Dichtungen, Abdichtungen im Bestand

Produktgruppeninformation

Allg. Kurzinformation zum Thema Bestand

Eine Aufnahme von Schadstoffen im Bestand muss durch eine Fachperson erfolgen. Die Beurteilung von Abdichtungsanstrichen, Abdichtungsbahnen und Dichtmassen im Hinblick auf das Vorhandensein von Schadstoffen hängt ab vom Gebäudealter, dem Zeitpunkt früherer Sanierungsarbeiten und den eingesetzten Produkten. Diese Beurteilung erfordert Erfahrung und spezifisches Fachwissen.

Das Bayerische Landesamt für Umweltschutz stellt eine Arbeitshilfe für den kontrollierten Rückbau kontaminierter Bausubstanz zur Verfügung. Die Arbeitshilfe kann auf der Webseite des LFU heruntergeladen werden.

WECOBIS informiert den Planer über Schadstoffe, die in der Produktgruppe der Dichtungen und Abdichtungen möglicherweise auftreten können. Diese Übersicht soll als Orientierungshilfe dienen, kann jedoch eine fachliche Abklärung vor Ort nicht ersetzen.

Vorkommen von Altstoffen

Siehe hierzu die Datenblätter zu 419 Fugenmassen, 408 Dachbahnen und 418  Feuchtigkeitssperren des Bayerischen Landesamts für Umweltschutz (LFU).

Schadstoffkategorie Dichtungen, Abdichtungen
PCB  Dichtmassen
PAK  Dachpappe, Gussasphalt und Asphaltmastix, Voranstriche
Weichmacher DEHP Kunstoff-Dichtungs- und Dachbahnen

Dichtungen und Abdichtungen mit den oben erwähnten Schadstoffen können möglicherweise in folgenden Gebäudeteilen respektive Bauteilen gefunden werden.

Gebäudeteil Bauteile / Schadstoffe
Sperrschichten in/auf der Bodenplatte Abdichtungsbahnen (PAK)
Bodenplatte und Fundamente Trenn-/Bewegungsfugen (PCB, PAK)
erdberührte Wände (außen) Schwarzanstriche oder -beschichtungen (PAK), Kapillarwasseraufstiegs-Sperren (PAK)
Außenwände / Fassaden Fugenmassen Betonfertigteile oder Gebäudedehnfugen (PCB, PAK)
Fußbodenaufbau Elastische Fugenmassen in Trennfugen und am Randabschluss (PCB), Gussasphalt (PAK), Sperrbahn (PAK)
Fenster, Türen, Treppen

Anschlussfugen (PAK, PCB)

Kittfugen bei Fenstern (Asbest)

Dach Dachpappen, Voranstrich (PAK)
Befestigte Freiflächen Schwarzdecken (PAK)

Asbest

Obwohl die krebserzeugende Wirkung von Asbest seit langem bekannt ist, wurde dieses Material bis in die 1990er Jahre vor allem als Baumaterial häufig verwendet, da es für viele Einsatzzwecke sehr gut geeignet ist. Die Anwendung von Asbest wurde in Deutschland 1993 verboten. Bereits eingebaute Materialien wurden in der Regel nur bei akuter Gefährdung sofort entfernt. Daher findet man auch heute noch asbesthaltige Materialien, die bei der Renovierung besonders sorgfältig behandelt werden müssen, um Gesundheitsgefährdungen zu vermeiden.

Gefährdungseinstufung und Toxizität von Asbest:

  • nach ChemG : T (Giftig)
  • nach GefstoffV: R 45 Kann Krebs erzeugen, R 48/23 Auch giftig: Gefahr ernster Gesundheitsschäden bei längerer Exposition durch einatmen

Bei Asbest in Bauprodukten wird unterschieden in:

  • Fest gebundene Asbestprodukte, Asbestanteil bis 15  Gew.-%, Raumgewicht i. d. Regel über 1500 kg/m3, aber stets über  1.000 kg/m3. Die Asbestfasern sind relativ fest gebunden.
  • Schwach gebundener Asbest, Asbestanteil ab 60 Gew.-%, Raumgewicht i. d. Regel unter 1000 kg/m3.

Besondere Gefährdung geht dabei von schwach gebundenem Asbest aus. 

Siehe hierzu auch das Datenblatt 501 Asbest des LFU.

Polychlorierte Biphenyle PCB

Polychlorierte Biphenlye sind besonders wegen Ihrer endokrinen Wirkung bekannt geworden. Sie können den Hormonhaushalt und damit die Fortpflanzungsfähigkeit stören. PCB stehen zudem im Verdacht, Krebs zu erzeugen. Durch Ihre hohe Fett- und geringe Wasserlöslichkeit reichern sie sich im Fettgewebe von Lebewesen an und können über die Nahrungskette akkumulieren. Im Bestand sind PCB-haltige Fugenmassen von Bedeutung. Bis in die 80er-Jahre wurden dauerelastische Fugen mit PCB-haltigen Polysulfid-Massen verfüllt. Diese Massen finden sich in allen Anwendungsbereichen dauerelastischer Fugen sowohl im Gebäudeinneren wie auch auf der Außenseite.

Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe PAK

PAK sind ein Bestandteil des Steinkohleteers. PAK können Krebs erzeugen. Sie finden sich in Asphaltbelägen älteren Datums, Teeranstrichen (Schwarzanstrich) und Teerdachbahnen (Dachpappe). Moderne Produkte setzen Bitumen als Rohstoff ein, der nur wenig bis keine PAK enthält. Auch Bitumenprodukte können relevante PAK-Gehalte aufweisen, wenn sie mit Steinkohleteer versetzt sind.

Weichmacher

Über die Zeit wurden in Kunststoffprodukten eine Vielzahl von Weichmachern eingesetzt. Insbesondere weiches Polyvinylchlorid PVC weist hohe Weichmacheranteile auf, da reines PVC sehr hart wäre. Im "Bewertungssystem nachhaltiges Bauen"  BNB kritisch beurteilt wird DEHP, das vor allem in PVC eingesetzt wurde. Aufgrund einer visuellen Bestandesaufnahme kann nicht auf den eingesetzten Weichmacher geschlossen werden. Hier können nur Laboruntersuchungen Klarheit schaffen.

Maßnahmen bei der Sanierung

Asbest

Wenn asbesthaltige Baustoffe bearbeitet oder entfernt werden, sind Schutzmassnahmen gemäß TRGS 519  vorzusehen. Unbedenkliche, fest gebundene asbesthaltige Bauprodukte können eventuell unter Berücksichtigung der gesetzlichen Bestimmungen im Baukörper verbleiben.
Sofern Baustoffe mit schwach gebundenem Asbest  festgestellt werden, ist die „Richtlinie für die Bewertung und Sanierung schwach gebundener Asbestprodukte in Gebäuden" (Asbestrichtlinie) zu beachten.

Polychlorierte Biphenyle PCB

PCB-haltige Baustoffe sind als gefährliche Abfälle eingestuft und getrennt zu entsorgen. Ein entweichen der PCB in die Umwelt ist unbedingt zu vermeiden. Da sich PCB in der Nahrungskette anreichern, verbleiben einmal in die Umwelt gelangte PCB zu einem großen Teil in der Nahrungskette und können so auch in Nahrungsmittel gelangen.

Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe PAK

Falls teerhaltige Dachpappen entfernt werden müssen, sind Schutzmaßnahmen gemäß TRGS 524 "Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten in kontaminierten Bereichen" vorzusehen.

Weichmacher

Beim Rückbau Weichmacher-haltiger Kunststoffe sind keine speziellen Arbeitsschutzmaßnahmen vorzusehen. Die Entsorgung hat gemäß der Abfallkategorie des Hauptmaterials (z. B. PVC) zu erfolgen.

Quellen

Arbeitshilfe Kontrollierter Rückbau: Kontaminierte Bausubstanz, Erkundung, Bewertung, Entsorgung, LFU, Bayerisches Landesamt für Umweltschutz, 2003

Dichtungen, Abdichtungen im Bestand
Dichtungen, Abdichtungen im Bestand
Dichtungen, Abdichtungen im Bestand
Dichtungen, Abdichtungen im Bestand

Bewertungssysteme

BNB-Kriterium BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BK_1.1.6 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

Im Falle einer Sanierungsmaßnahme wird BN_1.1.6 ergänzt durch das BNB-Kriterium BK_1.1.6. Dieses zielt auf die Adressierung und Ausschleusung von Materialien in der bestehenden Bausubstanz, die ein Risikopotenzial für Mensch und Umwelt darstellen. Die Bewertung erfolgt anhand einer Einstufung der Baumaterialien in ein vorgegebenes Schadstoffkataster mit 14 Schadstoffgruppen aufgrund ihres Schädigungspotentials und der jeweiligen Sanierungsmaßnahmen. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 4 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung er Substitution eines Stoffes.

Weitere Informationen zu den Einzelkriterien im Bestand siehe BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung). Für den Einbau von neuen Materialien gilt BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau).

Das BNB-Kriterium "Risiken für die lokale Umwelt" fragt in Teilkriterium 2 nach Problemstoffen in der bestehenden Bausubstanz, falls ein Gebäude saniert wird. Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht darüber, welche Problemstoffe möglicherweise in der Gruppe der Dichtungen und Abdichtungen auftreten können.

Schadstoffkategorie Dichtungen, Abdichtungen
1. Asbest  Fensterkitt
2. Polychlorierte Biphenyle PCB  Dichtmassen
3. Holzschutzmittel / Biozide:
Pentachlorphenol PCP, Lindan, DDT
 –
4. Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe PAK Abdichtungsanstriche, Abdichtungsbahnen, Dachbahnen
5. Alte Künstliche Mineralfasern KMF  –
6. Blei  –
7. Fluorchlorkohlenwasserstoffe FCKW  –
8. Flammschutzmittel (zurückgestellt)  

9. Weichmacher DEHP

 Abdichtungsbahnen
10. Formaldehyd  –
11. Schimmelpilze  konstruktionsabhängig 1)
12. Radon aus Baustoffen (zurückgestellt)  –
13. Taubenkot  konstruktionsabhängig
14. Feinstaub (zurückgestellt)  –
– nichts bekannt für Dichtungen, Abdichtungen

1) Schimmelpilze können bei einer relativen Luftfeuchtigkeit ab 80% und Temperaturen ab ca. 10°C an vielen Bauteiloberflächen auftreten. Das Auftreten von Schimmelpilzen wird nicht von bestimmten Materialien verursacht sondern durch bauphysikalische Mängel oder Bauschäden.

Dichtungen, Abdichtungen im Bestand
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