Metalle im Bestand

Produktgruppeninformation

Das Datenblatt Schadstoffe in der Altbausubstanz - Metalle in WECOBIS soll über Schadstoffe in Baumaterialien der Altbausubstanz informieren, die in der Grundstoffgruppe Metalle möglicherweise auftreten können. Die folgenden Informationen können als Orientierungshilfe dienen, ersetzen jedoch nicht eine fachliche Abklärung vor Ort.
Auf den Internetseiten des Bayerischen Landesamtes für Umweltschutz (LfU) findet sich der Schadstoffratgeber Gebäuderückbau1, ein kostenloses Online-Informationssystem mit zahlreichen Informationen zur Erkundung, Bewertung und Entsorgung von schadstoffhaltigen Baustoffen. Unter "Quellen" sowie im Reiter "Literatur" wird auf relevante Internetseiten und Informationsblätter zum Download verwiesen.

Verdachtsmomente für Metalle als Schadstoffe in der Altbausubstanz
Tabelle 1

Schadstoffgruppe:  möglich in1:
Blei

Anorganische Bleiverbindungen
in Korrosionsschutz-Beschichtungen (Bleimennige) und unterschiedlichen Farbbeschichtungen
in Kunstoffen und Produkten aus PVC

Bleirohre als
Wasserleitungen, Elektroleerrohre

Bleiblech als
Dach- oder Fassadenbekleidung
Anschlusstreifen in Dach und Fassade
Strahlenschutz in Wänden und Bauplatten

Verdachtsmomente für Schadstoffe in Zusammenhang mit Baustoffen aus Metall
Tabelle 2

Schadstoffgruppe:  möglich in1:
Asbest

asbesthaltige Platten, Mörtel, Spachtelmassen als Brandschutzbekleidung oder Beschichtung tragender Stahlkonstruktionen
asbesthaltige Rohrisolierungen, Flanschdichtungen
Kabelkanäle aus Asbestzement

Polychlorierte Biphenyle (PCB) Kunstoffummantelung von E-Kabel und Rohren
PCB-haltige Öle in Starkstromkabel, Hydraulikleitungen, Transformatoren und Kondensatoren
Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) Muffen und Teerauskleidung von Gussrohren
teegetränke Ummantelungen von Strom- und Heizleitungen
Teerkork als Rohrdämmung
Alte Künstliche Mineralfasern (KMF) Brandschutzbekleidung tragender Stahlbauteilen
Dämmung von Metallrohren
Formaldehyd in Dämmungen von Rohrleitungen und Brandschutzbekleidungen 
eventuell in Beschichtungen
Fluorchlorkohlenwasserstoffe FCKW in Schaumdämmungen von Rohrleitungen und Lüftungs-Kanälen

Risiken aus Schadstoffen bei Abbruch und Rückbau

Der Bauherr ist der Erzeuger der Abfallprodukte aus einem Gebäudeabbruch, Teilabbruch oder Rückbau. Hieraus ergeben sich für ihn eine Reihe von Verpflichtungen in Bezug auf ordnungsgemäße Wiederverwendung oder Beseitigung, sowie der Dokumentation und des Nachweises. Es bestehen erhebliche haftgsrechtliche Risiken für den Bauherren,  Architekten, Planer und Ausfürhrende.2

Im Baubestand findet sich das Metall Blei in unterschiedlichen Verarbeitungsformen als Schadstoff, siehe vorstehende Tabelle 1. 
Des weiteren finden sich verschiedene Schadstoffe in Zusammenhang mit Bauteilen aus Metall,siehe vorstehende Tabelle 2. 
Im folgenden sind die Schadstoffe kurz beschrieben. Weiterführende, detailierte Angaben finden sich in WECOBIS, Grundstoffe / Metalle / Blei und unter den Links und Downloadlinks bei den Quellenangaben.
Da eine Unterscheidung schadstoffhaltiger und schadstoffreier Baustoffe in der Regel schwierig sein wird, muss im Zweifel von einer Schadstoffbelastung ausgegangen werden und die (eventuell) kontaminierten Bauteile untersucht und beprobt werden.

Schadstoffanalyse des Bestandes

Die Qualität der Bestandsanalyse ist grundsätzlich von entscheidender Bedeutung für den weiteren Planungs- und Bauprozess bei Baumaßnahmen an Bestandsgebäuden. Dabei ist die Analyse der Schadstoffe eines Gebädes ist ein wesentlicher Teil der Baudiagnostik.19 
Für eine qualifizierte Beprobung und Beurteilung kontaminierter Gebäude ist es unumgänglich, bereits frühzeitig, also im Rahmen der Grundlagenermittlung für die Rückbauplanung, vorhandene Schadstoffe zu erkunden und möglichst schon vor dem eigentlichen Rückbau zu separieren.3
Zum einen müssen die Schadstoffe gesondert beseitigt werden, zum anderen lassen sich durch früzeitige Separierung aufwendige Schutzmassnahmen beim weiteren Gebäuderückbau und Abbruch reduzieren.

Blei 

Blei (Pb)
Häufigste Verbreitung im Bauwesen findet Blei in Form von Pigmenten in Rostschutzanstrichen
und in Malerfarben (weiß und gelb). Zur Dacheindeckung wurden Einblechungen mit hohem Bleianteil für Kamin- bzw. Gebäudeanschlüsse verwendet. Nur noch selten anzutreffen sind Blei-Rohre und -Kabel.12

Insbesondere durch vorort aufgebrachte Beschichtungen können unterschiedlichste Baumaterialien wie Stahlbauteile, Putze, Holzwerkstoffe und Bauplatten durch Blei belastet sein. Bei Abbruch, Rückbau insbesondere beim Anschleifen für Neubeschichtungen kann entsprechend bleihaltiger Staub frei gesetzt werden.
In Bereichen mit Röntgendiagnostik und Strahlentherapie, insbesondere in Krankenhäuser, Ärztehäuser und Praxen werden Bleibleche oder Bauplatten mit Bleikaschierung verwendet, um den Strahlenschutz von Wänden und Decken sicherzustellen. Bei gleicher Nutzung wird hier auch weiterhin Blei in den Bauteilen verbleiben. Eventuell kann bei Rückbau, Umbau oder verschiedenen Arbeiten an den Bauteilen Bleistaub freigesetzt werden.

Gefährdungseinstufung und Toxizität für Blei und seine anorganischen Verbindungen nach TRGS 505 13:
Kann das Kind im Mutterleib schädigen.
Kann möglicherweise die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen.
Gesundheitsschädlich beim Einatmen und Verschlucken.
Gefahr kumulativer Wirkung (langer Verbleib im Körper).

Falls mit Blei belastete Baustoffe bearbeitet oder entfernt werden müssen ist die TRGS 505 "Blei" der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zu beachten und entsprechende Schutzmassnahmen vorzusehen.

Asbest

Obwohl die krebserzeugende Wirkung von Asbest seit langem bekannt ist, wurde dieses Material bis in die 1970er und 1980er Jahre vor allem als Baumaterial häufig verwendet, da es für viele Einsatzzwecke sehr gut geeignet ist. Seither schränkte der Gesetzgeber die Verwendung von Asbest immer stärker ein. Bereits eingebaute Materialien wurden in der Regel nur bei akuter Gefährdung sofort entfernt. Daher findet man auch heute noch asbesthaltige Materialien, die bei der Renovierung besonders sorgfältig behandelt werden müssen, um Gesundheitsgefährdungen zu vermeiden.4

Gefährdungseinstufung und Toxizität für Asbest 5
nach ChemG : T (Giftig)
nach GefstoffV: R 45 Kann Krebs erzeugen, R 48/23 Auch giftig: Gefahr ernster Gesundheitsschäden bei längerer Exposition durch einatmen

Bei Asbest in Bauprodukten wird unterschieden in 5:
Fest gebundene Asbestprodukte, Asbestanteil bis 15  Gew.-%, Raumgewicht i. d. Regel über 1500 kg/m3, aber stets über  1.000 kg/m3. Die Asbestfasern sind relativ fest gebunden.
Schwach gebundener Asbest, Asbestanteil ab 60 Gew.-%, Raumgewicht i. d. Regel unter 1000 kg/m3.
Besondere Gefährdung geht dabei von schwach gebundenem Asbest aus.

Wenn asbesthaltige Baustoffe bearbeitet oder entfernt werden sind Schutzmassnahmen gemäss gemäß TRGS 519  vorzusehen. Unbedenkliche, fest gebundene asbesthaltige Bauprodukte können eventuell unter Berücksichtigung der gesetzlichen Bestimmungen im Baukörper verbleiben.
Sofern schwachgebundene asbesthaltige Baustoffe festgestellt werden, ist die „Richtlinie für die Bewertung und Sanierung schwach gebundener Asbestprodukte in Gebäuden" (Asbestrichtlinie) zu beachten.

Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe PAK

PAK sind ein Bestandteil des Steinkohleteers. Sie finden sich in Dachbahnen, Teerpappen, Teerkorkplatten, Dichtungsschnüren und Rohrauskleidungen.

Gefährdungseinstufung und Toxizität für PAK 10
nach ChemG : T (sehr giftig), N (Umweltgefährlich)
nach GefstoffV:
R 45 kann Krebs erzeugen
R 46 kann vererbbare Schäden verursachen
R 60 kann die fortpflanzung beeinträchtigen
R 61 kann das Kind im Mutterleib schädigen
R 50/53 Sehr giftig für Wasserorganismen, kann in Gewässern längerfristig schädliche Wirkungen haben
nach TRGS 905, Einstufung  krebserzeugender, erbgutverändernder, fortpflanzungsgefährdender Stoffe: K2 - Krebserzeugend EG-Kategorie 2

Falls PAK-belastete Baustoffe bearbeitet oder entfernt werden müssen oder in Arbeiten in PAK-belasteten Räumen auszuführen sind, sind Schutzmaßnahmen gemäss TRGS 524 "Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten in kontaminierten Bereichen" der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) vorzusehen.

Alte Mineralwolle / Künstliche Mineralfasern

Als Alte Mineralwolle wird gemäß TRGS 521 Mineralwolle bezeichnet, deren Stäube nach dem einatmen langfristig in der Lunge verbleiben können. Diese Faserstäube gelten als krebserregend. Seit Juni 2000 gilt in Deutschland das Herstellungs- und Verwendungsverbot für Alte Mineralwolle. Die Mineralwollefasern wurde durch die Hersteller so weiterentwickelt, dass ihre Stäube aus der Lunge ausgeschafft werden können. Diese auch als Neue Mineralwolle bezeichneten Fasern gelten nicht als krebserregend. Bereits ab 1996 stellten die Mineralwolle-Hersteller die Produktion um und kennzeichneten Ihre Produkte aus Neuer Mineralwolle mit dem RAL-Gütezeichen. Für Mineralwolledämmungen, die vor 1996 eingebaut wurden, ist in jedem Fall davon auszugehen, dass es sich um Alte Mineralwolle handelt.11

Gefährdungseinstufung nach TRGS 900 11,13  :
Künstliche Mineralfasern (KMF)
Geltungsbereich: Faserstäube, anorganische, krebserzeugend Kategorie 1, 2 und 3 (außer Asbest)

Bei Arbeit an oder Ausbau von Dämmungen aus alter Mineralwolle ist die TRGS 521 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin BAuA zu beachten.

Formaldehyd

Formaldehyd ist aufgrund seiner vielfältigen Anwendung im Bereich der Bauprodukte und Materialien der Innenausstattung in nahezu allen Innenräumen in höheren Konzentrationen als in der Außenluft nachweisbar.

Gefährdungseinstufung und Toxizität für Formaldhyd 17 als Stoff  T  (giftig),   Carc.Cat. 3, R40  Verdacht auf krebserzeugende Wirkung
in Abhängigkeit der Konzentration [C]
C > 25%  T; R23/24/25-34-40-43
25% > C > 5%  Xn;R20/21/22-36/37/38-40-43
5% > C > 1%  Xn;R40-43
1% > C > 0,2%  Xi; R43

Eine direkte Gefährdung bei Rückbau oder Umbau von Metallbauteilen mit formaldehydbelasteten Beschichtungen oder Bekleidungen scheint eher gering. Der Ausbau formaldehydhaltiger Bauteile kann aber in Abhängikeit der Planungsziele (Qualitätsanforderungen) und der Ergebnissse einer Luftanalytik, im Sinne der Innenraumhygiene bei der Sanierung notwendig sein.

FCKW (Fluorchlorkohlenwasserstoffe) in PUR/PIR und XPS - Dämmstoffen

Der Rückbau von FCKW-haltigen Dämmstoffen stellt kein Gesundheitsrisiko dar. Durch die Zerstörung oder Zerkleinerung der Kunststoffschäume können aber die umweltschädlichen Treibgase entweichen. Deshalb sollten die Dämmstoffe möglichst zerstörungsfrei ausgebaut werden und in einer Müllverbrennungsanlage entsorgt werden. In modernen Müllverbrennungsanlagen werden die FCKW bei der Verbrennung zerstört.

Quellen

1 Schadstoffratgeber Gebäuderückbau, Bayerisches Landesamt für Umweltschutz (LfU)

Suchregister 
Suchregister Gebäudeschnitt   insbesondere Bauteile - Dach - Decken - Wände
Informationsblatt 202 - Wände (Download)
Informationsblatt 203 - Decken (Download)
Informationsblatt 402 - Bauplatten (Download)
Informationsblatt 406 - Brandschutzverkleidungen (Download)
Informationsblatt 410  - Dachwellplatten (Download)
Informationsblatt 412  - Deckenplatten (Download)
Informationsblatt 416  - Fassadenverkleidungen (Download)
Informationsblatt 423  - Nutzungsbedingte Kondamination (Download)
Informationsblatt 439  - Spachtelmassen (Download)
Informationsblatt 441  - Teerkork (Download)
Informationsblatt 501  - Asbest (Download) 
Informationsblatt 512  - PCB (Download)
Informationsblatt 507  - Holzschutzmittel u. Pestizide (Download)
8  Informationsblatt 513  - PCP (Download)
Informationsblatt 506  - DDT (Download)
10Informationsblatt 502  - PAK (Download)
11Informationsblatt 508  - KMF (Download)
12Informationsblatt 515  - Schwermetall (Download)
13Informationsblatt 504  - Biologische Gefährdung (Download)

2   Brochüre Abbruch- Kein Problem, Bayerisches Landesamt für Umweltschutz (LfU) (Download)
3   Arbeitshilfe Kontrollierter Rückbau, Bayerisches Landesamt für Umweltschutz (LfU) (Download)
4   Umwelt Wissen – Praxis Asbest, Bayerisches Landesamt für Umweltschutz (LfU) (Download)
13 Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Technische Regeln für Gefahrstoffe,
      Liste aller TRGS mit Möglichkeit zum Download
17 Bundesministerium  für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, 
     Bewertung der Innenraumluftqualität  Formaldehyd, Formaldehyd-Endfassung.pdf (Download)
18 Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen, BNB-Kriterium BK 5.1.6  (Download)

Metalle im Bestand
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Bewertungssysteme

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)

BNB Bestand / Komplettmodernisierung

Kriterium BNB_BK 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt

Kriterium BNB_BK 1.1.6 "Risiken für die lokale Umwelt" fragt in Teilkriterium 1 (Baumaterialien der Altsubstanz) zur Bewertung der Risiken nach 14 Schadstoffgruppen in der bestehenden Bausubstanz.
Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht darüber, welche der dort genannten Schadstoffgruppen in der Grundstoff-Gruppe der Metalle auftreten können:

Schadstoffgruppe1  möglich in
1. Asbest  
2. Polychlorierte Biphenyle (PCB)  
3. Holzschutzmittel / Biozide:
Pentachlorphenol (PCP), Lindan, DDT
 
4. Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)  
5. Alte Künstliche Mineralfasern (KMF)  
6. Blei

Anorganische Bleiverbindungen
in Korrosionsschutz-Beschichtungen (Bleimennige) und unterschiedlichen Farbbeschichtungen
in Kunstoffen und Produkten aus PVC

Bleirohre als
Wasserleitungen, Elektroleerrohre

Bleiblech als
Dach- oder Fassadenbekleidung
Anschlusstreifen in Dach und Fassade
Strahlenschutz in Wänden und Bauplatten

7. Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW)  

8. Flammschutzmittel (zurückgestellt)

 -

9. Weichmacher: DEHP

 
10. Formaldehyd  

11. Schimmelpilze

 

12. Radon aus Baustoffen (zurückgestellt)

 -

13. Taubenkot (zurückgestellt)

 -

14. Feinstaub (zurückgestellt)

 -
1 Die Schadstofftgruppen 8 Flammschutzmittel, 12 Radon, 13 Taubenkot, 14 Feinstaub sind derzeit zurückgestellt.
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