Leimfarben

Produktgruppeninformation

Begriffsdefinition

Leimfarben enthalten als Bindemittel Leim. Mögliche Bindemittel sind Leime auf tierischer (Gelatine, Milchsäure-Casein) oder pflanzlicher Basis (Stärke, Cellulose). Am häufigsten verwendet werden Cellulose und Milchsäure-Casein. Zur Verbesserung der technischen Eigenschaften können Cellulosefarben mit Kunstharzdispersionen, Caseinfarben mit Naturölen (Casein-Tempera) vergütet werden.

Wesentliche Bestandteile

Die wesentlichen Bestandteile von Leimfarben sind Füllstoffe/Pigmente, Wasser, Bindemittel (Leim) und Hilfsstoffe.

Charakteristik

Der Leim, das Bindemittel der Leimfarben, ist in Wasser gelöst und verliert seine Wasserlöslichkeit auch nach dem Trocknen nicht. Leimfarben bleiben darum empfindlich gegen Feuchtigkeit. Caseinfarben sind wasserbeständiger als Cellulosefarben. Mit Kalkmilch vermischte Caseinfarben sind wasserunlöslich. Cellulosefarben gehören zu den preisgünstigsten Anstrichsystemen.

Lieferzustand

Leimfarben werden als Pulver zum Anrühren mit Wasser oder als verbrauchsfertige Farbe in Kunststoffgebinden geliefert.

Anwendungsbereiche (Besonderheiten)

grundsätzliche Anwendungsbereiche von Leimfarben im Vergleich zu anderen Farben, Lacken, Lasuren siehe Anwendungsbereiche Farben, Lacke, Lasuren

  Innen Außen
Beanspruchung gering stark  
Putze + - -
Gips + -  
Gipskarton, Papier, Tapeten + -  
Beton + - -
Faserzement + - -
Massivholz + 1) - -
Holzwerkstoffe + 1) - -
Stahl 0 1) - -
Stahl verzinkt 0 1) - -
Aluminium 0 1) - -
+
geeignet
x
möglich, aber nicht gebräuchlich
-
nicht geeignet
0
bedingt geeignet
1)
Nur Casein-Tempera Farben
 
 

Leimfarben können ohne Einschränkungen auf allen mineralischen Untergründen im Innenbereich bei geringer Beanspruchung angewendet werden (z.B. Lagerräume, Decken, wenig beanspruchte Wände). Sie eignen sich auch für Untergründe aus Papier, Tapeten und Gipskarton. Mit Naturölen vergütete Caseinfarben (Casein-Tempera) können auch für wenig beanspruchte Bauteile aus Massivholz und Holzwerkstoffen verwendet werden.

Alternativen hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Leimfarben gehören zu den wenig umweltbelastenden Produktgruppen. Als etwas weniger umweltbelastende Ersatzproduktgruppe im Innenbereich können Kalkfarben verwendet werden, sofern keine Wisch- und Abriebfestigkeit verlangt wird. Bei erhöhten Anforderungen sind Naturharzfarben lösemittelfrei gute Alternativen, die in der Regel (je nach Produkt) etwas umweltbelastender sind.

Anstrichaufbau

Leimfarbe (Cellulosefarbe) ca. 350 g/m² Zwei Anstriche Standardrezeptur, erster Anstrich mit wenig Wasser verdünnt

Die Unterschiede im Anstrichaufbau von Leimfarben sind verhältnismäßig groß. Beim angegebenen Anstrichaufbau handelt es sich um einen Standardaufbau mit einer Cellulosefarbe für eine Decke. Der erste Anstrich wird mit ca. 5% Wasser verdünnt. Caseinfarben benötigen in der Regel eine Grundierung auf Kunstharz- oder Siliconbasis. Der erste Anstrich wird mit bis zu 10 %, der zweite mit bis zu 5 % Wasser verdünnt.

Quellen

Eigene Datensammlung, büro für umweltchemie

Leimfarben
Leimfarben

Planungs- und Ausschreibungshilfen

WECOBIS informiert produktneutral. An verschiedenen Stellen bietet WECOBIS jedoch auch Unterstützung dazu, wie sich Produkte innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer ökologischen Eigenschaften unterscheiden lassen.

Informationen hier im Reiter Ausschreibung:

  • Links zu materialökologischen Anforderungen und Textbausteinen für Planung und Ausschreibung im WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen,
  • Hinweise auf mögliche Quellen und Nachweisdokumente zu Planungs- und Ausschreibungskriterien,
  • Hinweise zu möglichen Alternativen

Übersicht Planungs- und Ausschreibungshilfen: Wandfarben
Stand 08/2015

  

Dispersionsfarben

Naturharzfarben

Dispersionsfarben, lösemittelfrei

Naturharzfarben, lösemittelfrei

Kalkfarben

Leimfarben

Polymerisatharz-farbenSiliconharz-
farben

1K-Silikatfarben

2K-Silikatfarben
               
  Material-
ökologische Anforderungen
Im neuen Modul "Planungs- & Ausschreibungshilfen" bietet WECOBIS eine Übersicht zu möglichen materialökologischen Anforderungen und Textbausteine für Planung und Ausschreibung. Inhalt aufklappen
   
Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS Innenwand- / Deckenfarben
---
Außenwandfarben (nur Dispersionsfarben)
Innenwand- / Deckenfarben

Innenwand- / Deckenfarben
---
Kalkfarben (jedoch nur im wetter-
geschützten Bereich):
Außenwand-farben

Innenwand- / Deckenfarben
---
Außenwandfarben
Innenwand- / Deckenfarben
---
Außenwandfarben
Innenwand- / Deckenfarben
---
Außenwandfarben
  Mögliche Quellen Die hier genannten Quellen, insbesondere BNB, bilden die Grundlage für Planungs- und Ausschreibungshilfen bzw. materialökologische Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS. Inhalt aufklappen
   
Bewertungssystem
Nachhaltiges Bauen

(BNB) des BMUB /
Kriterium 1.1.6 (Risiken für die lokale Umwelt)

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMUB steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen. Die o.g. Textbausteine und materialökologischen Anforderungen in WECOBIS basieren derzeit auf Kriteriensteckbrief 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt. Dieser steht in engem Zusammehang mit Kriteriensteckbrief 3.1.3 Innenraumhygiene.

Auch wenn ein Gebäude nicht zertifiziert werden soll, bilden die einzelnen Kriteriensteckbriefe eine gute Grundlage, Orientierung und Hilfestellung für die Umsetzung ökologischer Aspekte in der Gebäudeplanung.

Einordung der jeweiligen Wandfarbe hinsichtlich verschiedener Kriteriensteckbriefe siehe Reiter Bewertungssysteme in WECOBIS

Umweltbundesamt
(UBA)
Auf den Internet-Seiten des Umweltbundesamtes (UBA) befindet sich der „Informationsdienst für umweltfreundliche Beschaffung“. Die Seiten werden gerade überarbeitet, sodass sich dort derzeit aus dem Baubereich nur Ausschreibungsempfehlungen zu Elastischen Bodenbelägen, Tapeten und Raufaser finden.
baubook ökologisch ausschreiben Die Plattform baubook ökologisch ausschreiben bietet eine Sammlung von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Wandfarben finden sich dort Kriterien in der Gruppe der "Wandfarben".

natureplus Ausschreibungstexte / Innenwandfarben

+ + + - - +
  Mögliche Nachweis-
dokumente
weitere Nachweismöglichkeiten neben den folgend genannten sind Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, sowie Herstellererklärungen oder ggf. ein Anhang mit Nachhaltigkeitsmerkmalen zur bauaufsichtlichen Zulassung (abZ+). Inhalt aufklappen
   
gesetzlich vorgeschrieben: Welche Nachweisdokumente müssen vom Hersteller zur Verfügung gestellt werden? Welcher Nachweis kann damit erbracht werden?
REACH / CLP:
Sicherheitsdatenblatt (SDB)
Wandfarben werden als Gemisch eingestuft. Für sie muss daher ein SDB gemäß den Anforderungen in Art.31 REACH-VO in Verbindung mit Anhang II erstellt werden. (Nachweis gefährliche Stoffe, Nachweis SVHC >= 0,1 Gew.-%)
Leistungserklärung gemäß BauPVO mit Angaben zu SVHC (kein harmonisiertes Format, erfordert ggf. Nachfrage) - - - - - -
allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) aus Umweltschutzgründen / Gesundheits-
schutzgründen
- - - - - -
freiwillige Produktkenn-zeichnungen / -deklarationen Für einige Bauproduktgruppen existieren freiwillige Produktkennzeichnungen oder -deklarationen wie z.B. Umweltzeichen oder Umweltproduktdeklarationen, die als Nachweis für materialökologische Anforderungen dienen können. Eine Übersichtstabelle dazu mit detaillierten Informationen zu Wandfarben findet sich im Reiter Zeichen & Deklarationen.

Alternativen hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Leimfarben gehören zu den wenig umwelt- und gesunheitsbelastenden Produktgruppen. Als etwas weniger umweltbelastende Ersatzproduktgruppe im Innenbereich können Kalkfarben verwendet werden, sofern keine Wisch- und Abriebfestigkeit verlangt wird. Bei erhöhten Anforderungen sind Naturharzfarben lösemittelfrei gute Alternativen, die in der Regel (je nach Produkt) etwas umweltbelastender sind.

Weitere planungs- und ausschreibungsrelevante Informationen in WECOBIS

Allgemeine Unterstützung zum Umgang mit Nachhaltigkeitsaspekten in Planung und Ausschreibung sowie Hinweise auf Leitfäden, Arbeitshilfen und Veröffentlichungen zum Nachhaltigen Bauen bietet das neue WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen unter Allgemeine Infos.

Leimfarben

Umweltdeklarationen

Die folgende Tabelle liefert eine Übersicht zu Zeichen & Deklarationen aus dem Bereich der Wandfarben. Neben Herstellererklärungen, Informationen in Sicherheitsdatenblättern (SDB) oder allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen (abZ) können diese den Nachweis für umwelt- und gesundheitsrelevante Kriterien in Planung und Ausschreibung (s. Reiter Ausschreibung) ermöglichen. Detaillierte Informationen finden sich außerdem in den einzelnen Produktgruppen.

Übersicht Umweltdeklarationen: Wandfarben
Stand 08/2015

  

Dispersionsfarben

Naturharzfarben

 

Dispersionsfarben, lösemittelfrei

Naturharzfarben, lösemittelfrei

Kalkfarben

Leimfarben

1K-Silikatfarben

2K-Silikatfarben

Polymerisatharzfarben

Siliconharzfarben

             
  Umweltzeichen

Umweltzeichen gehören zu den freiwilligen Produktkennzeichnungen. Sie bieten die Möglichkeit, Unterschiede von Produkten innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer Umwelt- und Gesundheitsrelevanz festzustellen, auch wenn sie keine allgemeinverbindlichen Gebote oder Verbote aufstellen können. Inhalt aufklappen

   
Blauer Engel
weil emissionsarm /
RAL-UZ 102
Emissionsarme Wandfarben (Ausgabe 2010)
x

+

(nur von lösemittelfreien Farben erfüllbar, derzeit nur lösemittelfreie Dispersionsfarben zertifiziert)

+

(derzeit nur 1K-Silikatfarben zertifiziert)

x

(aufgrund der Inhaltsstoffe / z.B. Lösemittelgehalt)

x

(kein Produkt zertifiziert, Erfüllbarkeit unsicher)

Blauer Engel
weil emissionsarm /
RAL-UZ 102
Emissionsarme Innenwandfarben (Ausgabe 2015)
x

+

(derzeit noch kein Produkt für das Label zertifiziert)

+

(derzeit noch kein Produkt für das Label zertifiziert)

x

(aufgrund der Inhaltsstoffe / z.B. Lösemittelgehalt)

x

(Erfüllbarkeit unsicher)

EU-Umweltzeichen (Blume) für Innenfarben und –lacke bzw. für Außenfarben und -lacke

+

(Produktverfügbarkeit nicht prüfbar)

 

+

(Produktverfügbarkeit nicht prüfbar)

 

+

(Produktverfügbarkeit nicht prüfbar)

x

(aufgrund der Inhaltsstoffe / z.B. Lösemittelgehalt)

x

(Erfüllbarkeit unsicher, Produktverfügbarkeit nicht prüfbar)

Österreichisches Umweltzeichen /

Richtlinie UZ 17 für Wandfarben, innen

x  + +

x

(aufgrund der Inhaltsstoffe / z.B. Lösemittelgehalt)

x

(Erfüllbarkeit unsicher)
natureplus-
Qualitätszeichen /
RL0600ff Wandfarben (nur für Produkte aus nachwach. und/oder umweltverträglich gewonnenen mineral. Rohstoffen / mind. 85 Masse%)
x

+

(nur für Naturharzfarben, lösemittelfrei möglich, derzeit kein Produkt zertifiziert)

 

+

(derzeit nur Innenwandfarben zertifiziert)

Kalkfarben + Silikatfarben: RL0602 Innenwandfarben auf mineralischer Basis

Leimfarben: RL0602 Innenwandfarben auf pflanzlicher Basis

 x

(aufgrund der Inhaltsstoffe / nicht aus nachwachsenden oder mineralischen Rohstoffen)

 x

(aufgrund der Inhaltsstoffe / nicht aus nachwachsenden oder mineralischen Rohstoffen)

  GISBAU Klassifizierungs-system

Das GISBAU Klassifizierungssystem ermöglicht es durch den GISCODE oder GISBAU Produktcode, Produkte von denen die gleichen Gesundheitsgefahren ausgehen, in einer Gruppe zusammenzufassen. Die Klassifizierung ist auf den Arbeitsschutz ausgerichtet. Gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) ist grundsätzlich das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen zu verwenden. (siehe unten: Ersatzproduktgruppe prüfen?) Inhalt aufklappen

   
GISBAU Produkt-Code / GISCODE

M-DF02 Dispersionsfarben

M-DF04 Naturharzfarben

M-DF01 Dispersionsfarben, lösemittelfrei

M-DF03 Naturharzfarben, lösemittelfrei

 

Kalk- / Leimfarben: -

Silikatfarben:

M-SK01 1K-Silikatfarben

M-SK02
2K-Silikatfarben

M-PL01 Polymerisatharzfarben, entaromatisiert

M-PL02 Polymerisatharzfarben, aromatenarm

M-PL03 Polymerisatharzfarben, aromatenreich

M-PL04 Polymerisatharzfarben, lösemittelverdünnbar

M-SF01
Siliconharzfarben, wasserverdünnbar

GefStoffV: Prüfung von Alternativen erforderlich? (Minimierungsgebot)

erforderlich  nicht erforderlich  nicht erforderlich immer erforderlich (Einsatz i.d.R. technisch begründet)  nicht erforderlich

geringstmögliche Belastung innerhalb der gleichen GISCODE-Produktgruppe (ggf. erst nach Prüfung von Alternativen)

M-DF01 Dispersionsfarben, lösemittelfrei

oder

M-DF03 Naturharzfarben, lösemittelfrei

M-DF01 Dispersionsfarben, lösemittelfrei

oder

M-DF03 Naturharzfarben, lösemittelfrei

Kalk- / Leimfarben: -

Silikatfarben:
M-SK01 1K-Silikatfarben

M-PL01 Polymerisatharzfarben, entaromatisiert

wenn möglich:
M-DF01 oder M-DF03

M-SF01
Siliconharzfarben, wasserverdünnbar

wenn möglich:
M-DF01 oder M-DF03

  Umweltprodukt-deklaration (EPD)

Die Umweltproduktdeklaration (EPD = Environmental Product Declaration) eines Produktes macht Aussagen zum Energie- und Ressourceneinsatz und in welchem Ausmaß ein Produkt zu Treibhauseffekt, Versauerung, Überdüngung, Zerstörung der Ozonschicht und Smogbildung beiträgt. Außerdem werden Angaben zu technischen Eigenschaften gemacht, die für die Einschätzung der Performance des Bauproduktes im Gebäude benötigt werden, wie Lebensdauer, Wärme- und Schallisolierung oder den Einfluss auf die Qualität der Innenraumluft.1 Inhalt aufklappen

   
EPD1
+

+

Kalk- / Leimfarben: -

Silikatfarben: +
+ +
Branchen-EPD1 - - - - -
  Umweltindikatoren

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren wie z.B Primärenergieaufwand, Abfall, Abiotischer Ressourcenverbrauch, Ozonabbaupotential, Treibhauspotential usw. liefert die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB. Inhalt aufklappen

   
Ökobau.dat-Datensätze

-> 5. Beschichtungen -> 5.4 Fassadenfarben

 

  • 5.4.01 Dispersion

-> 5.5 Innen-beschichtungen

 

  • 5.5.02 Innenfarben (Dispersionsfarbe, scheuerfest)

 

-> 5. Beschichtungen -> 5.5 Innenbeschichtungen

 

  • 5.5.02 Innenfarben (Dispersionsfarbe, scheuerfest)
 

Kalk- / Leimfarben: -

Silikatfarben:

-> 5. Beschichtungen -> 5.4 Fassadenfarben

 

  • 5.4.02 Silikat-Dispersion
 
 -

-> 5. Beschichtungen -> 5.4 Fassadenfarben

 

  • 5.4.03 Silikonharz
 
  Sonstiges

Sonstige freiwillige Produktkennzeichnungen, die Informationen zur Umwelt- und Gesundheitsrelevanz von Produkten liefern können. Inhalt aufklappen

   
baubook-Deklaration Die Plattform baubook bietet für Händler und Hersteller von Bauprodukten die Möglichkeit einer online-Deklaration anhand von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Wandfarben finden sich Produktdeklarationen dort unter "Wandfarben".
+
Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe vorhanden
-
Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe nicht vorhanden
./.
Zeichen / Label für diese Produktgruppe nicht relevant
x
Produkte aus dieser Produktgruppe können die Kriterien des Zeichens/Labels definitionsgemäß nicht erfüllen

1 Die hier als vorhanden markierten EPDs und Branchen-EPDs sind als Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu verstehen und finden sich z.B. auf den Seiten des IBU Institut Bauen und Umwelt e.V..

Leimfarben

Bewertungssystem

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)

   
  Wofür steht das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)? Inhalt aufklappen
 

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMUB steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen.
Ausführliche Informationen zum BNB-System siehe www.nachhaltigesbauen.de

  Welche Informationen liefert WECOBIS für BNB im Reiter Bewertungssysteme? Inhalt aufklappen
 

WECOBIS führt in den Datenblättern der Bauproduktgruppen umfangreiche Informationen zur Beantwortung der verschiedenen Fragestellungen im Hinblick auf Umwelt- und Gesundheitsaspekte. Im Reiter Bewertungssysteme bietet WECOBIS gezielt Antworten auf Fragestellungen baustoffrelevanter Steckbriefe. Durch die Bündelung von Aspekten z.B. bzgl. der Risiken für die lokale Umwelt, Fragen zur Innenraumhygiene und der Thematik Rückbau, Trennung, Verwertung gibt WECOBIS gezielte Hilfestellung bei der Einordnung einzelner Baustoffe. Tiefergehende Informationen finden sich über die Verknüpfungen in den jeweiligen Datenblättern.
Hinweis: Eine abschließende Beurteilung im Rahmen des Bewertungssystems und der genannten Kriterien erfolgt jedoch grundsätzlich in Abhängigkeit weiterer baulicher Gegebenheiten (z.B. eingebaute Menge).

BNB-Kriterium BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau)

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_1.1.6 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

BNB-Kriterium BN_1.1.6 zielt auf die Reduzierung bzw. Vermeidung von Stoffen und Produkten beim Neubau, die aufgrund ihrer stofflichen Eigenschaften oder Rezepturbestandteile ein Risikopotenzial für Grundwasser, Oberflächenwasser, Boden und Luft (auch Innenraumluft) enthalten. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 5 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung der Substitution eines Stoffes.

Für den Umgang mit Materialien im Bestand und deren Einordnung ist Kriteriensteckbrief BK_1.1.6. heranzuziehen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau) und BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

Einordnung Leimfarben

 Für die Bewertung nach Kriterium BNB_BN_1.1.6 (Version V 2014_1) werden sechs potenzielle Schadstoffgruppen1 betrachtet. Für die Einordnung der Leimfarben gemäß 1.1.6 sind die hervorgehobenen Schadstoffgruppen 1, 3, 4+6  relevant: 
1  Gefährliche und besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC)
2  Gefährliche Stoffe, die ausgelaugt werden können
3  Schwermetalle (evtl. Pigmente)
4  Flüchtige organische Verbindungen (VOC) 1 einschließlich organische Lösemittel
5  Halogenierte Kälte- und Treibmittel
6  Biozide

Leimfarben werden in 1.1.6 über folgende Einsatzbereiche adressiert (s. BNB_BN_1.1.6 Anlage 1 / Allgemeine Anforderungsliste, Anlage 2 / Anforderungen an Einzelstoffe mit besonders besorgniserregenden Eigenschaften):

  • Pos. 5 Vor-Ort verarbeitete Oberflächenbeschichtungen, Innenwand-/ Deckenfarben, Beschichtungen auf überwiegend mineralischen Oberflächen im Innenbereich
  • Pos. 28 Vor-Ort verarbeitete Oberflächenbeschichtungen, Farben im Innen- und Außenbereich

Im folgenden werden die Anforderungen bzw. Einschränkungen für die Verwendung von Leimfarben dargestellt. Die eigentlichen Anforderungen der genannten Position in Anlage 1 betreffen ggf. auch andere Oberflächenbehandlungen.

Qualitätsniveau (QN)

Anforderungen für
Leimfarben als Innenwand-/Deckenfarben
(gem. Pos. 5 + 28)


(= Mindest-anforderung)

Produktdokumentation2 
incl. Deklaration von SVHC der Kandidatenliste
> 0,1 Gew.-%

2 (zusätzlich zu QN1)

Die verwendeten Produkte müssen lösemittelfrei und weichmacherfrei sein gemäß Definition VdL-RL 01 Abschnitt 4.2.4
(darin enthalten Anf. aus Pos. 28: Keine Pigmente und Sikkative auf Blei-, Cadmium- und Chrom-VI-Verbindungen)

3
(zusätzlich zu QN2)

Die Anforderungen von RAL-UZ 1023 (Emissionsarme
Wandfarben) müssen erfüllt werden.
(darin enthalten Anf. aus Pos. 28: Keine Pigmente und Sikkative auf Blei-, Cadmium- und Chrom-VI-Verbindungen)

4 (zusätzlich zu QN3)

5 (zusätzlich zu QN4)

Kommentierung:

Leimfarben enthalten i.d.R. keine SVHC und keine VOC, sodass die Anforderungen bis QN5 leicht erfüllt werden können.4 Leimfarben können zwar aufgrund der fehlenden Waschbeständigkeit nicht alle Anforderung von RAL-UZ 1023 erfüllen. Die Waschbeständigkeit ist allerdings für den Gleichwertigkeitsnachweis, der nur die genannten Schadstoffgruppen betrifft, nicht relevant.

1 Im Rahmen der Bewertung nach Kriterium 1.1.6 (Risiken für die lokale Umwelt) werden potenzielle Schadstoffe / Schadstoffgruppen in Bauproduktgruppen abhängig vom Bauprodukttyp und dem Einsatzbereich einzeln und produktbezogen abgefragt und je nach Vorkommen verschiedenen Qualitätsniveaus (QN) zugeordnet.
2 Die Produktdokumentation (z. B. über Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, Sicherheitsdatenblätter) ist die Mindestanforderung, die mindestens für alle durch BNB 1.1.6 betroffenen Produktgruppen erfüllt sein muss. Zusätzlich ist für alle diese Produktgruppen immer auch die Deklaration von SVHC der Kandidatenliste nach REACH (z.B. über Sicherheitsdatenblätter, Herstellererklärung) erforderlich. Produktgruppenabhängig können auch noch andere Nachweise gefordert sein.
3 Sofern innerhalb der Qualitätsniveaus auf aggregierte Produktkennzeichnungen verwiesen wird (Emicode, Blauer Engel, etc.), ist es zulässig vergleichbare Nachweise (weitere Umweltzeichen, Angaben in Sicherheits- oder Produktdatenblätter etc.) heranzuziehen. Dabei bezieht sich die Vergleichbarkeit nur auf die Anforderungen hinsichtlich der jeweiligen zu betrachtenden Schadstoffgruppen.
4 Eine Aussage über die Marktverfügbarkeit kann hier nicht getroffen werden. Insbesondere da auch vergleichbare Nachweise z.B. zum geforderten Blauen Engel3 herangezogen werden können.

Planungs- und Ausschreibungshilfen mit Textbausteinen

Tabellarische Übersichten mit allen Einzelkriterien für Planung und Ausschreibung sind im neuen Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen unter "Oberflächenbeschichtungen" zu finden. Die Tabellen dort enthalten auch detaillierte Informationen zu den Nachweismöglichkeiten (z.B. über andere Produktkennzeichnungen) und damit zur Prüfung der angebotenen Produkte. Außerdem finden sich dort auch die für die verschiedenen Qualitätsniveaus zugehörigen Textbausteine (auch als rtf-Download).

BNB-Kriterium BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BK_1.1.6 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

Im Falle einer Sanierungsmaßnahme wird BN_1.1.6 ergänzt durch das BNB-Kriterium BK_1.1.6. Dieses zielt auf die Adressierung und Ausschleusung von Materialien in der bestehenden Bausubstanz, die ein Risikopotenzial für Mensch und Umwelt darstellen. Die Bewertung erfolgt anhand einer Einstufung der Baumaterialien in ein vorgegebenes Schadstoffkataster mit 14 Schadstoffgruppen aufgrund ihres Schädigungspotentials und der jeweiligen Sanierungsmaßnahmen. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 4 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung er Substitution eines Stoffes.

Weitere Informationen zu den Einzelkriterien im Bestand siehe BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung). Für den Einbau von neuen Materialien gilt BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau).

Die Einordnung von Materialien im Bestand erfolgt in WECOBIS jeweils gesammelt für die ganze Obergruppe der Oberflächenbehandlungen. Siehe dazu Oberflächenbehandlungen im Bestand.

Leimfarben können in seltenen Fällen schwermetallhaltige Pigmente enthalten, welche bei der Sanierung relevant sein können. Es handelt sich im Wesentlichen um Pigmente auf der Basis von Blei, Cadmium und Zink.

BNB-Kriterium BN_3.1.3 - Innenraumhygiene

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_3.1.3 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

Ziel des BNB-Kriteriums 3.1.3 ist die Sicherstellung der Luftqualität im Innenraum unter hygienischen Gesichtspunkten, die zu keinen negativen Effekten hinsichtlich der Befindlichkeit der Raumnutzer führt, die hygienische Sicherheit garantiert und somit möglichst auch eine empfundene hohe olfaktorische Luftqualität gewährleistet.
Die Bewertung erfolgt anhand der Berechnung der personenbezogenen Luftwechselrate sowie anhand von Raumluftmessungen auf den Formaldehyd- und TVOC-Gehalt.
Erfahrungsgemäß lassen sich die Referenz- und Zielwerte dann erreichen, wenn die Auswahl und Verwendung der eingesetzten Materialien auf einem ganzheitlichen Konzept zur Vermeidung von Emissionen aus Bauprodukten basiert und der Einsatz emissionsarmer Materialien die Bauphase begleitend dokumentiert wird. BNB-Kriterium 3.1.3 steht deshalb in engem Zusammenhang mit der Erfüllung der Einzelkriterien für BNB-Kriterium 1.1.6.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_3.1.3 Innenraumhygiene (Neubau)

Einordnung der Leimfarben

Leimfarben verursachen keine VOC-Emissionen im Innenraum. Caseinhaltige Produkte können allerdings eine geruchsintensive Aminosäure (Abbauprodukt) abspalten.

Produktgruppe Zu erwartende VOC-Emissionen Zu erwartende
Formaldehyd-­Emissionen
Dispersionsfarben möglich keine
Dispersionsfarben lösemittelfrei keine keine
Naturharzfarben möglich keine
Naturharzfarben lösemittelfrei möglich keine
Epoxidharzdispersionen möglich keine
Epoxidharze lösemittelhaltig hoch keine
Kalkfarben keine keine
Leimfarben keine keine
Polymerisatharzfarben hoch keine
Siliconharzfarben möglich keine
1K-Silikatfarben möglich keine
2K-Silikatfarben keine keine
keine
Die Produktgruppe enthält kein Formaldehyd oder keine VOC.
möglich
Die Produkte der Produktgruppe unterscheiden sich bezüglich der zu erwartenden VOC- oder Formaldehyd-Emissionen. Bei der Produktwahl ist auf geeignete Zeichen und Deklarationen zu achten. Siehe dazu die Informationen im Reiter "Zeichen & Deklarationen".
hoch
Die Produktgruppe verursacht grundsätzlich hohe VOC-Emissionen oder Formaldehyd-Emissionen. Alternativen sind vorzugsweise in der Wahl funktional gleichwertiger Baustoffe anderer Produktgruppen oder anderer Konstruktionen zu suchen.

 

BNB-Kriterium BN_4.1.4 - Rückbau, Trennung, Verwertung

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_4.1.4 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

Im BNB Kriteriensteckbrief 4.1.4 werden Konstruktionen nach ihrer Rückbaubarkeit, Trennbarkeit und Verwertbarkeit eingestuft.
WECOBIS kann eine aktuelle Information über mögliche Umwelt- und Gesundheitsgefährdungsaspekte im Zuge von Rückbau und Entsorgung auf Bauproduktgruppenebene geben. Eine Betrachtung von ganzen Konstruktionen kann derzeit in WECOBIS noch nicht erfolgen. Ein Bauteilmodul ist jedoch in planung. Ergänzend zu Leitfäden und Arbeitshilfen helfen die bauproduktgruppenspezifischen Aspekte dem Koordinator jedoch auch jetzt schon, die Komponenten Umwelt und Gesundheit für den Steckbrief 4.1.4 einzuordnen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_4.1.4 – Rückbau, Trennung, Vewertung

Rückbaubarkeit

Für die Bewertung wirkt sich der Einsatz abfallarmer Konstruktionen, die die Möglichkeit eines sortenreines Rückbaus erlauben, günstig aus. Die Rückbaubarkeit beschreibt den Aufwand, der für Demontage oder Abbruch eines Bauteils aus dem Gebäudeverband nötig ist. Die Rückbaubarkeit von Oberflächenbehandlungen ist bedingt durch ihre Funktion prinzipiell nicht gegeben.

Farben haften funktionsbedingt auf dem unterliegenden Bauteil und können nicht getrennt rückgebaut werden.

Sortenreinheit

Beschreibt den Aufwand, der für die sortenreine Trennung mehrschichtiger und / oder inhomogener Bauteile anfällt.

Farben können nicht sortenrein zurückgebaut werden. Sie treten im Rückbau als Anhaftungen an anderen Baustoffen in Erscheinung und können die Recyclingfähigkeit dieser Baustoffe vermindern.

Verwertbarkeit

Für die Bewertung der Verwertbarkeit der Baustofffraktionen gelten die zur Zeit der Bewertung am Markt aktuell verfügbaren technischen Verfahren. Alternativ können bei Bauteilen mit langer zu erwartender Nutzungsdauer Forschungsvorhaben, die praktikable Lösungsmöglichkeiten in absehbarer Zeit zur Verfügung stellen können, positiv bewertet werden. 

Da Farben immer mit anderen Baustoffen verbunden sind und ihre Funktion die möglichst starke und andauernde Haftung auf dem Untergrund bedingt, können sie nur als Anhaftung an anderen Baustoffen entsorgt werden.

  • Eine stoffliche Verwertung ist bei Leimfarben nicht möglich.
  • Die energetische Verwertung von reinen Leimfarben ist möglich und führt bei vorschriftsgemässer Rauchgasreinigung zu keinen relevanten Emissionen.
  • Leimarben können als Anhaftungen auf Bauteilen in die Deponie gelangen. Abbauprodukte stellen eine Belastung für die Deponieabwässer dar.

Quellen

Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt, abrufbar unter BNB_BN_1.1.6 Version V 2014_1 (Online-Quelle in Überarbeitung)

Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 3.1.3 Innenraumhygiene, abrufbar unter BNB_BN2011-1_313 (Online-Quelle)

Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 4.1.4 Rückbau, Trennung und Verwertung, abrufbar unter BNB_BN2011-1_414 (Online-Quelle)

Leimfarben

Technisches

Technische Daten

Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl µ: hohe bis mittlere Dampfdurchlässigkeit µ = 80 - 150

Technische Regeln (DIN, EN)

Der Begriff Leimfarbe ist in DIN 55945 (Beschichtungsstoffe), der Begriff Leim in DIN 16920/06.81 definiert.

Bauregelliste

Das Deutsche Institut für Bautechnik stellt in den Bauregellisten A, B und C die technischen Regeln für Bauprodukte und Bauarten sowie bauaufsichtlich geregelte und nicht geregelte Bauprodukte und Bauarten auf.
Nach Zustimmung der obersten Bauaufsichtsbehörden der Länder wird die Bauregelliste bekannt gegeben. Erwerb und weiterführende Informationen zu Bauregelliste und ihren Regelungsbereichen siehe unter → www.dibt.de
Eine Darstellung und Erläuterungen zur Klassifizierung von Bauprodukten siehe im Lexikon → Klassifizierung von Bauprodukten

Leimfarben

Literaturtipps

Umweltbundesamt: Schadstoffarme Lacke - Geltungsbereich und Anforderungen, Umweltbundesamt, 1997, Berlin

ökoscience AG: Vergleichende ökologische Bewertung von Anstrichstoffen im Baubereich Band 1: Methode, Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, 1992, Bern

Büro für Umweltchemie (Hrsg.): Graue Energie von Baustoffen, Büro für Umweltchemie, 1995, Zürich

Leimfarben

Rohstoffe / Ausgangsstoffe

Hauptbestandteile

Leimfarben 2.1.1 neu

Abb. 1 / Zusammensetzung nach Funktionen

Die Bandbreite beim Bindmittelgehalt von Leimfarben ist groß und vom Bindemitteltyp abhängig. Bei Cellulosefarben beträgt der Gehalt nur wenig über 1 %, bei naturölvergüteten Caseinfarben bis 18 %. Der Gehalt an Pigmenten und Füllstoffen variiert nur geringfügig und liegt zwischen 52 und 56 %. In weißen Leimfarben sind bis 12 % Titandioxid als Weißpigment enthalten. Billige, "gewöhnliche" Cellulosefarben enthalten nur Füllstoffe ohne Weißpigmente. Lösemittel ist Wasser im Bereich von 30 bis 45 %. Leimfarben enthalten Konservierungsmittel sowie teilweise weitere Hilfsstoffe in sehr geringen Mengen.

Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Leimfarben 2.1.2 neu

Abb. 2 / Zusammensetzung nach Rohstoffherkunft

Gewinnung der Primärrohstoffe

Die Bindemittel von Leimfarben stammen hauptsächlich aus nachwachsenden Rohstoffen, die zum Teil geringfügig chemisch modifiziert sind. Leimfarben enthalten außer bei kunststoffvergüteten Cellulosefarben keine Bestandteile mit fossiler Rohstoffbasis. Die Pigmente, v.a. die Weißpigmente, werden aus Metallerzen in verhältnismäßig energieintensiven Prozessen gewonnen. Als Füllstoffe werden Gesteinsmehle wie Kalk oder Feldspat eingesetzt.

Die Gewinnung der mineralischen Rohstoffe ist mit Umweltrisiken verbunden.

Verfügbarkeit

Nachwachsende Rohstoffe sind definitionsgemäß unerschöpflich. Die benötigte Produktionsfläche steht jedoch in Konkurrenz zu Naturräumen und den Anbauflächen für Lebensmittel oder anderen technischen Produkten und ist nur begrenzt verfügbar. Die mineralischen Rohstoffe (Kalk, Gesteinsmehl) sind auch langfristig nicht erschöpft, eine Knappheit ist nicht zu erwarten.

Verwendung von Recyclingmaterialien / Produktionsabfällen

Die Verwendung von Sekundärrohstoffen in der Produktion von Kalkfarben ist evtl. denkbar, wird jedoch in der Praxis gegenwärtig nicht umgesetzt. Produktionsabfälle werden in modernen Industriebetrieben wo möglich genutzt. Detaillierte Informationen für die Farbenproduktion liegen jedoch nicht vor.

Radioaktivität

Radioaktivität ist für Farben und Lacke nicht relevant.

Quellen

Eigene Datensammlung, büro für umweltchemie

Leimfarben

Herstellung

Prozesskette

Prozess Farben

Herstellungsprozess

Die Herstellung der Bindemittel ist, verglichen mit der Herstellung von Kunstharzen, ein verhältnismäßig einfacher Prozess. Rohstoff für das Bindemittel Methylcellulose ist Rohcellulose (Zellstoff) aus Holz oder Baumwolle. Bei der anschließenden Bearbeitung finden verschiedene Gefahrstoffe (z. B. Dimethylsulfat, Iodmethan), z. T. mit eindeutig krebserzeugender Wirkung, Verwendung. Verhältnismäßig unproblematisch ist dagegen die Herstellung von Casein (Milcheiweiss), das durch Säureaufschluss aus Milch gewonnen wird. Die Herstellung der Pigmente und Füllstoffe ist nicht produktgruppenspezifisch.
Die Verarbeitung zu Farben beinhaltet das Einwägen und Mischen der Ausgangsstoffe gemäß Rezeptur. Anschließend werden die Farben in Gebinde eingefüllt und zur Auslieferung auf Paletten verpackt.

Umweltindikatoren / Herstellung

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren in WECOBIS soll zukünftig ausschließlich die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB liefern.

Die Ökobau.dat stellt Umweltprofile für Bauprodukte bereit, die als erforderliche Datengrundlage für die Lebenszyklusanalyse eingesetzt werden. Für Bauprodukte gibt es Herstellungs- und End-of-Live- Datensätze.

Weiterführende Informationen zur Ökobau.dat im Zusammenhang mit dieser Produktgruppe finden sich in WECOBIS unter Fachinformationen / Reiter Umweltdeklarationen → Ökobau.dat / Umweltindikatoren

Da in der Herstellung von Bauprodukten ein großer Anteil der verursachten Umweltbelastungen auf den Verbrauch von nicht erneuerbaren Energieträgern zurückzuführen ist, stellt die Graue Energie (kumulierter Primärenergieaufwand nicht erneuerbar) dafür einen guten Indikator dar.

Im Kapitel Energieaufwand finden sich ggf. allgemeine Informationen zum Thema, die die Produktgruppe prägen.

Energieaufwand

Wichtigste Einflussgröße für die Herstellungsenergie von Leimfarben ist die Menge der Weißpigmente, die zwischen 80 und 90 % der Herstellungsenergie verursacht. Entsprechend gering ist der Energiebedarf für gewöhnliche Leimfarben nur mit Füllstoffen (1 MJ/m²). Die in der Herstellung energiearmen Bindemittel, die Füll- und die Hilfsstoffe haben nur eine geringe Bedeutung.

Graue Energie

  Naturharzfarben lösemittelfrei Leimfarben Dispersionsfarben lösemittelfrei
[MJ/m²] 2.5 - 4.5 1 - 3 6.5 - 9

Die Bandbreite der Grauen Energie ergibt sich aus den produktbedingten Abweichungen in den Rezepturen und bezieht sich auf einen Standardaufbau für weiße Deckenfarben. Die höheren Herstellungsenergiewerte von Dispersionsfarben lösemittelfrei werden durch die Kunstharzbindemittel und den durchschnittlich höheren Weißpigmentanteil verursacht.

Belastungszahl BZ gemäß BUWAL-Methode

Der BZ-Indikator ist das Ergebnis einer in der Schweiz entwickelten Bewertungsmethode der Umweltbelastung während der Herstellung und Verarbeitung von Anstrichstoffen und basiert auf der Stoff- und Energiebilanzierung.

  Naturharzfarben lösemittelfrei Leimfarben Dispersionsfarben lösemittelfrei
BZ [-/m²] 4.5 - 9.5 2 - 7 7.5 - 13

Auch bei der Umweltbelastungszahl wird 80 bis 90 % der Umweltbelastung durch das Weißpigment Titandioxid verursacht wird. Die Vergütung von Cellulosefarben mit 2 % Kunstharzdispersion erhöht die Herstellungsenergie um rund 10 %, die Belastungszahl um ca. 5 %. Unvergütete Cellulosefarben mit Kalksteinmehl anstelle Titandioxid als Weißpigment haben eine sehr niedrige Belastungszahl von ca. 2.

Leimfarben gehören zu den wenig rohstoff- und herstellungsintensiven Anstrichstoffen.

Charakteristische Emissionen

Emissionen in der Herstellung von Farben sind von deren Zusammensetzung abhängig. Mineralische Füllstoffe können zu Staubemissionen führen. Prozesswasser muss, soweit vorhanden, gemäß den Vorgaben der „Verordnung über Anforderungen an das Einleiten von Abwasser in Gewässer“ kontrolliert und behandelt werden.

Transport

Leimfarben enthalten normalerweise keine fossilen Rohstoffe. Der Transport der Ausgangsstoffe, welche auf erneuerbaren Rohstoffen basieren (Bindemittel und Hilfsstoffe), ist generell mit kürzeren Transportwegen und geringeren Umweltrisiken behaftet als der Transport von Ausgangsstoffen, welche auf fossilen Rohstoffen basieren. Da jedoch Bindemittel sowie Hilfsstoffe in einer Vielzahl von verschiedenen Produkten verwendet werden (nicht nur in Leimfarben), ist die Umweltrelevanz des Transports nicht spezifisch für die Herstellung von Leimfarben.

Quellen

Umweltbundesamt: Schadstoffarme Lacke - Geltungsbereich und Anforderungen, Umweltbundesamt, 1997, Berlin

ökoscience AG: Vergleichende ökologische Bewertung von Anstrichstoffen im Baubereich Band 1: Methode, Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, 1992, Bern

Leimfarben

Verarbeitung

Technische Hinweise / Verarbeitungsempfehlungen

Leimfarben stellen keine besonderen Anforderungen an die Verarbeitung.

Arbeitshygienische Risiken

Allgemeines

Wie alle vergleichbaren Anstrichsysteme oder Alternativen verursachen die Leimfarben keine Lösemittelemissionen.

AGW-Werte

Bei der Verarbeitung ist nicht mit der Überschreitung von Arbeitsplatzgrenzwerten zu rechnen.

REACH / CLP

Die REACH-Verordnung regelt die Herstellung, das Inverkehrbringen und den Umgang mit Industriechemikalien. Zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen, dient die CLP-Verordnung (Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen), um ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu gewährleisten.

Wird ein Produkt nicht als Stoff oder Gemisch, sondern als Erzeugnis eingestuft, ist kein Sicherheitsdatenblatt (SDB) erforderlich und Gefahrstoffbezeichnungen entfallen. Lediglich besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) müssen ausgewiesen werden.

Farben werden als Gemisch eingestuft.

Produkt bezogene Informationen gemäß CLP-Verordnung müssen daher in den Sicherheitsdatenblättern (SDB) der jeweiligen Produkte ausgewiesen sein.

Einstufungen und Gesundheitsgefahren nach GISBAU

keine

Umweltrelevante Informationen

Wassergefährdung

Leimfarben können gemäß VwVwS (Einstufung aufgrund der Verwaltungsvorschrift wassergefährdender Stoffe) als “schwach wasser­gefährdend“ eingestuft werden.

Entsorgung von Restmaterial

Reste müssen einer speziellen Behandlung unterzogen bzw. an den Sammelstellen abgegeben werden und dürfen nicht als Restmüll entsorgt werden.
Restentleerte Kunststoffgebinde können thermisch oder stofflich verwertet werden. Auf einer vorbildlichen Baustelle werden keine Gebinde in die Kanalisation ausgewaschen. Die umweltgerechten Entsorgungsleistungen beim Arbeiten mit Farben sind bereits in der Ausschreibung für alle Unternehmen festzulegen.

Transport

Leimfarben sind nicht als Gefahrgut gekennzeichnet. Für den Transport bestehen daher keine spezifischen Auflagen.

Quellen

Eigene Berechnungen und Daten, büro für umweltchemie

Datenbank für wassergefährdende Stoffe, Umweltbundesamt

Leimfarben

Nutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiken Neuzustand

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

Der Ausschuss zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten (AgBB) hat ein Bewertungsschema (AgBB-Bewertungsschema) zur gesundheitlichen Bewertung der Emissionen von flüchtigen organischen Verbindungen (VOC und SVOC) aus Bauprodukten entwickelt. Darin sind auch Anforderungen für Farben formuliert.
Da Leimfarben keine Lösemittelemissionen verursachen, erfüllen sie die Anforderungen.

Umwelt- und Gesundheitsrisiken bei bestimmungsgemäßer Nutzung

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

TVOC: Geruchsintensive oder gesundheitsschädliche Abbau- oder Zersetzungsprodukte aus Leimfarben werden im Allgemeinen nicht festgestellt. Caseinhaltige Produkte können eine geruchsintensive  Aminosäure (Abbauprodukt) abspalten.

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Außenraum

Umweltrelevante Bestandteile:

Leimfarben enthalten abgesehen von den notwendigen Topfkonservierungsmitteln in der Regel keine umweltrelevanten Bestandteile, die durch Diffusion oder bei der Renovierung (z.B. durch Abwaschen) in die Umwelt gelangen können. Allerdings können alle buntpigmentierten Farben, insbesondere die kräftig leuchtenden Pigmente, umweltrelevante Schwermetalle wie Chrom, Kobalt, Nickel, Blei oder Cadmium enthalten. Solche Pigmente  werden allerdings in Leimfarben kaum verwendet.

Umwelt- und Gesundheitsrisiken im Schadensfall

Brandfall

Im Brandfall sind keine besonderen Risiken für Umwelt und Gesundheit zu erwarten.

Wassereinwirkung

Es sind keine besonderen Risiken für die Umwelt zu erwarten. Leimfarben enthalten keine gemäß Gefahrstoffverordnung kennzeichnungspflichtigen Bestandteile, welche wasserlöslich sind.

Beständigkeit Nutzungszustand

Mechanische Beständigkeit
Abriebfestigkeit Abwaschbar- und Scheuerbeständigkeit Härte und Kratzfestigkeit
mäßig bedingt abwaschbar, nicht scheuerbeständig nicht filmbildend
Alterungsverhalten
Vergilbungsneigung Witterungsbeständigkeit
vorhanden keine Außenanwendungen

Caseinfarben sind im Gegensatz zu Cellulosefarben abwaschbar, hoch vergütete Caseinfarben sind teilweise scheuerbeständig. Durch Zusatz von Kunststoffdispersionen kann die Wisch- und Abriebfestigkeit von Cellulosefarben verbessert werden.

Unter der Rubrik Baustoff- und Gebäudedaten / Nutzungsdauern von Bauteilen findet sich auf dem Informationsportal Nachhaltiges Bauen eine Datenbank mit Nutzungsdauerangaben von ausgewählten Bauteilen des Hochbaus für den Leitfaden „Nachhaltiges Bauen“.
Datenbank als PDF

Instandhaltung

Leimfarben sind nicht mit einem geschlossen filmbildenden Anstrichstoff überstreichbar. Der Aufwand für eine vollständige Entfernung des Anstrichs ist gering. Alte Anstriche können abgewaschen und der Untergrund neu gestrichen werden. Mit Zunehmendem Vergütungsgrad (Kunststoffdispersionen bei Cellulosefarben, Leinöl bei Caseinfarben) erhöht sich der Aufwand für eine vollständige Entfernung des Anstriches.

Quellen

Daten und eigene Berechnungen, büro für umweltchemie. Zürich

Ausschuss zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten, AgBB-Bewertungsschema 2012, Online-Quelle abgerufen am 10. Juli 2012.

DIBt (Deutsches Institut für Bautechnik) (2010), Grundsätze zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten in Innenräumen, Stand Oktober 2010, Online-Quelle abgerufen am 10. Juli 2012.

Leimfarben

Nachnutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiko Rückbau

Mit dem Rückbau sind keine besonderen Risiken für Umwelt und Gesundheit verbunden.

Wiederverwendung

Eine Wiederverwendung von Farben ist nicht möglich. Oberflächenbehandlungen von Bauteilen können die Wiederverwendung erschweren.

Stoffliche Verwertung

Eine stoffliche Verwertung von Farben kommt aufgrund ihrer Verarbeitungsform grundsätzlich nicht in Frage. Mit Farben behandelte Baustoffe werden in ihrer Recyclierbarkeit beeinträchtigt. Dies kann zu Qualitätseinbußen von Sekundärbaustoffen führen. Dies gilt insbesondere für Gipsbaustoffe, Mauerwerk und Beton.

Energetische Verwertung

Leimfarben können in Verbrennungsanlagen energetisch verwertet werden und ergeben bei vorschriftsmäßiger Rauchgasreinigung keine relevanten Emissionen.

Beseitigung / Verhalten auf der Deponie

Reine Leimfarben dürfen nicht deponiert werden. Da sie aber auf anderen Materialen anhaften, die je nach Material deponiert werden, können sie dennoch in Deponien gelangen. Somit können die Abbauprodukte der Farben die Deponieabwässer belasten.

EAK-Abfallschlüssel

vgl. auch Farben, Lacke, Lasuren

Unverarbeitete und unausgehärtete Leimfarben

08 01 Abfälle aus Herstellung, Zubereitung, Vertrieb, Anwendung und Entfernung von Farben und Lacken
08 01 12 Farb- und Lackabfälle mit Ausnahme derjenigen, die unter 08 01 11 fallen

(Gemäß KrW-/AbfG, BestbüAbfV besonders überwachungsbedürftige Abfälle)

Ausgehärtete Produktreste
Ausgehärtete Produktreste gelten nicht mehr als Problemmüll und können mit dem Restmüll entsorgt werden.

Quellen

Verordnung über das Europäische Abfallverzeichnis (Abfallverzeichnis-Verordnung – AVV, zuletzt geändert am 24. Februar 2012, Online-Quelle abgerufen am 11.7.2012.