

Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Gewinnung der Primärrohstoffe

Zellstoff

Zellstoff wird in einem Kochprozess durch chemischen Aufschluss von Holz gewonnen. Dabei wird das Lignin weitgehend herausgelöst. Der nach dem Kochen dunkel gefärbte Zellstoff wird ungebleicht für die Herstellung der Kraftpapiere im Kern verwendet. Dekorpapiere (= Deckschicht) werden dagegen ausschließlich aus hochweißen Zellstoffarten hergestellt. Der Zellstoff wird daher zur Entfernung des Restlignins einer mehrstufigen Bleiche unterworfen. Die Zellstoffbleiche erfolgt in deutschen Zellstoffwerken heute in der Regel in chlorarmen Verfahren. (siehe Chlorchemie). Chlorfrei gebleicht wird nach derzeitigem Kenntnisstand nur der in einem deutschen Produktionsbetrieb hergestellte Sulfitzellstoff. Energieaufwand und Wasserverbrauch sind bei Chlorbleiche und chlorfreier Bleiche gleich.

Titandioxid

Die Herstellung von Titandioxid ist ein abfallintensiver Prozess und mit Umweltbelastungen verbunden. Auf die Dekorschichtproduktion entfallen ca. 3 % der Gesamtproduktion an Titandioxid.

Farbpigmente

Über die verwendeten Farbpigmente liegen keine genauen Informationen vor. Ein Hersteller gibt an, nur organische Pigmente einzusetzen.

Verfügbarkeit

Nach Angaben der Fachgruppe für Dekorative Schichtstoffplatten (HPL) stammen die für die Zellstoffherstellung verwendeten Holzfasern ausschließlich aus nachhaltig bewirtschafteten Nutzholzanpflanzungen. Die Zellstoffausbeute beträgt jedoch nur ca. 50% des Holzeinsatzes.

Verwendung von Recyclingmaterialien / Produktionsabfällen

Zum Teil bestehen Rücknahmesysteme der Hersteller für Sägereste/Verschnittreste aus Baustellenabfällen. Zurückgenommene Materialien sowie Produktionsreste können bis max. 10% in neuen Hochdruck-Schichtpressstoffplatten wiederverwertet werden.

Flüssige Phenolharzreste (Bindemittel) können wiederverwertet werden. Andere Harzreste müssen vor einer Entsorgung grundsätzlich ausgehärtet werden. Kraftpapierabfälle, die teilausgehärtete Phenolbestandteile enthalten, müssen verbrannt werden. Ein Hersteller gibt an Bindemittel zu verwenden, die zu 50% aus Industrie-Restströmen und zu 50% aus "Neu"-Material bestehen.

Radioaktivität

Radionuklide in Baumaterialien

Natürliche Radionuklide in Baustoffen können vorkommen in Abhängigkeit von Material und Zuschlagstoffen. Zum Schutz der Bevölkerung vor Strahlenbelas­tungen werden in Deutschland seit mehr als 20 Jahren Untersuchungen und Bewertungen der radioaktiven Stoffe in Baumaterialien durchge­führt. Nach einer Studie des BfS wurden in Deutschland keine zu Bauzwecken verwendbaren Materialien festgestellt, die infol­ge erhöhter Uran- und Radiumkonzentrationen zu höhe­ren Konzentrationen des Radon-222 (Radon) in Räumen führen könnten.

Bei den derzeit handelsüblichen Bauproduktgruppen sind aus der Sicht des Strahlenschutzes keine Einschränkungen erforderlich. Allerdings ist auch weiterhin die vorgegebene Beschränkung des Anteils industrieller Rückstände als Zuschlag zu beachten, siehe ausführliche BfS-Informationen zu Baumaterialien.

Nach derzeitigem Kenntnisstand tragen HPL-Platten nicht zur Strahlenexposition der Bewohner bei.1

Landinanspruchnahme (Landuse)

Der Landverbrauch, im  wesentlichen für die Holz- und Forstwirtschaft für die Zelluloseproduktion lässt sich derzeit nicht quantifizieren.

Quellen

1          Bundesamt für Strahlenschutz, Fachbereich Strahlenschutz und Umwelt
            proHPL Fachgruppe Dekorative Schichtstoffplatten,
            Industrieverband Halbzeuge und Konsumprodukte aus Kunststoff e. V.

Hochdruck-Schichtpressstoffplatten (HPL)

Herstellung

Prozesskette

HPL Prozesskette

Herstellungsprozess

Herstellung der Harze

Im geschlossenen Rührbehälter werden Phenol bzw. Melamin mit Formaldehyd zusammengeführt. Aus kurzkettigen Einzelmolekülen entstehen wasserlösliche Molekülverbunde = wässrige Harzlösung

Vorbereiten der Papierbahnen

Die Papierbahnen (Dekor- und Kraftpapiere) werden mit der jeweiligen wässrigen Harzlösung getränkt (Imprägnierung). In nachgeschalteten Trockenkanälen wird der Wasseranteil verdampft und die Bahn anschließend in formatgerechte Bögen aufgetrennt.
Vor dem Pressvorgang werden die Papierbögen zu Presssätzen zusammengelegt.

Verpressen der beharzten und getrockneten Papierbahnen

Die endgültige Aushärtung erfolgt in der Hochdruckpresse bei mind. 70 bar und ca. 130 - 140°. Beim Pressen verändern die Harze in den Papierschichten unter hohem Druck und großer Hitze ihre Molekularstruktur und vernetzen unlösbar miteinander.

Weiterverarbeitung zu HPL-Elementen

Für die Weiterverarbeitung zu HPL-Elementen wird die Rückseite i. d. R. noch geschliffen, um ein Verleimen auf Trägermaterialien zu ermöglichen.

Umweltindikatoren / Herstellung

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren in WECOBIS soll zukünftig ausschließlich die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB liefern.

Die Ökobau.dat stellt Umweltprofile für Bauprodukte bereit, die als erforderliche Datengrundlage für die Lebenszyklusanalyse eingesetzt werden. Für Bauprodukte gibt es Herstellungs- und End-of-Live- Datensätze.

Weiterführende Informationen zur Ökobau.dat im Zusammenhang mit dieser Produktgruppe finden sich in WECOBIS unter Fachinformationen / Reiter Umweltdeklarationen → Ökobau.dat / Umweltindikatoren

Da in der Herstellung von Bauprodukten ein großer Anteil der verursachten Umweltbelastungen auf den Verbrauch von nicht erneuerbaren Energieträgern zurückzuführen ist, stellt die Graue Energie (kumulierter Primärenergieaufwand nicht erneuerbar) dafür einen guten Indikator dar.

Charakteristische Emissionen

Die Abluft der Trockenkanäle zum Imprägnieren der Kraftpapiere enthält Anteile von flüchtigem Phenol und muss in Nachverbrennungsanlagen gereinigt werden.

Hochdruck-Schichtpressstoffplatten (HPL)

Verarbeitung

Arbeitshygienische Risiken

Allgemeines

Beim Schneiden von Hochdruck-Schichtpressstoffplatten kann es zu Staubbelastungen kommen. In der Regel können die Platten verlegefertig geliefert werden, sodass auf der Baustelle nur noch einzelne Passschnitte vorzunehmen sind. Auf eine staubarme Verarbeitung ist zu achten.

REACH / CLP

Die REACH-Verordnung regelt die Herstellung, das Inverkehrbringen und den Umgang mit Industriechemikalien. Zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen, dient die CLP-Verordnung (Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen), um ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu gewährleisten.

Wird ein Produkt nicht als Stoff oder Gemisch, sondern als Erzeugnis eingestuft, ist kein Sicherheitsdatenblatt (SDB) erforderlich und Gefahrstoffbezeichnungen entfallen. Lediglich besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) müssen ausgewiesen werden. Für diese Informationen besteht eine Auskunftspflicht. Sie müssen aber nicht in Form eines Sicherheitsdatenblattes nach den Kriterien des Anhangs II der REACH-Verordnung gegeben werden. Für Verbraucher muss die Informationsweitergabe auch nur auf Anfrage beim Hersteller erfolgen.

Allerdings müssen seit 01.07.2013 zumindest SVHC (> 0,1 Massen-%) in allen Bauprodukten (Gemische und Erzeugnisse), die unter den Geltungsbereich der Bauproduktenverordnung (BauPVO) fallen, über eine Leistungserklärung, die zusätzlich zur CE-Kennzeichnung erstellt wird und dem Bauprodukt beigefügt ist, gekennzeichnet sein.

HPL-Platten werden als Erzeugnis eingestuft.
Informationen und Unterstützung zu den Auskunftsrechten finden sich unter www.reach-info.de.
Hochdruck-Schichtpressstoffplatten (HPL)

Nutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiken bei bestimmungsgemäßer Nutzung

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

In den fertigen Hochdruck-Schichtpressstoffplatten ist der Rohstoff Formaldehyd umgewandelt und im Gitterwerk der ausgehärteten Harzmoleküle gebunden. Zur dauerhaften Neigung zur Freisetzung von gebundenem Formaldehyd durch hydrolytische Rückspaltung siehe Formaldehydharze.

Formaldehydabgabe nach Produktdatenblatt HPL-Platte; Internationales Komitee der Hersteller Dekorativer Schichtstoffplatten; 1999 (nicht aktualisiert vorhanden)):
Typische Werte für eine nicht aufgeklebte 1 mm HPL:
< 0,4 mg / h m2 bei Prüfung nach DIN EN 717-2
< 0,05 ppm bei Prüfung mit der WKI-Prüfkammer

Hochdruck-Schichtpressstoffplatten sind für den Kontakt mit Lebensmitteln und den Einsatz in Hygienebereichen zugelassen.

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Außenraum

siehe Emissionen in den Innenraum

Umwelt- und Gesundheitsrisiken im Schadensfall

Brandfall

Hochdruck-Schichtpressstoffplatten sind als schwer- oder normalentflammbar, mit schwacher Rauchentwicklung (s2) und ohne brennendes Abtropfen (d0) klassifiziert.
Abhängig von den Brandbedingungen (Temperatur, Sauerstoffgehalt) können toxische Brandgase entstehen.

Beständigkeit Nutzungszustand

Unter der Rubrik Baustoff- und Gebäudedaten / Nutzungsdauern von Bauteilen findet sich auf dem Informationsportal Nachhaltiges Bauen eine Datenbank mit Nutzungsdauerangaben von ausgewählten Bauteilen des Hochbaus für den Leitfaden „Nachhaltiges Bauen“.
Datenbank als PDF

Hochdruck-Schichtpressstoffplatten (HPL)

Nachnutzung

Wiederverwendung

Bei zerstörungsfreiem Ausbau ist eine Wiederverwendung theoretisch möglich.

Stoffliche Verwertung

Da es sich bei Hochdruck-Schichtpressstoffplatten um ein im wesentlichen duroplastisches Material handelt, kann es nicht mehr in einen "weichen" Zustand zurückgeführt und in seiner ursprünglichen Funktion wiederverwertet werden. Zerkleinert und zermahlen kann es theoretisch als Füllstoff in Formen zu Pressteilen verarbeitet werden. Dies erfordert jedoch einen verhältnismäßig hohen Energieeinsatz.
Bei HPL-Elementen erhöht sich der Energieaufwand noch um das Trennen vom Trägermaterial.

Für Baustellenverschnitte existieren Rücknahmesysteme durch einzelne Hersteller. Zurückgenommene Materialien werden bis maximal 10% in neuen Bauplatten wiederverwertet.

Energetische Verwertung

Abfälle aus Hochdruck-Schichtpressstoffplatten werden i.d.R. energetisch verwertet (Heizwert 18 - 20 MJ/m3). Dabei fallen für 1 m2 HPL (1,0 mm, 1,4 kg / m2) ca. 40 g nichtbrennbare Anteile / Asche an (im wesentlichen Titandioxid). 
Voraussetzung ist die Verbrennung in industriellen Feuerungsanlagen bei Temperaturen über 700 °C (Nutzungsgrad 43 %).

Beseitigung / Verhalten auf der Deponie

Abfälle aus Hochdruck-Schichtpressstoffplatten dürfen aufgrund ihres organischen Anteils nicht mehr deponiert werden und müssen einer energetischen Verwertung zugeführt werden.

EAK-Abfallschlüssel

17 Bau- und Abbruchabfälle
17 02 03 Kunststoff