Silikon-Dichtstoffe

Produktgruppeninformation

Begriffsdefinition

Silikon-Dichtstoffe sind einkomponentige Polysiloxane, die mit der Luftfeuchtigkeit bei An­wesenheit von Vernetzern zu elastischen Massen aushärten und danach ein kautschukelastisches Verhalten zeigen. Sie werden auch als Silikonkautschuk bezeichnet. Polysiloxane sind chemische Moleküle aus Atomketten mit bis zu tausenden von Atomen. Die Atomkette besteht aus immer gleichen Teilen (den Monomeren) aus einem Siliziumatom und einem Sauerstoffatome in der Kette und unterschiedlichen Fortsätzen ("Seitenäste") am Siliziumatom.  Aufgrund des Vernetzungscharakters unterschiedet man säurehärtende, aminhärtende und neutralhärtende Silikon-Dichtstoffe.

Folgende Tabelle gibt einen Überblick der verschiedenen Systeme, ihrem Anwendungsbereich, mit einigen technischen Daten sowie den umweltrelevanten Bestandteilen.

Materialbezeichnung Silikon neutral­härtend Silikon säure­härtend
Silikon basisch­härtend
Systeme Oxim, Alkoxy, Benzamid Acetat Amin
Hauptanwendung Universell im Hochbau Sanitär, Wohnbe­reich, Fenster, Hochbau Sanitär, Metallbau, Fenster, Hochbau
Spezielle Anwen­dung  

Besonders gute Haftung auf silikatischen Untergründen (Glas)

Bei Metallen Korrosions­gefahr, auf alkalischen Untergründen Neutralisations­reaktion

Gute Haftung auf zementösen Untergründen, hohe Temperatur-
beständigkeit

Geruch

- Klassische Oxim-Systeme mit Geruch nach Methylethylketoxim, MEKO-freie Systeme mit charakteristischem Geruch
- Alkoxy geruchsneutral
- Benzamid schwacher Estergeruch
Essigsäure Fischgeruch  (Amine)

Verfor­mung [%]

20 – 25 20 – 25 25
Temperaturbeständigkeit [°C] -40 bis 165 -60 bis 180 -40 bis 180
Rohdichte [kg/m3] 1000 – 1500 1000 – 1150 1000 – 1400
Lösemittel­emissio­nen [Masse-%] 0 – 1.3 0 – 5 0
Mögliche umweltre­levante Bestand­teile Fungizide, Katalysator, Weichmacher Fungizide, Katalysator, Haftmittel Fungizide, Katalysator
Bemerkungen Kennzeichnungs­pflichtige Zinn-Katalysatoren sind Stand der Technik. Es sind noch keine Alternativen möglich. Sanitär­silikone enthalten in der Regel kennzeichnungs­pflichtige Fungizide (außer transparente Produkte).

Wesentliche Bestandteile

Silikon-Dichtstoffe enthalten Polysiloxane (eigentlich Polyorganosiloxane), mineralische Füllstoffe, ggf. Pigmente und verschiedene Hilfsstoffe. Zu den Hilfsstoffen gehören Weichmacher, Haftvermittler, Katalysatoren, Fungizide und Trockenstoffe. Die Polysiloxane enthalten entsprechende funktionelle Gruppen, die eine weitmaschige Vernetzung ermöglichen. Die zugesetzten Füllstoffe beeinflussen in Abhängigkeit von der Art und der Menge die mechanischen und chemischen Eigenschaften der ausgehärteten Dichtstoffe. Zur Verwendung in Feuchträumen (Sanitär, Schwimmbäder, Trinkwasserbehälter) werden die Silikon-Dichtstoffe mit Fungiziden ausgerüstet. Außer den aminhärtenden Systemen können Silikon-Dichtstoffe auch geringe Anteile an Lösemitteln, in der Regel < 5%, enthalten.

Die Aushärtung erfolgt je nach System unter Abgabe unterschiedlicher Stoffe:

  • Das Acetatsystem (säurehärtend) spaltet beim Aushärten Essigsäure ab.  Es ist vermutlich das am weitesten verbreitete System.
  • Oximsysteme (neutralhärtend) spalten beim Aushärten chemisch relativ inerte Ketoxime ab. Klassische Systeme auf der Basis von Methylethylketoximen (MEKO) spalten Butanonoxim ab, neuere Rezepturen auf der Basis von 4-Methyl, 2-pentanonoxim-silan (MIBKO) spalten gegenüber den klassischen Systemen weniger Butanonoxim ab und riechen auch weniger.
  • Alkoxy-Systeme (neutralhärtend) riechen praktisch nicht. Sie sind in der Herstellung jedoch komplexer als die anderen Systeme, da man Katalysatoren beigeben muss, die wiederum die Polymere des Kautschuks angreifen können. Heute sind Alkoxy-Systeme mit unterschiedlichen Katalysatoren und Hilfsstoffen auf dem Markt, darunter auch zweikomponentige.
  • Benzamid-Systeme (neutralhärtend) riechen nur sehr schwach esterhaltig. Sie sind vor allem auf porösen Untergründen sehr gut geeignet, eine starke Haftung zu entwickeln.
  • Die Amin/Aminoxysysteme (basisch- oder aminhärtend) zeichnen sich durch einen beim Aushärten wahrnehmbaren fischartigen Geruch aus. Diese Systeme sind trotz der guten Eigenschaften auf dem Markt nicht mehr sehr verbreitet.

Gegenüber säure- oder basischhärtenden Systemen können neutralhärtende Systeme dann eingesetzt werden, wenn aggressive Abspaltprodukte wie Essig­säure und Amin unerwünscht sind (z.B. wegen möglicher Korrosion von Metall­oberflächen).

Charakteristik

Silikon-Dichtstoffe können bei Temperaturen von ca. 5 °C bis 40 °C verarbeitet werden. Sie können bei Gebrauchstemperaturen zwischen ca. -60 und +180 °C eingesetzt werden. Sie sind Chemikalien- und Witterungsbeständig und weisen eine praktische Dehnfähigkeit bis zu 25% auf.

Lieferzustand

In Kartuschen, meist 300 - 330 ml Volumen.
Gebinde müssen wasserdampfdicht sein.

Anwendungsbereiche (Besonderheiten)

Silikon-Dichtstoffe zeichnen sich durch eine gute Haftung auf Glas, Keramik, Beton, Holz, PVC und Aluminium aus. Sie werden deshalb häufig im Metall- und Glasbau, in Küchen, auf Balkonen und auf Terrassen eingesetzt. Silikon-Dichtstoffe sind oft nicht überstreichbar. Neutralhärtende Silikone können universell im Hochbau eingesetzt werden, während bei säurehärtenden Produkten gewisse Einschränkungen bestehen aufgrund der Korrosions­gefahr bei Metallen oder der Neutralisationsreaktion auf alkalischen Untergründen.

Alternativen hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Silikon-Dichtstoffe enthalten in der Regel umweltrelevante Bestandteile wie Katalysatoren und Fungizide. MS Hybrid-Dichtstoffe enthalten zwar oft auch Zinnkatalysatoren, dagegen aber keine Fungizide. Sie können im Hochbau universell angewendet werden und sind deshalb eine Alternative zu fungizid ausgerüsteten Silikon-Dichtstoffen. Im Trockenbereich können Acrylat-Dichtstoffe eingesetzt werden. Sofern sie keine Fungizide enthalten, können sie ebenso eine Alternative sein, da sie keine Zinnkatalysatoren enthalten.

Quellen

Kittel, H., Reul, H. (Hrsg.) (2005): Lehrbuch der Lacke und Beschichtungen, Band 7, Produkte für das Bauwesen, Beschichtungen, Bauklebstoffe, Dichtstoffe, Hrsg: S. Hirzel Verlag Stuttgart, 2. Auflage

Silikon-Dichtstoffe
Silikon-Dichtstoffe

Planungs- und Ausschreibungshilfen

WECOBIS informiert produktneutral. An verschiedenen Stellen bietet WECOBIS jedoch auch Unterstützung dazu, wie sich Produkte innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer ökologischen Eigenschaften unterscheiden lassen.

Informationen hier im Reiter Ausschreibung:

  • Links zu materialökologischen Anforderungen und Textbausteinen für Planung und Ausschreibung im WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen,
  • Hinweise auf mögliche Quellen und Nachweisdokumente zu Planungs- und Ausschreibungskriterien,
  • zusammenfassende Informationen zum Lebenszyklus,
  • Hinweise zu möglichen Verwendungseinschränkungen hinsichtlich Gefahrstoffverordnung und zu Alternativen

Übersicht Planungs- und Ausschreibungshilfen: Dichungsmassen / Dichtstoffe
Stand 03/2015

  Acrylat-DichtstoffeSilikon-DichtstoffeMS Hybrid Dichtstoffe (SMP)
         
  Material-
ökologische Anforderungen
Im neuen Modul "Planungs- & Ausschreibungshilfen" bietet WECOBIS eine Übersicht zu möglichen materialökologischen Anforderungen und Textbausteine für Planung und Ausschreibung. Inhalt aufklappen
   
Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS Dichtungsmassen / Dichtstoffe im Innenraum,
siehe auch Punkt- und linienförmige Verklebungen im Innenraum (es handelt sich ggf. um dieselben Produkte, die in beiden Anwendungsfällen verwendet werden)
  Mögliche Quellen Die hier genannten Quellen, insbesondere BNB, bilden die Grundlage für Planungs- und Ausschreibungshilfen bzw. materialökologische Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS. Inhalt aufklappen
   
Bewertungssystem
Nachhaltiges Bauen

(BNB) des BMUB /
Kriterium 1.1.6 (Risiken für die lokale Umwelt)

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMUB steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen. Die o.g. Textbausteine und materialökologischen Anforderungen in WECOBIS basieren derzeit auf Kriteriensteckbrief 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt. Dieser steht in engem Zusammehang mit Kriteriensteckbrief 3.1.3 Innenraumhygiene.

Auch wenn ein Gebäude nicht zertifiziert werden soll, bilden die einzelnen Kriteriensteckbriefe eine gute Grundlage, Orientierung und Hilfestellung für die Umsetzung ökologischer Aspekte in der Gebäudeplanung.

Einordung der Dichtstoffe im Innenbereich hinsichtlich verschiedener Kriteriensteckbriefe siehe Reiter Bewertungssysteme in WECOBIS

Umweltbundesamt
(UBA)
Auf den Internet-Seiten des Umweltbundesamtes (UBA) befindet sich der „Informationsdienst für umweltfreundliche Beschaffung“. Die Seiten werden gerade überarbeitet, sodass sich dort derzeit aus dem Baubereich nur Ausschreibungsempfehlungen zu Elastischen Bodenbelägen, Tapeten und Raufaser finden.
baubook ökologisch ausschreiben Die Plattform baubook ökologisch ausschreiben bietet eine Sammlung von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Dichtstoffe finden sich Produktdeklarationen unter Abdichtstoffe und Klebemassen.
natureplus Ausschreibungstexte naturepus Ausschreibungstexte zu Dichtstoffen sind derzeit nicht vorgesehen.
  Mögliche Nachweis-
dokumente
weitere Nachweismöglichkeiten neben den folgend genannten sind Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, sowie Herstellererklärungen oder ggf. ein Anhang mit Nachhaltigkeitsmerkmalen zur bauaufsichtlichen Zulassung (abZ+). Inhalt aufklappen
   
gesetzlich vorgeschrieben: Welche Nachweisdokumente müssen vom Hersteller zur Verfügung gestellt werden? Welcher Nachweis kann damit erbracht werden?
REACH / CLP:
Sicherheitsdatenblatt (SDB)
Dichtstoffe werden als Gemisch eingestuft. Für sie muss daher ein SDB gemäß den Anforderungen in Art.31 REACH-VO in Verbindung mit Anhang II erstellt werden. (Nachweis gefährliche Stoffe, Nachweis SVHC >= 0,1 Gew.-%).
Leistungserklärung gemäß BauPVO mit Angaben zu SVHC -

(+)*

*nur Silikonklebstoffe für geklebte Glaskonstruktionen / gem. Bauregelliste B Teil 1 / 2.4.4.13

-
freiwillige Produktkenn-zeichnungen / -deklarationen Für einige Bauproduktgruppen existieren freiwillige Produktkennzeichnungen oder -deklarationen wie z.B. Umweltzeichen oder Umweltproduktdeklarationen, die als Nachweis für materialökologische Anforderungen dienen können. Eine Übersichtstabelle dazu mit detaillierten Informationen zu Dichtstoffen findet sich im Reiter Zeichen & Deklarationen.

Übersicht Lebenszyklusinformationen: Dichtungsmassen / Dichtstoffe

   Acrylat-Dichtstoffe Silikon-Dichtstoffe MS Hybrid Dichtstoffe (SMP)
               
  Rohstoffe Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Rohstoffe)
   
Hauptbestandteile nach Rohstoffherkunft
Anteil fossiler Rohstoffe ca. 50 M.-% (sehr variable Rezepturen)
Anteil mineralischer Rohstofffe ca. 50 M.-% (sehr variable Rezepturen)
Anteil erneuerbarer Rohstoffe 0  M-% 
Charakteristische Inhaltsstoffe
Bindemittel 20-85% Acrylester-Copolymere 25 -88% Polysiloxane + Vernetzer 33% silanmodifizierte Polymere
Füllstoffe 10-70% Kreide, Talk uä 9 -50% Kieselsäure, Kalkstein, Talkum, Aluminiumoxid uä 39% Gesteinsmehl, z.B. Kalk
Pigmente Titandioxid Titandioxid, Eisenoxide uä 7%  Titandioxid, Ruß etc
Weichmacher 0,5-5% Weichmacher, Fungizide, Konservierungsmittel etc 0 -29%  Weichmacher, Katalysatoren, etc. 18% Siliconöle, Phthalate, Paraffin
Hilfsstoffe 4% Thixotropiermittel, Antioxidantien etc.
Wasser 3-15 % - -  -  -  -
Problematische Inhaltsstoffe
Besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) können in Form von Flammschutzmitteln oder Weichmachern (z.B. Chlorparaffine, halogenierte Phosphorsäureester, Phthalate) eingesetzt werden. 
Schwermetalle kein relevantes Umweltthema bei Acrylat-Dichtstoffen

Kennzeichnungs­pflichtige Zinn-Katalysatoren sind Stand der Technik (geringe Konzentration im Produkt). Es sind noch keine Alternativen möglich. Bei der Anwendung als Biozid sind wesentlich größere Mengen im Produkt enthalten.

Biozide Zur Verhinderung von Schimmelpilz-Wachstum können Acrylat-Dichtstoffen Fungizide beigesetzt werden. Außerdem ist die Zugabe von Konservierungsmitteln möglich. Sanitär­silikone enthalten in der Regel kennzeichnungs­pflichtige Fungizide (außer transparente Produkte). MS-Hybrid-Dichtstoffe enthalten keine Fungizide
Lösemittel, Weichmacher Acrylat- und Silikon-Dichtstoffe können geringe Anteile an Lösemitten enthalten
(in der Regel < 5 %).
Wird mehr Polymer eingesetzt, kann der Weichmacheranteil gesenkt werden. Es gibt auch weichmacherfreie Systeme.
Sonstige  - Bei der Kondensationsreaktion werden aus Silikonen Stoffe freigesetzt. Die gefährlichsten sind n‑Butanonoxim aus oxim-vernetzenden sowie Amine aus basisch härtenden Systemen. Bei der Kondensationsreaktion werden aus SMP-Dichtstoffen Alkohole freigesetzt
Sonstiges
Verwendung von erneuerbaren oder Sekundär-Rohstoffen  keine Verwendung von erneuerbaren oder Sekundär-Rohstoffen 
Verfügbarkeit der Rohstoffe  mit Ausnahme der erdölbasierten Rohstoffe gute Verfügbarkeit. 
  Herstellung Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Herstellung)
  Ökobau.dat-Datensätze 6. Kunststoffe / 6.7 Dichtmassen / 6.7.6 Acrylat 6. Kunststoffe / 6.7 Dichtmassen / 6.7.2 Silikon 6. Kunststoffe / 6.7 Dichtmassen / 6.7.2 Silikon
  Graue Energie Dichtmassen tragen nur einen sehr geringen Teil zur Grauen Energie eines Gebäudes bei.
  Maßnahmen Gesundheitsschutz Unter Beachtung der gängigen Sicherheitsregeln im Umgang mit Chemikalien stellt die Mischung von Acryldichtmassen aus den Grundstoffen keine erhöhten Anforderungen bezüglich Arbeitsschutz. Bei der Herstellung von neutralvernetzenden Oxim-Systemen ist darauf zu achten, dass Butanonoxim unter sauren Bedingungen zu Explosionen führen kann. -
  Maßnahmen Umweltschutz Wie jede chemische Produktion stellt die Formulierung von Dichtstoffen erhöhte Anforderungen an die umweltfreundliche Entsorgung von Abfällen, die Störfallvorsorge und die Kontrolle von Prozessemissionen.
 - Die eingesetzten Zinnverbindungen sind sehr ökotoxisch und dürfen beim Transport oder der Lagerung nicht in die Umwelt gelangen.
  Verarbeitung Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Verarbeitung, zu ggf. vorhandenen verarbeitungsspezifischen Produktkennzeichnungen wie z.B. Giscode, siehe Reiter Zeichen & Deklarationen)
  Arbeitshygienische Risiken Acrylat-Dichtstoffe geben bei der Aushärtung Glykole ab. Eine ausreichende Arbeitsplatzbelüftung ist empfehlenswert.

Bei der Reaktion des Dichtstoffs mit dem Wasserdampf der Luft entstehen die für den Vernetzer typischen Emissionen:

 

  • Säurehärtende Acetat-Systeme: Essigsäure (H226; H314) - reizende Wirkung
  • Neutral-härtende Oxim-Systeme: Hydrolisierte Oxime wie 2-Butanonoxim (H312; H317; H351 - Carc. 2) - Verdacht auf krebserzeugende Wirkung, allergieauslösend
  • Neutral-härtende Alkoxy-Systeme: Alkohole
  • Basisch-härtende Amin-Systeme: Amine, z.B. Cyclohexylamin (H226; H302, H312; H314; H361f - Repr. 2) - hautresorptiv und als gesundheits­schädlich eingestuft
 

Die bei der Aushärtung von MS Hybrid-Dichtstoffen abgespalteten Alkohole wie Methanol oder 2-Methoxyethanol sind bezüglich Ihrer Wirkung auf die Gesundheit als kritisch einzustufen. Außerdem können bestimmte Weichmacher beim Einatmen gesundheitsschädlich sein.

Von der deutschen Berufsgenossenschaft  wurde in Reihenuntersuchungen gezeigt, dass Produkte, die dem GISCODE RS10  (Methanol-abspaltende Produkte) entsprechen, außerdem den Arbeits-platzgrenzwert von Methanol einhalten (Gemeinschaft Emissionskontrollierte Verlegewerkstoffe, Klebstoffe und Bauprodukte e.V. (GEV) 2013)

  Nutzung Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Nutzung, zur Innenraumhygiene nach BNB siehe siehe Reiter Bewertungssysteme, zu ggf. vorhandenen innenraumrelevanten Produktkennzeichnungen wie z.B. Blauer Engel, siehe Reiter Zeichen & Deklarationen)
   
VOC-/SVOC-Emissionen im Neuzustand In Prüfkammermessungen im Auftrag des Umweltbundesamts (Horn et al) wurde festgestellt, dass...

Während des Aushärtungsprozesses spalten SMP-Dichtstoffe Alkohole wie Methanol oder 2-Methoxyethanol ab.

...von sieben getesteten Acryldichtmassen vier die Anforderungen an die Emissionen des AgBB-Bewertungsschemas erfüllten, drei die Anforderungen nicht erfüllten. ...keine der getesteten Silikon-Dichtmassen (Acetat- und Alkoxy-Systeme) die Kriterien des AgBB-Bewertungsschemas bestanden hätte. Alle Dichtmassen emittierten Siloxane, jedoch mit stark unterschiedlichen Konzentrationen.
VOC-/SVOC-Emissionen im Nutzungszustand
 
Acrylat-Dichtstoffen emittieren vor allem Glykole, die als hochsiedende Komponenten über einen längeren Zeitraum aus den Dichtstoffen ausgasen können. Emissionen von Weichmachern u.a. Phtalate konnten in Prüfkammermessungen nicht nachgewiesen werden. In den Prüfkammermessungen nahmen die Emissionen rasch ab. Lang andauernde Emissionen können jedoch aufgrund der Untersuchungen nicht ausgeschlossen werden. Dafür stehen Umweltzeichen wie der Blaue Engel RAL-UZ 123 oder Emicode EC1 bzw. EC1plus zu Verfügung.

Nach dem Aushärten emittieren korrekt verarbeitete Silikondichtstoffe keine Schadstoffe. Allerdings sind aus der Praxis zahlreiche Fälle bekannt, bei denen Verarbeitungsfehler oder zu früh überdeckte Fugen zu lang anhaltenden Emissionen in den Innenraum führten.

Emissionsarme SMP-Dichtstoffe gemäß Emicode EC1 bzw. EC1 Plus sind verfügbar.
Mit Fungiziden ausgerüstete Dichtstoffe geben diese funktionsbedingt über längere Zeiträume in die Umgebung ab.
  Nachnutzung Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Nachnutzung)
   
Rückbaubarkeit / Trennbarkeit Beim Rückbau von Dichtstoffen ergeben sich keine besonderen gesundheitlichen Risiken.
Verwertbarkeit / Recyclingfähigkeit Dichtstoffe werden nicht stofflich verwertet.
Typischer Entsorgungsweg Verbrennung oder als organische Verunreinigung mineralischer Baustoffe auf die Deponie
Energiegewinnung möglich? irrelevant wegen der im Vergleich zu anderen Gebäudebestandteilen geringen Mengen an Dichtstoffen

Gefahrstoffverordnung

Gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der GefStoffV ist grundsätzlich das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen zu verwenden.
Bei Verwendung von Silikon-Dichtstoffen sollten daher grundsätzlich Produkte mit möglichst geringem Lösemittelgehalt und Produkte, die nicht als gesundheitsschädlich gekennzeichnet sind, bevorzugt werden.

Alternativen hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Silikon-Dichtstoffe enthalten in der Regel umweltrelevante Bestandteile wie Katalysatoren und Fungizide. MS Hybrid-Dichtstoffe enthalten zwar oft auch Zinnkatalysatoren, dagegen aber keine Fungizide. Sie können im Hochbau universell angewendet werden und sind deshalb eine Alternative zu fungizid ausgerüsteten Silikon-Dichtstoffen. Im Trockenbereich können Acrylat-Dichtstoffe eingesetzt werden. Sofern sie keine Fungizide enthalten, können sie ebenso eine Alternative sein, da sie keine Zinnkatalysatoren enthalten.

Weitere planungs- und ausschreibungsrelevante Informationen in WECOBIS

Allgemeine Unterstützung zum Umgang mit Nachhaltigkeitsaspekten in Planung und Ausschreibung sowie Hinweise auf Leitfäden, Arbeitshilfen und Veröffentlichungen zum Nachhaltigen Bauen bietet das neue WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen unter Allgemeine Infos.

Quellen

Gemeinschaft Emissionskontrollierte Verlegewerkstoffe, Klebstoffe und Bauprodukte e.V. (GEV):  GEV – Einstufungskriterien  Anforderungen an emissionskontrollierte Verlegewerkstoffe, Klebstoffe und Bauprodukte und Vergabe des EMICODE. Stand: 15.04.2013

Horn, W. et al. (2007): Umwelt- und Gesundheitsanforderungen an Bauprodukte, Publikation des Umweltbundesamtes (Download)

Silikon-Dichtstoffe

Umweltdeklarationen

Die folgende Tabelle liefert eine Übersicht zu Zeichen & Deklarationen aus dem Bereich der Dichtungsmassen / Dichtstoffe. Neben Herstellererklärungen, Informationen in Sicherheitsdatenblättern (SDB) oder allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen (abZ) können diese den Nachweis für umwelt- und gesundheitsrelevante Kriterien in Planung und Ausschreibung (s. Reiter Ausschreibung) ermöglichen. Detaillierte Informationen finden sich außerdem in den einzelnen Produktgruppen.

Übersicht Umweltdeklarationen: Dichtungsmassen / Dichtstoffe
Stand 03/2015

  Acrylat-DichtstoffeSilikondichtstoffeMS Hybrid -Dichtstoffe (SMP)
         
  Umweltzeichen

Umweltzeichen gehören zu den freiwilligen Produktkennzeichnungen. Sie bieten die Möglichkeit, Unterschiede von Produkten innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer Umwelt- und Gesundheitsrelevanz festzustellen, auch wenn sie keine allgemeinverbindlichen Gebote oder Verbote aufstellen können. Inhalt aufklappen

   
Blauer Engel
weil emissionsarm
RAL-UZ 123 Emissionsarme Dichtstoffe für den Innenraum RAL-UZ 123 Emissionsarme Dichtstoffe für den Innenraum RAL-UZ 123 Emissionsarme Dichtstoffe für den Innenraum
EU-Umweltzeichen (Blume) - - -
Österreichisches Umweltzeichen - - -
natureplus-Qualitätszeichen

x

(nur für Produkte aus nachwachsenden bzw. mineralischen Rohstoffen)

x

(nur für Produkte aus nachwachsenden bzw. mineralischen Rohstoffen)

x

(nur für Produkte aus nachwachsenden bzw. mineralischen Rohstoffen )

Nordischer Schwan - - -
EMICODE
/ Raumlufthygiene (nur lösemittelfrei möglich)
EC1plus (sehr emissionsarm) -
EC2 (emissionsarm)
EC1plus (sehr emissionsarm) -
EC2 (emissionsarm)
EC1plus (sehr emissionsarm) -
EC2 (emissionsarm)
  GISBAU Klassifizierungs-system

Das GISBAU Klassifizierungssystem ermöglicht es durch den GISCODE oder GISBAU Produktcode, Produkte von denen die gleichen Gesundheitsgefahren ausgehen, in einer Gruppe zusammenzufassen. Die Klassifizierung ist auf den Arbeitsschutz ausgerichtet. Gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) ist grundsätzlich das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen zu verwenden. (siehe unten: Ersatzproduktgruppe prüfen?) Inhalt aufklappen

   

GISBAU Produkt-Code / GISCODE

-.

GISBAU führt folgende Produktgruppen für Silikon-Dichtstoffe:

 

  • Silikonkautschuk-Dichtungsmassen, Acetat-System
  • Silikonkautschuk-Dichtungsmassen, Acetat-System, xylolhaltig
  • Silikonkautschuk-Dichtungsmassen, Alkoxy-System (2-Methoxyethanol-freisetzend)
  • Silikonkautschuk-Dichtungsmassen, Alkoxy-System (methanol-freisetzend)

Es existieren jedoch keine Produkt-Codes oder GISCODES.

analog anwendbar:
Verlegewerkstoffe, methoxy-
silanhaltig RS10

GefStoffV: Prüfung von Alternativen erforderlich? (Minimierungsgebot)

lösemittelfreie Systeme sind zu bevorzugen Acetat-Systeme mit möglichst geringem Lösemittelgehalt sind zu bevorzugen lösemittelfreie Systeme sind zu bevorzugen
  Umweltprodukt-deklaration (EPD)

Die Umweltproduktdeklaration (EPD = Environmental Product Declaration) eines Produktes macht Aussagen zum Energie- und Ressourceneinsatz und in welchem Ausmaß ein Produkt zu Treibhauseffekt, Versauerung, Überdüngung, Zerstörung der Ozonschicht und Smogbildung beiträgt. Außerdem werden Angaben zu technischen Eigenschaften gemacht, die für die Einschätzung der Performance des Bauproduktes im Gebäude benötigt werden, wie Lebensdauer, Wärme- und Schallisolierung oder den Einfluss auf die Qualität der Innenraumluft.1 Inhalt aufklappen

   
EPD1 + + +
Branchen-EPD1 - - -
  Umweltindikatoren

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren wie z.B Primärenergieaufwand, Abfall, Abiotischer Ressourcenverbrauch, Ozonabbaupotential, Treibhauspotential usw. liefert die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB. Inhalt aufklappen

   
Ökobau.dat-Datensätze siehe 6. Kunststoffe / 6.7 Dichtmassen / 6.7.6 Acrylat siehe 6. Kunststoffe / 6.7 Dichtmassen / 6.7.2 Silikon Datensätze für MS-Hybrid-Dichtstoffe liegen noch nicht vor (Stand 03/2015)
  Sonstiges

Sonstige freiwillige Produktkennzeichnungen, die Informationen zur Umwelt- und Gesundheitsrelevanz von Produkten liefern können. Inhalt aufklappen

   
baubook-Deklaration Die Plattform baubook bietet für Händler und Hersteller von Bauprodukten die Möglichkeit einer online-Deklaration anhand von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Dichtstoffe finden sich Produktdeklarationen unter Abdichtstoffe und Klebemassen.
+
Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe vorhanden
-
Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe nicht vorhanden
./.
Zeichen / Label für diese Produktgruppe nicht relevant
x
Produkte aus dieser Produktgruppe können die Kriterien des Zeichens/Labels definitionsgemäß nicht erfüllen

1 Die hier als vorhanden markierten EPDs und Branchen-EPDs sind als Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu verstehen und finden sich z.B. auf den Seiten des IBU Institut Bauen und Umwelt e.V..

Silikon-Dichtstoffe

Bewertungssysteme

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)

   
  Wofür steht das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)? Inhalt aufklappen
 

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMUB steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen.
Ausführliche Informationen zum BNB-System siehe www.nachhaltigesbauen.de

  Welche Informationen liefert WECOBIS für BNB im Reiter Bewertungssysteme? Inhalt aufklappen
 

WECOBIS führt in den Datenblättern der Bauproduktgruppen umfangreiche Informationen zur Beantwortung der verschiedenen Fragestellungen im Hinblick auf Umwelt- und Gesundheitsaspekte. Im Reiter Bewertungssysteme bietet WECOBIS gezielt Antworten auf Fragestellungen baustoffrelevanter Steckbriefe. Durch die Bündelung von Aspekten z.B. bzgl. der Risiken für die lokale Umwelt, Fragen zur Innenraumhygiene und der Thematik Rückbau, Trennung, Verwertung gibt WECOBIS gezielte Hilfestellung bei der Einordnung einzelner Baustoffe. Tiefergehende Informationen finden sich über die Verknüpfungen in den jeweiligen Datenblättern.
Hinweis: Eine abschließende Beurteilung im Rahmen des Bewertungssystems und der genannten Kriterien erfolgt jedoch grundsätzlich in Abhängigkeit weiterer baulicher Gegebenheiten (z.B. eingebaute Menge).

BNB-Kriterium BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau)

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_1.1.6 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

BNB-Kriterium BN_1.1.6 zielt auf die Reduzierung bzw. Vermeidung von Stoffen und Produkten beim Neubau, die aufgrund ihrer stofflichen Eigenschaften oder Rezepturbestandteile ein Risikopotenzial für Grundwasser, Oberflächenwasser, Boden und Luft (auch Innenraumluft) enthalten. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 5 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung der Substitution eines Stoffes.

Für den Umgang mit Materialien im Bestand und deren Einordnung ist Kriteriensteckbrief BK_1.1.6. heranzuziehen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau) und BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

Einordnung der Silikon-Dichtstoffe:

Für die Bewertung nach Kriterium BNB_BN_1.1.6 (Version V 2014_1) werden sechs potenzielle Schadstoffgruppen betrachtet. Für die Einordnung der Silikondichtstoffe gemäß 1.1.6 sind die hervorgehobenen Schadstoffgruppen 1 und 4  relevant: 

1  Gefährliche und besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC)
2  Gefährliche Stoffe, die ausgelaugt werden können (für Anwendungen in Kontakt mit Boden oder Wasser)
3  Schwermetalle (bei Bodenbelägen als Stabilisatoren in Kunststoffen)
4  Flüchtige organische Verbindungen (VOC) einschließlich organische Lösemittel
5  Halogenierte Kälte- und Treibmittel
6  Biozide

Silikondichtstoffe werden in 1.1.6 über folgende Einsatzbereiche adressiert (s. BNB_BN_1.1.6 Anlage 1 / Allgemeine Anforderungsliste, Anlage 2 / Einzelstoffe mit besonders besorgniserregenden Eigenschaften):

  • Pos. 8 Vor-Ort verarbeitete Dichtungsmassen, Fugendichtstoffe, Klebstoffe / PU, SMP, Acrylat- oder Silikon / punkt- und linienförmige Abdichtungen im Innenraum incl. TGA
  • Pos. 9 Vor-Ort verarbeitete Kleb- und Fugendichtstoffe / Kleb- und Dichtstoffe für die Herstellung der Luftdichtigkeit an Fassade innen und außen

Ausgenommen von Pos. 9 sind Bereiche mit sicherheitsrelevanten, bauaufsichtlichen Anforderungen wie z.B. die Bereiche Glasbau, Fassade und Bereiche mit Brandschutzanforderungen.

Im Folgenden werden die Anforderungen an die Verwendung von Silikon-Dichtstoffen dargestellt.

Qualitätsniveau (QN)

Anforderungen an Silikon-Dichtstoffe im Innenraum (in Bereichen ohne sicherheitsrel., bauaufs. Anf.) (gem. Pos. 8)

Anforderungen an Silikon-Dichtstoffe im Innenraum oder Außenraum für die Herstellung der Luftdichtigkeit der Fassade (gem. Pos 9)

Anforderungen an Dichtstoffe im Außenbereich mit Kontakt zu Boden und Wasser
(Pos. 39)

1 (= Mindestanforderung)

Produktdokumentation1 incl. Deklaration von SVHC der Kandidatenliste > 0,1 Gew.-% Produktdokumentation1 incl. Deklaration von SVHC der Kandidatenliste > 0,1 Gew.-%

2 (zusätzlich zu QN1)

Ausschluss von Chlorparaffinen C10-C>17

 

Ausschluss von Chlorparaffinen C10-C>17

3 (zusätzlich zu QN1)

4 (zusätzlich zu QN3)

Ausschluss von Chlorparaffinen C10-C>17

Keine amin- oder oximvernetzende Silikone

Die Anforderungen des RAL-UZ 123 (Blauer Engel) für Fugendichtstoffe oder des Emicode EC1 (auch: EC1-R) oder EC1plus (auch: EC1plus-R) müssen erfüllt sein.3

Ausschluss von Chlorparaffinen C10-C>172

Die Anforderungen des Emicode EC1 (auch: EC1-R) oder EC1plus (auch: EC1plus-R) müssen erfüllt sein oder VOC < 10g/l.3

5 (zusätzlich zu QN3) Dokumentation der Eluatwerte
Kommentierung

Pos 8: Die Anforderungen des RAL-UZ 123 sind relativ umfangreich, jedoch für nicht amin- oder oximvernetzende Silikon-Dichtstoffe erfüllbar.
Pos 39: Gegen langandauernde Wassereinwirkung beständig sind nur Acetat-härtende Systeme. Die anderen Systeme können nicht in Bereichen mit dauernd stehendem Wasser eingesetzt werden. Bei der Zersetzung der Fugen unter Wassereinwirkung könnten enthaltene Biozide und Zinnkatalysatoren freigesetzt werden.

Es ist möglich, mit entsprechenden Produkten aus der Gruppe der Silikon-Dichtstoffe die Anforderungen bis einschließlich QN5 zu erfüllen.

Tabelle: Anforderungen an die Verwendung von Silikon-Dichtstoffen

1 Die Produktdokumentation (z.B. über Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, Sicherheitsdatenblätter) ist die Mindestanforderung, die für alle durch BNB 1.1.6 betroffenen Produktgruppen erfüllt sein muss. Zusätzlich ist für alle diese Produktgruppen immer auch die Deklaration von SVHC der Kandidatenliste nach REACH (z.B. über Sicherheitsdatenblätter, Herstellererklärung) erforderlich.

2 Die ausgeschlossenen Chlorparaffine sind auch bei Produkten mit dem Blauen Engel RAL-UZ 123 über die Vergabekriterien ausgeschlossen.

3 Sofern innerhalb der Qualitätsniveaus auf aggregierte Produktkennzeichnungen verwiesen wird (Emicode, Blauer Engel, etc.), ist es zulässig vergleichbare Nachweise (weitere Umweltzeichen, Angaben in Sicherheits- oder Produktdatenblätter etc.) heranzuziehen. Dabei bezieht sich die Vergleichbarkeit nur auf die Anforderungen hinsichtlich der jeweiligen zu betrachtenden Schadstoffgruppen.

4 Eine Aussage über die Marktverfügbarkeit kann hier nicht getroffen werden. Insbesondere da auch vergleichbare Nachweise z.B. zum geforderten Blauen Engel herangezogen werden können.

Planungs- und Ausschreibungshilfen mit Textbausteinen

Eine tabellarische Übersicht mit allen Einzelkriterien für Planung und Ausschreibung ist im neuen Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen für Dichtungsmassen / Dichtstoffe im Innenraum und für Dichtungsmassen / Dichtstoffe für sicherheitsrelevante Anwendungen zu finden. Die Tabelle dort enthält auch detaillierte Informationen zu den Nachweismöglichkeiten (z.B. über andere Produktkennzeichnungen) und damit zur Prüfung der angebotenen Produkte. Außerdem finden sich dort auch die für die verschiedenen Qualitätsniveaus zugehörigen Textbausteine.

BNB-Kriterium BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BK_1.1.6 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

Im Falle einer Sanierungsmaßnahme wird BN_1.1.6 ergänzt durch das BNB-Kriterium BK_1.1.6. Dieses zielt auf die Adressierung und Ausschleusung von Materialien in der bestehenden Bausubstanz, die ein Risikopotenzial für Mensch und Umwelt darstellen. Die Bewertung erfolgt anhand einer Einstufung der Baumaterialien in ein vorgegebenes Schadstoffkataster mit 14 Schadstoffgruppen aufgrund ihres Schädigungspotentials und der jeweiligen Sanierungsmaßnahmen. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 4 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung er Substitution eines Stoffes.

Weitere Informationen zu den Einzelkriterien im Bestand siehe BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung). Für den Einbau von neuen Materialien gilt BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau).

Die Einordnung von Materialien im Bestand erfolgt in WECOBIS jeweils gesammelt für die ganze Obergruppe der Dichtungen, Abdichtungen. Siehe dazu Dichtungen, Abdichtungen im Bestand.

Die an dieser Stelle beschriebenen Silikon-Dichtstoffe (= aktuell am Markt verfügbare Produktgruppen) enthalten keine Problemstoffe, welche bei der Sanierung relevant sind.

BNB-Kriterium BN_3.1.3 - Innenraumhygiene

  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_3.1.3 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

Ziel des BNB-Kriteriums 3.1.3 ist die Sicherstellung der Luftqualität im Innenraum unter hygienischen Gesichtspunkten, die zu keinen negativen Effekten hinsichtlich der Befindlichkeit der Raumnutzer führt, die hygienische Sicherheit garantiert und somit möglichst auch eine empfundene hohe olfaktorische Luftqualität gewährleistet.
Die Bewertung erfolgt anhand der Berechnung der personenbezogenen Luftwechselrate sowie anhand von Raumluftmessungen auf den Formaldehyd- und TVOC-Gehalt.
Erfahrungsgemäß lassen sich die Referenz- und Zielwerte dann erreichen, wenn die Auswahl und Verwendung der eingesetzten Materialien auf einem ganzheitlichen Konzept zur Vermeidung von Emissionen aus Bauprodukten basiert und der Einsatz emissionsarmer Materialien die Bauphase begleitend dokumentiert wird. BNB-Kriterium 3.1.3 steht deshalb in engem Zusammenhang mit der Erfüllung der Einzelkriterien für BNB-Kriterium 1.1.6.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_3.1.3 Innenraumhygiene (Neubau)

Einordnung der Silikon-Dichtstoffe

Nach dem Aufbringen des Dichtstoffes aus der Kartusche in die Fuge beginnt sofort die Vernetzungsreaktion mit dem Wasserdampf der Luft. Dabei entstehen die für den Vernetzer typischen Emissionen. Die Emissionen dauern mehrere Tage an bis zur vollständigen Aushärtung der Fuge:

  • Säurehärtende Acetat-Systeme: Essigsäure
  • Neutral-härtende Oxim-Systeme: Hydrolisierte Oxime
  • Neutral-härtende Alkoxy-Systeme: Alkohole
  • Basisch-härtende Amin-Systeme: Amine


Eine möglichst geringe Belastung kann durch die Verwendung von Produkten mit dem EMICODE EC1plus "sehr emissionsarm" erreicht werden.

Produktgruppe Zu erwartende VOC-Emissionen Zu erwartende
Formaldehyd-­Emissionen
Silikon-Dichtstoffe möglich  keine
keine
Die Produktgruppe enthält kein Formaldehyd oder keine VOC.
möglich
Die Produkte der Produktgruppe unterscheiden sich bezüglich der zu erwartenden VOC- oder Formaldehyd-Emissionen. Bei der Produktwahl ist auf geeignete Zeichen und Deklarationen zu achten. siehe dazu die Informationen im Reiter "Zeichen & Deklarationen".
hoch
Die Produktgruppe verursacht grundsätzlich hohe VOC-Emissionen oder Formaldehyd-Emissionen. Alternativen sind vorzugsweise in der Wahl funktional gleichwertiger Baustoffe anderer Produktgruppen oder anderer Konstruktionen zu suchen.

BNB-Kriterium BN_4.1.4 - Rückbau, Trennung, Verwertung

  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_4.1.4 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

Im BNB Kriteriensteckbrief 4.1.4 werden Konstruktionen nach ihrer Rückbaubarkeit, Trennbarkeit und Verwertbarkeit eingestuft.
WECOBIS kann eine aktuelle Information über mögliche Umwelt- und Gesundheitsgefährdungsaspekte im Zuge von Rückbau und Entsorgung auf Bauproduktgruppenebene geben. Eine Betrachtung von ganzen Konstruktionen kann derzeit in WECOBIS noch nicht erfolgen. Ein Bauteilmodul ist jedoch in planung. Ergänzend zu Leitfäden und Arbeitshilfen helfen die bauproduktgruppenspezifischen Aspekte dem Koordinator jedoch auch jetzt schon, die Komponenten Umwelt und Gesundheit für den Steckbrief 4.1.4 einzuordnen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_4.1.4 – Rückbau, Trennung, Vewertung

Einordnung der Silikon-Dichtstoffe

Rückbaubarkeit

Für die Bewertung wirkt sich der Einsatz abfallarmer Konstruktionen, die die Möglichkeit eines sortenreines Rückbaus erlauben, günstig aus. Die Rückbaubarkeit beschreibt den Aufwand, der für Demontage oder Abbruch eines Bauteils aus dem Gebäudeverband nötig ist.
Dichtstoffe können nur mit sehr hohem Aufwand ausgebaut werden. Die Rückbaubarkeit ist deshalb kaum gegeben.

Sortenreinheit

Die Sortenreinheit beschreibt den Aufwand, der für die sortenreine Trennung mehrschichtiger und / oder inhomogener Bauteile anfällt.
Dichtstoffe können nur mit hohem Aufwand sortenrein zurückgebaut werden. Sie treten im Rückbau oft auch als Anhaftungen an anderen Baustoffen in Erscheinung und können die Recyclingfähigkeit dieser Baustoffe vermindern.

Verwertbarkeit

Für die Bewertung der Verwertbarkeit der Baustofffraktionen gelten die zur Zeit der Bewertung am Markt aktuell verfügbaren technischen Verfahren. Alternativ können bei Bauteilen mit langer zu erwartender Nutzungsdauer Forschungsvorhaben, die praktikable Lösungsmöglichkeiten in absehbarer Zeit zur Verfügung stellen können, positiv bewertet werden. 

Da Dichtstoffe immer mit anderen Baustoffen verbunden sind und ihre Funktion die möglichst starke und andauernde Haftung auf dem Untergrund bedingt, können sie oft nur als Anhaftung an anderen Baustoffen entsorgt werden.

  • Eine stoffliche Verwertung ist bei Dichtstoffen nicht möglich.
  • Die energetische Verwertung von reinen Dichtstoffen ist möglich und führt bei vorschriftsgemäßer Rauchgasreinigung zu keinen relevanten Emissionen. Sofern die Dichtstoffe als Anhaftungen zusammen mit anderen brennbaren Abfällen entsorgt werden, stellt die energetische Verwertung den besten Entsorgungsweg dar.
  • Dichtstoffe können als Anhaftungen auf Bauteilen in die Deponie gelangen. Die Abbauprodukte stellen eine Belastung für die Deponieabwässer dar.

Quellen

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt, abrufbar unter BNB_BN_1.1.6 Stand Oktober 2015 (Online-Quelle in Überarbeitung)

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 3.1.3 Innenraumhygiene, abrufbar unter BNB_BN2011-1_313 (Online-Quelle)

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 4.1.4 Rückbau, Trennung und Verwertung, abrufbar unter BNB_BN2011-1_414 (Online-Quelle)

Silikon-Dichtstoffe

Technisches

Technische Daten

Standvermögen (DIN 52454-ST-U26-70)
Standfest < 1-2mm
Spez. Gewicht (DIN 5245 I-PY)
1,0 – 1,5 g/cm3
Hautbildungszeit (+23°C/50% r.F.)
12 – 15 Minuten
Durchhärtung (+23°C/50% r.F.)
5 – 14 mm/Woche
Shore-A-Härte (DIN 53505, 4 Wochen bei +23°C/50% r.F.)
15 – 30
Dehn- und Spannungswert bei 100% (DIN 52455-NWT-I-A2-100-23)
0,3 – 0,4 N/mm2
Rückstellvermögen
(DIN 52458-BR-1-V4)
>90%
Maximale Bewegungsaufnahme
25%
Temperaturbeständigkeit
-60°C bis +180°C
Verarbeitungstemperatur
+5°C bis +40°C

Technische Regeln (DIN, EN)

DIN 18531 Dachabdichtungen - Abdichtungen für nicht genutzte Dächer
DIN EN 15651 Fugendichtstoffe für nicht tragende Anwendungen in Gebäuden und Fußgängerwegen
DIN EN ISO 6927 Bauwesen - Dichtstoffe - Begriffe

Bauregelliste

Das Deutsche Institut für Bautechnik stellt in den Bauregellisten A, B und C die technischen Regeln für Bauprodukte und Bauarten sowie bauaufsichtlich geregelte und nicht geregelte Bauprodukte und Bauarten auf. Nach Zustimmung der obersten Bauaufsichtsbehörden der Länder wird die Bauregelliste bekannt gegeben. Erwerb und weiterführende Informationen zu Bauregelliste und ihren Regelungsbereichen siehe unter → www.dibt.de
Eine Darstellung und Erläuterungen zur Klassifizierung von Bauprodukten siehe im Lexikon → Klassifizierung von Bauprodukten

Silikon-Dichtstoffe

Literaturtipps

Kittel, H., Reul, H. (Hrsg.) (2005): Lehrbuch der Lacke und Beschichtungen, Band 7, Produkte für das Bauwesen, Beschichtungen, Bauklebstoffe, Dichtstoffe, Hrsg: S. Hirzel Verlag Stuttgart, 2. Auflage

Horn, W. et al. (2007): Umwelt- und Gesundheitsanforderungen an Bauprodukte, Publikation des Umweltbundesamtes (Download)

Härig, S., Klausen, D., Hoscheid, R. (2003): Fugendichtstoffe, In: Technologie der Baustoffe, C. F. Müller Verlag Heidelberg

BUWAL (1995): Bauprodukte und Zusatzstoffe in der Schweiz, Schriftenreihe Umwelt Nr. 245 Umweltgefährdende Stoffe

Pröbster, Manfred (2008): Baudichtstoffe: Erfolgreich Fugen abdichten, Hrsg: Vieweg + Teubner Verlag, Wiesbaden

Silikon-Dichtstoffe

Rohstoffe / Ausgangsstoffe

Hauptbestandteile

Silikon-Dichtstoffe 2.1.1

Abb. 1: Zusammensetzung nach Funktionen

Die oben stehende Kuchengrafik zeigt die durchschnittliche Zusammensetzung nach Hauptbestandteilen aus fünf ausgewerteten Rezepturen für Silikon-Dichtstoffe.

Der wichtigste Bestandteil von Silikon-Dichtungsmassen ist das Bindemittel. Im ausgehärteten Zustand bilden die Polysiloxane ein verzweigtes Netzwerk von mehreren zehntausend Atomen Länge. Sie können im fertigen Produkt einen Anteil von rund 25% bis rund 90% ausmachen.  In der flüssigen Dichtstoffmasse liegen zum einen relativ kurze Polysiloxane mit Kettenlängen von rund 500 bis 2500 Atomen vor. Zum anderen sind Vernetzer enthalten, die meist nur ein Silan enthalten, an das mindestens drei mit Wasser reagierende Atomgruppen (Liganden) anschließen. Diese Atomgruppen reagieren nach dem Ausspritzen des Gemischs mit dem Wasserdampf der Luft, worauf die Silane mit den Polysiloxangruppen reagieren und diese zu großen Netzwerken verbinden. Die Vernetzer bestimmen die Einteilung der Silikon-Dichtstoffe in säure-, neutral- und basischvernetzende.

Die Füllstoffe werden nach verstärkenden und nicht verstärkenden Füllstoffen unterschieden. Verstärkende Füllstoffe sind meist pyrogene Kieselsäuren, als Variante auch hydrophobe Kieselsäuren. Die verstärkenden Füllstoffe verfestigen die Dichtstoff-Paste gleich nach dem Ausspritzen soweit, dass sie nicht zerfließt oder abtropft. Zudem verstärken Sie das Kautschukgeflecht über zahlreiche H-Brücken zu einem zähen und belastbaren Gummi. Als nicht verstärkende Füllstoffe kommen Kalksteine (Kreide), Kaolin (Porzellanerde), Talkum (gemahlener Bimsstein) und Aluminiumoxid zum Einsatz. Die teilweise beigefügten Pigmente färben das Produkt nach Wunsch des Produzenten ein. Titandioxid wird als Weißpigment und Eisenoxide als Buntpigmente verwendet. Füllstoffe und Pigmente sind in den Rezepturen von rund 10% bis 50% vorhanden.

Als Weichmacher kommen Silikonöle, aber auch organische Lösemittel und Weichmacher (Phtalate oder Paraffin) zum Einsatz. Ihr Anteil beträgt rund 10 - 25%.

Weitere Hilfsstoffe werden im Bereich von wenigen Masse-% zugefügt. Dazu gehören Silane als Haftvermittler, Zinn- und Titanverbindungen als Katalysatoren, Fungizide und selten Titanester als Trockner (Benzamidsystem). Zudem können Silikon-Dichtstoffe geringe Anteile an Lösemitteln enthalten.

Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Gewinnung der Primärrohstoffe

Silikon-Dichtstoffe enthalten keine nachwachsenden Rohstoffe. Rund die Hälfte der Bindemittel und ein Teil der Hilfsstoffe stammen aus Erdölfraktionen. Die Gewinnung der fossilen Rohstoffe aus Erdöl, Erdgas und Kohle ist mit Umweltrisiken verbunden.

Die Pigmente – v.a. die Weißpigmente – werden aus Metallerzen in verhältnismäßig energieintensiven Prozessen gewonnen. Als Füllstoffe werden oft Gesteinsmehle aus Kieselsäure, Kalk oder Kaolin eingesetzt. Diese mineralischen Komponenten werden im Tagebau abgebaut, was zu bleibenden Terrainveränderungen führt.

Verfügbarkeit

Die Rohstoffverfügbarkeit des Bindemittels ist an die Erdölförderung gekoppelt. Füllstoffe und Pigmente sind als mineralische Gesteine auch weiterhin gut verfügbar.

Verwendung von Recyclingmaterialien / Produktionsabfällen

Bei der Herstellung von Silikon-Dichtstoffen in Einzelchargen müssen die Geräte nach jeder Charge gereinigt werden, was zu höheren Verlusten führt als in der kontinuierlichen Produktion. Die Rückstände aus diesen Reinigungsarbeiten, aber auch aus Wartungsarbeiten, Fehlchargen u. dgl. können nicht wieder eingesetzt werden.

Radioaktivität

Silikon-Dichtstoffe sind nicht radioaktiv. Für die Abdichtung bestehender Gebäude gegen eindringendes Radon können Dichtmassen für den Verschluss bestehender Fugen eingesetzt werden. Radon gelangt aus dem Untergrund zuerst in die Kellergeschosse eines Gebäudes und von dort in das restliche Gebäude. Über die Entstehung von Radon im Untergrund und die damit einhergehende Radonproblematik informiert der Lexikonbegriff natürliche Strahlenexposition ausführlich.

Bei Neubauten in Gebieten mit erhöhter Radon-Belastung soll die Belastung am Baustandort abgeklärt werden. Falls eine erhöhte Radonbelastung festgestellt wird, sind Maßnahmen vorzusehen, um die Belastung des Innenraums mit Radon niedrig zu halten. Alle Abdichtungsbahnen sind grundsätzlich für die Radonabdichtung geeignet. Wesentlich für den Erfolg der Maßnahme ist die Radon-dichte Ausführung aller Anschlüsse und Nähte.

Im Bestand steht als Alternativen zur Abdichtung des Baugrundes die Abdichtung des Erdgeschosses gegenüber dem Keller mit Absaugung der Kellerluft zur Verfügung.

Weitere Informationen zur Radioaktivität sind auf der Webseite des Bundesamts für Strahlenschutz abrufbar.

Landinanspruchnahme (Landuse)

Die Erdölgewinnung für die Kunststoffherstellung ist mit geringem Flächenverbrauch für die Erdölgewinnung und die Raffineriestandorte verbunden. Durch Leckagen während der Erdöl-Förderung oder des Erdöl-Transports können allerdings die Ökosysteme beträchtlicher Flächen längerfristig geschädigt werden.

Der Abbau der mineralischen Komponenten erfolgt im Tagebau (Steinbruch), was zu einer großflächigen Landschaftsveränderung führen kann.

Quellen

Kittel, H., Reul, H. (Hrsg.) (2005): Lehrbuch der Lacke und Beschichtungen, Band 7, Produkte für das Bauwesen, Beschichtungen, Bauklebstoffe, Dichtstoffe, Hrsg: S. Hirzel Verlag Stuttgart, 2. Auflage

Silikon-Dichtstoffe

Herstellung

Prozesskette

Prozesskette Silikon-Dichtstoffe

Herstellungsprozess

Die Silikonchemie stellt aufgrund ihrer Störanfälligkeit hohe Anforderungen an die Sicherheit der Anlagen und die Rückhaltetechnologie. Bei der Silikonsynthese wird viel Chlor benötigt, das nicht mehr im Endprodukt vorhanden ist und sich in einer großen Menge von chlorhaltigen Nebenprodukten wiederfindet. Die Herstellung der Ausgangsstoffe erfolgt vorwiegend in großen Chemieindustriebetrieben. Es handelt sich um eine Reihe von chemischen Syntheseprozessen, bei denen auch verschiedene Gefahrstoffe (z.B. Blausäure, Ethylenoxid), z.T. mit eindeutig krebserzeugender Wirkung, Verwendung finden. Die Herstellung der Pigmente und Füllstoffe ist nicht produktspezifisch.

Die Formulierung der Dichtstoffe (d.h. die Endverarbeitung und Konditionierung zu gebrauchsfertigen Produkten) kann auch in kleineren Betrieben erfolgen. Die Schwierigkeit bei der Mischung der Grundstoffe liegt darin, dass die Ausgangsstoffe keine Feuchtigkeit aufnehmen dürfen, bis sie dampfdicht verpackt sind. In der Praxis wird das Problem technisch durch Evakuierung der Mischapparatur gelöst. Somit werden alle Komponenten im Vakuum zusammen gemischt. Bei der Mischung der Komponenten spielt die Reihenfolge eine große Rolle. Sie ist je nach Vernetzungstyp unterschiedlich. Im Allgemeinen gilt jedoch, dass der Weichmacher vorgelegt wird dann die Polysiloxane und der Vernetzer zugemischt werden und erst danach die pyrogene Kieselsäure beigegeben wird. Im dritten Schritt kommen weitere Füll- und Hilfsstoffe hinzu bis ganz zuletzt der Katalysator zudosiert wird. Die Mischung erfolgt sowohl in Einzelchargen als auch in kontinuierlichen Systemen.

Umweltindikatoren / Herstellung

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren in WECOBIS soll zukünftig ausschließlich die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB liefern.

Die Ökobau.dat stellt Umweltprofile für Bauprodukte bereit, die als erforderliche Datengrundlage für die Lebenszyklusanalyse eingesetzt werden. Für Bauprodukte gibt es Herstellungs- und End-of-Life-Datensätze.

Weiterführende Informationen zur Ökobau.dat im Zusammenhang mit dieser Produktgruppe finden sich in WECOBIS unter Fachinformationen / Reiter Umweltdeklarationen → Ökobau.dat / Umweltindikatoren

Da in der Herstellung von Bauprodukten ein großer Anteil der verursachten Umweltbelastungen auf den Verbrauch von nicht erneuerbaren Energieträgern zurückzuführen ist, stellt die Graue Energie (kumulierter Primärenergieaufwand nicht erneuerbar) dafür einen guten Indikator dar.

Graue Energie

In Ökobau.dat sind Lebenszyklus-Daten für Silikon-Dichtmassen verfügbar. Die Graue Energie für ein Kilogramm Silikon-Dichtmasse wird mit 137 MJ/kg ausgewiesen. Bei einem Fugenquerschnitt von 5 x 5 mm liegt der Dichtstoffverbrauch bei 25 ml / Meter Fuge. Der Verbrauch pro Meter Fuge als Masse ausgedrückt liegt damit bei 25-37.5 g / Meter Fuge.

In der unten stehenden Tabelle werden die Grauen Energien (Primärenergie nicht regenerierbar) der drei Dichtstoffe auf Acrylat-, MS Hybrid- und Silikonbasis verglichen.

  Acrylat MS Hybrid Silikon
Primärenergie nicht regenerierbar 2.5 MJ / m Fuge vermutlich > 5 MJ / m Fuge 1)  3.4 – 5.1 MJ / m Fuge

 1) siehe MS Hybrid-Dichtstoffe, Blatt Herstellung

Dichtmassen tragen allerdings nur einen sehr geringen Teil zur Grauen Energie eines Gebäudes bei. Eine Optimierung hinsichtlich der Grauen Energie sollte deshalb bei den Baustoffen ansetzen, die in größeren Mengen verbaut werden.

Maßnahmen Gesundheitsschutz

Bei der Herstellung von neutralvernetzenden Oxim-Systemen ist darauf zu achten, dass Butanonoxim unter sauren Bedingungen zu Explosionen führen kann.

Maßnahmen Umweltschutz

Wie jede chemische Produktion stellt die Formulierung von Dichtstoffen erhöhte Anforderungen an die umweltfreundliche Entsorgung von Abfällen, die Störfallvorsorge und die Kontrolle von Prozessemissionen. Die eingesetzten Zinnverbindungen sind sehr ökotoxisch und dürfen beim Transport oder der Lagerung nicht in die Umwelt gelangen.

Quellen

Kittel, H., Reul, H. (Hrsg.) (2005): Lehrbuch der Lacke und Beschichtungen, Band 7, Produkte für das Bauwesen, Beschichtungen, Bauklebstoffe, Dichtstoffe, Hrsg: S. Hirzel Verlag Stuttgart, 2. Auflage

Silikon-Dichtstoffe

Verarbeitung

Technische Hinweise / Verarbeitungsempfehlungen

Vor dem Aufbringen von Silikon-Dichtmassen müssen die Untergründe trocken, staub- und fettfrei sein. Saugfähige Untergründe müssen unter Umständen mit einem Voranstrich vorbehandelt werden. Die Tabelle unter dem Reiter "Allgemeines" in den Fachinformationen gibt Hinweise auf die bevorzugten Anwendungsgebiete der verschiedenen Silikon-Systeme. Kurz nach dem Aufbringen entsteht eine Haut auf der Oberfläche der Fuge. Diese Hautbildungszeit markiert das Ende der Bearbeitbarkeit der Fuge.

Arbeitshygienische Risiken

Allgemeines

Nach dem Aufbringen des Dichtstoffes aus der Kartusche in die Fuge beginnt sofort die Vernetzungsreaktion mit dem Wasserdampf der Luft. Dabei entstehen die für den Vernetzer typischen Emissionen:

  • Säurehärtende Acetat-Systeme: Essigsäure
  • Neutral-härtende Oxim-Systeme: Hydrolisierte Oxime
  • Neutral-härtende Alkoxy-Systeme: Alkohole
  • Basisch-härtende Amin-Systeme: Amine

REACH / CLP

Die REACH-Verordnung regelt die Herstellung, das Inverkehrbringen und den Umgang mit Industriechemikalien. Zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen, dient die CLP-Verordnung (Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen), um ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu gewährleisten.

Wird ein Produkt nicht als Stoff oder Gemisch, sondern als Erzeugnis eingestuft, ist kein Sicherheitsdatenblatt (SDB) erforderlich und Gefahrstoffbezeichnungen entfallen. Lediglich besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) müssen ausgewiesen werden.

Silikon-Dichtstoffe werden als Gemisch  eingestuft.

Produkt bezogene Informationen gemäß CLP-Verordnung müssen daher in den Sicherheitsdatenblättern (SDB) der jeweiligen Produkte ausgewiesen sein.

Einstufungen und Gesundheitsgefahren nach GISBAU

GISBAU führt folgende Produktgruppen für Silikon-Dichtstoffe:

  • Silikonkautschuk-Dichtungsmassen, Acetat-System 
  • Silikonkautschuk-Dichtungsmassen, Acetat-System, xylolhaltig
  • Silikonkautschuk-Dichtungsmassen, Alkoxy-System (2-Methoxyethanol-freisetzend)
  • Silikonkautschuk-Dichtungsmassen, Alkoxy-System (methanol-freisetzend)
  • Silikonkautschuk-Dichtungsmassen, Oxim-System

Es existieren jedoch keine Produkt-Codes oder GISCODES. Gemäß Auskunft der GISBAU sind GISCODES für Dichtungsmassen im Sanitärbereich in Planung.

Emissionen

Säurehärtende Silikon-Dichtstoffe setzen beim Aushärten durch Reaktion mit der Luftfeuch­tigkeit Essigsäure frei, einige neutral-härtende Systeme 2-Butanonoxim. Bei den amin-­härtenden Systemen werden Amine wie Butylamine oder Cyclohexylamin freigesetzt. Alle diese Stoffe können in Abhängigkeit ihrer Konzentration Reizungen verursachen. Die Aushärtung der Dichtstoffe dauert meist einige Tage. Während dieser Zeit werden die ge­nannten Gefahrstoffe in die Luft abgegeben, wobei die insgesamt freigesetzte Menge dieser Stoffe in der Regel etwa 5% der Menge der einge­setzte Dichtmasse beträgt. Folgende Tabelle zeigt in Abhängigkeit der Systeme einige der möglichen Abspaltprodukte sowie ihre harmonisierte Einordnung als Gefahrstoff gemäß europäischer Verordnung Nr. 1272/2008.

Silikon-Dichtstoffe
Abspaltprodukte und Gefahrstoff-Einstufung
säurehärtend
Essigsäure
C; R10-35
Flam. Liq. 3; H226 / Skin Corr. 1A; H314
neutralhärtend
2-Butanonoxim
Xi; R36-43
Acute Tox. 4; H312 / Skin Sens. 1; H317 / Eye Dam. 1; H318 / Carc. 2; H351
aminhärtend
1-Aminobutan (syn. 1-Butylamin)
F, Xn, C; R11-20/21/22-35
Flam. Liq. 2; H225 / Acute Tox. 4; H302, H312, H332 / Skin Corr. 1A; H314 / Acute Tox. 4;
sec-Butylamin
F, Xn, C, N; R11-20/22-35-50
Flam. Liq. 2; H225 / Acute Tox. 4; H302, H332 / Skin Corr. 1A; H314 / Aquatic Acute 1; H400
Cyclohexylamin
Xn, C; R10-21/22-34
Flam. Liq. 3; H226 / Acute Tox. 4; H302, H312 / Skin Corr. 1B; H314 / Repr. 2; H361f

Während bei der Essigsäure vor allem von einer reizenden Wirkung auszugehen ist, sind die Gefährdungen bei den anderen Vernetzungssystemen durch die dabei frei werdenden Chemikalien schwieriger zu beurteilen. 2-Butanonoxim steht im Verdacht krebserzeugend zu sein und kann bei Hautkontakt Allergien auslösen. Amine sind hautresorptiv und als gesundheits­schädlich eingestuft.

Um die Haftung der Dichtungsmassen auf den Oberflächen zu verbessern, werden zum Teil lösemittelhaltige Voranstriche eingesetzt. Bei der Verwendung von lösemittelhaltigen Produkten muss generell mit Grenzwertüberschreitungen und den damit verbundenen Ge­sundheitsgefahren gerechnet werden. Obwohl bei Fugendichtungen die bearbeitete Ober­fläche relativ klein ist, ist beim Verarbeiten von lösemittelhaltigen Silikonvoran­strichen Vorsicht geboten. Es sollten wenn möglich aromatenfreie oder -arme Produkte verwendet werden.

Silikon-Dichtstoffe

Nutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiken Neuzustand

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

Nach dem Aufbringen des Dichtstoffes aus der Kartusche in die Fuge beginnt sofort die Vernetzungsreaktion mit dem Wasserdampf der Luft. Dabei entstehen die für den Vernetzer typischen Emissionen. Die Emissionen dauern mehrere Tage an bis zur vollständigen Aushärtung der Fuge:

  • Säurehärtende Acetat-Systeme: Essigsäure
  • Neutral-härtende Oxim-Systeme: Hydrolisierte Oxime
  • Neutral-härtende Alkoxy-Systeme: Alkohole
  • Basisch-härtende Amin-Systeme: Amine

Das Emissionsverhalten von Silikon-Dichtstoffen in die Innenraumluft wurde unter anderem im Rahmen einer Forschungsarbeit vom Umweltbundesamt (W. Horn et al.,  2007) untersucht. Dabei wurde bei Prüfkammernmessungen festgestellt, dass die Essigsäure-Emissionen säurehärtender Systeme am 1. Tag am höchsten und nach 28 Tagen nur noch sehr gering sind. Alle Dichtmassen emittierten Siloxane, jedoch mit stark unterschiedlichen Konzentrationen. Die genaue Ursache hierfür blieb unklar. Die Emissionen könnten gemäß den Autoren der Studie von Verunreinigungen aus dem Herstellungsprozess stammen.

Der Ausschuss zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten (AgBB) hat ein Bewertungsschema (AgBB-Bewertungsschema) zur gesundheitlichen Bewertung der Emissionen von flüchtigen organischen Verbindungen (VOC und SVOC) aus Bauprodukten entwickelt. Darin sind auch Anforderungen für Dichtstoffe formuliert.

In den Prüfkammermessungen im Auftrag des Umweltbundesamts wurde festgestellt, dass keine der getesteten Silikon-Dichtmassen (Acetat- und Alkoxy-Systeme) die Kriterien des AgBB-Bewertungsschemas bestanden hätte.

Um das Emissionsverhalten von Produkten zuverlässig beschreiben zu können, wurde 1997 von der GEV (Gemeinschaft Emissionskontrollierte Verlegewerkstoffe e.V., Düsseldorf) das Klassifizierungssystem EMICODE eingeführt. Dichtstoffe mit EMICODE-Klassierungen EC1plus, EC1 oder EC2 weisen deutlich geringere Emissionen auf, als im AgBB-Bewertungsschema gefordert.

Umwelt- und Gesundheitsrisiken bei bestimmungsgemäßer Nutzung

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

Nach dem Aushärten emittieren korrekt verarbeitete Fugen keine Schadstoffe. Allerdings sind aus der Praxis zahlreiche Fälle bekannt, bei denen nicht korrekt verarbeitete oder zu früh überdeckte Fugen zu lang anhaltenden Emissionen in den Innenraum führten. In solchen Fällen hilft nur ein Ersatz der betroffenen Fugen. Die Aushärtung dauert bei Dichtmassen länger als bei anderen Baustoffen.

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Außenraum

Die Dichtmassen können umweltrelevante Bestandteile wie Weichmacher (Phtalate), Katalysatoren (Zinnverbindungen), Fungizide und Haftmittel enthalten, die durch Abwitterung, Versprödung, Diffusion oder bei der Renovierung (z.B. durch Schleifen) in die Umwelt gelangen können.

Umwelt- und Gesundheitsrisiken im Schadensfall

Wassereinwirkung

Kurzfristige Feuchte- oder Wasserbelastungen schaden einer Fuge aus Silikon-Dichtstoff nicht. Gegen langandauernde Wassereinwirkung beständig sind jedoch nur Acetat-härtende Systeme. Die anderen Systeme können nicht in Bereichen mit dauernd stehendem Wasser eingesetzt werden. Bei der Zersetzung der Fugen unter Wassereinwirkung können enthaltene Biozide und Zinnkatalysatoren freigesetzt werden.

Beständigkeit Nutzungszustand

Unter der Rubrik Baustoff- und Gebäudedaten / Nutzungsdauern von Bauteilen findet sich auf dem Informationsportal Nachhaltiges Bauen eine Datenbank mit Nutzungsdauerangaben von ausgewählten Bauteilen des Hochbaus für den Leitfaden „Nachhaltiges Bauen“.

Datenbank als PDF

Instandhaltung

Die größte Gefahr für eine Zerstörung von Fugen im Innenbereich stellt der Bewuchs durch Schimmelpilze und andere Mikroorganismen dar. Zur Vermeidung der Schimmelpilzbildung ist auf eine gute Belüftung der Nassräume und die Vermeidung dauerfeuchter Fugen zu achten. Wenn eine Fuge durch Schimmelpilze befallen ist, kann eine Sanierung nur durch Ersatz der Fuge stattfinden.

Quellen

Horn, W. et al. (2007): Umwelt- und Gesundheitsanforderungen an Bauprodukte, Publikation des Umweltbundesamtes (Download)

Silikon-Dichtstoffe

Nachnutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiko Rückbau

Beim Rückbau von Dichtstoffen ergeben sich keine besonderen gesundheitlichen Risiken.

Wiederverwendung

Eine Wiederverwendung von Fugen ist nicht möglich.

Stoffliche Verwertung

Dichtstoffe können nicht stofflich verwertet werden.

Mit Dichtstoffen behandelte Baustoffe werden in ihrer Recyclierbarkeit beeinträchtigt. Dies kann zu Qualitätseinbußen von Sekundärbaustoffen führen. Dies gilt insbesondere für mineralische Baustoffe wie Gipsbaustoffe, Mauerwerk und Beton.

Energetische Verwertung

Alle Dichtstoffe können gesundheits- und umweltgefährdende Stoffe enthalten. Gemäß der Gewerbeabfallverordnung (GewAbfV) sollen Dichtstoff-Abfälle mit den Kunststoffen gesammelt und einer thermischen Verwertung zugeführt werden. Falls die Abfälle gemischt erfasst werden, sind sie einer Vorbehandlungsanlage zuzuführen. Die Verwertung ist in beiden Fällen vorgeschrieben. Bei der Verbrennung von Dichtstoffresten oder brennbaren Materialien, die damit verunreinigt sind, ergeben sich keine besonderen Entsorgungsprobleme in Müllheizkraftwerken, Müllverbrennungsanlagen, Altholzverbrennungsanlagen oder Schmelzwerken. Die Verbrennung erzeugt bei vorschriftsmäßiger Rauchgasreinigung keine relevanten Emissionen.

Beseitigung / Verhalten auf der Deponie

Silikon-Dichtmassen können als organische Verunreinigung mineralischer Baustoffe auf die Deponie gelangen, wo sie über längere Zeiträume abgebaut werden. Spezifische Untersuchungen zum Verhalten der Stoffgruppe in Inertstoff-Deponien sind nicht vorhanden. Bei der Zersestzung der Fugen können enthaltene Biozide und Zinnkatalysatoren freigesetzt werden.

EAK-Abfallschlüssel

Restentleerte Metallgebinde können als Metallschrott verwertet werden. Auf einer vorbild­lichen Baustelle werden keine Gebinde in die Kanalisation ausgewaschen. Die umwelt­gerechten Entsorgungsleistungen beim Arbeiten mit Dichtstoffen sind bereits in der Ausschreibung für alle Unternehmen festzulegen.

Die Zuordnung von Abfallschlüsseln kann je nach Bundesland unterschiedlich gehandhabt werden. Zudem ist die Zuordnung davon abhängig, wo er Abfall anfällt. Einem Baustellenabfall wird ein anderer Abfallcode zugewiesen als einem Abfall aus einem Gewerbebetrieb oder einem Privathaushalt. Die aufgeführten Abfallcodes stehen deshalb nur als Hinweis und können nicht jeden konkreten Entsorgungsfall abdekcen. Daher ist im konkreten Fall eine Abklärung mit den zuständigen Behörden oder dem beauftragten Entsorgungsunternehmen notwendig. Die bei Dichtstoff-Arbeiten oder im Rückbau anfallenden Abfälle sind wie folgt zu entsorgen:
Zustand
Abfall-
Volumen
Entsorgung als
EAK-
Abfall-
schlüssel
Entsorgung
Verpackungen
mit Resten
Reste
ausgehärtet
gering
Hausmüll
-
Hausmüll-
tonne
Verpackungen
mit Resten
Reste
ausgehärtet
hoch
Klebstoff- und Dichtmassenabfälle, die organische Lösemittel oder andere gefährliche Stoffe enthalten
 
Klebstoff- und Dichtmassenabfälle mit Ausnahme derjenigen, die unter 08 04 09 fallen
 
Gemischte Bau- und Abbruchabfälle mit Ausnahme derjenigen, die unter 17 09 01, 17 09 02 und 17 09 03 fallen
08 04 09*
 
08 04 10
 
17 09 04
Entsorger
Verpackungen
mit Resten
Reste nicht
ausgehärtet
-
Klebstoff- und Dichtmassenabfälle, die organische Lösemittel oder andere gefährliche Stoffe enthalten
 
Klebstoff- und Dichtmassenabfälle mit Ausnahme derjenigen, die unter 08 04 09 fallen
08 04 09*
 
08 04 10
Entsorger
Dichtstoffreste

ausgehärtet
gering
Hausmüll
-
Hausmüll-
tonne
Dichtstoffreste
ausgehärtet
hoch
Klebstoff- und Dichtmassenabfälle, die organische Lösemittel oder andere gefährliche Stoffe enthalten
 
Klebstoff- und Dichtmassenabfälle mit Ausnahme derjenigen, die unter 08 04 09 fallen
 
Gemischte Bau- und Abbruchabfälle mit Ausnahme derjenigen, die unter 17 09 01, 17 09 02 und 17 09 03 fallen
08 04 09*
 
08 04 10
 
17 09 04
Entsorger
Dichtstoffreste
nicht
ausgehärtet
-
Klebstoff- und Dichtmassenabfälle, die organische Lösemittel oder andere gefährliche Stoffe enthalten
 
Klebstoff- und Dichtmassenabfälle mit Ausnahme derjenigen, die unter 08 04 09 fallen
08 04 09*
 
08 04 10
Entsorger

Quellen

Verordnung über das Europäische Abfallverzeichnis (Abfallverzeichnis-Verordnung – AVV, zuletzt geändert am 24. Februar 2012). Online-Quelle abgerufen am 11.7.2012

LAGA (2003): Vollzugshinweise zur Gewerbeabfallverordnung (Download)