Mineralische Bindemittel im Bestand

Produktgruppeninformation

Mineralische Bindemittel kommen in einer Vielzahl mineralischer Baustoffe zum Einsatz, z. B. in Bauplatten, Massivbaustoffen wie Beton, Porenbeton und Kalksandstein, Estrichen, Mauer- und Putzmörteln sowie in mineralischen Dämmstoffen und Bodenbelägen (siehe → Datenblatt 433 Mineralische Baustoffe). Wurden zur Herstellung der mineralischen Bindemittel Sekundärrohstoffe, z. B. Abfall- oder Nebenprodukte aus chemischen oder industriellen Fertigungsprozessen, eingesetzt, können diese z. B. mit Schwermetallen oder radioaktiv verunreinigt sein.

Bei der Weiterverarbeitung zu mineralischen Baustoffen können ebenfalls kritische Bestandteile zugesetzt worden sein. So wurde z.B. in Zementplatten, Putzmörteln oder Magnesiaestrich Asbest zur Armierung eingesetzt [Bossemeyer]. Details siehe Bestands-Datenblätter der Produktgruppen → Bauplatten, → Dämmstoffe, → Estriche und Mörtel, → Massivbaustoffe und → Oberflächenbehandlungen.

Radioaktivität von mineralischen Bindemitteln

Rückstände aus industriellen Verarbeitungsprozessen können mit natürlichen radioaktiven Stoffen angereichert sein. Werden sie als Sekundärrohstoffe in mineralischen Bindemitteln eingesetzt, kann dies zu einer relevanten Erhöhung der Radonkonzentrationen in Wohnungen und Wohngebäuden und damit zu einer Überschreitung der empfohlenen europäischen Richtwerte führen [Stache]. Weitere Informationen siehe → Radioaktivität

Mineralische Bindemittel

Folgende Tabelle gibt eine Übersicht darüber, welche Schadstoffgruppen möglicherweise in der Gruppe der Mineralischen Bindemittel auftreten können.

Schadstoffgruppe

Mineralische Bindemittel

Asbest

Gips1, Magnesia1, Zement1

Alte künstliche Mineralfasern (KMF)

Gips1, Magnesia1

Blei

Gips2, Zement2

Radon aus Baustoffen

Gips2, Zement2 

1 als Armierungsfaser in mineralischen Baustoffen, die mithilfe des mineralischen Bindemittels hergestellt werden
2  Rückstände aus Sekundärrohstoffen, die zur Herstellung des Bindemittels verwendet werden

Gips

Von Naturgips sind keine Belastungen durch die o. g. Schadstoffe bekannt.

Phosphorgips entsteht als Nebenprodukt der Phosphorsäureerzeugung im Nassverfahren durch Reaktion von Phosphaterzen mit Schwefelsäure. Phosphaterze können erhöhte Urankonzentrationen aufweisen und damit zu einer erhöhten Radioaktivität des Phosphorgipses führen [Zwiener/Mötzl] [dgaw.de]. Aktuell wird Phosphorgips von der Gipsindustrie aus technischen und wirtschaftlichen Gründen nicht genutzt [gips.de]. Für den Bestand ist im Einzelfall abzuklären, ob Phosphorgips eingesetzt wurde und ob davon eine erhöhte Radioaktivität ausgeht. Details siehe → Radioaktivität.

In Gipsspachtelmassen, die zur Stoßüberdeckung und zur flächigen Glättung bei Gipsplatten verwendet wurden, kann Asbest enthalten sein. Künstliche Mineralfasern können Bestandteil von Gipsplatten sein [Bossemeyer]. Details siehe → Putzmörtel und → Datenblatt 434 Putze sowie → Bauplatten aus Gips und → Datenblatt 402 Bauplatten.

Magnesia

Von Magnesia sind keine Belastungen durch die o.g. Schadstoffe bekannt [Zwiener/Mötzl].

Leichtbauplatten mit dem Handelsnamen Sokalit enthalten neben Magnesiumoxid als Bindemittel künstliche Mineralfasern und Asbest [Zwiener/Mötzl]. Details siehe → Bauplatten aus Gips und → Datenblatt 402 Bauplatten

Magnesiaestriche wurden mit wechselnden Anteilen von Asbest und Holzfasern hergestellt und insbesondere in Industriegebäuden und Lagerhäusern eingesetzt [Berg]. Details siehe → Estriche und → Datenblatt 414 Estriche.

Sonderanwendung von Magnesit (Ausgangsmaterial zur Herstellung von Magnesia): In Nachtspeicheröfen eingesetzte Speichersteine aus Magnesit enthalten Chrom(III)-oxid, das durch den Betrieb des Ofens sukzessive in Chrom(VI)-oxid umgewandelt wird. Gesundheitliche Belastungen können durch Chrom(VI)-oxid (siehe → Chrom) im Zusammenhang mit Feuchte und bei direktem Hautkontakt entstehen. Abhängig vom Herstellungszeitraum können Nachtspeicheröfen zudem schwachgebundenes Asbest in Form von Dicht-, Dämm- oder Isoliermaterial und im Bereich der Regler PCB enthalten. Der unsachgemäße Ausbau ist daher unbedingt zu vermeiden [abfallratgeber.bayern.de]. Details siehe auch → Datenblatt 413 Elektrospeicher-Heizgeräte.

Zement

Flugasche und Hüttensand werden als Zusatzstoffe in Zement eingesetzt. Flugasche entsteht bei der Verbrennung von Kohle und wird über Abscheider aus den Rauchgasen von Feuerungsanlagen, z.B. von Kohlekraftwerken gefiltert. Kohle enthält je nach Herkunft unterschiedlich hohe Anteile natürlicher radioaktiver Bestandteile, die aufgrund des Verbrennungsprozesses in konzentrierter Form in der Flugasche vorliegen. [Zwiener/Mötzl] [bund-nrw.de] Hüttensand ist granulierte Hochofenschlacke, ein Nebenprodukt der Roheisenherstellung. Aus Flugasche und Hüttensand können Schwermetalle im Zement eingebunden sein (siehe auch → Schwermetalle und → Datenblatt 515 Schwermetalle).

Unter die Bezeichnung Asbestzement fällt eine Vielzahl asbesthaltiger, zementgebundener Bauprodukte wie z.B. Bauplatten, Fassadenplatten oder Dacheindeckungen. In der Regel zählen diese zu den festgebundenen Asbestprodukten, von denen im Gegensatz zu schwachgebundenen keine unmittelbare Gefahr ausgeht, sofern sie unbeschädigt sind. Zu den schwachgebundenen Asbestprodukten zählen z.B. Spritzputze oder andere zementhaltige Putze. Details siehe die jeweiligen Bauproduktgruppen bzw. → Asbest, → Datenblatt 501 Asbest

Mineralische Bindemittel im Bestand
Mineralische Bindemittel im Bestand
Mineralische Bindemittel im Bestand
Mineralische Bindemittel im Bestand
Mineralische Bindemittel im Bestand
Mineralische Bindemittel im Bestand

Literaturtipps

Hans-Dieter Bossemeyer in: Schadstoffe in Innenräumen und an Gebäuden, Gesamtverband Schadstoffsanierung (Hrsg.), Köln, Müller, 2010

Andreas Stache in: Schadstoffe in Innenräumen und an Gebäuden, Gesamtverband Schadstoffsanierung (Hrsg.), Köln, Müller, 2010

Gerd Zwiener/Hildegund Mötzl, Ökologisches Baustofflexikon, C. F. Müller Verlag, Heidelberg, 2006
Deutsche Gesellschaft für Abfallwirtschaft e.V., Rohstoffe aus Abfällen – Rückgewinnung von Gips aus Gipsabfällen und synthetischen Gipsen, abgerufen unter dgaw Arbeitspapier Rückgewinnung von Gips (Online-Quelle), abgerufen am 03.12.2014
Gips-Datenbuch, Bundesverband der Gipsindustrie e.V., abgerufen unter gips Gipsdatenbuch 2013 (Online-Quelle), abgerufen am 03.12.2014
Alexander Berg, Gesamtverband Schadstoffsanierung (Hrsg.), Schadstoffe in Innenräumen und an Gebäuden, Köln, Müller, 2010
abfallratgeber.bayern Elektrospeichheiz (Online-Quelle), abgerufen am 03.12.2014
bund-nrw Radioaktivitaet aus Kohlekraftwerken (Online-Quelle), abgerufen am 03.12.2014
Mineralische Bindemittel im Bestand
Mineralische Bindemittel im Bestand
Mineralische Bindemittel im Bestand
Mineralische Bindemittel im Bestand
Mineralische Bindemittel im Bestand