Schafwolle-Dämmstoffe

Produktgruppeninformation

Begriffsdefinition

Dämmstoffe aus Schafwolle gehören unter den organischen Dämmstoffen zur Gruppe der tierischen Faserdämmstoffe. Schafwolle besteht aus Keratin (Eiweiß) und muss daher gegen keratinverdauende Insekten (z.B. Mottenlarven, Teppichkäfer) geschützt werden. Es werden Produkte mit und ohne Beimengung von Kunstfasern angeboten. Die Beimengung der Fasern ermöglicht die Produktion eigensteifer Dämmmaterialien.
Die Dämmwirkung wird durch den Einschluss ruhender Luft in den Faserzwischenräumen erzeugt. Schafwolle kann bis zu 30% ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen ohne dass sich die Wärmeleitfähigkeit verschlechtert.

Besonders wichtige Eigenschaft hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Untersuchungen im Rahmen eines Forschungsprojektes des DWI haben ergeben, dass Schafwolle zur Raumluftsanierung von Innenräumen eingesetzt werden kann. Gewaschene Wolle besteht zu ca. 97% aus dem Strukturprotein Keratin, dessen reaktionsfreudige Aminosäuren mit Luftschadstoffen (z.B. Formaldehyd) reagieren und diese binden. Die Bindung erfolgt je nach Schadstoff unterschiedlich. Protein-reaktive Substanzen wie Formaldehyd und Ozon reagieren mit der Faser und sind damit permanent in ihr gebunden, nicht proteinreaktive Substanzen lagern sich an die Faser an wie an einen Filter.
Dafür eignet sich zunächst jedes Produkt aus Schafschurwolle, da die Schafwolle grundsätzlich die Eigenschaft des Schadstoffabbaus besitzt. Über Nachbehandlungen kann diese weiter optimiert werden, sodass auch spezielle, auf Schafwolle basierende Keratin-Vliese zur Sanierung formaldehydbelasteter Innenräume zur Verfügung stehen.

Lieferzustand

- Dämmmatten d = 30-120 mm (Breite 300-1000 mm)
- Tritttschalldämmfilz d = 4-14 mm
- Dämmzopf oder Stopfwolle

Anwendungsbereiche (Besonderheiten)

Neben den bekannten Anwendungsbereichen auch zur Schadstoffsanierung von Innenräumen verwendbar (s.o.).

Verwendung in Bauteilen aus Holz nach DIN 68800-2 bei DZ (Zwischensparrrendämmung, DIN 4108-10) oder bei WH (Dämmung vonHolzrahmen-und Holztafelbauweise, DIN 4108- 10)
Bei Verwendung von Schafwolle-Dämmstoffen in DZ oder WH ist eine Einstufung in Gefährdungsklasse 0 (GK0) nach DIN 68800-2 nicht möglich. Das heißt, dass z.B. bei Zwischensparrendämmung mit Schafwolle-Dämmstoffen chemischer Holzschutz notwendig wäre.

genaue Erläuterung → Anwendungsbereiche Dämmstoffe

Quellen

S. Thomé, G. Wortmann, J. Föhles, H. Klingenberger, G. Bittner, F.-J. Wortmann:
Aufnahme und Bindung von Innenraumschadstoffen durch Wolle am Beispiel von Formaldehyd, DWI Reports 128, E4 (2004)

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR), www.fnr.de:
Borschürenseite zum Thema Bauen
Marktübersicht - Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, FNR 2014 (download)

Schafwolle-Dämmstoffe
Schafwolle-Dämmstoffe

Planungs- und Ausschreibungshilfen

WECOBIS informiert produktneutral. An verschiedenen Stellen bietet WECOBIS jedoch auch Unterstützung dazu, wie sich Produkte innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer ökologischen Eigenschaften unterscheiden lassen.

Informationen hier im Reiter Ausschreibung:

  • Links zu materialökologischen Anforderungen und Textbausteinen für Planung und Ausschreibung im WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen,
  • Hinweise auf mögliche Quellen und Nachweisdokumente zu Planungs- und Ausschreibungskriterien,
  • zusammenfassende Informationen zum Lebenszyklus
  • Informationen zu möglichen Alternativen

Übersicht Planungs- und Ausschreibungshilfen: Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen
Stand 06/2015

  Flachs-/Hanf-Dämmstoffe

Holzfaserdämmplatten

Holzwolle-Dämmplatten (nicht in Wecobis)

Kork-DämmstoffeSchafwolle-DämmstoffeZellulose-Dämmstoffe
             
  Material-
ökologische Anforderungen
Im neuen Modul "Planungs- & Ausschreibungshilfen" bietet WECOBIS eine Übersicht zu möglichen materialökologischen Anforderungen und Textbausteine für Planung und Ausschreibung. Inhalt aufklappen
   
Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS

organische Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen

---

Dämmstoffe in WDVS

organische Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen

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Dämmstoffe in WDVS
organische Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen

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Dämmstoffe in WDVS
organische Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen organische Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen
  Mögliche Quellen Die hier genannten Quellen, insbesondere BNB, bilden die Grundlage für Planungs- und Ausschreibungshilfen bzw. materialökologische Anforderungen und Textbausteine in WECOBIS. Inhalt aufklappen
   
Bewertungssystem
Nachhaltiges Bauen

(BNB) des BMUB /
Kriterium 1.1.6 (Risiken für die lokale Umwelt)

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMUB steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen. Die o.g. Textbausteine und materialökologischen Anforderungen in WECOBIS basieren derzeit auf Kriteriensteckbrief 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt. Dieser steht in engem Zusammehang mit Kriteriensteckbrief 3.1.3 Innenraumhygiene.

Auch wenn ein Gebäude nicht zertifiziert werden soll, bilden die einzelnen Kriteriensteckbriefe eine gute Grundlage, Orientierung und Hilfestellung für die Umsetzung ökologischer Aspekte in der Gebäudeplanung.

Einordung der jeweiligen Dämmstoffe hinsichtlich verschiedener Kriteriensteckbriefe siehe Reiter Bewertungssysteme in WECOBIS

Umweltbundesamt
(UBA)
Auf den Internet-Seiten des Umweltbundesamtes (UBA) befindet sich der „Informationsdienst für umweltfreundliche Beschaffung“. Die Seiten werden gerade überarbeitet, sodass sich dort derzeit aus dem Baubereich nur Ausschreibungsempfehlungen zu Elastischen Bodenbelägen, Tapeten und Raufaser finden.
baubook ökologisch ausschreiben Die Plattform baubook ökologisch ausschreiben bietet eine Sammlung von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen finden sich Kriterien in der Gruppe der Dämmstoffe / Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen.
natureplus Ausschreibungstexte + + + + +
  Mögliche Nachweis-
dokumente
weitere Nachweismöglichkeiten neben den folgend genannten sind Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, sowie Herstellererklärungen oder ggf. ein Anhang mit Nachhaltigkeitsmerkmalen zur bauaufsichtlichen Zulassung (abZ+). Inhalt aufklappen
   
gesetzlich vorgeschrieben: Welche Nachweisdokumente müssen vom Hersteller zur Verfügung gestellt werden? Welcher Nachweis kann damit erbracht werden?
REACH / CLP:
Sicherheitsdatenblatt (SDB)
Dämmstoffe in Plattenform werden als Erzeugnis eingestuft. Für Erzeugnisse ist kein SDB vorgeschrieben. Die pflichtgemäße Leistungserklärung zur CE-Kennzeichnung für Bauprodukte, die unter den Geltungsbereich der BauPVO fallen, muss Angaben über SVHC enthalten oder mitliefern (kein harmonisiertes Format, erfordert ggf. Nachfrage). Für alle Bauprodukte (Erzeugnisse), also auch solche, die nicht im Geltungsbereich der BauPVO liegen, besteht ein Auskunftsrecht für SVHC. Für die Anfrage an den Hersteller steht auf dem Informationsportal des Umweltbundesamtes zu REACH ein Musterbrief zum Download zur Verfügung.

Alle Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen fallen in den Geltungsbereich der BauPVO (s. Listung in Bauregelliste B Teil 1 / 1.5 Dämmstoffe für den Wärme- und Schallschutz und 4.12.1 ff).

Die Einstufung von Dämmstoffen in loser Form (Schüttungen, Einblasflocken) ist schwierig. Werden sie als Stoff oder Gemisch eingestuft, müssen Produkt bezogene Informationen gemäß CLP-Verordnung in den Sicherheitsdatenblättern (SDB) gemäß den Anforderungen in Art.31 REACH-VO in Verbindung mit Anhang II (Nachweis gefährliche Stoffe, Nachweis SVHC >= 0,1 Gew.-%) der jeweiligen Produkte ausgewiesen sein. Für Erzeugnisse gilt das o.g..

Leistungserklärung gemäß BauPVO mit Angaben zu SVHC (kein harmonisiertes Format, erfordert ggf. Nachfrage) +
(s. BRL B Teil 1 / 4.12.1.2 ff)

+
(s. BRL B Teil 1 / 1.5.10)

+
(s. BRL B Teil 1 / 1.5.9)
+
(s. BRL B Teil 1 / 4.12.1.2 ff)
+
(s. BRL B Teil 1 / 4.12.1.2 ff)
allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) aus Gesundheits-
schutzgründen bzw. Umweltschutzgründen

Werkmäßig hergestellte Dämmstoffe aus pflanzlichen oder tierischen Fasern nach Bauregelliste B Teil 1 / 4.12.1.2 ff, 4.12.1.3 und 4.1.12.6 benötigen bei der Verwendung in Aufenthaltsräumen einschließlich zugehöriger Nebenräume eine abZ aus Gesundheitsschutzgründen. Sie umfasst eine Emissionsprüfung zur quantitativen Bestimmung und Bewertung flüchtiger (VOC) und schwer flüchtiger (SVOC) Verbindungen auf Basis des AgBB-Bewertungsschemas.
Hiervon ausgenommen sind Dämmstoffe, die nach Maßgabe der jeweiligen europäischen technischen Zulassung (ETA) hinsichtlich des Gesundheitsschutzes und den diesbezüglichen Angaben ergänzend zur CE-Kennzeichnung dem Produkttyp 1 oder 2 entsprechen.
Hinweis:
Derzeit sind dafür noch keine Zulassungsnummern vergeben, d.h. es gibt auch noch keine Produkte mit der geforderten abZ (Stand 06/2015, siehe aktuelle Liste Gesundheitsschutz DIBt).  Produkte mit z.B. natureplus-Qualitätszeichen (s. auch Reiter Zeichen & Deklarationen) erfüllen diese Anforderungen mindestens und unterliegen jährlichen Folgeprüfungen.

Dämmstoffe aller Materialien, die als Verlegeunterlagen unter Bodenbelägen verwendet werden (siehe auch Bauregelliste B Teil 1, lfd. Nr. 1.18.1 bzw. 1.18.3), benötigen ebenfalls eine abZ aus Gesundheitsschutzgründen. Dafür gibt es bereits Zulassungsnummern.

Dämmstoffe aller Materialien, die in Bausätzen aus vorgefertigten Elementen für die Wärmedämmung von Außenwänden verwendet werden. (siehe auch Bauregelliste B Teil 1, lfd. Nr. 3.4.2) müssen den Nachweis der Umweltverträglichkeit durch eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung erbringen.
Hinweis:
Auch für diesen Fall ist noch keine Zulassungsnummer vergeben, d.h. es gibt noch keine Produkte (siehe aktuelle Liste Umweltschutz DIBt).

abZ der Gruppen Z-158.10-.... (Verlegeunterlagen)

---

weitere Zulassungsnummer noch nicht vergeben (s.o. Hinweis) / für Produkttyp 1+2 nicht erfoderlich (in ETA prüfen)

abZ der Gruppen Z-158.10-.... (Verlegeunterlagen) abZ der Gruppen Z-158.10-.... (Verlegeunterlagen)

abZ der Gruppen Z-158.10-....(Verlegeunterlagen)

---

weitere Zulassungsnummer noch nicht vergeben (s.o. Hinweis) / für Produkttyp 1+2 nicht erfoderlich (in ETA prüfen)

weitere Zulassungsnummer noch nicht vergeben (s.o. Hinweis) / für Produkttyp 1+2 nicht erfoderlich (in ETA prüfen)
freiwillige Produktkenn-zeichnungen / -deklarationen Für einige Bauproduktgruppen existieren freiwillige Produktkennzeichnungen oder -deklarationen wie z.B. Umweltzeichen oder Umweltproduktdeklarationen, die als Nachweis für materialökologische Anforderungen dienen können. Eine Übersichtstabelle dazu mit detaillierten Informationen zu Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen findet sich im Reiter Zeichen & Deklarationen.

Übersicht Lebenszyklusinformationen: Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen

  Flachs-/Hanf-Dämmstoffe

Holzfaserdämmplatten

Holzwolle-Dämmplatten (nicht in Wecobis)

Kork-DämmstoffeSchafwolle-DämmstoffeZellulose-Dämmstoffe
             
  Rohstoffe Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Rohstoffe)
   
Hauptbestandteile nach Rohstoffherkunft
Anteil fossiler Rohstoffe

Flachs: 0-10 M-% (Stützfasern)

Hanf: 0 M-%

2-15 M-% (Verleimung, ggf. Hydrophobierung, ggf. Stützfasern) 0 M-% 0-12% Stützfasern

Flocken: 0 M-%

Platten: bis zu 6 M-% Stützfasern

Anteil mineralischer Rohstofffe

Flachs: bis zu 10 M-%
(Flammschutzmittel)

Hanf: 2-5 M-%
(Flammschutzmittel)

0-8 M-%
(mineralische Zusätze)

0 M-%

0,1-6% (Mottenschutz, ggf. Flammschutz) bis zu 10 M-% (Flammschutzmittel)
Anteil erneuerbarer Rohstoffe

Flachs: 80-90 M-%

Hanf: 95-97 M-%

85-98 M-% (abh. von Dicke, Funktion, Herstellungsverfahren) 100 M-% 88-99% M-% 85-92 M-%
Charakteristische Inhaltsstoffe
Hauptanteil / Namensgeber

Flachsfasern,
bzw.
Hanffasern

Holzfasern (Fichte, Tanne, Kiefer) Kork Schafschurwolle Zellulose
Bindemittel / Verklebung

Flachs: Kartoffelstärke

Hanf: keine

Nassverfahren: holzeigene Harze möglich

Trockenverfahren:
Weißleim oder PUR-Verleimung

korkeigenes Harz keine nur bei Platten: Ligninsulfonat, Tallharz, Aluminiumsulfat (Alaun)
Flammschutzmittel

Flachs: i.d.R. Borsalze (Dinatriumoctaborat)

Hanf: Soda, Ammoniumphosphat

Ammmoniumpoly-
phoshat, Aluminium-
phosphat oder -sulfat, z.T. Borate
-

keine,
bzw. bei sehr leichten / mit Stützfasern verfestigten Produkten Flammschutzmittel erforderlich:
ggf. 4-6% z.B. Kaliumhexafluorotitanat (mineralisches Salz) ,
i.d.R. boratfrei,
z.T. werden phosphororganische Flammschutzmittel (Aflammit) angegeben.

Borsäure, jetzt i.d.R. zwar <5,5% (Einstufungsgrenzwert), aber >0,1% (Deklarationsgrenzwert SVHC)

alternativ boratfrei möglich:
bis zu 10% mineralische Additive, z.B. Ammoniumpolyphosphat

weitere mögliche Zusätze

Flachs: z.T. Polyesterfasern (Stützfasern)

Hanf: Polyesterfasern auf pflanzlicher Basis (z.B. soja-, maisbasiert / Stützfasern)

ggf. Hydrophobierung: Latex, Paraffin oder Bitumen

ggf. Stützfasern:
Polyolefinfasern

-

bis zu 2% Wollschutz / Mottenschutz:
z.B. Kaliumhexafluorotitanat (mineralisches Salz),
z.T. werden auch noch Pyrethroide angegeben (z.B. synthetisches Pyrethrum, Konservan = gekapseltes Permethrin oder)

z.T. bis zu 12% Stützfasern (Polyester)

ggf. Stützfasern bei Platten:
Polyolefinfasern

Eigenschaften
Struktur / Dämmwirkung durch ... pflanzlicher Faser-Dämmstoff / Luft in den Faserzwischenräumen pflanzlicher Faser-Dämmstoff / Luft in den Faserzwischenräumen pflanzlicher Schaum-Dämmstoff (expandiert) / luftgefüllte Zellen tierischer Faserdämmstoff / Luft in den Faser-zwischenräumen organischer Faserdämmstoff / Luft in den Faserzwischenräumen
Besonderheiten - - - geeignet zur Sanierung von schadstoffbelasteten Innenräumen (Schadstoffabbau, z.B. Formaldehyd) -
Sonstiges
Verwendung von Recyclingmaterialien - - ggf. Flaschenkorken für die Herstellung von Korkschrot

z.T. recyclierte PES-Stützfasern

i.d.R. aus Tageszeitungs-Altpapier (Remittenden = nicht benutztes Zeitungspapier)
  Herstellung Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Herstellung)
  Ökobau.dat-Datensätze Datensätze zu Flachs-/Hanf-Dämmstoffen: siehe 2. Dämmstoffe / 2.12 Flachsfaser bzw. 2.13 Hanffaser Datensätze zu Dämmstoffen aus Holz: siehe 2. Dämmstoffe / 2.7 Holzwolleplatten bzw. 2.10 Holzfasern Datensätze zu Kork-Dämmstoffen liegen noch nicht vor. Datensätze zu Schafwolle-Dämmstoffen liegen noch nicht vor. Datensätze zu Zellulosefaser-Dämmstoffen: siehe 2. Dämmstoffe / 2.11 Zellulosefaser
  Verarbeitung Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Verarbeitung, zu ggf. vorhandenen verarbeitungsspezifischen Produktkennzeichnungen wie z.B. Giscode, siehe Reiter Zeichen & Deklarationen)
  Verarbeitungsweise / Lieferzustand Platten, lose Fasern, Stopfwolle oder Schüttung Platten Platten, Granulat (Korkschrot) Platten/Matten, Stopfwolle lose Flocken, Platten
  Arbeitshygienische Risiken

Staubbelastung beim Einbringen loser Fasern (insbesondere beim Einblasen) möglich

Platten sind angenehm zu verarbeiten (kein Jucken, Kratzen)

keine, außer Staubemissionen beim Zuschneiden der Platten keine,
außer bei minderwertigen Backkork-Produkten, die mit zu hoher Temperatur expandiert wurden (PAK, Phenole / unangenehmer Geruch)

Staubbelastung beim Einbau möglich

Platten sind angenehm zu verarbeiten (kein Jucken, Kratzen)

Staubemissionen beim Einblasen loser Flocken möglich, darf nur von lizensierten Fachfirmen verarbeitet werden.
  Nutzung Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Nutzung, zur Innenraumhygiene nach BNB siehe siehe Reiter Bewertungssysteme, zu ggf. vorhandenen innenraumrelevanten Produktkennzeichnungen wie z.B. Blauer Engel, siehe Reiter Zeichen & Deklarationen)
   
VOC-/SVOC-, Formaldehyd- Emissionen keine1 keine1 keine1

keine1,2

keine1
Besonderheiten - - -

geeignet zur Sanierung von schadstoffbelasteten Innenräumen (Schadstoffabbau, z.B. Formaldehyd)

-
 

1 Von den als Flammschutzmittel eingesetzten Salzen oder anorganischen Phosphaten (z.B. Ammoniumphosphat) sind keine Innenraumbelastungen bekannt. Bei in Schafwolle-Dämmstoffen vereinzelt als Flammschutzmittel angegebenen phosphororganischen Verbindungen besteht die Möglichkeit von Formaldehydabgaben in den Innenraum, die aber vermutlich gering sind.
Quelle: Forschungsbericht 204 08 542 (alt) 297 44 542 (neu) des Umweltbundesamtes, 2000

2 Vereinzelt werden noch Pyrethroide als Mottenschutz angeben (s. Rohstoffe). Bei Kontakt mit der Innenraumluft sollten pyrethroidfreie Produkte bevorzugt und eine aussagekräftige Deklaration eingefordert werden.

Produkte mit dem natureplus-Qualitätszeichen dürfen bestimmte Grenzwerte hinsichtlich VOC- oder Formaldehyd-Emissionen sowie weiterer Schadstoffe nicht überschreiten und unterliegen jährlichen Folgeprüfungen. U.a. ist auch eine Volldeklaration Voraussetzung.

  Nachnutzung Inhalt aufklappen (detailliertere Informationen siehe Reiter Nachnutzung)
   
Rückbaubarkeit / Trennbarkeit bei loser Verlegung bzw. bei Schüttungen geringer Aufwand bei loser horizontaler Verlegung geringster Aufwand, bei mechanischer Befestigung mittlerer Aufwand, hoher Aufwand bei Verklebung in WDVS bei Schüttungen bzw. loser Verlegung geringer Aufwand geringer Aufwand, da i.d.R. lose oder mechanisch befestigt, nicht verklebt geringer Aufwand bei Einblasflocken oder loser Verlegung
Verwertbarkeit / Recyclingfähigkeit bei sortenreinem Ausbau und Rücknahmesystem (zum Teil vorhanden) des Herstellers möglich bei sortenreinem Ausbau theoretisch möglich, aber nicht wirtschaftlich, daher i.d.R. nicht praktiziert bei sortenreinem Ausbau möglich, z.B. Verarbeitung zu Korkschrot zur Bodenauflockerung, aber nicht wirtschaftlich bei sortenreinem Ausbau und Rücknahmesystem (zum Teil vorhanden) des Herstellers möglich bei sortenreinem Ausbau und Rücknahmesystem (zum Teil vorhanden) des Herstellers möglich
Typischer Entsorgungsweg

wenn kein Rücknahemsystem des Herstellers vorh.:

energetische Verwertung oder Kompostierung

energetische Verwertung

energetische Verwertung

wenn kein Rücknahemsystem des Herstellers vorh.:

energetische Verwertung oder Kompostierung

wenn kein Rücknahemsystem des Herstellers vorh.:

energetische Verwertung (Kompostierung aufgrund von Borsalz oder hohen Phosphatanteilen nicht bzw. nur eingeschränkt möglich)
Energiegewinnung möglich? möglich möglich möglich möglich möglich

Alternativen und besonders wichtige Eigenschaften hinsichtlich Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Wollschutz / Mottenschutz

Schafwolle-Dämmstoffe sind i.d.R. mit einem Wollschutz bzw. Mottenschutz ausgestattet. Die Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe e.V. gibt hier in ihren Informationsblättern an, dass sich anstelle der gesundheitlich bedenklichen Pyrethroide, Borsalze oder dem in der EU nicht mehr zugelassenen Mittin FF ein neuer Standard etabliert habe mit dem Wirkstoff Kaliumhexafluorotitanat IV.  Kaliumhexafluorotitanat ist ein anorganisches Salz, das auch als Flammschutzmittel verwendet wird. Von den Herstellern werden aber zum Teil auch noch Pyrethroide angegeben (z.B. 0,1%=1g/kg synthetisches Pyrethrum oder Konservan = gekapseltes Permethrin).
Bei Kontakt mit der Innenraumluft sollten pyrethroidfreie Produkte bevorzugt und eine aussagekräftige Deklaration eingefordert werden.
Für die Europäische Technische Zulassung (ETA) muss die Resistenz gegen biologische Einwirkungen (Schimmelwachstum und Insektenschädlinge) nachgewiesen werden. Die Wirksamkeit der eingesetzten Mittel kann somit z.B. über die Vorlage der ETA geprüft werden.

Für Produkte mit dem natureplus-Qualitätszeichen ist u.a. eine Volldeklaration Voraussetzung. Auch die Resistenz gegen Schimmelwachstum und Schadinsekten muss hier nachgewiesen werden. Pyrethroide als Wollschutz sind ausgeschlossen (Grenzwert bei Laboranalyse <= 0,5 mg/kg, d.h. <=0,00005%). Die Produkte dürfen außerdem bestimmte Grenzwerte hinsichtlich VOC- oder Formaldehyd-Emissionen sowie weiterer Schadstoffe nicht überschreiten und unterliegen jährlichen Folgeprüfungen.

Raumluftsanierung mit Schafwolle

Untersuchungen im Rahmen eines Forschungsprojekts des DWI haben ergeben, dass Schafwolle zur Raumluftsanierung von Innenräumen eingesetzt werden kann. Gewaschene Wolle besteht zu ca. 97% aus dem Strukturprotein Keratin, dessen reaktionsfreudige Aminosäuren mit Luftschadstoffen (z.B. Formaldehyd) reagieren und diese binden. Die Bindung erfolgt je nach Schadstoff unterschiedlich. Protein-reaktive Substanzen wie Formaldehyd und Ozon reagieren mit der Faser und sind damit permanent in ihr gebunden, nicht proteinreaktive Substanzen lagern sich an die Faser an wie an einen Filter.
Dafür eignet sich zunächst jedes Produkt aus Schafschurwolle, da die Schafwolle grundsätzlich die Eigenschaft des Schadstoffabbaus besitzt. Über Nachbehandlungen kann diese weiter optimiert werden, sodass auch spezielle, auf Schafwolle basierende Keratin-Vliese zur Sanierung formaldehydbelasteter Innenräume zur Verfügung stehen.

Weitere planungs- und ausschreibungsrelevante Informationen in WECOBIS

Allgemeine Unterstützung zum Umgang mit Nachhaltigkeitsaspekten in Planung und Ausschreibung sowie Hinweise auf Leitfäden, Arbeitshilfen und Veröffentlichungen zum Nachhaltigen Bauen bietet das neue WECOBIS-Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen unter Allgemeine Infos.

Quellen

S. Thomé, G. Wortmann, J. Föhles, H. Klingenberger, G. Bittner, F.-J. Wortmann:
Aufnahme und Bindung von Innenraumschadstoffen durch Wolle am Beispiel von Formaldehyd, DWI Reports 128, E4 (2004)

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR), www.fnr.de:
Borschürenseite zum Thema Bauen
Marktübersicht - Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, FNR 2014 (download)

Schafwolle-Dämmstoffe

Umweltdeklarationen

Die folgende Tabelle liefert eine Übersicht zu Zeichen & Deklarationen aus dem Bereich der Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen. Neben Herstellererklärungen, Informationen in Sicherheitsdatenblättern (SDB), Leistungserklärungen oder allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen (abZ) können diese den Nachweis für umwelt- und gesundheitsrelevante Kriterien in Planung und Ausschreibung (s. Reiter Ausschreibung) ermöglichen. Detaillierte Informationen finden sich außerdem in den einzelnen Produktgruppen.

Übersicht Umweltdeklarationen: Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen
Stand 03/2015

  Flachs-/Hanf-Dämmstoffe

Holzfaserdämmplatten

Holzwolle-Dämmplatten (nicht in Wecobis)

Kork-DämmstoffeSchafwolle-DämmstoffeZellulose-Dämmstoffe
             
  Umweltzeichen Umweltzeichen gehören zu den freiwilligen Produktkennzeichnungen. Sie bieten die Möglichkeit, Unterschiede von Produkten innerhalb einer Produktgruppe hinsichtlich ihrer Umwelt- und Gesundheitsrelevanz festzustellen, auch wenn sie keine allgemeinverbindlichen Gebote oder Verbote aufstellen können. Inhalt aufklappen
   
Blauer Engel
weil umweltgerechter Wärmeschutz / RAL-UZ 140 Wämedämmverbund-systeme

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

 

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

./.

./.

Blauer Engel
weil emissionsarm / RAL-UZ 132 (Wärmedämmstoffe und Unterdecken)

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

 

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

Blauer Engel
weil emissionsarm / RAL-UZ 156 (Verlegeunterlagen)

-

(nicht im Geltungsbereich, aber als Verlegeunterlage möglich)

+

+

(derzeit nur als Kombiprodukt)

-

(nicht im Geltungsbereich, aber als Verlegeunterlage möglich)

./.
EU-Umweltzeichen (Blume) -
- - - -
Österreichisches Umweltzeichen /

Richtlinie UZ 44
Wärmedämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen

+

+

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

+
natureplus-Qualitätszeichen / RL 0100ff (nur für Produkte aus nachwach. und/oder umweltverträglich gewonnenen mineral. Rohstoffen / mind. 85 Masse%)

RL 0101 (Hanf)

---

RL 0102 (Flachs / derzeit kein Produkt zertifiziert)

RL 0104 (Holzfaserdämmplatten)

---
RL 0105 / 0108 (Einblas- und Schüttdämmstoffe aus Holzfasern / Holzspänen)

RL 0113 (Kork / derzeit kein Produkt zertifiziert) RL 0103 (Schafwolle)

RL 0106 (Dämmplatten auf Basis Zellulose / derzeit kein Produkt zertifiziert)

RL 0107 (Einblasdämmstoffe auf Basis von Zellulose)

Nordischer Schwan - - - - -

EMICODE
/ Raumlufthygiene,
hier: ggf. für Verlegeunterlagen

+

(möglich, aber nicht üblich für Produktgruppe)

+

(möglich, aber nicht üblich für Produktgruppe)

+

+

(möglich, aber nicht üblich für Produktgruppe)

./.
Eurofins Zertifizierung "Indoor Air Comfort Gold" (Formaldehyd-Grenzwert strenger / VOC-Grenzwerte weniger streng als Blauer Engel)

-

(derzeit nicht im Geltungsbereich)

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

+

(derzeit kein Produkt zertifiziert)

-

(derzeit nicht im Geltungsbereich)

-

(derzeit nicht im Geltungsbereich)

  GISBAU Klassifizierungs-system

Das GISBAU Klassifizierungssystem ermöglicht es durch den GISCODE oder GISBAU Produktcode, Produkte von denen die gleichen Gesundheitsgefahren ausgehen, in einer Gruppe zusammenzufassen. Die Klassifizierung ist auf den Arbeitsschutz ausgerichtet. Gemäß Minimierungs- und Substitutionsgebot der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) ist grundsätzlich das Produkt mit den geringstmöglichen Belastungen zu verwenden. (siehe unten: Ersatzproduktgruppe prüfen?) Inhalt aufklappen

   

GISBAU Produkt-Code / GISCODE

Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen sind nicht im GISBAU-System über GISCODES klassifiziert. Informationen zu arbeitshygienischen Risiken siehe Reiter Verarbeitung.

  Umweltprodukt-deklaration (EPD)

Die Umweltproduktdeklaration (EPD = Environmental Product Declaration) eines Produktes macht Aussagen zum Energie- und Ressourceneinsatz und in welchem Ausmaß ein Produkt zu Treibhauseffekt, Versauerung, Überdüngung, Zerstörung der Ozonschicht und Smogbildung beiträgt. Außerdem werden Angaben zu technischen Eigenschaften gemacht, die für die Einschätzung der Performance des Bauproduktes im Gebäude benötigt werden, wie Lebensdauer, Wärme- und Schallisolierung oder den Einfluss auf die Qualität der Innenraumluft.1 Inhalt aufklappen

   
EPD1 - + - - -
Branchen-EPD1 - - - - -
  Umweltindikatoren

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren wie z.B Primärenergieaufwand, Abfall, Abiotischer Ressourcenverbrauch, Ozonabbaupotential, Treibhauspotential usw. liefert die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB. Inhalt aufklappen

   
Ökobau.dat-Datensätze Datensätze zu Flachs-/Hanf-Dämmstoffen: siehe 2. Dämmstoffe / 2.12 Flachsfaser bzw. 2.13 Hanffaser Datensätze zu Dämmstoffen aus Holz: siehe 2. Dämmstoffe / 2.7 Holzwolleplatten bzw. 2.10 Holzfasern Datensätze zu Kork-Dämmstoffen liegen noch nicht vor. Datensätze zu Schafwolle-Dämmstoffen liegen noch nicht vor. Datensätze zu Zellulosefaser-Dämmstoffen: siehe 2. Dämmstoffe / 2.11 Zellulosefaser
  Sonstiges Sonstige freiwillige Produktkennzeichnungen, die Informationen zur Umwelt- und Gesundheitsrelevanz von Produkten liefern können. Inhalt aufklappen
   
baubook-Deklaration Die Plattform baubook ökologisch ausschreiben bietet eine Sammlung von Kriterien, die derzeit vor allem in Österreich für die ökologische Ausschreibung verwendet werden. Für Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen finden sich Kriterien in der Gruppe der Dämmstoffe / Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen.
+ Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe vorhanden
- Zeichen / Label bzw. Produktkennzeichnungen für diese Produktgruppe nicht vorhanden
./. Zeichen / Label für diese Produktgruppe nicht relevant
x Produkte aus dieser Produktgruppe können die Kriterien des Zeichens/Labels definitionsgemäß nicht erfüllen

1 Die hier als vorhanden markierten EPDs und Branchen-EPDs sind als Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu verstehen und finden sich z.B. auf den Seiten des IBU Institut Bauen und Umwelt e.V..

Schafwolle-Dämmstoffe

Bewertungssysteme

Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)

   
  Wofür steht das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)? Inhalt aufklappen
 

Mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des BMUB steht ein zum Leitfaden Nachhaltiges Bauen ergänzendes, ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren zur Verfügung.
Das BNB zeichnet sich durch einen Kriterienkatalog aus, mit dem Gebäude nach ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualitäten, sowie den technischen und prozessualen Aspekten bewertet werden. Im Rahmen des Bewertungssystems gibt es auch einige Kriteriensteckbriefe, die sich direkt oder indirekt auf Baustoffe beziehen.
Ausführliche Informationen zum BNB-System siehe www.nachhaltigesbauen.de

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WECOBIS führt in den Datenblättern der Bauproduktgruppen umfangreiche Informationen zur Beantwortung der verschiedenen Fragestellungen im Hinblick auf Umwelt- und Gesundheitsaspekte. Im Reiter Bewertungssysteme bietet WECOBIS gezielt Antworten auf Fragestellungen baustoffrelevanter Steckbriefe. Durch die Bündelung von Aspekten z.B. bzgl. der Risiken für die lokale Umwelt, Fragen zur Innenraumhygiene und der Thematik Rückbau, Trennung, Verwertung gibt WECOBIS gezielte Hilfestellung bei der Einordnung einzelner Baustoffe. Tiefergehende Informationen finden sich über die Verknüpfungen in den jeweiligen Datenblättern.
Hinweis: Eine abschließende Beurteilung im Rahmen des Bewertungssystems und der genannten Kriterien erfolgt jedoch grundsätzlich in Abhängigkeit weiterer baulicher Gegebenheiten (z.B. eingebaute Menge).

BNB-Kriterium BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau)

   
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BNB-Kriterium BN_1.1.6 zielt auf die Reduzierung bzw. Vermeidung von Stoffen und Produkten beim Neubau, die aufgrund ihrer stofflichen Eigenschaften oder Rezepturbestandteile ein Risikopotenzial für Grundwasser, Oberflächenwasser, Boden und Luft (auch Innenraumluft) enthalten. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 5 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung der Substitution eines Stoffes.

Für den Umgang mit Materialien im Bestand und deren Einordnung ist Kriteriensteckbrief BK_1.1.6. heranzuziehen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau) und BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

Einordnung der Schafwolle-Dämmstoffe:

Für die Bewertung nach Kriterium BNB_BN_1.1.6 (Version V 2014_1) werden sechs potenzielle Schadstoffgruppen betrachtet. Für die Einordnung der Schafwolle-Dämmstoffe gemäß 1.1.6 sind die hervorgehobenen Schadstoffgruppen 1, 2, 4 + 6  relevant: 
1  Gefährliche und besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC)
2  Gefährliche Stoffe, die ausgelaugt werden können*
3  Schwermetalle (bei Bodenbelägen als Stabilisatoren in Kunststoffen)
4  Flüchtige organische Verbindungen (VOC) einschließlich organische Lösemittel*
5  Halogenierte Kälte- und Treibmittel
6  Biozide

*Hinweise:

  • Dämmstoffe aus Schafwolle sind von Schadstoffgruppe 2 nur insofern betroffen, falls sie in einem Bausatz aus vorgefertigten Elementen für die Wärmedämmung von Außenwänden nach ETAG 017 verwendet werden (s.u. Anforderungen).
  • Für Dämmstoffe enthält Kriteriensteckbrief 1.1.6 derzeit nur im Rahmen allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassungen gestellte innenraumrelevante Anforderungen an bestimmte Bauproduktgruppen, weshalb die folgenden Anforderungen diesen Aspekt auch nur sehr begrenzt (hier nur bei Verwendung als Verlegeunterlagen) abdecken. Das Fehlen solcher Anforderungen bedeutet nicht, dass diese bei Verwendung in Innenräumen nicht erforderlich sein könnten. Eine diesbezügliche Ergänzung ist in Arbeit.

Schafwolle-Dämmstoffe werden in 1.1.6 über folgende Einsatzbereiche adressiert (s. BNB_BN_1.1.6 Anlage 1 / Allgemeine Anforderungsliste, Anlage 2 / Anforderungen an Einzelstoffe mit besonders besorgniserregenden Eigenschaften):

  • Pos. 38 Bauprodukte mit Kontakt zu Boden und Grundwasser, für die eine abZ aus Umweltschutzgründen vorgeschrieben ist. (s. Liste DIBT)
  • Pos. 40 / Anlage 2-F Biozidhaltige und flammhemmend ausgerüstete Bauprodukte (Erzeugnisse) / organische Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen
  • Pos. 42 weitere Bauprodukte, die innenraumrelevant sind und für die es eine abZ mit Aussagen zum Gesundheitsschutz gibt.

Im folgenden werden die Anforderungen bzw. Einschränkungen für die Verwendung von Dämmstoffen aus Schafwolle dargestellt. Die eigentlichen Anforderungen der genannten Position in Anlage 1 betreffen ggf. auch andere Dämmstoffmaterialien.

Qualitätsniveau (QN)

Anforderungen für organische Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen
(gem. Pos.38, sowie 40-F + 42)

1
(= Mindestanforderung)

Produktdokumentation1 incl. Deklaration von SVHC der Kandidatenliste > 0,1 Gew.-%

bei Verwendung als Verlegeunterlagen unter Bodenbelägen gilt:
Vorlage abZ der Gruppen Z-158.10 (Verlegeunterlagen) aus Gesundheitsschutz-gründen2

Hinweis: Für die folgenden Anforderungen zur abZ wurden lt. DIBt noch keine Zulassungsnummern vergeben, d.h. es gibt auch noch keine zugelassenen Produkte.

bei Verwendung in  Bausätzen aus vorgefertigten Elementen für die Wärmedämmung von Außenwänden nach ETAG 017 gilt:
Vorlage abZ aus Umweltschutzgründen (Zulassungsnummern noch nicht vergeben)

bei Verwendung in Aufenthaltsräumen einschl. zugehöriger Nebenräume gilt für werkmäßig hergestellte Dämmstoffe und  lose Schüttdämmstoffe aus pflanzlichen oder tierischen Fasern,
sowie für lose Dämmschüttung aus Hanffaser für die Anwendung unter schwimmenden Fußböden zur Wärme- und/oder Schalldämmung nach ETA ohne Leitlinie:
Vorlage abZ aus Gesundheitsschutzgründen (Zulassungsnummern noch nicht vergeben)2

2 (zusätzlich zu QN1)

Es dürfen nur Produkte verwendet werden, die keine Borate (<0,1%) enthalten (Flammschutzmittel, Biozid).

 

 

3
(zusätzlich zu QN1)

4 (zusätzlich zu QN1)

5 (zusätzlich zu QN1)
Kommentierung

Bereits für die Erfüllung der Anforderungen von QN2 sind in allen Anwendungen Produkte erforderlich, die keine Borate als Flammschutzmittel oder Biozid enhalten. Schafwolle-Dämmstoffe enthalten i.d.R. keine Borate, sondern Kaliumfluorotitanat IV als Mottenschutzmittel. Die Anforderungen bis QN5 sollten also für Schafwolle-Dämmstoffe leicht erfüllbar sein.3

Bei Schafwolle-Produkten mit dem natureplus-Qualitätszeichen ist die Verwendung von Borsalzen über die Vergaberichtlinien ausgeschlossen. Sie erfüllen auch mindestens die Anforderungen der u.g. abZ aus Gesundheitsschutzgründen, für die noch keine Zulassungsnummer vergeben wurde.

Hinweis: Für einen Teil der Anforderungen zur abZ (s.o.) wurden lt. DIBt noch keine Zulassungsnummern vergeben, d.h. es gibt auch noch keine zugelassenen Produkte.
siehe aktuelle Liste Gesundheitsschutz DIBt und Liste Umweltschutz DIBt

Tabelle: Anforderungen an die Verwendung von Schafwolle-Dämmstoffen
1 Die Produktdokumentation (z.B. über Produktdatenblätter, Technische Merkblätter, Sicherheitsdatenblätter) ist die Mindestanforderung, die mindestens für alle durch BNB 1.1.6 betroffenen Produktgruppen erfüllt sein muss. Zusätzlich ist für alle diese Produktgruppen immer auch die Deklaration von SVHC der Kandidatenliste nach REACH (z.B. über Leistungserklärung, Herstellererklärung) erforderlich. Produktgruppenabhängig können auch noch andere Nachweise gefordert sein.
2 Für die genannten Dämmstoffe ist bei der Verwendung in Aufenthaltsräumen einschließlich zugehöriger Nebenräume eine abZ aus Gesundheitsschutzgründen erforderlich. Sie umfasst u.a. eine Emissionsprüfung zur quantitativen Bestimmung und Bewertung flüchtiger (VOC) und schwer flüchtiger (SVOC) Verbindungen auf Basis des AgBB-Bewertungsschemas.
3Eine Aussage über die tatsächliche Marktverfügbarkeit kann hier nicht getroffen werden.

Planungs- und Ausschreibungshilfen mit Textbausteinen

Tabellarische Übersichten mit allen Einzelkriterien für Planung und Ausschreibung sind im neuen Modul Planungs- & Ausschreibungshilfen unter "Dämmstoffe" zu finden. Die Tabellen dort enthalten auch detaillierte Informationen zu den Nachweismöglichkeiten (z.B. über andere Produktkennzeichnungen) und damit zur Prüfung der angebotenen Produkte. Außerdem finden sich dort auch die für die verschiedenen Qualitätsniveaus zugehörigen Textbausteine (auch als rtf-Download).

BNB-Kriterium BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung)

   
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Im Falle einer Sanierungsmaßnahme wird BN_1.1.6 ergänzt durch das BNB-Kriterium BK_1.1.6. Dieses zielt auf die Adressierung und Ausschleusung von Materialien in der bestehenden Bausubstanz, die ein Risikopotenzial für Mensch und Umwelt darstellen. Die Bewertung erfolgt anhand einer Einstufung der Baumaterialien in ein vorgegebenes Schadstoffkataster mit 14 Schadstoffgruppen aufgrund ihres Schädigungspotentials und der jeweiligen Sanierungsmaßnahmen. Das Kriterium teilt die Anforderungen in 4 Qualitätsniveaus ein. Die Einordnung orientiert sich an Aufwand und Schwierigkeitsgrad der praktischen Umsetzung sowie an der ökologischen Bedeutung er Substitution eines Stoffes.

Weitere Informationen zu den Einzelkriterien im Bestand siehe BK_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Komplettmodernisierung). Für den Einbau von neuen Materialien gilt BN_1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt (Neubau).

Die Einordnung von Materialien im Bestand erfolgt in WECOBIS jeweils gesammelt für die ganze Obergruppe der Dämmstoffe. Siehe dazu Dämmstoffe im Bestand.

Die an dieser Stelle beschriebenen Dämmstoffe (= aktuell am Markt verfügbare Produktgruppen) enthalten normalerweise keine Problemstoffe, welche bei der Sanierung relevant sind.

Die in Schafwolle-Dämmstoffen möglicherweise enthaltenen Borate (Flammschutz) gehören nicht zu den nach BNB_BK_1.1.6 abgefragten Schadstoffgruppen. Für den Ausbau von Schafwolle-Dämmstoffen, die mit Borsalzen als Flammschutzmittel behandelt sein könnten (genaue Erläuterung s. Rohstoffe / Ausgangsstoffe), sollten vorsorglich folgende Gefahren- (H-Satz) und Sicherheitshinweise (P-Satz) angenommen werden:
H360FD: Kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Kann das Kind im Mutterleib schädigen.
P201: Vor Gebrauch besondere Anweisungen einholen.
P308+P313: BEI Exposition oder falls betroffen: Ärztlichen Rat einholen/ärztliche Hilfe hinzuziehen.

Auch Pyrethroide, die zwar heute nur noch zum Teil in Schafwolle-Dämmstoffen eingesetzt werden, aber vorhanden sein können, gehören nicht zu den nach BNB_BK_1.1.6 abgefragten Schadstoffgruppen.

 

BNB-Kriterium BN_3.1.3 - Innenraumhygiene

   
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Ziel des BNB-Kriteriums 3.1.3 ist die Sicherstellung der Luftqualität im Innenraum unter hygienischen Gesichtspunkten, die zu keinen negativen Effekten hinsichtlich der Befindlichkeit der Raumnutzer führt, die hygienische Sicherheit garantiert und somit möglichst auch eine empfundene hohe olfaktorische Luftqualität gewährleistet.
Die Bewertung erfolgt anhand der Berechnung der personenbezogenen Luftwechselrate sowie anhand von Raumluftmessungen auf den Formaldehyd- und TVOC-Gehalt.
Erfahrungsgemäß lassen sich die Referenz- und Zielwerte dann erreichen, wenn die Auswahl und Verwendung der eingesetzten Materialien auf einem ganzheitlichen Konzept zur Vermeidung von Emissionen aus Bauprodukten basiert und der Einsatz emissionsarmer Materialien die Bauphase begleitend dokumentiert wird. BNB-Kriterium 3.1.3 steht deshalb in engem Zusammenhang mit der Erfüllung der Einzelkriterien für BNB-Kriterium 1.1.6.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_3.1.3 Innenraumhygiene (Neubau)

Einordnung der Schafwolle-Dämmstoffe

Von Schafwolle-Dämmstoffen sind keine VOC- oder Formaldehyd-Emissionen in Innenräumen zu erwarten. Schafwolle-Dämmstoffe sind hingegen für die Raumluftsanierung von schadstoffbelasteten Innenräumen geeignet. Sie haben die Eigenschaft, zahlreiche Schadstoffe, wie z.B. Formaldehyd, zu binden. (Erl. s. Reiter Allgemeine Informationen)

Produkte mit dem natureplus-Qualitätszeichen (RL 0103 Schafwolle) dürfen  bestimmte Grenzwerte hinsichtlich VOC- oder Formaldehyd-Emissionen nicht überschreiten. Sie müssen sich dort außerdem u.a. einer Laborprüfung auf verschiedene weitere Schadstoffe (z.B. Pestizide) und Geruch unterziehen, was allerdings für BNB_BN 3.1.3 nicht bewertet wird.
weitere Informationen und Links zu Umweltzeichen für emissionsarme Produkte siehe Reiter Zeichen & Deklarationen

BNB-Kriterium BN_4.1.4 - Rückbau, Trennung, Verwertung

   
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Im BNB Kriteriensteckbrief 4.1.4 werden Konstruktionen nach ihrer Rückbaubarkeit, Trennbarkeit und Verwertbarkeit eingestuft.
WECOBIS kann eine aktuelle Information über mögliche Umwelt- und Gesundheitsgefährdungsaspekte im Zuge von Rückbau und Entsorgung auf Bauproduktgruppenebene geben. Eine Betrachtung von ganzen Konstruktionen kann derzeit in WECOBIS noch nicht erfolgen. Ein Bauteilmodul ist jedoch in planung. Ergänzend zu Leitfäden und Arbeitshilfen helfen die bauproduktgruppenspezifischen Aspekte dem Koordinator jedoch auch jetzt schon, die Komponenten Umwelt und Gesundheit für den Steckbrief 4.1.4 einzuordnen.
Weitere Informationen zu den Einzelkriterien siehe BN_4.1.4 – Rückbau, Trennung, Vewertung

Rückbaubarkeit

Für die Bewertung wirkt sich der Einsatz abfallarmer Konstruktionen, die die Möglichkeit eines sortenreines Rückbaus erlauben, günstig aus. Die Rückbaubarkeit beschreibt den Aufwand, der für Demontage oder Abbruch eines Bauteils aus dem Gebäudeverband nötig ist.

Schafwolle-Dämmstoffe werden in der Regel lose verlegt oder nur mechanisch fixiert. Sie lassen sich deshalb mit geringem bis mittlerem Aufwand ausbauen.

Rückbaubarkeit    Geringer Rückbauaufwand => => => => => => => hoher Rückbauaufwand
Konstruktionsweise lose Verlegung mechanische Fixierung (vollflächige) Verklebung
Blähperlit-Dämmstoffe  X    
Calciumsilikat-Dämmplatten     X
Dämmstoffe mit Aerogelen  X  X X
Mineralwolle-Dämmstoffe X X X
Schaumglas-Dämmstoffe     X
Vermiculite-Dämmstoffe  X    
Flachs/Hanf-Dämmstoffe  X X  
Holzfaserdämmplatten X X X
Kork-Dämmstoffe X X X
Schafwolle-Dämmstoffe X X  
Zellulose-Dämmstoffe X X X
Expandiertes Polystyrol (EPS) X X X
Extrudiertes Polystyrol (XPS) X X X
Polyurethan (PUR/PIR)-Spritzschaum     X
Polyurethan-Hartschaum (PUR/PIR) X X X

Sortenreinheit

Beschreibt den Aufwand, der für die sortenreine Trennung mehrschichtiger und / oder inhomogener Bauteile anfällt.

Sollten die Schafwolle-Dämmstoffe synthetische Stützfasern enthalten, ist eine sortenreine Trennung nicht möglich. Ansonsten lassen sich die Dämmstoffe aufgrund ihrer Verlegeart (lose verlegt oder mechanisch fixiert) relativ gut von anderen Bauteilen trennen.

Verwertbarkeit

Für die Bewertung der Verwertbarkeit der Baustofffraktionen gelten die zur Zeit der Bewertung am Markt aktuell verfügbaren technischen Verfahren. Alternativ können bei Bauteilen mit langer zu erwartender Nutzungsdauer Forschungsvorhaben, die praktikable Lösungsmöglichkeiten in absehbarer Zeit zur Verfügung stellen können, positiv bewertet werden. 

Schafwolle-Dämmstoffe können in manchen Fällen stofflich verwertet werden. Gewisse Hersteller bieten ein Rücknahmesystem an. Ansonsten können die Dämmstoffe im besten Fall energetisch verwertet werden.

Verwertungs-/ Beseitigungswege Hochwertige Verwertung Minderwertige Verwertung Energetische Verwertung Deponierung
Blähperlit-Dämmstoffe  nicht möglich  möglich  nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg
Calciumsilikat-Dämmplatten  nicht möglich  möglich  nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg
Dämmstoffe mit Aerogelen  nicht möglich  nicht möglich  nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg
Mineralwolle-Dämmstoffe  möglich  möglich  nicht möglich  möglich
Schaumglas-Dämmstoffe  möglich möglich  nicht möglich möglich
Vermiculite-Dämmstoffe

nicht möglich

 möglich  nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg
Flachs/Hanf-Dämmstoffe nicht möglich nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg  nicht zulässig
Holzfaserdämmplatten nicht möglich  nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg  nicht zulässig
Kork-Dämmstoffe nicht möglich nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg nicht zulässig
Schafwolle-Dämmstoffe  möglich  möglich momentan der übliche Beseitigungsweg nicht zulässig
Zellulose-Dämmstoffe  möglich möglich momentan der übliche Beseitigungsweg  nicht zulässig
Expandiertes Polystyrol (EPS)  möglich möglich momentan der übliche Beseitigungsweg  nicht zulässig
Extrudiertes Polystyrol (XPS) nicht möglich möglich momentan der übliche Beseitigungsweg   nicht zulässig
Polyurethan (PUR/PIR)-Spritzschaum nicht möglich  nicht möglich momentan der übliche Beseitigungsweg  nicht zulässig
Polyurethan-Hartschaum (PUR/PIR) nicht möglich möglich momentan der übliche Beseitigungsweg  nicht zulässig
Hochwertige Verwertung
Die Produktgruppe wird zur Herstellung gleichwertiger Produkte als wesentlicher Bestandteil des Endprodukts eingesetzt.
Minderwertige Verwertung
Die Produktgruppe wird zur Herstellung untergeordneter Produkte als wesentlicher Bestandteil des Endprodukts eingesetzt.
Energetische Verwertung
Die Produktgruppe wird in einer Verbrennungsanlage energetisch verwertet.
Deponierung
Die Produktgruppe wird ggf. nach thermischer Vorbehandlung deponiert

Quellen

Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 1.1.6 Risiken für die lokale Umwelt, abrufbar unter BNB_BN_1.1.6 Version V 2014_1 (Online-Quelle in Überarbeitung)

Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 3.1.3 Innenraumhygiene, abrufbar unter BNB_BN2011-1_313 (Online-Quelle)

Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB), Büro- und Verwaltungsgebäude – Neubau, Version 2011_1, Kriterium 4.1.4 Rückbau, Trennung und Verwertung, abrufbar unter BNB_BN2011-1_414 (Online-Quelle)

Schafwolle-Dämmstoffe

Technisches

Technische Daten

Schafwolle-Dämmstoffe
Ausgewählte Produkte: 1) Dämmvlies aus Schafwolle
Technische Regeln Europäische Technische Zulassung (ETA)
Rohdichte [kg/m³] 16 - 150
Druckspannung bei 10% Stauchung bzw. Druckfestigkeit [kPa] k.A. 
Bemessungswert Wärmeleitfähigkeit λd [W/mK]
(gemäß Anhang zu den Übereinstimmungszertifikaten)
0,035 - 0,040 
Zuschlagsfaktor 2) bezogen auf:
λd = 0,040 W/m²K

0,875 - 1
Wärmespeicherkapazität c [J/(kg*K)] 1.630 - 1.720 
Richtwert der Dampfdiffusionswiderstandszahl μ nach
DIN 4108-4
1 - 5 
Langzeitwasseraufnahme max. 12 kg/m2 
Baustoffklasse nach DIN 4102 B2
Euroklasse nachDIN EN 13 501  E
Beständigkeit durch Behandlung mit Mottenschutzmitteln (Kaliumfluorotitanat IV) weitgehend resistent gegen Ungeziefer
Anwendungsbereiche 3)
Zulassung für Gefährdungsklasse 0 nach DIN 68 800-2 -
Decke, Dach  nach DIN 4108-10 DAD -
DAA -
DUK -
DZ +
DI +
DEO +
DES +
Wand nach DIN 4108-10 WAB +
WAA +
WAP -
WZ -
WH -
WI +
WTH -
WTR +
Perimeter nach DIN 4108-10 PW -
PB -

Anmerkungen:

1) Die angegebenen Werte gelten beispielhaft für einzelne Produkte und können herstellerbedingt differieren. Die Datenlage ist allerdings grundsätzlich schlecht.
2) Der Zuschlagsfaktor berücksichtigt die unterschiedliche Dämmleistung der einzelnen Dämmstoffe (= Bemessungswert für die Wärmeleitfähigkeit). Ein Dämmstoff A mit λD = 0,03 (W/mK) erbringt z.B. mit einer Dicke von 75mm die gleiche Dämmleistung wie ein Dämmstoff B mit λD = 0,04 (W/mK) und einer Dicke von 100mm. Der Zuschlagsfaktor beträgt in diesem Beispiel 0,75. Will man z.B. den Primärenergieaufwand für zwei unterschiedliche Dämmstoffarten vergleichen, muss diesem Sachverhalt Rechnung getragen werden. Hat z.B. Dämmstoff A mit λD = 0,03 (W/mK) einen Primärenergieaufwand von 3.500 MJ/m³ und Dämmstoff B mit λD = 0,04 (W/mK) einen Primärenergieaufwand von 2.900 MJ/m³, muss für Dämmstoff A 3.500*0,75 = 2.650 MJ/m³ mit 2.900 MJ/m³ für Dämmstoff B verglichen werden. 
5) Die angegebenen Anwendungsgebiete gelten für die ausgewählten Produkte und nicht für die gesamte Produktgruppe (dazu siehe Anwendungsbereiche Dämmstoffe incl. Erläuterung der Kurzzeichen)

Technische Regeln (DIN, EN)

Schafwolle-Dämmstoffe sind nicht genormt und benötigen eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung.  Dämmstoffprodukte aus Schafwolle verfügen inzwischen i.d.R. über eine europäische technische Zulassung (ETA).

Bauregelliste

Schafwolle-Dämmstoffe mit europäischer technischer Zulassung (ETA):
Bauregelliste B, Teil 1 / 4.12.1.2.1 / Dämmstoffe für die eine ETA ohne Leitlinie erteilt worden ist / werkmäßig hergestellte Dämmstoffe aus pflanzlichen oder tierischen Fasern

Das Deutsche Institut für Bautechnik stellt in den Bauregellisten A, B und C die technischen Regeln für Bauprodukte und Bauarten sowie bauaufsichtlich geregelte und nicht geregelte Bauprodukte und Bauarten auf.
Nach Zustimmung der obersten Bauaufsichtsbehörden der Länder wird die Baurregelliste bekannt gegeben. Erwerb und weiterführende Informationen zu Baurregelliste und ihren Regelungsbereichen siehe unter → www.dibt.de
Eine Darstellung und Erläuterungen zur Klassifizierung von Bauprodukten siehe im Lexikon → Klassifizierung von Bauprodukten

CE-Zeichen

Für Dämmstoffprodukte aus Schafwolle mit europäischer technischer Zulassung (ETA)

Schafwolle-Dämmstoffe

Literaturtipps

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR), www.fnr.de:
Borschürenseite zum Thema Bauen
Marktübersicht - Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, FNR 2014 (download)

Pfundstein, M; Gellert, R.; Spitzner, M.H.; Rudolphi, A.; Detail Praxis / Dämmstoffe – Grundlagen, Materialien, Anwendungen; 2007;Institut für internationale Architektur-Dokumentation GmbH & Co. KG; München

Zwiener, G.; Mötzl, H.; Ökologisches Baustoff-Lexikon; 2006; C.F. Müller Verlag; Heidelberg

S. Thomé, G. Wortmann, J. Föhles, H. Klingenberger, G. Bittner, F.-J. Wortmann:
Aufnahme und Bindung von Innenraumschadstoffen durch Wolle am Beispiel von Formaldehyd, DWI Reports 128, E4 (2004)

KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung; Informationsbroschüre "Umweltverträglichkeit von Gebäudedämmstoffen“;06/2003; Ministerium für Umwelt, Natur und Forsten des Landes Schleswig-Holstein, Kiel

M. Fuehres, L. Faul; Forschungsvorhaben Abschlussbericht: Bewertung natürlicher, organischer Faserdämmstoffe; 2000; Fraunhofer IRB Verlag

Schafwolle als reaktives Sorbens für Luftschadstoffe im Innenraum; Deutsches Wollforschungsinstitut (DIW), Aachen; Eco-Umweltinstitut, Köln; Fritz Doppelmayer GmbH, Kempten; 1998

Isoliertechnik 5/96; Die Alternativen - wie gut sind ökologische Dämmstoffe wirklich? (Sonderdruck); 1996; Lambda Verlag; Gars

Schafwolle-Dämmstoffe

Rohstoffe / Ausgangsstoffe

Hauptbestandteile

Basismaterial: 88 - 99% Schafschurwolle (Keratin = Eiweiß)
Herkunft: Deutschland / Europa
Schurhäufigkeit: 1 - 2x / Jahr
Bindemittel: keine, weder bei vernadelten noch bei thermisch verfestigten Produkten; bei thermisch verfestigten Dämmplatten finden bis zu 12% textile Stützfasern Anwendung, z.B. Polyester oder Polyactide
Mottenschutzmittel (ggf. Flammschutzmittel):

Flammschutzmittel: 0%, bzw. ggf. 4-6% z.B. Kaliumhexafluorotitanat (mineralisches Salz) bei Produkten mit Stützfasern, z.T. werden phosphororganische Flammschutzmittel (Aflammit) angegeben, Borate werden i.d.R. nicht mehr eingesetzt.

Wollschutz / Mottenschutzmittel:
bis zu 2% z.B. Kaliumhexafluorotitanat (mineralisches Salz),
z.T. werden auch noch Pyrethroide angegeben (z.B. synthetisches Pyrethrum, Konservan = gekapseltes Permethrin)

Flammschutzmittel

Schafwolle besitzt schon von Natur aus günstige brandhemmende Eigenschaften und entzündet sich erst bei 560°C. Verantwortlich ist dafür die chemische Zusammensetzung der Wollfaser und die Fähigkeit, bis zu 30% ihres Eigengewichtes an Feuchtigkeit aus der Umwelt aufzunehmen. Flammschutzmittel finden daher nur bei sehr leichten oder bei mit Stützfasern verfestigten Produkten Verwendung.
Vereinzelt fanden früher auch bei Schafwolle-Dämmstoffen Borsalze (Natriumborate) als Flammschutzmittel oder in geringeren Anteilen als Teil des Mottenschutzes Verwendung, was nach derzeitigem Kenntnisstand nicht mehr der Fall ist. Borate und Borsäure sind inzwischen als reproduktionstoxisch Kategorie 1A (H360FD) eingestuft, ein Teil wird bereits auf der REACH-Kandidatenliste für besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) geführt.

Wollschutz / Mottenschutz

Schafwolle-Dämmstoffe sind i.d.R. mit einem Wollschutz bzw. Mottenschutz ausgestattet. Die Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe e.V. gibt hier in ihren Informationsblättern an, dass sich anstelle der gesundheitlich bedenklichen Pyrethroide, Borsalze oder dem in der EU nicht mehr zugelassenen Mittin FF ein neuer Standard etabliert habe mit dem Wirkstoff Kaliumhexafluorotitanat IV.  Kaliumhexafluorotitanat ist ein anorganisches Salz, das auch als Flammschutzmittel verwendet wird. Von den Herstellern werden aber zum Teil auch noch Pyrethroide angegeben (z.B. 0,1%=1g/kg synthetisches Pyrethrum oder Konservan = gekapseltes Permethrin).
Bei Kontakt mit der Innenraumluft sollten pyrethroidfreie Produkte bevorzugt und eine aussagekräftige Deklaration eingefordert werden.
Für die Europäische Technische Zulassung (ETA) muss die Resistenz gegen biologische Einwirkungen (Schimmelwachstum und Insektenschädlinge) nachgewiesen werden. Die Wirksamkeit der eingesetzten Mittel kann somit z.B. über die Vorlage der ETA geprüft werden.

Für Produkte mit dem natureplus-Qualitätszeichen ist u.a. eine Volldeklaration Voraussetzung. Auch die Resistenz gegen Schimmelwachstum und Schadinsekten muss hier nachgewiesen werden. Pyrethroide als Wollschutz sind ausgeschlossen (Grenzwert bei Laboranalyse <= 0,5 mg/kg, d.h. <=0,00005%). Die Produkte dürfen außerdem bestimmte Grenzwerte hinsichtlich VOC- oder Formaldehyd-Emissionen sowie weiterer Schadstoffe nicht überschreiten und unterliegen jährlichen Folgeprüfungen.

Umwelt- und Gesundheitsrelevanz

Gewinnung der Primärrohstoffe

Schafwolle gehört zu den nachwachsenden Rohstoffen. Die Schafe werden ein- bis zweimal pro Jahr geschoren. Dabei wird ca. 7kg ungewaschene Rohwolle pro Schaf und Jahr gewonnen.
Für die Dämmstoffherstellung wird derzeit nur noch europäische und soweit möglich regional anfallende Schafwolle verwendet, die inzwischen aufgrund der fallenden Nachfrage aus der Textilindustrie ausreichend zur Verfügung steht. Dadurch wird die heimische extensive Schafhaltung, die zur Erhaltung der Kulturlandschaft beiträgt, unterstützt. Bei der Gewinnung mitteleuropäischer Wolle erfolgt kein massiver Chemieeinsatz oder Überweidung wie in den riesigen Schafzuchtfarmen in Australien oder Neuseeland. 

Quellen

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR), www.fnr.de:
Borschürenseite zum Thema Bauen
Marktübersicht - Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, FNR 2014 (download)

Schafwolle-Dämmstoffe

Herstellung

Herstellungsprozess

Die Wolle wird gründlichst mit Seife (z. B. Schmierseife, Kernseife) und Soda gewaschen und bis zu einem Restgehalt von max. 0,5 % entfettet. Das Reinigungsmittel wird anschließend durch mehrfaches kaltes Auswaschen vollständig herausgespült. Beim Spülvorgang erfolgt die Behandlung der Wollfasern mit den Zusatzstoffen.
In der Krempelanlage entsteht nach dem Trocknen der Wolle dann ein dünnes Krempelvlies (Primärvlies). Durch das kreuzweise Aufschichten und Vernadeln oder thermische Verfestigen mehrerer Lagen des Primärvlieses werden Matten bzw. Platten mit der gewünschten Dicke und Dichte hergestellt. Mit einer Schneidemaschine wird der Dämmstoff auf Länge und Breite zugeschnitten. Schnittreste werden dem Produktionsprozess wieder zugeführt.

Umweltindikatoren / Herstellung

Einheitliche Werte zu Umweltindikatoren in WECOBIS soll zukünftig ausschließlich die Datenbank Ökobau.dat des Informationsportals Nachhaltiges Bauen des BMUB liefern.

Die Ökobau.dat stellt Umweltprofile für Bauprodukte bereit, die als erforderliche Datengrundlage für die Lebenszyklusanalyse eingesetzt werden. Für Bauprodukte gibt es Herstellungs- und End-of-Live- Datensätze.

Weiterführende Informationen zur Ökobau.dat im Zusammenhang mit dieser Produktgruppe finden sich in WECOBIS unter Fachinformationen / Übersicht im Reiter Zeichen & Deklarationen / Umweltindikatoren

Quellen

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR), www.fnr.de:
Borschürenseite zum Thema Bauen
Marktübersicht - Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, FNR 2014 (download)

Schafwolle-Dämmstoffe

Verarbeitung

Technische Hinweise / Verarbeitungsempfehlungen

Schafwolle-Dämmstoffe werden in Form von Platten, Matten oder als Stopfwolle angeboten. Diese sind angenehm zu verarbeiten (kein Jucken und Kratzen).

Arbeitshygienische Risiken

Allgemeines

Über organische Faserstäube aus Schafwolle liegen noch keine systematischen Arbeitsplatzuntersuchungen vor. Im Rahmen eines Forschungsvorhabens des DIBt über natürliche, organische Faserdämmstoffe wurden auch Staub- und Faserkonzentrationen bei der Verarbeitung von Schafwolle-Dämmstoffen exemplarisch untersucht. Dabei wurde auch beim Einbau von Schafwolle-Dämmmatten der Allgemeine Staubgrenzwert der einatembaren Fraktion überschritten.
Bei Verwendung des richtigen Werkzeugs (Zuschnitt auf fester Unterlage mit Messer oder Schere, nicht reißen oder sägen) und sorgfältiger Reinigung wird bei der Verarbeitung von Schafwolle-Dämmstoffen die Freisetzung von Staub und Fasern minimiert.

Fasergeometrie:
Durchmesser der Einzelfasern: 10 – ca. 30 μm
Schafwolle-Fasern sind gut an ihrer geschuppten Oberflächenstruktur zu erkennen. Spitz zulaufende Fasern oder Bruchstücke, die z.B. beim Reißen oder Sägen entstehen können, haben Durchmesser im lungengängigen Bereich.

Arbeitsplatzgrenzwert AGW (früher: MAK-Wert):
Allgemeiner Staub-Grenzwert nach TRGS 900
A-Staub:   3 mg/m³ (alveolengängige Fraktion, früher: Feinstaub)
E-Staub: 10 mg/m³ (einatembare Fraktion, früher: Gesamtstaub)

Für den Einbau vorkonfektionierter Dämmstoff-Matten aus natürlichen, organischen Faserdämmstoffen wird grundsätzlich zur Verwendung von Atemschutzmasken (Halb-/Viertelmaske mit P1-Filter), geschlossener Arbeitskleidung und insbesondere bei Überkopfarbeiten zum Tragen einer Schutzbrille geraten. Verpackte Dämmstoffe sollen erst am Arbeitsplatz ausgepackt, das Material nicht geworfen oder mit Druckluft abgeblasen werden.

Quellen

M. Fuehres, L. Faul; Forschungsvorhaben Abschlussbericht: Bewertung natürlicher, organischer Faserdämmstoffe; 2000; Fraunhofer IRB Verlag

Schafwolle-Dämmstoffe

Nutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiken bei bestimmungsgemäßer Nutzung

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Innenraum

Untersuchungen zu Faserbelastungen beim Einbau von organischen Faserdämmstoffen, die die Emissionen bis in die Nutzungsphase hinein verfolgten, haben ergeben, dass die Faserbelastung nach Abschluss der Arbeiten und fachgerechter Reinigung der Baustelle schnell wieder auf Werte absinken, die der generellen Grundbelastung durch lungengängige Fasern in Innenräumen entsprechen. Erhöhte Konzentrationen durch eingebaute organische faserförmige Dämmstoffe konnten nicht nachgewiesen werden. 

Von Schafwolle-Dämmstoffen sind keine VOC- oder Formaldehyd-Emissionen in Innenräumen zu erwarten. Schafwolle-Dämmstoffe sind hingegen für die Raumluftsanierung von schadstoffbelasteten Innenräumen geeignet. Sie haben die Eigenschaft, zahlreiche Schadstoffe, wie z.B. Formaldehyd, zu binden. (Erl. s. Reiter Allgemeine Informationen).

Von den zum Teil als Flammschutzmittel eingesetzten Salzen oder anorganischen Phosphaten (z.B. Ammoniumphosphat) sind keine Innenraumbelastungen bekannt. Bei in Schafwolle-Dämmstoffen vereinzelt als Flammschutzmittel angegebenen phosphororganischen Verbindungen besteht die Möglichkeit von Formaldehydabgaben in den Innenraum, die aber vermutlich gering sind.
Quelle: Forschungsbericht 204 08 542 (alt) 297 44 542 (neu) des Umweltbundesamtes, 2000

Vereinzelt werden noch Pyrethroide als Mottenschutz angeben (s. Rohstoffe). Bei Kontakt mit der Innenraumluft sollten pyrethroidfreie Produkte bevorzugt und eine aussagekräftige Deklaration eingefordert werden.

Produkte mit dem natureplus-Qualitätszeichen (RL 0103 Schafwolle) dürfen  bestimmte Grenzwerte hinsichtlich VOC- oder Formaldehyd-Emissionen nicht überschreiten. Neben einer Volldeklaration müssen sie sich dort außerdem u.a. einer Laborprüfung auf verschiedene weitere Schadstoffe (z.B. Pestizide) und Geruch unterziehen und unterliegen jährlichen Folgeprüfungen.
weitere Informationen und Links zu Umweltzeichen für emissionsarme Produkte siehe Reiter Zeichen & Deklarationen

Schadstoffabgabe / Emissionen in den Außenraum

Gefährdungen für Wasser, Luft und Boden aus eingebauten Schafwolle-Dämmstoffen sind nach heutigem Kenntnisstand nicht zu erwarten.

Umwelt- und Gesundheitsrisiken im Schadensfall

Brandfall

Im Brandfall gibt Wolle keine giftigen Brandgase ab und schmilzt nicht. Es bildet sich eine schaumartige Asche, die isolierend gegen Hitze wirkt.

Wassereinwirkung

Beim Einsatz von Kaliumfluorotitanat als Motten- oder Flammschutzmittel keine Gefahr des Ausschwemmens (WGK 0) durch Löschwasser.

Beständigkeit Nutzungszustand

Da Schafwolle-Dämmstoffe ohne Beeinträchtigung der Dämmmwirkung bis zu 33% ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen und diese auch relativ schnell wieder abgeben können, haben erhöhte Baufeuchten meist keine Schäden zur Folge. Die Lebensdauer von Schafwolle-Dämmstoffen ist daher i.d.R. sehr hoch.

Unter der Rubrik Baustoff- und Gebäudedaten / Nutzungsdauern von Bauteilen findet sich auf dem Informationsportal Nachhaltiges Bauen eine Datenbank mit Nutzungsdauerangaben von ausgewählten Bauteilen des Hochbaus für den Leitfaden „Nachhaltiges Bauen“.

Datenbank als PDF

Quellen

M. Fuehres, L. Faul; Forschungsvorhaben Abschlussbericht: Bewertung natürlicher, organischer Faserdämmstoffe; 2000; Fraunhofer IRB Verlag

Schafwolle-Dämmstoffe

Nachnutzung

Umwelt- und Gesundheitsrisiko Rückbau

Für den Ausbau von Schafwolle-Dämmstoffen, die evtl. noch mit Borsalzen als Flammschutzmittel behandelt sein könnten (genaue Erläuterung s. Rohstoffe / Ausgangsstoffe), sollten folgende Gefahren- (H-Satz) und Sicherheitshinweise (P-Satz) angenommen werden:
H360FD: Kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Kann das Kind im Mutterleib schädigen.
P201: Vor Gebrauch besondere Anweisungen einholen.
P308+P313: BEI Exposition oder falls betroffen: Ärztlichen Rat einholen/ärztliche Hilfe hinzuziehen.

Heute werden Schafwolle-Dämmstoffe i.d.R. nur noch mit Kaliumfluorotitanat als Motten- / Flammschutzmittel behandelt.

Wiederverwendung

Bei zerstörungsfreiem Ausbau (lose verlegt) ist eine Wiederverwendung unverschmutzter Schafwolle-Dämmstoffe möglich. Eventuell sollte der Mottenschutz erneuert werden.

Stoffliche Verwertung

→ auch Lexikon / Verwertung
Schafwolle-Dämmstoffe sind prinzipiell auf gleichem Funktionsniveau wiederverwertbar. Z.T. besteht eine Rücknahmegarantie durch die Hersteller zur Wiederaufbereitung.
Größere Mengen an Schafwolle-Dämmstoffen aus Sanierungsobjekten können auch wieder textilen Fertigungsprozessen zugeführt werden. In sogenannten Reißereien werden textile Fasern, ähnlich wie Altkleider wieder zu verwertbaren Fasern, z.B. für die Automobilindustrie, aufbereitet.

Schafwolle-Dämmstoffe ohne Borsalzausrüstung und ohne synthetische Stützfasern können theoretisch kompostiert (Verwertung auf Flächen) werden.
Sie gehören derzeit jedoch nicht zu den für eine Verwertung auf Flächen grundsätzlich geeigneten Bioabfällen gemäß BioAbfV / Anhang 1 (nur unbehandelte Wollabfälle aus der Textilindustrie).

Energetische Verwertung

Ist eine stoffliche Verwertung nicht möglich, müssen Schafwolle-Dämmstoffe der energetischen Verwertung zugeführt werden.
Heizwert: 20,43 MJ/kg [Katalyse 2003]

Beseitigung / Verhalten auf der Deponie

Eine Deponierung von Schafwolle-Dämmstoffen ist seit dem 01.05.2005 ohne thermische / energetische Vorbehandlung nicht mehr möglich.

EAK-Abfallschlüssel

17 Bau- und Abbruchabfälle
17 06 04 Dämmmaterial mit Ausnahme desjenigen, das unter 17 06 01 und 17 06 03 fällt

siehe auch Lexikon / Abfallschlüssel

Quellen

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR), www.fnr.de:
Borschürenseite zum Thema Bauen
Marktübersicht - Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, FNR 2014 (download)

Verordnung über das Europäische Abfallverzeichnis (Abfallverzeichnis-Verordnung – AVV, zuletzt geändert am 24. Februar 2012, Online-Quelle

Pfundstein, M; Gellert, R.; Spitzner, M.H.; Rudolphi, A.; Detail Praxis / Dämmstoffe – Grundlagen, Materialien, Anwendungen; 2007;Institut für internationale Architektur-Dokumentation GmbH & Co. KG; München

KATALYSE Institut (2003) Informationsbroschüre „Umweltverträglichkeit von Gebäudedämmstoffen“;06/2003; Ministerium für Umwelt, Natur und Forsten des Landes Schleswig-Holstein, Kiel