Polymerbitumen-Dichtungsbahnen

Produktgruppeninformation

Begriffsdefinition

Polymerbitumen-Dichtungsbahnen bestehen aus einem mit Bitumen getränkten Trägermaterial (Trägereinlage), das beidseitig mit einer zusätzlichen Polymerbitumendeckschicht versehen ist und in der Regel eine mineralische Bestreuung enthält (Talk, Sand). Die Trägereinlage bestimmt weitgehend das mechanische Verhalten wie Festigkeit, Dehnfähigkeit und Reißfestigkeit. Die Deckschichten sind für die Beständigkeit und Dichtheit der Bahnen verantwortlich.

Polymerbitumen-Dichtungsbahnen werden in Abdichtungsanwendungen mit erhöhten Anforderungen, Oxidationsbitumen-Dichtungsbahnen bei geringerer Beanspruchung eingesetzt.

Wesentliche Bestandteile

Als Trägereinlagen üblich sind Polyestervlies, Glasgewebe, Glasvlies sowie Kombinationsträger, die aus einer Mischung der vorgenannten Materialen bestehen. Metall-Kunststoffverbunde werden ebenfalls als Trägereinlagen verwendet.

Bei den Polymerbitumenbahnen wird unterschieden nach Elastomerbitumenbahnen und Plastomerbitumenbahnen, die sich durch die Zusammensetzung der Polymerbitumendeckschichten unterscheiden. Elastomerbitumen besteht aus Destillationsbitumen, das mit 5 - 15 % SBS-Kautschuk (→ Elastomere) versetzt ist. Als Plastomerbitumen wird Destillationsbitumen bezeichnet, das mit ataktischem Polypropylen modifiziert wurde. Im Unterschied dazu weisen Oxidationsbitumenbahnen Deckschichten aus Oxidationsbitumen ohne Polymerzugabe auf.

Charakteristik

Die Beständigkeit des Bitumens vor allem gegenüber Erwärmung und die Kälteflexibilität werden durch die Polymere verbessert. Der Erweichungspunkt wird durch den Polymerzusatz auf über 100 °C erhöht. Polymerbitumenbahnen mit Elastomerzusatz zeigen ein ausgeprägt elastisches Verhalten, solche mit Plasomerzusatz ein ausgeprägt plastisches Verhalten mit höherer Flächenstabilität. Das elastische Verhalten beschreibt die Eigenschaft eines Stoffes, sich unter Krafteinwirkung auszudehnen und nach dem Verschwinden der Kraft wieder in seine ursprüngliche Form zurückzukehren. Das plastische Verhalten beschreibt die dauerhafte Verformung eines Stoffes unter Krafteinwirkung.

Lieferzustand

Polymerbitumen-Dichtungsbahnen werden als Rollen geliefert.

Anwendungsbereiche (Besonderheiten)

Der Hauptanwendungsbereich der Polymerbitumen-Dichtungsbahnen ist die Bauwerksabdichtung gegen drückendes Wasser in Anwendungsbereichen, die dem Temperaturwechsel ausgesetzt sind. Das sind im Hochbau hauptsächlich Dachdichtungssysteme.
Die Materialwahl bei Polymerbitumen-Dichtungsbahnen ist anspruchsvoll. Im Allgemeinen gilt, dass Kombinationen von zwei 3 mm Polymerbitumen-Dichtungsbahnen eher ungenügend sind. Eine beständige Abdichtung wird mit einer 5 mm Dichtungsbahn als untere Lage erreicht. Zudem wirkt sich eine einfache Schutzfolie über der Abdichtung erfahrungsgemäß positiv auf die Nutzungsdauer aus. Auch die Befestigungsart und die Oberflächenbehandlung sind auf den Untergrund, auf die Konstruktion (Wärmedämmung) und auf die Überdeckung abzustimmen.

Für die Anwendung unter Gussasphalt sind Polymerbitumen-Dichtungsbahnen spezieller Konstruktion erforderlich. Man spricht in diesen Fällen von gussasphaltverträglichen Polymerbitumen-Dichtungsbahnen.

Anwendungsbereiche von Polymerbitumen-Dichtungsbahnen als Flachdachabdichtungssystem

Nutzung:

Unterkonstruktion:
Nackt, mit leichter Schutzschicht
Nicht begehbar mit Beschwerung
Begehbar
Befahrbar
Erd-
über-
schüttet
Massiv ohne Wärmedämmung
möglich, aber nicht ideal 1)
ideal 2)
ideal 2)
ideal 1)
ideal 2)
Massiv vorfabriziert ohne Wärmedämmung
möglich, aber nicht ideal 2)
ideal 2)
ideal 2)
ideal 1)
ideal 2)
Holz- oder Spanplatten
möglich, aber nicht ideal 2)
ideal 2)
 
 
 
Massiv mit Wärmedämmung
möglich, aber nicht ideal 1)
ideal 3)
ideal 3)
ideal 3)
ideal 3)
Profilblech mit
Wärmedämmung
ideal 1)
ideal 2)
 
 
 
Vorfabrizierte Wärmedämmelemente
nicht geeignet
ideal 4)
ideal 4)
nicht geeignet
nicht geeignet

1) 2 Lagen vollflächig verklebt und verschweißt mit Voranstrich, es ist eine geeignete Bahnenkombination zu verwenden
2) 2 Lagen lose oder verklebt und verschweißt mit Voranstrich, es ist eine geeignete Bahnenkombination zu verwenden
3) 2 - 3 Lagen vollflächig verklebt und verschweißt mit Voranstrich, es ist eine geeignete Bahnenkombination zu verwenden
4) 2 Lagen lose auf Gleitlage und verschweißt, es ist eine geeignete Bahnenkombination zu verwenden

 

Wurzelfestigkeit

Polymerbitumen-Dichtungsbahnen, die als oberste Lage bei begrünten Flachdächern verwendet werden, müssen, wenn ein Eindringen der Wurzel verhindert werden soll, mit durchwurzelungshemmenden Stoffen (Bioziden) ausgerüstet sein. Diese können zu Emissionen der eingesetzten Herbizide wie Mecoprop im Dachabwasser führen (genaue Ausführungen dazu siehe Kapitel "Schadstoffabgabe / Emissionen in den Außenraum" im Reiter "Lebenszyklus / Nutzung"). Als Alternative sollten Produkte auf EPDM- oder FPO-Basis erwogen werden, die keine Biozide enthalten.

Wurzelfeste Polymerbitumen-Dichtungsbahnen sollten daher nur eingesetzt werden, wenn eine Dachbegrünung vorgesehen ist. Auf Nackt- oder Kiesdächern ist die Anwendung nicht nötig und es gibt keinen Grund für die ausgelöste Umweltbelastung.
Die Fachvereinigung Bauverksbegrünung e. V. (FBB) veröffentlicht regelmässig eine Liste wurzelfester Produkte für die Abdichtung begrünter Flachdächer. Die Liste ist auf der Webseite der FBB abrufbar.

Quellen

Birkner, Ch., et al. (2012): Technische Regeln für die Planung und Ausführung von Abdichtungen mit Polymerbitumen- und Bitumenbahnen, In: abc der Bitumenbahnen, Hrsg: vdd Industrieverband Bitumen-Dach- und Dichtungsbahnen e.V., Frankfurt/Main, 5. überarbeitete Auflage


Polymerbitumen-Dichtungsbahnen
Polymerbitumen-Dichtungsbahnen

Planungs- und Ausschreibungshilfen

WECOBIS informiert produktneutral. An verschiedenen Stellen bietet WECOBIS jedoch auch Unterstützung dazu, wie sich Produkte innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer ökologischen Eigenschaften unterscheiden lassen.

Informationen hier im Reiter Ausschreibung:

  • Links zu materialökologischen Anforderungen und Textbausteinen für Planung und Ausschreibung im WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen,
  • Hinweise auf mögliche Quellen und Nachweisdokumente zu Planungs- und Ausschreibungskriterien,
  • Hinweise zu möglichen Alternativen

Übersicht Planungs- und Ausschreibungshilfen: Abdichtungsbahnen
Stand 03/2015

  Polymerbitumen-Dichtungsbahnen und -DachbahnenOxidationsbitumen-Dichtungsbahnen und Bitumen-Dachbahnen
Kunststoff-Dichtungsbahnen und Kunststoff-Dachbahnen
         
  Material-
ökologische Anforderungen
Im neuen Modul "Planungs- & Ausschreibungshilfen" bietet WECOBIS eine Übersicht zu möglichen materialökologischen Anforderungen und Textbausteine für Planung und Ausschreibung Inhalt aufklappen
   
Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS

Polymerbitumenbahnen

---

Bituminöse Voranstriche

Oxidationsbitumenbahnen

---

Bituminöse Voranstriche

Kunststoff-Dichtungsbahnen und -Dachbahnen
  Mögliche Quellen Die hier genannten Quellen, insbesondere BNB, bilden die Grundlage für Planungs- und Ausschreibungshilfen bzw. materialökologische Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS. Inhalt aufklappen
   
Bewertungssystem
Nachhaltiges Bauen

(BNB) des BMUB /
Kriterium 1.1.6 (Risiken für die lokale Umwelt)

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMUB steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen. Die o.g. Textbausteine und materialökologischen Anforderungen in WECOBIS basieren derzeit auf Kriteriensteckbrief 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt. Dieser steht in engem Zusammehang mit Kriteriensteckbrief 3.1.3 Innenraumhygiene.

Auch wenn ein Gebäude nicht zertifiziert werden soll, bilden die einzelnen Kriteriensteckbriefe eine gute Grundlage, Orientierung und Hilfestellung für die Umsetzung ökologischer Aspekte in der Gebäudeplanung.

Einordung der jeweiligen Abdichtungsbahnen hinsichtlich verschiedener Kriteriensteckbriefe siehe Reiter Bewertungssysteme in WECOBIS

Umweltbundesamt
(UBA)
Auf den Internet-Seiten des Umweltbundesamtes (UBA) befindet sich der „Informationsdienst für umweltfreundliche Beschaffung“. Die Seiten werden gerade überarbeitet, sodass sich dort derzeit aus dem Baubereich nur Ausschreibungsempfehlungen zu Elastischen Bodenbelägen, Tapeten und Raufaser finden.
baubook ökologisch ausschreiben Die Plattform baubook ökologisch ausschreiben bietet eine Sammlung von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Abdichtungsbahnen finden sich Kriterien in der Gruppe "Dichtungsbahnen, Dampfsperren, Folien".
natureplus Ausschreibungstexte naturepus Ausschreibungstexte zu Abdichtungsbahnen sind derzeit nicht vorgesehen.
  Mögliche Nachweis-
dokumente
weitere Nachweismöglichkeiten neben den folgend genannten sind Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, sowie Herstellererklärungen oder ggf. ein Anhang mit Nachhaltigkeitsmerkmalen zur bauaufsichtlichen Zulassung (abZ+). Inhalt aufklappen
   
gesetzlich vorgeschrieben: Welche Nachweisdokumente müssen vom Hersteller zur Verfügung gestellt werden? Welcher Nachweis kann damit erbracht werden?
REACH / CLP:
Sicherheitsdatenblatt (SDB)
Abdichtungsbahnen werden als Erzeugnis eingestuft. Für Erzeugnisse ist kein SDB vorgeschrieben. Die pflichtgemäße Leistungserklärung zur CE-Kennzeichnung für Bauprodukte, die unter den Geltungsbereich der BauPVO fallen, muss Angaben über SVHC enthalten. Für alle Bauprodukte (Erzeugnisse), also auch solche, die nicht im Geltungsbereich der BauPVO liegen, besteht ein Auskunftsrecht für SVHC. Für die Anfrage an den Hersteller steht auf dem Informationsportal des Umweltbundesamtes zu REACH ein Musterbrief zum Download zur Verfügung.
Leistungserklärung gemäß BauPVO mit Angaben zu SVHC + + +
freiwillige Produktkenn-zeichnungen / -deklarationen Für einige Bauproduktgruppen existieren freiwillige Produktkennzeichnungen oder -deklarationen wie z.B. Umweltzeichen oder Umweltproduktdeklarationen, die als Nachweis für materialökologische Anforderungen dienen können. Eine Übersichtstabelle dazu mit detaillierten Informationen zu Abdichtungsbahnen findet sich im Reiter Zeichen & Deklarationen.

Alternativen hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Im Vergleich zu Polymerbitumen-Dichtungsbahnen weisen Polyolefin-Dichtungsbahnen (FPO / Kunststoff-Dichtungsbahnen) dank des geringeren Flächengewichts die bessere Ökobilanz auf. Die Verarbeitung ist zudem mit weniger arbeitshygienischen Risiken verbunden. Die Verarbeitung von Kunststofffolien ist jedoch anspruchsvoll, insbesondere bei den Anschlüssen. Für den ökologischen Vergleich ist die Beständigkeit der Dachhaut entscheidend.  Da für beide Systeme in der heutigen Form keine Langzeiterfahrungen vorliegen, kann die Frage der Beständigkeit – vor allem auf thermisch stark beanspruchten Flachdächern – noch nicht abschließend beurteilt werden.

Wurzelfestigkeit

Polymerbitumen-Dichtungsbahnen, die als oberste Lage bei begrünten Flachdächern verwendet werden, müssen, wenn ein Eindringen der Wurzel verhindert werden soll, mit durchwurzelungshemmenden Stoffen (Bioziden) ausgerüstet sein. Diese können zu Emissionen der eingesetzten Herbizide wie Mecoprop im Dachabwasser führen (genaue Ausführungen dazu siehe Kapitel "Schadstoffabgabe / Emissionen in den Außenraum" im Reiter "Lebenszyklus / Nutzung"). Als Alternative sollten Produkte auf EPDM- oder FPO-Basis (Kunststoff-Dichtungsbahnen) erwogen werden, die keine Biozide enthalten.

Wurzelfeste Polymerbitumen-Dichtungsbahnen sollten daher nur eingesetzt werden, wenn eine Dachbegrünung vorgesehen ist. Auf Nackt- oder Kiesdächern ist die Anwendung nicht nötig und es gibt keinen Grund für die ausgelöste Umweltbelastung.
Die Fachvereinigung Bauverksbegrünung e. V. (FBB) veröffentlicht regelmässig eine Liste wurzelfester Produkte für die Abdichtung begrünter Flachdächer. Die Liste ist auf der Webseite der FBB abrufbar.

Weitere planungs- und ausschreibungsrelevante Informationen in WECOBIS

Allgemeine Unterstützung zum Umgang mit Nachhaltigkeitsaspekten in Planung und Ausschreibung sowie Hinweise auf Leitfäden, Arbeitshilfen und Veröffentlichungen zum Nachhaltigen Bauen bietet das neue WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen unter Allgemeine Infos.

Polymerbitumen-Dichtungsbahnen

Umweltdeklarationen

Die folgende Tabelle liefert eine Übersicht zu Zeichen & Deklarationen aus dem Bereich der Abdichtungsbahnen. Neben Herstellererklärungen, Informationen in Sicherheitsdatenblättern (SDB), Leistungserklärungen oder allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen (abZ) können diese den Nachweis für umwelt- und gesundheitsrelevante Kriterien in Planung und Ausschreibung (s. Reiter Ausschreibung) ermöglichen. Detaillierte Informationen finden sich außerdem in den einzelnen Produktgruppen.

Übersicht Umweltdeklarationen: Abdichtungsbahnen
Stand 03/2015

  Oxidationsbitumen-DichtungsbahnenPolymerbitumen-DichtungsbahnenBitumen-DachbahnenKunststoff-DichtungsbahnenKunststoff-Dachbahnen
             
  Umweltzeichen Umweltzeichen gehören zu den freiwilligen Produktkennzeichnungen. Sie bieten die Möglichkeit, Unterschiede von Produkten innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer Umwelt- und Gesundheitsrelevanz festzustellen, auch wenn sie keine allgemeinverbindlichen Gebote oder Verbote aufstellen können. Inhalt aufklappen
   
Blauer Engel - - - - -
EU-Umweltzeichen (Blume) - - - - -
Österreichisches Umweltzeichen - - - - -
natureplus-Qualitätszeichen (nur für Produkte aus nachwachsenden bzw. mineralischen Rohstoffen)

x

x

x

x

x

Nordischer Schwan - - - - -
  GISBAU Klassifizierungs-system

Das GISBAU Klassifizierungssystem ermöglicht es durch den GISCODE oder GISBAU Produktcode, Produkte von denen die gleichen Gesundheitsgefahren ausgehen, in einer Gruppe zusammenzufassen. Die Klassifizierung ist auf den Arbeitsschutz ausgerichtet. Gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) ist grundsätzlich das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen zu verwenden. (siehe unten: Ersatzproduktgruppe prüfen?) Inhalt aufklappen

   

GISBAU Produkt-Code / GISCODE

Abdichtungsbahnen sind nicht im GISBAU-System klassifiziert. Informationen zu arbeitshygienischen Risiken siehe Reiter Verarbeitung.

  Umweltprodukt-deklaration (EPD)

Die Umweltproduktdeklaration (EPD = Environmental Product Declaration) eines Produktes macht Aussagen zum Energie- und Ressourceneinsatz und in welchem Ausmaß ein Produkt zu Treibhauseffekt, Versauerung, Überdüngung, Zerstörung der Ozonschicht und Smogbildung beiträgt. Außerdem werden Angaben zu technischen Eigenschaften gemacht, die für die Einschätzung der Performance des Bauproduktes im Gebäude benötigt werden, wie Lebensdauer, Wärme- und Schallisolierung oder den Einfluss auf die Qualität der Innenraumluft.1 Inhalt aufklappen

   
EPD1 - - - + +
Branchen-EPD1 - - - - -
  Umweltindikatoren

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren wie z.B Primärenergieaufwand, Abfall, Abiotischer Ressourcenverbrauch, Ozonabbaupotential, Treibhauspotential usw. liefert die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB. Inhalt aufklappen

   
Ökobau.dat-Datensätze

→ 6. Kunststoffe / 6.3 Dachbahnen /
6.3.1 Bitumen-Dachbahnen (Hinweis: Bitumen ist kein Kunststoff)
6.3.2 PVC-Dachbahnen
6.3.3 Elastomer-Dachbahnen
6.3.4 EVA-Dachbahnen
6.3.5 TPO-Dachbahnen

→ 6. Kunststoffe / 6.6 Folien und Vliese
6.6.1 Unterspannbahn
6.6.2 Dampfbremse / Dampfsperre
6.6.3 Folien zur Abdichtung

Dichtungsbahnen in WECOBIS = Flachdachabdichtungen
Dachbahnen in WECOBIS = Unterdach-, Unterdeck-, Unterspannbahnen im Steildach

Eine Zuordnung zu den Datensätzen der Ökobau.dat ist nicht eindeutig möglich. Es muss im Einzelfall geprüft werden, welcher Datensatz der Ökobau.dat jeweils verwendet werden kann.

  Sonstiges Sonstige freiwillige Produktkennzeichnungen, die Informationen zur Umwelt- und Gesundheitsrelevanz von Produkten liefern können. Inhalt aufklappen
   
baubook-Deklaration Die Plattform baubook bietet für Händler und Hersteller von Bauprodukten die Möglichkeit einer online-Deklaration anhand von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Abdichtungsbahnen finden sich Produktdeklarationen unter "Dichtungsbahnen, Dampfsperren, Folien".
+ Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe vorhanden
- Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe nicht vorhanden
./. Zeichen / Label für diese Produktgruppe nicht relevant
x Produkte aus dieser Produktgruppe können die Kriterien des Zeichens/Labels definitionsgemäß nicht erfüllen

1 Die hier als vorhanden markierten EPDs und Branchen-EPDs sind als Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu verstehen und finden sich z.B. auf den Seiten des IBU Institut Bauen und Umwelt e.V..

Polymerbitumen-Dichtungsbahnen

Bewertungssystem

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)

   
  Wofür steht das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)? Inhalt aufklappen
 

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMUB steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen.
Ausführliche Informationen zum BNB-System siehe www.nachhaltigesbauen.de

  Welche Informationen liefert WECOBIS für BNB im Reiter Bewertungssysteme? Inhalt aufklappen
 

WECOBIS führt in den Datenblättern der Bauproduktgruppen umfangreiche Informationen zur Beantwortung der verschiedenen Fragestellungen im Hinblick auf Umwelt- und Gesundheitsaspekte. Im Reiter Bewertungssysteme bietet WECOBIS gezielt Antworten auf Fragestellungen baustoffrelevanter Steckbriefe. Durch die Bündelung von Aspekten z.B. bzgl. der Risiken für die lokale Umwelt, Fragen zur Innenraumhygiene und der Thematik Rückbau, Trennung, Verwertung gibt WECOBIS gezielte Hilfestellung bei der Einordnung einzelner Baustoffe. Tiefergehende Informationen finden sich über die Verknüpfungen in den jeweiligen Datenblättern.
Hinweis: Eine abschließende Beurteilung im Rahmen des Bewertungssystems und der genannten Kriterien erfolgt jedoch grundsätzlich in Abhängigkeit weiterer baulicher Gegebenheiten (z.B. eingebaute Menge).

BNB-Kriterium BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau)

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_1.1.6 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

BNB-Kriterium BN_1.1.6 zielt auf die Reduzierung bzw. Vermeidung von Stoffen und Produkten beim Neubau, die aufgrund ihrer stofflichen Eigenschaften oder Rezepturbestandteile ein Risikopotenzial für Grundwasser, Oberflächenwasser, Boden und Luft (auch Innenraumluft) enthalten. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 5 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung der Substitution eines Stoffes.

Für den Umgang mit Materialien im Bestand und deren Einordnung ist Kriteriensteckbrief BK_1.1.6. heranzuziehen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau) und BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

Einordnung der Polymerbitumen-Dichtungsbahnen

Für die Bewertung nach Kriterium BNB_BN_1.1.6 (Version V 2014_1) werden sechs potenzielle Schadstoffgruppen1 betrachtet. Für die Einordnung der Polymerbitumen-Dichtungsbahnen gemäß 1.1.6 sind die hervorgehobenen Schadstoffgruppen 2 und 6 relevant: 
1  Gefährliche und besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC)
2  Gefährliche Stoffe, die ausgelaugt werden können
3  Schwermetalle (bei Bodenbelägen als Stabilisatoren in Kunststoffen)
4  Flüchtige organische Verbindungen (VOC) 1 einschließlich organische Lösemittel
5  Halogenierte Kälte- und Treibmittel
6  Biozide

Polymerbitumen-Dichtungsbahnen werden in 1.1.6 über folgende Einsatzbereiche adressiert (s. BNB_BN_1.1.6 Anlage 1 / Allgemeine Anforderungsliste, Anlage 2 / Anforderungen an Einzelstoffe mit besonders besorgniserregenden Eigenschaften):

  • Pos. 37 Polymerbitumenbahnen
  • Pos. 39 alle Bauprodukte, die eine Auslaugung verursachen können... / Dachbahnen, Dichtungsbahnen

Im Folgenden werden die Anforderungen an die Verwendung von Polymerbitumen-Dichtungsbahnen dargestellt.

Qualitätsniveau (QN)

Anforderungen an Polymerbitumen-Dichtungsbahnen
(Pos. 37 und Pos. 39)


(= Mindestanforderung)

Produktdokumentation1 incl. Deklaration von SVHC der Kandidatenliste > 0,1 Gew.-%

Deklaration biozider und anderer durchwurzelungshemmender Wirkstoffe

2 (zusätzlich zu QN1)

3 (zusätzlich zu QN1)

Ausschluss biozider und anderer durchwurzelungshemmender Wirkstoffe, wie z.B. Mecoprop

4 (zusätzlich zu QN1)

5 (zusätzlich zu QN1)

Ausschluss biozider und anderer durchwurzelungshemmender Wirkstoffe, wie z.B. Mecoprop

Für Polymerbitumenbahnen mit Kontakt zu Boden oder Wasser gilt außerdem: Dokumentation der Eluatwerte

Kommentierung

Es ist möglich2, mit entsprechenden Produkten aus der Gruppe der Polymerbitumenbahnen die Anforderungen bis einschließlich QN5 zu erfüllen, wenn durchwurzelungshemmende Eigenschaften nicht gefordert sind.

Sollen Polymerbitumen-Dichtungsbahnen wurzelfest sein, müssen sie mit Bioziden wie Mecoprop ausgestattet sein und können höchstens die Anforderungen bis einschließlich QN2 erfüllen.

Eine Alternative für Gründächer ohne Biozide in der Dichtungsbahn sind Kunststoff-Dichtungsbahnen auf EPDM oder FPO-Basis. Die Fachvereinigung Bauverksbegrünung e. V. (FBB) veröffentlicht regelmässig eine Liste wurzelfester Produkte für die Abdichtung begrünter Flachdächer. Die Liste ist auf der Webseite der FBB abrufbar.

Tabelle: Anforderungen an die Verwendung von Polymerbitumen-Dichtungsbahnen

1 Die Produktdokumentation (z.B. über Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, Sicherheitsdatenblätter) ist die Mindestanforderung, die für alle durch BNB 1.1.6 betroffenen Produktgruppen erfüllt sein muss. Zusätzlich ist für alle diese Produktgruppen immer auch die Deklaration von SVHC der Kandidatenliste nach REACH (z.B. über Sicherheitsdatenblätter, Herstellererklärung) erforderlich.

2 Eine Aussage über die Marktverfügbarkeit kann hier nicht getroffen werden.

Planungs- und Ausschreibungshilfen mit Textbausteinen

Eine tabellarische Übersicht mit allen Einzelkriterien für Planung und Ausschreibung ist im neuen Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen für Polymerbitumenbahnen zu finden. Die Tabellen dort enthalten auch detaillierte Informationen zu den Nachweismöglichkeiten (z.B. über andere Produktkennzeichnungen) und damit zur Prüfung der angebotenen Produkte. Außerdem finden sich dort auch die für die verschiedenen Qualitätsniveaus zugehörigen Textbausteine.

BNB-Kriterium BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BK_1.1.6 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

Im Falle einer Sanierungsmaßnahme wird BN_1.1.6 ergänzt durch das BNB-Kriterium BK_1.1.6. Dieses zielt auf die Adressierung und Ausschleusung von Materialien in der bestehenden Bausubstanz, die ein Risikopotenzial für Mensch und Umwelt darstellen. Die Bewertung erfolgt anhand einer Einstufung der Baumaterialien in ein vorgegebenes Schadstoffkataster mit 14 Schadstoffgruppen aufgrund ihres Schädigungspotentials und der jeweiligen Sanierungsmaßnahmen. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 4 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung er Substitution eines Stoffes.

Weitere Informationen zu den Einzelkriterien im Bestand siehe BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung). Für den Einbau von neuen Materialien gilt BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau).

Die Einordnung von Materialien im Bestand erfolgt in WECOBIS jeweils gesammelt für die ganze Obergruppe der Dichtungen, Abdichtungen. Siehe dazu Dichtungen, Abdichtungen im Bestand.

Die an dieser Stelle beschriebenen Polymerbitumen-Dichtungsbahnen (= aktuell am Markt verfügbare Produktgruppen) enthalten normalerweise keine Problemstoffe, welche bei der Sanierung relevant sind. Auch alte Polymerbitumen-Dichtungsbahnen enthalten nach derzeitigem Kenntnisstand keine Schadstoffe welche in der bestehenden Bausubstanz relevant sein könnten.

BNB-Kriterium BN_3.1.3 - Innenraumhygiene

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_3.1.3 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

Ziel des BNB-Kriteriums 3.1.3 ist die Sicherstellung der Luftqualität im Innenraum unter hygienischen Gesichtspunkten, die zu keinen negativen Effekten hinsichtlich der Befindlichkeit der Raumnutzer führt, die hygienische Sicherheit garantiert und somit möglichst auch eine empfundene hohe olfaktorische Luftqualität gewährleistet.
Die Bewertung erfolgt anhand der Berechnung der personenbezogenen Luftwechselrate sowie anhand von Raumluftmessungen auf den Formaldehyd- und TVOC-Gehalt.
Erfahrungsgemäß lassen sich die Referenz- und Zielwerte dann erreichen, wenn die Auswahl und Verwendung der eingesetzten Materialien auf einem ganzheitlichen Konzept zur Vermeidung von Emissionen aus Bauprodukten basiert und der Einsatz emissionsarmer Materialien die Bauphase begleitend dokumentiert wird. BNB-Kriterium 3.1.3 steht deshalb in engem Zusammenhang mit der Erfüllung der Einzelkriterien für BNB-Kriterium 1.1.6.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_3.1.3 Innenraumhygiene (Neubau)

Einordnung der Polymerbitumen-Dichtungsbahnen

Sofern Polymerbitumen-Dichtungsbahnen gemäß ihrer vorgesehener Anwendung im Außenraum eingesetzt werden, spielen sie für die Bewertung nach BNB 3.1.3 keine Rolle.

BNB-Kriterium BN_4.1.4 - Rückbau, Trennung, Verwertung

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_4.1.4 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

Im BNB Kriteriensteckbrief 4.1.4 werden Konstruktionen nach ihrer Rückbaubarkeit, Trennbarkeit und Verwertbarkeit eingestuft.
WECOBIS kann eine aktuelle Information über mögliche Umwelt- und Gesundheitsgefährdungsaspekte im Zuge von Rückbau und Entsorgung auf Bauproduktgruppenebene geben. Eine Betrachtung von ganzen Konstruktionen kann derzeit in WECOBIS noch nicht erfolgen. Ein Bauteilmodul ist jedoch in planung. Ergänzend zu Leitfäden und Arbeitshilfen helfen die bauproduktgruppenspezifischen Aspekte dem Koordinator jedoch auch jetzt schon, die Komponenten Umwelt und Gesundheit für den Steckbrief 4.1.4 einzuordnen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_4.1.4 – Rückbau, Trennung, Vewertung

Rückbaubarkeit

Für die Bewertung wirkt sich der Einsatz abfallarmer Konstruktionen, die die Möglichkeit eines sortenreines Rückbaus erlauben, günstig aus. Die Rückbaubarkeit beschreibt den Aufwand, der für Demontage oder Abbruch eines Bauteils aus dem Gebäudeverband nötig ist.

Polymerbitumen-Dichtungsbahnen werden meist vollflächig verklebt. In diesem Fall ist der Rückbau mit einem höheren Aufwand verbunden als wenn die Dichtungsbahnen lose verlegt oder nur mechanisch fixiert werden.

Rückbaubarkeit    Geringer Rückbauaufwand => hoher Rückbauaufwand
Konstruktionsweise lose Verlegung mechanische Fixierung (vollflächige) Verklebung
Flüssigfolien     X
Gussasphalt, Asphaltmastix     X
Oxidationsbitumen-Dichtungsbahnen      X
Polymerbitumen-Dichtungsbahnen  X  X  X
Kunststoff-Dichtungsbahnen  X  X  X
Bitumen-Dachbahnen    X  
Kunststoff-Dachbahnen    X  

Weitere Informationen zur Rückbaufähigkeit, siehe "Rückbaufähigkeit und Sortenreinheit" im Reiter Nachnutzung.

Sortenreinheit

Beschreibt den Aufwand, der für die sortenreine Trennung mehrschichtiger und / oder inhomogener Bauteile anfällt.

Polymerbitumen-Dichtungsbahnen bestehen aus einem Trägermaterial (Vlies, Gewebe) mit Deckschichten aus Polymerbitumen und einer mineralischen Bestreuung. Sie sind somit ein Stoffgemisch und lassen sich nur mit erheblichen Aufwand in sortenreine Fraktionen auftrennen.

Verwertbarkeit

Für die Bewertung der Verwertbarkeit der Baustofffraktionen gelten die zur Zeit der Bewertung am Markt aktuell verfügbaren technischen Verfahren. Alternativ können bei Bauteilen mit langer zu erwartender Nutzungsdauer Forschungsvorhaben, die praktikable Lösungsmöglichkeiten in absehbarer Zeit zur Verfügung stellen können, positiv bewertet werden. 

Polymerbitumen-Dichtungsbahnen werden in der Regel energetisch verwertet. Eine stoffliche Verwertung ist in den seltensten Fällen wirtschaftlich. Dies wird nur in einigen kleineren Anlagen (z. B. in Belgien) praktiziert. Die Deponierung ist nicht zulässig.

Verwertungs-/ Beseitigungswege Hochwertige Verwertung Minderwertige Verwertung Energetische Verwertung Deponierung
Flüssigfolien  nicht möglich nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg nicht zulässig
Gussasphalt, Asphaltmastix möglich 1) möglich 1) nicht möglich möglich
Oxidationsbitumen-Dichtungsbahnen  nicht möglich nicht möglich  momentan der übliche Beseitigungsweg  nicht zulässig
Polymerbitumen-Dichtungsbahnen  nicht möglich  in Ausnahmefällen 2) momentan der übliche Beseitigungsweg  nicht zulässig
Kunststoff-Dichtungsbahnen nicht möglich möglich sofern Rücknahmesystem vorhanden 3) momentan der übliche Beseitigungsweg nicht zulässig
Bitumen-Dachbahnen  nicht möglich  nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg  nicht zulässig
Kunststoff-Dachbahnen  nicht möglich   in Ausnahmefällen 4) momentan der übliche Beseitigungsweg  nicht zulässig
Hochwertige Verwertung
Die Produktgruppe wird zur Herstellung gleichwertiger Produkte als wesentlicher Bestandteil des Endprodukts eingesetzt.
Minderwertige Verwertung
Die Produktgruppe wird zur Herstellung untergeordneter Produkte als wesentlicher Bestandteil des Endprodukts eingesetzt.
Energetische Verwertung
Die Produktgruppe wird in einer Verbrennungsanlage energetisch verwertet.
Deponierung
Die Porduktgruppe wird ggf. nach thermischer Vorbehandlung deponiert

1) Nur möglich sofern frei von Schadstoffen (PAK). Gegenwärtig ist jedoch Bitumen als Nebenprodukt der Erdöldestillation relativ kostengünstig und das Angebot an Asphaltabbruch aus dem Straßenbau groß, so dass für eine Verwertung von Gussasphalt und Asphaltmastix kein ökonomischer Anreiz besteht.
2) Für Polymerbitumenbahnen sind derzeit nur kleinere Anlagen in Betrieb. Ein Rücknahmesystem welches von Herstellern angeboten wird, ist derzeit noch nicht vorhanden.
3) Für Kunststoff-Dichtungsbahnen existiert ein europäisches Rücknahmesystem, das derzeit jedoch nur für PVC- und EVA-Bahnen ein kostenlose Rücknahme anbietet. Angesichts der hohen Anteile Weichmacher und Stabilisatoren ist das PVC-Recycling jedoch aus ökologischer Sicht mit Vorbehalt zu betrachten. Es gibt gute Gründe dafür, die umweltgefährdenden Bestandteile zu vernichten resp. kontrolliert abzulagern (Filterstaub) als sie einer weiteren Nutzung zuzuführen. Bei homogenen Kunststoff-Dichtungsbahnen ist im besten Fall eine minderwertige Verwertung möglich. Sofern dies nicht möglich ist, können sie einer energetischen Verwertung zugeführt werden.
4) Nur für homogene Dachbahnen möglich (z.B. PE-Spinnvlies) und sofern eine Rücknahmesystem vorhanden ist.

Weitere Informationen zur energetischen Verwertung von Polymerbitumen-Dichtungsbahnen finden sich im Reiter Nachnutzung.

Quellen

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt, abrufbar unter BNB_BN_1.1.6 Stand Oktober 2015 (Online-Quelle in Überarbeitung)

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 3.1.3 Innenraumhygiene, abrufbar unter BNB_BN2011-1_313 (Online-Quelle), abgerufen 29.10.2014

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 4.1.4 Rückbau, Trennung und Verwertung, abrufbar unter BNB_BN2011-1_414 (Online-Quelle),abgerufen 29.10.2014

Polymerbitumen-Dichtungsbahnen

Technisches

Technische Daten

In der nachfolgenden Tabelle sind die wichtigsten Eigenschaften ausgewählter Polymerbitumen-Dichtungsbahnen aufgeführt und einer typischen Oxidationsbitumen-Dichtungsbahn gegenübergestellt. Die drei ausgewählten Beispiele sind stellvertretend für eine Vielzahl von Produkten, die sich hauptsächlich in Dicke und Trägermaterial (Glasvlies, Glasgewebe, Jute und Polyestervlies) unterscheiden. Zusätzlich unterscheiden sich die Bahnen noch in Zusatzausrüstungen wie Abstreuungen auf der Oberfläche, Schweißfolien und chemischem Wurzelschutz. Die Bedeutung der Kurzzeichen ist unter "1.6.6 Technische Regeln (DIN, EN)" erläutert.

Die Wärmestandfestigkeit, Kälteflexibilität und Alterungsbeständigkeit ist bei Polymerbitumen-Dichtungsbahnen gegenüber den normalen Dichtungsbahnen deutlich erhöht.

 
PYE GV 60 S3
PYE PV 140 S5
PYE PV 140 S6
Oxidationsbitumen-
Dichtungsbahn 1)
Gewicht
3.8 kg/m²
6.5 kg/m²
7.9 kg/m²
3.5 kg/m²
Reißkraft längs
> 250 N/50mm
> 500 N/50mm
> 500 N/50mm
500 N/50mm
Reißkraft quer
> 200 N/50mm
> 500 N/50mm
> 500 N/50mm
500 N/50mm
Reißdehnung
2 %
> 30 %
> 30 %
3 %
Kältebiegung
< -10 °
< -10 °
< -10 °C
 
Wärmestand-
festigkeit
> 80 °
> 80 °
> 80 °C
> 60 °C
Erweichungspunkt
124 °C
124 °C
124 °C
100 °C
Dampfdiffusion µ * Foliendicke d
150 m
250 m
300 m
220 m

1) Als Beispiel wurde hier eine Dachdichtungsbahn G 100 DD gewählt.

  • Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl µ Leitwert 0.0
  • Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl µ > 150'000
  • Baustoffklasse nach DIN 4102-1 B2

CE-Zeichen

seit 2005

Technische Regeln (DIN, EN)

Stoff- und Anwendungsnormen

DIN 18195 Bauwerksabdichtungen
DIN 18531 Dachabdichtungen - Abdichtungen für nicht genutzte Dächer
DIN V 20000-202 Anwendung von Bauprodukten in Bauwerken - Teil 202: Anwendungsnorm für Abdichtungsbahnen nach Europäischen Produktnormen zur Verwendung in Bauwerksabdichtungen
DIN V 20000-201 Anwendung von Bauprodukten in Bauwerken - Teil 201: Anwendungsnorm für Abdichtungsbahnen nach Europäischen Produktnormen zur Verwendung in Dachabdichtungen
DIN EN 13707 Abdichtungsbahnen - Bitumenbahnen mit Trägereinlage für Dachabdichtungen - Definition und Eigenschaften
DIN EN 13969
Abdichtungsbahnen - Bitumenbahnen für die Bauwerksabdichtungen gegen Bodenfeuchte und Wasser - Definition und Eigenschaften
DIN EN 1849-1
Abdichtungsbahnen - Bestimmung der Dicke und flächenbezogenen Masse - Teil 1: Bitumenbahnen für Dachabdichtungen

Kurzzeichen

Die Vornorm DIN V 20000-201 definiert Kurzzeichen zur Einteilung der Polymerbitumen-Dichtungsbahnen. Unterscheidungsmerkmale sind das Material der Deckschicht, die verwendete Trägereinlage mit Angabe des Flächengewichts in g/m2 sowie die Verarbeitungsart. Aus jeder Spalte der Tabelle unten wird jeweils ein passendes Kurzzeichen gewählt und zum gesamten Kurzzeichen zusammengefügt. Zum Schluss kann eine weitere Zahl folgen, die die Dicke der Bahn ausweist.

Material Deckschicht
Kurzzeichen: Material
Trägereinlage
Einlage: Material
Verarbeitungsart
PYE: Elastomerbitumen G: Glasgewebe + Flächengewicht in g/m2 S: Schweissbahn + Dicke in mm
PYP: Plastomerbitumen PV: Polyestervlies + Flächengewicht in g/m2 DD: Dachdichtungsbahn
  V: Glasvlies + Flächengewicht in g/m2 KSP: Kaltselbstklebebahn
  KTG: Kombinationsträger mit über 50 Gew.-% Glasanteil + Flächengewicht in g/m2  
  KTP: Kombinationsträger mit über 50 Gew.-% Polyesteranteil + Flächengewicht in g/m2  
  VCu, VAl: Kupfer (Cu)- oder Aluminium (Al)-Kunststoffverbundfolien + Flächengewicht in g/m2  

Beispiele für vollständige Kurzzeichen sind unten aufgeführt.

Kurzzeichen Deckschicht Trägereinlage Dimensionen
PYE PV 200 S5
PYP G 200 S4
PYE PV 200 DD
PYE G 200 DD

Elastomerbitumen
Plastomerbitumen
Elastomerbitumen
Elastomerbitumen

Polyestervlies 200g/m²
Glasgewebe 200 g /m²
Polyestervlies 200g/m²
Glasgewebe 200 g /m²
5 / 5.2 mm
4 / 4.2 mm
3 - 5 mm
3 - 5 mm

Bauregelliste

Das Deutsche Institut für Bautechnik stellt in den Bauregellisten A, B und C die technischen Regeln für Bauprodukte und Bauarten sowie bauaufsichtlich geregelte und nicht geregelte Bauprodukte und Bauarten auf. Nach Zustimmung der obersten Bauaufsichtsbehörden der Länder wird die Bauregelliste bekannt gegeben. Erwerb und weiterführende Informationen zu Bauregelliste und ihren Regelungsbereichen siehe unter → www.dibt.de
Eine Darstellung und Erläuterungen zur Klassifizierung von Bauprodukten siehe im Lexikon → Klassifizierung von Bauprodukten

Polymerbitumen-Dichtungsbahnen

Literaturtipps

Birkner, Ch., et al. (2012): Technische Regeln für die Planung und Ausführung von Abdichtungen mit Polymerbitumen- und Bitumenbahnen, In: abc der Bitumenbahnen, Hrsg: vdd Industrieverband Bitumen-Dach- und Dichtungsbahnen e.V., Frankfurt/Main, 5. überarbeitete Auflage
Bucheli, Th., Müller, St.R., Vögelin, A. & Schwarzenbach, R.P. (1998): Bituminous Roof Sealing Membranes as Major Sources of the Herbicide (R,S)-Mecoprop in Roff Runoff Waters: Potential Contamination of Groundwater and Surface Waters, Env. Science & Techn. Vol. 32, No 22, p. 3465, 1998, New York.
Burkhardt, M., Pillonel, C., Hitzfeld, B. (2009): Information über Mecoprop in Bitumen-Dachbahnen, Hrsg: Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK, Bundesamt für Umwelt BAFU 
Ecomed Verlag (o.A.): Expositionsbeschreibungen zur Überwachung von Arbeitsbereichen „Schweißen von Bitumenbahnen", In: Handbuch Bauchemikalien,  Landsberg. Online-Quelle
Gahlmann, Heinrich (1994): Produkt- und Ökoprofil Bituminöser Dichtungsbahnen von Vaparoid, Eigenverlag, 1994, Affoltern a.A. CH.
Knecht, U., Stahl, S., Woitowitz, H.-J. (o.A.): „Handelsübliche Bitumensorten: PAH-Messgehalte und temperaturabhängiges Emissionsverhalten unter standardisierten Bedingungen", In: Gefahrstoffe – Reinhaltung der Luft, S. 429 – 434.
Meyer, Richard F., Attanasi, Emil D. (2003): Heavy Oil and Natural Bitumen – Strategic Petroleum Resources, U.S. Geological Survey Fact Sheet 70-03, August 2003, Online Version 1.0. Online-Quelle
Schmidt, H. (1992 / 1993): Emissionen polycyclischer, aromatischer Kohlenwasserstoffe beim Verarbeiten von Bitumen und Polymerbitumen-Bahnen, In: Bitumen 2/1992 u. 2/1993. Untersuchungen des Instituts für Arbeits- und Sozialmedizin der Justus-Liebig-Universität, Gießen.
Sonntag, H. (1989): Gutachterliche Stellungnahme zur Frage der gesundheitlichen Relevanz von Emissionen aus Bitumen-Dachbahnen bei Temperaturen von bis zu 80 °C, Hygiene-Institut der Universität Heidelberg, November 1989
Sonntag, H., Erdinger, L. (1992): Gutachterliche Stellungnahme zur Frage der gesundheitlichen Bedeutung von Emissionen mutagener Verbindungen aus Heißbitumen bei 190 °C. Hygiene-Institut der Universität Heidelberg, September 1992
Polymerbitumen-Dichtungsbahnen

Rohstoffe / Ausgangsstoffe

Hauptbestandteile

Polymerbitumen-Dichtungsbahnen 2.1.1

Abb. 1: Zusammensetzung nach Funktionen

Der Hauptbestandteil der meisten Polymerbitumen-Dichtungsbahnen ist gefüllter Destillationsbitumen (→  Bitumen), der ohne weitere Verarbeitung aus der Erdölfraktionierung entsteht. Die Kunststoffzusätze betragen etwa 5 - 12 % und stammen aus der Kunststoffindustrie. Es handelt sich fast ausschließlich um Styrol-Butadien-Kautschuk oder ataktisches Polypropylen. Beide Kunststoffe finden auch in vielen anderen Bereichen Anwendung (Elastomere, Polypropylen).

Die Trägermaterialien machen in der Regel nur wenige Gewichtsprozent aus und können aus Kunststoff (Polyestervliese), aus natürlichen Stoffen (Jute) oder aus mineralischen Stoffen (Glasgewebe, Glasvliese) bestehen.

Die mengenbezogen zweitwichtigste Komponente in Polymerbitumen-Dichtungsbahnen sind die mineralischen Füllstoffe (20 - 35 %) aus gemahlenen Gesteinen und die Sand- und Talk-Abstreuungen.

Für einige Polymerbitumenbahnen sind die Zusammensetzungen in nachfolgender Tabelle dargestellt. Zum Vergleich wird auch die Oxidationsbitumen-Dichtungsbahn aufgeführt.

 
PYE GV 60 S3
PYE PV 140 S5
PYE PV 140 S6
Oxidationsbitumen-
Dichtungsbahn 1)
Gewicht
3.8 kg/m²
6.5 kg/m²
7.9 kg/m²
3.5 kg/m²
Träger-
einlage
60 g/m² Glasvlies
140 g/m² Polyestervlies
140 g/m² Polyestervlies
100 g/m² Glasgewebe
Deck-
schichten
2225 g/m²  Destillations-
bitumen
285 g/m² SBS-Polymer
1025 g/m² Kalkstein- und Schiefermehl-
Filler
3875 g/m² Destillations-
bitumen
490 g/m² SBS-Polymer
1785 g/m² Kalkstein- und Schiefermehl-Filler
4760 g/m² Destillations-
bitumen
605 g/m² SBS-Polymer
2190 g/m² Kalkstein- und Schiefermehl-Filler
2250 g/m² Oxidationsbitumen
750 g/m² Kalkstein- und Schiefermehl-Filler
Abstreuung
200 g/m² Sand und Talk oben
200 g/m² Sand und Talk oben
200 g/m² Sand und Talk oben
400 g/m² Sand und Talk beidseitig
Schweiß-
folie
6 g/m² Polypropylen
6 g/m² Polypropylen
6 g/m² Polypropylen
-

 1 ) Als Beispiel wurde hier eine Dachdichtungsbahn G 100 DD gewählt.

Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Gewinnung der Primärrohstoffe

Bitumen werden ausschließlich aus fossilen Rohstoffen hergestellt. Die Gewinnung der fossilen Rohstoffe aus Erdöl, Erdgas und Kohle wie auch der mineralischen Rohstoffe ist mit Umweltrisiken verbunden. Die mineralischen Rohstoffe Gesteine, Sand, Talk (Speckstein) werden meist im Tagebau abgebaut. Dabei werden natürliche Flächen langerfristig umgewandelt.

Verfügbarkeit

Die Rohstoffverfügbarkeit aller Materialien außer der Glasvlies- oder Glasgewebe-Träger ist an die Erdölförderung gekoppelt. Mit der allmählichen Erschöpfung der Erdölvorräte vermindert sich auch das Potential zur Gewinnung von Bitumen und Herstellung von Kunststoffen. Ein Ende der Erdölförderung würde auch das Ende des in großen Mengen als Nebenprodukt verfügbaren Bitumens bedeuten. Allerdings werden die zusätzlich zu den heute genutzten Ölvorkommen vorhandenen Schweröl- und Bitumen-Lager auf rund 600 Milliarden Barrel geschätzt (Meyer et al. 2003). Diese werden im Falle einer zunehmenden Ölknappheit stärker ausgebeutet und auch zur Energiegewinnung genutzt werden. 

Die mineralischen Rohstoffe sind alle auch längerfristig gut verfügbar und erfordern lediglich eine einfache Aufbereitung und Verarbeitung.

Verwendung von Recyclingmaterialien / Produktionsabfällen

Produktionsabfälle können prinzipiell wieder aufgeschmolzen und das Bitumen zurück gewonnen werden.

Radioaktivität

Bitumen sind nicht radioaktiv. Abdichtungsbahnen können verwendet werden, um Gebäude vor eindringendem Radon zu schützen. Radon gelangt aus dem Untergrund zuerst in die Kellergeschosse eines Gebäudes und von dort in das restliche Gebäude. Über die Entstehung von Radon im Untergrund und die damit einhergehende Radonproblematik informiert der Lexikonbegriff natürliche Strahlenexposition ausführlich.

Bei Neubauten in Gebieten mit erhöhter Radon-Belastung soll die Belastung am Baustandort abgeklärt werden. Falls eine erhöhte Radonbelastung festgestellt wird, sind Maßnahmen vorzusehen, um die Belastung des Innenraums mit Radon niedrig zu halten. Alle Abdichtungsbahnen sind grundsätzlich für die Radonabdichtung geeignet. Wesentlich für den Erfolg der Maßnahme ist die Radon-dichte Ausführung aller Anschlüsse und Nähte.

Im Bestand steht als Alternativen zur Abdichtung des Baugrundes die Abdichtung des Erdgeschosses gegenüber dem Keller mit Absaugung der Kellerluft zur Verfügung.

Weitere Informationen zur Radioaktivität sind auf der Webseite des Bundesamts für Strahlenschutz abrufbar.

Landinanspruchnahme (Landuse)

Die Bitumen-Produktion ist mit geringem Flächenverbrauch für die Erdölgewinnung und die Raffineriestandorte verbunden. Durch Leckagen während der Erdöl-Förderung oder des Erdöl-Transports können allerdings die Ökosysteme beträchtlicher Flächen längerfristig geschädigt werden.

Quellen

Informationen zu Radon in Gebäuden: Online-Quelle

GISBAU (2013): GISBAU Information Bitumen, Unternehmer-Version 01/2013.24, Online-Quelle

Meyer, Richard F., Attanasi, Emil D. (2003): Heavy Oil and Natural Bitumen – Strategic Petroleum Resources, U.S. Geological Survey Fact Sheet 70-03, August 2003, Online Version 1.0. Online-Quelle

Polymerbitumen-Dichtungsbahnen

Herstellung

Prozesskette

Prozesskette Polymerbitumen-Dichtungsbahnen

Herstellungsprozess

Die Herstellung von Polymerbitumen-Dichtungsbahnen beinhaltet keine chemischen Prozesse. Das Trägermaterial wird als Bahn abgewickelt und mit erhitztem Polymerbitumen vorimprägniert, gewalzt und schließlich in einer Wanne mit den Deckmassen aus Polymerbitumen versehen. Vor dem Abkühlen und Aufwickeln der Bahnen zu Rollen wird die Abstreuung aufgebracht.

Umweltindikatoren / Herstellung

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren in WECOBIS soll zukünftig ausschließlich die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB liefern.

Die Ökobau.dat stellt Umweltprofile für Bauprodukte bereit, die als erforderliche Datengrundlage für die Lebenszyklusanalyse eingesetzt werden. Für Bauprodukte gibt es Herstellungs- und End-of-Life- Datensätze.

Weiterführende Informationen zur Ökobau.dat im Zusammenhang mit dieser Produktgruppe finden sich in WECOBIS unter Fachinformationen / Reiter Umweltdeklarationen → Ökobau.dat / Umweltindikatoren

Da in der Herstellung von Bauprodukten ein großer Anteil der verursachten Umweltbelastungen auf den Verbrauch von nicht erneuerbaren Energieträgern zurückzuführen ist, stellt die Graue Energie (kumulierter Primärenergieaufwand nicht erneuerbar) dafür einen guten Indikator dar.

Graue Energie

In Ökobau.dat sind mit Stand März 2013 zwei Datensätze für Polymerbitumen-Dichtungsbahnen vorhanden. Der einzige Unterschied zwischen den beiden bilanzierten Produkten stellt die mineralische Deckschicht dar. Die Daten sind nicht durch ein unabhängiges Review abgesichert.

Werden die Werte der Ökobilanz in Ökobau.dat pro Quadratmeter Bitumenbahn angegeben, so unterscheiden sich die Inputwerte und die Ökobilanzfaktoren kaum voneinander. Zu den verwendeten Datenquellen, den Systemgrenzen und den Allokationen in der Berechnung der Ökobilanz macht Ökobau.dat, wie bei allen publizierten Datensätzen, keine Aussage. Zum Vergleich werden die bereits früher in Wecobis publizierten Werte für die Graue Energie einer vergleichbaren Polymerbitumen-Dichtungsbahn aufgeführt.

Dichtungsbahn PYE PV 200 S5 (ungeschiefert)a PYE-PV 200 S5 ns (geschiefert)a PYE PV 140 S5b
Masse / m2 5.2 kg / m2 6.2 kg / m2 6.5 kg / m2
Primärenergie nicht regenerierbar (Graue Energie) 246.5 MJ / m2 246.1 MJ / m2 254 MJ / m²
Primärenergie regenerierbar 3.3 MJ / m2 3.3 MJ / m2  
Sekundärbrennstoffe 0.03 MJ / m2

0.03 MJ / m2

 

a Datenquelle Ökobau.dat; b Datenquelle Wecobis, U. Kasser

Die Berechnung der Grauen Energie für die Polymerbitumen-Bahn PYE PV 140 S5 erfolgt aus den folgenden Annahmen:

Die Graue Energie von Polymerbitumen-Dichtungsbahnen lässt sich sich mit Hilfe der Grauen Energie von Bitumen und dessen Modifikationen aufgrund der Zusammensetzung grob abschätzen. Unsicher ist der Energieaufwand bei der Verarbeitung im Werk des Bahnenherstellers. Dazu sind bisher keine Zahlen publiziert worden. Mit Hilfe von Analogieüberlegungen wurde mit einem Wert von 1.5 MJ/kg gerechnet. Der Verarbeitungsanteil ist auf jeden Fall im Vergleich zur gesamten Herstellungsenergie gering.

Die unten stehende Tabelle zeigt die Ergebnisse der Berechnung für drei Polymerbitumen-Dichtungsbahnen und eine Oxidationsbitumen-Dichtungsbahn. Die Graue Energie von Polymerbitumen-Dichtungsbahnen pro Flächeneinheit ist ausgesprochen von der Dicke und vom Füllstoffgehalt des Bitumens abhängig. Der Bitumenanteil macht bei den Oxidationsbitumen-Dichtungsbahnen über 90 % der Grauen Energie aus. Bei den Polymerbitumen-Dichtungsbahnen spielen auch die Kunststoffzusätze eine gewisse Rolle. Art und Gewicht der Trägermaterialien, der Schweißfolien und der Abstreuung haben praktisch keinen Einfluss auf die Energieintensität der Dichtungsbahnen. Die gewichtsnormierten Unterschiede zwischen den verschiedenen Bahnen sind nicht sehr groß. Man kann in guter Näherung mit durchschnittlich 35-40 MJ/kg rechnen. Polymerbitumendichtungsbahnen sind in der Regel wegen dem Kunststoffanteil etwas energieintensiver als Oxidationsbitumen-Dichtungsbahnen. Der Unterschied liegt jedoch im Bereich der Unsicherheiten der präsentierten Zahlen.

 
PYE GV 60 S3
PYE PV 140 S5
PYE PV 140 S6
Oxidationsbitumen-
Dichtungsbahna
Gewicht
3.8 kg/m²
6.5 kg/m²
7.9 kg/m²
3.5 kg/m²
Träger-
einlage
3.0 MJ /m² Glasvlies
11.8 MJ/m² Polyestervlies
11.8 MJ/m² Polyestervlies
5.0 MJ/m² Glasgewebe
Deck-
schichten
111 MJ/m² Destillations-
bitumen
23 MJ/m² SBS-Polymer
0.8 MJ/m² Kalkstein- und Schiefermehl-
Filler
193 MJ/m² Destillations-
bitumen
37 MJ/m² SBS-Polymer
1.4 MJ/m² Kalkstein- und Schiefermehl-Filler
237 MJ/m² Destillations-
bitumen
49 MJ/m² SBS-Polymer
1.7 MJ/m² Kalkstein- und Schiefermehl-Filler
111 MJ/m² Oxidationsbitumen
0.6 MJ/m² Kalkstein- und Schiefermehl-Filler
Abstreuung
0.2 MJ/m² Sand und Talk oben
0.2 MJ/m² Sand und Talk oben
0.2 MJ/m² Sand und Talk oben
0.4MJ/m² Sand und Talk beidseitig
Schweiss-
folie
0.45 MJ/m² Polypropylen
0.45 MJ/m² Polypropylen
0.45 MJ/m² Polypropylen
-
Verarbeitung
5.7 MJ/m²
9.8 MJ/m²
11.9 MJ/m²
4.5 MJ/m²
Total
144 MJ/m²
38 MJ/kg
254 MJ/m²
39 MJ/kg
312 MJ/m²
40 MJ/kg
121 MJ/m²
35 MJ/kg

a Als Beispiel wurde hier eine Dachdichtungsbahn G 100 DD gewählt.
Datenquelle für alle Angaben: [Kasser 1999]

Charakteristische Emissionen

Das erhitzte Bitumen emittiert ein breites Spektrum flüchtiger organischer Stoffe (VOC). Besondere Risiken sind bei der Herstellung von Abdichtungsbahnen nicht vorhanden. Die Emissionen an VOC sind verhältnismäßig gering, obwohl dazu keine zuverlässigen Zahlen verfügbar sind. Pro kg heiß zu verarbeitendes Bitumen kann mit 1 - 2 g VOC-Emissionen gerechnet werden.

Maßnahmen Gesundheitsschutz

Für Bitumen sind keine Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW) festgelegt. Die TRGS 900 legt jedoch Grenzwerte für Kohlenwasserstoffgemische fest.

Maßnahmen Umweltschutz

Die VOC-Emissionen in der Produktion betragen schätzungsweise wenige g/kg verarbeitetes Heißbitumen. Sie stellen eine Luftbelastung dar, die allerdings im Vergleich zu anderen industriellen Quellen kaum ins Gewicht fällt.

Quellen

Technische Regeln für Gefahrstoffe, TRGS 900 (2013): Arbeitsplatzgrenzwerte, Ausgabe: Januar 2006 zuletzt geändert und ergänzt: GMBl 2013 S. 363-364 v. 4.4.2013 [Nr. 17]

Kasser, Ulrich, Pöll, Michael (1999): Graue Energie von Baustoffen, Büro für Umweltchemie, 2. Auflage

Polymerbitumen-Dichtungsbahnen

Verarbeitung

Technische Hinweise / Verarbeitungsempfehlungen

Beim Verschweißen der Bahnen wird die untere Bahn wird bis zur Schmelze der Oberfläche mit Propangas erhitzt. Durch anschließendes Walzen entsteht eine homogene Verbindung zwischen den beiden Bahnen. Es können sowohl normale Bitumen- wie auch Polymerbitumen-Dichtungsbahnen unter sich oder miteinander verschweißt werden. Das verschweißen verlangt nach Erfahrung im Umgang mit der offenen Flamme. Im Vergleich zur Klebetechnik kann jedoch das Heißbitumen eingespart werden. Bei der Klebetechnik wird Heißbitumen auf die Unterlage ausgestrichen und die obere Bahn darauf verklebt.

Arbeitshygienische Risiken

Allgemeines

Von den Polymerbitumen-Dichtungsbahnen selbst gehen keine besonderen arbeitshygienischen Risiken aus. Heißbitumen ist nach GefStoffV nicht als gesundheitsschädlich kennzeichnungspflichtig (→ Bitumen).

Für die arbeitshygienischen Belastungen ist die Verarbeitungsart maßgebend. Werden die Dichtungsbahnen lose verlegt, gibt es weder für die Arbeiter noch für die Umwelt irgendwelche Auswirkungen. Diese sind allein von der Befestigungstechnik abhängig.
Das Verschweißen der Bahnen verlangt mehr Erfahrung und ist mit höheren arbeitshygienischen Risiken verbunden. Die arbeitshygienischen Risiken gehen beim Schweißen zum einen vom Einsatz der Propangasbrennern aus. Unsachgemäßer Umgang kann zu Bränden führen. Der Körper ist vor der Hitzeeinwirkung zu schützen. Zum anderen sind die Emissionen gesundheitsgefährdender Dämpfe und Aerosole zu beachten. Der Gesprächskreis Bitumen der GISBAU legt als Beurteilungswert einen maximalen Luftgrenzwert von 10mg/m3 fest. Beim Arbeiten ist für ausreichend Frischluftzufuhr zu sorgen. Zutritt von Wasser muss ausgeschlossen werden. Zur persönlichen Schutzausrüstung gehören eine Gestellbrille sowie bei erhöhter Spritzgefahr Gesichtsschutz.

AGW-Werte

Für Bitumen sind keine Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW) festgelegt. Die TRGS 900 legt jedoch Grenzwerte für Kohlenwasserstoffgemische fest. Heißbitumen ist heute nicht mehr mit Teer verschnitten und wird deshalb nicht mehr als krebserzeugend eingestuft.

REACH / CLP

Die REACH-Verordnung regelt die Herstellung, das Inverkehrbringen und den Umgang mit Industriechemikalien. Zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen, dient die CLP-Verordnung (Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen), um ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu gewährleisten.

Wird ein Produkt nicht als Stoff oder Gemisch, sondern als Erzeugnis eingestuft, ist kein Sicherheitsdatenblatt (SDB) erforderlich und Gefahrstoffbezeichnungen entfallen. Lediglich besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) müssen ausgewiesen werden. Für diese Informationen besteht eine Auskunftspflicht. Sie müssen aber nicht in Form eines Sicherheitsdatenblattes nach den Kriterien des Anhangs II der REACH-Verordnung gegeben werden.

Polymerbitumen-Dichtungsbahnen werden als Erzeugnis eingestuft.

Informationen und Unterstützung zu den Auskunftsrechten finden sich unter www.reach-info.de.

Emissionen

In der Zusammenstellung unten sind die Lösemittel- bzw. VOC-Emissionen für die Befestigungstechniken "Verkleben" und "Verschweißen" von Polymerbitumen-Dichtungsbahnen aufgeführt. Die Lösemittelemissionen pro m² sind bei Polymerbitumen-Dichtungsbahnen im Vergleich zu Bitumenlacken (→ Bituminöse Voranstriche) gering. Beim Verschweißen sind zudem die Emissionen von Kohlenwasserstoffen zu beachten.

 
Polymerbitumen-Dichtungsbahnen
Verkleben mit 1.1 - 1.5 kg Heissbitumen
Verschweißen
Lösemittelemissionen
1 - 2 g/m²
< 1 g /m²

Umweltrelevante Informationen

Energieaufwand Verarbeitung

Der Energieaufwand für die Verarbeitung der Polymerbitumenbahnen ist nicht vernachlässigbar. Im Schweißverfahren werden je nach Material und atmosphärischen Bedingungen zwischen 60 - 120 g / m² Propangas benötigt, was einer Energiemenge von ca. 3 - 6 MJ / m² entspricht. Auch im Klebeverfahren muss das Bitumen bis zur Verflüssigung erhitzt werden, was zu einem vergleichbaren Energieaufwand führt. Die Graue Energie des Materials beim Klebeverfahren ist deutlich höher, man rechnet mit einem Materialverbrauch von 1.1 - 1.5 kg Heißbitumen pro m². Insgesamt darf Schweißen als die deutlich weniger umweltbelastende, jedoch anspruchsvollere Befestigungstechnik bezeichnet werden.

 
Polymerbitumen-Dichtungsbahnen
Verkleben mit 1.1 - 1.5 kg Heißbitumen
Verschweißen
Graue Energie Material
55 - 75 MJ/m2
-
Energieaufwand
Verarbeitung
 4 - 8 MJ/m²
3 - 6 MJ/m²
Lösemittelemissionen
1 - 2 g/m²
< 1 g /m²

Quellen

GISBAU (2013): GISBAU Information Bitumen, Unternehmer-Version 01/2013.24, Online-Quelle

Kasser, Ueli, Pöll, Michael (1999): Graue Energie von Baustoffen, Büro für Umweltchemie, 2. Auflage

Polymerbitumen-Dichtungsbahnen

Nutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiken Neuzustand

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

Polymerbitumen-Dichtungsbahnen werden normalerweise im Außenbereich eingesetzt. Innenraum-Emissionen sind in diesem Fall nicht zu erwarten.

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Außenraum

Da das Bindemittel in Polymerbitumen-Dichtungsbahnen nicht wassergefährdend ist (WGK 0) und da die Produkte keine Hilfsstoffe enthalten, kann eine Wassergefährdung ausgeschlossen werden.

Umwelt- und Gesundheitsrisiken bei bestimmungsgemäßer Nutzung

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

Die längerfristige Abgabe von Schadstoffen in die Luft ist bei Innenanwendungen zu beachten. Aufgrund von Einzelmessungen und aufgrund der chemischen Zusammensetzung ist eine Abgabe von Bestandteilen des Bitumens über größere Zeiträume in die Luft nicht auszuschließen. Da Polymerbitumen-Dichtungsbahnen als Abdichtung in der Regel nicht in beheizten Innenräumen angewendet werden, ist das Risiko einer Gesundheitsgefährdung als gering zu betrachten.

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Außenraum

Polymerbitumen-Dichtungsbahnen enthalten in der Regel keine Hilfsstoffe. Das Bitumen selbst enthält keine umweltrelevanten Bestandteile, bzw. ein Auswaschen eventueller toxischer Substanzen konnte bislang nicht beobachtet werden (WGK 0, nicht wassergefährdend).

Eine Ausnahme bilden die sogenannten wurzelfesten Polymerbitumen-Dichtungsbahnen, die als oberste Lage bei begrünten Flachdächern verwendet werden müssen, wenn ein Eindringen der Wurzel verhindert werden soll. Zahlreiche Bahnen enthalten das Herbizid Mecoprop. Mecoprop ist klassiert als sehr giftig für Wasserorganismen und kann in Gewässern längerfristig schädliche Wirkungen haben. Zudem ist es gesundheitsgefährlich beim Verschlucken, verursacht schwere Augenschäden und Hautreizungen. Zum Einsatz in Polymerbitumenbahnen wird das Herbizid als Ester eingebunden. Gemäß Literaturangaben werden die drei Produkte Preventol B2, Preventol RC, Preventol B5 und Herbitect HE eingesetzt.  In wurzelfesten Polymerbitumen-Dichtungsbahnen sind rund 0,5 - 1 % Preventol B2 enthalten, das entspricht ca. 15 - 40 g Preventol B2 pro m² Abdichtung. Herbitect HE kann niedriger dosiert werden mit rund 0,4 - 0,5 %. In wissenschaftlichen Untersuchungen wurde festgestellt, dass das Herbizid Mecoprop in der Dachbahn abgespalten wird und im Dachwasser von Flachdächern nachgewiesen werden kann. Die Mengen sind relevant. Die Konzentration im Dachwasser ist über Jahre hinweg etwa 1.000 - 10.000 mal höher als der Trinkwassergrenzwert für Herbizide.Die umfangreichen Auswaschversuche [Burkhard 2009] kamen zum Schluss, dass Preventol B2 stärker ausgewaschen wurde als Herbitect HE. Die Studie zeigte, dass die Herbizid-Emissionen im Dachwasser mit Herbitect im Vergleich zu Preventol B2 auf rund 10% reduziert werden können. Aufgrund der Versuche entwickelte der Hersteller von Preventol B2 zudem das neuere Preventol B5, das nun die Wirksubstanz Mecoprop besser in der Polymerbitumenbahn einbinden soll. Hersteller sollten nur noch Preventol B5 oder Herbitect HE einsetzen und auf das ältere Preventol B2 verzichten.

Wurzelfeste Polymerbitumen-Dichtungsbahnen sollten nur auf Gründächern angewendet werden. Auf Nackt- oder Kiesdächern ist die Anwendung nicht nötig und es gibt keinen Grund für die ausgelöste Umweltbelastung.

Umwelt- und Gesundheitsrisiken im Schadensfall

Brandfall

Polymerbitumen-Dichtungsbahnen sind normalentflammbar (Baustoffklasse B2). Brennendes Bitumen ist schwer zu löschen und brennt unter starker schwarzer Rauchentwicklung.

Wassereinwirkung

Polymerbitumen-Dichtungsbahnen sind gegenüber Wassereinwirkung unempfindlich. Wurzelfeste Bahnen können jedoch Herbizide ins Wasser abgeben. Siehe dazu "Schadstoffabgabe / Emissionen in den Außenraum".

Beständigkeit Nutzungszustand

Die Beständigkeit des Bitumens ist schon aufgrund seiner Entstehungsgeschichte relativ hoch. Dennoch sind die Bedingungen in den Erdöllagern nicht dieselben wie in den Anwendungsbereichen des Hochbaus. Insbesondere wirken Sauerstoff und UV-Strahlen auf die Polymerbitumenbahnen ein, und auch die Temperaturschwankungen v.a. in der Anwendung auf dem Flachdach führen zu einer starken Beanspruchung des Materials, der verklebten Stöße und der Anschlussbefestigungen.

In der Praxis ist die Versprödung des Bitumens zu beobachten. Wahrscheinlich durch das allmähliche Verdunsten von Bestandteilen über längere Zeiträume zieht sich die oberste Schicht zusammen (Elefantenhaut) und an der Oberfläche sind Rissbildungen festzustellen. Durch Witterungseinfluss werden diese Rissbildungen gefördert. UV-Strahlen schädigen ungeschützte Aufbordungen oder freigelegte Bahnen. Schlämme dringen in aufgetretene Risse ein und beschleunigen die Zerstörungen der Bahnen mechanisch durch Aufquellen und Austrocknen. Polymerbitumen-Dichtungsbahnen, die seit den Siebzigerjahren eingesetzt werden, sind langlebiger als normale Oxidationsbitumen-Dichtungsbahnen.

Gegenüber wässrigen Laugen, Säuren und Salzen sind Polymerbitumen-Dichtungsbahnen beständig. Organische Lösemittel, Benzine und Mineralöle vermögen Bitumen im Gegensatz zum Steinkohleteer bis zu einem gewissen Maß anzugreifen.

Unter der Rubrik Baustoff- und Gebäudedaten / Nutzungsdauern von Bauteilen findet sich auf dem Informationsportal Nachhaltiges Bauen eine Datenbank mit Nutzungsdauerangaben von ausgewählten Bauteilen des Hochbaus für den Leitfaden „Nachhaltiges Bauen“.

Datenbank als PDF

Instandhaltung

Abdichtungen aus Polymerbitumen lassen sich relativ leicht sanieren durch Anbringen neuer Bitumendecklagen, falls die bestehende Abdichtung nicht zu stark geschädigt ist. Ob der Ersatz der bestehenden Dachhaut nötig ist, muss im Einzelfall durch Fachleute entschieden werden.

Quellen

Bucheli, Th., Müller, St.R., Vögelin, A. & Schwarzenbach, R.P. (1998): Bituminous Roof Sealing Membranes as Major Sources of the Herbicide (R,S)-Mecoprop in Roff Runoff Waters: Potential Contamination of Groundwater and Surface Waters, Env. Science & Techn. Vol. 32, No 22, p. 3465, 1998, New York.

Burkhardt, M., Pillonel, C., Hitzfeld, B. (2009): Information über Mecoprop in Bitumen-Dachbahnen, Hrsg: Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK, Bundesamt für Umwelt BAFU

Burkhard, M., Haag, R., Schmid, P., Hean, S. Boller, M. (2009) Mecoprop, in: Dachabdichtung - Dachbegrünung, Teil VI - Abdichtungen, Eigenverlag Wolfgang Ernst, Pullach i. I.

Polymerbitumen-Dichtungsbahnen

Nachnutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiko Rückbau

Der Rückbau von Polymerbitumen-Dichtungsbahnen ist mit keinen speziellen Risiken verbunden.

Wiederverwendung

Eine Wiederverwendung ist höchstens für lose verlegte Dichtungsbahnen denkbar. Dass ein Handwerker bereit ist, die besonderen Risiken bezüglich der Funktionstüchtigkeit einer Abdichtung aus wiederverwendeten Dichtungsbahnen zu tragen, ist jedoch schwer vorstellbar.

Stoffliche Verwertung

Eine stoffliche Verwertung von Polymerbitumen-Dichtungsbahnen ist grundsätzlich möglich. Sie können in geeigneten Anlagen zu neuem Bitumen verarbeitet werden. Eine Schwierigkeit stellt der sortenreine Ausbau der Dichtungsbahnen am Ende der Lebensdauer dar, da alle Bitumen-Dichtungsbahnen normalerweise auf dem Dach verklebt werden. Derzeit sind kleinere Anlagen zum stofflichen Recycling von Polymerbitumenbahnen z. B. in Belgien in Betrieb.

Energetische Verwertung

Gemäß der Gewerbeabfallverordnung (GewAbfV) sollen Abfälle aus Polymerbitumen-Dichtungsbahnen mit den Kunststoffen gesammelt und einer thermischen Verwertung zugeführt werden. Falls die Abfälle gemischt erfasst werden, sind sie einer Vorbehandlungsanlage zuzuführen. Die Verwertung ist in beiden Fällen vorgeschrieben. Mit einem Bitumengehalt von durchschnittlich etwa 75 % haben Polymerbitumen-Dichtungsbahnen einen relativ hohen Heizwert und können in geeigneten Verbrennungsanlagen mit hohem Energienutzungsgrad energetisch verwertet werden. Da jedoch Bitumen einen Schwefelgehalt aufweist, der mit demjenigen von Schweröl vergleichbar ist, darf Bitumen nur in Anlagen mit weitergehender Rauchgasreinigung verbrannt werden. Die mineralischen Bestandteile, die in der Regel etwa 25 % ausmachen, bleiben in der Schlacke zurück und müssen deponiert werden. Besondere Schadstoffe in den Rückständen sind nicht zu erwarten. Trotz dieser beiden Einschränkungen wird das Verbrennen von Bitumen mit energetischer Nutzung heute als optimaler Entsorgungsweg angesehen.

Beseitigung / Verhalten auf der Deponie

Polymerbitumen-Dichtungsbahnen sind keine besonders überwachungsbedürftigen Abfälle. Ein Abbau des Bitumens unter Deponiebedingungen dürfte in Anbetracht der Entstehungsgeschichte des Bitumens höchstens in außerordentlich großen Zeiträumen erfolgen. Relevante Emissionen in Folge von Ablagerungen der Polymerbitumen-Dichtungsbahnen auf Deponien können in zivilisatorischen Zeiträumen ausgeschlossen werden.

EAK-Abfallschlüssel

Die Zuordnung von Abfallschlüsseln kann in der Praxis je nach Bundesland unterschiedlich gehandhabt werden. Im konkreten Fall ist immer eine Abklärung der anzuwendenden EAK-Schlüssel notwendig.

Für Polymerbitumen-Dichtungsbahnen können folgende EAK-Abfallschlüssel in Frage kommen:

17 02 03 Kunststoff
17 03 02 Bitumengemische
17 09 04 gemischte Bau- und Abbruchabfälle mit Ausnahme derjenigen,
die unter 17 09 01, 17 09 02 und 17 09 03 fallen

Quellen

Verordnung über das Europäische Abfallverzeichnis (Abfallverzeichnis-Verordnung – AVV, zuletzt geändert am 24. Februar 2012). Online-Quelle abgerufen am 11.7.2012

LAGA (2003): Vollzugshinweise zur Gewerbeabfallverordnung (Download)