Faserzement-Tafeln

Produktgruppeninformation

Begriffsdefinition

Faserzement ist ein Verbundwerkstoff aus mit Fasern armiertem Zement, welcher im unerhärteten Zustand praktisch beliebig formbar, im erhärteten Zustand form- und witterungsbeständig ist.

Wesentliche Bestandteile

Norm-Zement, Füllstoffe wie z. B Kalksteinmehl, synthetische, organische Armierungsfasern aus Polyvinylalkohol, Zellulose-Prozessfasern, Wasser, Luftporen 

Charakteristik

Faserzement-Tafeln sind wasserdicht und durch ihren Luftporenanteil frostbeständig und feuchtigkeitsregulierend.

Besonders wichtige Eigenschaft hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Früher wurden für die Herstellung von Faserzement-Tafeln Asbestfasern eingesetzt (= Asbestzement). Asbestzementprodukte dürfen seit 1991 nicht mehr hergestellt, vertrieben und verwendet werden. Auf dem Markt findet man heute daher ausschließlich Faserzementprodukte, die mit Kunststofffasern armiert sind und ohne Asbest hergestellt wurden.

Lieferzustand

Kleinformatige Faserzement-Tafeln = Fassadenschindeln
Großformatige Faserzement-Tafeln = Fassaden-Tafeln 
Formate max. 3.100 mm x 1.500 mm, Dicke 6 - 20 mm

Faserzement-Tafeln können in ihrer natürlichen Farbe belassen oder individuell eingefärbt werden. Für den Außenbereich sind sie i. d. R. werkseitig oberflächenbeschichtet.

Anwendungsbereiche (Besonderheiten)

Wand- und Deckenbekleidungen für Innenräume und für den Außenbereich, insbesondere als Fassadenplatten

Weitere Anwendungsbereiche für Faserzement:
Rohre, Dachplatten, Wellplatten, Gefäße für Haus und Garten

Quellen

Jan R. Krause, Faserzement-Technologie und Entwurf, Birkhäuser 2007

Faserzement-Tafeln
Faserzement-Tafeln

Planungs- und Ausschreibungshilfen

WECOBIS informiert produktneutral. An verschiedenen Stellen bietet WECOBIS jedoch auch Unterstützung dazu, wie sich Produkte innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer ökologischen Eigenschaften unterscheiden lassen.

Informationen hier im Reiter Ausschreibung:

  • Links zu materialökologischen Anforderungen und Textbausteinen für Planung und Ausschreibung im WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen,
  • Hinweise auf mögliche Quellen und Nachweisdokumente zu Planungs- und Ausschreibungskriterien.

Übersicht Planungs- und Ausschreibungshilfen: Bauplatten aus Zement
Stand 01/2016

  Faserzement-TafelnSilikat-Brandschutzbauplattenzementgebundene Spanplatten
         
  Material-
ökologische Anforderungen
Im neuen Modul "Planungs- & Ausschreibungshilfen" bietet WECOBIS eine Übersicht zu möglichen materialökologischen Anforderungen und Textbausteine für Planung und Ausschreibung. Inhalt aufklappen
   
Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS

Textbausteine in WECOBIS basieren derzeit auf dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) des BMUB / Kriterium 1.1.6 (Risiken für die lokale Umwelt).

Kriteriensteckbrief 1.1.6 stellt derzeit keine Anforderungen an Faserzement-Tafeln und Silikat-Branschutzbauplatten.

Holzwerkstoffplatten nach EN 13986
  Mögliche Quellen Die hier genannten Quellen, insbesondere BNB, bilden die Grundlage für Planungs- und Ausschreibungshilfen bzw. materialökologische Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS. Inhalt aufklappen
   
Bewertungssystem
Nachhaltiges Bauen

(BNB) des BMUB /
Kriterium 1.1.6 (Risiken für die lokale Umwelt)

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMUB steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen. Die o.g. Textbausteine und materialökologischen Anforderungen in WECOBIS basieren derzeit auf Kriteriensteckbrief 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt. Dieser steht in engem Zusammehang mit Kriteriensteckbrief 3.1.3 Innenraumhygiene.

Auch wenn ein Gebäude nicht zertifiziert werden soll, bilden die einzelnen Kriteriensteckbriefe eine gute Grundlage, Orientierung und Hilfestellung für die Umsetzung ökologischer Aspekte in der Gebäudeplanung.

Einordung der jeweiligen Bauplatte aus Zement hinsichtlich verschiedener Kriteriensteckbriefe siehe Reiter Bewertungssysteme in WECOBIS

Umweltbundesamt
(UBA)
Auf den Internet-Seiten des Umweltbundesamtes (UBA) befindet sich der „Informationsdienst für umweltfreundliche Beschaffung“. Die Seiten werden gerade überarbeitet, sodass sich dort derzeit aus dem Baubereich nur Ausschreibungsempfehlungen zu Elastischen Bodenbelägen, Tapeten und Raufaser sowie zu hölzernen Bodenbelägen, Paneelen und Türen finden.
baubook ökologisch ausschreiben Die Plattform baubook ökologisch ausschreiben bietet eine Sammlung von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Bauplatten aus Zement finden sich Kriterien in der Gruppe der Bauplatten.
natureplus Ausschreibungstexte - -

- *

* die vorhandenen Ausschreibungstexte für Holzwerkstoffe gelten nicht für zementgebundene Spanplatten

  Mögliche Nachweis-
dokumente
weitere Nachweismöglichkeiten neben den folgend genannten sind Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, sowie Herstellererklärungen oder ggf. ein Anhang mit Nachhaltigkeitsmerkmalen zur bauaufsichtlichen Zulassung (abZ+). Inhalt aufklappen
   
gesetzlich vorgeschrieben: Welche Nachweisdokumente müssen vom Hersteller zur Verfügung gestellt werden? Welcher Nachweis kann damit erbracht werden?
REACH / CLP:
Sicherheitsdatenblatt (SDB)
Bauplatten aus Zement werden als Erzeugnis eingestuft. Für Erzeugnisse ist kein SDB vorgeschrieben. Die pflichtgemäße Leistungserklärung zur CE-Kennzeichnung für Bauprodukte, die unter den Geltungsbereich der BauPVO fallen, muss Angaben über SVHC enthalten oder mitliefern (kein harmonisiertes Format, erfordert ggf. Nachfrage). Für alle Bauprodukte (Erzeugnisse), also auch solche, die nicht im Geltungsbereich der BauPVO liegen, besteht ein Auskunftsrecht für SVHC. Für die Anfrage an den Hersteller steht auf dem Informationsportal des Umweltbundesamtes zu REACH ein Musterbrief zum Download zur Verfügung.
Die meisten Bauplatten aus Zement fallen in den Geltungsbereich der BauPVO (s. Listung in Bauregelliste B Teil 1).
Leistungserklärung gemäß BauPVO mit Angaben zu SVHC (kein harmonisiertes Format, erfordert ggf. Nachfrage) + + +
freiwillige Produktkenn-zeichnungen / -deklarationen Für einige Bauproduktgruppen existieren freiwillige Produktkennzeichnungen oder -deklarationen wie z.B. Umweltzeichen oder Umweltproduktdeklarationen, die als Nachweis für materialökologische Anforderungen dienen können. Eine Übersichtstabelle dazu mit detaillierten Informationen zu Bauplatten aus Zement findet sich im Reiter Zeichen & Deklarationen.

Weitere planungs- und ausschreibungsrelevante Informationen in WECOBIS

Allgemeine Unterstützung zum Umgang mit Nachhaltigkeitsaspekten in Planung und Ausschreibung sowie Hinweise auf Leitfäden, Arbeitshilfen und Veröffentlichungen zum Nachhaltigen Bauen bietet das neue WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen im Nutzerhandbuch Planungs- & Ausschreibungshilfen.

Faserzement-Tafeln

Umweltdeklarationen

Die folgende Tabelle liefert eine Übersicht zu Zeichen & Deklarationen aus dem Bereich der Bauplatten aus Zement. Neben Herstellererklärungen, Informationen in Leistungserklärungen oder allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen (abZ) können diese den Nachweis für umwelt- und gesundheitsrelevante Kriterien in Planung und Ausschreibung (s. Reiter Ausschreibung) ermöglichen. Detaillierte Informationen finden sich außerdem in den einzelnen Produktgruppen.

Übersicht Umweltdeklarationen: Bauplatten aus Zement
Stand 10/2015

  Faserzement-TafelnSilikat-Branschutzbauplattenzementgebundene Spanplatten
         
  Umweltzeichen Umweltzeichen gehören zu den freiwilligen Produktkennzeichnungen. Sie bieten die Möglichkeit, Unterschiede von Produkten innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer Umwelt- und Gesundheitsrelevanz festzustellen, auch wenn sie keine allgemeinverbindlichen Gebote oder Verbote aufstellen können. Inhalt aufklappen
   
Blauer Engel
weil emissionsarm
- -

-*

* zementgebundene Spanplatten gehören nicht zum Geltungsbereich für RAL UZ 76 Emissionsarme Holzwerkstoffplatten, könnten aber im Prinzip alle Anforderungen erfüllen.
EU-Umweltzeichen (Blume) -
- -
Österreichisches Umweltzeichen - -

-*

* Richtilinie UZ 07 Holz und Holzwerkstoffe gilt nur für kunstharzgebundene und nicht für zementgebundene Spanplatten

natureplus-Qualitätszeichen (nur für Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen / mind. 85 Masse%) - - RL1005 zementgebundene Spanplatten
(noch kein Produkt zertifiziert)
Nordischer Schwan - - -
FSC-Siegel ./. ./.

-

(für zementgebundene Spanplatten nicht bekannt)

  GISBAU Klassifizierungs-system

Das GISBAU Klassifizierungssystem ermöglicht es durch den GISCODE oder GISBAU Produktcode, Produkte von denen die gleichen Gesundheitsgefahren ausgehen, in einer Gruppe zusammenzufassen. Die Klassifizierung ist auf den Arbeitsschutz ausgerichtet. Gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) ist grundsätzlich das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen zu verwenden. (siehe unten: Ersatzproduktgruppe prüfen?) Inhalt aufklappen

   

GISBAU Produkt-Code / GISCODE

Bauplatten sind nicht im GISBAU-System klassifiziert. Informationen zu arbeitshygienischen Risiken siehe Reiter Verarbeitung.

  Umweltprodukt-deklaration (EPD)

Die Umweltproduktdeklaration (EPD = Environmental Product Declaration) eines Produktes macht Aussagen zum Energie- und Ressourceneinsatz und in welchem Ausmaß ein Produkt zu Treibhauseffekt, Versauerung, Überdüngung, Zerstörung der Ozonschicht und Smogbildung beiträgt. Außerdem werden Angaben zu technischen Eigenschaften gemacht, die für die Einschätzung der Performance des Bauproduktes im Gebäude benötigt werden, wie Lebensdauer, Wärme- und Schallisolierung oder den Einfluss auf die Qualität der Innenraumluft.1 Inhalt aufklappen

   
EPD1 + - +
Branchen-EPD1 - - -
  Umweltindikatoren

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren wie z.B Primärenergieaufwand, Abfall, Abiotischer Ressourcenverbrauch, Ozonabbaupotential, Treibhauspotential usw. liefert die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB. Inhalt aufklappen

   
Ökobau.dat-Datensätze

Datensätze zu Bauplatten aus Zement liegen noch nicht vor (Stand 10/2015).

  Sonstiges Sonstige freiwillige Produktkennzeichnungen, die Informationen zur Umwelt- und Gesundheitsrelevanz von Produkten liefern können. Inhalt aufklappen
   
baubook-Deklaration Die Plattform baubook bietet für Händler und Hersteller von Bauprodukten die Möglichkeit einer online-Deklaration anhand von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Bauplatten aus Zement finden sich Kriterien in der Gruppe der Bauplatten.
+ Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe vorhanden
- Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe nicht vorhanden
./. Zeichen / Label für diese Produktgruppe nicht relevant
x Produkte aus dieser Produktgruppe können die Kriterien des Zeichens/Labels definitionsgemäß nicht erfüllen

1 Die hier als vorhanden markierten EPDs und Branchen-EPDs sind als Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu verstehen und finden sich z.B. auf den Seiten des IBU Institut Bauen und Umwelt e.V..

Faserzement-Tafeln

Bewertungssysteme

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)

   
  Wofür steht das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)? Inhalt aufklappen
 

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMUB steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen.
Ausführliche Informationen zum BNB-System siehe www.nachhaltigesbauen.de

  Welche Informationen liefert WECOBIS für BNB im Reiter Bewertungssysteme? Inhalt aufklappen
 

WECOBIS führt in den Datenblättern der Bauproduktgruppen umfangreiche Informationen zur Beantwortung der verschiedenen Fragestellungen im Hinblick auf Umwelt- und Gesundheitsaspekte. Im Reiter Bewertungssysteme bietet WECOBIS gezielt Antworten auf Fragestellungen baustoffrelevanter Steckbriefe. Durch die Bündelung von Aspekten z.B. bzgl. der Risiken für die lokale Umwelt, Fragen zur Innenraumhygiene und der Thematik Rückbau, Trennung, Verwertung gibt WECOBIS gezielte Hilfestellung bei der Einordnung einzelner Baustoffe. Tiefergehende Informationen finden sich über die Verknüpfungen in den jeweiligen Datenblättern.
Hinweis: Eine abschließende Beurteilung im Rahmen des Bewertungssystems und der genannten Kriterien erfolgt jedoch grundsätzlich in Abhängigkeit weiterer baulicher Gegebenheiten (z.B. eingebaute Menge).

BNB-Kriterium BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau)

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_1.1.6 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

BNB-Kriterium BN_1.1.6 zielt auf die Reduzierung bzw. Vermeidung von Stoffen und Produkten beim Neubau, die aufgrund ihrer stofflichen Eigenschaften oder Rezepturbestandteile ein Risikopotenzial für Grundwasser, Oberflächenwasser, Boden und Luft (auch Innenraumluft) enthalten. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 5 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung der Substitution eines Stoffes.

Für den Umgang mit Materialien im Bestand und deren Einordnung ist Kriteriensteckbrief BK_1.1.6. heranzuziehen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau) und BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

Einordnung der Faserzement-Tafeln
Stand 01/2016

Für Faserzement-Tafeln gelten zur Zeit keine spezifischen Anforderungen hinsichtlich BNB-Kriterium BN_1.1.6. Es empfiehlt sich aber auch hier die grundsätzlich für die Erfüllung der Anforderungen für Qualitätsniveau 1 geforderte Dokumentation der eingesetzten Produkte.

BNB-Kriterium BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BK_1.1.6 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

Im Falle einer Sanierungsmaßnahme wird BN_1.1.6 ergänzt durch das BNB-Kriterium BK_1.1.6. Dieses zielt auf die Adressierung und Ausschleusung von Materialien in der bestehenden Bausubstanz, die ein Risikopotenzial für Mensch und Umwelt darstellen. Die Bewertung erfolgt anhand einer Einstufung der Baumaterialien in ein vorgegebenes Schadstoffkataster mit 14 Schadstoffgruppen aufgrund ihres Schädigungspotentials und der jeweiligen Sanierungsmaßnahmen. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 4 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung er Substitution eines Stoffes.

Weitere Informationen zu den Einzelkriterien im Bestand siehe BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung). Für den Einbau von neuen Materialien gilt BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau).

Die Einordnung von Materialien im Bestand erfolgt in WECOBIS jeweils gesammelt für die ganze Obergruppe der Bauplatten, siehe dazu Bauplatten im Bestand.

BNB-Kriterium BN_3.1.3 - Innenraumhygiene

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_3.1.3 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

Ziel des BNB-Kriteriums 3.1.3 ist die Sicherstellung der Luftqualität im Innenraum unter hygienischen Gesichtspunkten, die zu keinen negativen Effekten hinsichtlich der Befindlichkeit der Raumnutzer führt, die hygienische Sicherheit garantiert und somit möglichst auch eine empfundene hohe olfaktorische Luftqualität gewährleistet.
Die Bewertung erfolgt anhand der Berechnung der personenbezogenen Luftwechselrate sowie anhand von Raumluftmessungen auf den Formaldehyd- und TVOC-Gehalt.
Erfahrungsgemäß lassen sich die Referenz- und Zielwerte dann erreichen, wenn die Auswahl und Verwendung der eingesetzten Materialien auf einem ganzheitlichen Konzept zur Vermeidung von Emissionen aus Bauprodukten basiert und der Einsatz emissionsarmer Materialien die Bauphase begleitend dokumentiert wird. BNB-Kriterium 3.1.3 steht deshalb in engem Zusammenhang mit der Erfüllung der Einzelkriterien für BNB-Kriterium 1.1.6.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_3.1.3 Innenraumhygiene (Neubau)

Einordnung der Faserzement-Tafeln

Produktgruppe Zu erwartende VOC-Emissionen Zu erwartende
Formaldehyd-­Emissionen
Faserzement-Tafeln keine1  keine
keine
Die Produktgruppe enthält kein Formaldehyd oder keine VOC.
möglich
Die Produkte der Produktgruppe unterscheiden sich bezüglich der zu erwartenden VOC- oder Formaldehyd-Emissionen.
hoch
Die Produktgruppe verursacht grundsätzlich hohe VOC-Emissionen oder Formaldehyd-Emissionen. Alternativen sind vorzugsweise in der Wahl funktional gleichwertiger Baustoffe anderer Produktgruppen oder anderer Konstruktionen zu suchen.

1Aus den Faserzement-Platten selbst sind aufgrund der verwendeten Grundstoffe und deren Verhalten im Nutzungszustand nach heutigem Kenntnisstand keine relevante VOC-Abgabe zu erwarten. Das gleiche gilt für mineralische Mörtel. Dies sind in der Regel Mörtel, Kleber, Spachtelmassen etc. die trocken, in Pulverform konfektioniert sind und mit Wasser angerührt werden.
Es müssen aber auch die Hilfsstoffe,  der gesamte Wandaufbau und alle unter diese Gruppe fallenden Produkte betrachtet werden. Insbesondere pasteuse Mörtel, Kleber, Spachtelmassen staubbindenden Anstrichen und Imprägnierungen enthalten in der Regel Kunstharzbindemittel. Hier ist kann die VOC / TVOC Emission sehr unterschiedlich ausfallen. 
Für Faserzement-Platten nach EN 492 oder -Wellplatten nach EN494 ist bei der Verwendung in Aufenthaltsräumen einschließlich zugehöriger Nebenräume eine abZ zum Gesundheitsschutz vorzulegen.

BNB-Kriterium BN_4.1.4 - Rückbau, Trennung, Verwertung

   
  Welche Ziele werden mit BNB-Kriterium BN_4.1.4 verfolgt? Inhalt aufklappen
 

Im BNB Kriteriensteckbrief 4.1.4 werden Konstruktionen nach ihrer Rückbaubarkeit, Trennbarkeit und Verwertbarkeit eingestuft.
WECOBIS kann eine aktuelle Information über mögliche Umwelt- und Gesundheitsgefährdungsaspekte im Zuge von Rückbau und Entsorgung auf Bauproduktgruppenebene geben. Eine Betrachtung von ganzen Konstruktionen kann derzeit in WECOBIS noch nicht erfolgen. Ein Bauteilmodul ist jedoch in planung. Ergänzend zu Leitfäden und Arbeitshilfen helfen die bauproduktgruppenspezifischen Aspekte dem Koordinator jedoch auch jetzt schon, die Komponenten Umwelt und Gesundheit für den Steckbrief 4.1.4 einzuordnen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_4.1.4 – Rückbau, Trennung, Vewertung

Einordnung der Hochdruck-Schichtpressstoffplatten

Rückbau und sortenreine Trennung

Die Rückbaubarkeit  und die Sortenreinheit der Hochdruck-Schichtpressstoffplatten hängt  von der Art der Gesamtkonstruktion des Bauteils ab. 
Verschraubte Konstruktionen ermöglichen in der Regel einen einfache Rückbau, vollflächig auf andere Trägerplatten aufgeklebte Hochdruck-Schichtpressstoffplatten werden sich von diesen nur aufwendig trennen lassen.

Rückbaubarkeit

Geringer Rückbauaufwand  hoher Rückbauaufwand

Konstruktion

auf Unterkonst. verschraubt unverspachtelt

auf Unterkonst. verdeckt befestigt

auf Unterkonst. verschraubt verspachtelt

punktförmig verklebt + verschraubt

im Dünnbett mineralisch 
verklebt + verschraubt

vollflächig
verklebt

Gipsfaserplatten

(x)1

 

x

(x)2

Gipsplatten

(x)1

 

x

x

x

(x)2

Gipsplatten mit Vliesarmierung

(x)1

 

x

x

x

(x)2

Hochdruck-Schichtpressstoffplatten

x

 x

 

x

 

x

Faserzement-Tafeln

x

 x

x

 

 

(x)2

Silikat-Brandschutzplatten

(x)1

 

x

x

x

(x)2

1 Unübliche Konstruktion, beschränkt auf temporäre (Staub-) Schutzwände und ähnliches.
2 z.B. als Untergrund für aufgeklebte und auflaminierte dekorative Oberflächen. Der Rückbau des entstehenden Verbundwerkstoffes in seine einzelnen Bestandteile wird in der Regel wirtschaftlich kaum möglich sein.  

Verwertbarkeit

Grundsätzlich ist die zerstörungsfreie Demontage und eine Wiederverwendung der HPL-Platten bei verschraubten und verdeckt befestigten Konstruktionen theoretisch denkbar. 
Beschädigungen,  Befestigungslöcher, vorhandene Zuschnitte und die schwierige optisch passende Ergänzung wird die Wiederverwendung in der Praxis erheblich einschränken. 
Das Recycling ist energieaufwendig. Bei Rückbaumassnahmen ist die energetische Verwertung der Regelfall.

Verwertungs- / Beseitigungswege Hochwertige Verwertung Minderwertige Verwertung Energetische Verwertung Deponierung

Gipsfaserplatten

x    nicht möglich x

Gipsplatten

x x  nicht möglich x

Gipsplatten mit Vliesarmierung

x x  nicht möglich x

Hochdruck-Schichtpressstoffplatten

x       x nicht zulässig

Faserzement-Tafeln

x x  nicht möglich x

Silikat-Brandschutzplatten

(x)1 (x)1   nicht möglich x
Hochwertige Verwertung
Die Produktgruppe wird zur Herstellung gleichwertiger Produkte als wesentlicher Bestandteil des Endprodukts eingesetzt.
Minderwertige Verwertung
Die Produktgruppe wird zur Herstellung untergeordneter Produkte als wesentlicher Bestandteil des Endprodukts eingesetzt.
Energetische Verwertung
Die Produktgruppe wird in einer Verbrennungsanlage energetisch verwertet.
Deponierung
Die Produktgruppe wird ggf. nach thermischer Vorbehandlung deponiert.

1 Aufgrund der stofflichen Zusammensetzung erscheint die Verwertung möglich,  Aussagen des marktführenden Herstellers zur Verwertung fehlen derzeit.

Weitere Informationen siehe Reiter  Nachnutzung - Stoffliche Verwertung

Quellen

Umwelt-Produktdeklaration  Faserzement Trockenbauplatte Hydropanel, 2013, Etenit AG,

Gebäudeschadstoffe und Gesunde Innenraumluft, Herausgeber Gerd Zwiener und Frank-Michael Lange, Erich Schmidt Verlag GmbH+Co, Berlin 2012

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Kriterium 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt, abrufbar unter BNB_BN_1.1.6 Version V 2015

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 3.1.3 Innenraumhygiene, abrufbar unter bnb-nachhaltigesbauen BNB_BN2011-1_313 (Online-Quelle), abgerufen 10/2014

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 4.1.4 Rückbau, Trennung und Verwertung, abrufbar unter bnb-nachhaltigesbauen BNB_BN2011-1_414 (Online-Quelle), abgerufen 10/2014

Faserzement-Tafeln

Technisches

Baustoffklasse nach DIN 4102-1

A2 (nicht brennbar)

Euroklasse nach DIN EN 13501-1

A2-s1, d0

Technische Regeln (DIN, EN)

DIN EN 12467 Faserzement-Tafeln - Produktspezifikation und Prüfverfahren
VDI 3469 Blatt 2 Emissionsminderung - Herstellung und Verarbeitung von faserhaltigen Materialien – Faserzementprodukte

Bauregelliste

Faserzement-Tafeln nach DIN EN 12467:
Bauregelliste B / Teil 1 / 1.9.6

Das Deutsche Institut für Bautechnik stellt in den Bauregellisten A, B und C die technischen Regeln für Bauprodukte und Bauarten sowie bauaufsichtlich geregelte und nicht geregelte Bauprodukte und Bauarten auf.
Nach Zustimmung der obersten Bauaufsichtsbehörden der Länder wird die Bauregelliste bekannt gegeben. Erwerb und weiterführende Informationen zu Bauregelliste und ihren Regelungsbereichen siehe unter → www.dibt.de
Eine Darstellung und Erläuterungen zur Klassifizierung von Bauprodukten siehe im Lexikon → Klassifizierung von Bauprodukten

Faserzement-Tafeln

Literaturtipps

Jan R. Krause, Faserzement-Technologie und Entwurf, Birkhäuser 2007

IBU (Institut Bauen und Umwelt e.V.) -Umweltdeklaration; Fassadentafeln und ebene Tafeln; 09/2007

Zwiener, G.; Mötzl, H.; Ökologisches Baustoff-Lexikon; 2006; C.F. Müller Verlag; Heidelberg

Hegger, M.; Auch-Schwelk, V.; Fuchs, M.; Rosenkranz, T.; Edititon Detail / Baustoff Atlas; 2005; Institut für internationale Architektur-Dokumentation GmbH & Co. KG; München

Büro für Umweltchemie (Hrsg.); Graue Energie von Baustoffen; 1998; Zürich

Faserzement-Tafeln

Rohstoffe / Ausgangsstoffe

Hauptbestandteile

Trägermaterial: ca. 84 % Portlandzement (siehe Zement)
Füllmaterial: chlorarm (Chloreintrag) ca. 9 % Trass (vulkanisches Gestein) oder Kalksteinmehl (siehe Kalk), z. T. gemahlener Faserzement
Filterfasern: ca. 3 % Zellstoff 
ca. 2 % Polyethylenfibride
Armierungsfasern: ca. 2 % synthetische organische Fasern (Polyvinylalkohol oder Polyacrylnitril-Fasern)
Anmachwasser für den Zement: 0,60 m3/t Faserzement (davon werden 0,36m3/t im Verlauf des Herstellungsprozesses wieder abgeschieden)
ggf. werkseitige Oberflächenbeschichtung: chlorarm (Chloreintrag) Sichtseite: z. B. heißverfilmte Reinacrylatbeschichtung auf der Basis von anorganischen Farbpigmenten (Lösungsmittelanteil  4 %)
Rückseite (farblose Versiegelung): z. B. aus 36 % PVDC-Butylacrylat, 60 % Wasser und 4 % Paraffin-Wachs.
siehe Dispersionslackfarben, Dispersionsfarben

Das fertige Produkt besteht zu ca. 12% aus Wasser (Ausgleichsfeuchte) und zu ca 30% aus Luft (Mikroporen in feiner Verteilung). Die Luftporen bieten für gefrierendes Wasser Expansionsräume und verhindern Zerstörung durch Frost.

Füllmaterial

Verbesserung der Materialbindung

Filterfasern

verhindern bei der Herstellung, dass beim Ausscheiden von überflüssigem Wasser Zementpartikel ausgeschwemmt werden.

Armierungsfasern

sorgen für eine ausreichende Biegezugfestigkeit und chemische Beständigkeit der Platten sowohl gegenüber der alkalischen Umgebung des Zementes als auch gegenüber von Witterungseinflüssen.

Oberflächenbeschichtung Fassaden-Tafeln

Sichtseite: Schutz gegen Abwitterung und UV-Strahlung
Rückseitenversiegelung: zur Angleichung des Diffusionswiderstandes an den der Sichtflächen

Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Gewinnung der Primärrohstoffe

Polyacrylnitril-Fasern als Armierungsfasern

Bei der Produktion von Polyacrylnitril treten Acrylnitril-Emissionen auf. Acrylnitril ist ein Gefahrstoff (siehe WINGIS-Stoffinformation).
Nach Auskunft des marktführenden Herstellers setzt dieser keine Polyacrylnitril-Fasern mehr ein.

Verfügbarkeit

Faserzement besteht überwiegend aus mineralischen Grundstoffen, für die nach heutigem Kenntnisstand keine Ressourcenknappheit besteht.

Verwendung von Recyclingmaterialien / Produktionsabfällen

Das bei im Verlauf des Herstellungsprozesses abgeschiedene Anmachwasser wird i. d. R. nach mechanischer Klärung auf dem Werksgelände wieder in den Produktionsprozess zurückgeführt.

Bei Wellplatten aus Faserzement können aufgemahlene Faserzementprodukte (Recyclingmaterial), sog. Hartbruch als Füllmaterial zur Verwendung kommen.

Radioaktivität

Radionuklide in Baumaterialien

Natürliche Radionuklide in Baustoffen können vorkommen in Abhängigkeit von Material und Zuschlagstoffen. Zum Schutz der Bevölkerung vor Strahlenbelas­tungen werden in Deutschland seit mehr als 20 Jahren Untersuchungen und Bewertungen der radioaktiven Stoffe in Baumaterialien durchge­führt. Nach einer Studie des BfS wurden in Deutschland keine zu Bauzwecken verwendbaren Materialien festgestellt, die infol­ge erhöhter Uran- und Radiumkonzentrationen zu höhe­ren Konzentrationen des Radon-222 (Radon) in Räumen führen könnten.

Bei den derzeit handelsüblichen Bauproduktgruppen sind aus der Sicht des Strahlenschutzes keine Einschränkungen erforderlich. Allerdings ist auch weiterhin die vorgegebene Beschränkung des Anteils industrieller Rückstände als Zuschlag zu beachten, siehe ausführliche BfS-Informationen zu Baumaterialien.

Die  verschiedenen Faserzement-Tafeln tragen aufgrund ihrer möglichen Dosisbeiträge und ihrer geringen Gesamtschichtdicke  nur unwesentlich zur Strahlenexposition der Bewohner bei.1

Sonstiges

Filter- und Armierungsfasern

Die eingesetzten Filter- und Armierungsfasern sind aufgrund ihrer vergleichsweise großen Durchmesser nach heutigem Kenntnisstand nicht lungengängig und keine möglicherweise krebserregenden Fasern.

Faserdurchmesser  
Zellstoff-Fasern: 8 - 30 μm
Polyvinylalkohol-Fasern: 12 - 14 μm
Polyacrylnitril-Fasern: 14 - 18 μm
Polyethylen-Fibride: 6 μm

Quellen

4          Bundesamt für Strahlenschutz, Fachbereich Strahlenschutz und Umwelt

Faserzement-Tafeln

Herstellung

Prozesskette

Faserzement Prozesskette

Herstellungsprozess

Die Herstellung von Faserzementplatten erfolgt nach einem weitgehend automatisierten Wickelverfahren (Hatschek, patentiert 1900).
Die Rohstoffe werden mit Wasser zu einem homogenen Gemisch aufbereitet. In diesen Faserzementbrei tauchen rotierende Siebzylinder, die nach innen entwässern. Die Sieboberfläche belegt sich dabei mit einer Vliesschicht von ca. 1 mm, die auf ein Transportband übertragen wird. Auf dem Transportband (Filzband) wird die Schicht durch Saugdüsen entwässert.
Es entsteht eine endlose Matte, die auf Formatwalzen aufgewickelt wird, bis die geforderte Tafeldicke erreicht ist. Dabei verzahnen sich die Fasern mit den Nachbarschichten, sodass sich eine fest zusammenhängende Matte bildet.
Nach dem Aufschneiden der Mattenzylinder löst man sie von der Formatwalze und bearbeitet sie durch automatische Stanzen und Pressen zu kleinformatigen Platten, ebenen Tafeln und Wellplatten. Aus den noch weichen Rohplatten können z. B. auch Lüftungsrohre und -Formstücke geformt werden.
Nach wenigen Stunden besitzen die Teile eine ausreichende Festigkeit und können von der Schalung genommen werden. Es folgt die natürliche Nachhärtung im Lagerraum über 28 Tage oder eine Dampfhärtung.
Nach der Erhärtung erfolgt ggf. die Oberflächenbeschichtung der Platten.

Umweltindikatoren / Herstellung

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren in WECOBIS soll zukünftig ausschließlich die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB liefern.

Die Ökobau.dat stellt Umweltprofile für Bauprodukte bereit, die als erforderliche Datengrundlage für die Lebenszyklusanalyse eingesetzt werden. Für Bauprodukte gibt es Herstellungs- und End-of-Live- Datensätze.

Weiterführende Informationen zur Ökobau.dat im Zusammenhang mit dieser Produktgruppe finden sich in WECOBIS unter Fachinformationen / Reiter Umweltdeklarationen → Ökobau.dat / Umweltindikatoren

Da in der Herstellung von Bauprodukten ein großer Anteil der verursachten Umweltbelastungen auf den Verbrauch von nicht erneuerbaren Energieträgern zurückzuführen ist, stellt die Graue Energie (kumulierter Primärenergieaufwand nicht erneuerbar) dafür einen guten Indikator dar.

Graue Energie

Den größten Einfluss auf den Energieaufwand hat die Herstellung der Ausgangsstoffe (50 - 70 %). Der höhere Wert für großformatige Fassadentafeln ergibt sich aus dem aufwendigeren Produktionsprozess.

Fassadenschindeln klein ca. 6,3 MJ/kg
Fassadenplatte groß ca. 8,3 MJ/kg
Produktion Schweiz
Quelle:
Büro für Umweltchemie (Hrsg.); Graue Energie von Baustoffen; 1998; Zürich

Faserzement-Tafeln

Verarbeitung

Technische Hinweise / Verarbeitungsempfehlungen

Unbeschichtete Faserzement-Tafeln sind i. d. R. nicht für Fassadenbekleidungen vorgesehen, da sie sich durch Verwitterung und UV-Strahlung mit der Zeit sehr unterschiedlich verfärben können. Zur bauseitigen Beschichtung: siehe Farben, Lacke, Lasuren

Arbeitshygienische Risiken

Allgemeines

Beim Schneiden von Faserzement-Tafeln kann es zu Staubbelastungen kommen.
In der Regel können Faserzementprodukte verlegefertig geliefert werden, sodass auf der Baustelle nur noch einzelne Passschnitte vorzunehmen sind.
Zur Einhaltung der Staubgrenzwerte werden von den Herstellern spezielle, staubarm arbeitende Bearbeitungsgeräte (z. B. langsam laufende hartmetallbestückte Trennsägen) empfohlen.

AGW-Werte

Arbeitsplatzgrenzwert AGW (früher: MAK-Wert):
Allgemeiner Staub-Grenzwert
A-Staub: 3 mg/m³ (Alveolengängige Fraktion, früher: Feinstaub)
E-Staub: 10 mg/m³ (Einatembare Fraktion, früher: Gesamtstaub)

REACH / CLP

Die REACH-Verordnung regelt die Herstellung, das Inverkehrbringen und den Umgang mit Industriechemikalien. Zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen, dient die CLP-Verordnung (Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen), um ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu gewährleisten.

Wird ein Produkt nicht als Stoff oder Gemisch, sondern als Erzeugnis eingestuft, ist kein Sicherheitsdatenblatt (SDB) erforderlich und Gefahrstoffbezeichnungen entfallen. Lediglich besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) müssen ausgewiesen werden. Für diese Informationen besteht eine Auskunftspflicht. Sie müssen aber nicht in Form eines Sicherheitsdatenblattes nach den Kriterien des Anhangs II der REACH-Verordnung gegeben werden. Für Verbraucher muss die Informationsweitergabe auch nur auf Anfrage beim Hersteller erfolgen.

Allerdings müssen seit 01.07.2013 zumindest SVHC (> 0,1 Massen-%) in allen Bauprodukten (Gemische und Erzeugnisse), die unter den Geltungsbereich der Bauproduktenverordnung (BauPVO) fallen, über eine Leistungserklärung, die zusätzlich zur CE-Kennzeichnung erstellt wird und dem Bauprodukt beigefügt ist, gekennzeichnet sein.

Faserzement-Tafeln werden als Erzeugnis eingestuft.
Informationen und Unterstützung zu den Auskunftsrechten finden sich unter www.reach-info.de.

 

Faserzement-Tafeln

Nutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiken bei bestimmungsgemäßer Nutzung

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

Emissionen in den Innenraum durch eingebaute Faserzement-Tafeln sind aufgrund der verwendeten Grundstoffe und deren Verhalten im Nutzungszustand nach heutigem Kenntnisstand nicht zu erwarten. Die für die Innenanwendung vorgesehenen Faserzement-Tafeln sind i. d. R. nicht beschichtet.

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Außenraum

Gefährdungen für Wasser, Luft und Boden durch eingebaute Faserzement-Tafeln sind nach heutigem Kenntnisstand nicht zu erwarten.

Die Eluatanalyse von beschichteten Faserzement-Fassadentafeln eines Herstellers im Rahmen einer Umweltproduktdeklaration zeigte weder eine Überschreitung der in der Trinkwasserverordnung festgesetzten Grenz- und Richtwerte noch eine Überschreitung der in der TA-Siedlungsabfall für die Deponieklasse 1 festgeschriebenen Zuordnungswerte.

Umwelt- und Gesundheitsrisiken im Schadensfall

Brandfall

Faserzement-Tafeln sind hinsichtlich Brandverhalten nach DIN EN 13501 in der Regel A2 (= nicht brennbar)-s1 (= kein Rauch), d0 (= kein brennendes Abtropfen) klassifiziert.

Beständigkeit Nutzungszustand

Unter der Rubrik Baustoff- und Gebäudedaten / Nutzungsdauern von Bauteilen findet sich auf dem Informationsportal Nachhaltiges Bauen eine Datenbank mit Nutzungsdauerangaben von ausgewählten Bauteilen des Hochbaus für den Leitfaden „Nachhaltiges Bauen“.
Datenbank als PDF

Faserzement-Tafeln

Nachnutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiko Rückbau

Bei Rückbau und Abbruch, insbesondere im laufenden Gebäudebetrieb, können Belastungen durch Staub und eventuell daran haftenden Schimmelpilzen entstehen.

Ältere Faserzement-Tafeln können Asbestfasern enthalten. Die Produktion von Asbestzement wurde vor dem deutschen Asbestverbot im Jahr 1993 eingestellt.
siehe Übersicht über die Umstellung einzelner Produkte auf die asbestfreie Faserzementtechnologie  Diese Übersicht kann als Entscheidungshilfe bei der Frage herangezogen werden, ob Dächer oder Fassadenkonstruktionen bereits in asbestfreier Technologie hergestellt wurden.

Wiederverwendung

Faserzement-Tafeln können meist mit verhältnismäßig geringem Aufwand demontiert und theoretisch wiederverwendet werden.

Stoffliche Verwertung

Bei sortenreiner Trennung können beschichtete und unbeschichtete Faserzement-Tafeln wieder aufgemahlen und als Zusatzstoff bei der Herstellung von Faserzement-Wellplatten wiederverwertet werden.
In Form von Mischabbruchgranulat ist auch eine Wiederverwertung als Füll- und Schüttmaterial im Straßenbau möglich. Dabei geht man davon aus, dass nicht rein mineralische Bauproduktgruppen wie Faserzement i. d. R. nur in kleinen Mengen im Mischabbruch vorhanden sind und deshalb trotz ihrer organischen Bestandteile toleriert werden können.

Energetische Verwertung

nicht möglich

Beseitigung / Verhalten auf der Deponie

Ist eine stoffliche Verwertung nicht möglich, können Faserzement-Tafeln aufgrund ihres geringen organischen Anteils auf Deponien der Deponieklasse I abgelagert werde.
Nach derzeitigem Kenntnisstand führen organische Bestandteile, die in einer überwiegend mineralischen (gesteinsähnlichen) Matrix eingebunden sind, i. d. R. kaum zu relevanten Emissionen. Dies ergab auch die Eluatanalyse eines Herstellers im Rahmen einer Umweltproduktdeklaration.

EAK-Abfallschlüssel

17 Bau- und Abbruchabfälle
17 01 01 Beton

siehe auch Lexikon / Abfallschlüssel