Oberflächenbehandlungen im Bestand

Produktgruppeninformation

Anwendungsbereiche (Besonderheiten)

Pentachlorphenol PCP

Allg. Kurzinformation zum Thema Bestand

Behandelte Oberflächen treten im Bestand offen und verdeckt auf. Als Schadstoffe können in Anstrichen Holzschutzmittel,  PCB (als Weichmacher oder Flammschutzmittel), Asbest und schwermetallhaltige Pigmente enthalten sein. Wichtig sind  alle behandelten Holzoberflächen im Außenbereich und auch im Innenbereich, sofern es sich nicht um unbehandelte Hölzer handelt. Ein Spezialfall ist Spritzasbest, der ebenfalls unter einen weit gefassten Begriff der "Oberflächenbehandlungen" fallen könnte und deshalb in den Tabellen dieses Datenblatts aufgeführt wird.

Das Bayerische Landesamt für Umweltschutz stellt eine Arbeitshilfe für den kontrollierten Rückbau kontaminierter Bausubstanz zur Verfügung. Die Arbeitshilfe kann auf der Webseite des LFU heruntergeladen werden.

WECOBIS informiert den Planer über Schadstoffe, die in der Produktgruppe der Klebstoffe möglicherweise auftreten können. Diese Übersicht soll als Orientierungshilfe dienen, kann jedoch eine fachliche Abklärung vor Ort nicht ersetzen.

Vorkommen von Altstoffen

Siehe hierzu die Datenblätter 415 zu Farben und Anstrichen sowie 404 Brandschutzanstrichen des Bayerischen Landesamts für Umweltschutz (LFU).

Schadstoffkategorie  Oberlächenbehandlungen

Pentachlorphenol PCP

Holzschutzmittel
Lindan Holzschutzmittel
Dichlordiphenyltrichlorethan Holzschutzmittel
Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) Steinkohleteerhaltige Holzschutzmittel
Asbest Spritzasbest, Brandschutzanstriche
Polychlorierte Biphenyle (PCB) Brandschutzanstriche
Schwermetalle Als Pigmente in verschiedensten Anstrichen

Schadstoffhaltige Oberflächenbehandlungen finden sich vor allem in folgenden Gebäudeteilen

Gebäudeteil Bauteile / Schadstoffe
Tragwerk, Fassaden- und Innenbekleidungen

Vor allem tragende Holzbauteile wie Balken, Decken, Sparren und Pfetten (PCP, Lindan, DDT, PAK)

Tragwerk

Stahlträger, Decken, Brandmauern (Spritzasbest)

Tragwerk, Deckenbekleidung

Brandschutzanstriche auf tragenden Bauteilen aus Beton, Stahl oder Holz, Deckenplatten vom Typ Wilhelmi (PCB)

Oberflächen

Farben und Lacke, insbesondere intensiv leuchtende Farben (Schwermetalle)

Pentachlorphenol PCP

Pentachlorphenol ist giftig beim Verschlucken und Hautkontakt zudem lebensgefährlich beim Einatmen. Zudem steht es im Verdacht, Krebs zu erzeugen und ist sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung. PCP wurde als Holzschutzmittel 1989 verboten. Bis dahin war es das am häufigsten eingesetzte Holzschutzmittel, häufig in Kombination mit anderen. Es verhindert als Fungizid den Pilzbefall des Holzes.

Siehe hierzu auch das Datenblatt 513 PCB des LFU.

Lindan

Lindan ist die Handelsbezeichung für γ-Hexachlorcyclohexan (γ-HCH). Es ist giftig beim Verschlucken, gesundheitsschädlich sowohl beim Einatmen und im Hautkontakt. Zudem kann es Säuglinge über die Muttermilch schädigen und ist sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung. Lindan ist in der EU nicht als Biozid zugelassen. Es darf in aktuell verkauften Produkten nicht enthalten sein.

Dichlordiphenyltrichlorethan DDT

DDT ist giftig beim Verschlucken, es steht im Verdacht, Krebs zu erzeugen und ist sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung. In der BRD wurde der Einsatz von DDT 1974 verboten. In der DDR wurden DDT-haltige Holzschutzmittel im Baubereich bis zur Wende 1990 eingesetzt.

Siehe hierzu auch das Datenblatt 506 DDT des LFU.

Polycyclische Aromatische Kohlenwasserstoffe PAK

Steinkohleteerhaltige Holzschutzmittel wie Teeröle, Carbolineen (niedrig-viskose Teeröl-Destillate) sowie Teeökpräparate sind wegen der hohen Gehalte krebserregender Polycyklischer aromatischer Kohlenwaserstoffe (PAK) im Rückbau kritisch. PAK sind ein Bestandteil des Steinkohleteers. PAK können Krebs erzeugen.

 Siehe hierzu auch das Datenblatt 502 PAK des LFU.

Spritzasbest / Asbest

Spritzasbest wurde besonders auf Stahlträger, Decken oder Brandmauern aufgespritzt. Er besteht aus Zement, der mit Asbest vermischt ist. Spritzasbest enthält viel schwach gebundenes Asbest. Die Anwendung von Spritzasbest wurde in der BRD 1979 und in der DDR 1969 verboten. Mit zunehmendem Alter vergrößert sich erfahrungsgemäß die Faserabgabe aus Spritzasbest. Falls Spritzasbest im Innenraum mit Kontakt zur Raumluft angetroffen wird, ist die Dringlichkeit einer Sanierung unverzüglich abzuklären. Wird Spritzasbest während einer Rückbaumaßnahme angetroffen, so sind die Arbeiten im betroffenen Bereich unverzüglich einzustellen und ein Fachbetrieb beizuziehen, der von der zuständigen Behörde zur Durchführung dieser Arbeiten zugelassen worden ist

Siehe hierzu auch das Datenblatt 501 Asbest des LFU. 

Polychlorierte Biphenyle PCB

Polychlorierte Biphenlye sind besonders wegen Ihrer endokrinen Wirkung bekannt geworden. Sie können den Hormonhaushalt und damit die Fortpflanzungsfähigkeit stören. PCB stehen zudem im Verdacht, Krebs zu erzeugen. Durch Ihre hohe Fett- und geringe Wasserlöslichkeit reichern sie sich im Fettgewebe von Lebewesen an und können über die Nahrungskette akkumulieren. Im Bestand kann PCB in Brandschutzanstrichen vorkommen. Diese finden sich auf unterschiedlichen Untergründen aus Beton, Metall, Holz, Papier, Stoff. PCB-haltige Brandschutzanstriche wurden in Deuchtschland bis ca. 1973 hergestellt. Die Art der Probenahme sowie die Entsorgungswege richten sich nach dem Untergrund sowie dem PCB-Gehalt.

Siehe hierzu folgende Datenblätter des LFU: 415 Farben und Anstriche, 434 Putze, 402 Bauplatten

Schwermetalle

In Pigmenten von Oberflächenbehandlungen finden sich folgende Schermetalle:

Blei (Rostschutzanstriche, weiss und gelbe Malerfarben), Cadmium (leuchtende Kunststofffarben), Chrom, Zink (helle Farben)

Siehe hierzu auch das Datenblatt 515 Schwermetalle des LFU.

Maßnahmen bei der Sanierung

Pentachlorphenol PCP

Vor einer Gebäudesanierung ist behandeltes Holz in jedem Fall zu beproben. Klarheit über das eingesetzte Holzschutzmittel kann nur eine Laboranalyse geben. In der Entsorgung gelten PCP-haltige Holzabfälle als gefährliche Abfälle im Sinne des § 48 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes.

Lindan

Vor einer Gebäudesanierung ist behandeltes Holz in jedem Fall zu beproben. Klarheit über das eingesetzte Holzschutzmittel kann nur eine Laboranalyse geben. In der Entsorgung gelten Lindan-haltige Holzabfälle als gefährliche Abfälle im Sinne des § 48 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes.

Dichlordiphenyltrichlorethan DDT

Vor einer Gebäudesanierung ist behandeltes Holz in jedem Fall zu beproben. Klarheit über das eingesetzte Holzschutzmittel kann nur eine Laboranalyse geben. In der Entsorgung gelten DDT-haltige Holzabfälle als gefährliche Abfälle im Sinne des § 48 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes.

Polycyclische Aromatische Kohlenwasserstoffe PAK

Vor einer Gebäudesanierung ist behandeltes Holz in jedem Fall zu beproben. Klarheit über das eingesetzte Holzschutzmittel kann nur eine Laboranalyse geben. In der Entsorgung gelten PAK-haltige Holzabfälle als gefährliche Abfälle im Sinne des § 48 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes.

Spritzasbest / Asbest

Spritzasbest ist bei einer Sanierung aus dem Baukörper zu entfernen. Für die Abklärung und Sanierung sind Fachbetrieben zu beauftragen, die von der zuständigen Behörde zur Durchführung dieser Arbeiten zugelassen worden sind. Die TRGS 519 regelt die erforderlichen Arbeitsschutzmaßnahmen bei der Durchführung von Sanierungsarbeiten mit Asbest.

Schwermetalle in Pigmenten

Je nach Untergrund erfolgt die Entsorgung in der Deponie oder in der Müllverbrennung.

Oberflächenbehandlungen im Bestand
Oberflächenbehandlungen im Bestand
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Bewertungssystem

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)

   
  Wofür steht das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)? Inhalt aufklappen
 

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMUB steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen.
Ausführliche Informationen zum BNB-System siehe www.nachhaltigesbauen.de

  Welche Informationen liefert WECOBIS für BNB im Reiter Bewertungssysteme? Inhalt aufklappen
 

WECOBIS führt in den Datenblättern der Bauproduktgruppen umfangreiche Informationen zur Beantwortung der verschiedenen Fragestellungen im Hinblick auf Umwelt- und Gesundheitsaspekte. Im Reiter Bewertungssysteme bietet WECOBIS gezielt Antworten auf Fragestellungen baustoffrelevanter Steckbriefe. Durch die Bündelung von Aspekten z.B. bzgl. der Risiken für die lokale Umwelt, Fragen zur Innenraumhygiene und der Thematik Rückbau, Trennung, Verwertung gibt WECOBIS gezielte Hilfestellung bei der Einordnung einzelner Baustoffe. Tiefergehende Informationen finden sich über die Verknüpfungen in den jeweiligen Datenblättern.
Hinweis: Eine abschließende Beurteilung im Rahmen des Bewertungssystems und der genannten Kriterien erfolgt jedoch grundsätzlich in Abhängigkeit weiterer baulicher Gegebenheiten (z.B. eingebaute Menge).

BNB-Kriterium BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BK_1.1.6 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

Im Falle einer Sanierungsmaßnahme wird BN_1.1.6 ergänzt durch das BNB-Kriterium BK_1.1.6. Dieses zielt auf die Adressierung und Ausschleusung von Materialien in der bestehenden Bausubstanz, die ein Risikopotenzial für Mensch und Umwelt darstellen. Die Bewertung erfolgt anhand einer Einstufung der Baumaterialien in ein vorgegebenes Schadstoffkataster mit 14 Schadstoffgruppen aufgrund ihres Schädigungspotentials und der jeweiligen Sanierungsmaßnahmen. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 4 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung er Substitution eines Stoffes.

Weitere Informationen zu den Einzelkriterien im Bestand siehe BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung). Für den Einbau von neuen Materialien gilt BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau).

Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht darüber, welche Problemstoffe möglicherweise in der Gruppe der Oberflächenbehandlungen auftreten können.

Schadstoffkategorie Oberflächenbehandlungen
Asbest Spritzasbest, Brandschutzanstriche
Polychlorierte Biphenyle PCB Brandschutzanstriche
Holzschutzmittel / Biozide:
Pentachlorphenol PCP, Lindan, DDT
Holzschutzmittel
Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe PAK Holzschutzmittel
Alte Künstliche Mineralfasern KMF  –
Blei Pigmente
Fluorchlorkohlenwasserstoffe FCKW  –

Weichmacher:

DEHP

 –
Formaldehyd  –
– = nichts bekannt für Oberflächenbehandlungen
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