Polyacrylate

Produktgruppeninformation

Begriffsdefinition

Unter dem Oberbegriff Acrylharze oder Polyacrylharze werden wärmehärtbare, synthetische Harze zusammengefasst, die durch Polymerisation von Acrylsäureestern oder Methacrylsäureestern entstehen. Auch Copolymere mit Styrol oder Vinylestern gehören zu dieser Gruppe. Die Harze selbst sind viskose unvernetzte Polymere, die als Rohstoffe z.B. für Farben, Lacke und Kleber dienen. In den folgenden Informationen wird die Gruppe der Acrylate am Beispiel Polymethylmethacrylat (PMMA) behandelt. PMMA wurde 1929 unter dem Handelsnamen Plexiglas auf den Markt gebracht und wird zur Herstellung von Verglasungen  und für transparente Teile verwendet.

Wesentliche Bestandteile

Die chemische Struktur von PMMA ist relativ komplex. Die untenstehende Strukturformel zeigt einen der Abschnitte des Polymers (das Monomer), welche sich zum Polymer aneinanderreihen.

Charakteristik

Polymethylmethacrylat (PMMA) ist ein glasklarer, thermoplastischer Kunststoff von guter Beständigkeit.

Besonders wichtige Eigenschaft hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

PMMA gilt als sehr beständig. Spezifische Umwelt- oder Gesundheitsgefahren sind nicht bekannt.

Anwendungsbereiche (Besonderheiten)

Kunststoff-Art

Hauptanwendungsbereiche

PMMA

Verglasungen, Oberlichter, Installationen, transparente Leitungen

Acrylatharze 

Bindemittel von Dünnbettmörteln, kunstharzvergütetem Beton, Beschichtungen, Lacken, Klebstoffen

Produktionsmengen und Verbrauchszahlen

 Produktionsmengen 2010 [Mio t]

 Deutschland

 Europa

Welt

Kunststoff insgesamt

20,7

57

265

 

Verbrauchszahlen 2010 [Mio t]

Deutschland

Europa

Welt

Kunststoff insgesamt

13,3 (2009)

46,4

k.D.v

Bausektor

2,6 (2009)

9,6

k.D.v

PMMA

0,08 (2009)

0,46 (2003/04)

k.D.v

Polyacrylate

k.D.v.

k.D.v.

k.D.v

Polyacrylate im Bausektor

k.D.v.

k.D.v.

k.D.v

k.D.v.: keine Daten verfügbar

Polyacrylate sind rein mengenmäßig von untergeordneter Bedeutung.

Einteilungssystematik

Der Überbegriff der Polyacrylate umfasst zahlreiche Verbindungen mit unterschiedlichen Eigenschaften. Die Tabelle gibt eine Übersicht über die verschiedenen Acrylpolymere. Im Baubereich von Bedeutung sind PMMA und Acrylatharze.

Polyacrylat

Wichtigste Eigenschaft

Polymethylmetacrylat PMMA

Transparenter harter Kunststoff

Acrylatharze

Gute Haftung auf organischen und mineralischen Oberflächen

Polyacrylsäure

Superabsorber für Flüssigkeiten

Polyacrylamid

Gelbildner, Flockungsmittel

Polyacrylnitril

Organische Faser

Quellen

J. Falbe, M. Regitz (Hrsg.), Römpp Chemielexikon, 9. Auflage, Georg Thieme Verlag, New York, 1992

Produktionszahlen und Verbrauchszahlen:

Consultic, Kunststoffe in Deutschland, Kurzfassung, PlasticsEurope, Brussels, 2010, plasticseurope

PlasticsEurope, Plastics – the Facts 2011, Brussels, 2011, plasticseurope

Fachinformationszentrum Chemie GmbH, Chemgapedia – Acrylpolymere, Online-Quelle abgerufen am 6.8.2012

Polyacrylate
Polyacrylate

Planungs- und Ausschreibungshilfen

Grundsätzliches

WECOBIS informiert produktneutral. An dieser Stelle soll der Nutzer jedoch eine Hilfestellung dazu erhalten, ob sich Produkte innerhalb einer Produktgruppe gegenüber anderen hinsichtlich ihrer Umwelt- und Gesundheitsrelevanz auszeichnen.
Damit wird keine Aussage über die technischen Einsatzmöglichkeiten der jeweiligen Produkte getroffen.

Derzeit finden sich neben produktgruppenspezifischen Informationen Hinweise und wichtige Links zum Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB), zu UBA-Ausschreibungsempfehlungen, Umweltdeklarationen und REACH.
Der Bereich Planungs- und Ausschreibungshilfen soll kontinuierlich weiterentwickelt und auf die Bedürfnisse der Planer abgestimmt werden. Für 2013 ist ein weiteres Entwicklungsprojekt für diesen Bereich vorgesehen.

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) / Kriterium 1.1.6

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes ganzheitliches quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, nach dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. (detaillierte Informationen siehe www.nachhaltigesbauen.de).

Das BNB-Kriterium 1.1.6 befasst sich dabei mit den Risiken für die lokale Umwelt.

Das Kriterium 1.1.6 des BNB befasst sich mit Risiken von Produkten. Produkte, die Acrylharze enthalten, können unter die Stoffgruppen fallen, die zu betrachten sind.

Hinweis:
Eine abschließende Beurteilung im Rahmen des Bewertungssystems und des genannten Kriteriums erfolgt jedoch grundsätzlich in Abhängigkeit weiterer baulicher Gegebenheiten (z.B. eingebaute Menge).

Die Einordnung der Qualitätsstufen bezieht sich auf Steckbrief 1.1.6, Version 2011.

UBA-Ausschreibungsempfehlungen

Auf den Internet-Seiten des Umweltbundesamtes (UBA) findet sich der „Informationsdienst für umweltfreundliche Beschaffung“, u.a. mit Informationen und Ausschreibungsempfehlungen zu einzelnen Bauproduktgruppen.

Zeichen / Labels zur Umwelt- und Gesundheitsrelevanz (z.B. Blauer Engel, Giscode)

Unter dem Reiter Zeichen & Deklarationen finden sich eine Übersichtstabelle, weiterführende Informationen und Links zu Zeichen und Labels, die diese Produktgruppe betreffen können. Auch damit lassen sich Unterschiede von Produkten innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer Umwelt- und Gesundheitsrelevanz feststellen.

Materialökologische Vorgaben

In einigen Städten oder Regionen gibt es materialökologische Vorgaben, die bei Projekten der öffentlichen Hand in Planung und Ausschreibung berücksichtigt werden müssen. Künftig sollen an dieser Stelle Hinweise auf solche mögliche Vorgaben oder Kriterien innerhalb der jeweiligen Produktgruppe erfolgen. Eine diesbezügliche Ergänzung ist für das 1. Halbjahr 2014 geplant.

TIPP: Die Plattform baubook (www.baubook.info/oea) bietet eine Sammlung von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden (u.a „ÖkoKauf Wien“, Vorarlberger Servicepakt „Nachhaltig: Bauen in der Gemeinde“). In vielen Fällen können die Nachweise über den Blauen Engel, das Österreichische Umweltzeichen, das natureplus Qualitätszeichen (s. auch Reiter Zeichen & Deklarationen) oder das Sicherheitsdatenblatt erfolgen. Der Besuch der Website ist daher auch für Nutzer in Deutschland sehr interessant und die Verwendung der Kriterien auch in Deutschland möglich

Polyacrylate

Umweltdeklarationen

Zeichen und Labels zur Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

PolyacrylateStand 08/2012Internet-Adresse
     
Umweltzeichen (Blauer Engel) - http://www.blauer-engel.de/
EU-Umweltzeichen (Blume) - http://www.eco-label.com/
Österreichisches Umweltzeichen - http://www.umweltzeichen.at/
GISBAU Produkt-Code - http://www.wingis-online.de/wingisonline/

Gütezeichen RAL-GZ

- http://www.ral.de/
natureplus-Qualitätszeichen - http://www.natureplus.org/
Zeichen / Labels aus Programmen für spezielle Produktgruppen:
FSC-Siegel - http://www.fsc-deutschland.de/
Emicode - http://www.emicode.com/
GUT-Signet - http://www.gut-ev.org/
+
Zeichen / Label für diese Produktgruppe vorhanden
-
Zeichen / Label für diese Produktgruppe nicht vorhanden
./.
Zeichen / Label für diese Produktgruppe nicht relevant
x
Produkte aus dieser Produktgruppe können die Kriterien des Zeichens/Labels definitionsgemäß nicht erfüllen

Die VERBRAUCHER INITIATIVE e.V. betreibt ein Internet-Portal mit umfangreicher Label-Datenbank (www.label-online.de). Die Label werden dort beschrieben und anhand von Kriterien hinsichtlich Nachhaltigkeit (umweltgerecht, sozial verträglich, gesundheitlich unbedenklich) bewertet.

Umweltproduktdeklarationen

Für Produkte mit Umweltproduktdeklaration (Environmental Product Declaration, EPD) liegen umfassende Informationen zu wichtigen Umweltwirkungen wie z. B. Ressourcenverbrauch, globaler Treibhauseffekt, Ozonabbau oder Versauerung von Böden und Gewässern vor (genaue Erläuterungen siehe Lexikon und Textteil „Umweltproduktdeklarationen“). Diese bilden die Datengrundlage für die ökologische Gebäudebewertung.

PolyacrylateStand
08/2012
Download
     
PCR-Dokument* + plasticseurope „Eco-profiles“
Branchen-EPD* + plasticseurope „Eco-profiles“
+
für diese Produktgruppe vorhanden
-
für diese Produktgruppe nicht vorhanden

* WECOBIS informiert produktneutral. Aus diesem Grund wird an dieser Stelle sofern vorhanden nur auf PCR-Dokumente (Produktgruppenregeln) und Branchen-EPDs verwiesen. Dies schließt nicht aus, dass für einzelne Produkte EPDs vorliegen können. Weitere Informationen und Downloads finden sich z.B. auf den Seiten des
IBU Institut Bauen und Umwelt e.V.. → auch Lexikon Umweltproduktdeklaration

Ökobau.dat / Umweltindikatoren

Ökobau.dat ist ein Baustein des Informationsportals Nachhaltiges Bauen in der Rubrik Baustoff- und Gebäudedaten und enthält Datensätze mit Umweltindikatoren von Bauprodukten. Die in der Ökobau.dat beschriebenen Umweltindikatoren bilden die Grundlage der im Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) vorgeschriebenen Berechnung von Ökobilanzen auf Gebäudeebene.

Der hierfür betrachtete Lebenszyklus eines Bauproduktes gliedert sich in die Herstellung und die Nachnutzungsphase. Die Bewertung basiert auf Indikatoren der

  • Sachbilanz / Input (PEIr, PEInr, Sekundärbrennstoffe, Wassernutzung)
  • Sachbilanz / Output (Abraum, Hausmüll/Gewerbeabfälle, Sonderabfälle)
  • Wirkbilanz (ADP, EP, ODP, POCP, GWP, AP)

Download des gesamten Datensatzes unter →  Ökobau.dat
Diese umfangreiche Sammlung verifizierter Daten steht unter http://www.nachhaltigesbauen.de/oekobaudat/ zur Ansicht zur Verfügung.
Zu den Kunststoffen als Grundstoffe stehen auf Ökobau.dat keine Datensätze zur Verfügung.

Polyacrylate
Polyacrylate

Technisches

Technische Daten

Technische Daten für Polymethylacrylat (PMMA). Bei den angegebenen Daten handelt es sich um typische Werte, bezogen auf die angegebenen Kunststoffe in Reinform. Die technischen Daten für spezielle Produkte können von den angegebenen Werten abweichen.

Gebrauchstemperaturgrenzen Langzeit [°C]

50-73

Beständigkeit

Beständig gegen Feuchtigkeit, Basen und Säuren, sehr beständig gegen Salzlösungen. Nicht beständig gegenüber Oxidationsmitteln und organischen Lösemitteln.

Technische Regeln (DIN, EN)

DIN EN ISO 8257-1:

Kunststoffe - Polymethylmethacrylat (PMMA)-Formmassen - Teil 1: Bezeichnungssystem und Basis für Spezifikationen

DIN EN ISO 8257-1:

Berichtigungen zu DIN EN ISO 8257-1:2006-06

DIN EN ISO 8257-2:

Kunststoffe - Polymethylmethacrylat (PMMA)-Formmassen - Teil 2: Herstellung von Probekörpern und Bestimmung von Eigenschaften

DIN EN ISO 7823-1:

Kunststoffe - Tafeln aus Polymethylmethacrylat - Typen, Maße und Eigenschaften - Teil 1: Gegossene Tafeln

DIN EN ISO 7823-2:

Kunststoffe - Tafeln aus Polymethylmethacrylat - Typen, Maße und Eigenschaften - Teil 2: Extrudierte Tafeln

DIN EN ISO 7823-3:

Kunststoffe - Tafeln aus Polymethylmethacrylat - Typen, Maße und Eigenschaften - Teil 3: Endlosprodukte

Bauregelliste

Das Deutsche Institut für Bautechnik stellt in den Bauregellisten A, B und C die technischen Regeln für Bauprodukte und Bauarten sowie bauaufsichtlich geregelte und nicht geregelte Bauprodukte und Bauarten auf.
Nach Zustimmung der obersten Bauaufsichtsbehörden der Länder wird die Bauregelliste bekannt gegeben. Erwerb und weiterführende Informationen zu Bauregelliste und ihren Regelungsbereichen siehe unter → www.dibt.de
Eine Darstellung und Erläuterungen zur Klassifizierung von Bauprodukten siehe im Lexikon → Klassifizierung von Bauprodukten

Quellen

Physikalische Eigenschaften: Produzentenangaben diverser Hersteller

Polyacrylate

Literaturtipps

Bremer Umwelt Institut e.V., Umweltstiftung WWF (Hrsg.); Kunststoffe. Umwelt- und Gesundheitsgefahren; 1995; Bremer Umweltinstitut e.V.; Bremen

Creemers 96; Thermoplastische Elastomere, eine Übersicht in Kunststoffe 86 (12); 1996

G. Beer; Kunststoffe 86 (10); 1996;

J.Brandrup (Hrsg.); Die Wiederverwertung von Kunststoffen; 1995; Hanser Verlag; München

P. Kindermann; Bauen mit Kunststoffen und neuen Baustoffen, Band 1; 1995;

U. Berghaus; Kunststoffe 97 (5); 1997;

FfE Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V. München; Ganzheitliche Bilanzierung von Grundstoffen und Halbzeugen, Teil IV Kunststoffe, Juli 1999.

Consultic, Kunststoffe in Deutschland, Kurzfassung, PlasticsEurope, Brussels, 2010, plasticseurope

PlasticsEurope, Plastics – the Facts 2011, Brussels, 2011, plasticseurope

Polyacrylate

Rohstoffe / Ausgangsstoffe

Hauptbestandteile

Polyacrylate 2.1.1 neu

Elementare Zusammensetzung PMMA

Die untenstehende Tabelle zeigt die Zusammensetzung nach Elementen von Polymethylmethacrylat (PMMA) ohne Hilfsstoffe und Modifikatoren.

 

 Wasserstoff, H
Gehalt in Gew.-% 

 Kohlenstoff, C
Gehalt in Gew.-% 

 Sauerstoff, O
Gehalt in Gew.-% 

Gehalt in %

9

59

32

Polymethylmethacrylat wird ausschließlich aus fossilen Rohstoffen hergestellt. Die geringe Menge mineralische Rohstoffe, die für die Herstellung verbraucht werden, stammen aus vorgelagerten Prozessen. Im Vergleich dazu sieht man, dass für die Herstellung des Polyesters Polycarbonat wesentlich mehr mineralische Rohstoffe verbraucht werden. Dieser Verbrauch stammt größtenteils aus der Energiebereitstellung für die Natronlaugenproduktion. Der Verbrauch an fossilen Rohstoffen ist vergleichbar hoch. Die Herstellung von PMMA benötigt jedoch deutlich mehr Kühlwasser. Beide Kunststoffe gehören zu den rohstoffintensiven Stoffen.

 Rohstoffbedarf pro kg Kunststoff

Polymethylmethacrylat (PMMA), 
Granulat

 Polycarbonat (PC)

nachwachsende Rohstoffe [kg]

-

-

fossile Rohstoffe [kg]

2,7

2,4

mineralische Rohstoffe [kg]

0,08

5,0

Wasserverbrauch ohne Kühlwasser [l]

Wasserverbrauch mit Kühlwasser [l]

7,7

76,1

13,0

22,3

Die Daten stammen aus den Ökoprofilen von PlasticsEurope (siehe Quellen). Die Zahlenwerte beziehen sich auf den Bedarf für die Herstellung von 1 kg des angegebenen Materials inklusive aller Additive und Modifikatoren. Nicht enthalten sind die Verarbeitungssschritte vom Granulat zum fertigen Produkt sowie allfällige Additive und Modifikatoren, die erst bei der Endverarbeitung zugesetzt werden.

Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Polyacrylate Rohstoffherkunft

Rohstoffherkunft PMMA

Gewinnung der Primärrohstoffe

Alle Polyacrylate, auch Polymethylmethacrylat (PMMA) werden fast ausschließlich aus fossilen Rohstoffen hergestellt. Die ökologischen Folgen der Gewinnung der fossilen Rohstoffe sind im zugehörigen Lexikonbegriff beschrieben. Zur Herstellung der äußerst giftigen Blausäure wird Ammoniak verwendet (zur Herstellung von Ammoniak -> Formaldehydharze).

Verfügbarkeit

Mit der allmählichen Erschöpfung der Erdölvorräte vermindert sich auch das Potential zur Gewinnung von Polyacrylaten und anderen Kunststoffen in wenigen Jahrzehnten. Allerdings könnten die Rohstoffe zur Herstellung von Polyacrylaten auch aus Kohle hergestellt werden, was jedoch mit einem größeren Energieaufwand verbunden wäre.

Verwendung von Recyclingmaterialien / Produktionsabfällen

Produktionsabfälle aus der PMMA-Produktion können wieder in der Produktion eingesetzt werden.

Radioaktivität

Polyacrylate sind nicht radioaktiv.

Landinanspruchnahme (Landuse)

Die Erdölgewinnung und Verarbeitung beansprucht verhältnismäßig kleine Flächen. Allerdings können Tankerunfälle zu großräumigen Verschmutzungen führen.

Quellen

PlasticsEurope: Eco-profiles of the European Plastics Industry, Polymethyl methacrylate (PMMA), Brüssel, 2005

PlasticsEurope: Eco-profiles and Environmental Product Declarations of the European Plastics Manufacturers, Polycarbonate (PC), Brussels, 2011

Polyacrylate

Herstellung

Prozesskette

Prozesskette Polyacrylate

Herstellungsprozess

Zur Herstellung von monomerem Methylmethacrylat wird das Zwischenprodukt Aceton mit Blausäure (HCN) zu Acetoncyanhydrin umgesetzt. Dies ist ein kritischer Prozess, der in chemischen Großbetrieben stattfindet. Durch Polymerisation von Methylmethacrylat (MMA) entsteht Polymethylmethacrylat (PMMA). Das PMMA-Granulat wird an die verarbeitende Industrie geliefert, welche dieses zur Herstellung von Fertigprodukten (z. B. Oberlichter) verwendet.

Umweltindikatoren / Herstellung

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren in WECOBIS soll zukünftig ausschließlich die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB liefern.

Die Ökobau.dat stellt Umweltprofile für Bauprodukte bereit, die als erforderliche Datengrundlage für die Lebenszyklusanalyse eingesetzt werden. Für Bauprodukte gibt es Herstellungs- und End-of-Live- Datensätze.

Weiterführende Informationen zur Ökobau.dat im Zusammenhang mit dieser Produktgruppe finden sich in WECOBIS unter Fachinformationen / Reiter Umweltdeklarationen 
Ökobau.dat / Umweltindikatoren

Da in der Herstellung von Bauprodukten ein großer Anteil der verursachten Umweltbelastungen auf den Verbrauch von nicht erneuerbaren Energieträgern zurückzuführen ist, stellt die Graue Energie (kumulierter Primärenergieaufwand nicht erneuerbar) dafür einen guten Indikator dar.

Im Kapitel Energieaufwand finden sich ggf. allgemeine Informationen zum Thema, die die Produktgruppe prägen.

Graue Energie

Die Produktion von PMMA ist energieintensiv. Nachfolgende Tabelle gibt den Verbrauch an nicht-erneuerbarer Energie für die Produktion von 1kg Kunststoff inklusive Rohstoffabbau und Transporte wieder. Die Daten stammen aus den Ökoprofilen von PlasticsEurope (siehe Quellen). Auch PC ist energieintensiv in der Produktion.

Graue Energie pro kg Kunststoff

Polymethylmethacrylat (PMMA)

Polycarbonat (PC)

Nicht-erneuerbarer Energieaufwand

[MJ/kg]

115,5

99,9 – 107,9

Charakteristische Emissionen

Die Emissionen der Herstellung werden gemäß den Ökoprofilen von PlasticsEurope ausgewiesen (siehe Quellen).

Ausgewählte Emissionen pro kg Kunststoff

Polymethylmethacrylat (PMMA)

Polycarbonat (PC)

Treibhausgase

GWP [kg CO2-eq / kg]

7,0

4,13

Luftemissionen

Schwefeldioxid [g SO2 / kg]

28,9

4,1

 

Stickoxide NOx [g NO2-eq / kg]

12,3

5,0

 

Salzsäure [g HCl / kg]

0,2

0.018

Abwasseremissionen

Salze, gesamt [g / kg]

55,2

264,2

 

Kohlenwasserstoffe [g TOC / kg]

0,02

0,05

PC verursacht erheblich höhere Salzfrachten im Abwasser als PMMA.

Maßnahmen Gesundheitsschutz

Bei der Herstellung der Vorprodukte ist u.a. Blausäure (HCN) als Gefahrstoff mit erheblichem Risikopotential beteiligt. Blausäure ist als sehr giftig und hochentzündlich eingestuft. Auch in den verarbeitenden Betrieben entstehen Emissionen. Methylmethacrylat ist als Gefahrstoff eingestuft, es besteht die Gefahr der Sensibilisierung. In den verarbeitenden Betrieben sind umfangreiche Arbeitsschutzmaßnahmen notwendig.

Blausäure rein: Reine Blausäure ist als Flüssigkeit und als Dampf extrem entzündbar (H224), es besteht Lebensgefahr beim Einatmen (H330), sie ist sehr giftig für Wasserorganismen (H400) auch mit langfristiger Wirkung (H410).

Blausäure gelöst: Gelöste Blausäure kann tödlich sein beim Verschlucken, Hautkontakt oder Einatmen (H300, H310, H330), sie ist sehr giftig für Wasserorganismen (H400) auch mit langfristiger Wirkung (H410).

Methylmetacrylat ist als Flüssigkeit und als Dampf leicht entzündbar (H225), es verursacht Hautreizungen (H315) und kann allergische Hautreaktionen verursachen (H317), dazu kann es die Atemwege reizen (H335).

Quellen

PlasticsEurope: Eco-profiles of the European Plastics Industry, Polymethyl methacrylate (PMMA), Brüssel, 2005

PlasticsEurope: Eco-profiles and Environmental Product Declarations of the European Plastics Manufacturers, Polycarbonate (PC), Brussels, 2011

Polyacrylate

Verarbeitung

Arbeitshygienische Risiken

Allgemeines

Risiken bei der Verarbeitung auf der Baustelle entstehen nur bei Acrylharzen als Bindemittel von Bauchemikalien. Diese sind im Vergleich zu den 2K-Reaktionsharzen (Polyurethanharze, Epoxidharze) jedoch verhältnismäßig gering. Weitere Informationen zu Vorsichtsmaßnahmen und Gefährdungen sind ggf. in den zugeordneten Bauproduktgruppen enthalten.

REACH / CLP

Die REACH-Verordnung regelt die Herstellung, das Inverkehrbringen und den Umgang mit Industriechemikalien. Zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen, dient die CLP-Verordnung (Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen), um ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu gewährleisten.

Wird ein Produkt nicht als Stoff oder Gemisch, sondern als Erzeugnis eingestuft, ist kein Sicherheitsdatenblatt (SDB) erforderlich und Gefahrstoffbezeichnungen entfallen. Lediglich besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) müssen ausgewiesen werden.

Kunststoffe werden als Stoffe eingestuft.

Produkt bezogene Informationen gemäß CLP-Verordnung müssen daher  in den Sicherheitsdatenblättern (SDB) der jeweiligen Produkte ausgewiesen sein.

Emissionen

Bei der Verwendung von Acrylharz-haltigen Lacken und Beschichtungen sind produktspezifisch gesundheitlich relevante Emissionen möglich.

Polyacrylate

Nutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiken Neuzustand

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

Der Ausschuss zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten (AgBB) hat ein Bewertungsschema (AgBB-Bewertungsschema) zur gesundheitlichen Bewertung der Emissionen von flüchtigen organischen Verbindungen (VOC und SVOC) aus Bauprodukten entwickelt. Darin sind auch Anforderungen für Produkte formuliert, die Acrylatharze enthalten.

Umwelt- und Gesundheitsrisiken bei bestimmungsgemäßer Nutzung

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

Über eine Schadstoffabgabe aus Platten oder transparenten Bauteilen aus PMMA sowie aus ausgehärtetem Acrylharzbindemitteln sind keine Informationen verfügbar. Wie bei allen Reaktionsharzen, kann es bei unsachgemäßer Anwendung von Acrylharzen zu erheblichen, längerfristig wirkenden Emissionen kommen.

Umwelt- und Gesundheitsrisiken im Schadensfall

Brandfall

PMMA brennt knisternd und gelbleuchtend unter geringer Rauchentwicklung. PMMA tropft nicht ab. Es verbrennt nahezu rückstandsfrei. Besondere Belastungen durch Brandgase aus PMMA sind nicht bekannt. Bei erhöhten Brandschutzanforderungen muss PMMA mit Brandschutzadditiven ausgerüstet werden. Solche Acrylgläser können giftige Brandgase entwickeln.

Weitere Informationen sind ggf. in den zugeordneten Bauproduktgruppen enthalten.

Wassereinwirkung

PMMA ist wasserbeständig, mit Schäden durch Wassereinwirkung ist nicht zu rechnen.

Beständigkeit Nutzungszustand

Polymethylmethacrylat gilt als sehr beständig. Beispielsweise geben Hersteller von transparenten Platten aus PMMA bis zu 10 Jahre Garantie auf die Produkte. PMMA ist beständig gegen Feuchtigkeit, Basen und gegen Säuren, sehr beständig gegen Salzlösungen. Es ist nicht beständig gegenüber Oxidationsmitteln und organischen Lösemitteln. Über die Beständigkeit von Lackfilmen auf Basis von Acrylaten siehe auch unter diversen Dispersionsfarben in der Baustoffgruppe Farben und Lacke.

Unter der Rubrik Baustoff- und Gebäudedaten / Nutzungsdauern von Bauteilen findet sich auf dem Informationsportal Nachhaltiges Bauen eine Datenbank mit Nutzungsdauerangaben von ausgewählten Bauteilen des Hochbaus für den Leitfaden „Nachhaltiges Bauen“.
Datenbank als PDF

Instandhaltung

Für die Reinigung von transparenten PMMA-Scheiben sind mechanische Verfahren nicht geeignet, da die Gefahr des Verkratzens besteht. Hersteller empfehlen die Reinigung großer Flächen mit dem Hochdruckreiniger.

Polyacrylate

Nachnutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiko Rückbau

Bei einem geordneten Rückbau kommt es zu keinen besonderen Umwelt- oder Gesundheitsrisiken.

Wiederverwendung

PMMA kann nach der Nutzung prinzipiell wiederverwendet werden. Allerdings ist eine Wiederverwendung von Formteilen schwierig; es müsste in jedem Einzelfall eine neue Verwendung gefunden werden, die nach den exakt gleichen Abmessungen verlangt.

Stoffliche Verwertung

Eine stoffliche Verwertung von PMMA nach der Nutzungsphase ist technisch möglich. Altmaterial aus PMMA kann nur bei kleinem Fremdanteil und hoher Sortenreinheit stofflich verwertet werden. Beide Voraussetzungen sind beim Rückbau von Gebäuden sehr schwer erfüllbar. Zudem ist PMMA als Baustoff unbedeutend, sodass eine stoffliche Verwertung nicht wirtschaftlich wäre.

Im Automobilsektor existiert ein Beispiel für das Recycling von PMMA-Produkten. Für qualitätsgesicherte Recyclate aus PMMA sind jedoch aufwendige Aufbereitungs- und Compoundierungstechnologien notwendig.

Energetische Verwertung

Produkte aus Polyacrylaten besitzen einen relativ hohen Heizwert und sollten daher in Verbrennungsanlagen mit hohem Energienutzungsgrad energetisch verwertet werden. Spezielle Emissionen oder Rückstände sind, abgesehen von den Flammschutzmitteln, nicht zu erwarten.

Der Heizwert von PMMA beträgt gemäß Ökoprofil von PlasticsEurope rund 43 MJ / kg PMMA.

Beseitigung / Verhalten auf der Deponie

Gemäß TA-Siedlungsabfall 2005 dürfen Abfälle aus Polyacrylaten nicht abgelagert werden. Abfälle, die Polyacrylharze als Beschichtung oder Bindemittel enthalten und nicht verwertet werden können, dürfen nur auf Deponien abgelagert werden, wenn sie Grenzwerte für den organischen Anteil einhalten. Gemäß Anhang B der TA-Siedlungsabfall sind 3 Masse-% organisches Material erlaubt für Deponien der Deponieklasse I und 5 Masse-% für Deponien der Deponieklasse II. Über das Langzeitverhalten von Polyacrylaten in Deponien sind keine Informationen verfügbar.

EAK-Abfallschlüssel

17 02 03 Kunststoffe (Bau- und Abbruchabfälle)

Weitere mögliche EAK-Abfallschlüssel aufgrund der verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten sind ggf. in den zugeordneten Bauproduktgruppen enthalten.

Quellen

PlasticsEurope: Eco-profiles of the European Plastics Industry, Polymethyl methacrylate (PMMA), Brüssel, 2005