Gips

Produktgruppeninformation

Begriffsdefinition

Als Gips werden umgangssprachlich sowohl das in der Natur vorkommende Gips (CaSO4 ∙ H2O)- und Anhydritgestein (CaSO4), das gleichwertige Produkt aus Rauchgas-Entschwefelungs-Anlagen (REA-Gips) oder aus industriellen Prozessen (Chemie-Gips), sowie das beim Brennen dieser Ausgangsstoffe entstehende Erzeugnis (Branntgips, Anhydritbinder, Gipsbinder) bezeichnet.

Als Ausgangsstoffe für Gipsbinder sind in Deutschland der Naturgips und der REA-Gips von Bedeutung. Gipse aus chemischen Prozessen (Phosphorsäureherstellung) fallen wegen der fehlenden Industrie nicht an, evtl. Recycling von Abbruchmaterialien ist wegen der geringen Mengen (noch) nicht von Bedeutung. Ca. 300.000 t/a Gipsabfälle stehen derzeit zur Verfügung und werden überwiegend bergbaulich verwertet (siehe Literatur).

Wesentliche Bestandteile

abhängig vom Anwendungsfall unterschiedlichen Bestandteilen aus:

  • α- Halbhydrat
  • β-Halbhydrat
  • β-Anhydrit III
  • Anhydrit II
  • Anhydrit I

Charakteristik

Gips ist ein wasserlösliches, weißes Pulver.

Besonders wichtige Eigenschaft hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Untersuchungen von Gipsprodukten zur Emission von flüchtigen organischen Verbindungen zeigten keine gesundheitlichen Gefährdungen in Wohninnenräumen, welche auf Gips zurückzuführen waren.2

Lieferzustand

  • weißes Pulver
  • In Säcken zur Verarbeitung auf der Baustelle
  • in Form von Platten

Anwendungsbereiche (Besonderheiten)

  • Gipsplatten (früher: Gipskartonplatten)
  • Gipsfaserplatten
  • Gips-Wandbauplatten 
  • Fließestriche
  • Baugipse ohne werkseitig beigegebene Zusätzen (Putzgips, Stuckgips)
  • Baugipse mit werkseitig beigegebene Zusätzen (Gipsmaschinenputz, Gipshandputz, Spachtelgips, Ansetzgips, Gipskleber)
  • Erstarrungsregler für Zement

Quellen

1Neroth G., Vollenschaar D.; Wendehorst Baustoffkunde,;Vieweg + Teubner Verlag, 27. Auflage, 2012

2Scherer, C. R. et al, Emissionseigenschaften von Gipsprodukten des Wohninnenraums, Tagung Bauchemie 2010, Tagungsbericht GDCh-Monographie Bd. 42, S. 252-259

Gips
Gips

Planungs- und Ausschreibungshilfen

Grundsätzliches

Sie befinden sich in einer WECOBIS-Grundstoffgruppe. Für eine ganzheitliche Betrachtung sind zusätzlich die jeweiligen Bauproduktgruppen zu betrachten.

WECOBIS informiert produktneutral. An dieser Stelle soll der Nutzer jedoch eine Hilfestellung dazu erhalten, ob sich Produkte innerhalb einer Produktgruppe gegenüber anderen hinsichtlich ihrer Umwelt- und Gesundheitsrelevanz auszeichnen.
Damit wird keine Aussage über die technischen Einsatzmöglichkeiten der jeweiligen Produkte getroffen.

Derzeit finden sich neben produktgruppenspezifischen Informationen Hinweise und wichtige Links zum Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB), zu UBA-Ausschreibungsempfehlungen, Umweltdeklarationen und REACH.
Der Bereich Planungs- und Ausschreibungshilfen soll kontinuierlich weiterentwickelt und auf die Bedürfnisse der Planer abgestimmt werden. Für 2013 ist ein weiteres Entwicklungsprojekt für diesen Bereich vorgesehen.

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) / Kriterium 1.1.6

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes ganzheitliches quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, nach dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. (detaillierte Informationen siehe www.nachhaltigesbauen.de).

Das BNB-Kriterium 1.1.6 befasst sich dabei mit den Risiken für die lokale Umwelt. An dieser Stelle erfolgt künftig eine Einordnung der jeweiligen Produktgruppe hinsichtlich Relevanz für BNB-Kriterium 1.1.6.

UBA-Ausschreibungsempfehlungen

Auf den Internet-Seiten des Umweltbundesamtes (UBA) findet sich der „Informationsdienst für umweltfreundliche Beschaffung“, u.a. mit Informationen und Ausschreibungsempfehlungen zu einzelnen Bauproduktgruppen.

Für Gipse finden sich dort derzeit (Stand 07/ 2013) noch keine Informationen. Es lohnt sich aber, die Seiten zu besuchen, da diese regelmäßig weiterentwickelt werden. Die Ausschreibungsempfehlungen des UBA orientieren sich an den jeweiligen Vorgaben eines zugehörigen Blauen Engels (s. Reiter Zeichen & Deklarationen).

Zeichen / Labels zur Umwelt- und Gesundheitsrelevanz (z.B. Blauer Engel, Giscode)

Unter dem Reiter Zeichen & Deklarationen finden sich eine Übersichtstabelle, weiterführende Informationen und Links zu Zeichen und Labels, die diese Produktgruppe betreffen können. Auch damit lassen sich Unterschiede von Produkten innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer Umwelt- und Gesundheitsrelevanz feststellen.

REACH / CLP

Die REACH-Verordnung regelt die Herstellung, das Inverkehrbringen und den Umgang mit Industriechemikalien. Zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen, dient die CLP-Verordnung (Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen), um ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu gewährleisten.

Wird ein Produkt nicht als Stoff oder Gemisch, sondern als Erzeugnis eingestuft, ist kein Sicherheitsdatenblatt (SDB) erforderlich und Gefahrstoffbezeichnungen entfallen. Lediglich besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) müssen ausgewiesen werden. Für diese Informationen besteht eine Auskunftspflicht. Sie müssen aber nicht in Form eines Sicherheitsdatenblattes nach den Kriterien des Anhangs II der REACH-Verordnung gegeben werden.

Gipse werden als Gemisch eingestuft.

Produkt bezogene Informationen gemäß CLP-Verordnung müssen daher in den Sicherheitsdatenblättern (SDB) der jeweiligen Produkte ausgewiesen sein.

Informationen und Unterstützung zu den Auskunftsrechten finden sich unter www.reach-info.de.

Gips

Umweltdeklarationen

Zeichen und Labels zur Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

GipsStand 07/ 2013Internet-Adresse
     
Umweltzeichen (Blauer Engel) - http://www.blauer-engel.de/
EU-Umweltzeichen (Blume) http://www.eco-label.com/
Österreichisches Umweltzeichen http://www.umweltzeichen.at/
GISBAU Produkt-Code http://www.wingis-online.de/wingisonline/

Gütezeichen RAL-GZ

http://www.ral.de/
natureplus-Qualitätszeichen http://www.natureplus.org/
Zeichen / Labels aus Programmen für spezielle Produktgruppen:
FSC-Siegel ./.  http://www.fsc-deutschland.de/
Emicode ./.  http://www.emicode.com/
GUT-Signet ./.  http://www.gut-ev.org/
+ Zeichen / Label für diese Produktgruppe vorhanden
- Zeichen / Label für diese Produktgruppe nicht vorhanden
./. Zeichen / Label für diese Produktgruppe nicht relevant
x Produkte aus dieser Produktgruppe können die Kriterien des Zeichens/Labels definitionsgemäß nicht erfüllen

Die VERBRAUCHER INITIATIVE e. V. betreibt ein Internet-Portal mit umfangreicher Label-Datenbank (www.label-online.de). Die Label werden dort beschrieben und anhand von Kriterien hinsichtlich Nachhaltigkeit (umweltgerecht, sozial verträglich, gesundheitlich unbedenklich) bewertet.

Umweltproduktdeklarationen

Für Produkte mit Umweltproduktdeklaration (Environmental Product Declaration, EPD) liegen umfassende Informationen zu wichtigen Umweltwirkungen wie z. B. Ressourcenverbrauch, globaler Treibhauseffekt, Ozonabbau oder Versauerung von Böden und Gewässern vor (genaue Erläuterungen siehe Lexikon und Textteil „Umweltproduktdeklarationen“). Diese bilden die Datengrundlage für die ökologische Gebäudebewertung.

GipsStand
07/ 2013
Download
     
PCR-Dokument* -  
Branchen-EPD* -  
+ für diese Produktgruppe vorhanden
- für diese Produktgruppe nicht vorhanden

* WECOBIS informiert produktneutral. Aus diesem Grund wird an dieser Stelle sofern vorhanden nur auf PCR-Dokumente (Produktgruppenregeln) und Branchen-EPDs verwiesen. Dies schließt nicht aus, dass für einzelne Produkte EPDs vorliegen können. Weitere Informationen und Downloads finden sich z. B. auf den Seiten des IBU Institut Bauen und Umwelt e. V.. → auch Lexikon Umweltproduktdeklaration

Ökobau.dat / Umweltindikatoren

Ökobau.dat ist ein Baustein des Informationsportals Nachhaltiges Bauen in der Rubrik Baustoff- und Gebäudedaten und enthält Datensätze mit Umweltindikatoren von Bauprodukten. Die in der Ökobau.dat beschriebenen Umweltindikatoren bilden die Grundlage der im Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) vorgeschriebenen Berechnung von Ökobilanzen auf Gebäudeebene.

Der hierfür betrachtete Lebenszyklus eines Bauproduktes gliedert sich in die Herstellung und die Nachnutzungsphase. Die Bewertung basiert auf Indikatoren der

  • Sachbilanz / Input (PEIr, PEInr, Sekundärbrennstoffe, Wassernutzung)
  • Sachbilanz / Output (Abraum, Hausmüll/Gewerbeabfälle, Sonderabfälle)
  • Wirkbilanz (ADP, EP, ODP, POCP, GWP, AP)

Diese umfangreiche Sammlung verifizierter Daten steht unter http://www.nachhaltigesbauen.de/oekobaudat/ zur Ansicht zur Verfügung.
Download des gesamten Datensatzes unter → Ökobau.dat
Datensätze zu Gipse siehe → Mineralische Baustoffe (1) → Bindemittel (1) → Gips (03) → Anhydrit Mix
→ Gips (CaSO4-Alpha-Halbhydrat)
→ Gips (CaSO4-Beta-Halbhydrat)
→ Gipsstein (CaSO4-Dihydrat)

Gips
Gips

Technisches

Baustoffklasse nach DIN 4102-1

A1 (nicht brennbar)

Euroklasse nach DIN EN 13501-1

A1 (< 1% Organik)

Nach DIN EN 13501-1 müssen Gipsprodukte mit mehr als 1 M.-% bzw. Vol.-% an organischen Stoffen hinsichtlich ihres Brandverhaltens geprüft und klassifiziert werden.1

Technische Regeln (DIN, EN)

DIN EN 13279

 

Gipsbinder und Gips-Trockenmörtel

                        -1

2008

Teil 1: Begriffe und Anforderungen

                        -2

2004

Teil 2: Prüfverfahren (neuer Entwurf in Vorbereitung)

DIN EN 13454

 

Calciumsulfat­Binder, Calciumsulfat­Compositbinder und Calciumsulfat­Werkmörtel für Estriche

                        -1

2004

Teil 1: Begriffe und Anforderungen

                        -2

2003+ A1:2007

Teil 2: Prüfverfahren

DIN EN 13963

2011

Materialien für das Verspachteln von Gipsplatten-Fugen - Begriffe, Anforderungen und Prüfverfahren

DIN EN 14496

2005

Kleber auf Gipsbasis für Verbundplatten zur Wärme- und Schalldämmung und Gipsplatten - Begriffe, Anforderungen und Prüfverfahren

VGB M 701

2008

Analyse von REA-Gips

Bauregelliste

Das Deutsche Institut für Bautechnik stellt in den Bauregellisten A, B und C die technischen Regeln für Bauprodukte und Bauarten sowie bauaufsichtlich geregelte und nicht geregelte Bauprodukte und Bauarten auf.
Nach Zustimmung der obersten Bauaufsichtsbehörden der Länder wird die Bauregelliste bekannt gegeben. Erwerb und weiterführende Informationen zu Bauregelliste und ihren Regelungsbereichen siehe unter → www.dibt.de
Eine Darstellung und Erläuterungen zur Klassifizierung von Bauprodukten siehe im Lexikon → Klassifizierung von Bauprodukten

Quellen

1Neroth G., Vollenschaar D.; Wendehorst Baustoffkunde; Vieweg + Teubner Verlag, 27. Auflage, 2012

Gips

Literaturtipps

Auf der Website des Bundesverbandes der Gipsindustrie e.V. finden sich diverse Merkblätter und Publikationen zu Allgemeinen Themen, z.B.:

  • Gips-Datenbuch; 2013; Berlin (Download)
  • Merkblatt Recycling von gipshaltigen Bauabfällen; 2005; Darmstadt (Download)

aber auch zu Umwelt- und Naturschutz, z.B. :

  • Bundesverband der Gipsindustrie e.V. / Forschungsvereinigung der Gipsindustrie e.V.; Gipsprodukte - Umwelt-Produktdeklaration, Juni 2009, Darmstadt (Auswahl an EPDs)
  • PE International GmbH: Datenprojekt Grunddatensätze Gips und Gipsprodukte im Netzwerk Lebenszyklusdaten / Projektbericht im Rahmen des Forschungsvorhabens FKZ 01 RN 0401 im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (Download); Hrsg.: Forschungszentrum Karlsruhe - Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse - Zentralabteilung Technikbedingte Stoffströme, Leinfelden-Echterdingen Karlsruhe August 2007
  • diverse Publikationen zum Gipsabbau

TA Luft / Erste Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Bundes–Immissionsschutzgesetz
(Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft – TA Luft) Stand: August 2008
(Download)

Bundesverband Kraftwerksnebenprodukte e.V.; Produktinformationen 3 / REA-Gips; 07/2007; Düsseldorf

ARGE Kreislaufwirtschaftsträger Bau; 5. Monitoring-Bericht Bauabfälle, Erhebung 2004 (Download)

Zwiener, G.; Mötzl, H.; Ökologisches Baustoff-Lexikon; 2006; C.F. Müller Verlag; Heidelberg

Kasser Ueli, Pöll Michael: Ökologische Bewertung mit Hilfe der Grauen Energie, Schriftenreihe Umwelt Nr. 307 Ökobilanzen, Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) (Hrsg.), 1999

Zapke W., Blomensaht F.; Grundlagenermittlung zur Erarbeitung von Informationen über Fragen des gesunden Bauens und Wohnens im Zusammenhang mit Ausbaustoffen (F 736); 1994; Institut für Bauforschung e.V.; Hannover

Bundesverband der Gipsindustrie e.V.: Konzeption zum Gipsrecycling, Online-Quelle

Gips

Rohstoffe / Ausgangsstoffe

Hauptbestandteile

Rohgipse unterscheiden sich in ihren chemischen Hauptbestandteilen wegen ihrer unterschiedlichen Herkunft, sei es aus natürlichen Lagerstätten oder uas REA-Gipsanlagen. Mittelwertefür das Calciumsulfat-Dihydrat sind nachfolgend angegeben:

CaSo4 • 2 H2O % 81,2 (71,7 - 100)
Kristallwasser % 17,0 (15,0 - 20,9)
CaO % 26,5

(23,4 - 32,5)

SO3 % 37,8 (33,3 - 46,4)

Folgende Begleitminerale können vorhanden sein:

  • Anhydrit CaSO4
  • Calciumcarbonat CaCO3
  • Dolomit CaCO3 • MgCO3
  • Tonminerale (z. B. Muskovit)

Quelle: Gips-Datenbuch, Bundesverband der Gipsindustrie e. V. 2003

Naturgips und -anhydrit
Ausgangsstoff für die Gipsherstellung ist der Gipsstein (CaSO4 ∙ 2 H2O). Dieser gehört zu den Sedimentgesteinen und hat sich durch chemische Ausfällung aus dem Wasser in flachen Binnenmeeren gebildet. Dabei haben sich die Gipskristalle am Meeresboden abgesetzt und zu Gipsstein verfestigt.
Neben dem Gipsstein (CaSO4 ∙ 2 H2O) findet man in den Abbaustätten auch natürlichen Anhydrit (CaSO4). Er ist aus dem Gipsstein bei hoher Temperatur und unter großer Auflast durch Entwässerung entstanden. Beide Minerale (Gipsstein + Anhydrit) haben sich in Millionen Jahren im Laufe geologischer Vorgänge gebildet.

REA-Gips
Als Rohstoff ist neben Naturgips der REA-Gips (Gips aus Rauchgas-Entschwefelungs-Anlagen) von hoher Bedeutung und deckt etwas mehr als die Hälfte des Gipsbedarfes in Deutschland.
Bei der Verbrennung von Kohle in Heiz- oder Stromkraftwerken entsteht neben dem Hauptverbrennungsprodukt CO2 das umweltschädliche Gas SO2. Es reagiert mit dem in der Atmosphäre vorkommenden Wasser zu schwefeliger Säure und trägt damit wesentlich zum sauren Regen bei. Daher muss es nach den Vorgaben des Bundesimmissionsschutzgesetzes (Verordnung über Großfeuerungsanlagen, 13. BimSchV - 1983) aus den Abgasen herausgewaschen werden. Dazu wird im Kalkwaschverfahren der Abgasstrom durch eine Suspension aus Kalkstein oder Branntkalk geleitet, wodurch sich der SO2-Gehalt im Rauchgas von vorher 800 - 1.000 mg SO2/m³ auf rund 100 mg/m³ reduzieren lässt. Durch eine weitere Reaktion mit dem Luftsauerstoff wird das Produkt Gips (CaSO4 ∙ 2 H2O) gebildet. Dieser sehr feine Gips liegt als wässrige Suspension vor, die vor der weiteren Behandlung mit Reinstwasser gewaschen werden muss, um zu vermeiden, dass lösliche Salze zur Nicht-Verwendbarkeit des REA-Gipses führen.

Damit beim Transport sowie beim späteren Brennvorgang der Energiebedarf minimiert wird, entzieht man dem Gips mit Hilfe von Zentrifugen und Vakuumfiltern zum größten Teil das physikalisch gebundene Wasser (ca. 10 % Restfeuchte), das mit Braunkohleflugasche gebunden für Rekultivierungsmaßnahmen im Bergbau verwendet werden kann.

Der entstandene REA-Gips kann ohne weitere Nachbehandlung als naturgipsidentischer Rohstoff zur Herstellung aller Gipsbaustoffe eingesetzt werden (siehe z.B. Beckert-Studie). U.a. deshalb ist REA-Gips auch von der OECD-Abfallliste gestrichen und im Rahmen der von der EU-Kommission zur Novellierung der Abfallrahmen-Richtlinie untersuchten Beispiele als Produkt anerkannt worden.

Durch die Entwicklung spezieller Reinigungsverfahren wird REA-Gips inzwischen aus Braunkohle in gleicher Qualität wie aus Steinkohle hergestellt. REA-Gips aus Braunkohlekraftwerken stellt zwischenzeitlich mehr als 50% des verbrauchten REA-Gipses. Abweichungen von der REA-Gips-Qualität aufgrund Mitverbrennung von Klärschlamm konnten bis jetzt nicht nachgewiesen werden.

Eine Gewinnung aus Müllverbrennungsanlagen ist prinzipiell möglich, scheitert aber derzeit an den installierten Entschwefelungsverfahren, die für die Müllverbrennung günstiger sind (z. B. wesentlich geringerer Schwefelgehalt von Müll), deren Entschwefelungsprodukte (staubförmiges Gemisch aus Calciumsulfit, Calciumsulfat + Asche) aber nicht zu REA-Gips aufbereitet werden können.

Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Gewinnung der Primärrohstoffe

Naturgips
Die Naturgipsreserven sind begrenzt. Der Abbau erfolgt im Tagebau oder unter Tage. Damit verbunden sind Umweltbelastungen durch Eingriffe in Natur und Landschaft.
Abbaugebiete in Deutschland sind Bayern (Franken), Baden-Württemberg, Hessen (Nordhessen), Niedersachsen (Solling + Harz), Thüringen (Südharz + Saale-Orla-Kreis). Unter Tage wird derzeit u.a. in Hüttenheim (Bayern), Stadtoldendorf (Niedersachsen), Neckarzimmern (Baden-Württemberg), Lamerden (Hessen) und Krölpa (Thüringen) abgebaut.

Naturanhydrit1
Vorkommen in Deutschland: Südharz, Iphofen (Unterfranken)

Verfügbarkeit

Gips- und Anhydrit-Lagerstätten sind weltweit verbreitet und konnten (Stand 2010) an ca. 4300 Fundorten nachgewiesen werden.2 In Deutschland befinden sich umfangreiche erkundete und genehmigungsfähige Sulfatrohstoff-Lagerstätten insbesondere in den Bundesländern Thüringen und Baden-Württemberg.3 Im Jahr 2006 wurden in Deutschland ca. 9 Millionen Tonnen Gips- und Gipserzeugnisse produziert, von denen die Menge von Naturgips und Naturanhydrit bei nur ca. 1,5 Millionen Tonnen lag. Die verbleibenden 7,5 Millionen Tonnen Gips stammen aus Rauchgasentschwefelungsanlagen (REA-Gips).4

Verwendung von Recyclingmaterialien / Produktionsabfällen

REA-Gips
Die zukünftige Versorgungsmöglichkeit durch REA-Gips als Ersatz für Naturgips lässt sich derzeit nicht prognostizieren, da unklar ist, wieweit die für die weitere Verfügbarkeit dringend notwendige Modernisierung von Kohlekraftwerken durch Neubau- oder Retrofit-Maßnahmen erfolgt und/oder statt dessen andere Energieträger zum Einsatz kommen (Gas, Kernkraft, regenerative Energien), die keinen REA-Gips liefern.

Die meisten Gipswerke befinden sich in der Nähe der Gips-Abbaustätten bzw. inzwischen auch direkt an Großkraftwerkstandorten.

Synthetischer Anhydrit1
Synthetischer Anhydrit ist ein Nebenprodukt bei der Herstellung von Flusssäure aus Flussspat (CaF2) und Schwefelsäure. Der Vorteil von synthetischem Anhydrit gegenüber dem natürlichen Vertreter ist die gleichbleibend hohe Qualität.

Radioaktivität

Natürlich Radionuklide in Baustoffen können vorkommen in Abhängigkeit von Material und Zuschlagstoffen. Zum Schutz der Bevölkerung vor Strahlenbelas­tungen werden in Deutschland seit mehr als 20 Jahren Untersuchungen und Bewertungen der radioaktiven Stoffe in Baumaterialien durchge­führt. Nach einer Studie des BfS wurden in Deutschland keine zu Bauzwecken verwendbaren Materialien festgestellt, die infol­ge erhöhter Uran- und Radiumkonzentrationen zu höhe­ren Konzentrationen des Radon-222 (Radon) in Räumen führen könnten.

Bei den derzeit handelsüblichen Bauproduktgruppen sind aus der Sicht des Strahlenschutzes keine Einschränkungen erforderlich. Allerdings ist auch weiterhin die vorgegebene Beschränkung des Anteils industrieller Rückstände als Zuschlag zu beachten, siehe ausführliche BfS-Informationen zu Baustoffen unter http://www.bfs.de/de/ion/anthropg/baustoffe.html.
Von den Rohstoffen, die für Gipsherstellung verwendet werden, kann in Einzelfällen eine geringe natürliche Strahlung ausgehen. Diese liegt im Schwankungsbereich der natürlichen Strahlung.

Quellen

1Backe H., Hiese W., Möhring R.; Baustoffkunde für Ausbildung und Praxis; Werner Verlag, 12. Auflage, 2013

2Gips-Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Gips

3Mitteilung der Landesämter für Geologie und Umwelt der Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Thüringen und Niedersachsen an das Bundesinstitut für Bau- Stadt- und Raumforschung (BBSR) Berlin, Referat II-6, Bauen und Umwelt, 2011

4GIPS-Datenbuch, Bundesverband der Gips- und Gipsplattenindustrie e.V. Darmstadt, 2006

Zapke W., Blomensaht F.; Grundlagenermittlung zur Erarbeitung von Informationen über Fragen des gesunden Bauens und Wohnens im Zusammenhang mit Ausbaustoffen (F 736); 1994; Institut für Bauforschung e.V.; Hannover

Gips

Herstellung

Prozesskette

Prozesskette Gips

Herstellungsprozess

Ausgangsstoff natürlicher Anhydrit

Natürlicher Anhydrit muss zur weiteren Verarbeitung nur noch gebrochen und gemahlen werden und ist ohne Brennen verwendbar (z. B. als Calciumsulfat-Fließestrich). Um eine größere Mahlfeinheit zu erreichen, kann vor dem Mahlen die freie Feuchte vermindert werden (Trocknung von ca. 2 % auf 0,1 % freie Feuchte).

Ausgangsstoff Gipsstein und REA-Gips

Naturgips muss im Gegensatz zu REA-Gips vor dem Brennen zuerst gebrochen und gemahlen werden. Der Gips wird je nach Verwendungszweck bei verschiedenen Temperaturen zwischen 120 bis 500°C gebrannt. Als Energieträger finden heute fast ausschließlich Erdgas und Heizöl Verwendung.

Entwässert man den Gipsstein in Wasserdampf, entsteht α-Halbhydrat, bzw. α-Anhydrit III. Wird der Gipsstein trocken entwässert, entsteht β-Halbhydrat bzw. β-Anhydrit III. Die unterschiedlichen Gipsarten entstehen durch verschiedene Anteile der Brennprodukte.

Produkt:

Bestandteile:

Stuck- bzw. Putzgips

β-Halbhydrat, β-Anhydrit III, Anhydrit II

Estrichgips

Anhydrit II, Anhydrit I, α-Halbhydrat

Umweltindikatoren / Herstellung

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren in WECOBIS soll zukünftig ausschließlich die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB liefern.

Die Ökobau.dat stellt Umweltprofile für Bauprodukte bereit, die als erforderliche Datengrundlage für die Lebenszyklusanalyse eingesetzt werden. Für Bauprodukte gibt es Herstellungs- und End-of-Live- Datensätze.
Weiterführende Informationen zur Ökobau.dat im Zusammenhang mit dieser Produktgruppe finden sich in WECOBIS unter Fachinformationen / Reiter Umweltdeklarationen → Ökobau.dat / Umweltindikatoren
Da in der Herstellung von Bauprodukten ein großer Anteil der verursachten Umweltbelastungen auf den Verbrauch von nicht erneuerbaren Energieträgern zurückzuführen ist, stellt die Graue Energie (kumulierter Primärenergieaufwand nicht erneuerbar) dafür einen guten Indikator dar.

Im Kapitel Energieaufwand finden sich ggf. allgemeine Informationen zum Thema, die die Produktgruppe prägen.

Energieaufwand

Bei der Herstellung von Gipsbindern wird Energie zur Trocknung und Mahlung benötigt. Mehr Energie ist nötig, um den Naturgips bzw. REA-Gips zu Gipsbinder zu brennen. Im Vergleich zu anderen Bindemitteln wie Kalk und Zement wird durch den Brand bei niedrigeren Temperaturen (120°C-500°C) weniger Energie aufgewendet.

Gefahrstoffverordnung

Gips und daraus hergestellte Produkte sind nicht kennzeichnungspflichtig nach Gefahrstoffverordnung.

Charakteristische Emissionen

Bei der Herstellung von Gips / Anhydrit fallen je nach Verfahren und technischer Ausrüstung eines Werkes Emissionen von Staub, Lärm und gasförmigen Schadstoffen an.

Grenzwerte der TA-Luft

 

staubförmige Emissionen

bis 0,02 g/m³

Stickstoffoxide (angegeben als Stickstoffdioxid)

bis 0,5 g/m³

Maßnahmen Gesundheitsschutz

Es sollte persönliche Schutzausrüstung (Gehör-, Atem-, Augenschutz) getragen werden.

Maßnahmen Umweltschutz

Einhausung von Anlagen und der Reinigung der Abluft- und Abgasmengen, ehe sie in die Atmosphäre gelangen, trägt zum Schutz der Umwelt bei. 

Transport

Der Transport von Gips findet auf nationaler Ebene statt, da es in Deutschland sowohl Naturgips und Naturanhydrit als auch REA-Gips gibt.

Gips

Verarbeitung

Arbeitshygienische Risiken

Allgemeines

Bei der Arbeit mit Gips kann es zu einer Staubentwicklung kommen. Deshalb sollten Atemschutzmasken getragen werden.

AGW-Werte

Calciumsulfat (Gips)

A-Staub: 6 mg/m³ (Alveolengängige Fraktion, früher: Feinstaub)

REACH / CLP

Die REACH-Verordnung regelt die Herstellung, das Inverkehrbringen und den Umgang mit Industriechemikalien. Zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen, dient die CLP-Verordnung (Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen), um ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu gewährleisten.

Wird ein Produkt nicht als Stoff oder Gemisch, sondern als Erzeugnis eingestuft, ist kein Sicherheitsdatenblatt (SDB) erforderlich und Gefahrstoffbezeichnungen entfallen. Lediglich besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) müssen ausgewiesen werden.

Gipse werden als Gemisch eingestuft.

Produkt bezogene Informationen gemäß CLP-Verordnung müssen daher in den Sicherheitsdatenblättern (SDB) der jeweiligen Produkte ausgewiesen sein.

Einstufungen und Gesundheitsgefahren nach GISBAU

Für Calciumsulfat werden folgende Angaben in WINGIS-online gemacht:
„Einatmen oder Verschlucken kann zu Gesundheitsschäden führen. Kann die Atemwege und Augen reizen: z. B. Brennen, Augentränen.“

Emissionen

Bei der Verarbeitung von Gips sind außer einer möglichen Staubentwicklung keine schädlichen Emissionen zu erwarten.

Umweltrelevante Informationen

Energiebedarf

Bei der Verarbeitung von Gipsbindern wird Energie beim Anmischen mit Wasser verbraucht. Die Energiemenge ist abhängig von den verwendeten Mischaggregaten, ist aber im Vergleich zur Energie die bei der Herstellung aufgewendet werden muss gering.

Wassergefährdung

Von Gipsen geht keine Wassergefährdung aus.

Gips

Nutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiken Neuzustand

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

Untersuchungen von Gipsprodukten zur Emission von flüchtigen organischen Verbindungen zeigten keine gesundheitlichen Gefährdungen in Wohninnenräumen, welche auf Gips zurückzuführen waren.1

Umwelt- und Gesundheitsrisiken im Schadensfall

Brandfall

Gips selbst ist nicht brennbar. Im Brandfall kann es aber zur Entwässerung des Gipses führen, ähnlich des Brennens bei der Herstellung. Ein Mörtel oder Putz auf Gipsbasis wird dadurch zerstört. Ein Umwelt- oder Gesundheitsrisiko besteht aber nicht.

Wassereinwirkung

Da Gips wasserlöslich ist, kann eine Exposition von Wasser auf einen Gipsmörtel oder –putz diesen zerstören. Ein Umwelt- oder Gesundheitsrisiko besteht aber nicht.

Quellen

1Scherer, C. R. et al, Emissionseigenschaften von Gipsprodukten des Wohninnenraums, Tagung Bauchemie 2010, Tagungsbericht GDCh-Monographie Bd. 42, S. 252-259

Gips

Nachnutzung

Wiederverwendung / Wiederverwertung / Beseitigung

Sie befinden sich in einer WECOBIS-Grundstoffgruppe. 

Für eine ganzheitliche Betrachtung sind zusätzlich die jeweiligen Bauproduktgruppen zu betrachten. Im rechten Navigationsmenü finden sich Links zu den zugeordneten Bauproduktgruppen. Wenn Sie sich in einer Bauproduktgruppe befinden, sind dort ggf. Links zu den zugeordneten Grundstoffen abgebildet.

Umwelt- und Gesundheitsrisiko Rückbau

Beim Rückbau von Gipsprodukten kann es zu Staubentwicklung kommen.

Wiederverwendung

Da verwendeter Gips bereits abgebunden ist, kann er nicht einfach wiederverwendet werden. Es ist aber möglich ihn einer stofflichen Verwertung zuzuführen.

Stoffliche Verwertung

Da Deponiekosten für Gips immer mehr steigen, bekommt das Recycling von Gipsplatten eine immer größere Bedeutung. Der zurückgewonnene Recyclinggips hat einen sehr hohen Reinheitsgrad von über 95%. Der Recyclinggips kann ohne weitere Behandlung wieder in die Produktion einfließen.1

Energetische Verwertung

Eine energetische Verwertung von Gips ist aufgrund der mineralischen Natur nicht möglich.

Beseitigung / Verhalten auf der Deponie

Gegenwärtig sind ca. 75 % der Gipsabfälle Bestandteil des Bauschutts und werden deshalb überwiegend durch Deponierung beseitigt.

EAK-Abfallschlüssel

10 01 05 Reaktionsabfälle auf Calciumbasis aus der Rauchgasentschwefelung in fester Form
17 08 01 Baustoffe auf Gipsbasis, die durch gefährliche Stoffe verunreinigt werden
17 08 02 Baustoffe auf Gipsbasis mit Ausnahme derjenigen, die unter 17 08 01 fallen

Quellen

1Meier, R. H. :Gips-Recycling senkt Abfallkosten; Applica 13-14, S. 14-16; 2007

Bundesverband der Gipsindustrie e.V.: Konzeption zum Gipsrecycling, www.gips.de/2013/konzeption-zum-gipsrecycling/