Betonverflüssiger

Produktgruppeninformation

Begriffsdefinition

Betonverflüssiger (BV) sind Zusatzmittel, die ohne Veränderung des Wassergehalts die Verarbeitbarkeit verbessern oder ohne die Konsistenz zu beeinträchtigen eine Verminderung des Wassergehalts einer gegebenen Betonmischung ermöglichen (mögliche Wassereinsparung zwischen 5 und 10 l/m³ Beton)

Fließmittel (FM) sind stark verflüssigende Zusatzmittel, die auch nachträglich eingemischt werden dürfen. Sie bewirken eine erhebliche Verminderung des Wasseranspruchs und/oder eine Verbesserung der Verarbeitbarkeit.

Mögliche Nebenwirkungen bei BV und FM:
Einführung von Luftporen, Festigkeitsminderung, Erstarrungsverzögerung

Wesentliche Bestandteile

Organische Bestandteile wie z.B. Ligninsulfonate, Melaminsulfonate, Naphtalinsulfonate oder Polycarboxylate sowie Entschäumer und Konservierungsmittel.

Charakteristik

Verändern (i.d.R. Verflüssigen) die Konsistenz von Beton

Besonders wichtige Eigenschaft hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Die Einleitung von Zusatzmitteln oder Spülwässer mit Restmengen von Betonzusatzmitteln in Gewässer oder die Kanalisation ist nicht erlaubt.

Lieferzustand

  • flüssig
  • pulverförmig

Anwendungsbereiche (Besonderheiten)

  • Transport- und Pumpbeton
  • Erstellung feingliedriger Bauteile
  • Wasserundurchlässiger Beton
  • Betonieren horizontaler oder schwach geneigter Bauteile (bis 3% Neigung)
  • Fließbeton
  • Hochleistungsbeton
  • selbst verdichtender Beton

Quellen

N. Schröter, P. Fischer: Entwicklung und Trends bei Betonzusatzmitteln, beton 6/2010

Zement-Merkblatt Betontechnik B3 (9.2005) „Betonzusätze – Zusatzmittel und Zusatzstoffe“

DIN EN 934-2 Zusatzmittel für Beton, Mörtel und Einpressmörtel - Teil 2: Betonzusatzmittel - Definitionen, Anforderungen, Konformität, Kennzeichnung und Beschriftung

Betonverflüssiger
Betonverflüssiger

Planungs- und Ausschreibungshilfen

WECOBIS informiert produktneutral. An verschiedenen Stellen bietet WECOBIS jedoch auch Unterstützung dazu, wie sich Produkte innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer ökologischen Eigenschaften unterscheiden lassen.

Informationen hier im Reiter Ausschreibung:

  • Links zu materialökologischen Anforderungen und Textbausteinen für Planung und Ausschreibung im WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen,
  • Hinweise auf mögliche Quellen und Nachweisdokumente zu Planungs- und Ausschreibungskriterien,
  • Hinweise zu möglichen Verwendungseinschränkungen hinsichtlich Gefahrstoffverordnung und zu Alternativen

Übersicht Planungs- und Ausschreibungshilfen: Betonzusatzmittel
Stand 06/2015

  Betonzusatzmittel
     
  Material-
ökologische Anforderungen
Im neuen Modul "Planungs- & Ausschreibungshilfen" bietet WECOBIS eine Übersicht zu möglichen materialökologischen Anforderungen und Textbausteine für Planung und Ausschreibung. Inhalt aufklappen
   
Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS An Betonzusatzmittel stellt der BNB-Kriterienkatalog 1.1.6 keine Anforderungen. Deshalb gibt es für diese Produktgruppe auch keine Textbausteine im neuen Modul "Planungs- & Ausschreibungshilfen".
  Mögliche Quellen Die hier genannten Quellen, insbesondere BNB, bilden die Grundlage für Planungs- und Ausschreibungshilfen bzw. materialökologische Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS. Inhalt aufklappen
   
Bewertungssystem
Nachhaltiges Bauen

(BNB) des BMUB /
Kriterium 1.1.6 (Risiken für die lokale Umwelt) 

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMUB steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen. Die o.g. Textbausteine und materialökologischen Anforderungen in WECOBIS basieren derzeit auf Kriteriensteckbrief 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt. Dieser steht in engem Zusammehang mit Kriteriensteckbrief 3.1.3 Innenraumhygiene.

Auch wenn ein Gebäude nicht zertifiziert werden soll, bilden die einzelnen Kriteriensteckbriefe eine gute Grundlage, Orientierung und Hilfestellung für die Umsetzung ökologischer Aspekte in der Gebäudeplanung.

Einordung der jeweiligen Betonzusatzmittel hinsichtlich verschiedener Kriteriensteckbriefe siehe Reiter Bewertungssysteme in WECOBIS

Umweltbundesamt
(UBA)
Auf den Internet-Seiten des Umweltbundesamtes (UBA) befindet sich der „Informationsdienst für umweltfreundliche Beschaffung“. Die Seiten werden gerade überarbeitet, sodass sich dort derzeit aus dem Baubereich nur Ausschreibungsempfehlungen zu Elastischen Bodenbelägen, Tapeten und Raufaser finden.
baubook ökologisch ausschreiben Die Plattform baubook ökologisch ausschreiben bietet eine Sammlung von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Betonzusatzmittel finden sich Kriterien unter Ortbetone / Betonzusatzmittel.
natureplus Ausschreibungstexte naturepus Ausschreibungstexte zu Betonzusatzmittel sind derzeit nicht vorgesehen. 
  Mögliche Nachweis-
dokumente
weitere Nachweismöglichkeiten neben den folgend genannten sind Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, sowie Herstellererklärungen oder ggf. ein Anhang mit Nachhaltigkeitsmerkmalen zur bauaufsichtlichen Zulassung (abZ+). Inhalt aufklappen 
   
gesetzlich vorgeschrieben: Welche Nachweisdokumente müssen vom Hersteller zur Verfügung gestellt werden? Welcher Nachweis kann damit erbracht werden? 
REACH / CLP:
Sicherheitsdatenblatt (SDB)
Betonzusatzmittel werden als Stoff oder Gemisch eingestuft. Für sie muss daher ein SDB gemäß den Anforderungen in Art.31 REACH-VO in Verbindung mit Anhang II erstellt werden. (Nachweis gefährliche Stoffe, Nachweis SVHC >= 0,1 Gew.-%).
freiwillige Produktkenn-zeichnungen / -deklarationen Für einige Bauproduktgruppen existieren freiwillige Produktkennzeichnungen oder -deklarationen wie z.B. Umweltzeichen oder Umweltproduktdeklarationen, die als Nachweis für materialökologische Anforderungen dienen können. Eine Übersichtstabelle dazu mit detaillierten Informationen zu Betonzusatzmittel findet sich im Reiter Zeichen & Deklarationen.

Gefahrstoffverordnung / Alternativen hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der GefStoffV ist grundsätzlich das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen zu verwenden.

Werden für eine Produktgruppe GISBAU Produkt-Codes oder GISCODES vergeben, lassen sich z.B. dadurch Unterschiede innerhalb der Produktgruppe feststellen (s. Reiter Zeichen & Deklarationen).

Weitere planungs- und ausschreibungsrelevante Informationen in WECOBIS

Allgemeine Unterstützung zum Umgang mit Nachhaltigkeitsaspekten in Planung und Ausschreibung sowie Hinweise auf Leitfäden, Arbeitshilfen und Veröffentlichungen zum Nachhaltigen Bauen bietet das neue WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen unter Allgemeine Infos.

Betonverflüssiger

Umweltdeklarationen

Die folgende Tabelle liefert eine Übersicht zu Zeichen & Deklarationen aus dem Bereich der Betonzusatzmittel. Neben Herstellererklärungen, Informationen in Sicherheitsdatenblättern (SDB), Leistungserklärungen oder allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen (abZ) können diese den Nachweis für umwelt- und gesundheitsrelevante Kriterien in Planung und Ausschreibung (s. Reiter Ausschreibung) ermöglichen. Detaillierte Informationen finden sich außerdem in den einzelnen Produktgruppen.

Übersicht Umweltdeklarationen: Betonzusatzmittel
Stand 06/2015

  Betonzusatzmittel
     
  Umweltzeichen

Umweltzeichen gehören zu den freiwilligen Produktkennzeichnungen. Sie bieten die Möglichkeit, Unterschiede von Produkten innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer Umwelt- und Gesundheitsrelevanz festzustellen, auch wenn sie keine allgemeinverbindlichen Gebote oder Verbote aufstellen können. Inhalt aufklappen

   
Blauer Engel
weil emissionsarm
-
EU-Umweltzeichen (Blume)
Österreichisches Umweltzeichen
natureplus-Qualitätszeichen -
Nordischer Schwan
  GISBAU Klassifizierungs-system

Das GISBAU Klassifizierungssystem ermöglicht es durch den GISCODE oder GISBAU Produktcode, Produkte von denen die gleichen Gesundheitsgefahren ausgehen, in einer Gruppe zusammenzufassen. Die Klassifizierung ist auf den Arbeitsschutz ausgerichtet. Gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) ist grundsätzlich das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen zu verwenden. (siehe unten: Ersatzproduktgruppe prüfen?) Inhalt aufklappen

   

GISBAU Produkt-Code / GISCODE

BZM 1 / "Betonzusatzmittel, kennzeichnungsfrei"
BZM 2 / "Betonzusatzmittel, reizend"
BZM 3 / "Betonzusatzmittel, ätzend"

GefStoffV: Prüfung von Alternativen erforderlich? (Minimierungsgebot)

-

geringstmögliche Belastung innerhalb der gleichen GISCODE-Produktgruppe (ggf. erst nach Prüfung von Alternativen)

BZM 1 / "Betonzusatzmittel, kennzeichnungsfrei"

  Umweltprodukt-deklaration (EPD)

Die Umweltproduktdeklaration (EPD = Environmental Product Declaration) eines Produktes macht Aussagen zum Energie- und Ressourceneinsatz und in welchem Ausmaß ein Produkt zu Treibhauseffekt, Versauerung, Überdüngung, Zerstörung der Ozonschicht und Smogbildung beiträgt. Außerdem werden Angaben zu technischen Eigenschaften gemacht, die für die Einschätzung der Performance des Bauproduktes im Gebäude benötigt werden, wie Lebensdauer, Wärme- und Schallisolierung oder den Einfluss auf die Qualität der Innenraumluft.1 Inhalt aufklappen

   
EPD1 -
Branchen-EPD1 + (in Kategorie "Grundstoffe und Vorprodukte")
  Umweltindikatoren

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren wie z.B Primärenergieaufwand, Abfall, Abiotischer Ressourcenverbrauch, Ozonabbaupotential, Treibhauspotential usw. liefert die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB. Inhalt aufklappen

   
Ökobau.dat-Datensätze

siehe 1. Mineralische Baustoffe / 1.4 Mörtel und Beton / 1.4.06 Betonzusatzmittel:

Betonzusatzmittel Betonverflüssiger und Fließmittel - Deutsche Bauchemie e.V. (DBC); 1 kg, Dichte: 1 - 1,6 kg/l HTML - XML

Betonzusatzmittel Dichtungsmittel - Deutsche Bauchemie e.V. (DBC); 1 kg, Dichte: 1 - 1,6 kg/l HTML - XML

Betonzusatzmittel Erhärtungsbeschleuniger - Deutsche Bauchemie e.V. (DBC); 1 kg, Dichte: 1 - 1,6 kg/l HTML - XML

Betonzusatzmittel Erstarrungsbeschleuniger - Deutsche Bauchemie e.V. (DBC); 1 kg, Dichte: 1 - 1,6 kg/l HTML - XML

Betonzusatzmittel Luftporenbildner - Deutsche Bauchemie e.V. (DBC); 1 kg, Dichte: 1 - 1,6 kg/l HTML - XML

Betonzusatzmittel Verzögerer - Deutsche Bauchemie e.V. (DBC); 1 kg, Dichte: 1 - 1,6 kg/l

  Sonstiges

Sonstige freiwillige Produktkennzeichnungen, die Informationen zur Umwelt- und Gesundheitsrelevanz von Produkten liefern können. Inhalt aufklappen

   
baubook-Deklaration Die Plattform baubook bietet für Händler und Hersteller von Bauprodukten die Möglichkeit einer online-Deklaration anhand von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Betonzusatzmittel gibt es derzeit keine Produktdeklarationen (Produktgruppe "Ortbetone / Betonzusatzmittel").
+
Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe vorhanden
-
Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe nicht vorhanden
./.
Zeichen / Label für diese Produktgruppe nicht relevant
x
Produkte aus dieser Produktgruppe können die Kriterien des Zeichens/Labels definitionsgemäß nicht erfüllen

1 Die hier ggf. als vorhanden markierten EPDs oder Branchen-EPDs sind als Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu verstehen und finden sich z.B. auf den Seiten des IBU Institut Bauen und Umwelt e.V..

Betonverflüssiger
Betonverflüssiger

Technisches

Färbung

farblos, gelblich, braun

Beständigkeit

Befall durch Mikroorganismen (Bakterien, Schimmel, Hefen) möglich, deshalb Zugabe von Konservierungsmitteln

Technische Regeln (DIN, EN)

Betonzusatzmittel

DBCh Betontechnologie

2007

Moderne Fließmittel in der Betontechnologie - Herstellung und Verwendung von Beton mit PCE - Informationsschrift

DBCh Betontechnologie

2010

Anwendung von Fließmitteln auf PCE-Basis im Industriebodenbau

ARS 18/86

1986

Allgemeines Rundschreiben Straßenbau Nr. 18/1986; Brücken und Ingenieursbau; Richtlinie für Beton mit Fließmittel und für Fließbeton; Herstellung, Verarbeitung und Prüfung

Bauregelliste

Das Deutsche Institut für Bautechnik stellt in den Bauregellisten A, B und C die technischen Regeln für Bauprodukte und Bauarten sowie bauaufsichtlich geregelte und nicht geregelte Bauprodukte und Bauarten auf.
Nach Zustimmung der obersten Bauaufsichtsbehörden der Länder wird die Bauregelliste bekannt gegeben. Erwerb und weiterführende Informationen zu Bauregelliste und ihren Regelungsbereichen siehe unter → www.dibt.de
Eine Darstellung und Erläuterungen zur Klassifizierung von Bauprodukten siehe im Lexikon → Klassifizierung von Bauprodukten

Betonverflüssiger

Literaturtipps

Deutscher Ausschuss für Stahlbeton, DAfStb (Hrsg.): Umweltverträglichkeit zementgebundener Baustoffe. Sachstandsbericht, Beuth Verlag GmbH, 1996, Berlin, Köln

Deutsche Bauchemie e.V.: Sachstandsbericht Betonzusatzmittel und Umwelt, Mai 2011

N. Schröter, P. Fischer: Entwicklung und Trends bei Betonzusatzmitteln, beton 6/2010

Zement-Merkblatt Betontechnik B3 (9.2005) „Betonzusätze – Zusatzmittel und Zusatzstoffe“

DIN EN 934-2 Zusatzmittel für Beton, Mörtel und Einpressmörtel - Teil 2: Betonzusatzmittel - Definitionen, Anforderungen, Konformität, Kennzeichnung und Beschriftung

Betonverflüssiger

Rohstoffe / Ausgangsstoffe

Hauptbestandteile

Für BV werden als Rohstoffe Ligninsulfonate, Melaminsulfonate, Naphtalinsulfonate und Polycarboxylate verwendet. Die Rohstoffe liegen als wässrige Lösungen vor und sind frei von Lösemitteln.

Ligninsulfonate (LS)
Rohstoff für Ligninsulfonat ist Lignin, ein hochpolymerer Naturstoff, der zusammen mit Cellulose den Hauptbestandteil des Holzes bildet.

Melaminsulfonate (MS)
Melaminsulfonate sind sulfitmodifizierte Melamin-Formaldehyd-Kondensationsprodukte.

Naphtalinsulfonate (NS)
Rohstoff für Naphtalinsulfonat ist Naphthalin, das während der trockenen Destillation der Steinkohle aufgrund einer Zersetzungsreaktion entsteht. Weiterer Rohstoff ist Formaldehyd

Polycarboxylate (PCE)
Als Rohstoffe für PCEs werden ungesättigte organische Carbonsäuren verwendet. Zum Einsatz kommen Acrylate, Maleinate sowie davon abgeleitete Derivate.

Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Gewinnung der Primärrohstoffe

Siehe unter Hauptbestandteile

Verfügbarkeit

Hierzu liegen derzeit keine Informationen vor.

Verwendung von Recyclingmaterialien / Produktionsabfällen

Hierzu liegen derzeit keine Informationen vor.

Betonverflüssiger

Herstellung

Herstellungsprozess

Ligninsulfonate (LS)
Durch Sulfonierung wird Lignin von der Cellulose getrennt. Es entstehen Ligninsulfonate. Die so entstehenden Ligninsulfonate kann man daher auch als modifizierte Naturprodukte ansehen. Aufgrund ihrer physiologischen Eigenschaften sind Ligninsulfonate als Pelletierungsmittel in der Futtermittelindustrie im Einsatz und sind futtermittelrechtlich zugelassen.

Melaminsulfonate (MS)
Melaminsulfonate sind sulfitmodifizierte Melamin-Formaldehyd-Kondensationsprodukte.

Naphtalinsulfonate (NS)
Durch Sulfonieren von Naphthalin und Umsetzung mit Formaldehyd erhält man ein sulfoniertes Naphthalin-Kondensationsprodukt.

Polycarboxylate (PCE)
Als Rohstoffe für BV und FM werden wasserlösliche Polycarboxylate/ -ether in der Regel in der Form ihres Natriumsalzes eingesetzt. Sie leiten sich von ungesättigten organischen Carbonsäuren ab. Zum Einsatz kommen Acrylate, Maleinate sowie davon abgeleitete Derivate.

Da die Wirkung der BV und FM u.a. darauf beruht, die Oberflächenspannung des Wassers herabzusetzen, besitzen sie die Neigung zur Schaumbildung beim Mischen, der durch Zugabe von Entschäumern (bis zu 0,5%) entgegengewirkt wird.
Als Entschäumer wird Tri-iso-butylphosphat eingesetzt.

Zum temporären Schutz (während der Lagerung) werden teilweise auch Konservierungsmittel zugegeben, die gegen den Befall durch Mikroorganismen (Bakterien, Schimmel, Hefen) schützen.

Für die Herstellung des „fertigen“ BV bzw. FM werden schließlich die LS, MS, NS oder PCE mit Entschäumer und Konservierungsmittel vermischt.

Umweltindikatoren / Herstellung

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren in WECOBIS soll zukünftig ausschließlich die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB liefern.

Die Ökobau.dat stellt Umweltprofile für Bauprodukte bereit, die als erforderliche Datengrundlage für die Lebenszyklusanalyse eingesetzt werden. Für Bauprodukte gibt es Herstellungs- und End-of-Live- Datensätze.
Weiterführende Informationen zur Ökobau.dat im Zusammenhang mit dieser Produktgruppe finden sich in WECOBIS unter Fachinformationen / Reiter Umweltdeklarationen → Ökobau.dat / Umweltindikatoren

Da in der Herstellung von Bauprodukten ein großer Anteil der verursachten Umweltbelastungen auf den Verbrauch von nicht erneuerbaren Energieträgern zurückzuführen ist, stellt die Graue Energie (kumulierter Primärenergieaufwand nicht erneuerbar) dafür einen guten Indikator dar.

Im Kapitel Energieaufwand finden sich ggf. allgemeine Informationen zum Thema, die die Produktgruppe prägen.

Energieaufwand

Zur aufgewendeten Energie während der Herstellung liegen derzeit keine Informationen vor.

Charakteristische Emissionen

„Üblicherweise enthalten Polykondensationsprodukte des Melamins und des Naphthalins produktionsbedingte geringe Mengen an freiem Formaldehyd, die im Allgemeinen unter dem Grenzwert für eine Kennzeichnungspflicht des Produktes liegen.“ 1

Maßnahmen Gesundheitsschutz

„Die Rohstoffe (Gemische bzw. Zubereitungen) sind gemäß EG-Richtlinie 1999/45/EG weder giftig noch gesundheitsschädlich, weder reizend noch ätzend.“ 1

Maßnahmen Umweltschutz

Einhausung der Produktionshallen, Filteranlagen für Abluft und Abwasser.

Transport

Die Standorte von kleineren und größeren Chemiefirmen sind weltweit verteilt. Über die genauen Transportwege der Rohstoffe zu den Herstellerwerken liegen keine Informationen vor.

Quellen

allgemein:Deutsche Bauchemie e.V.: Sachstandsbericht Betonzusatzmittel und Umwelt, Mai 2011
1 Quelle: Deutsche Bauchemie e.V.: Sachstandsbericht Betonzusatzmittel und Umwelt, Mai 2011

Betonverflüssiger

Verarbeitung

Technische Hinweise / Verarbeitungsempfehlungen

BV und FM liegen in der Regel in flüssiger Form vor. Die Wirkstoffgehalte liegen zwischen 10 – 40 M.-%. Dosierung bezogen auf die Zementmasse:

  • BV 0,2 – 0,5 M.-%
  • FM 0,4 – 4,0 M.-%

Arbeitshygienische Risiken

Allgemeines

Ligninsulfonate, Melaminsulfonate und Naphtalinsulfonate:

  • toxikologisch unbedenklich
  • nicht reizend
  • Bakterien- und Fischtoxizität gering, nicht kennzeichnungspflichtig
  • keine erbgutverändernde Eigenschaft festgestellt
  • Wassergefährdungsklasse: 1 "schwach wassergefährdend"
  • Bioakkumulation ausgeschlossen

Polycarboxylate:

  • nicht akut toxisch
  • Haut- und Schleimhautreizungen möglich
  • Bakterien- und Fischtoxizität gering, nicht kennzeichnungspflichtig
  • keine erbgutverändernde Eigenschaft festgestellt
  • Wassergefährdungsklasse: 1 "schwach wassergefährdend"

Entschäumer (Tri-iso-butylphosphat)

  • Haut- und Schleimhautreizungen möglich
  • keine erbgutverändernde Eigenschaft festgestellt
  • Wassergefährdungsklasse: 1 "schwach wassergefährdend"

Quelle: Deutsche Bauchemie e.V.: Sachstandsbericht Betonzusatzmittel und Umwelt, Mai 2011

AGW-Werte

Nicht eingestuft.

REACH / CLP

Die REACH-Verordnung regelt die Herstellung, das Inverkehrbringen und den Umgang mit Industriechemikalien. Zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen, dient die CLP-Verordnung (Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen), um ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu gewährleisten.

Wird ein Produkt nicht als Stoff oder Gemisch, sondern als Erzeugnis eingestuft, ist kein Sicherheitsdatenblatt (SDB) erforderlich und Gefahrstoffbezeichnungen entfallen. Lediglich besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) müssen ausgewiesen werden.

Betonzusatzmittel und damit auch Betonverflüssiger bzw. Fließmittel werden als Zubereitungen bzw. Gemische eingestuft. Produkt bezogene Informationen gemäß CLP-Verordnung müssen daher in den Sicherheitsdatenblättern (SDB) der jeweiligen Produkte ausgewiesen sein.

Lediglich besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) müssen ausgewiesen werden. Produkt bezogene Informationen hierzu finden sich dann in den Sicherheitsdatenblättern (SDB) des Herstellers.

Einstufungen und Gesundheitsgefahren nach GISBAU

BZM 1: Betonzusatzmittel, kennzeichnungsfrei

Für Fließmittel werden folgende Angaben in WINGIS-online gemacht:
„Kann die Haut und Augen reizen, z.B. Brennen, Jucken.“

Emissionen

Veröffentlichungen über das Schadstoffemissionsverhalten aus Frischbeton bei der Verwendung von BV/FM liegen derzeit nicht vor.

Umweltrelevante Informationen

Wassergefährdung

Fließmittel (FM) wirken nach dem gleichen Prinzip wie die Betonverflüssiger (BV), in der Regel jedoch 2-3-mal so stark (durch eine andere Gewichtung der Wirkstoffe). Die eingesetzten Mengen betragen 0,2 bis 1.5 M% des Zementgewichtes und somit einen Wirkstoffgehalt im Beton von < 0,1 M%.

Die BV/FM werden nach heutigem Kenntnisstand relativ rasch an die Oberfläche der Zementpartikel sorbiert, sodass die Konzentration in der wässrigen Phase im Beton bzw. im Porenwasser rasch abnimmt. Eine Freisetzung bzw. Auslaugung aus dem Beton ist daher gering, zumal für die Umweltverträglichkeit die aus dem Beton freisetzbaren Substanzen entscheidend sind.

Eine Einleitung von Zusatzmitteln oder Spülwässer mit Restmengen von Betonzusatzmitteln in Gewässer oder die Kanalisation ist nicht erlaubt, da BZM in die Wassergefährdungsklasse 1: schwach wassergefährdend eingestuft werden.

Transport

Die Standorte von kleineren und größeren Chemiefirmen sind weltweit verteilt. Deshalb kann es je nach Herstellerwahl zu größeren Transportwegen auf internationaler Ebene kommen.

Betonverflüssiger

Nutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiken bei bestimmungsgemäßer Nutzung

„Üblicherweise enthalten Polykondensationsprodukte des Melamins und des Naphthalins produktionsbedingte geringe Mengen an freiem Formaldehyd, die im Allgemeinen unter dem Grenzwert für eine Kennzeichnungspflicht des Produktes liegen.“ Derzeit wird davon ausgegangen, dass BV oder FM, nicht und auch nicht zu Teilen freigesetzt wird, da diese fest in die Zementsteinmatrix eingebunden werden. Untersuchungen zur Formaldehydemission aus unterschiedlich alten Beton- und Verbundplatten ergaben für Formaldehyd Werte von nicht messbar bis 0,0245 mg/m³ Luft und liegen damit deutlich unter dem AGW-Wert (ehemals MAK-Wert) von 0,6 mg/m³. 1

Nach heutigem Wissenstand kann davon ausgegangen werden, dass von BV und FM keine Gefährdung für Mensch und Umwelt durch Freisetzung flüchtiger Stoffe ausgeht.

Umwelt- und Gesundheitsrisiken im Schadensfall

Brandfall

In Bauprodukten verwendete Betonverflüssigern/Fließmitteln bergen keine brandrelevante Gefährdung.

Wassereinwirkung

Es sind keine Umwelt- und Gesundheitsrisiken zu erwarten.

Quellen

allgemein: Deutsche Bauchemie e.V.: Sachstandsbericht Betonzusatzmittel und Umwelt, Mai 2011
1 Deutsche Bauchemie e.V.: Sachstandsbericht Betonzusatzmittel und Umwelt, Mai 2011

Betonverflüssiger

Nachnutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiko Rückbau

Der Einsatz von Betonverflüssigern/Fließmitteln in Beton führt nicht zu einer Erhöhung des Umwelt- oder Gesundheitsrisiko beim Rückbau. Eine Staubentwicklung ist beim Rückbau von mineralischen Bauprodukten immer zu erwarten.

Stoffliche Verwertung

Die Recyclingfähigkeit von Betonen mit Verflüssigern oder Fließmitteln ist nach heutigem Kenntnisstand nicht beeinträchtig.

Energetische Verwertung

Über die energetische Verwertung der reinen Betonverflüssiger/Fließmittel liegen keine Informationen vor.

Beseitigung / Verhalten auf der Deponie

Der Einsatz von Betonverflüssigern/Fließmitteln in Mörtel und Beton beeinträchtigt nach derzeitigen Informationen nicht deren Deponierbarkeit.

EAK-Abfallschlüssel

16 05 09 gebrauchte Chemikalien mit Ausnahme derjenigen,
die unter 16 05 06, 06 05 07 oder 16 05 08 fallen
17 01 01 Beton
17 07 01 gemischte Bau- und Abbruchabfälle (wenn nicht sortenrein rückbaubar)
10 13 14  Betonabfälle und Betonschlämme

(gemäß KrW-/AbfG, BestüVAbfV, überwachungsbedürftige Abfälle zur Verwertung)